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58: So redest du mit ZEUGEN JEHOVAS über Jesus – mit Mathias @FragenUndGlauben

Machbar - Der Podcast für Alltagsmissionare, Teil 58/60
03.02.2026
SERIE - Teil 58 / 60Machbar - Der Podcast für Alltagsmissionare
In der neuen machbar-Folge ist Ex-Zeuge Jehovas Mathias zu Gast. Er unterhält sich mit Moderator Christian Caspari über diese Fragen: Wie redest du mit Menschen über Jesus, die sich Christen nennen, aber nicht der biblischen Lehre folgen? Warum ist Mathias von den Zeugen Jehovas ausgestiegen? Was solltest du über die Zeugen Jehovas wissen, um zielgerichtet mit ihnen über Jesus zu reden? ERWÄHNTE RESSOURCEN Mathias‘ Website: https://www.fragenundglauben.de/ Bibelstellenliste: https://www.fragenundglauben.de/%C3%BCbersichten-und-abhandlungen/fragen-anhand-der-bibel-beantworten Argumentationsvorschläge: https://www.fragenundglauben.de/jehovas-zeugen Video „Zeugen Jehovas verstehen und begegnen“: https://www.youtube.com/watch?v=7EQsLxg6Hhs Material von "Hilfe für Zeugen Jehovas": https://zj-hilfe.de/mithelfen.html Shincheonji Aufklärungsarbeit: https://youtube.com/playlist?list=PLqbiRz8LmCCGjHCjRGfUPyPEYHl-5N3ol&si=wR_6tkiZ8mEGSDjz Unser Newsletter versorgt dich mit Inhalten und Angeboten, die spezifisch auf deine Alltagsmission abgestimmt sind. Jetzt abonnieren! https://heukelbach.org/heukelbach-newsletter In unseren Blogartikeln vertiefen wir außerdem die Themen aus dem Podcast (https://heukelbach.org/bibliothek/blog)). War es machbar? Schreib uns gern von deinen Erfahrungen als Alltagsmissionar an machbar@heukelbach.org! 📖 Buchempfehlung von Mathias: KRÜGER, MIRKO: Zeit aufzuwachen https://www.csv-verlag.de/dienst/32579-zeit-aufzuwachen.html TROTMAN, DAWSON: Für andere leben https://clv.de/Fuer-andere-leben/256788

Begrüßung und Einführung in das Thema Alltagsmission

Matthias, wenn morgen zwei Zeugen Jehovas an meiner Tür klingeln, was ist der eine Satz, den ich unbedingt sagen sollte?

Freundlich lächeln und sagen: „Ich freue mich sehr, dass Sie bei mir klingeln. Sie sind doch Zeugen Jehovas, oder?“

Okay, ja, herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Machbar, dem Podcast für Alltagsmissionare. Ich bin Christian, und mein Gast heute ist Matthias. Herzlich willkommen! Schön, dass du da bist – du, der zuhörst, aber auch du, lieber Matthias.

Bei Machbar bekommst du Tipps, wie du deinen Nächsten einen Schritt näher zu Jesus führen kannst. Heute wird es richtig praktisch. Es geht nämlich um die Frage, wie du mit Menschen über Jesus redest, die sich zwar Christen nennen, aber einer ganz anderen oder nicht der biblischen Lehre folgen – zum Beispiel Zeugen Jehovas oder Mormonen.

Matthias ist der perfekte Gesprächspartner dafür. Er war selbst jahrelang bei den Zeugen Jehovas, ist ausgestiegen und betreibt heute auf YouTube den Kanal Fragen und Glauben, auf dem er Aufklärungsarbeit leistet. Außerdem lebt er mit seiner Frau in Bayern und studiert nebenbei Theologie.

Vorstellung von Matthias und seinem YouTube-Kanal

Und Matthias, bevor wir ins Thema einsteigen: Für alle, die deinen Channel noch nicht kennen – was machst du da genau? Was treibt dich an, was motiviert dich?

Ja, erstmal vielen Dank für die Einladung. Schön, dass ich hier sein darf. Der Kanal ist im Grunde genommen dadurch entstanden, dass ich meine Ausstiegsgeschichte erzählen wollte. Diese Geschichte hat eine Besonderheit, denn es gibt nicht allzu viele ehemalige Zeugen Jehovas, die dann bibeltreue Christen werden – wenn man es so nennen will.

Das lag mir einfach sehr auf dem Herzen. Ich habe lange darüber nachgedacht, und zwar viele Jahre nach meinem Ausstieg, um genau zu sein. Auch einige Zeit nachdem ich Christ geworden bin, begann alles so.

Ich spreche viel über die Lehren der Zeugen Jehovas und wie sie im Vergleich zur Bibel dastehen. Das Außenbild ist manchmal so: Wenn jemand kein aktiver Bibelleser ist, sagt er vielleicht, die Bibel könne man entweder so oder so interpretieren. Die Zeugen Jehovas interpretieren sie in die eine Richtung, andere in die andere. Wer am Ende Recht hat, weiß man nicht so genau.

Nach meinem Bibelverständnis ist die Bibel allerdings viel eindeutiger. Die Lehren der Zeugen Jehovas haben einen Grund, warum kaum eine andere Gemeinschaft viele dieser Lehren glaubt. Sie werden als unbiblisch angesehen – und das gut begründet.

Um das herauszuarbeiten, ist eine Leidenschaft von mir oder etwas, das mir sehr am Herzen liegt. Daneben gibt es noch viele andere Themen, die uns als Christen beschäftigen und die ich immer mal wieder einstreue. Es geht also nicht nur um Zeugen Jehovas, sondern auch um andere Dinge, die ich im Theologiestudium erlebt oder gelernt habe, Begegnungen, die man so hat, und Themen, die man aufarbeitet.

Ja, cool – ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Umgang mit unterschiedlichen christlichen Lehren im Alltag

An euch: Mit wem habt ihr es in der Alltagsmission zu tun? Bei welchem Thema bräuchtet ihr mal Insiderwissen? Wen würdet ihr gerne hier als Gast im Podcast sehen?

Schreibt uns, schreibt mir: machbar@heukebach.org. Ich bin immer offen für Vorschläge.

Ja, Matthias, lass uns darüber reden, wie wir mit Menschen ins Gespräch kommen können, die sich selbst als Christen bezeichnen und ihren Glauben irgendwo wirklich ernst nehmen. Allerdings weichen ihre Lehren sehr deutlich von der Bibel ab. Sie haben sozusagen, wie könnte man das sagen, eigene Offenbarungen und eigene Lehren neben der Bibel.

Ich habe eben schon gesagt: Die Zeugen Jehovas und Mormonen sind wahrscheinlich die bekanntesten Beispiele.

Bevor wir weitermachen, ist mir das wichtig – oder uns ist das wichtig. Wir haben das im Vorgespräch auch abgeklärt: Wir wollen hier kein Bashing machen. Uns geht es darum, eine Weisheit zu haben, wie wir mit Menschen, auch mit solchen Menschen, liebevoll und klar über den Kern des Evangeliums reden können.

Dabei soll vermieden werden, dass man in den Gesprächen schnell abdriftet und sich über unterschiedliche Lehren streitet oder aneinander vorbeiredet.

Matthias, so haben wir gesagt, so wollen wir das Thema angehen.

Kategorien von Glaubensrichtungen und Gesprächsstrategien

Aber zurück zu der Frage: Neben den Zeugen Jehovas und den Mormonen, wen würdest du noch zu den sogenannten Namenschristen zählen? Das ist ja ein ziemlich weiter Begriff, oder?

Zunächst stimme ich dir zu, Christian. Es geht ja darum, dass wir als Christen die Liebe Christi widerspiegeln sollen. Dazu passt es einfach nicht, wenn man wild drauflos schimpft und die Leute bepöbelt. Wir wollen Menschen zu Jesus einladen, und ein Mensch verschließt sich intuitiv, wenn man ihn angreift. Im Laufe des Podcasts werden wir wahrscheinlich immer wieder darauf zurückkommen – dieses „Dem muss ich jetzt mal klar zeigen, dass er falsch liegt“. In der Regel bringt das bei den meisten nichts oder nur wenig.

Stattdessen sollten wir freundlich und respektvoll sein. Das heißt nicht, dass man nicht auch mit Bestimmtheit seine Position vertreten kann. Man kann sowohl bestimmt als auch freundlich, respektvoll und einladend reden. So sanftmütig, wie Jesus es getan hat. Wenn man liest, wie Jesus gesprochen und sich verhalten hat, dann ist uns wahrscheinlich eher weniger diese Situation im Tempel mit dem Umwerfen der Tische ein Vorbild, sondern vielmehr, wie er liebevoll auf die Menschen zugegangen ist. Das soll uns als Vorbild dienen.

Zur anderen Frage: Uns begegnen ja sehr viele Menschen, die ein anderes Verständnis von Gott, der Bibel, Jesus und den biblischen Lehren haben, als wir es haben. Ich mache da gerne Rechenbeispiele, auch wenn wir es nicht genau wissen. Diejenigen, die sagen: „Ich lebe in einer lebendigen Beziehung mit Jesus Christus“ und die einen Konsens mit den meisten Christen haben, die die Bibel ernst nehmen und ebenfalls von sich sagen, sie leben in einer Beziehung mit Jesus, das sind in Deutschland ungefähr 0,5 bis 2 Prozent.

Das heißt, wir müssen damit leben, dass zwischen 98 und 99,5 Prozent unserer Mitmenschen etwas anderes glauben – manchmal sehr viel anders, manchmal nur leicht anders. Es gibt viele Menschen, die sich irgendwie dem Christentum zugehörig fühlen, aber in wichtigen Kernfragen ein anderes Verständnis haben oder etwas anderes glauben. Deshalb ist es wichtig, sich zu überlegen, wie man mit ihnen umgehen möchte, wie man sie zu Jesus einladen kann und wie man nicht zu hart in die Konfrontation geht, sondern mit Freundlichkeit einlädt.

Nochmal zurück zur zweiten Frage: Wen würdest du noch unter der Rubrik Namenschristen zählen? Die deutlich größere Gruppe sind wahrscheinlich die, die formell kirchlich gebunden sind und sagen: „Ja, ich glaube an Gott, ich glaube an Jesus.“ Wenn man aber ins tiefere Gespräch kommt, habe ich oft den Eindruck – wahrscheinlich hätten die meisten wiedergeborenen Christen denselben Eindruck –, dass bei ihnen der Schritt in eine lebendige Beziehung mit Jesus nicht stattgefunden hat.

Zum Beispiel, wenn man über das Evangelium redet, merkt man, dass bei ihnen vielleicht gute Werke im Fokus stehen. Sie glauben, das sei der Schwerpunkt im Leben eines Christen: sich bemühen, gut zu sein. Ja, das ist auch wichtig als Christ, aber es ist nicht das, was dich rettet. Das ist soteriologisch gesehen – also in Bezug auf die Lehre von der Rettung – etwas, das aus dem Glauben hervorgeht, aber nicht der Kern des Glaubens ist.

Der Kern des Glaubens ist die Beziehung mit Jesus, der Glaube an Jesus. Das ist die Gruppe, der wir wahrscheinlich am häufigsten begegnen.

Dann gibt es noch gewisse, ich nenne sie immer Drittreligionen, also christliche Gemeinschaften, die eine gewisse Größe haben. Wenn man sie dazuzählen kann, ist das zum Beispiel die Neuapostolische Kirche. Mit neuapostolischen Christen kann man wahrscheinlich auf einer biblischeren Ebene reden als mit Zeugen Jehovas oder Mormonen, weil deren Lehren weiter von der Bibel entfernt sind.

Umgang mit besonderen Glaubensrichtungen und Herausforderungen

Ja, wie beurteilst du das? Ich weiß es nicht so genau. Es gibt Leute, die das Wohlstandsevangelium vertreten, zum Beispiel, oder die auch so, ich sag mal, Anleihen beim New Age nehmen. Da passiert oft ein großer Synkretismus.

Das Wohlstandsevangelium ist auf jeden Fall ein besonders heikles Thema. Ich sage dir auch warum: Wenn man jemanden, der zum Wohlstandsevangelium tendiert, fragt, was das Evangelium ist, dann merkt man, dass man eigentlich dasselbe Evangeliumsverständnis hat. Aber man hat ein unterschiedliches Verständnis davon, was Gott in meinem Leben heute wirken möchte.

Wenn du Anleihen beim New Age ansprichst, geht es manchmal auch in eine ähnliche Richtung. Man sagt, vom Evangelium ist man gar nicht so weit entfernt, aber in der Glaubenspraxis werden oft ein paar andere Dinge beigemengt. Das ist etwas, das der klassische bibeltreue Christ ablehnt und sagt, dass man das eigentlich nicht miteinander vermischen sollte.

Aber wenn wir jetzt von jemandem reden, der das Wohlstandsevangelium predigt, glaubt oder folgt, was heißt das eigentlich genau? Kannst du das mal kurz erklären für diejenigen, die keine Ahnung haben?

Beim Wohlstandsevangelium wird klassischerweise verstanden, dass man glaubt, durch den Glauben an Jesus kommt automatisch ein großer Segen ins Leben – besonders verbunden mit körperlicher Gesundheit und materiellem Wohlstand. Das ist etwas, was die meisten Christen von der Bibel her ablehnen, weil die Bibel deutlich lehrt, dass Christsein oft mit Verfolgung verbunden ist. Die Leute werden verspottet, und materiell klappt manches Mal auch nicht.

Wir sehen das ja in vielen Ländern: Christen haben oft Probleme, Jobs zu finden, weil sie in einer Kultur leben, in der das Christentum sehr verachtet wird. Man sagt dann: „Einen Christen stelle ich lieber nicht ein.“ Das passt eigentlich gar nicht zu den biblischen Aussagen des Wohlstandsevangeliums in dieser Form.

Gleichzeitig glauben wir natürlich auch, dass der Herr uns segnen möchte. Das Problematische am Wohlstandsevangelium ist aber, dass der Fokus nicht auf Jesus liegt. Es geht nicht darum, dass meine Sünden am Kreuz vergeben wurden und dass ich ab da ein neuer Mensch bin, der in Beziehung mit Jesus lebt. Der Fokus liegt eher auf mir: Was bringt mir der christliche Glaube?

Das hat schon dazu geführt, dass Menschen zu Jesus eingeladen wurden, ohne dass man ihnen sagt, sie könnten ins Reine mit Gott kommen und ein Kind Gottes werden. Stattdessen wurde ihnen gesagt, sie könnten ein tolles Leben durch Jesus führen.

Das Leben mit Jesus ist wirklich toll, aber meistens eher auf einer geistlichen Ebene. Wir spüren die Nähe zu Jesus und erleben, wie er in unserem Leben wirkt. Weniger geht es darum, dass materieller Wohlstand immer unmittelbar zunimmt. Natürlich kann er zunehmen, und das kann ein Segen Gottes sein, aber oft ist das eben nicht der Fall.

Gerade Jesus Christus hat das anders gesagt. Er ruft zur Nachfolge und zum Entsagen von allem auf. „Wer nicht allem entsagt, kann nicht mein Jünger sein.“ „Nimm dein Kreuz auf und folge mir nach.“ Das ist der Weg, den er gezeichnet hat.

Auch die Jünger haben das sehr schnell erlebt: Schmach, Verfolgung, Einschränkungen und Verzicht. Den ersten Christen wurden sogar die Häuser genommen, und das war das krasse Gegenteil vom Wohlstand.

Weitere Glaubensgemeinschaften und deren Einfluss

Ja, cool, eine Gruppe ist mir auch noch eingefallen. Das war in der Corona-Zeit. Eines Tages bekam ich einen Anruf und eine Mail. Dann habe ich ein bisschen recherchiert und wurde gefragt, ob ich mal als Prediger auf so einer Konferenz auftreten möchte.

Dabei stellte sich heraus, dass es sich um diese Chinchonschi-Sekte handelt. Es ist eine wachsende Gruppierung, eine Offenbarungssekte aus Korea, oder? Hast du dich damit auch schon mal beschäftigt?

Ja, also ich habe auch schon viele Nachrichten von denen bekommen und mich natürlich auch intensiv damit beschäftigt. Sie weisen die klassischen Merkmale einer Endzeitsekte auf. Das typischste Merkmal, das man zum Beispiel auch bei den Zeugen Jehovas sieht, ist folgendes: Nach dem Tod des letzten Apostels herrschte völlige Dunkelheit. Die Bibel wurde von den Menschen falsch verstanden, und sie glaubten an heidnische Dinge.

Jetzt, in der Endzeit, relativ kurz vor dem Ende, schenkt der Herr die große Offenbarung – aber nur durch unsere Gemeinschaft. So glauben es die Zeugen Jehovas, die durch die Organisation Jehovas überströmende Erkenntnis erhalten. Ähnlich glaubt es auch die Gruppe Xin Shunji.

Ich bin bei Qin Shunji allerdings kein Experte. Sie haben in Deutschland sehr wenige Mitglieder, verglichen zum Beispiel mit den Zeugen Jehovas. Vielleicht ein kleiner Tipp: Das Apologetikprojekt von Simon Garecht. Er ist, soweit ich das mitbekommen habe, global mittlerweile quasi ein Experte aus biblischer Sicht, um die Lehren von Qin Shunji zu bewerten.

Ja, sie gehen vor allem auf Hochschulgruppen zu, auch auf christliche Hochschulgruppen. Dort infiltrieren sie und versuchen, Menschen zu gewinnen. Ich kenne selbst zwei junge Menschen, die jung im Glauben waren, an Christus geglaubt haben und dann von dieser Gruppe erfasst wurden. Sie sind total abgekommen, richtig in die Fänge dieser Gemeinschaft geraten. Gerade junge Leute sind betroffen, denn die Gemeinschaft wirkt am Anfang sehr attraktiv und einladend.

Ja, genau. Fällt dir sonst noch eine Gruppe ein?

Nein, ich glaube, damit haben wir jetzt die Hauptgruppen genannt. Natürlich wird man hier und da noch eine weitere Gruppe finden, aber...

Gesprächsführung mit unterschiedlichen Glaubensrichtungen

Viele der Gruppen, die wir genannt haben, nehmen ihren Glauben ernst. Sie sind wirklich überzeugt und glauben, auf dem richtigen Weg zu sein. Wie unterscheidet sich ein Gespräch mit solchen Menschen von einem Gespräch mit einem Atheisten oder Agnostiker?

Zunächst würde ich eine Unterscheidung treffen. Es gibt den sogenannten Namenschristen – das soll keine Beleidigung sein. Damit meine ich jemanden, der meist formell kirchlich gebunden ist und dem das wichtig ist. Man merkt aber oft, dass diese Person nicht zum rettenden Glauben an Jesus durchgedrungen ist. Für sie ist der Glaube eher ein Zusatz im Leben. Sie finden das Christsein wertvoll, oft aus kulturellen oder traditionellen Gründen.

Solche Gespräche kann man sehr positiv und wertschätzend führen. Man kann gemeinsam die Bibel aufschlagen, und der andere wird vielleicht sagen: „Ach, das wusste ich ja gar nicht, dass das auch so in der Bibel steht.“ Mit jemandem, der primär kirchlich christlich ist, aber keine lebendige Beziehung zu Jesus erlebt, kann man wirklich gute Gespräche führen.

Wir dürfen aber auch nicht verschweigen, dass es viele kirchliche Christen gibt, die eine lebendige Beziehung mit Jesus haben. Wir wollen nicht sagen, dass man nur dann eine rettende Beziehung mit Jesus Christus haben kann, wenn man zum Beispiel evangelisch ist. Gerade die Reformation, die zur evangelischen Kirche führte, brachte eine Rückkehr zur Bibel und zum klaren Evangelium. Diese Werte sehe ich als Freikirchler absolut in der Tradition und berufe mich darauf.

Die zweite Gruppe sind christliche Gemeinschaften mit Sonderlehren. Oft haben sie ein exklusives Denken: Sie glauben, dass alle anderen die Bibel falsch verstehen, nur sie selbst richtig. Mit solchen Menschen kann man natürlich auch nett und freundlich reden. Wenn man aber auf eine tiefere Ebene kommen möchte, sollte man sich gut informieren. Man muss wissen, mit welchen Argumenten sie arbeiten und welche Grundlehren sie vertreten.

Hier aber schon eine Ermutigung: Auch wenn man sich nicht gewappnet fühlt, um auf eine tiefere Ebene zu gehen, sollte man das Gespräch nicht scheuen. Es ist wichtig, in eine freundliche Begegnung zu gehen. Ich habe mir einmal ein Credo zurechtgelegt: „Alles ist besser als Schweigen.“ Wenn man ihnen nicht einen Impuls über Jesus gibt, wer soll es sonst tun? Es gibt nur wenige Christen, die wirklich begeistert und lebendig mit Jesus leben.

Gesprächsführung bei fehlendem theologischen Wissen

Aber jetzt stehe ich vor der Herausforderung: Ich kenne mich mit der Lehre gar nicht aus, die mein Gegenüber irgendwie so vertritt. Wie kann ich da trotzdem ein gutes Gespräch führen, bevor ich gar keines führe und sage: „Nee, mit dir will ich nicht reden, mit dir will ich nichts zu tun haben.“

Also, wie kann ich dann ein gutes Gespräch führen? Muss ich mich unbedingt erst mit der Lehre auseinandersetzen, oder was wäre dein Ratschlag?

Letztens war ja der Klaus Günschel bei dir. Ich kenne ihn nur von Vorträgen und habe ihn sehr gern. Er hat das Gleiche gesagt wie meine Frau Tina: Sei einfach normal.

Mit diesem „Sei einfach normal“ meint er, sei halt freundlich, nett und was lieben denn die Menschen? Was liebt jeder Mensch, wenn du interessiert an ihm bist? Wenn du merkst, da ist eine Gläubigkeit oder eine Religiosität im anderen, dann kann man doch sagen: „Hey, das finde ich total toll, dass du gläubig bist. Ich bin nämlich auch gläubig. Was bedeutet das bei dir konkret im Leben? Erzähl doch mal.“

Aber dann bestärke ich ihn ja. Nein, ich bestärke ihn darin, mir mal zu erzählen, was er denn überhaupt glaubt. Denn wenn ich nicht weiß, wie er überhaupt drauf ist, kann ich ja schwer darauf reagieren.

So kann der andere dann mal erzählen: Wie ist es? Ist er in einer Kirchengemeinde sehr aktiv und geht im Dienst x oder y total auf? Oder ist er Zeuge Jehovas oder Mormone? Ich möchte erst mal wissen, wie der andere ist, was ihn begeistert und so weiter. Dann kann ich entsprechend darauf reagieren.

Das Einfachste, was ich immer machen kann, ist, von meinem Glauben zu erzählen. Ich bedanke mich einfach, dass ich diesen Einblick in sein Leben bekommen habe. Und ich würde dir, lieber Christian, auch gerne mal kurz ein, zwei Minuten von meinem Glauben erzählen.

Ich sehe da manche Parallelen und auch manche Unterschiede. Es würde mich sehr interessieren, was du dazu sagst. So hat man erst mal von sich selber etwas erzählt und vom anderen etwas erfahren. Das ist ja auch schon ein Impuls.

Meine Hoffnung ist immer in jeder Begegnung, dass der andere merkt, dass Jesus in mir lebt. Oder dass der andere merkt, der hat irgendwas, was ich nicht habe. Denn wenn er nicht bekehrt ist, könnte er merken, dass in mir Jesus wohnt, in mir der Heilige Geist wohnt und dass ich einen viel lebendigeren Glauben habe als er.

Ich war nach meinem Ausstieg bei den Zeugen Jehovas selber ein Namenschrist. Ich habe mich für Christ gehalten, für mich war immer noch klar: Gott hat sich in Jesus offenbart. Aber ich habe gelebt wie jeder andere auch.

Ich habe einen Kunden bei der Arbeit gewonnen und kennengelernt. Der hat erzählt, dass er auch Christ ist und in einer lebendigen Beziehung mit Jesus lebt. Dass er richtig merkt, dass Gott da ist, dass er seine Gebete hört und so weiter.

Dann habe ich gemerkt: Okay, ich sage auch, ich bin Christ. Aber der Toni erlebt voll die Sachen mit Gott. Und ich erlebe gar nichts. Also was ist an dem anders? Das hat mich richtig neugierig gemacht.

Das ist doch auch ein tolles Zeugnis. Er hat gar nicht so viel über Lehre geredet und gesagt: „Du verstehst das Evangelium falsch.“ Ich habe es ja tatsächlich falsch verstanden. Ich war nicht bekehrt in der Zeit.

Sondern einfach durch das lockere Erzählen: Was bedeutet mir der Glaube in meinem Leben? Bin ich schon neugierig geworden.

Also, wenn ich richtig verstanden habe, sagst du: Sei freundlich, frag nach. Ein Gespräch ist immer besser als Schweigen. Schweigen ist keine gute Idee. Zeig Interesse, lass den anderen erzählen und nutze auch die Gelegenheit, deine Geschichte zu erzählen – was du als Christ erlebt hast, wie du Christus kennengelernt hast, was die Bibel für dich bedeutet usw.

Umgang mit spezifischen Glaubensunterschieden

Aber Matthias, jetzt gehen wir einen Schritt weiter. Ich rede jetzt ganz konkret zum Beispiel mit einem Mormonen, der nicht nur die Bibel hat, sondern auch das Buch Mormon als Offenbarung Gottes sieht. Oder mit einem Zeugen Jehovas, der eine andere Bibelübersetzung nutzt. Wie setze ich da an?

Derjenige hat seine Geschichte erzählt, ich habe meine Geschichte erzählt, wir lächeln uns an und gehen auseinander. Oder sage ich ihm auch: „Okay, pass mal auf, Junge, da liegst du einfach falsch.“ Es gibt verschiedene Wege in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen.

Wir können mal bei Schwierigkeitsstufe eins anfangen: Man hat zum Beispiel einen Flyer dabei. Wer mich kennt, weiß, ich habe immer diesen hier dabei. Er ist sogar von Heukelbach. Man kann ihn jetzt gar nicht so gut sehen, weil das so... Aber man sieht zumindest das Bild, er heißt „Leben mit Gott“. Sehr gut. Dort wird das Evangelium wunderbar und kompakt erklärt.

Es gibt einen Spruch, den habe ich mir von Rudi Joas abgeschaut. Er hat in etwa gesagt: „Ich möchte Ihnen gerne diesen Flyer schenken.“ Dabei geht es darum, wie man in eine lebendige Beziehung mit Jesus Christus eintreten kann. Ich lege meine Karte dazu und sage: „Das würde mich unglaublich interessieren. Wie sehen Sie das? Was sehen Sie anders? Schreiben Sie mir doch gerne mal.“

Das wäre Schwierigkeitsstufe Null. Das kann jeder machen. Ich habe so einen Impuls dargelegt. Wenn derjenige jetzt neugierig geworden ist aufgrund dieses Kurzzeugnisses, das ich ihm oder ihr erzählt habe, ist die Wahrscheinlichkeit gar nicht so gering, dass er den Flyer auch liest. Wenn er sich tatsächlich meldet und ich mich dem Gespräch nicht gewachsen fühle – also wenn du in eine Gemeinde gehst, und ich hoffe, du gehst in eine Gemeinde, ansonsten wäre es eigentlich eine gute Idee, dir eine biblische Gemeinde zu suchen – da gibt es ja auch Leute, die gesprächsfit sind.

Wenn man sich auf einen Kaffee trifft, kann man doch einen sympathischen anderen Christen noch mit dazu einladen, wenn man das Gespräch weiterverfolgen will. Also Schwierigkeitsstufe Null, das glaube ich, ist gut, wenn man einfach so einen kleinen evangelistischen Impuls gibt und eine Perspektive eröffnet.

Die nächste Schwierigkeitsstufe wäre dann tatsächlich, in einzelne Themen reinzugehen. Was ich bei Zeugen Jehovas gerne mache – und ich denke, das ist auch nicht verkehrt, das zum Beispiel bei einem Mormonen zu machen – und man kann es auch bei jedem anderen, der sich dem Christentum irgendwie zugehörig fühlt, machen: Man geht aufs Evangelium ein.

Ich frage: „Was verstehen Sie, was verstehst du unter dem Evangelium? Das würde mich sehr interessieren, weil dieses Thema mein Leben richtig auf den Kopf gestellt hat.“ Auf die Frage, was jemand unter dem Evangelium versteht, erfährt man sehr viel vom Gesprächspartner.

Beispiel: Die Zeugen Jehovas übersetzen in ihrer Bibelübersetzung das Evangelium durchweg mit „gute Botschaft“. Das ist ja auch richtig übersetzt. Das heißt, sie kennen den Begriff „Evangelium“ gar nicht. Wenn sie nicht schon mehrere Berührungspunkte mit anderen Christen hatten, kennen sie das nur als „gute Botschaft“.

Wenn ich dann frage: „Was ist für Sie das Evangelium?“, bekomme ich oft die Rückfrage: „Sie meinen Matthäus, Markus, Lukas und Johannes?“ Die kennen den Begriff gar nicht. Dann sage ich: „Nee, ich meine die gute Botschaft vom Königreich. Ich glaube, dieser Begriff ist Ihnen geläufiger.“ „Ah ja“, und dann wird mir eigentlich immer das Gleiche erzählt von Zeugen Jehovas.

Ich habe noch nie einen Zeugen Jehovas getroffen oder mit einem gesprochen, der mir etwas anderes gesagt hat. Ich möchte nicht sagen, dass es nicht jemanden gibt, der auch mal etwas anderes antworten könnte, aber in meiner Lebensrealität, in Dutzenden von Gesprächen, wird mir immer erzählt: In der guten Botschaft geht es darum, dass das Gottes-Königreich hier auf der Erde gerechte Verhältnisse herstellen wird. Eine paradiesische Erde, auf der Menschen ewig leben können.

Und meistens – also bisher tatsächlich – kann ich mich an keinen Fall erinnern, wo wirklich Jesus im Mittelpunkt stand bei der Erklärung des Evangeliums. Man könnte ja stattdessen die biblische Definition in 1. Korinther 15,1-4 anführen. Dort geht es überhaupt nicht um eine paradiesische Erde, sondern ausschließlich darum, dass Jesus für uns starb und unsere Sünden am Kreuz beglichen hat.

Man merkt also schon, der Fokus ist ein bisschen ein anderer. Das kann ich natürlich auch den Mormonen fragen: „Was glaubst du, was ist das Evangelium? Es würde mich sehr interessieren, wie dein Verständnis davon ist.“

Das kann ich auch einen kirchlich geprägten Christen fragen. Bei einem kirchlich geprägten Christen ist dann wahrscheinlich die noch viel spannendere Frage: Ganz platt – da muss man immer gucken, ob man so platt sein kann – da kann man vielleicht auch sagen: „Darf ich Ihnen vielleicht kurz eine richtig platte Frage stellen? Ich möchte Sie nicht provozieren, aber die Frage ist halt einfach platt, und ich würde gerne wissen, was Sie davon halten: Wenn Sie jetzt sterben und vor Gott stehen, warum sollte er Sie in den Himmel lassen?“

Das ist so quasi der bibeltreue Klassiker. Aber ich habe diese Frage tatsächlich, bevor ich selbst Christ wurde, nie gehört. Und die Frage ist genial, weil sie zeigt, was der Mensch glaubt, auf Grundlage wessen und warum Gott ihn jetzt retten soll.

Dann kommt oft heraus: „Ja, ich habe mich doch immer bemüht, ein guter Mensch zu sein.“ Oder: „Ja, weil ich an Jesus glaube und er für meine Sünden starb.“ Der „Täuscher am Kreuz“ wird es auch oft genannt.

Sehr gut, sehr wertvolle Hinweise. „Was ist dein Evangeliumsverständnis? Die gute Botschaft, Christus im Mittelpunkt und was er für uns getan hat?“ Irgendwie läuft das ja so auf diese Frage hinaus.

Man nennt sie auch die Frank-Jänner-Frage. Kennst du die Geschichte von Frank Jänner? Nein? Also, wir haben bei Heukebach irgendwo auf unserer Webseite mal ein Video dazu veröffentlicht von diesem Frank Jänner. Kann ich dir mal schicken oder euch auch verlinken hier in den Shownotes. Ich bitte darum.

Ich finde die Frage super cool und wende sie häufig im Gespräch an, wenn ich den Eindruck habe, dass es passend ist. So kann man genau herausfinden, was im Kern wirklich das ist, was derjenige glaubt, was ihn rettet und was letztendlich zählt.

Sind es die eigenen Werke? Ist es eine Willkür Gottes? Bin ich eben darauf angewiesen, weil ich keine Ahnung habe, wie Gott darüber denkt? „Du kannst dir doch nicht sicher sein, es ist ja anmaßend, sicher zu sein, dass man in den Himmel kommt“ – und solche Sachen.

Man kommt sehr schön ins Gespräch darüber.

Liebevolle Haltung trotz festgefahrener Glaubenspositionen

Matthias, eine letzte Frage zu diesem ersten Block, die mir auch selber irgendwie wichtig ist: Wie schaffe ich es, den anderen nicht als Gegner zu sehen, sondern als jemanden, den Gott liebt? Gerade wenn man merkt, wie festgefahren der andere in dieser Leere ist, wie kann man da liebevoll bleiben? Verstehst du, was ich meine?

Manchmal geht es einem so, auch als überzeugter Christ, der dafür brennt, dass man zu einer gewissen Härte kommt. Man denkt dann: „Jetzt habe ich alles versucht, um den anderen zu überzeugen.“ Also dieser Gedanke, Menschen zu gewinnen, nicht durch Diskussionen oder durch das Gewinnen der Diskussion, sondern trotzdem auch keine unbiblische Theologie oder Lehrauffassung unkommentiert stehenzulassen – das ist eine Gratwanderung. Vielleicht kann man es so sagen: Wahrheit und Liebe. Wie kriege ich diesen Blick hin?

Ich glaube tatsächlich, das ist eine Einstellungsfrage. Es hängt auch ein bisschen mit Charakter und Persönlichkeit zusammen. Als Jesus den reichen jungen Mann sah, heißt es, er gewann ihn lieb. Und das wäre doch unser gemeinsames Ziel: dass wir die Leute anschauen und uns nicht denken: „Was glaubt denn der für einen Blödsinn? Der kommt da bestimmt niemals raus.“ Sondern dass wir sagen: „Das ist ein von Gott erschaffener Mensch, den ich genauso lieben möchte, wie Gott es tut.“

Das ist eine Einstellung, die man auch lernen kann – durch Gebet, durch Bibellesen und auch immer wieder dieses Rückbesinnen: „Herr, ich möchte die Menschen so ansehen, wie du sie siehst, weil du sie ja liebst. Deswegen sollten wir sie auch lieben.“

Es ist leider so: Wenn du einige Jahre oder sogar Jahrzehnte evangelistisch aktiv warst, dann wirst du ganz viele Menschen kennengelernt haben, die keine Christen geworden sind. Es war allerdings auch nicht vergeblich, dass man sich für sie Zeit genommen hat. Denn es ist nie vergeblich, einem Menschen in Liebe zu begegnen und ihn zu Jesus einzuladen. Damit müssen wir Christen einfach leben.

Meine Frau und ich haben heute relativ viele Freunde, denen wir das ganze Evangelium gesagt haben, die aber nie Christen wurden. Zum Beispiel haben wir einige hinduistische Freunde, die weiterhin Hinduisten sind. Sie haben das ganze Evangelium gehört, wurden aber keine Christen. Ärgern wir uns jetzt darüber? Nein. Wir freuen uns darüber, dass wir ihnen so viel von Jesus erzählen konnten. Sie leben hoffentlich noch lange und entscheiden sich vielleicht irgendwann für Jesus. Wir sind mit ihnen befreundet und freuen uns, sie wiederzusehen. Sie mögen uns auch als Christen, wenn ich das so sagen darf.

Tina sagt: Wer weiß, sollten wir eines Tages Verfolgung in diesem Land erleben, dann werden diese Freunde bestimmt sagen: „Die sind doch in Ordnung, die können wir jetzt nicht so hart angehen.“ Das ist auch ein Zeugnis für Christen, wenn wir einfach Menschen lieben und kennenlernen. Die wissen dann, dass das, was man manchmal Christen unterstellt – etwa Hassprediger zu sein – nicht stimmt. Dass wir niemandem Feuer unterm Hintern machen, der sich nett bekehrt, um dann den Kontakt ganz krass abzubrechen, bringt eh nichts.

Ich muss vielleicht nicht jedes Jahr sechs Wochen Urlaub mit jemandem verbringen, wenn der sagt: „Jesus war ja schön und gut, aber ich bleibe lieber in meinem Glauben.“ Aber man kann sich doch trotzdem freundlich begegnen. Man kann hin und wieder mal einen Kaffee trinken und so.

Diese Liebe wäre mein Wunsch an uns Christen, auch an mich selbst: dass sie uns immer durchströmt und dass wir nicht versagen oder verzagen. Sondern dass wir das einfach in Gottes Hand legen, was er aus den Kontakten macht. Wir laden zu Jesus ein, und alles andere ist Gottes Sache – auch die Verantwortlichkeit des Menschen.

Sehr schön, ja danke.

Einladung zur Alltagsmission und Ressourcen

Ja, vielleicht hat nicht jeder von euch direkt mit Mormonen, Zeugen Jehovas oder ähnlichen Gruppen zu tun. Aber jeder lebt in seiner eigenen Alltagswelt, in der er als Missionar unterwegs ist.

Es gibt Kinder oder Senioren in der Nachbarschaft oder Kollegen auf der Arbeit. Abonniert unseren Newsletter und lasst euch mit Tipps und Material versorgen, die genau zu eurer Alltagswelt passen. Besucht auch unsere neue Webseite, dort werdet ihr einiges finden.

Ja, Matthias, lass uns… Christian, bevor du weitersprichst. Ja, ja, ja, ich wollte noch etwas sagen. Ich habe jetzt genau ein Thema genannt, über das man gut reden kann. Es gibt noch weitere Themen. Für Zeugen Jehovas habe ich zum Beispiel drei Themen vorbereitet. Diese findet man auf meiner Homepage fragenundglauben.de.

Wenn du weitere Themen wissen möchtest, bei denen man einfach gute Fragen stellen kann und auch die Bibel aufschlagen kann, darf ich Ihnen gerne zeigen, aufgrund welchen Bibeltextes ich es anders sehe. Mich würde sehr interessieren, wie Sie es sehen. Auf meiner Homepage werde ich auch eine Liste von Fragen und Bibelstellen zu wichtigen Kernthemen des Glaubenslebens veröffentlichen. Diese können wir vielleicht auch direkt verlinken, wenn das in Ordnung ist.

Matthias’ persönliche Geschichte bei den Zeugen Jehovas

Matthias, jetzt wird es ein bisschen persönlicher. Du warst selbst jahrelang bei den Zeugen Jehovas. Erzähl doch mal, wie bist du überhaupt dazu gekommen? Bist du da reingeboren, wurdest du gewonnen? Wie war das bei dir?

Mittlerweile, wenn ich das erzähle, fange ich oft mit den kuriosen Dingen an: Ich bin tatsächlich dreimal getauft worden. Das ist wirklich ungewöhnlich. Ich wurde als Baby evangelisch getauft, mit siebzehn habe ich mich als Zeuge Jehovas taufen lassen und dann Ende zwanzig als wiedergeborener Christ.

Wie man daran schon sieht, bin ich formell eigentlich evangelisch. Meine Eltern wurden Zeugen Jehovas, als ich noch ganz jung war, im Grundschulalter. So bin ich dann als Zeuge Jehovas aufgewachsen und habe den Glauben natürlich auch von meinen Eltern vermittelt bekommen. Wir haben drei Gottesdienste – bei den Zeugen Jehovas nennt man sie Versammlungen – pro Woche besucht. Heute gibt es nur noch zwei, sie haben das etwas reduziert.

Dort habe ich natürlich viel über den Glauben der Zeugen Jehovas gelernt. Als Kind nimmt man das einfach so als wahr an. Das ist wahrscheinlich bei den meisten Kindern so: Man übernimmt einfach das, was die Eltern glauben.

Ab dem Pubertätsalter, also mit dreizehn, vierzehn Jahren, habe ich dann angefangen, sehr viel zu hinterfragen. Stimmt das wirklich? Ich habe die spezifischen Lehren der Zeugen Jehovas hinterfragt: Stimmt es wirklich, dass 1914 die letzten Tage begonnen haben? Dass Harmagedon, das Weltgericht Gottes über die Welt, schon ziemlich nah vor der Tür steht? Stimmt es wirklich, dass die Zeugen Jehovas die einzig wahre Religion sind?

So sehen sich Zeugen Jehovas tatsächlich. Aus ihrer Sicht sind alle anderen Christen total falsch abgebogen. Sie glauben irgendwelche heidnischen Lehren, die sie dann als biblisch darstellen. In Wirklichkeit würde die Bibel etwas ganz anderes lehren. Die Bibel würde zum Beispiel weder die Hölle noch die unsterbliche Seele noch die Dreieinigkeit lehren.

Ich habe mich relativ ungewöhnlich kritisch mit diesen Fragen auseinandergesetzt, wahrscheinlich könnte man sagen, für ein Kind im Alter von dreizehn, vierzehn Jahren. Ich habe wirklich auch die dicken Bücher der Zeugen Jehovas studiert. Wer ehemaliger Zeuge Jehovas ist, kennt vielleicht das dunkelgrüne Buch. Dort habe ich sehr detailliert nachgelesen.

Darin wird das angesprochene Narrativ erklärt: Über Jahrhunderte hinweg herrschte geistige Dunkelheit. Jetzt, in der Endzeit, hat Jehova Licht geschenkt und die biblischen Lehren klargestellt, die man so viele Jahrhunderte einfach falsch geglaubt hat.

Dieses Trio – Dreieinigkeit, Hölle, unsterbliche Seele – wird bei den Zeugen Jehovas häufig als die größte Irrlehre überhaupt dargestellt. Ich habe das geprüft, und es hat für mich Sinn ergeben. So bin ich zur Überzeugung gekommen, dass die Zeugen Jehovas richtig liegen.

Schließlich habe ich mich mit siebzehn taufen lassen. Bei den Zeugen Jehovas ist es üblich, dass man schon als Teenager aktiv ist, zum Beispiel beim Haus-zu-Haus-Dienst mitgeht und regelmäßig an den Gottesdiensten teilnimmt.

Die persönliche Entscheidung, Nägel mit Köpfen zu machen, habe ich dann mit siebzehn getroffen. Bei den Zeugen Jehovas wird man ermutigt, sich taufen zu lassen, wenn man weiß, dass man auf dem richtigen Weg ist – besser früher als später.

Persönliche Prägung und Glaubenswelt bei den Zeugen Jehovas

Matthias, wie hat das dein Leben geprägt? Nicht nur äußerlich durch Versammlungsbesuche, Hausbesuche und Ähnliches, sondern auch innerlich. Wie soll ich sagen: Wie hast du die Welt gesehen? Wie hast du über Gott gedacht?

Das ist sicher eine Mischung aus Gedanken, die uns bibeltreuen Christen nicht fremd sind, und einigen Sonderlehren. Natürlich glaubt man an Gott und an Jesus als den Sohn Gottes. Die Zeugen Jehovas sehen ihn jedoch nicht als Gott, sondern als den einen Sohn Gottes. Leider haben sie sich zu der Aussage hinreißen lassen – ich möchte fast sagen –, die in ihrem aktuellsten Lehrbuch steht (ich zeige es mal, wie immer glücklich), dass Jesus ein mächtiger erschaffener Engel sei.

Bis heute frage ich mich, ob diese Aussage wirklich möglich gewesen wäre vor 15 bis 20 Jahren. Ob man damals gesagt hätte, man degradiert Jesus jetzt zum Engel. Er ist doch der Sohn Gottes, was die Zeugen Jehovas eigentlich glauben. Na ja, jedenfalls habe ich das als mein Weltbild angenommen.

Du musst dir das so vorstellen: Als Zeuge Jehovas glaubt man, man sei in der einzigen Religion, die die Bibel wirklich noch ernst nimmt. Man kennt als Zeuge Jehovas keine bibeltreuen Christen. Ich habe buchstäblich an tausenden von Haustüren geklingelt und hatte kein einziges längeres Gespräch mit einem bibeltreuen Christen, der mir von seiner Beziehung mit Jesus erzählt hätte oder überhaupt ein längeres Gespräch mit mir geführt hätte. Auch deswegen gilt das Credo: Alles ist besser als Schweigen.

Du lebst also in der Vorstellung, wir Zeugen Jehovas verstehen die Bibel noch richtig. Wir sind die einzigen, die sie in diesem hohen Maße richtig verstehen. Dann gibt es die Großkirchen – evangelisch, katholisch – da glaubt eh niemand mehr irgendetwas. Das ist jetzt ganz abfällig gesagt, aber so glaubst du es als Zeuge Jehovas. Und dann gibt es noch ein paar Heilungsfanatiker oder so, ganz schräg.

Aber ich bin eigentlich nie einem charismatischen Christen oder sonstigem bibeltreuen Christen begegnet. Man weiß irgendwie, da gibt es vielleicht irgendwelche Dokus, und in den USA sind die weit verbreitet, aber du kriegst das als Zeuge Jehovas nicht mit. Was auch daran liegt – das möchte ich kurz vorwegnehmen –, ich weiß gar nicht, ob ich später noch darauf eingehen kann, dass man in manchen bibeltreu-christlichen Kreisen eigentlich immer hört: Red bloß nicht mit den Zeugen Jehovas, das sind die antichristlichen Irrlehrer aus 1. Johannes 3. Bloß die Tür schnell wieder zumachen.

Also ich war ein armes Würstchen. Ich hätte mich schon über Austausch gefreut. Ich hätte bestimmt auch einen Flyer genommen. Das ist bei Zeugen Jehovas nicht so üblich, dass man etwas entgegennimmt, aber es gibt viele Zeugen Jehovas, die etwas nehmen. Die Zeugen Jehovas, mit denen ich in den letzten Jahren geredet habe, haben bestimmt die Hälfte meinen Flyer angenommen. Zu sagen, nur weil die andere Hälfte nie etwas entgegennimmt, gebe ich gar nichts mehr weiter, ist ja auch eine komische Logik.

Aber zurück zur Frage, Christian. In dieser Vorstellung lebst du. Du fühlst dich immer wieder bestätigt, zum einen durch das, was du an Belehrung bei den Zeugen Jehovas erhältst, und durch die Eindrücke, die du gewinnst. Ich kannte zum Beispiel auf meiner Schule keinen bibeltreuen Christen, der den Glauben ernsthaft ausgelebt hätte.

In meiner Glaubensrealität hat sich das immer wieder bestätigt: Wir sind doch die einzigen, die den Glauben wirklich ausleben. Zum Beispiel hatte ich auf der Schule eine Mitschülerin, die war freikörliche Methodistin. Aber sie lebte wie alle anderen mit vorehelichem Sex. Die Zeugen Jehovas sind da ja ganz streng und sagen: Die Bibel ist da ganz eindeutig, Sex gehört nur in die Ehe. So sehen es die meisten bibeltreuen Christen auch, oder hoffentlich alle. Aber sie hat es nicht ausgelebt.

Deshalb wurde das immer wieder bestätigt. Dann bekommst du natürlich in der Schule auch den Unterricht in Geschichte, zum Beispiel zum Dritten Reich. Wer war die einzige christliche Religionsgemeinschaft, die wirklich geschlossen verfolgt wurde? Wo viele, viele Menschen im Konzentrationslager waren, die sogar ein eigenes Abzeichen auf ihrem KZ-Hemd hatten? Das waren die Zeugen Jehovas.

Da fühlt man sich natürlich bestätigt: Ja, komisch, wir müssen ja doch irgendwie die anderen sein. Es gab auch viele andere Christen, die vielleicht einen stilleren Widerstand hatten, die vielleicht zwar nicht im Konzentrationslager, aber im Gefängnis waren, wie Wilhelm Busch zum Beispiel. Oder die in den Widerstand gegangen sind, wie Bonhoeffer.

Das war mir – ich muss für mich sprechen – unbekannt oder vielleicht nur als Kuriosität. Ah, da gab es mal hier ganz vereinzelt andere Geistliche, die auch irgendwie im Widerstand waren. Aber irgendwie haben ja nur wir Zeugen Jehovas gezeigt, dass wir den Glauben wirklich ernst nehmen.

Na ja, und in dieser Vorstellung verbringst du dein Leben, bis vielleicht irgendwann mal ein kritisches Hinterfragen anfängt.

Zweifel und Ausstieg aus den Zeugen Jehovas

Und mal ganz kurz der Blick von außen: Viele stellen sich die Zeugen Jehovas als eine Sekte vor, in der alle irgendwie unter Druck stehen und unglücklich sind. So ist zumindest meine Wahrnehmung.

Gab es auch Zeiten, in denen du dich wohlgefühlt hast? Also nicht nur das Wissen, dass „wir die Einzigen Richtigen sind“ und so weiter, sondern Momente, in denen du dankbar warst und dich wirklich wohlgefühlt hast; wo du dachtest: „Boah, das ist meine Gemeinschaft, hier gehöre ich hin, hier bin ich zu Hause.“

Ja klar! Das, was du zuletzt genannt hast, ist ja das Dauergefühl, das man hat. Man hat ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Man denkt: „Mensch, das ist wirklich toll, dass ich das erkennen durfte, was die Bibel wirklich lehrt.“ Gleichzeitig empfindet man Mitleid mit den Menschen draußen, weil sie das eben nicht erkannt haben.

Auch die Freundschaften und die Gemeinschaft unter den Zeugen Jehovas fand ich in weiten Teilen sehr angenehm. Ich kenne heute ehemalige Zeugen Jehovas, die sagen, so eine tolle Gemeinschaft hätten sie nie wieder erlebt in ihrem Leben.

Zeugen Jehovas sind zum Beispiel ganz stolz auf ihre Konferenzen, die sie Kongresse nennen. Dort kannst du deinen Geldbeutel einfach liegen lassen, ohne dass sich jemand danebenbenimmt. Sie sehen das als etwas wirklich Einzigartiges, eine Art geistige Oase, ein geistiges Paradies, auf das sie sehr stolz sind.

Natürlich hatte ich auch ganz tolle Freundschaften. Das sind immer noch großartige Menschen, und ich wäre mit ihnen heute noch gerne befreundet – wenn sie es denn wollten. Dazu kommen wir gleich noch, was das für dich bedeutet hat.

Es gibt viele positive Dinge, die man erlebt, oder auch die enorme Wertschätzung, die man für die Bibel bei den Zeugen Jehovas hat. Das ist etwas ganz, ganz Tolles. Ebenso, dass man es als sehr wichtig ansieht, sich intensiv mit der Bibel zu beschäftigen.

Ich weiß gar nicht, woher das kommt, Christian, dass man den Zeugen Jehovas oft unterstellt, sie beschäftigen sich nur mit dem Wachtturm. Zeugen Jehovas werden aber auch ermutigt, die Bibel direkt zu lesen. Sie sagen selbst in ihren Schriften: „Die Bibel ist und bleibt unsere Nummer eins.“ Das ist natürlich etwas Tolles.

Das sind Werte, die ich sehr schätze. Auch der Wert der aufgeschlagenen Bibel, den man früher bei den Zeugen Jehovas hatte – heute sind sie sehr digital unterwegs, zumindest mittlerweile – ist etwas Besonderes. Wenn man mit jemandem redet, sagt man: „Darf ich es dir in meiner Bibel zeigen? So sagt es Jesus, so sagt es Gott.“ Das ist ein ganz toller Wert, den wir uns auch von den Zeugen Jehovas nicht nehmen lassen sollten. Das sollten wir genauso tun.

Matthias, du hast gesagt, mit 17 warst du überzeugt und hast dich taufen lassen. Das war der Beginn, nachdem du deine eigenen Zweifel überwunden hattest und gesagt hast: „Ja, das ist es, da bleibe ich bei.“ Du bist da richtig durchgestartet bei den Zeugen.

Wann kamen die ersten Zweifel? Wann hast du gemerkt: „Okay, vielleicht gibt es doch noch etwas anderes, und ich bin doch nicht in der richtigen Gruppe?“

Erste Zweifel und innere Konflikte

Diese Fragen waren eigentlich immer präsent, etwa ab der Pubertät. Es gibt Dinge, die biblisch nur schwer zu argumentieren sind, zum Beispiel das Verbot, Geburtstage zu feiern, oder das Verbot, politisch wählen zu gehen.

Hier sprechen wir nicht von etwas, bei dem die Zeugen Jehovas sagen, man sollte es besser nicht tun. Sondern von Dingen, bei denen die Zeugen Jehovas sagen: Wenn jemand darauf besteht, sein Recht wahrzunehmen, zum Beispiel Geburtstag zu feiern, dann wird diese Person ausgeschlossen. Dadurch verliert sie auch ihre sozialen Kontakte.

Es geht also nicht nur darum, dass man für die von Paulus erwähnten vier oder fünf Gründe ausgeschlossen wird, sondern für zwanzig verschiedene Gründe. Das war für mich schon früh ein großes Fragezeichen. Ich fragte mich, ob das nicht ein bisschen zu extrem ist, aber ich habe keine Alternative gesehen.

Die Logik dahinter ist auch folgende: Selbst wenn die Zeugen Jehovas in manchen Punkten vielleicht falsch liegen, dann zeigt man doch jemanden, der es besser macht.

Wenn man mit Zeugen Jehovas spricht, wird diese Frage oft gestellt. Das ist ein ganz anderes Mindset. Leider fehlt uns heute die Zeit, hier tief einzutauchen. Aber ein häufiger Gedanke unter Zeugen Jehovas ist: „Wenn wir nicht Recht haben, welche andere Religion dann?“

Der Zeuge Jehovas hat ein institutionalisiertes Glaubensverständnis. Er glaubt, wenn es nicht die Organisation der Zeugen Jehovas ist, dann muss es eine andere weltweit agierende Religion sein, die in kompletter Einheit ist.

Das hat verschiedene Gründe. Zum Beispiel sagen sie: Wir haben das größte Predigtwerk der Welt. Weltweit verkünden wir dieselbe gute Botschaft. Aus ihrer Sicht macht bei uns jeder seins. Die Gemeinde glaubt so, die Gemeinde glaubt so, jemand handelt auf eigene Faust. Aber sie sehen uns nicht als weltweite Einheit an, was so nicht stimmt. Hier müsste man im Detail darauf eingehen, wie wir das sehen.

Deshalb sieht man keine Alternative. Aber große Fragezeichen sind bei den meisten reflektierten Zeugen Jehovas da. Es wird eher so wahrgenommen wie ein Punkt auf einem weißen Blatt Papier.

Gab es dann den Moment, wo du gesagt hast: Ich muss hier raus? Wie kam es dazu? Was war der Auslöser?

Persönliche Erfahrungen und Ausstiegsschritte

Ja, also ich habe es in den letzten Jahren sehr oft hier und da mal erzählt. Ich weiß nicht, ob meine Ex-Freundin das jemals gehört hat, dass ich so oft über sie reden muss. Aber ich habe eine Nichtsäugin Jehovas kennengelernt. Mit Anfang zwanzig, da müsste ich ungefähr zweiundzwanzig gewesen sein, vielleicht dreiundzwanzig. Da muss man nochmal nachrechnen.

Bei den Zeugen Jehovas ist es so: Du darfst eine andersgläubige Person kennenlernen. Andersgläubig ist jeder, der kein Zeuge Jehovas ist – aus Sicht der Zeugen Jehovas. Du darfst halt keinen vorehelichen Sex haben. Und ich sage mal so: Meine Dating-Erfahrungen bei den Zeugen Jehovas haben nicht so wirklich gefruchtet. Da habe ich nie eine Frau kennengelernt, bei der man gesagt hätte: „Hey, das passt, und wir gehen mal Richtung Verlobung und können uns die Zukunft vorstellen.“

Dann habe ich halt, wie es so ist, ich bin ja auch nur ein Mann, eine junge Frau kennengelernt – durch Zufall. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und uns ineinander verliebt. Ich habe ihr gesagt: „Ich würde dich total gern kennenlernen, aber ich bin Zeuge Jehovas, wir können keinen Sex haben. Das ist mir total wichtig.“ Ich habe das wirklich geschrieben, die SMS habe ich bestimmt noch. Damals war eine SMS schon ein bisschen was Besonderes. Ich wollte mich an die Gebote Gottes halten.

Sie hat gesagt, das sei für sie in Ordnung, sie findet mich auch cool und hat kein Problem damit. Genau. Dann war ich eine Mischung aus Gandhi und dem Dalai Lama, weil sie schon offen dafür gewesen wäre, mit mir zu schlafen, aber ich habe das dann doch über längere Zeit durchgehalten. Quasi: Ich bin Zeuge Jehovas und lerne da eine Andersgläubige kennen. Später ist es dann anders geworden, aber in der Anfangszeit war das so.

Dann habe ich Folgendes erlebt: Die Zeugen Jehovas sehen es als ganz schlimm an, eine Andersgläubige kennenzulernen, aber es ist nicht offiziell verboten. Ich bin ja ein sensibler Typ, wie du weißt, Christian, und dann habe ich etwas erlebt, was ich schon als Psychoterror empfunden habe.

Es war so: Ich hatte bestimmte Aufgaben in der Versammlung. Ich habe in der Audiotechnik gearbeitet, Kurzvorträge gehalten und so weiter. Dann dachte ich mir: Ich kann kein Doppelleben führen. Wenn das hintenrum rauskommt, kann ich das nicht machen, da ist ja der Ruf komplett ruiniert. Ich muss da klar Schiff machen.

Also bin ich zu meinem Ältesten gegangen und habe gesagt: „Ich weiß, wir sehen das als furchtbar schlimm an, aber ich lerne Andersgläubige kennen. Ich gebe hiermit alles ab, was ich mache.“ So quasi im vorauseilenden Gehorsam. Nein, ich wollte eine ehrliche Haut sein. Ich wollte einfach kein Doppelleben führen, das dann hintenrum rauskommt. Dann würden mir ja sofort diese Vorrechte – nennen wir sie bei den Zeugen Jehovas „Dienste“ – die ich in meiner Versammlung hatte, entzogen werden. Ich dachte mir: Früher oder später kriegt es eh jeder mit. Das hat sich einfach besser angefühlt, ehrlich zu sein.

Das war allerdings die falsche Logik. Es war richtig zum einen, aber zum anderen auch falsch. Denn ich habe damals zu dem Ältesten gesagt: „Ich will da nicht darüber diskutieren. Ich habe diese Gewissensentscheidung getroffen. Ich weiß, wir sehen das furchtbar schlimm an.“ Aber dann habe ich so viele Gesprächsaufforderungen, Telefonate und was weiß ich bekommen. Ich habe so oft mit den Ältesten geredet, dass ich überhaupt keine Lust mehr hatte, noch in die Versammlung zu gehen.

Dann bin ich erst mal nur noch in die Sonntagsversammlung gegangen und nicht mehr am Freitag, weil es mich irgendwie belastet hat. Das war mir zu doof. Da habe ich dann einfach meinen Versammlungsbesuch auslaufen lassen. Der Zeuge Jehovas würde sagen: Ich bin inaktiv geworden.

In dieser Zeit sind natürlich auch diese großen alten Fragezeichen wieder aufgeploppt, die ich für mich so aufgearbeitet habe. Ich kam schon zur Erkenntnis – und ich glaube, diese Erkenntnis hatte ich, als ich eigentlich noch recht aktiv war –, als ich mir dachte: Wenn ich mal Kinder haben sollte, möchte ich nicht, dass sie so extrem aufwachsen. Mit diesen Phänomenen, die ich gerade geschildert habe. Dass man manche Dinge einfach so extrem sieht, dass man keine Gewissensentscheidung zulässt. Dass man allen anderen Christen, die ihren Glauben auch ernst nehmen, das Christsein abspricht und sagt: „Nein, wir sind der einzig wahre Weg.“

Ich glaube, es gibt immer so einen Standardweg, den der Ex-Zeuge geht. Erst mal glaubt er, nur die Zeugen Jehovas sind die wahre Religion. Dann zieht er die Erkenntnis, dass es auch noch andere Christen gibt, die sich redlich bemühen. Das ist mir dann auch relativ schnell aufgefallen. Dass man gar nicht so sicher sein kann, dass die Zeugen Jehovas die einzig wahren Christen sind.

Viele Exzeugen rutschen dann in eine komplette Beliebigkeit ab. Man sagt: Man kann eh gar nicht wirklich herausfinden, was die Bibel wirklich lehrt. Die einen glauben an die Hölle, die anderen nicht. Diese Phase hatte ich auch. Leider kommen ganz viele Exzeugen Jehovas letzten Endes beim Atheismus an und sagen: „Das ist alles Quatsch.“

Das ist oft verbunden mit dem Gedanken: Wenn die Zeugen Jehovas die Bibel nicht richtig verstanden haben, dann ist es auch keinem anderen möglich, die Bibel richtig zu verstehen. Denn wenn die, die das so krass ernst nehmen und studieren, komplett falsch liegen, dann ist es bestimmt nicht die christliche Gemeinde Sulzdorf, die richtig liegt.

Ich bin also inaktiv geworden. Kurioserweise wurde ich jahrelang nicht ausgeschlossen. Kannst du dir das vorstellen? Ich bin dann in eine andere Stadt gezogen, weil mich das auch psychisch sehr belastet hat, dieser Ausstieg. Denn in einer Kleinstadt begegnest du immer wieder den Zeugen Jehovas, die du kennst.

Ich hatte einen sogenannten Bezeichnungsstatus. Die meisten Zeugen Jehovas wissen wahrscheinlich gar nicht, was das ist. Also: Der ist nicht ausgeschlossen, aber du sollst auch in deiner Freizeit keinen Kontakt zu ihm haben. Das lag an der Beziehung mit der Andersgläubigen. Man hat den Zeugen dann, also deinen „Mitgläubigen“ in Anführungsstrichen, verboten, Kontakt zu dir zu haben.

Man hatte ihnen geraten, zu jemandem wie mir möglichst keinen Kontakt in der Freizeit zu haben, weil ich mich unvorbildlich verhalte. In einer Freitagszusammenkunft wurde quasi mein Verhalten thematisiert, ohne meinen Namen zu nennen. Aber jeder wusste, dass ich gemeint bin. So jemand ist schlechter Umgang.

Aber es gab nichts, wofür man mich hätte ausschließen können. Zumindest nichts, was offensichtlich gewesen wäre. Dann habe ich jahrelang als inaktiver Zeuge Jehovas gelebt, also de facto ausgestiegen, aber offiziell inaktiv. Ausgeschlossen wurde ich tatsächlich erst, als ich dann bibeltreu wurde.

Mitgliedschaft in der falschen Religion ist ein Ausschlussgrund, ja.

Ausstiegserfahrungen und soziale Folgen

Okay, wie, also der Ausstieg generell war bei dir dann, wenn ich das so richtig verstanden habe, eher schleichend. Wenn man jetzt aktiv da raus will, muss man sich vielen Gesprächen stellen. Das ist ja nicht so einfach. Wie dir das jetzt gelungen ist – ist das der übliche Weg von Aussteigern oder würdest du sagen, eher unüblich?

Ja, es ist der übliche Weg, aber dass es viele Jahre der Inaktivität sind, ist jetzt nicht so üblich. Viele inaktive Zeugen Jehovas haben dann das Bedürfnis, einen Schlussstrich zu ziehen. Oder, was viel häufiger ist: Sie werden ausgeschlossen. Der häufigste Grund ist tatsächlich unehelicher Sex. Das bekommt man irgendwo in der Versammlung mit, und dann wirst du dafür ausgeschlossen.

Aber bei den meisten ist es ein schleichender Prozess. Rein theoretisch stimmt es nicht, dass man bei den Zeugen Jehovas nicht rauskommen würde. Du versuchst als Zeuge Jehovas möglichst lange drin zu bleiben, weil der Kontakt auf ein Minimum zu einem ausgeschlossenen Zeugen Jehovas beschränkt werden soll.

Früher – und das hat eigentlich noch bis vor einem Jahr gegolten – solltest du einen ausgeschlossenen Zeugen Jehovas nicht mal grüßen. Es wurde jetzt ein bisschen gelockert. So der Konsens ist eher: Kontakt möglichst auf ein Minimum beschränken oder halt vielleicht mal zur Versammlung einladen, aber bestimmt nicht die Freizeit groß miteinander verbringen.

Deswegen bemühst du dich als gedanklich ausgestiegener Zeuge Jehovas, möglichst lange dabei zu bleiben, damit du noch mal mit deinen Freunden reden kannst und vielleicht auch mal irgendwie Zeit mit ihnen verbringen. Wenn dann eigene Familie oder verwandte Zeugen Jehovas im Spiel sind, wird das Thema ja noch heißer.

Es gibt bei den ehemaligen Zeugen Jehovas und noch aktiven, aber innerlich schon ausgestiegenen Zeugen Jehovas einen Spezialbegriff, den ich glaube, kein Nichtzeuge Jehovas kennt. Der nennt sich PIMO – Physically in, mentally out. Also du gehst eigentlich noch in die Versammlungen und tust so, als wärst du einer, aber gedanklich bist du schon ganz ausgestiegen. Deiner Familie oder deinen Freunden zuliebe bleibst du halt weiterhin drin.

Es gibt ganze PIMO-Gruppen auf Reddit und so, die sich austauschen und sich ermutigen, noch weiter durchzuhalten.

Krass.

Ja, klar, weil gerade wenn dein Ehepartner noch voll drin ist oder ein Familienmitglied, ist das ja auch krass. Wenn du dann sagst, ich steige aus und darf keinen Kontakt mehr haben, ist das eine große Herausforderung.

Ja, das ist eine ganz große Tragödie. Entschuldige, wenn ich das so offen sage. Es gibt auch Suizidfälle bei ausgestiegenen Zeugen Jehovas, die es einfach nicht packen. Ich habe ganz, ganz viele kennengelernt, bei denen die ganze Verwandtschaft den Kontakt von heute auf morgen mit dem Ausschluss komplett knallhart abgebrochen hat.

Die Zeugen Jehovas reden das oft schön, oder viele sagen: Na ja, das muss ja dann auch jeder selber wissen, wie viele Kontakte man haben will. Aber der Typ ist ein Zeugen Jehovas-Hardliner, der ist schon zu 50 bis 75 Prozent unter den Zeugen Jehovas vertreten.

Ich habe das ja früher auch gemacht. Ein Freund von mir, der sogar in meine Klasse ging, wurde als junger Erwachsener ausgeschlossen. Ich habe ihm noch einmal auf ICQ geschrieben, und dann war es das.

Wenn jetzt jemand hier von unseren Zuhörern einen Freund oder Kollegen hat, der bei den Zeugen ist und überlegt, auszusteigen – wie kann man so jemandem am besten helfen? Was braucht der in dem Moment?

Unterstützung für Aussteiger und Gesprächsstrategien

Ja, also wir haben jetzt erst mal eine andere Grundvoraussetzung, weil ich sage mal, die meisten, die uns zuhören, sind biblische Christen. Wir möchten ja einen Menschen mit Jesus Christus bekannt machen, damit er auch diese lebensverändernde Beziehung mit Jesus erlebt.

Da würde ich mit einem Zeugen Jehovas immer so reden, wie ich halt immer mit Zeugen Jehovas rede. Also erst mal ein freundlicher Austausch: Wo stehst du, wo stehe ich? Je nachdem, wie offen derjenige dafür ist, kann man ja schon auch einige Dinge zum Nachdenken mitgeben.

Auf der Bibelstellenliste, die wir unten verlinken, sind zum Beispiel so typische Zeugen Jehovas-Themen auch drauf. Zum Beispiel: Was passiert, wenn ich gestorben bin? Kriege ich dann eine zweite Chance im tausendjährigen Reich, wie es die Zeugen Jehovas glauben? Oder ist die Chance, mit Gott ins Reine zu kommen, wenn ich als Ungläubiger gestorben bin, auch passé? So lehrt es meines Erachtens die Bibel.

Und da gibt es viele Glaubenslehren bei den Zeugen Jehovas, über die man entspannt reden kann.

Ansonsten, was soll ich sagen, Christian, wenn jetzt jemand offen für externe Informationen ist? Es gibt einen dreieinhalb Stunden langen Vortrag von mir, in dem ich die Lehren der Zeugen Jehovas aufarbeite. Ich gehe auch alles aus Sicht der Zeugen Jehovas durch und erzähle ein bisschen meine Lebensgeschichte. Das ist das Beste, was ich machen konnte. Ob es der beste Vortrag ist, weiß ich nicht, aber den würde ich natürlich empfehlen. Man kann sagen: Hey, das fände ich toll, wenn jemand, der sich gerade fragt, ob die Zeugen Jehovas richtig oder falsch liegen, sich den Vortrag anschaut, weil ich spreche halt auch die Zeugen Jehovas-Sprache.

Es gibt so viele Dinge, die der Zeuge Jehovas am biblischen Christen nicht versteht und der biblische Christ am Zeugen Jehovas nicht versteht. Ich sage auch gerne: Der Zeuge Jehovas ist der größte Weihnachtsfanatiker der Welt. Ich habe noch nie einen Menschentypus kennengelernt, der sich so viele Gedanken um Weihnachten macht.

Für den Zeugen Jehovas ist es so eindeutig, dass du als Christ Weihnachten nicht feiern kannst, wenn du die Bibel ernst nimmst. Und quasi, wenn der Zeuge Jehovas so ins Grübeln kommen würde, okay, also vielleicht stimmt diese Lehre von der Auferstehung im tausendjährigen Reich nicht so, wie wir sie lehren, aber hier die christliche Gemeinde, die feiert doch Weihnachten, die kann doch sicher nicht richtig liegen.

Also das ist wirklich so … ja, und Dreieinigkeit, Hölle, unbiblische – ich sage unbiblische – Seele, unsterbliche Seele ist halt so das Trio, wo der Zeuge Jehovas fest war. Die Christen glauben ja an Dreieinigkeit, also die anderen Christen, da können sie ja schon mal nicht richtig liegen. Also er ist meilenweit davon entfernt.

In meinem Vortrag versuche ich natürlich mit ganz schmusigen Worten, als jemand, der das alles früher selber so geglaubt hat, auch mit einem großen Verständnis für die Sichtweise der Zeugen Jehovas zu reden.

Ja, da würde ich gerne auch mit Ihnen zum letzten Teil darüber reden, die Zeugen Jehovas besser zu verstehen. Viele von uns, die auch zuhören, haben sicherlich schon mal Zeugen an der Tür gehabt. Sie treten ja meist zu zweit auf, aber wissen vielleicht gar nicht genau, was die eigentlich glauben. Ein paar Sachen haben wir jetzt schon angesprochen.

2024 gab es weltweit 8,8 Millionen aktiv missionierende Zeugen Jehovas, also korrigier mich, wenn die Zahlen nicht stimmen, die ich hier habe. 220 davon im Dachraum, also Deutschland, Österreich, Schweiz.

Was ist der Hintergrund dieser Glaubensgemeinschaft? Wie sind sie entstanden? Was sollte man so über die Gründe und die jetzigen Leiter wissen? Wie funktioniert die Organisation?

Ich möchte mal zwei der letzten Hauptlehrbücher zeigen. Das eine heißt „Was lehrt die Bibel wirklich?“ Das war so meine junge Erwachsenenzeit, als das rauskam, und danach kam der Nachfolger „Was lehrt uns die Bibel“. Da sieht man, dass der Zeuge Jehovas sich dadurch definiert, dass er glaubt, wir haben die biblische Botschaft richtig verstanden und die anderen nicht.

Wir möchten den Menschen weitergeben, was die Bibel wirklich lehrt. Was lehrt denn die Bibel wirklich? Ich habe vorhin schon so ein paar Detaillehren genannt, aber das Weltbild des Zeugen Jehovas ist, sage ich mal, vom grundlegenden Fundament jetzt erst mal nicht so sehr unterschiedlich zu dem eines biblischen Christen. Also Gott gibt es, die Bibel ist Gottes Wort, was die Bibel trifft, haben wir fast das gleiche Bibelverständnis, nur eine andere Hermeneutik. Wir würden zum Beispiel nicht so „surf and turf“ in der Bibel machen und aus apokalyptischen Texten dann Lehren ableiten, aber ansonsten glauben wir auch, die Bibel ist das irrtumslose Wort Gottes, genauso wie die Zeugen Jehovas.

Das dritte ist: Sie glauben, Gott hat sich den Menschen durch Jesus Christus mitgeteilt. Sie glauben nur nicht, dass er Gott ist.

So, und jetzt kommt es in die Feinheiten rein.

Aber Moment, da muss ich kurz unterbrechen. Sie glauben aber schon, dass er der Sohn Gottes ist, aber er ist nicht Gott? Du hast gesagt, die neueren Lehren haben ihn auf einen Engel reduziert.

Nee, sie glauben immer noch, er ist der erschaffene Sohn Gottes, und der erschaffene Sohn Gottes ist gleichzeitig ein mächtiger Engel.

Aha, okay. Also der erschaffene Sohn Gottes ist nicht von Ewigkeit zu Ewigkeit, sondern er ist ein erschaffenes Wesen und er ist nicht Gott selbst.

Genau, er war das erste Wesen, das Jehova erschaffen hat, und durch den er alles gemacht hat.

Bevor ich meinen anderen Gedanken weiterführe, können wir vielleicht mal bei dem Begriff Jehova stehenbleiben?

Der häufigste Eigenname in der Bibel ist ja der Name Gottes, der in den wissenschaftlich akkuraten Übersetzungen meist mit „Jahwe“ wiedergegeben wird. Früher hat man im deutschsprachigen Raum und auch im englischsprachigen Raum den Namen mit „Jehova“ wiedergegeben. An alten Kirchen sieht man das manchmal, oder auch in alten Kirchengesangsbüchern kommt Jehova vor. Heinrich Heine hat auch mal ein Gedicht geschrieben, wo Jehova vorkommt. Also das war ganz üblich vor, ich würde sagen, 100 bis 150 Jahren.

Die Zeugen Jehovas haben den Namen eben als Gottesnamen angenommen und ihn häufiger gebraucht, als es in kirchlichen Kreisen üblich war. Sie sehen es als sehr wichtig an, den Namen Gottes zu gebrauchen.

Aufgrund jüdischer Tradition haben auch die christlichen Kirchen angefangen, statt von Jahwe häufiger von „Herr“ als Ersatzwort zu sprechen. Die Zeugen Jehovas sehen es als wichtige Lehre an, diese Tradition, diesen Brauch nicht mitzumachen, sondern wenn die Bibel von Jahwe oder Jehova spricht, den Namen auch zu gebrauchen.

Jehova ist sehr wahrscheinlich eine schlecht oder falsch übersetzte Form des Gottesnamens, das wissen die Zeugen Jehovas auch selber. Aber sie sagen, dadurch, dass es die gebräuchlichste Form über so lange Zeit in unseren Regionen war, gebrauchen sie ihn weiter, auch wenn Jahwe nicht falsch ist und wahrscheinlich sogar der wissenschaftlich korrektere Name.

Sie verwenden dann Bibelstellen, wo Jesus sagt zu Gott Vater: „Ich mache Ihnen Deinen Namen bekannt“ und sehen das wortwörtlich, dass dadurch, dass sie den Namen Gottes in Form von Jehova unter den Menschen bekannt machen, sie dem nachkommen, was Jesus gelehrt hat.

Aus biblischer Sicht würde man sagen: Jesus meint, wir machen die Person Gottes den Menschen bekannt, wie er ist, und dass er mit uns Beziehung haben will und jetzt nicht den buchstäblichen Namen Gottes.

Das ist so ein Merkmal: Die Zeugen Jehovas haben da auch diverse Schriften und legen großen Wert darauf, dass sie als einzige in diesem Ausmaß den Gottesnamen gebrauchen.

Aber jetzt zurück zu den wichtigeren Themen: Wir waren bei Jesus stehen geblieben.

Wir Christen glauben, dass Jesus für unsere Sünden starb, dass da ein Tausch am Kreuz stattgefunden hat. Dass ich, der Matthias, dort am Kreuz für meine Sünden hätte hängen müssen, aber Jesus dort ans Kreuz stieg, damit ich straffrei sein kann.

Die Zeugen Jehovas würden das jetzt schon irgendwie glauben, aber sie haben da ein doch etwas anderes Evangeliumsverständnis. Sie sagen: Okay, also Jesus hat den Weg zur Sündenvergebung und zum ewigen Leben freigemacht. Jetzt kommt es aber nach Jakobus 2 schon darauf an, wie wir leben. Keine Heilssicherheit, keine Heilsgewissheit.

Du musst Jehova lieben, ihm treu sein und dein Bestes geben, dann wirst du Harmagedon, den Gerichtstag Gottes, überleben.

Wenn du vor Harmagedon stirbst, dann wirst du quasi so oder so eine Auferstehung im tausendjährigen Reich bekommen, weil die Zeugen Jehovas glauben, wenn Jesus wiederkommt, diese Erde richtet, dann wird er hier eine paradiesische Erde schaffen. Milliarden bisher gestorbener Menschen, sowohl Zeugen Jehovas als auch Nichtzeugen Jehovas, werden dort wieder auferstehen.

Eine ganz verrückte Lehre, kann man sagen.

 Römer 6,7 sagt: Wer gestorben ist, der ist von der Sünde freigesprochen. Die Zeugen Jehovas nehmen das wörtlich und sagen: Dann kann man ja nach dem Tod gar nicht mehr für die Sünden büßen, dann muss es ja eine zweite Chance in der Auferstehung geben.

In Johannes 5 spricht Jesus von einer Auferstehung der Gerechten und Ungerechten.

Wir Christen würden sagen: Wenn Jesus sagt in Johannes 5, wundert euch nicht darüber: Alle, die in den Gräbern liegen, werden Gottes Stimme hören, die, welche Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die, welche Böses getan haben, zur Auferstehung des Gerichts.

Das bedeutet nicht, dass die Bösen, die Ungläubigen, eine zweite Chance im tausendjährigen Reich bekommen. Das heißt, sie werden gerichtet für das, was sie in diesem einen Leben getan haben.

Die Zeugen Jehovas sagen: Nein, das bedeutet, sie bekommen eine zweite Chance im tausendjährigen Reich.

Das heißt, die Zeugen Jehovas lehren, du kannst deine verstorbenen Großeltern, deine verstorbenen Ur-Ur-Ur-Ur-Großeltern, egal was sie geglaubt haben, sehr wahrscheinlich in der Auferstehung im tausendjährigen Reich hier auf der Erde wieder kennenlernen.

Und da ist man gleich bei einer weiteren Kernlehre, die sie haben: Ihre Hoffnung ist nicht, bei Jesus im Himmel zu sein. Ihre Hoffnung ist – und sie glauben, das bezieht sich auf die allermeisten Menschen – ewig auf einer paradiesischen Erde zu leben.

Nur eine kleine Anzahl von Menschen, buchstäblich 144.000, ist dafür bestimmt, im Himmel über diese neue Erde zu regieren.

Und nein, ich nehme es gleich vorweg, das ist keine Zweiklassengesellschaft. Der Zeuge Jehovas sagt nicht, nur die Besten kommen in den Himmel. Das wählt Jehova souverän aus. Manche kommen halt in den Himmel, andere auf die Erde.

Die Zeugen Jehovas gehen sogar so weit zu sagen: „Christian, wo siehst du dich denn eher? Da irgendwie so als Geistwesen im Himmel, oder ist deine Sehnsucht nicht nach ewigem Leben auf der Erde? Siehst du, dein Platz scheint doch eher von Gott auf der Erde zu sein.“

Der Hintergrund ist, dass sie sagen, das Paradies ging verloren durch Adam und Eva, aber das Paradies wird auch wiederhergestellt, so wie es Gott ursprünglich vorgesehen hat. Gottes ursprünglicher Plan mit einer paradiesischen Erde wird wiederhergestellt werden.

Und das ist natürlich ein eklatanter, markanter Unterschied zu dem, was Christen glauben.

Vielleicht zeige ich dir noch fünf Stichpunkte, und dann, glaube ich, lasse ich dich mal wieder zu Wort kommen.

Damit verbunden sind diverse Lehren: Zeugen Jehovas glauben nicht, dass Jesus am Kreuz starb, sondern an einem aufrechtstehenden Marterpfahl, an einem Pfahl.

Zeugen Jehovas glauben nicht an die Dreieinigkeit.

Zeugen Jehovas glauben nicht an die Hölle, sie glauben an die ewige Vernichtung. Das heißt, wenn jemand bei Harmagedon oder beim Endgericht nach dem Tausendjährigen Reich bei der Schlussprüfung umkommt, dann ist er ewig nicht existent. Es gibt keine Hölle in der Theologie der Zeugen Jehovas.

Was haben wir noch? Exklusivitätsdenken hatten wir schon.

Gläubigentaufe, wie es in den meisten bibeltreuen Kreisen der Fall ist, ist auch bei den Zeugen Jehovas üblich als bewusste Entscheidung.

Und genau das sollte ich vielleicht noch dazu sagen: eine sehr starke Definition durch das Weitergeben des Glaubens.

Jeder Zeuge Jehovas sieht es als seinen Hauptauftrag an, mit anderen über die gute Botschaft vom Königreich zu reden und ihnen die Perspektive zu eröffnen, dass auch sie in die Organisation Jehovas kommen können und gerettet werden.

Das finde ich einen guten Punkt, da würde ich gerne noch einsteigen.

Aber eine kurze Frage noch: Wenn ich die Frage sage, okay, du hast jetzt viele Lehrpunkte aufgezählt, was ist so die eine zentrale Lehre oder kannst du das in einem Satz sagen, worum geht es den Zeugen Jehovas im Kern?

In einem Satz: „Wir sind die einzigen, die sich noch wirklich an die Bibel halten.“ Das möchte ich vielleicht noch dazu sagen.

Du hast schon viele Lehrpunkte genannt, aber Zeugen Jehovas sehen sich halt auch als die einzigen, die zum Beispiel den Wert der lebenslangen monogamen Ehe total hochhalten.

Du wirst bei Zeugen Jehovas für die Scheidung ausgeschlossen.

Und wenn du dich so umschaust, gibt es eigentlich wenig namenschristlich geprägte Christen, die dann sagen, Scheidung geht gar nicht, wir müssen bis zuletzt um die Ehe kämpfen.

Das ist etwas, was du außerhalb der Zeugen Jehovas aus Sicht des Zeugen Jehovas selten erlebst.

Kleiner Spoiler: Lieber Zeuge Jehovas, der du vielleicht zuhörst, in bibeltreuen Kreisen ist das wirklich genau so. Da ist es auch quasi die letzte Möglichkeit, eine Scheidung überhaupt zu erwägen.

Wir haben da wirklich auch den gleichen moralischen Wert, aber der Zeuge Jehovas bekommt es halt nicht mit, dass es auch noch andere gibt.

Obwohl wir in Summe gesehen, wenn du mal alle zusammenrechnest, die die gleichen sexualethischen Werte wie die Zeugen Jehovas haben, kommst du auf deutlich mehr im deutschsprachigen Raum, als es überhaupt Zeugen Jehovas gibt.

Aber wir gehen halt nicht regelmäßig von Haus zu Haus.

Noch ein Satz: Die wichtigste Aufgabe für einen Zeugen Jehovas ist es, zu missionieren.

Ich meine, von dieser Hingabe, dieser Treue, diesem Eifer, da können wir uns ja als Alltagsmissionare auch eine Scheibe abschneiden.

Wie hast du das erlebt? Du hast es selber auch gerne gemacht, oder war das so ein Druck: okay, ich muss hier eine Liste abarbeiten und klingeln, mit Menschen reden? Oder war das aus einer Herzensüberzeugung, was dich motiviert hat, Menschen deinen Glauben zu teilen und zu gewinnen?

Sowohl als auch.

Also tatsächlich hängt dein ewiges Leben als Zeuge Jehovas davon ab, dass du da mitmachst.

Wenn du jetzt weißt, es ist wichtig, den Glauben mit anderen zu teilen, aber du sagst: „Ist nicht mein Ding.“

Wenn du den Glauben als Zeuge Jehovas wirklich ernst nimmst, dann weißt du, du gehst deiner eigenen Vernichtung entgegen.

Das heißt, du siehst das schon als Verpflichtung an.

Gleichzeitig machst du es natürlich auch von Herzen gerne, weil da ist ja auch eine Liebe zu Gott da als Zeuge Jehovas.

Aber es ist je nachdem, wie sensibel man ist, schon ein gewichtiger Druck da.

Ich habe es schon als große Belastung empfunden. Mich hat besonders belastet dieses „Ich müsste eigentlich noch mehr tun. Ich will ja wirklich mein Bestes geben, aber ich kann nicht noch mehr machen. Mir hat die Energie dazu gefehlt.“

Aber ein Eifer war da natürlich schon da.

Ich habe mich bemüht, jede Woche auch aktiv im Predigdienst – so nennen die Zeugen Jehovas das Evangelisieren – im Predigdienst zu sein. Also auch mit Ausprägungen, die für den Zeugen Jehovas jetzt gar nicht so üblich sind.

Als ich studiert habe, war ich in meiner Heimatversammlung, also quasi offiziell Mitglied, aber in der Stadt, wo ich studiert habe, habe ich mir extra ein Predigdienstgebiet geben lassen, dass ich, wenn ich mal noch etwas Zeit habe, auch dort im Predigdienst gehen kann.

Oder manchmal bin ich, bevor ich nach Hause gefahren bin, noch im Predigdienst gegangen.

Also da war schon ein großer Drive bei mir, dahinter ein großes Pflichtbewusstsein, aber trotzdem war es auch irgendwo eine große Last.

Und ich möchte die Perspektive nicht verschweigen: Wenn ich heute mit Menschen über Jesus rede, dann mache ich das nicht in Anführungszeichen, um mir das ewige Leben zu verdienen oder weil es meine Pflicht ist, sondern weil Jesus mich freigemacht hat und weil ich anderen von Jesus erzählen will.

Und ich glaube wirklich, diese eine Aussage von Jesus kommt her: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch Ruhe geben.“

Das kann kaum jemand so sehr nachvollziehen wie ein ehemaliger Zeuge Jehovas, weil dieses Abrackern hat ein Ende.

Ich weiß nicht, wie du betest, Christian, aber ich bete schon so, dass ich sage: „Ich will es nicht aus mir heraus machen, Herr, mach du es in mir.“

Also wenn ich es mit meinem eigenen Verstand mache, kommt meistens eh was Komisches dabei raus.

Aber wenn ich sage: „Herr, bitte leite mich, bitte führe mich, bitte zeig du mir die Leute, mit denen ich reden soll, bitte gib du mir den Mut.“

Oder manchmal sehe ich da so Leute stehen, Zeugen Jehovas zum Beispiel, ich denke mir: „Ich habe gerade gar keine Lust, die anzusprechen.“

Und dann bete ich halt so: „Herr, soll ich die jetzt ansprechen? Mach mich doch mutig.“

Und dann kommt mir der Gedanke: „Das ist jetzt schon eine einmalige Gelegenheit, weil wenn ich nicht mit Ihnen rede, glaube ich, redet vielleicht nie jemand mit Ihnen.“

Und dann gehe ich da irgendwie so von Gott gestärkt hin, und das bereitet mir Freude.

Hinterher denke ich mir: „Hey, das war gut.“

Und ich habe es nicht gemacht, um mich toller zu fühlen oder jemandem etwas zu beweisen, weil ich mir dachte, das sind liebenswerte, tolle Menschen, die …

Entschuldigung, wenn ich das so flapsig sage: Das sind arme Würstchen, wie ich ein armes Würstchen als Zeuge Jehovas war.

Das ist keine Beleidigung, ich hoffe, man versteht es richtig.

Ich möchte einfach die Gelegenheit nicht vergehen lassen.

Außerdem: Der Glaube ist mein Lieblingsthema. Es bereitet mir auch Freude, über den Glauben zu reden.

Warum soll ich das dann nicht auch ausleben, aber nicht aus einem Druck heraus, sondern in Anführungszeichen aus Freude in Christus heraus?

Ja, sehr schön.

Ja, cool, danke, dass du das noch mal so auch persönlich teils gesagt hast.

Ich glaube, es ist wichtig zu verstehen, dass wir das nicht aus einem Druck heraus machen, jetzt muss ich irgendwie noch hier was leisten und Gott gefallen oder irgendwas abarbeiten, sondern wirklich aus freien Stücken heraus.

Die Liebe Christi drängt uns, sagt der Paulus.

Wie denkst du darüber, Matthias? Haben Ex-Zeugen wie du bessere Chancen in der Alltagsmission unter Zeugen Jehovas, oder haben es normale Christen irgendwie leichter, weil sie nicht als Abtrünnige gelten wie du?

Du outest dich wahrscheinlich ja nicht als ehemaliger Zeuge Jehovas, da redet sowieso keiner mehr mit dir.

Richtig.

Also wenn ich jetzt Zeugen Jehovas anspreche und sage: „Guten Tag, ich bin ehemaliger Zeuge Jehovas, ich möchte mit Ihnen über die Bibel reden“, dann drehen die sich um und gehen.

Ich möchte natürlich auch niemanden anlügen, aber wenn ich sage: „Ich bin von der Bibel begeisterter Christ, und ich mag Zeugen Jehovas, weil sie die Bibel genauso ernst nehmen wie ich“, dann ist das eine gemeinsame Grundlage, wo man gut reden kann.

Aber an sich muss man sich schon überlegen, wie man dann ins Gespräch kommen kann.

Ich habe halt den Vorteil, dass ich verstehe, wie der Zeuge Jehovas tickt, dass ich verstehe, wenn ich frage: „Was ist das Evangelium?“ dass ich seine Antwort verstehe.

Und wenn du kein Zeuge Jehovas warst oder die Berührungspunkte eher gering waren, dann verstehst du manchmal gar nicht: Hä, was wollen die denn jetzt die ganze Zeit mit ihrem Weihnachten? So ein großes Ding ist das für mich doch auch nicht.

Abgesehen davon gibt es ja sogar biblische Gemeinden, die sagen: „Na, wir halten Weihnachten auch eher mal gering, wir wollen den Fokus auf Jesus lenken und nicht auf das große Fest oder den großen Kommerz.“

Ja, aber ich denke, es ist eine gemeinsame Aufgabe für uns als Christen, die begeistert von Jesus sind, dass wir die Zeugen Jehovas nicht vergessen.

Ich kann nur von mir reden, und ich weiß, dass es den meisten Zeugen Jehovas so geht, dass sie ganz, ganz selten von biblischen Christen, bibeltreuen Christen angesprochen werden.

Und wie gesagt, es gibt da auch verschiedene Schwierigkeitsstufen.

Kann man sich nicht freundlich begegnen in ein, zwei Minuten? Kann man nicht zumindest einen Flyer anbieten, mitzugeben? Ist es zu viel? Muss ich die Tür zuknallen, am besten noch dazu sagen: „Sie sind die antichristlichen Irrlehrer aus 1. Johannes 3?“

Ich war’s nicht.

Ich würde nicht sagen, dass ich der antichristliche Irrlehrer war. Mir hat halt nie jemand mal das Evangelium so gesagt, dass ich es auch verstanden hätte, wenn ich es überhaupt jemals klar gehört habe.

Ja, also das nehmen wir auf jeden Fall mit, vielen Dank, Matthias, das war richtig wertvoll.

Es ist immer gut, zu reden und Offenheit zu haben, sich für das Gegenüber zu interessieren, auch wenn er anders glaubt, ich glaube, wenn er ein Zeuge Jehovas ist, besser als Tür zuzumachen und nicht zu reden.

Nichtreden ist die schlechteste Möglichkeit.

Ja, und ich möchte noch ergänzen: Dadurch, dass du kein ehemaliger Zeuge Jehovas bist, hast du schon mal einen besseren Stand, weil dich der Zeuge Jehovas als neutral ansieht.

Weil du kannst ganz authentisch aus dem Glaubensleben berichten, ohne dass er irgendwie die Brille des Ex-Zeugen Jehovas aufhat, wenn er sich überhaupt mit mir unterhalten würde. Das ist ja eher selten der Fall.

Ich wollte noch kurz erwähnen: Es gibt ein ganz tolles Werk, das heißt „Hilfe für Zeugen Jehovas“.

Das ist ein Freund von mir, der Martin, der war nie Zeuge Jehovas, aber ihm liegt es so auf dem Herzen, mit Zeugen Jehovas über die Bibel zu reden, dass er diverse Materialien zur Verfügung gestellt hat.

Ich wollte mal kurz zwei Flyer zeigen.

Wir können, wenn das für dich in Ordnung ist, den auch unten verlinken.

Also hier gibt es so eine kleine Visitenkarte, die heißt „Hilfe für Zeugen Jehovas“, oder hier so ein kleines Faltblatt.

Man kann sich das einfach ausdrucken: „Lieber Zeuge Jehovas“, und dann wird in einer Sprache, die von jemand kommt, der nie Zeuge Jehovas war, etwas Werthaltiges vermittelt.

Und ich sage mal, probieren kann man es ja. Man kann ja sagen: „Ich habe hier mal einen tollen Flyer gelesen, wie bewerten Sie das als Zeuge Jehovas überhaupt? Ich habe Ihnen meine Karte oder meine Nummer reingelegt, ergeben Sie mir gerne mal Rückmeldung, das würde mich sehr interessieren.“ Einfach so als Gesprächsöffner oder halt auch anders, aber zumindest nicht Tür zu.

Ja, Matthias, vielen Dank, dass du uns mit hineingenommen hast, auch in deine eigene Geschichte, in die Welt der Zeugen Jehovas, was sie glauben.

Ich glaube, das war für viele von unseren Zuhörern auch gut, sie sehen wahrscheinlich jetzt die Zeugen auch mit anderen Augen.

Hat euch die Folge hier irgendwie weitergeholfen, dann teilt sie gerne mit jemandem, der auch wissen sollte, wie man mit Zeugen Jehovas oder mit Mormonen oder andersgläubigen, die sich Christen nennen, aber vielleicht von der biblischen Lehre abweichen, wie man mit ihnen über Jesus Christus redet, wie man mit ihnen über die Hoffnung redet, die wir haben, auch als Alltagsmissionar, wie man mit ihnen über Jesus redet.

Da geht es ja letztendlich immer um Jesus Christus.

Vielleicht kennt ihr da jemanden, der selbst auch Zeuge war, und vielleicht könnte auch die Folge für ihn richtig sein.

Matthias, bevor wir zum Schluss kommen, habe ich noch drei Fragen an dich. Die üblichen drei Fragen:

Welches Buch kannst du empfehlen, gerade auch im Kontext von diesem Thema? Gibt es da eins? Ich meine, die Lehrbücher der Zeugen Jehovas wollen wir jetzt nicht empfehlen.

„Zeit aufzuwachen“, erzähl was dazu.

Das Buch heißt „Zeit aufzuwachen“, Untertitel „Motivation zur persönlichen Evangelisation“. Was ich in dem Buch total genial finde: Ich möchte jetzt nicht meine Bibelstellenliste gegen deren ausstechen, aber hinten findest du so eine geniale Bibelstellenliste mit Bibelstellen, die man zusammen lesen kann mit jemandem, der Fragen hat, sortiert nach Themen.

Ansonsten finde ich das Buch auch total genial, einfach nur um ermutigt zu werden, wie Evangelisation in meinem Alltag gelingen kann. Auf jeden Fall meine Empfehlung.

Und ich glaube, meine Frau hat das schon mal gesagt, ich kann es leider nicht verschweigen, Christian, es tut mir sehr leid: „Dawson Trotman – Für andere Leben“. Es gibt kein Buch, das meinen Lebenswandel als Christ mehr geprägt hat als das.

Das ist auch sehr dünn eigentlich, und Dawson Trotman wollte auch nie ein Buch schreiben. So ist das Buch auch sehr schmal, weil es ein Freund von ihm geschrieben hat.

Aber einfach: Was bedeutet das als Christ, durchs Leben zu gehen und es ernst zu nehmen, dass Gott Menschen retten möchte?

Also sehr inspirierend, kurzweilig.

Ich bin so froh, dass das neu aufgelegt worden ist. Es war lange vergriffen. Ich habe noch die alte Version in Weiß mit blauer Schrift. Ich weiß nicht, ob du es kennst.

Ja genau, „Für andere Leben“. Alt und neu.

Cool. Wo ist es erschienen? Sag mal kurz.

Also die Neuauflage ist erschienen im CLV Verlag. Man kann es auch kostenlos herunterladen.

Der Verlag unseres Vertrauens.

Ja wunderbar.

Ja, tatsächlich gab es so ein paar PDF-Versionen, die im Internet rumgegeistert sind. Ich habe die dann auch gesammelt und bin aber auch echt glücklich darum, dass es mal aufgelegt wurde.

Ja, sehr gut.

Dann zweite Frage: Was ist so deine eigene Herausforderung, gerade in der Alltagsmission, der Affinität unter Namenschristen wie den Zeugen Jehovas, den Mormonen?

Du bist da jetzt so voll der Insider, du setzt dich theologisch inhaltlich sehr auseinander, aber was ist so deine eigene größte Herausforderung?

Ich denke, die größte Herausforderung ist tatsächlich, dass der eigene Draht zum Herrn passt, dass man aus der Fülle Gottes, aus der Fülle der Gemeinschaft mit ihm lebt.

Denn wenn er mich ergreift, wenn er in mir wohnt, wenn der Heilige Geist mich durchströmt, dann strahlt das auf meinen ganzen Lebenswandel ab.

Jeder kennt ja so seine eigenen Sünden, aber um die wirklich anzugehen, da brauche ich diese Verbindung zu Gott.

Und wenn ich diese Verbindung zu Gott habe, dann heiligt das nicht nur mein Leben, also mein Lebenswandel wird heiliger vor Gott und besser hoffentlich, sondern auch meine Begegnung mit anderen ist geprägt.

Dann gelingt es mir viel mehr, diese Liebe Jesu wiederzuspiegeln, die er zu den Menschen hatte.

Da würde ich sagen, das ist die größte Herausforderung.

Es ist ja so: Wenn man ein paar Jahre Christ ist, mal läuft es besser, mal schlechter, aber man muss sich immer wieder zurückbesinnen und darum ringen.

Und es dem Herrn auch sagen: „Herr, ich möchte ein siegreicher, glücklicher Christ in dir sein. Ich will keinen Krampf leben, keinen Glaubenskrampf, sondern Glaubenskampf.“

Dass man nicht in so einem Zwischenzustand lebt, zwischen „Ja, ich bin eigentlich Christ, aber alles ist so schwer“, sondern „Ja, ich bin Christ und freudig, und Jesus und ich arbeiten gemeinsam an den Schwachpunkten, die ich noch habe.“

Das ist mein Ziel, gelingt natürlich nicht immer so, aber das würde ich sagen, das ist die Essenz, die ich festgestellt habe, ob das ankommt.

Dritte und letzte Frage: Welchen einen Tipp hast du für unsere Hörer, den sie gleich diese Woche umsetzen können?

Wenn du das nächste Mal Zeugen Jehovas siehst, sag mal folgendes:

„Guten Tag, es freut mich sehr, dass Sie hier stehen. Sie sind doch Zeugen Jehovas, oder? Wie geht’s Ihnen denn heute?“

Also warum ich das sage: Der Zeuge Jehovas erlebt das so selten. Du weißt, die Reaktion wird sein: „Das ist uns ja noch nie passiert, was will der von uns?“

Das letzte Mal wurde ich gesagt: „Entschuldigung, kennen wir uns?“

Ich so: „Nee, ich wollte Sie halt nur ansprechen, weil ich es gut finde, über den Glauben zu reden.“

Stark, Matthias! Vielen Dank für deine Zeit, deine Insights.

Wenn ihr mehr von Matthias hören wollt, schaut auf seiner Webseite vorbei und dem YouTube-Kanal „Fragen und Glauben“. Den Link findet ihr in den Shownotes.

Ich sage vielen Dank nochmal, Matthias, für deine Zeit und das interessante Gespräch.

Bis zur nächsten Folge, macht’s gut, bis dann! Tschüss!

Stiftung Missionswerk Werner Heukelbach

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