Einführung: Leben in einer vergänglichen Welt
Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 593: Lazarus und der reiche Mann, Teil 5.
In der letzten Episode ging es um den Trost, den Lazarus nach seinem Tod von Gott erfährt. Außerdem wollte ich einen nüchtern realistischen Blick auf die Welt werfen, in der wir leben.
Salomo spricht davon, dass die Welt der Nichtigkeit unterworfen ist. Paulus redet von Vergänglichkeit.
Prediger 8,14: „Es gibt etwas Nichtiges, das auf Erden geschieht. Da sind Gerechte, denen es nach dem Tun der Ungerechten ergeht, und da sind Ungerechte, denen es nach dem Tun der Gerechten ergeht.“ Ich sagte, auch das ist Nichtigkeit.
Römer 8,20-21: „Denn die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen worden, nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung hin, dass auch selbst die Schöpfung von der Knechtschaft der Vergänglichkeit freigemacht werden wird, zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes.“
Wir leben in einer vergänglichen, nichtigen Welt. Nichtig im Sinne von enttäuschend – ein Ort, der einst als Ort der Freude und der Begegnung mit Gott gedacht war. Doch durch den Sündenfall ist er zu einem Ort geworden, an dem Krankheit, Schmerz, Tod und Sünde herrschen.
Die Welt, in der wir leben, ist eine Mogelpackung. Sie verspricht mehr, als sie tatsächlich gibt – paradise lost.
Die persönliche Dimension des Leids
Jetzt verstehen wir vielleicht auch, warum Lazarus einen Namen hat. Was Jesus uns in dieser Beispielgeschichte erzählt, ist nämlich näher an der Realität als das für ein Gleichnis üblich ist. Lazarus hat einen Namen, weil Leid immer persönlich ist und niemals nur eine hypothetische Größe, die man mal eben rein theoretisch durchdenken kann.
Die beiden Typen sind real: der Lazarus-Typ, der in diesem Leben Dreck frisst, während er auf Gottes Hilfe wartet, und der reiche Mann-Typ, der aus diesem Leben alles herausholt, was es für ihn an Gutem zu gewinnen gibt.
Bleibt nur die Frage: „Was für ein Typ bin ich eigentlich? Oder wie viel reicher Mann findet sich in meinem Lazarus?“ Und die Frage ist wirklich gut. Wir sollten sie uns selbst immer mal wieder stellen, auch wenn wir beim Beantworten einer vielleicht nie ganz lösbaren Spannung begegnen.
Die Spannung zwischen Genuss und Verantwortung
Eine Spannung entsteht, weil Gott mich mit Freude beschenkt. Diese Freude soll ich genießen, aber nicht vergöttern. Wo liegt da die Grenze?
Zudem gibt es mehr Not in der Welt, als ich lindern kann. Wo höre ich auf zu helfen? Einerseits möchte ich nicht ausbrennen, andererseits will ich meine Berufung leben.
Merkt ihr, wie die Nichtigkeit der Welt auch für uns ganz greifbar wird? Was tue ich angesichts solcher Fragen?
Ich versuche, den Mittelweg zu finden: so viel Genuss, Freude und Ruhe, dass ich leistungsfähig bleibe. Gleichzeitig stelle ich mir die ehrliche Frage: Wem sollte ich jetzt helfen? Wo ist Not, die für mich gemacht ist und die ich nicht ignorieren darf?
Mir fällt nichts anderes ein, als diesen Mittelweg zu gehen und dabei zu beten, dass Gott mir die Weisheit schenkt, das Gute und ihm Wohlgefällige zu erkennen.
Gottes Reich als Lebensfokus
Und bei alledem ist natürlich eines wichtig: Wir trachten zuerst nach Gottes Reich und nach seiner Gerechtigkeit.
Wenn wir anfangen, unser eigenes kleines Reich aus Häuschen, Familie und Hund oder aus Karriere, Urlaub und Hobby aufzubauen, dann liegen wir immer falsch. Unser Leben muss sich um Gott drehen; er ist der Fokus.
Und wenn er der Fokus bleibt, dann wird er uns auch den Weg führen, der für uns bestimmt ist. Darauf dürfen wir ganz getrost vertrauen.
Das Gespräch zwischen Abraham und dem reichen Mann
Aber zurück zu dem Gespräch zwischen Abraham und dem reichen Mann. Dieser wollte, dass Lazarus seinen Brüdern einen Besuch abstattet (Lukas 16,29-31). Abraham antwortet jedoch: „Sie haben Mose und die Propheten. Mögen sie auf sie hören!“
Der reiche Mann entgegnet: „Nein, Vater Abraham, sondern wenn jemand von den Toten zu ihnen geht, so werden sie Buße tun.“ Abraham erwidert darauf: „Wenn sie Mose und die Propheten nicht hören, werden sie auch nicht überzeugt werden, wenn jemand aus den Toten aufersteht.“
Auch diesmal geht Abraham nicht auf die Bitte des reichen Mannes ein. Seine Antwort lautet erneut: „Sie haben Mose und die Propheten.“ Diese Antwort ist besonders interessant, weil sie die Allgenügsamkeit der Schrift betont.
Wer die Bibel, hier sogar nur das Alte Testament, besitzt, hat genug. Mehr braucht es nicht, um den Weg in Abrahams Schoß zu finden. Ebenso genügt es, um zu erkennen, dass ein Leben ohne Mitgefühl und Barmherzigkeit einmal von Gott bestraft wird.
Die Bibel ist ein so außergewöhnliches Buch, dass der ehrliche Leser darin Gott finden wird – so lautet das Argument. Man muss nur zuhören, was die Schrift sagt, und man wird Gott finden.
Kritik an der religiösen Elite
Der reiche Mann ist davon leider nicht überzeugt. Er kennt seine Brüder und weiß, dass sie ihre Religion genauso ernst nehmen, wie er es selbst getan hat.
Lasst mich das noch einmal betonen: Hier werden geldliebende Pharisäer angesprochen. Jesus kritisiert die religiöse Elite, die nach außen hin den frommen Schein wahrt. Im Blick sind nicht die Heiden, sondern vermeintlich gläubige Menschen. Doch gerade diese hören nicht auf Mose und die Propheten.
Also soll Lazarus von den Toten auferstehen, und dann werden die Brüder Buße tun – so jedenfalls die Hoffnung des reichen Mannes. Aber erneut muss Abraham ablehnen.
Lukas 16,31: Er sprach aber zu ihm: „Wenn sie Mose und die Propheten nicht hören, so werden sie auch nicht überzeugt werden, wenn jemand aus den Toten aufersteht.“
Die Bedeutung der inneren Haltung
Ich formuliere das mal mit meinen Worten:
Wenn jemand kein Interesse an der Bibel hat, dann kann ihn auch kein noch so großes Wunder überzeugen.
Warum nicht? Müsste ein Toter, der wieder lebendig wird, nicht jeden überzeugen? Die Antwort lautet: Nein, nicht jeden, sondern nur diejenigen, die Gott finden wollen.
Es ist unsere Haltung, die darüber entscheidet, wie wir Fakten interpretieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um biblische, biografische oder historische Fakten handelt.
Wir sind nicht so logisch, wie wir denken. Wenn wir etwas nicht glauben wollen, dann werden wir es nicht glauben – egal, welches vermeintliche Wunder uns begegnet.
Gottes Verfügbarkeit für Suchende
Das eine ist: Gott lässt sich finden.
In 2. Chronik 15,2 heißt es: „Der Herr ist mit euch, wenn ihr mit ihm seid, und wenn ihr ihn sucht, wird er sich von euch finden lassen. Wenn ihr ihn aber verlasst, wird er euch auch verlassen.“
Ebenso steht in Jeremia 29,13-14: „Und sucht ihr mich, so werdet ihr mich finden. Ja, fragt ihr mit eurem ganzen Herzen nach mir, so werde ich mich von euch finden lassen, spricht der Herr.“
Gott gibt sich in der Geschichte, im Gewissen, in der Natur und in seinem Wort zu erkennen. Er zeigt sich auch in all dem Guten, womit er den Menschen beschenkt. Wer Gott finden will, der wird ihn finden.
Das ist das eine. Das andere ist: Wer Gott nicht finden will – und das gilt auch für religiöse Menschen, denen das Ritual und die fromme Show genügen – dem hilft auch kein noch so großes Wunder.
Ein solcher Mensch könnte auf einen Toten treffen, der wieder lebendig wurde, und würde sich dennoch nicht bekehren.
Persönliche Reflexion und Abschluss
Was könntest du jetzt tun? Frage dich, wie du die Spannung zwischen genug Ruhe und genug Einsatz für Gott für dich beantwortest. Welche Prinzipien leiten dich dabei?
Das war's für heute. Die BTA Dual Ost bleibt als berufsbegleitende theologische Ausbildung gemeindeorientiert. Das Gelernte kann und soll sofort umgesetzt werden.
Der Link mit allen Informationen ist noch einmal im Skript zu finden. Der Herr segne dich, schenke dir seine Gnade und lasse dich in seinem Frieden leben. Amen!
