Zum Inhalt

Fragerunde 3 (Freitagabend)

Amos04.05.2015
Dritte Frage-und-Antwort-Runde auf der E21-Konferenz 2015. Mit Kai Soltau und Greg Gilbert, moderiert von Ron Kubsch.

Einführung in die Fragerunde und erste Rückfrage zu Amos

Wir haben jetzt noch unsere Fragerunde. Ihr braucht keine Angst haben, es wird nicht zwei Stunden gehen, nur eine. Wir werden das nicht allzu lang machen. Ich weiß, dass viele von euch erschöpft sind und auch froh sind, wenn sie zur Ruhe kommen. Wir werden noch einige Fragen klären.
Die beiden lasse ich erst einmal in Ruhe, damit sie sich ein bisschen von ihrem Vortrag erholen. Ich komme zu Kai und seinem Vortrag am heutigen Vormittag. Es sind ein paar Fragen bei mir gelandet, die ich an dich weitergeben wollte.
Die erste Frage bezieht sich auf große Teile des Amos-Textes, die eigentlich kein Evangelium enthalten. Wie sollen Prediger zum Beispiel über Kapitel 1 und 2 predigen und gleichzeitig das Evangelium verkündigen, obwohl da gar kein Evangelium steht, ohne etwas in den Text hineinzulesen? Hast du da eine Empfehlung für Ausleger?
Ich denke, es ist immer wichtig, die einzelnen Teile eines Buches im Kontext des gesamten Buches zu verstehen und das gesamte Buch auch als Teil eines Segments oder des ganzen Alten Testaments und letztendlich der ganzen Schrift zu verstehen. Das habe ich kurz mit einem Nebensatz deutlich gemacht.
Ich denke, die ersten beiden Kapitel, in denen die sieben benachbarten Nationen Israels angeklagt werden, zeigen letztendlich die Verdorbenheit der Menschen auf. Und ich denke, hier lässt sich die Brücke schlagen und sagen: Genau das, was wir hier bei diesen sieben Nationen begegnen, nämlich diese Brutalität, dieses Bestialische, wie Mensch mit Mensch umgeht, ist etwas, dem wir in unseren tagtäglichen Nachrichten begegnen. Hier zeigt sich letztendlich die Verdorbenheit des Menschen, und darüber lässt sich dann auch die Brücke zum Evangelium schlagen.
Wir sehen wirklich einfach, so steht es um die Menschheit. Wir sehen es tagtäglich in den Nachrichten. Das zeigt, wie dringend unsere Welt Jesus Christus braucht, und letztendlich ist Jesus Christus auch die Antwort darauf, dass sein Reich gebaut wird. Und letztendlich leben wir darauf hin, dass Jesus durch Menschen, die durch das Evangelium verändert werden, erneuert werden in ihrem Herzen und durch diese Herzenserneuerung so etwas nicht mehr stattfindet. Langer Prozess.
Du würdest durchaus auch Brücken bauen über das Buch Amos hinaus bis hin zum Neuen Testament.
Richtig, ich denke, wenn so wie Matthias gestern gesagt hat, in der Einleitung hat er den Text aus Lukas 24 gesprochen: Hierin wird jetzt die Propheten und das Gesetz und die Propheten erfüllt. Ich denke, hier sehen wir letztendlich die Antwort, auf die wir jahrhundertelang warten, die die Propheten aufstellen, auch durch diese Gerichtsankündigungen. Wir sehnen uns danach: Wie löst sich dieses Rätsel auf, wie das je vergeben und auch verändert werden kann? Und Jesus Christus ist dann die Antwort. Ich denke, wir können hier die Brücke zu Jesus Christus schlagen.

Die Frage nach dem Ende von Amos und der Hoffnung auf Erfüllung

Okay, dann ist noch eine ganz knifflige Frage an mich herangetragen worden. Und zwar geht es um den Schluss des Buches Amos, um Kapitel 9. Wird dort wirklich vom Neuen Bund gesprochen, und wenn ja, vom Ersten oder vom Zweiten Kommen Jesu? Es geht insbesondere um die letzten Verse. Du weißt, um welchen Text es geht.
Okay, ja, die Frage wurde an mich heute Morgen auch persönlich herangetragen. Und ich kann das vielleicht mit den Worten beantworten, die auch Greg schon benutzt hat: Letztendlich kommt das vollständige Reich Gottes erst mit dem zweiten Kommen des Messias, sodass wir dann wirklich die volle Herrschaft Gottes in unserer Mitte sehen.
Und doch ist das Himmelreich auch schon eingebrochen, es hat schon begonnen. Wir sind jetzt schon im Reich Gottes. So würde ich also die letzten abschließenden Worte von Amos nicht vergeistlichen und sagen: Das erfüllt sich jetzt in einer Gemeinde, das sehen wir jetzt irgendwie schon. Und der Segen über die Weinberge, der Segen über die Fruchtbarkeit, einfach dieses fruchtbare Land, das zeigt sich einfach in geistlicher Erweckung in unserer Mitte, in der Gemeinde. Ich denke, da machen wir es uns zu einfach.
Und doch sehen wir, wenn wir Konzepte wie das Königreich, den König, Konzepte wie die neue Schöpfung, Konzepte wie den Tempel betrachten, ein Muster im Neuen Testament, wo vieles dieser Realität noch nicht voll umgesetzt ist. Wir leben noch nicht vollständig in einer neuen Schöpfung, in einem neuen Himmel und einer neuen Erde. Darauf warten wir noch bis zum zweiten Kommen Jesu. Dann wird sich das voll erfüllen.
Und doch: already not yet, kann man hier im Englischen sagen, schon, aber noch nicht ganz. Diese Neuschöpfung ist schon angebrochen, der Tempel Gottes, die Gegenwart Gottes hier auf Erden, ist schon angebrochen, die Königsherrschaft ist schon bereits angebrochen. Und ich denke, mit dieser Hermeneutik lässt sich dann auch dieser Text so verstehen: Auch jetzt schon ist ein Teil von diesem Segen Gottes da. Auch wenn es nur eine geistliche, schon aber noch nicht ganz vollendete Anzahlung ist, hat sich das jetzt schon umgesetzt.

Rückfrage an Greg zum Wesen des Reiches Gottes

Vielen Dank, Kai. Ich komme gleich noch einmal auf dich zurück mit einer sehr praktischen Frage und wende mich jetzt den beiden zu.
Greg, vielen Dank für deinen inspirierenden Vortrag über das Reich Gottes. Meine Aufgabe ist es jetzt, kritische Fragen zu deinem Vortrag zu stellen.
Herr Präsident, ich fange bei diesem Punkt an. Du hast gesagt, das Reich Gottes lässt sich in dieser Welt nicht lokalisieren und nicht an Gebieten oder Grenzen festmachen. Viele unserer Freunde sagen jetzt, du vertretest eine sehr platonische Sicht des Reiches Gottes.
Als Jesus kam, ist doch tatsächlich etwas passiert: Die Dämonen wurden ausgetrieben, Kranke wurden geheilt. Paulus spricht in 1. Korinther 4,20 davon, dass das Reich Gottes nicht nur im Reden besteht, sondern im Tun, im tatkräftigen Handeln. Was entgegnest du dem Vorwurf, dass diese Sichtweise des Reiches Gottes, die du angeboten hast, platonisch ist, also rein geistig?
All the things that you mentioned, the casting out of demons, the healing of sickness, there were several different things that you mentioned. All die Dinge, die du gerade erwähnt hast, das Austreiben der Dämonen, das Heilen der Kranken, haben nichts mit Geographie zu tun. You can do all of those things whether you have borders around a land or not. Das kannst du alles tun, egal ob du Grenzen um ein Stück Land hast oder nicht.
Everything that you're mentioning there is still in the world of relationship and power. Denn alles, was du hier beschreibst, ist immer noch innerhalb der Kategorie von Beziehung und Macht. Es ist die Macht von Jesus über die Dämonen, die er austreibt. Es ist das Wirken des Heiligen Geistes in uns, das uns dazu bringt, gehorsam zu sein.
The counterpart to that would really be to make the same error that many Israelites were making when they were exiled in Babylon. Das Gegenstück dazu wäre wirklich, den gleichen Fehler zu machen, den viele Israeliten gemacht haben, als sie im Exil in Babylon waren. And that is to think that God's Kingdom was localized to Canaan and that it couldn't operate outside those boundaries. Denn sie dachten ja auch, dass das Reich Gottes auf Kanaan begrenzt wäre und dass Gott irgendwie nicht außerhalb dieses Gebiets wirken könnte.
So I would say that even though we as Christians are exiles and sojourners in the world, it's not anymore a spiritualized kingdom. Deswegen ist es doch kein spiritualisiertes, vergeistigtes Königreich, genauso wenig wie Israel ein vergeistigtes Königreich war, als sie in der Wüste gewandert sind. Sie waren ein echtes Königreich, eine wirkliche Nation, die nur einfach kein geografisches Land hat.

Die Ausbreitung des Reiches Gottes und die Rolle der Gemeinde

Okay, danke. Ich muss weiter nachhaken. Du hast des Weiteren davon gesprochen, dass sich das Reich Gottes vor allem innerhalb der Gemeinde zeigt, dass es dort sichtbar wird. Jetzt gibt es unsere missionalen Freunde, die sagen, genau diese Beschränkung des Reiches Gottes auf die Gemeinde sei falsch. Das Reich Gottes manifestiert sich über die Gemeinde hinaus, ja, weiter noch: Das Reich Gottes breitet sich auch dort aus, wo Menschen Gutes tun, ganz unabhängig von ihrem Glauben, zum Beispiel wenn im Nahen Osten eine Familie Flüchtlinge aufnimmt. Wo siehst du die Gefahren dieses Verständnisses vom Reich Gottes?
I don't think that there is much meaning in talking about the manifestation of a Kingdom when there is no reference to the King of the Kingdom. It's just in the nature of Kingdom or Kingship that it inheres in the King.
Das ist ja in der Natur der Sache, dass ein Königreich eben einen direkten Bezug zum König hat. Es macht einfach keinen Sinn, darüber zu reden, dass ein Königreich dort existiert, wo der König abgelehnt wird. So sind die guten Werke von Nichtchristen gut, ja, aber es ist wirklich nicht korrekt, über diese guten Werke als Königreich oder Reich-Gottes-Arbeit zu reden.
Ich bin überhaupt nicht davon überzeugt, dass diese Terminologie in irgendeiner Weise gut ist, weil sie in der Bibel auch gar nicht gebraucht wird. Aber wenn wir diese Begrifflichkeiten verwenden wollen, dann sollten wir sie zumindest für diese Dinge im Namen des Königs gebrauchen.

Praktische Verantwortung für das Wachstum des Reiches Gottes

Jetzt habe ich an euch beide noch eine wirklich praktische Frage. Unter uns sitzen Leute, die Jesus lieb haben, die in der Gemeinde mitarbeiten und die den Wunsch verspüren: Ich möchte, dass das Reich Gottes wächst. Das ist mein Wunsch. Was kann ich dafür tun? Wo ist meine konkrete Verantwortung? Was ist meine Herausforderung, damit das Reich Gottes wächst? Was würdest du, Kai, für Empfehlungen geben? Ein, zwei Empfehlungen.
Also, aufgrund dessen, was Greg heute Abend gesagt hat, muss es damit anfangen, dass ich mehr und mehr mein Leben, alle Bereiche meines Lebens, unter die Herrschaft des Königs stelle. Nur so ist es dann wirklich Königreichsarbeit. Ich denke hier, und ich habe das vielleicht auch am Ende meiner Predigt morgen versucht deutlich zu machen, dass ich jetzt die Mentalität und die Prioritäten des Königs auch in meinem Leben habe. Und jetzt wirklich im Namen Jesu Christi, so wie er für Arme gesorgt hat, wie er sich aufgeopfert hat für andere, wie er demütig und vergebend auch seinen Feinden begegnet ist, jetzt auch das zu meinen Zielen mache und hier Jesus Christus nachahme. Und wirklich, dass so, wie Jesus hier auf Erden gelebt hat, er jetzt weiterhin dieses Leben Jesu in meinem Leben durch mich fortgesetzt wird, indem er mehr und mehr Form in mir annimmt.
Vielen Dank, Kai. Greg, auch an dich die Frage: Vielleicht gibt es Leute unter uns, die wissen wollen, wo liegt meine Verantwortung? Ich möchte, dass das Reich Gottes wachsen soll. Was kann ich konkret dafür tun?
Ja, ich stimme Kai zu. Ich würde ein paar Dinge ergänzen wollen. Erstens: Investiere dein Leben in eine lokale Gemeinde. Denk nicht nur an die Gemeinde als einen Ort, an den du gehst, um gesegnet zu werden. Denk an die Gemeinde auch als einen Ort, an den du gehst, um andere Menschen zu segnen.
Das zweite ist: Erzähl anderen Menschen von Jesus. Das muss ja nicht irgendwie ganz seltsam sein. Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir Evangelisation so verstehen, als würden wir den Leuten Staubsauger verkaufen wollen. Wir bauen Freundschaften auf, und manchmal gehen sie über Monate oder Jahre, bevor wir Jesus erwähnen. Und das lässt uns dann in dieser etwas seltsamen Position, in der wir sagen: Okay, wann endlich kann ich diese ganze Unterhaltung dahin bringen, dass wir jetzt auf unsere Staubsauger zu sprechen kommen?
Das heißt, was wir tun sollten, ist, gleich von Anfang an unsere Christlichkeit auf den Tisch zu legen. Das heißt, was wir tun sollten, ist einfach unser Christsein gleich von Anfang an ganz klar und deutlich zu machen. Dann kriegst du alle möglichen Reaktionen. Manche werden einfach aufhören, mit dir zu reden. Aber du wirst überrascht sein, wie viele Leute da ansetzen und mehr Fragen darüber stellen werden.
Also verstehe dein Evangelisationsbemühen nicht im Sinne eines Staubsaugerverkaufens. Lern Menschen kennen, lass sie wissen, dass du Christ bist, und dann erzähl ihnen von Jesus.

Abschluss und Gebet

Danke, Greg, danke, Kai, danke auch dir, Matthias. Wir sind damit am Ende eines langen Tages angelangt. Es war ein wirklich umfangreiches Programm, die Köpfe rauchen. Es gibt vieles aufzuarbeiten und miteinander zu besprechen.
Bevor ich euch ganz entlasse, will ich noch ein kurzes Gebet sprechen.
Himmlischer Vater, wir danken dir für diesen Tag. Du hast uns vor Bösem bewahrt, und du hast uns mit deinem guten Reich gesegnet. Du hast uns gut versorgt. Du hast uns Gemeinschaft geschenkt, und du hast uns dein Wort ausgeteilt.
Wir haben so vieles gehört und mitgenommen, dass wir noch Tage davon zehren können und darüber nachdenken können, was das ganz konkret für uns bedeutet. Ich bitte darum, dass wir das alle für uns auch mit dir klären und dass wir unsere persönlichen Herausforderungen erkennen.
Ich möchte darum bitten, dass du uns segnest, auch an diesem Abend und in dieser Nacht. Danke dafür. Amen.