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Noch eine kleine Zeit

Jesu Leben und Lehre | Episode 432
Johannes 7,28-3520.05.2024
Noch eine kleine Zeit: Jesus ist da, aber nicht für immer. Wer ihn jetzt ignoriert, verpasst die Chance seines Lebens — und merkt vielleicht erst zu spät, was auf dem Spiel steht.

Einleitung und Ausgangsfrage

Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 432: Noch eine kleine Zeit
Jesus ist in Jerusalem, und seine Zuhörer fragen sich, ob er womöglich der Messias sein könnte. Das Problem ist: In ihrem Denken kommt der Messias ganz plötzlich, fast aus dem Nichts, und niemand kennt ihn, bevor er zum Christus wird.
Jesus hingegen ist bekannt. Man weiß, dass er aus Nazaret stammt. Deshalb kann er eigentlich nicht der Christus sein. Kann er natürlich doch. Warum?
Erstens, weil es zu der Erwartung eines ganz plötzlich erscheinenden Messias keine Bibelstelle gibt, die diesen Gedanken stützen würde. Das war nur ein religiöser Mythos.
Zweitens, weil bei einem Messiasanwärter nicht die Frage sein darf, wo er aufgewachsen ist, sondern ob er Gott kennt und ob Gott selbst ihn gesandt hat.

Jesu Antwort im Tempel

 Johannes 7,28-29: Jesus rief nun im Tempel, lehrte und sprach: Ihr kennt mich und wisst auch, woher ich bin. Und ich bin nicht von mir selbst gekommen, sondern der mich gesandt hat, ist wahrhaftig, den ihr nicht kennt. Ich kenne ihn, weil ich von ihm bin, und er mich gesandt hat.
Das Einzige, was Jesus mit seiner Erwiderung hier erreicht, ist nicht Zustimmung, sondern erneute Verfolgung.
 Johannes 7,30: Da suchten sie ihn zu greifen, und niemand legte die Hand an ihn, weil seine Stunde noch nicht gekommen war.
Wir wissen nicht genau, wie wir uns das vorstellen sollen, diesen Versuch, Jesus gefangen zu nehmen, der dann aber irgendwie misslingt, weil seine Stunde noch nicht gekommen war. Aber wir merken etwas von der Spannung, die in der Luft liegt, und nicht nur von der Spannung, sondern auch von der Verwirrung.

Reaktionen in der Menge

 Johannes 7,31 Viele aber von der Volksmenge glaubten an ihn und sprachen: Wenn der Christus kommt, wird er wohl mehr Zeichen tun als die, welche dieser getan hat?
Wir merken also, dass es unter den Besuchern des Laubhüttenfestes alles gibt. Da sind die Jesusgläubigen, dann die Totalverwirrten und natürlich auch die, die Jesus so schnell wie möglich aus dem Verkehr ziehen möchten.
Was ist dabei das Argument derer, die an Jesus glauben? Es sind seine Wunder. Wenn der Christus kommt, wird er wohl mehr Zeichen tun als die, welche dieser getan hat.
Und man kann die Leute verstehen. Es gibt im Alten Testament zwar nur wenig Hinweise darauf, dass der Messias einer ist, der Wunder tut, und noch weniger darauf, dass er an seinen Wundern erkannt werden kann. Aber was soll man von einem Rabbi halten, der so viele außergewöhnliche Zeichen tut, wie Jesus sie vollbringt? Was soll der anderes sein als ein ernstzunehmender Anwärter auf den Messias-Titel?
Und man könnte darüber hinaus noch argumentieren: Wenn der Christus ein Prophet ist, wie Mose einer war, dann sollte er auch ein paar besondere Wunder vorweisen können. Und dann gibt es ja noch ein paar, zugegebenermaßen nicht viele, aber eben doch ein paar Aussagen dazu, dass Blinde sehen und Taube hören und Kranke geheilt werden. Also irgendwie passt das schon.
Aber es gibt eben nicht nur die Jesusgläubigen, sondern auch seine Gegner.

Die Gegnerschaft organisiert sich

 Johannes 7,32-34
Die Pharisäer hörten, wie die Volksmenge dies über ihn murmelte. Da sandten die Pharisäer und die Hohenpriester Diener aus, damit sie ihn festnähmen.
Da sprach Jesus: Noch eine kleine Zeit bin ich bei euch, und ich gehe hin zu dem, der mich gesandt hat. Ihr werdet mich suchen und nicht finden, und wo ich bin, dahin könnt ihr nicht kommen.
So wollen die Gegner Jesu ihn also verhaften lassen. Die Pharisäer kennen wir schon, und dann sind da die Hohenpriester. Der Plural ist ein wenig merkwürdig, weil es ja eigentlich immer nur einen Hohenpriester gibt. Aber es sieht so aus, als hätten ehemalige Hohepriester, die noch lebten, ihren Titel einfach behalten. Oder der Begriff Hohenpriester bezieht sich nicht nur allgemein auf den einen Hohenpriester, sondern umfasst allgemeiner auch verschiedene andere hochgestellte Amtspersonen, die mit dem Tempel zu tun hatten, zum Beispiel den Hauptmann der Tempelwache, den Schatzmeister oder andere.
Wieder einmal ist es interessant, wie sich sehr unterschiedliche Gruppen zusammentun, hier die Pharisäer mit den Hohenpriestern, die ja Sadduzäer sind, um gegen Jesus zu intrigieren. Es sind also die Bibeltreuen, die mit den Liberalen gemeinsame Sache machen, um diesen unliebsamen Rabbi loszuwerden. Und dazu schicken sie Diener. Das war wohl die Tempelwache. Und die unterstand den Hohenpriestern beziehungsweise dem Hohen Rat.
Wenn es hier aber heißt: und die Pharisäer und die Hohenpriester sandten Diener, dann wird deutlich, dass die Hohenpriester zwar die Tempelwache schicken, aber dass diese Idee mindestens die Unterstützung der Pharisäer hatte, wenn nicht sogar auf deren Drängen geschah. Jesus hat es jetzt also mit der Tempelpolizei zu tun. Und vor dem Hintergrund dieser ganz realen Bedrohung spricht Jesus davon, dass seine Zuhörer nicht mehr viel Zeit haben, auf ihn zu hören. Noch eine kleine Zeit bin ich bei euch.
Wir befinden uns im Herbst, September, Oktober. Ein halbes Jahr später wird Jesus gekreuzigt werden.

Die angekündigte Rückkehr zum Vater

 Johannes 7,33: Da sprach Jesus: Noch eine kleine Zeit bin ich bei euch, und ich gehe hin zu dem, der mich gesandt hat.
Hier deutet Jesus sehr konkret an, dass er zum Vater zurückgeht. Er ist aus dem Himmel gekommen, und er wird dorthin zurückkehren. Dann wird es unmöglich sein, ihm zu begegnen.
 Johannes 7,34: Ihr werdet mich suchen und nicht finden, und wo ich bin, könnt ihr nicht hinkommen.
Jesus spricht hier von der Himmelfahrt. Man wird ihn suchen, aber niemand wird ihn finden können, weil er zum Vater zurückgekehrt ist. Und noch mehr: Niemand kann ihm dorthin folgen. Der Himmel ist für Menschen nicht zugänglich, jedenfalls nicht, solange sie leben.
Das ist, was Jesus meint. Aber natürlich wird er wieder missverstanden.

Missverständnisse über seinen Weg

 Johannes 7,35 Es sprachen nun die Juden zueinander: Wohin will dieser gehen, dass wir ihn nicht finden sollen? Will er etwa in die Zerstreuung der Griechen gehen und die Griechen lehren?
Merkt man, wie die Gegner Jesu versuchen, dem, was Jesus sagt, irgendwie einen Sinn zu geben? „Wo ich bin, könnt ihr nicht hinkommen.“ Meint Jesus vielleicht, dass er Israel verlässt und in die Zerstreuung geht? Also in die jüdischen Gemeinden, die über das römische Reich und darüber hinaus verstreut waren, damit er dort als Rabbi lehrt? Will er womöglich die Griechen lehren, also nicht zuerst die Juden, sondern griechisch sprechende Heiden beziehungsweise zum Judentum bekehrte Heiden, die Proselyten?
All das will Jesus natürlich nicht. Er wird Israel verlassen, aber nicht, um ins Ausland zu gehen, sondern um zu seinem Vater im Himmel zurückzukehren.

Schlussgedanke und Verabschiedung

Was könntest du jetzt tun? Jesus fordert hier seine Zuhörer auf, die Zeit, die sie haben, auszukaufen. Wie gehst du mit der dir zur Verfügung stehenden Zeit um?
Das war’s für heute. Ich habe einen Minijobber, der mir hilft. Sein Name ist Angelo, und ich würde mich freuen, wenn ihr für ihn um Segen, Bewahrung und Weisheit beten würdet.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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