Die Abnutzung der menschlichen Liebe und hohle Schwüre.
Liebe Freunde, zwei junge Leute, frisch verheiratet, die machen eine
Spaziergang. Da kommen sie an eine Pfütze. Da sagt der verliebte junge
Ehemann: Vorsicht Liebste, eine Pfütze, und hebt sie galant darüber hinweg,
damit sie sich ihre neuen Salamander-Stiefelchen, die sie sich für 480 Mark
im Exquisit[1] gekauft hat, nicht schmutzig macht. Als die beiden zwei
Jahre verheiratet sind, da sagt der Ehemann nur noch: Bass uff, ne Pfütze!
Nach fünf Jahren Ehe sagt: haste keene Oochen im Goppe![2] Und nach 10
Jahren Ehe sagte er: das war ja klar, dass du da reinlatschen musstest!
Die großartigsten Liebesschwüre des Ehemannes erweisen sich als hohl, wenn
er tatenlos zusieht, wie seine Alte in die Pfütze hineintappt oder sich in
ihren Mantel rein quält. Die großartigsten Liebesbeteuerungen einer Ehefrau
erweisen sich als hohl, wenn sie tatenlos zusieht, wie ihr Alter draußen
ohne Knopf am Mantel herumläuft. Die großartigsten Glaubensbekenntnisse
eines Christen erweisen sich als hohl, wenn er tatenlos zusieht, wie sich
irgend einer seiner Nebenmenschen mit irgendetwas abquält.
Das jüngste Gericht.
Und deshalb wird im jüngsten Gericht etwas los sein, wenn Gott uns nach
unseren Taten fragt. Denn der Satz: ich glaube an Gott, der ist natürlich
leicht gesagt. Der ist natürlich schön und gut, aber ohne konkrete
Konsequenzen, da ist der eine hohle Phrase, er ist eine Seifenblase, die im
Gericht zerplatzen wird.
Manche könnten ja vor Lachen zerplatzen, wenn die Bibel vom Gericht redet.
Manche könnten auch vor Wut zerplatzen. Vor einem Monat war ich mit dem
Wolfgang zusammen auf einer Jugendwoche, und da haben wir auch über das
Gericht gepredigt und da haben wir von kirchlichen Mitarbeitern und
Fahrerin unsere Übliche Dresche bezogen. Der Vorwurf an uns lautete: ihr
setzt die Menschen unter Druck. Ihr droht, ihr betreibt das Geschäft mit
der Angst. Mit solchen Vorwürfen lasse ich mich schon lange nicht mehr
einschüchtern, sondern ich habe schon immer darauf hingewiesen, dass es
Jesus selber ist, der vom Gericht redet.
Es ist doch nicht meine Erfindung, das sind doch nicht meine Worte, sondern
es sind die Worte von Jesus selber. Zum Beispiel Matthäus Evangelium
Kapitel 25, ab Vers 31 (das Evangelium des heutigen Tages):
Wenn der Menschensohn in seiner ganzen Herrlichkeit, begleitet von allen
Engeln, wieder kommt, wird Er auf dem Thron Gottes sitzen. Alle Völker
werden vor Ihm erscheinen. Und er wird die Menschen in zwei Gruppen teilen,
so wie ein Hirte die Schafe von den Böcken trennt. Rechts werden die
Schafe, und links die Blöcke stehen.
Drei entscheidende Punkte.
Jesus sagt hier also erstens: Er kommt wieder, zweitens: es kommen alle
Menschen in das Gericht, und drittens: es kommt die große Scheidung.
Punkt Nummer eins: Jesus kommt wieder, und zwar in Herrlichkeit. Als Er zum
ersten Mal hier war, da ist Er gekommen in Niedrigkeit. Als Säugling, als
Kind, als Mensch, als Bauarbeiter. Kein Mensch hat Ihm an der Nasenspitze
angesehen, dass Er der Sohn Gottes war. Sie konnten Ihn anspucken, sie
konnten Ihn kreuzigen, sie konnten auf Ihn pfeifen und bis zum heutigen
Tage kann jeder auf Ihn pfeifen.
Aber am letzten Tag, wenn die Weltgeschichte endgültig von Gott abgepfiffen
wird, da kommt Er in Herrlichkeit, also so, dass Ihn jeder sehen kann und
jeder sehen muss, dass Er der Herr der Welt ist.
Allen anderen Herren, vor denen du dich in deinem Leben so oft gefürchtet
hast, und vor denen du gedienert hast und gekatzbuckelt hast, denen wirst
du nie wieder begegnen. Der einzige Herr, dem du noch einmal begegnen wirst
nach deinem Tod, das ist Jesus Christus.
Und Ihm allein bist du Rechenschaft schuldig. Über dein Leben. Und nicht
nur du allein wirst vor ihm stehen, sondern Punkt zwei: alle kommen ins
Gericht. Alle Völker. Also alle Menschen, egal wann und wo und wie sie
gelebt haben. Unter welcher Regierungen, unter welchem Sternzeichen, unter
welchen Verhältnissen.
Alle Unterschiede, die es bis dahin gegeben hat, Besitzer von West-Geld
oder bloß DDR-Mark, Parteigenosse oder Normalbürger, Ausreiseantragsteller
oder Sitzenbleiber, die spielen dann keine Rolle mehr. Auch die Rasse,
schwarz oder weiß oder die Klasse, Arbeiter oder Ausbeuter, das hat sich
dann erledigt. Am Ende gibt es nur einen Unterschied: gerettet oder
verloren.
Am Ende, und das ist Punkt Nummer drei. Da kommt die große Scheidung. Am
Ende gibt es nur zwei Gruppen: Gerettete und Verlorene. Und in einer von
diesen beiden Gruppen wirst du sein. In einer dieser beiden Gruppen wirst
du deine Ewigkeit verbringen. Und die Frage ist: hast du dich schon
entschieden, wo du hin willst?
Wo willst du hin, willst du hin zu Gott oder willst du weg von Gott? Um
diese Entscheidung zu treffen, hat Gott dir ein Leben geschenkt. Um dich zu
dieser Entscheidung zu rufen, hat Gott die Kirche eingerichtet. Um dir bei
dieser Entscheidung zu helfen, da findet heute Abend dieser Gottesdienst
statt. Denn wenn du Jesus, als den Herrn deines Lebens findest, dann hast
du auch deinen Platz für die Ewigkeit, an seiner rechten Seite gefunden.
Dann wirst du bei denen stehen, die auf seiner rechten Seite sind, Vers 34:
dann wird der Richter zu denen an seiner rechten Seite sagen, kommt her:
euch hat Mein Vater gesegnet. Nehmt das Reich Gottes in Besitz das Er seit
Erschaffung der Welt für euch als Erbe bereithält. Denn als Ich hungrig
war, habt ihr Mir zu essen gegeben. Als Ich durstig war, bekam Ich von euch
etwas zu trinken. Ich war ein Fremder unter euch, ihr habt Mich
aufgenommen. Ich war nackt, ihr habt mir Kleidung gegeben. Ich war krank,
und ihr habt Mich besucht. Ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir
gekommen. Dann werden sie fragen: Herr, wann bist du denn hungrig gewesen?
Wann haben wir dir zu essen gegeben? Oder durstig, und wir gaben dir zu
trinken? Wann haben wir dir Gastfreundschaft gewährt und wann bist du nackt
gewesen und wir haben dir Kleider gebracht? Wann warst du denn krank oder
im Gefängnis und wir haben dich besucht? Der Richter wird ihnen dann
antworten: das will Ich euch sagen. Was ihr für einen meiner geringsten
Brüder getan habt, das habt ihr für Mich getan.
Keine falschen Schlüsse aus dieser Bibelstelle ziehen.
Aus dieser Bibelstelle, vor dem aus diesem letzten Satz von Jesus, da
ziehen viele Menschen einen ganz falschen Schluss. Sie sagen: es ist also
gar nicht wahr, was die Pfarrer und die Kirche sonst immer predigen,
nämlich dass es auf den Glauben ankommt, sondern es kommt auf die Werke, es
kommt auf die Taten an. Hier steht's doch, endlich mal, schwarz auf weiß!
Wer in den Himmel kommen will, der braucht weder in die Kirche zu gehen
noch zur Kirche zu gehören. Der braucht noch nicht einmal an Gott zu
glauben, das Wort Glaube kommt gar nicht vor im ganzen Absatz. Hauptsache
ist das, was der Mensch tut, seine Taten. Um ewig gerettet werden zu
werden, genügt es wenn du ein Paket Klamotten nach Nicaragua schickst, wenn
du für die Aktion Brot für die Welt spendest und wenn du deine Soli-Spende
ordentlich bezahlst. Und dann kommst du in den Himmel, egal ob du Christ
oder Atheist bist.
Wenn diese Auslegung Recht hätte, dann hätte Jesus ja gar nicht kommen
brauchen und am Kreuz zu sterben. Wenn es so einfach wäre, mit einer
Nudelsuppe ins Reich Gottes zu kommen, da brauchte Christus sich doch nicht
am Kreuz zusammenschlagen lassen. Wenn es so einfach wäre, mit ein paar
guten Taten und ein paar guten Worten das Himmelreich zu erreichen, wozu
hätte dann Jesus sein Leben geben müssen. Dann hätte es genügt, wenn Gott
gesagt hätte: seid nett zueinander, und alle von euch, die nett sind, die
können in mein Reich kommen. Egal ob Christen oder Atheisten.
Klärung dreier wichtiger Fragen dieser Bibelstelle.
Also, damit wir unsere Bibelstelle auf diese Art und Weise nicht
missverstehen, da möchte ich jetzt einmal drei Fragen klären.
Erstens: wer sind die Völker, von denen hier die Rede ist? Es heißt hier:
wenn der Menschen Sohn in seiner ganzen Herrlichkeit kommt, dann werden
alle Völker vor ihm erscheinen.
Nun sagen manche Leute: mit diesen Völkern, das sind nur die Heiden
gemeint, nur die Ungläubigen. Aber das steht ja nicht hier. Sondern hier
steht: alle Völker. Wenn Jesus sagt Alle, dann meint er auch alle. Und
außerdem sagt Jesus: das Ende der Welt Das Gericht, das kommt erst nachdem
alle anderen Völker die Botschaft an Jesus gehört haben. Es wird am
jüngsten Tage nur Menschen geben auf der Welt, im Gericht, die die
Botschaft gehört haben und die die Chance gehabt haben, sich für oder gegen
Jesus zu entscheiden. Entweder gläubig geworden oder mit Absicht ungläubig
geblieben sind.
Zweitens: wer sind die Brüder? Jesus sagt: was ihr für einen Meiner
geringsten Brüder getan habt, das habt ihr für Mich getan. Manche
behaupten, dass alle Leidenden und alle Armen Brüder von Jesus sind. Aber
so einen allgemeinen Bruderbegriff, nach dem alle Menschen Brüder sind, den
kennt die Bibel nicht. "Alle Menschen werden Brüder." So steht es bei
Schiller geschrieben. Aber nicht in der Bibel.
Jesus hat ganz klar und eindeutig definiert, wen er unter seinen Brüdern
versteht. Im Markus-Evangelium, Kapitel 3, Vers 35 da sagt er: wer Gottes
Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester.
Daraus folgt also drittens: was sind die Taten: es sind Taten an den
geringsten Brüdern? Es sind Taten an Christen, die wegen ihres Christseins
leiden müssen. Dass ein Christ auch Nichtchristen und anderen Menschen
Gutes tun soll, das ist selbstverständlich. Das steht an allen Ecken der
Bibel. Aber darum geht es nicht hier. Hier in dieser Bibelstelle geht es um
ein anderes Thema. Es geht hier in Matthäus 25 um das letzte Gericht. Und
da geht es um den Maßstab, nach welchem Maßstab wir Menschen da beurteilt
werden.
Dieser Maßstab ist der Glaube, das hat Jesus auch eindeutig gesagt. Markus-
Evangelium Kapitel 16: Wer glaubt, wird gerettet, wer nicht glaubt, wird
verdammt[3]. So hat es Jesus gesagt. Es geht also immer um den Glauben.
Glaube ohne Taten ist tot.
Nun ist aber der Satz: "Ich glaube an Jesus" leicht gesagt. Jeder Heuchler
kann den sagen. Im jüngsten Gericht werden den auch viele Menschen sagen.
Bloß ist es damit eben noch nicht getan. Denn die Taten sind die Früchte
des Glaubens. Und wo keine Früchte sind, da ist der Glaube tot.
Und deshalb stellt Jesus die Frage gar nicht in der Form, dass er sagt:
Hast du an Mich geglaubt? Sondern er stellt erst mal Alle, die an ihn
geglaubt haben, auf seine rechte Seite. Und nachdem das geschehen ist,
danach stellt Jesus fest, warum er sie dahin gestellt hat. Nämlich
deswegen, weil sie aus ihrem Glauben Konsequenzen gezogen haben. Und da
wird Jesus sehr konkret. Ich war durstig und ihr habt mir eine Cola
spendiert. Ich war aus Mosambik und ihr habt Mich zu Weihnachten am
Heiligabend in eure Wohnung eingeladen. Ich saß im Rollstuhl und ihr habt
Mich mit auf die Rüstzeit genommen. Ich saß in der Haftanstalt und ihr habt
in diesen Jahren meine Familie betreut." Und da werden die Angeredeten
sagen: was wer wie wieso wann, wir? Seit wann bist du ein Farbiger, seit
wann bist du ein Behinderter? Wo Bist du denn im Knast gewesen? Dann wird
Jesus antworten – ich hab's ja schon vorgelesen: Was ihr für einen meiner
geringsten Brüder getan habt, das habt ihr für Mich getan.
Zu denen auf seiner linken Seite aber wird Er aber sagen: geht Mir aus den
Augen, ihr verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine
Helfer bestimmt ist. Denn Ich war hungrig und ihr habt Mir nichts zu essen
gegeben. Ich war durstig, aber ihr habt Mir nichts zu trinken gegeben. Ich
war ein Ausländer unter euch, aber ihr habt Mich nicht aufgenommen. Ich war
nackt, aber ihr wolltet Mir nichts zum Anziehen geben. Ich war krank und im
Gefängnis, aber ihr habt euch nicht um Mich gekümmert. Dann werden auch sie
Ihn fragen: wann haben wir Dich denn hungrig oder durstig, nackt, krank
oder im Gefängnis gesehen und Dir nicht geholfen? Darauf wird Ihnen der
Richter antworten: die Hilfe, die ihr Meinen geringsten Brüdern verweigert
habt, die habt ihr Mir verweigert. Und sie werden der ewigen Strafe
ausgeliefert sein. Aber die Gottes Willen getan haben, die erwartet
unvergängliches Leben.[4]
Werke ohne Glauben erretten nicht. Bei Gott ist nichts vergessen.
Es kann sich also kein Mensch, also du oder irgendein Atheist, vor Gott
hinstellen und sagen: Bitte sehr: das und das sind die guten Taten meines
Lebens und weil ich so Klasse bin, musst du mich nehmen."
Nicht wir, die Angeklagten, werden im Gericht unsere guten Taten aufzählen,
von unseren Taten erzählen, sondern Jesus, der Ankläger und Richter, der
wird uns etwas erzählen. Und es fällt bei ihm keine Kleinigkeit und keine
Heimlichkeit unter den Tisch. Alles Gute, das im Verborgenen getan worden
ist, kommt genauso ans Licht, wie alles Böse, was heimlich getan worden
ist.
Es ist zum Beispiel nichts, was den Juden angetan worden ist, bei Gott
vergessen. Es gibt eine letzte Gerechtigkeit für Millionen von Toten und
für Milliarden von Tränen. Ich finde das richtig, dass in diesen Tagen so
viel und so offen über die Verbrechen an den Juden geredet wird. Aber ich
muss euch sagen, dass ich manche Schuldbekenntnisse, vor denen die Reden
jetzt so triefen, schon gar nicht mehr hören kann.
Da heißt es immer wieder: wir haben tatenlos zugesehen, wir haben
geschwiegen, wir haben uns schuldig gemacht. Und das ist leider wahr. Aber
wahr ist auch, dass bei uns in der DDR in jedem Jahr 90.000 Kinder im
Mutterleib umgebracht werden. Und da braucht es keine umständlichen
Krematorien, sondern das erledigen unsere Kliniken. Da braucht es keine
großen Massengräber, da genügen die Mülltonnen unserer Krankenanstalten.
Man hat damals gesagt: Niemand kann sicher sein, solange die Juden nicht
sicher sind. Heute muss man sagen: Niemand kann sicher sein, solange die
Ungeborenen nicht sicher sind.
Früher war der Bauch der Mutter für das Kind der sicherste Platz der Welt.
Heute ist der Bauch der Mutter für ein Kind der gefährlichste Platz der
Welt. Denn dort werden die kleinen unschuldigen Kinder zerstochen,
zerkratzt, zerstückelt und zerstört. Der Holocaust an den Kindern ist in
vollem Gange. Und wer hier tatenlos zusieht, wer hierzu schweigt, macht
sich schuldig. Und dem nehme ich seine Schuldbekenntnisse über das
Schweigen an den Judenmorden schon gar nicht mehr ab.
Das ist Heuchelei, die Untaten der Vergangenheit zu bedauern und zu den
Untaten der Gegenwart zu schweigen. Gott wird jedenfalls nicht in alle
Ewigkeit schweigen. So bedrohlich das Gericht für die einen ist, so
tröstlich ist es für die anderen. Nichts ist vergessen, nichts, kein Leid,
keine Quälerei und keine Tränen, sondern das kommt noch mal durch den
gerechten Gott zur Sprache. Und alle die, die gequält worden sind, von
denen keiner etwas weiß, die von allen Menschen vergessen worden sind:
Keiner von denen ist bei Gott vergessen. Gott wird nicht in Ewigkeit
schweigen.
Er wird es noch einmal alles zur Sprache bringen. Zum Beispiel auch die
Grausamkeiten, mit der an unseren Kliniken die Kinder im Mutterleib getötet
werden. Auch die Brutalität, mit der manche Jugendliche auf unseren Straßen
zusammengeschlagen werden.
Auch die Gemeinheit, mit der von unseren Großbetrieben Gift in die Luft
abgelassen wird. Und es wird dann nicht nur um Umweltverschmutzung und
Tötung im großen Massenstil gehen. Es wird auch um die paar Minuten gehen,
die du täglich sinnloserweise den Wasserhahn hast laufen lassen oder das
Licht hast brennen lassen. Sicher, das sind Kleinigkeiten. Aber im jüngsten
Gericht, da reitet Jesus mit einer entnervenden Sturheit auf lauter
Kleinigkeiten rum. Die nach unseren Begriffen in gar keinem Verhältnis
stehen zu der Sache, um die es geht. Es geht um unser ewiges Schicksal, um
unser ewiges Leben, um unsere ewige Verlorenheit. Und da redet Jesus hier
fortwährend von so einer Kleinigkeit wie einem Glas Wasser.
Nur wenn die Einzelposten stimmen, stimmt die Summe der Abrechnung.
Das liegt eben daran, dass Gott sich nicht mit der Behauptung: "Ich glaube
an Dich" begnügt. Sondern diese summarische Behauptung wird von Gott in
allen Kleinigkeiten durch geprüft. Und nur wenn die einzelnen Posten
stimmen, dann stimmt auch die Endsumme.
Stell dir vor du hast ein paar Schuhe gekauft… muss ja nicht im Exquisit
sein wie vorher, du warst im Konsum und hast dort ein paar Schuhe für
115,60 Mark gekauft. Du liegst jetzt das Geld dem Verkäufer auf den Tisch
und der fängt an zu zählen. 10, 15, 20, 25, 30, 35 und so weiter. Als er
bei 100 angekommen ist, hört er auf zu zählen und streicht das ganze Geld
ein. Da sagst du: "He, Moment mal, warum zählen sie nicht ganz bis zum
Ende?" Der Verkäufer sagt: "Ach, wissen Sie was, wenn es bis 100 gestimmt
hat, dann denke ich mir wird es auch bis 115,60 stimmen."
Das ist doch Blödsinn! Denn die Entscheidung, ob du ehrlich gewesen bist
beim Geld hinlegen, die fällt doch nicht am Anfang, bei den großen
Scheinen. Die fällt ganz am Ende, bei der letzten Mark und bei dem letzten
Pfennig. Wenn am Schluss ein paar Mark und ein paar Pfennige fehlen würden,
dann wäre das keine Bagatelle, sondern das wäre Betrug. Und der ganze
Geldbetrag würde zurückgewiesen und du müsstest du ohne deine Konsum-Schuhe
nach Hause gehen.
Denke doch nicht, dass Gott sich zufrieden gibt mit einem großartigen
Scheinglauben! Sondern er prüft unsere Lebensrechnung durch. Bis auf den
letzten Posten. Und sieht nach, ob unser Kapital an Nächstenliebe gereicht
hat noch für den Geringsten unserer Mitmenschen.
Und wenn nicht, dann stimmt unser ganzer Glaube nicht, und dann wird alles
zurückgewiesen. Es gibt im jüngsten Gericht nur Freispruch oder
Todesstrafe. Ewiges Leben oder ewige Verdammnis, aber nichts dazwischen.
Wir, wir alle die wir hier sind, wir sind von Gott seit Ewigkeit her für
seine Ewigkeit bestimmt. Von Anfang an. Und für jeden von uns ist ein Platz
in Gottes Reich vorbereitet.
Hast du dich für Gottes Ewigkeit angemeldet?
Der Himmel ist der vorbereitete Platz für vorbereitete Menschen. Die Frage
ist, ob du darauf vorbereitet bist, ob du dich angemeldet hast, ob du dahin
kommen willst.
Wenn es so ist, wenn du die Einladung in Gottes Reich angenommen hast, wenn
du ein "Ja" zu Gott gefunden hast und dem entsprechend gelebt hast. Dann
wird Jesus am Ende zu euch sagen: kommt her zu mir, ihr Gesegneten meines
Vaters. Und erbt das Reich, das euch vorbereitet ist.
Und wenn du die Einladung in Gottes Reich ablehnst, und nicht nach Gottes
Willen leben willst, dann kommt du in die Hölle. Dann wird Jesus zu dir
sagen: geht mir aus den Augen, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für
den Teufel und seine Helfer bestimmt ist.
Die Hölle ist anders als wir denken.
Gott ist garantiert nicht daran interessiert, dass irgendein Mensch dorthin
kommt. Gott hat die Welt ohne Hölle geschaffen. Er hat die Welt gut
geschlafen. Da gab es keine Hölle, die ist erst nachträglich eingerichtet
worden. Für den Teufel und seine Helfershelfer, die gegen Gott rebelliert
hatten.
Viele Menschen, die stellen sich die Hölle so vor, wie sie der Wilhelm
Busch gemalt hat, mit der frommen Helene. Da ist so ein Kessel, da ist
Feuer drunter und da tanzen ein paar kleine Teufelchen drum herum und einer
der kommt, der hat die Seele der frommen Helene auf der Mistgabel
aufgespießt, und der kommt daher rein geschossen und dann heißt es: Huhu,
haha, der heilige Franz ist auch schon da."
So sieht die Hölle nicht aus. Sie sieht auch nicht so aus, wie jetzt beim
letzten Eulenspiegel[5] das Titelblatt. Da hat ja der Dittrich[6] drauf
gemalt: eine sozialistische Selbstbedienungshölle. Da sitzen die Teufel
unter so einem großen Spruchband, da steht drauf "Höhere Leistung,
zufriedene Kunden", und die trinken Kaffee und die rufen einem Sünder, der
auf die Bestrafung wartet, zu, dass er sich gefälligst selber einheizen
soll.
Leute, die Hölle ist weder ein Menschengrill, noch ein
Selbstbedienungsladen, sondern die Hölle ist eine selbst gewählte, selbst
gewollte und selbstverschuldete Gottesferne.
Ich lese euch vor, wie die Bibel die Hölle beschreibt: im zweiten
Thessalonicherbriefwird kommen, Vergeltung zu üben an denen, die
Gott nicht kennen wollen, und an denen, die nicht gehorsam sind dem
Evangelium unseres Herrn Jesus. Die werden Strafe leiden, das ewige
Verderben, fern von dem Angesicht des Herrn und seiner herrlichen Macht.
Fern sein müssen von Gottes Angesicht, das ist Hölle.
Keine Verbindung mehr möglich.
Als mein Vater noch gelebt hat, da habe ich ihn oft angerufen. Und wer
Teilnehmer an unserem Telefonnetz ist, der weiß, das klappt ja nicht immer
so. Da kommt manchmal keine Verbindung zustande. Also, ich wähle die Nummer
ich höre, wie er abhebt und sich meldet, und dann fange ich an zu reden.
Ich sage: na, Tach Vater, wie war es heute, wie hast du den Tag
verbracht?" Da sagt er: Hallo?" Da sage ich: Ja, Vater wie war es denn
heute?" - Ist da jemand?" Ich ruf nur noch mal lauter: Ja, hörst du mich
denn nicht?" Da höre ich, wie er sagt: Scheint niemand dran zu sein!" Und
legt wieder auf. Und ich wähle die Nummer noch einmal und ich höre wieder
wie er abhebt, sich meldet, ich fange an zu reden: Na, Vater kannst du
mich hören?" - Ist da jemand?" - Ja hier! Ich bin der Theo in Karl-Marx-
Stadt. Hörst du mich nicht?" – Scheint niemand dran zu sein", sagt er, und
legt wieder auf.
Das ist ein Bild für Hölle. Verstehst du: ich weiß ganz genau, am anderen
Ende ist mein Vater, der ist da, mein Vater. Aber ich kann schreien so viel
ich will, er hört mich nicht, es gibt keine Verbindung.
Und das hat Jesus einmal gesagt. Es gibt, wenn das entschieden ist, wenn
einer in der Hölle drin sitzt, dann gibt es keine Verbindung in Gottes
Reich mehr. Sondern da sitzt man da drin und weiß eine Ewigkeit lang, ich
muss hier sein, obwohl ich dort sein könnte. Das ist Hölle. Genau wissen,
ich hätte bei Gott sein können aber ich habe mich in meinem Leben falsch
entschieden. Und diese Entscheidung nicht mehr revidieren können. Denn nach
dem Tode dreht sich nichts mehr. Deswegen ist das ja so entscheidend, dass
du dich jetzt, solange du lebst, entscheidest. Wenn du dich jetzt
entscheidest, als ein Atheist weiter zu leben, dann kann ich dir mit
Gewissheit wenigstens das eine sagen: in der Hölle, da gibt es keine
Atheisten. Denn die Hölle ist der Ort, wo die, die da drin sind, sehen
müssen, dass es Gott gibt.
Gott sehen müssen, und nicht zu ihm hin können, das ist Hölle. Die hat
nämlich bloß Türen wo man rein kann, wo man aber nicht mehr auskommt. Die
hat nur Fenster, wo man rausschauen kann. Und für alle Ewigkeit das sehen
müssen, was man hätte haben können aber nicht haben darf, nämlich die
Erlösung bei Gott und den Frieden bei Gott. Das ist die Qual, die wie Feuer
brennt.
Unser großer Irrtum: wir trauen Jesus das Entscheidende nicht zu.
Im Grunde genommen trauen wir alle Jesus diese Härte nicht zu. Im Grunde
genommen trauen wir Jesus doch alle nicht zu, dass er zu jemand sagt: "Zum
Teufel mit dir!" Und das ist unser großer Irrtum.
Die Härte des Gerichtsurteils ist doch nicht die Konsequenz der Härte des
Richters, sondern sie ist die Konsequenz der Härte unseres Herzens. Weil
wir uns gegenüber unseren mit Menschen hartherzig benommen haben. Und jedes
Verdammungsurteil wird Jesus einen Stich durchs Herz geben, weil er uns
nämlich lieb hat, von ganzem Herzen lieb hat. Deswegen warnt er uns ja.
Leute, eine Warnung ist keine Drohung! Eine Drohung, die kommt aus dem Hass
und will Angst machen.
Eine Warnung, die kommt aus der Liebe, die will Gutes. Jesus hat dich lieb.
Er will, dass dein Leben gut endet. Er meint es gut mit dir. Er will dich
davor bewahren, dass du in die Verdammnis rein tappst. Also, wähle! Wähle,
wo du hin willst.
Die Entscheidung, wo du in der Ewigkeit hin willst, die liegt bei dir, in
deiner Hand, in deinem Leben. Gott zwingt dir nichts auf. Gott zwingt dich
nicht in die Hölle und er zwingt dich auch nicht in sein Reich. Wenn du
ohne Gott leben willst: na bitte! Wenn du seine Gebote über treten willst,
das kannst du doch tun! Wenn du abtreiben, wenn du die Ehe brechen, wenn du
lügen willst, das kannst du doch alles machen. Gott hindert dich doch nicht
daran.
Wenn du in die Hölle laufen willst, du kannst es ja tun. Gott zwingt dich
zu gar nichts. Er lässt dir deine Freiheit. Aber er bietet dir seine
Vergebung an. Er bietet dir seinen Frieden an, er lässt dir ausrichten,
heute Abend, durch mich, es hat keinen Sinn, mit diesem Ziel der Verdammnis
vor sich zu leben. Sondern dein Leben wird erst gut, wenn du es in Gottes
Hände hineinlegst.
Aber wenn du sagst: ich brauch das alles nicht, ich will das nicht" - na
gut, es ist deine Entscheidung. Gott wird deine Entscheidung akzeptieren.
Du musst aber auch akzeptieren, dass du dann die Folgen zu tragen hast. In
alle Ewigkeit ohne den Frieden mit Gott leben zu müssen. Das heißt Hölle.
Der Kanarienvogel und das ewige Feuer. Gott will, dass alle Menschen gerettet werden.
Bei einer Party, da saß eine Gesellschaft zusammen, vor dem Kamin, in dem
Feuer brannte, und da kam das Gespräch auf den christlichen Glauben. Und da
war so ein ungläubiger Herr dabei, und der sagte: Sagen Sie einmal, ist es
wahr, dass Sie Christin sind?" – Ja" – Glauben Sie wirklich alles, was in
der Bibel steht?" – Ja, natürlich." – Glauben Sie auch, dass die Toten
auferstehen, und dass die, die nicht an Jesus glauben, in die Hölle
kommen?" – Ja". Da steht der auf, geht quer durchs Zimmer in die Ecke wo
der Käfig mit dem Kanarienvogel steht, macht den Käfig auf, holt das Tier
raus und macht Anstalten, den Vogel in das Feuer vom Kamin zu schmeißen.
Natürlich fällt die Hausfrau dem in die Arme und sagt: Sind Sie
wahnsinnig? Was soll denn das sein? Was hat Ihnen denn der arme Vogel
getan?" Da sagt der Mann: Na hören Sie mal. Ihnen tut schon dieses arme
Tierchen leid, und Ihr sogenannter Gott der Liebe, der feuert Millionen
Menschen in die Hölle? Das ist ein feiner Gott der Liebe!" Da herrscht
einen Augenblick lang eine absolute Stille. Und dann sagt die Hausfrau,
diese Christin: Sie irren sich. Gott wirft niemanden in die Hölle. Da
laufen wir Menschen nur selbst, von selbst, freiwillig rein."
Gott will, dass alle Menschen gerettet werden.
Amen.
[1] Hochwertige Bekleidungs- und Schuhläden in der DDR – Anm. des
Schreibers
[2] Sächsisch für: Hast Du keine Augen im Kopf! – Anm. des Schreibers
[3] Markus 16, 16
[4] Matthäus 25, 41-46
[5] DDR-Satiremagazin – Anm. des Schreibers
[6] Wohl der Zeichner – Anm. des Schreibers
[7] 2. Thessalonicher 1, 7-9

