Serie•Teil 4 / 7E21 Regionalkonferenz Ost 2018
Generierte Mitschrift
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Gebet und Einführung in das Thema
Hab Dank, Vater, dass Jesus versprochen hat, dass er dort ist, wo wir in seinem Namen zusammenkommen, und dass er durch seinen Geist gegenwärtig ist. Wir danken dir für deine Gegenwart jetzt. Und wir bitten dich, dass du uns offene Herzen und offene Ohren schenkst, sodass wir das, was du uns zu sagen hast, aufnehmen und beherzigen können.
Wir bitten dich wieder um deinen Segen für Wolfgang. Schenke ihm die richtigen Worte. Leite du ihn, auf dass deine Gemeinde weiterhin gebaut wird, zu Jesu Ehre hin. In Jesu Namen, Amen.
Ja, ich werde einfach mal hier so ein bisschen in mein Konzept reingehen, und wir fangen einfach mal damit an, der Theorie des sogenannten freien Willens, der Theorie des freien Willens, der Theorie des freien Willens, der Theorie des freien Willens, der Theorie des freien Willens, der Theorie des freien Willens, der Theorie des freien Willens, der Theorie des freien Willens, der Theorie des freien Willens, mal etwas näher auf den Grund zu gehen.
Das hat vielleicht ein bisschen den Anschein, dass es jetzt mehr nach Philosophie klingt, aber das soll nicht der Fall sein. Die Frage ist: Hat der Mensch eigentlich einen freien Willen? In der Regel wird sofort mit Ja geantwortet. Das ist unter Christen so und auch unter den Weltmenschen so. Der Mensch heutzutage, sagt man ja, ist autonom, er ist selbstbestimmt und frei.
Wir wollen jedoch mal kurz innehalten und ein bisschen weiter nachdenken: Wie kommt eigentlich bei dir und bei mir der freie Wille zustande? Kann man wirklich einfach so behaupten, dass jeder frei im souveränen Sinne ist in seinen Entscheidungen?
Alltägliche Entscheidungen und innere Neigungen
Beginnen wir mit der Frage, wie es sich mit unseren täglichen Willensentscheidungen verhält. Wir treffen ja jeden Tag, ich sage mal, mindestens tausend Entscheidungen. Das ist doch klar.
Wir wählen immer das, was wir wollen, stimmt das? Wir wählen: Wenn du am Gemüsestand bist und verschiedene Sorten Tomaten siehst, dann wählst du die Tomaten aus, die du willst, die du möchtest. Oder nehmen wir die Kleidung, die wir anziehen, die Speisen, die wir essen. Selbstverständlich sind wir frei zu sagen, was wir möchten.
Und dieser kleine Nachsatz „was wir möchten“, den behalten wir im Hinterkopf. Der Mensch will, was er will, oder was er möchte. Was möchten wir denn? Wir möchten immer das, was wir gerade wollen, oder wozu wir geneigt sind. Das heißt, unser Wille ist immer abhängig von unserer Neigung. Könnt ihr das nachvollziehen?
Stell dir vor, du hast dich gerade richtig satt gegessen. Dann ist es sehr leicht für dich, dich für eine Diät zu entscheiden. Das habe ich schon so oft gesagt: Wenn es mir geschmeckt hat, denke ich, ich muss mal eine Diät machen. Da habe ich zu meiner Frau gesagt: Ich fange heute damit an. Na ja, sagt sie, bis zur nächsten Mahlzeit.
Aber nach einiger Zeit kann es sein, dass der inzwischen zurückgekehrte Hunger dich dazu bewegt, doch wieder etwas anderes zu wollen. Das heißt: Wenn wir zwischen zwei Dingen wählen, sind wir ihnen gegenüber nicht neutral oder unabhängig und frei, sondern unser Wille hängt davon ab, wie wir innerlich gepolt sind, ob wir zum Beispiel satt sind oder ob wir Hunger haben.
Wenn ich satt bin und mir jemand etwas zu essen anbietet, dann treffe ich die Entscheidung zu sagen: Nein. Es ist natürlich eine freie Entscheidung, Nein zu sagen. Aber bei genauerer Hinsicht stellst du fest: Diese freie Entscheidung hängt irgendwie mit meiner Befindlichkeit zusammen.
Auch durch die in uns wohnende Sünde befindet sich eine Vorprogrammierung, die unseren Willen manipuliert. Und dabei treffen wir zwar ohne äußeren Zwang freie Entscheidungen, die aber immer von unserer Befindlichkeit gesteuert werden. Und wir sind folglich nur vordergründig frei.
Charakter, Sünde und die Begrenzung des Willens
Wenn zum Beispiel eine Frau – ich will jetzt nicht die Schwestern aufs Korn nehmen, das ist mit Männern genauso – vor ihrem Schrank steht und eine Kleidungswahl für den Tag trifft, fürs Büro oder wo immer sie hingeht, dann kann es sein, dass sie von unterschiedlichen Motiven geleitet wird. Vielleicht auch davon, Männer beeindrucken zu wollen, oder vielleicht auch von der in ihrer Art liegenden Zurückhaltung.
Eine Frau, die mehr so zurückhaltend in ihrer ganzen Anlage und Konzeption ist, die steht vor dem Schrank und sagt: Was ziehe ich an? Oh, die Bluse ist zu durchsichtig. Also, ich will da nicht ins Detail gehen oder irgendwas. Also, oh, oh, oh, nee, dann möchte ich doch lieber etwas Geschlossenes haben.
Und die andere, die sagt, die hat irgendwie das Gefühl: Oh Mann, da ist einer, der mich mag, oder mehrere, und das finde ich ganz toll. Ach, also diese Bluse mit dem besonders schönen Dekolleté, wie sagt man, Dekolleté, das ziehe ich an.
Was ich sagen will: Diese lieben Frauen, sie entscheiden natürlich frei, aber bei Licht besehen doch nicht frei, weil ihr Wille von ihrer inneren Neigung, von ihrer Eigenart bestimmt wird. Die Kräfte unseres Wesens und unsere Eigenarten bestimmen wirklich, bestimmen letztendlich, was wir wollen.
Und in Anbetracht, und das ist jetzt der entscheidende Punkt, in Anbetracht der Macht der Sünde im Menschen kann man nun wirklich nicht von einem unabhängigen Willen sprechen, es sei denn, man leugnet den Sündenfall. Oder man geht davon aus, dass dieser den Willen des Menschen nicht geschädigt hat.
Das heißt also: Adam war im Paradies wirklich frei, weil er keine sündhaften Ambitionen hatte. Er war frei in beide Richtungen, Gutes oder Böses. Wenn es in der Bibel einen einzigen Menschen gegeben hat, der wirklich frei war, dann waren das die ersten Menschen, als die Sünde noch nicht eingebrochen war. Da war im souveränen und autonomen Sinn wirklich Freiheit und freier Wille.
Und bei der Entscheidung für Christus: Hat der gefallene Mensch nicht wenigstens in dieser Sache einen freien Willen?
Der gefallene Mensch als geistlich begrenztes Wesen
Im Paradies, ich wiederhole mich jetzt, hatte der Mensch in der Tat einen freien Willen und auch einen Überblick über das Gute und das Böse, so dass er die Kraft hatte, zwischen beidem unvoreingenommen und ungebunden zu wählen. Seit die Sünde aber in sein Wesen eingedrungen ist, bestimmt sie natürlich seine Neigung.
Wir sind vom Bösen infiziert, unser Charakter ist gegen Gott gerichtet, ist gefallen, ist böse. Und das hat natürlich einen verheerenden Einfluss auf die Freiheit unseres Wollens. Als das Böse den ersten Menschen oder die Menschen noch nicht beherrschte, da waren sie frei in beide Richtungen. Als aber das Böse zu seinem Charakter wurde, war er von Natur aus nicht mehr frei für das Gute. Weshalb sich bis heute jeder natürliche Mensch gegen Christus entscheidet. Wenn der Heilige Geist ihm nicht hilft und der Mensch nur in seinem Fleisch angesprochen wird, dann entscheidet sich jeder Mensch gegen Christus, weil er gegen Gott gerichtet ist.
Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer. Da ist keiner, der nach Gott fragt, auch nicht einer. Sie sind alle böse, und ihre Füße laufen schnell, um Blut zu vergießen. Denn das Trachten, und so heißt es in diesem Grundsatz in Römer 8,7: Denn das Trachten des Fleisches ist Feindschaft gegen Gott. Also: Wenn der Heilige Geist nicht auf übernatürliche Weise zu uns kommt, uns erleuchtet und uns Offenbarung gibt, dann entscheidet sich jeder natürliche Mensch gegen Gott. Das ist sein freier Wille. Aber er ist nicht frei, weil seine Neigung und sein Herz böse sind.
Ein guter Bekannter, ich will das mal an einem Beispiel versuchen zu erläutern, beklagte sich einmal bei mir, dass er neuerdings von so vielem verleumdet und bestohlen werde. Sogar der Briefträger breche bei ihm ein und klaue ihm Wäsche. Ich habe meinen lieben Kollegen also angeguckt und habe gesagt: Hier stimmt doch etwas nicht. Es klang sehr nach Zwangsvorstellung, nach krankhafter Zwangsvorstellung.
Natürlich wollte ich helfen und sagte ihm, dass seine Freunde doch alle zu ihm stehen und dass der Briefträger unter keinen Umständen seinen Wäscheschrank durchsucht. Das bildet er sich ein, und ich habe versucht, ihm das zu erklären, dass das doch nicht so ist. Das Ergebnis war, dass er auch zu mir jeden Kontakt abbrach und am Ende auch mich zu seinen Feinden zählte. Ihr habt sicherlich so etwas auch schon einmal angetroffen.
In seinem Verfolgungswahn zog er in eine fremde Stadt und verstarb nach Jahren in großer Einsamkeit.
Geistlicher Tod und die Wahrnehmung des Göttlichen
Wiewohl mein Bekannter täglich freie Entscheidungen traf, war er doch nicht frei. Er ging zum Einkaufen und kaufte, was er wollte. Er fuhr dorthin, wohin er wollte. Er legte sich schlafen, wann er wollte, und stand auf, wann er wollte. Er war ein freier Mensch, er war nicht im Gefängnis.
Er traf jeden Tag freie Entscheidungen, und doch war er nicht frei, seinen besten Freunden zu vertrauen. Bei der Frage, ob er ihnen glauben solle oder nicht, war er nur in eine Richtung frei, nämlich ihnen nicht glauben zu können. Wiewohl er diese Entscheidung freiwillig, von sich aus und ohne äußeren Zwang getroffen hat, kann man wohl dennoch nicht davon sprechen, dass sein Wille wirklich frei war, denn er war befangen.
Obwohl er theoretisch frei zwischen Vertrauen und Misstrauen hätte wählen können und er auch gewählt hat, war er psychisch so voreingestellt, dass er immer nur Verdacht schöpfte. Und da halfen auch keine Appelle an seine Vernunft, denn die innere Beschaffenheit seines Wesens legte seine Wahl fest.
Natürlich antworten wir darauf, dass dieser Mann doch krank war, psychisch krank. Darauf entgegne ich: Aber ist nicht der gefallene Mensch auch krank? Schlimmer noch, er ist nicht nur krank, sondern die Bibel erklärt ihn für geistlich tot.
Paulus schreibt in seinem Brief an die Epheser: „Ihr wart tot durch Übertretungen und Sünden, in denen ihr einst gelebt habt nach dem Lauf dieser Welt, gemäß den Begierden unseres Fleisches, indem wir den Willen des Fleisches und der Gedanken taten; wir waren von Natur Kinder des Zorns. Gott aber, der reich ist an Erbarmen, hat uns um seiner großen Liebe willen, uns, die wir tot waren durch die Übertretungen, mit dem Christus lebendig gemacht; aus Gnade seid ihr errettet.“
Was dieser Satz sagt, ist, dass wir um unserer Übertretungen willen tot sind. Seit die Übertretungen in das Leben der Menschheit eingebrochen sind, ist uns die Antenne für Gott verlorengegangen. Uns ist die Wahrnehmungsfähigkeit für geistliche, für göttliche Dinge abhandengekommen. Wir leben in einer beschränkten Welt, wie dieser psychisch Kranke.
Paulus vergleicht hier die völlige Verdorbenheit des Menschen mit dem Tod, aus dem heraus er sich absolut nicht mehr helfen kann. Allerdings ist dieser Tod des Sünders nicht biologischer Art, sondern er ist tot durch Übertretung und Sünden. Sein Tod besteht darin, dass er zwar klinisch lebt, aber unwissend ein Leben auf niedrigerer Ebene führt.
Das muss man jetzt vorsichtig sagen, denn nachher sagen Menschen, die nicht glauben: Aha, wir sind also auf niedrigerer Ebene, und die Gläubigen leben in einer höheren Dimension. Wenn sie das auch verletzen sollte, aber es ist genau das.
Die Sinne des Glaubens und die Bilder der Schrift
Paulus hat den Glauben als einen vierten Sinn betrachtet. Du kannst hören: Wie viele Sinne haben wir denn? Hören, sehen, riechen, schmecken sind vier. Dann hat er den Glauben als fünften Sinn. Wie viele haben wir denn? Ach, entschuldige, ich wollte nur wissen, ob ihr noch zuhört. Ja, ja, ja, also fünf: Der Glaube ist der sechste Sinn.
Also, wir haben fünf natürliche Sinne und können Dinge wahrnehmen, können die Welt wahrnehmen. Aber dieser sechste Sinn, mit dem wir das Göttliche wahrnehmen können, dass Gott hier gegenwärtig ist, das kann nur der wahrnehmen, dem der lebendige Glaube von Jesus Christus ins Herz gepflanzt worden ist. Der Ungläubige vernimmt nichts davon.
Deswegen sagt Paulus im Korintherbrief: Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geiste Gottes. Er ist taub, er ist blind, er ist tot. Das ist das Bild. Ihr müsst wissen: Er kann das nicht wahrnehmen, göttliche Dinge nicht wahrnehmen, nach dem Lauf dieser Welt und nach dem Willen des Fleisches, schreibt er. Er ist der Gesetzmäßigkeit des toten Lebens unterworfen.
Die Bibel ist manchmal ganz drastisch. Sie vergleicht dieses Leben auch mit einem Hundeleben. Auch würde ich nie in einer öffentlichen Evangelisation oder so predigen. Denn so, wie ein Hund seiner Natur nicht entfliehen kann, sondern wieder umkehrt zu dem, was er erbrochen hat, das schreibt 2. Petrus 2,22. Ihr wisst: Ein Hund kehrt zurück zu dem, was vorne rauskam, und auch zu dem, was hinten rauskam. Und er ist ständig mit seiner Schnauze immer am Wühlen.
So wie ein Hund seiner Natur nicht entfliehen kann, sondern wieder umkehrt zu dem, was er erbrochen hat, kann auch der Mensch seiner gefallenen Natur nicht entfliehen, sondern er geht den Weg des Verderbens immer weiter. Wie ein Hund seiner Art gemäß schnüffelnd von einem Dreck zum nächsten läuft, so sucht der Mensch sein Leben in der Sünde. Das tut er nicht durch fremden Zwang, sondern ganz und gar freiwillig, schlicht weil es seine Neigung ist. Es ist seine Neigung.
Und weil der Mensch auf diese Weise in sich selbst ahnungslos gefangen ist, deshalb will er da auch nicht heraus. Und darum nennt Paulus diesen Zustand Tod. Es bedeutet nicht, dass der gefallene Mensch keinen Willen mehr hat, das haben wir ja gesehen. Wiewohl er geistlich tot ist, hat er immer noch die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, viele Entscheidungen zu treffen. Und natürlich ist sein Wille frei, aber immer im Rahmen seines Charakters, im Rahmen seiner Befindlichkeit, im Rahmen seines vorgegebenen Wesens.
Er kann nur den Willen des Fleisches tun, aber nicht den Willen Gottes. Und genau da liegt die Ursache seiner Unfähigkeit, sich selbst zu Gott zu bekehren, und darin besteht sein geistlicher Tod. Nicht, dass er im Rahmen seines gefallenen und niederen Seins nicht täglich wählen könnte, was ihm gefällt. Aber das Göttliche zu wählen, das liegt außerhalb seiner Reichweite. Dafür, das habe ich schon gesagt, hat er keine Wahrnehmungsfähigkeit, keine Antenne.
Die Bibel nennt ihn den natürlichen Menschen, der nichts vom Geist Gottes vernimmt. Und darum hat er am geistlichen Leben so viel Interesse wie beispielsweise ein Maulwurf an der Sonne.
Tierbilder, Reformatoren und die Lehre von der Gnade
Es gibt auch ein, wie ich finde, plausibles Gleichnis. Man kann es natürlich nicht eins zu eins umsetzen, aber es ist das Bild eines Wolfes oder eines Schafes.
Wenn man beispielsweise einem Wolf zugleich Fleisch und Gemüse vorsetzt, also einen Teller Fleisch und einen Teller Gemüse, was meint ihr, welchen Teller wählt der Wolf? Nach seinem freien Willen. Tut er das? Na klar, er könnte auch anders. Niemand zwingt ihn. Er ist völlig frei. Der Wolf wählt Fleisch, der gefallene Mensch wählt Sünde. Nur will ich nicht sagen, dass Fleisch Sünde ist, aber er will es.
Nun stellt man einem Schaf einen Teller Fleisch und einen Teller Gemüse oder Salat vor. Was wählt das Schaf? Na ja, stellt euch keine dumme Frage, nicht wahr? Natürlich Gemüse. Auch das Schaf hat einen freien Willen. Und trotzdem wählt das Schaf, ich weiß nicht, kommt es vor, dass ein Schaf auch Fleisch frisst, vielleicht mal oder so? Ich habe das noch nie gehört, also glaube ich, nein, das kommt nicht vor. Siehst du, es kommt nie vor: Ein Schaf wählt immer Gemüse, und der Wolf wählt immer Fleisch. Und es ist alles auf der Grundlage ihrer freien Entscheidung. Niemand nimmt den Wolf und sagt: Das musst du. Oder dem Schaf: Das musst du. Sondern es geschieht aus seiner Freiheit, aus seinem Wollen.
Aber wie ist die Entscheidung zustande gekommen? Durch das innere Wesen, durch ihre innere Natur. Und deswegen lehrt die Bibel, und eben auch die Reformatoren haben das gelehrt. Das war, ja, man kann sagen, das war ihr Schlachtruf. An dieser Frage steht und fällt für sie das Evangelium.
Ihr wisst, gerade aus der katholischen Kirche kommend, Werkegerechtigkeit: Da ging es nur um das Wollen und gute Werke leisten und Tetzel bezahlen und so weiter. Wenn du also genug gibst und noch mehr gibst und noch mehr gibst, dann springt die Seele aus dem Fegefeuer, also ins Paradies.
Das war eine furchtbare, dunkle Zeit, und Gott hat dann die Reformatoren gerufen und hat diese Grundsatzfrage wieder geklärt, zwar unter Schmerzen, ja, unter Folter, unter Kampf, aber es ist von der Schrift her eine Grundsatzfrage, die die Bibel geklärt hat.
Die Unfreiheit des gefallenen Menschen und die Verantwortung vor Gott
So ist es auch mit dem Menschen, wie mit dem Wolf oder dem Hund. Seit dem Sündenfall steckt eine so böse Natur in uns, dass wir jegliches Verlangen nach Gott verloren haben und sich deshalb auch niemand für Christus entscheidet. Zu dieser Gottesverweigerung wird kein Mensch von außen gezwungen, aber von innen her lässt ihm seine gefallene Natur keine Wahl. Sie hat eine angeborene feindselige Abneigung Christus gegenüber, und deshalb will sie nicht.
Unter diesem Licht müssen wir auch die Worte Jesu sehen, die er zum Beispiel an Jerusalem gerichtet hat: „Ich habe euch versammeln wollen wie eine Henne ihre Küken, aber ihr habt nicht gewollt.“ Sie wollen nicht. Man kann auch sagen: Sie können nicht wollen. Von daher kann es tatsächlich nicht an jemandes Wollen liegen.
Deswegen kommen diese biblischen Sätze. Und auch jemand von euch hat vorhin gefragt: Ja, haben wir keine Verantwortung? Es steht doch geschrieben: „Schaffet eure Seligkeit mit Furcht und Zittern.“ Und wenn der Satz nicht mit einem Punkt endet, sondern mit einem Komma oder einem Semikolon und dann der nächste folgt, dann heißt es: „Denn Gott wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen.“
Das ist fast eine Ironie. Aber das ist immer die Not, die wir haben. Das will ich jetzt dem Fragesteller nicht unterstellen, aber ich habe diese Frage auch gehabt: „Schaffet eure Seligkeit mit Furcht und Zittern“, das ist doch ein Appell an den menschlichen Willen. Aber, Freundchen, lies weiter, denn Gott wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen.
Die Schrift sagt: Wenn ein Mensch will, wenn ein Mensch sich zu Christus bekehren will, dann ist das schon das Ergebnis eines Wunderwerkes Gottes im Herzen des Menschen. Da ist keiner, der will, und keiner, der nach Gott fragt, sondern Gottes Erbarmen ist nötig. Und vor diesem Hintergrund deshalb der erste Punkt: Wie gesagt, ich plädiere nicht für Calvin, und wir predigen auch nicht Calvin. Aber wir müssen die Männer und Frauen, die diese wunderbaren Wahrheiten hochgehalten haben, ernst nehmen. Sie sind natürlich auch Sünder gewesen, wie auch die Männer in der Bibel alle Sünder waren. Der einzige, der alles richtig gemacht hat, war Jesus.
Jemand hat mal gesagt: Wenn du wüsstest, was der Calvin alles auf dem Gewissen hat, was der damals auch gemacht hat, der hat einen Mann da also ins Gefängnis sperren lassen und nachher hat er zugesehen, wie man ihn zu Tode gebracht hat. Dann habe ich gesagt: Ja, mein Freund, man kann doch jetzt nicht den Calvinismus verwerfen, wenn du sein Leben anstellst, dann darfst du auch keine Psalmen mehr lesen. David hat auch Leute umgebracht. Ist das so?
Wir können die Richtigkeit oder Verkehrtheit einer Lehre nicht daran festmachen, ob ein Mensch Sünder war oder kein Sünder war. Wir haben alle Fehler gemacht. Auch Abraham, der Vater aller Gläubigen, war ein ganz schlimmer Bursche. Alle haben sie gesündigt, nur Jesus hat nicht gesündigt. Calvin war auch ein ganz großer Sünder, ja, das ist richtig. Der hat vieles, vieles falsch gemacht. Aber dass er die Lehre von der freien Gnade mit den anderen Reformatoren wiedererkannt hat, das war eine Erlösung.
Der erste Punkt des Calvinismus spricht von der totalen Verdorbenheit des Menschen, aus der er sich selber heraus nicht helfen kann. Und deshalb ist ein souveränes Eingreifen Gottes nötig. Diese biblische Tatsache sollte uns tief beugen und uns dankbar daran erinnern, dass wir uns nie bekehrt hätten.
Hör mal, das ist für dich wichtig, das ist jetzt seelsorgerlich wichtig: dass du dich nie bekehrt hättest, wenn Gott dich nicht zuvor dazu willig gemacht hätte. An der Geschichte des hartnäckigen Saulus sehen wir, dass auch er nie gewollt hätte, wenn Gott ihn nicht dazu gebracht hätte. Der wollte nicht. Könnt ihr euch erinnern? Der Herr sagt: Es wird dir schwer fallen, gegen den Stachel auszuschlagen. Da ist also quasi der Ochsentreiber da mit dem Stecken und der muss den Ochsen quasi mit Gewalt treiben.
So hat Gott die Bekehrung des Saulus gesehen. Da war nichts so. Gott hat nicht gesagt: Ja, Saulus, wenn du nicht willst, dann kann ich das nicht ändern. Sondern die Bekehrung liest sich so: Wenn du nicht willst, dann werde ich dir zeigen, wer hier was will. Ja, ist oder nicht? Also wenn ihr das Bild von dem Treiber, von dem Stecken und dem Tier seht und es wird dir schwer fallen, auszuschlagen gegen diesen Stecken, also egal wie viel du ausschlägst, ich bring dich schon dahin, wo ich dich hin haben will.
Und das hat Gott gemacht, das hat er auch mit dem Kerkermeister gemacht. Dem fällt das Gefängnis fast auf den Kopf, und dass der anfängt zu zittern. Nein, Gott hat nicht gesagt: Kerkermeister, hör mal, nun hast du einen Apostel hier, und der hat dir gesagt, willst du nur oder willst du nur, bitte, bitte, will doch jetzt. Nein, wenn du nicht willst, schmeiße ich dir das Gefängnis auf den Kopf. Erdbeben, nicht wahr, könnt ihr euch erinnern? Und Gott hat ihn in Angst und Schrecken versetzt, und dann hat er gerufen: Was muss ich tun, dass ich gerettet werde? Das hat er nicht am Anfang gesagt, sondern das hat er am Ende gesagt, nachdem Gott mächtig, mächtig, mächtig in sein Leben eingegriffen hat.
Und so läuft jede Bekehrung, nicht unbedingt mit Erdbeben, aber viele haben auch Erdbeben gehabt. Ich habe euch erzählt von meinem Vater vom Sterbebett, ich hatte Erdbeben, und Gott hat mir geholfen. Auch die Purpurkrämerin Lydia wäre nie Christin geworden, wenn der Herr ihr nicht zuvor das Herz aufgetan hätte. Wir lesen das ausdrücklich in diesen Berichten auch von den Bekehrungen der Menschen.
Wir haben also nichts, noch nicht mal das Wollen. Wenn der Herr uns das in seiner Gunst nicht täglich schenken würde, dann würden wir alsbald verstocken. Und darum beten wir dringend mit David: „Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe“ und jetzt kommt es: „Mit einem willigen Geist rüste mich aus.“ Ja, sagt er weiter, Gott wolle unser Herz zu ihm neigen, dass wir in allen seinen Wegen wandeln, seine Gebote, Satzungen und Rechte halten.
Also David hat etwas davon gewusst, und er sagt: „Ich kann in mir nicht. Ich bin auf Gottes Hilfe angewiesen, er muss mich mit einem willigen Geist ausrüsten. Gott wolle unser Herz zu ihm neigen.“
Evangelisation, Erst- und Zweitursache
Wenn du eine Gruppe von unerretteten Menschen hast, habe ich früher immer gedacht: Ich muss auf die Leute einhämmern. Ich habe mich immer als Überredungskünstler verstanden, als Pastor und Evangelist. Ich dachte immer, meine Argumente müssen stichhaltig sein, meine Eloquenz muss brillant sein, und meine Beispiele und Illustrationen müssen die Leute fesseln.
Und wenn ich sah, dass einer aufstand oder einer eingeschlafen ist, dann hätte ich am liebsten mit Erbsen nach ihm geworfen. Ich habe eine solche Konzentration darauf gerichtet, dass bloß die Leute hören, was ich sage. Und wenn ich das nicht richtig rübergebracht habe, dann bin ich hinterher tausend Tode gestorben, weil ich mir selbst vorgeworfen habe: Warum hast du mir das nicht? Ich habe gedacht, es liegt alles an mir. Es liegt alles an mir.
Und heute weiß ich: Es liegt gar nichts an mir. Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Man kann dynamisch predigen. Jonathan Edwards hat ein Manuskript gehabt, hat eine ganze Stunde nichts anderes gemacht als vorgelesen, langweilig, und eine Erweckung ist ausgebrochen. Das hängt nicht an unserer Art, was wir machen und wie wir sind. Gott hat uns unterschiedlich begabt. Natürlich wollen wir verantwortlich handeln und das Beste tun, wie wir es können. Aber wir müssen wissen: Wenn da ungläubige Menschen sind und Gott, der Herr, ihre Herzen nicht zu ihm neigt durch ein inneres Werk des Heiligen Geistes, durch einen Akt seiner Barmherzigkeit, dann können wir auf dem Kopf stehen und sonstige Effekthaschereien betreiben. Die Erweckung kommt nicht. Die Bekehrung kommt nur durch das willig machende Wirken des Heiligen Geistes.
Es ist also Erbarmen nötig, bevor einer will. Und in der Tat: Gott ist reich an Erbarmen. Man hat uns, die wir tot waren, allein aus Gnade errettet. Bevor also irgendeine geistliche Regung im Menschen da ist, bevor eine Willensbereitschaft da ist, eine Buße, eine Bekehrung, müssen wir erst aus unserem geistlichen Tod heraus mit Christus lebendig werden. Erst dann wollen wir, erst dann glauben wir. So kommt auch bei der Entscheidung für Christus zuerst das Leben und dann der Wille.
Und dazu kann ich vielleicht mal einhaken. Da war noch eine Frage: Was ist der Sinn von Evangelisation? Ich habe es schon versucht zu erklären. Gott benutzt, das ist auch sein Ratschluss, die Verkündigung des Evangeliums. In der Bibel steht nirgendwo, dass wir zu den Leuten sagen sollen: Überprüft mal, ob ihr erwählt seid, überprüft mal, ob ihr vorherbestimmt seid. Habt ihr so eine Predigt in der Bibel gesehen? Nein. Sondern in der Tat, es ist wahr: Die Bibel sagt, wendet euch an das Herz der Menschen.
Und deshalb hat Petrus nicht gepredigt: Ich muss jetzt mal überprüfen, wer zum ewigen Leben berufen ist. Hand hoch! Nein, er hat einfach gepredigt: Glaubt, tut Buße und bekehrt euch! Und Paulus sagt zum Kerkermeister: Glaube an den Herrn Jesus Christus, so wirst du und dein Haus gerettet. Unsere Predigt ist nicht, herauszufinden, wer errettet ist und wer nicht errettet ist. Wir predigen allen Menschen das Evangelium und sagen ihnen allen die Botschaft. Und Gott hat beschlossen, durch das Mittel unserer Verkündigung, durch das Mittel seines Wortes, die Menschen mittels des Heiligen Geistes, die er berufen hat, zum Leben zu bringen. So bin ich im Grunde genommen nur ein Handlanger.
Das heißt mit anderen Worten: Es hört sich so an, als würde ich tatsächlich sagen, dass der freie Wille des Menschen der ausschlaggebende Faktor ist. Wenn man so reinkommt und der Pastor sagt: Tut Buße und bekehrt euch, glaubt an den Herrn Jesus Christus, dann versteht jeder, der da gerade reinkommt, dass er an den Willen des Menschen appelliert. Aber der Pastor, der das Evangelium kennt und die Hintergründe und die tieferen Gründe, der weiß um etwas. Und jetzt hört mal gut zu, das ist etwas, was die Reformatoren uns auch gelehrt haben. Das ist die Lehre von der sogenannten Erstursache und Zweitursache. Ich will es euch versuchen zu erklären: die Erstursache und Zweitursache.
Wenn ein Mensch an Krebs stirbt, dann sagen die Menschen, und wir Christen auch: Er ist an Krebs gestorben. Stimmt das? Wie? Ist er an Krebs gestorben? Na klar, wir Christen sagen auch, er ist an Krebs gestorben. Krebs war die Ursache, aber es war nur die Zweitursache. Die tiefere Ursache, die Erstursache, war, dass sein Leben nach Gottes Plan abgelaufen war. Denn die Bibel lehrt uns: Meine Zeit steht in deinen Händen. So ist beides richtig: Er ist an Krebs gestorben, aber das ist nur die Zweitursache. Richtiger als Erstursache ist: Er starb am Willen Gottes! Könnt ihr das nachvollziehen?
So ist es auch, wenn einer gegen den Baum gefahren ist. Ja, er hatte die Winterreifen nicht gewechselt. Er hatte die Sommerreifen nicht auf Winterreifen gewechselt. Und deswegen kam er auf der glatteisigen Straße ins Schleudern und landete am Baum. Wie kam es, dass er gegen den Baum fuhr? Ja, er hatte schlechte Reifen. Das ist die erste, das ist die zweite Ursache.
Aber die Erstursache war: Gott in seiner Vorsehung hatte beschlossen, diesem Menschen das Leben zu beenden und ihn nach Hause zu holen. So gibt es das in allen unseren Lebenslagen. Ich habe das Flugzeug verpasst, weil ich im Stau stand. Der Stau war nur die Zweitursache. Die Erstursache war, weil Gott mich zurückhalten wollte, damit ich mit dem Flieger nicht abstürze. Gegebenenfalls. Und genauso ist es auch in der Bekehrung.
Natürlich, wenn einer reinkommt und der Evangelist sagt: Wer möchte sich bekehren? Ulrich Parzany ruft die Menschen irgendwie zu einem Leuchtkreuz oder was, dann kommen Menschen nach vorne, und da sind gewiss auch Leute, die sich bekehren, die errettet werden usw. Dann sagt der, der als neutraler Beobachter reinkommt: Ja, der hat an die Leute appelliert, und nun haben sie eine Willensentscheidung getroffen für Christus, und das ist der Grund, warum sie errettet sind.
Hör: Das ist nur die Zweitursache! Das ist nur die Zweitursache! Sein freier Wille ist nur der Fürst des Hauses und nicht das Fundament, wie Spurgeon es sagte, vorhin habe ich es zitiert. Die Erstursache ist der Wille Gottes, der dem Menschen das Herz willig gemacht hat. Habt ihr das verstanden?
Das ist ganz wichtig. So könnt ihr die Rätsel eures Lebens verstehen. Und wenn ihr die Sprache des Alten Testamentes mal auf euch wirken lasst und genauso auch des Neuen Testamentes, dann lesen wir: Da ist ein Kind gestorben, und die Bibel sagt: Der Herr schlug das Kind, und es starb. So würden wir heute nicht mehr reden. Aber das kommt von dieser Klarheit: Gott ist es, der Menschen sterben lässt. Es gibt eine irdische Ursache, eine menschliche Ursache, das ist aber nur die Zweitursache.
Und so ist es auch mit dem sogenannten Willen. Wir dürfen und können und wollen nicht sagen, dass bei der Bekehrung und Errettung der Wille des Menschen keinerlei Rolle spielt. Aber er ist nur die Zweitursache. Der Herr Jesus lehrt uns das Gleiche. Er sagt: Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Und darum habe ich euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn vom Vater gegeben. Es ist ein ähnliches Wort. In Johannes 6 wird das ja sehr stark deutlich.
Und da möchte ich euch wirklich ermutigen, dass ihr euch nie dazu verleiten lasst, immer nur einen Ausschnitt eines Bibelwortes zu nehmen, der dann also auch verwendet wird, um diese Wahrheiten von der freien Gnade zu diskreditieren. Zum Beispiel heißt es: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Und dann predigst du: Jeder kann kommen, jeder, der will, kann kommen, und kommt alle zu Jesus. Richtig, richtig, jeder darf zu Jesus kommen, jeder darf zu Jesus kommen, und wenn du kommst, dann werde ich dich nicht hinausstoßen. Aber wie heißt der ganze Vers? Der ganze Vers, von vorne gelesen, lautet: Alles, was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir. Und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.
Was sagt das Ganze? Was sagt Jesus? Jesus sagt: Es kommt nur der zu mir, der mir zuvor von meinem Vater im Himmel gegeben wurde. Enorm! Und solche Beispiele zeigen, dass wir das Wort Gottes in seiner Gesamtheit lesen dürfen und müssen. Also: Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn vom Vater gegeben. Hier spricht also auch der Herr über die moralische Unfähigkeit des Fleisches. Es ist nichtsnützig, es kann und will Christus nicht ergreifen.
Luther, Gnade und die seelsorgerliche Entlastung
Und was haben die Reformatoren gelehrt? Ganz im Sinne Christi hat Martin Luther gewirkt. Im Dezember 1525 brachte er eine Grundsatzschrift heraus, die sich leidenschaftlich gegen die Lehrmeinung des humanistischen Erasmus von Rotterdam wandte, der die These vom freien Willen vertrat. Der Titel dieser Erwiderungsschrift Luthers lautete Vom unfreien Willen. Auf dass der Wille nichts sei. Das ist ein dicker Schinken; er nennt es sein wichtigstes Werk der Reformation.
Der Reformator erörterte darin die Frage, ob der Mensch nach dem Sündenfall die Freiheit behalten habe, sich aus eigener Kraft für Gott zu entscheiden, oder ob diese Entscheidung nicht schon selbst Geschenk der Gnade sei. Dabei berief sich Luther auf Paulus und betonte vehement, dass die Errettung von A bis Z allein aus Gnade sei und nicht die Belohnung für eine gute Willensentscheidung. Der freie Wille ist nicht Auslöser der Gnade, sondern Ergebnis der Gnade. Andernfalls würde unser Heil ja auf Werken menschlichen Wollens beruhen, was eine Verkehrung des Evangeliums bedeuten würde.
Darum predigte Luther auch sonst entschieden gegen die falsche Lehre vom freien Willen und sagte Folgendes wörtlich: Da die Menschen Fleisch sind, wie Gott selbst bezeugt, so können sie nicht anders als fleischlich gesinnt sein. Deshalb kann der freie Wille nur zum Sündigen ein Vermögen haben. Oder er sagt: Wer des Menschen freien Willen verteidigen will, dass er etwas vermöge in geistlichen Dingen und mitwirken könne, auch im Geringsten, der hat Christum verloren und verleugnet.
Also, das ist Luther, das ist nicht Calvin, das ist Luther. Die haben das brachialisch ausgedrückt. Und ich kann eigentlich nur sagen: Wenn man es bei Licht besieht, stimmt es. Noch einmal: Luther hat gesagt, wer des Menschen freien Willen verteidigen will, dass er etwas vermöge in geistlichen Dingen und mitwirken könne, auch im Geringsten, der hat Christum verloren und verleugnet.
Wir können also der Gnade Gottes niemals zuvorkommen und dürfen deshalb einfach sagen: Herr, nichts habe ich zu bringen, alles, Herr. Bis hin zu dem Lied: „Du, Lichtstern, auf den ich schaue.“ Das wunderbare Lied. Auch in den alten Liedern der Kirche und Gemeinden kommt diese Wahrheit immer wieder deutlich zum Tragen.
Was ich euch zum Schluss einfach noch einmal wiederholend sagen möchte, ist: Mich hat auch aus der Sicht eines Pastors diese Erkenntnis, die inzwischen in mein Fleisch und Blut, in meinen Geist und mein Leben übergegangen ist, so geprägt, dass ich gar nicht mehr anders denken kann und auch nicht mehr anders denken möchte. Mich hat das zu einer totalen Entspannung geführt.
Natürlich kommen Fragen auf, das wurde ja auch gesagt: Was passiert mit den Menschen, die Gott nicht erwählt hat? Muss ich wirklich Gottes Probleme beantworten? Paulus hat gesagt: Spricht denn der Töpfer dem Ton auch zu seinem Töpfer: Warum machst du mich so? Diese Frage, warum ist das so, und ist Gott denn nicht ungerecht, und warum werden die einen erwählt und die anderen werden gelassen? Da sagt Paulus: Da kommen wir an unsere Grenzen. Wir können Gottes Logik nicht erklären. Er mahnt uns vielmehr richtig und schimpft mit uns: Was stellt ihr für dumme Fragen? Gott ist doch Gott! Wieso könnt ihr ihn vor sein Gericht stellen und euch wie Thronen benehmen und meckern, dass der Töpfer euch so knetet oder so knetet oder euch in den Ascheimer wirft oder was auch immer? „Kann ich denn mit dem Meinen nicht machen, was ich will?“
Das ist eine Frage der Demut. Diese Lehre ist nicht dazu gegeben, theologischen Streit hervorzubringen, sondern diese Lehre ist dazu gegeben, im Staub und in Demut zu verfallen und zu sagen: Womit habe ich verdient, dass ich gerettet werde oder gerettet worden bin? Wie kann es sein, dass Gott mich errettet hat, dass ich gläubig geworden bin? Was ist das für ein Segen, dass ich eine Antenne für Gott habe und ich glauben kann, und bei den anderen liegen Säcke und Betonplatten auf dem Kopf, und sie können es nicht wahrnehmen. Du kannst mit ihnen reden und reden, und sie kapieren es nicht. Und ich durfte es sehen, verstehen, erfahren, erleben: Ich bin errettet, ich bin ein Kind Gottes, ich kann es nicht erklären. Versucht diese Dinge nicht zu erklären, sondern versucht sie zu glauben.
Und vor allen Dingen sind sie seelsorgerlich so wichtig, wie ich vorhin schon gesagt habe: nicht nur am Ende des Lebens, sondern durch das ganze Leben, aber besonders auch am Ende des Lebens, wenn die Krisen kommen, wenn es zum Sterben geht. Du wirst sagen: Warum? Woher weiß ich, dass ich dann am Ende auch selig werde? Wenn ich euch so angucke: Ihr seid ziemlich schlechte Christen, stimmt’s? Oder seid ihr tolle? Sonst muss ich auch rausgehen, denn ich gehöre nicht zu den tollen Christen. Wenn ich so mich anschaue, was ich alles für Mist gebaut habe, auch als Christ, dann kann ich einfach nur sagen: Oh, oh, oh, oh.
Im Islam ist es so: Da kommst du erst einmal gar nicht in den Himmel. Da kommen alle erst einmal in die Hölle, und wenn du gut genug bist, dann nimmt Allah dich. Aber das weißt du nie, ob du gut genug bist. Die leben alle unter Angst. Aber Paulus sagt: Wir als Gotteskinder haben nicht den Geist der Knechtschaft empfangen wieder zur Furcht, sondern wir haben den Geist der Sohnschaft empfangen, durch den wir rufen können: Aber, lieber Vater! Das ist der Heilige Geist in deinem Herzen, der eine Vater-Kind-Beziehung installiert hat, und du einfach sagen kannst: Ich kann mich fallen lassen.
Wenn es zum Sterben geht und du sagst: Oh, warum, was habe ich bloß gemacht? Manche Christen leiden, und ich kenne sie in großer Zahl. Sie kommen über ihre Schuldzustände nicht weg. Warum kann ein Christ nicht glauben, dass Jesus ihm vergeben hat? Die haben so viel Schuldkomplexe, dass sie psychisch krank werden. Die müssen sogar in psychiatrische Kliniken eingewiesen werden, weil sie mit ihrer Schuld nicht fertig werden. Ja, sie sagen: Ich verstehe, dass Jesus meine Sünden getragen hat, ich verstehe, dass Jesus mir alles vergeben hat, aber, aber, aber meine Schuld.
Wisst ihr, woher das kommt? Weil in den Herzen der Menschen ganz tief drin diese Irrlehre der Werkgerechtigkeit eingepflanzt ist, tief in ihren inneren Sinnen und Gedanken, intuitiv. Ist es so, dass sie immer noch meinen: Ich komme nur in den Himmel, wenn ich gut bin? Diese Lehre von der Erwählung aus Gnade trägt diesen Honig, diese Lieblichkeit, dass selbst wenn du auf ganzer Linie ein Versager bist, du aber Jesus Christus vertraust, dass du sicher sein kannst, dass du um seines Willen nicht verloren bist, sondern das ewige Leben hast. Halleluja! Das ist so gewaltig!
Nochmal zu Spurgeon: Der hat gesagt, am Ende seines Lebens in einer Predigt: Am Ende meines Lebens ist meine Theologie auf vier Worte zusammengeschrumpft, und die lauten: Jesus Christus starb für mich. Ich bin in Zahlen schlecht. Das waren fünf Worte. Seine Theologie ist auf fünf Worte zusammengeschraubt. Jesus starb für ... Ach, einmal Jesus Christus und einmal Jesus, also vier oder fünf, ist vollkommen wurscht. Jesus starb für mich. Also sagt ihr: Ich bin doch bei vier, versteht ihr mich? Jesus starb für mich.
Und wenn du nicht mehr weiterweißt mit deiner Schuld, das ist jetzt ein seelsorgerliches Wort an dich, und du voller Unruhe und Angst bist, wie wird meine Zukunft, wie wird es mit meinem Glauben, wie wird das alles werden, werde ich das Ziel schaffen? Dann darf ich dir sagen: Such dir ein schönes Bett und leg dein Köpfchen aufs Kissen und sag einfach: Jesus starb für mich. Und dann kannst du ruhig sterben, und du bist selig. Mehr musst du nicht haben. Das habe ich übrigens auch zu dieser Dame gesagt, der Frau des Evangelisten, die fragte: Ist Gott mit mir zufrieden?
Also, was ich euch sagen möchte, das ist eigentlich erst Evangelium, wenn wir wissen: Nicht mein Wille, sondern sein Wille. Nicht meine Entscheidung, sondern seine Entscheidung. Meine Entscheidung wackelt. Was ist der Wille? Mal ehrlich, unser Wille ist unseren Launen unterworfen. Heute will ich, und morgen will ich wieder nicht. Und wenn ihr sagen würdet: Wegert, streng dich an, du kannst nur selig werden, wenn du bis zum Schluss willst, dann sage ich dir jetzt schon: Wegert versagt, ich kann nicht durch mich selber selig werden. Ich kann nur durch einen selig werden, dessen Wille keinen Launen unterworfen ist, dessen Wille besteht und unwandelbar ist. Und in diesem ewigen Willen ruht meine Seligkeit, ruht mein Glaube. Halleluja!
Und da muss ich euch sagen: Ich will nie wieder zurück. Jemand kam heute zu mir, auch aus meinen alten Freundeskreisen: Wolfgang, bist du denn nicht endlich so weit, dass du wieder zurückkommst? Ich sage: Ich kann nicht mehr und ich will nicht mehr. Früher war das so, habe ich euch ja schon gesagt, und dann schließe ich auf: Früher war das so, dann habe ich auf der Kanzel gearbeitet, ich habe geschwitzt, ihr glaubt das nicht, weil ich so geprägt war. Ich habe schon gesagt: Ich musste doch, ich musste doch. Und wenn dann also die Versammlung nicht voll war mit Menschen, dann habe ich irgendwie ein schlechtes Gefühl gehabt. Dann habe ich gesagt: Oh, wo sind die Leute, wo sind die Leute? Und wenn dann nicht genügend Bekehrungen da waren, nicht genügend Leute nach vorne gekommen waren — ich habe früher immer Leute nach vorne gerufen, das gehört ja zu meinem Ritual, eben meinem Gottesdienst — und wenn dann viele Leute vorne waren, dann war ich zufrieden. Und wenn dann also nur drei, vier, fünf vorne waren, dann bin ich nach Hause gegangen: Heute war es so schlecht, heute war es so schlecht.
Und dann habe ich um die Erweckung gekämpft, um die Heilungen gekämpft, dann habe ich um Gemeindewachstum gekämpft. Ich habe mich kaputt gemacht, ich war ein Nervenbündel, ich habe geglaubt, das liegt alles an mir. Und heute merkt ihr doch, bin ich entspannt. Heute ist es so: Wenn dann jemand kommt, wenn hundert Leute kommen, oh, schön, hundert sind heute da. Wenn tausend kommen, na ja, das erhebt das Herz, tausend sind heute gekommen. Wenn einer nur kommt, heute ist einer da, soll keinen Einfluss auf mein Gemüt mehr haben. Ich glaube an die Vorsorge Gottes, ich glaube daran, dass der Herr alles bestimmt und in seiner Hand hat, und ich bin nur ausführendes Organ. Aber was geschieht oder nicht geschieht, das bestimme nicht ich, sondern das bestimmt der Herr.
Und so darf ich. Natürlich ist es so, der Heilige Geist in unserem Herzen treibt uns an, das ist gar keine Frage, auch zu verantwortlichem Handeln, zum Vorbild im Glauben, in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Gemeinde. Und wir jagen auch der Heiligung nach, das ist ja klar. Diesen Aspekt haben wir nicht; die menschliche Verantwortung ist dadurch nicht aufgehoben. Aber wir wissen: Alles steht unter der Erstursache, und die Erstursache ist Gott. Und wir dürfen ruhen, ruhen in seinem Frieden, in seiner Vorsehung. Auch in eurer Lebenssituation dürft ihr ruhen. Gott macht keine Fehler, glaubt ihr das? Halleluja, jetzt beten wir noch zusammen.
Lieber Vater im Himmel, wir danken dir von ganzem Herzen, dass du uns hier diesen Freiraum gegeben hast, auch etwas zu hören über die grundlegenden Fragen des Heilsverständnisses. Und bitte vertiefe die Wahrheit in unseren Herzen, dass wir allein aus Gnade gerettet werden, dass wir allein aus Gnade bewahrt werden, dass wir allein aus Gnade durchs Leben kommen. Und darin dürfen wir ruhen, Herr. So segne ich meine lieben Schwestern und Brüder, egal in welcher Stellung sie auch innerhalb ihrer Gemeinde stehen, welche Bürde sie tragen, welche Sorgen sie umgibt. Ich danke dir, dass du meinen lieben Geschwistern erst einmal auch persönlich ganz tiefen Frieden gibst, über dein Walten in ihrem Leben, und dass sie dich preisen, dass sie Christen geworden sind. Wir haben uns nicht selbst zu Christen gemacht, sondern wir sind das Werk deiner Hände, wir sind sein Werk, geschaffen zu guten Werken. In Jesu Namen, Amen.

