Willkommensworte und Einstieg in das Thema
Ich freue mich, dass ihr da seid. Ich bin schon ganz gespannt, was wir nun zusammen erleben werden.
Im Gebet von Gott ergriffen zu sein — ich weiß nicht, ob das eure tägliche Erfahrung ist. Ich hoffe es. Durch diesen Workshop möge es zu eurem Anliegen und zu dem Niveau werden, das ihr anstreben wollt: im Gebet von Gott ergriffen zu sein.
Zu Beginn lese ich kurze Sätze von Jesus aus der Bergpredigt vor. Damit möchte ich einsteigen. Ich lese aus Matthäus 6. Dabei lese ich immer nur ein paar Satzanfänge. Wenn ihr wollt, könnt ihr gern mitlesen. Ich lese ab Vers 5 und springe durch die Verse; ich lese nur den Anfang jedes Verses.
Jesus sagt dort: „Und wenn ihr betet …“ (Matthäus 6,5). „Du aber, wenn du betest …“ (Matthäus 6,6). „Und wenn ihr betet …“ (Matthäus 6,7). „Darum sollt ihr so beten …“ (Matthäus 6,9).
Gebet ist etwas sehr Großes. Aber Jesus beginnt hier ganz schlicht und einfach. Er erklärt nicht ausführlich, wie man beten soll oder warum man beten soll. Jesus fängt damit an, einfach zu sagen: „Wenn du betest.“ Damit geht er davon aus, dass gebetet wird. Es fängt also ganz schlicht an. Gebet beginnt schlicht, und zugleich hält es noch viel mehr bereit.
Nun kommt eine kurze Aufgabe. Auf dem Handout findet ihr Fragen, mit denen ihr euer eigenes Gebetsleben reflektieren könnt. Überlegt in Ruhe: Wie sieht es bei euch aus? Wie geht es euch mit eurem Leben mit Gott, mit eurem Gebetsleben?
Die Fragen am Anfang des Handouts könnt ihr euch durchsehen und für euch beantworten. Dann machen wir weiter.
Anleitung zur persönlichen Selbstreflexion
Was meinst du denn gerade mit der Zufriedenheit in Gott?
Also, ihr habt ja jetzt vier Sätze zur Auswahl. Diese Sätze sollen — das sollst du quasi sagen — für dich selbst: ich bin absolut und vollständig zufrieden in Gott durch mein Gebetsleben.
Ihr sollt einfach reflektieren, wie sehr ihr zufrieden seid mit eurem Gebetsleben und auch, wie sehr ihr in euren Gebeten Gott begegnet und in Gottes Gegenwart seid. Das sollte man an sich selbst reflektieren. Da könnt ihr einfach mal schauen, welcher Satz auf euch zutrifft: dass ihr sagt, okay, ich bin absolut und vollständig zufrieden; ich bin fast immer zufrieden; ich bin manchmal zufrieden; ich bin eigentlich überhaupt nicht zufrieden. Das dürft ihr für euch überlegen, wie es euch geht mit eurem Beten.
Ich möchte euch heute herausfordern, ich möchte euch auch motivieren. Mein Wunsch ist, dass ihr einen Geschmack bekommt und dass ihr Lust auf mehr bekommt.
Die Frage ist aber ganz schlicht, und das will ich euch am Anfang mitgeben: Beten ist ganz schlicht. Jesus fängt ganz schlicht an mit Beten. Trotzdem stellt sich die Frage für dich: Wann hast du das letzte Mal gebetet? Wann bist du zum letzten Mal vor den Thron der Gnade Gottes gekommen, wie es Hebräer 4 sagt? Und in den Psalmen geht es ganz oft um die Formulierung „Sucht mein Angesicht“. Wann ist das das letzte Mal bei dir passiert?
Beten ist wie Atmen und wie Essen. Beten ist etwas, was jeder tut, davon geht Jesus aus. Er sagt, das ist völlig normal, jeder betet. Es gehört dazu, und wir sind als Menschen zum Beten geschaffen.
Wenn wir im Schöpfungsbericht nachschauen — ganz am Anfang, in 1. Mose 2 — da steht, wozu oder als was der Mensch geschaffen ist. 1. Mose 2,7: Da bildete Gott, der Herr, den Menschen aus Staub von der Erde und blies den Odem des Lebens in seine Nase; so wurde der Mensch eine lebendige Seele.
Der Mensch wurde eine lebendige Seele. Was heißt denn „Seele“? Das ist ein komisches Wort, das wir oft nicht richtig greifen können. Was ist eine Seele? Ich habe da früher immer eher an etwas zu essen gedacht oder man hat so ein längliches Gebäck vor Augen. Was ist eine Seele?
Im Hebräischen heißt „Seele“ Nefesh. Nefesh kommt ganz oft in der Bibel vor. Die Grundbedeutung von Nefesh hängt mit dem Wort Kehle zusammen. Kele beziehungsweise Kehle ist das, wodurch eigentlich alles hindurchmuss, was in uns hineinkommt — die Luft kommt rein.
Der Mensch ist eine Seele, eine Kehle. Eine offene Kehle, ein offener Schlund. Das heißt: Gott hat den Menschen gemacht als jemanden, der sozusagen ein schwarzes Loch ist, als jemanden, der nie satt ist, sondern der immer atmen muss. Er muss immer durch seine Seele Dinge in sich einströmen lassen, Dinge aufnehmen.
Gott hat uns gemacht als Menschen, die immer hungrig und immer durstig sind. Wir haben jetzt Mittag gegessen, aber wir werden wieder essen. Warum? Weil wir eine lebendige Seele sind. Das gilt für unseren Leib genauso wie für unser Inneres. Der Mensch ist ein offener Schlund. Er ist nie, nie für immer satt. Er muss immer neu satt gemacht werden. So hat Gott uns gemacht.
Die Seele, Sehnsucht und die Form des Gebets
Und jetzt gehen wir in die Psalmen. In den Psalmen geht es immer wieder viel um die Seele. Psalm 25 beginnt mit folgender Aussage: Psalm 25,1. In Psalm 25,1 beginnt David sein Gebet mit den Worten: Zu dir, o Herr, erhebe ich meine Seele.
Was heißt das nun? Was bedeutet es, seine Seele zu Gott zu erheben? Seine Seele zu Gott zu erheben heißt, das Innere, die Sehnsucht und das Verlangen, das wir haben, zu Gott zu heben, zu Gott zu bringen. Wir bringen unsere Seele, das heißt unsere Bedürftigkeit und unseren Durst, zu Gott, damit er sie stillt.
Es gibt eine ganz alte Definition von Gebet, die vor vielen hundert Jahren im Westminster-Katechismus formuliert wurde. Dort wird Gebet so definiert: Gebet ist ein Darbringen unserer Verlangen zu Gott, in anderen Worten unserer Seele zu Gott. Die Seele ist genau dieses Verlangen, das wir als Menschen ständig haben.
Und Gebet ist genau das Darbringen, also das Vorgottbringen unserer Seele, unserer Verlangen zu Gott — für Dinge, die in Übereinstimmung mit seinem Willen sind, im Namen Christi, mit Bekenntnis unserer Sünde und dankbarer Anerkennung seiner Barmherzigkeit. Der erste Satz ist dabei zentral. Was der Rest der Definition aussagt, zeigt die Bibel: Sie beschreibt, was es bedeutet und wie man sein Verlangen vor Gott bringt. Gott gibt uns dabei keine starren Regeln, aber er gibt eine Anleitung, wie wir dieses Verlangen, das wir alle in uns tragen, vor ihn bringen können.
Man sollte erkennen, dass Beten sehr viel mit Sehnsucht zu tun hat und auch damit, ergriffen zu sein oder ergriffen zu werden, weil wir als Menschen so sind. Gebet ist der Ort, an dem dieses Ergriffenwerden durch Gott geschieht.
Auf dem Handout steht ein Zitat von David Mattis: „Prayer is not finally about getting things from God, but getting God.“ Dieser Satz hat eine biblische Grundlage. In Römer 8,32 heißt es: „Er, der sogar seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat, wie sollte er uns mit ihm nicht auch alles schenken?“ Hier wird das Anliegen Gottes deutlich.
Gott als Geschenk im Gebet und die Suche nach Erfüllung
Was tut Gott? Er schenkt uns Dinge. Wir beten um Dinge, und Gott gibt uns Dinge. Aber was steht hier? Was macht Gott noch vielmehr oder sogar zuerst? Er schenkt uns nicht nur Dinge, um die wir bitten. Er schenkt uns sich selbst. Und genau darum geht es im Gebet.
Warum sind wir so oft geplagt von Süchten? Warum verbringen viele Stunden vor YouTube, TikTok oder sonstigen Dingen? Weil wir eine Seele haben, weil wir durstig sind. Wir versuchen, durch viele Dinge diesen Durst zu stillen. Gott gibt uns jedoch die Möglichkeit des Gebets. Durch Gebet können wir unsere Seele zu ihm erheben und unseren Durst mit ihm stillen.
Wer in Gott satt ist, verliert sich zwar nicht automatisch alle Gewohnheiten — er schaut vielleicht YouTube — aber er kann auch wieder aufhören, weiß, was er tut, und hat sich selbst unter Kontrolle. Solche Menschen werden nicht von den vielfältigen Begierden, die wir alle in uns tragen, bestimmt, sondern sind in Gott satt. So können sie zielstrebig und ruhig durch den Tag gehen.
Das Gebet dreht sich also um Gott. Das ist das Allerwichtigste. Es geht darum, in Gott satt zu werden durch Gebet. Im Gebet ergriffen werden, von Gott, in Gott.
Ehrlich gesagt passiert das relativ selten. Es gibt Zeiten und Jahre im Leben, in denen kaum gebetet wird. In manchen Zeiten war mir gar nicht bewusst, dass wir unsere Seele in Gottes Hand legen sollen. Wenn man ehrlich ist, ist das oft keine schöne Realität.
Am Anfang gab es bereits die Möglichkeit, kurz über das eigene Gebetsleben nachzudenken. Es wurde angeregt, weiter darüber nachzudenken und zu überlegen, was vom Beten abhält, was das Beten verhindert. Anschließend sollte gemeinsam erforscht werden, was die tiefste und letzte Ursache für Gebetslosigkeit ist: Warum beten wir nicht, obwohl wir zum Beten geschaffen sind? Zunächst sollten praktische Überlegungen angestellt werden: Wann hat man zuletzt gebetet? Warum tut man das nicht öfter? Ist man beim Beten nicht satt? Sind die Gebete hektisch, hastig oder nicht befriedigend? Es folgte die Möglichkeit eines kurzen Austauschs, in dem Gründe genannt wurden, die vom Beten abhalten.
Genannte Gründe waren unter anderem: fehlende Motivation, Müdigkeit, das Gefühl, keine besonderen Anliegen zu haben, Zufriedenheit mit der eigenen Lage, die Annahme, das Gebet wirke nicht, und die fehlende innere Gewissheit darüber, wie man betet. Außerdem wurde genannt, dass manchmal in freien Zeiten plötzlich andere, dringlichere Dinge auftauchen, sodass das private Gebet nicht zustande kommt. Viele kennen außerdem den Tagesablauf, bei dem der Tag einfach vorüber rennt und am Abend Müdigkeit und fehlende innere Sammlung das Gebet erschweren.
Das Gebet entkleidet. Es gibt verschiedene Situationen im Leben, aber der Grund bleibt: Wir sind eine lebendige Seele. Wir sind dazu gemacht, unser Verlangen auf Gott auszurichten und von Gott satt gemacht zu werden, auch durch Gebet. Wir sind geschaffen, um zu beten. Beten ist so normal wie Atmen — so hat Gott es gedacht — doch wir tun es nicht. Worin liegt der Grund?
Oft wird gesagt: Wir planen das Gebet nicht, wir setzen uns keine festen Gebetszeiten. Das ist ein Grund, aber nicht der tiefste. Manchmal ist uns nicht bewusst, dass wir Gebet brauchen. Doch warum ist uns das nicht bewusst? Woher kommt die Wurzel der Gebetslosigkeit?
Psalm 53,3 wurde herangezogen. Dort heißt es sinngemäß: Gott schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, um zu sehen, ob es einen Verständigen gibt, einen, der nach Gott fragt. Sie sind alle abgefallen, allesamt verdorben; es gibt keinen, der Gutes tut, auch nicht einen einzigen. Haben denn die Übeltäter keine Einsicht, die mein Volk verschlingen, als äßen sie Brot? Gott rufen sie nicht an.
Gott blickt also vom Himmel auf die Erde. Er hat uns alle gemacht und schaut die Menschen an. Was sieht er? Dass niemand Gutes tut, dass alle abgefallen sind und kein Verständnis vorhanden ist. Und: Sie rufen Gott nicht an. In anderen Worten: Die Menschen beten nicht. Warum tun sie es nicht? Weil sie von Gott abgefallen sind, weil sie gottlos sind.
Gebetslosigkeit entsteht nicht lediglich dadurch, dass man zu viel zu tun hat oder zu viel Stress. Das ist nicht die eigentliche Ursache. Gebetslosigkeit kommt von Gottlosigkeit. Das ist die tiefste Ursache, warum wir nicht beten.
Man könnte einwenden: Ich bin doch Christ. Wenn jemand Christ ist, dann sei er ja nicht mehr gottlos, weil er Jesus angenommen hat. Warum beten dann Christen manchmal nicht? Ein Grund ist, dass der Teufel sie davon abhält. Wichtiger aber ist: Bis zum Tag der Bekehrung wurde man jahrelang in Gottlosigkeit trainiert. Viele haben 15, 20 oder 30 Jahre darin geübt, ohne Gott zu leben; das hat Gewohnheit und Impulsbildung geschaffen. Diese alten Gewohnheiten sind nicht von einem Tag auf den anderen ausgelöscht, wenn man sich bekehrt. Die Gewohnheit der Gottlosigkeit, die Gewohnheit der Gebetslosigkeit, liegt tief in uns.
Wie kann man sie ablegen? So wie man sie sich angewöhnt hat, so muss man sich wieder abgewöhnen. So wie man sich bis zur Bekehrung darin trainiert hat, Gott nicht anzurufen, so muss man nun beginnen, sich darin zu trainieren, Gott anzurufen. Das ist, was die Bibel Heiligung nennt. Paulus fordert im Kolosserbrief, die Glieder des früheren Lebens zu töten — die alten Gewohnheiten abzulegen.
Die Ursache der Gebetslosigkeit ist also Gottlosigkeit. Und damit hängt eng die Lösung zusammen. Was hat Gott geschaffen als Ausweg aus der Gottlosigkeit? Was ist Gottes Lösung? Gott hat seinen Sohn gesandt. Jesus Christus ist gekommen, um einen Ausweg aus der Gottlosigkeit zu geben.
Johannes 14,6 sagt: Jesus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich. Das heißt: Durch Jesus Christus können wir wieder zu Gott kommen. Durch ihn können wir wieder beginnen zu beten und unsere Seele zu Gott zu erheben. Gebet ist wieder möglich durch Jesus Christus. Wir müssen zu ihm kommen.
Der Weg in ein lebendiges Gebetsleben beinhaltet immer wieder Umkehr und das wiederholte Bekenntnis, gefallen zu sein und gesündigt zu haben. Es heißt, das Verlangen anderswo gestillt zu haben und nicht bei Gott. Ständiges Bußtun und das regelmäßige Bekennen der Sünden sollen Bestandteil eines lebendigen Gebetslebens sein. Das ist der Weg, auf dem wir Sünde ablegen und überwinden und zu Menschen werden, die von Herzen beten. Die Lösung für Gebetslosigkeit ist somit Jesus Christus.
Jesus als Vorbild: Ringen und Gebet im Kampf
Und das Thema ist ja im Gebet von Gott ergriffen. Ich weiß nicht, wie es in eurer Gemeinde aussieht, wenn ihr da betet und wie sehr ergriffen ihr seid. Es geht nicht darum — das wollte ich ja bei der Einleitung deutlich machen — es geht nicht darum, vom Gebet ergriffen zu sein. Es geht nicht darum, dass das Gebet besondere Emotionen auslöst, oder um das Wie unseres Betens, sondern darum, dass wir im Gebet von Gott ergriffen werden und ergriffen sind.
Dazu will ich jetzt als Drittes mit euch eine Stelle anschauen. Wenn ihr auf euer Handout schaut: Als Drittes steht dort Lukas 22,40-44. Kann mal jemand Lukas 22,40-44 vorlesen?
Als er an den Ort gekommen war, sprach er zu ihnen: Betet, dass ihr nicht in Versuchung kommt. Und er riss sich von ihnen los, ungefähr einen Steinwurf weit, kniete nieder, betete und sprach: Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe. Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. Und er war in ringendem Kampf und betete inbrünstiger; sein Schweiß wurde aber wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen.
Dankeschön. Wow — hier haben wir ja vielleicht das Gebet in der Bibel oder ja das Gebet, wo wir sehen, welche Dimension an Ergriffenheit möglich ist. Jesus ist im Gebet, er ist in ringendem Kampf, so dass er sogar schwitzt. Haben wir schon mal im Gebet geschwitzt? Ich kann mich nicht daran erinnern, dass mir das schon einmal passiert ist. Wenn du das Buch von Leonard Ravenhill liest, stößt du aber auf Vorbilder oder Berichte, wo Leute auch im Gebet geschwitzt haben.
Jesus hat im Gebet geschwitzt; sein Schweiß war wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen. Er war in ringendem Kampf und betete inbrünstiger. Jesus betet voller Ergriffenheit. Er ist ergriffen, er ist voller Inbrunst, und sein Gebet ist lebendig.
Wie kam Jesus an diesen Punkt? Vorhin wurde gesagt: Wenn wir beten, schweifen oft unsere Gedanken ab. Wir fangen an zu beten und merken dann: Ups, jetzt sind wir wieder ganz woanders. So etwas ist Jesus hier nicht passiert. Warum nicht? Wie kam Jesus dazu, so zu beten? In welcher Situation war er?
Er wusste, dass er es nur mit der Hilfe von Gott durchstehen konnte, also nur mit Gottes Unterstützung. Jesus war kurz vor dem Kreuz, kurz vor seiner Kreuzigung. Was war die Kreuzigung? Was ist da passiert? Er wurde von Gott verlassen. Und was war das Ziel? Die Versöhnung. Ein Teil dieser Versöhnung ist beschrieben in Kolosser 2,14-15. Da steht: „Und er hat die gegen uns gerichtete Schuldschrift ausgelöscht, die durch Satzungen uns entgegenstand, und hat sie aus dem Weg geschafft, indem er sie ans Kreuz heftete. Als er so die Herrschaften und Gewalten entwaffnet hatte, stellte er sie öffentlich an den Pranger und triumphierte über sie an demselben.“
Hier in Vers 15 kommt ein entscheidendes Wort. Plötzlich taucht Kriegsvokabular auf: Jesus hat am Kreuz Herrschaften und Gewalten entwaffnet, er hat sie überwunden, er hat sie besiegt. Das ist ein sehr wichtiger Punkt für unser Leben und auch für unser Beten.
Was war der Grund, warum Jesus so gebetet hat und warum er so beten konnte beziehungsweise musste? Der Grund war: Jesus war im Krieg. Er war nicht im Frieden. Er kämpfte. Er rang um den Sieg — um den Sieg über die Finsternis und über das Böse.
Und das ist ein zentraler Punkt für dein Leben und auch dein Beten: Du musst verstehen, dass du im Krieg stehst. Es tobt ein geistlicher Kampf, und das Gebet ist wie ein Frontfunkgerät. Du brauchst das Gebet, weil du alles von Gott anfordern musst, was du jetzt für diesen Kampf brauchst. Er muss dir die Waffen liefern. Er muss dir den Schlachtplan und die Strategie zeigen. Du brauchst das Gebet, um Anweisungen und Marschbefehle zu erhalten für den Krieg, in dem wir alle stehen. Es tobt ein Kampf zwischen Licht und Finsternis in dieser Welt — ein geistlicher Krieg, in dem jeder steht.
Das musst du mitnehmen; das muss dir ganz tief im Herzen sein: Du stehst im Krieg. Wir müssen wahrscheinlich wieder neu lernen, wie man im Krieg lebt. Im Krieg lebt man anders als in Friedenszeiten. In Friedenszeiten macht man es sich gemütlich; die Autos werden dicker, die Sofas bequemer, und die Freizeitbeschäftigungen immer extravaganter. Im Krieg hingegen herrscht Anspannung und Wachsamkeit. Im Krieg ist man anspruchslos. Man kann auch mit einer Blechschüssel und einer einfachen Gabel essen; man braucht kein teures Besteck. Im Krieg zählen nicht Glück und Wohlstand. Es gibt strategische Planung und ständige Rufbereitschaft. Und genau das müssen wir für unser Leben lernen.
Das Gebet ist ein ganz entscheidendes Element im Krieg, weil es wie dieses Frontfunkgerät ist, das wir brauchen, um in Verbindung mit dem General zu sein und um Marschbefehle zu erhalten. Wir haben es mit Mission zu tun — Mission kann ohne Gebet gar nicht geschehen. Ohne Gebet sind wir wie eine Truppe ohne General: Sie hat keine Ahnung, was sie tut, und verschleudert ihre Kraft für Dinge, die gar nicht dran sind.
John Piper fragt: „Wo ist nur die militärische Gesinnung der Gemeinde, die Gesinnung einer mächtigen, leidensbereiten Armee, die mit freudiger Entschlossenheit voranschreitet, um die Welt im Sturm zu erobern?“ So ist die Risikobereitschaft der mutige, nur vom Glauben an Gott getragene Aufbruch. Die Antwort: All das ist in der Gesinnung untergegangen, dass wir uns in einer Zeit des Friedens befinden.
Ja, das müssen wir verstehen: Wir sind im Krieg. Ich will morgen bei der Einleitung ein kleines bisschen zur Missionsgeschichte erzählen. Der große Aufbruch zur Mission war im 19. Jahrhundert. William Carey war einer der ersten. Vor ihm war Bartholomäus Ziegenbalg, der mit 22 nach Indien ging und mit etwa 36 starb — er war förmlich tot gearbeitet. Ich will nicht sagen, dass man sich immer totarbeiten muss oder dass das immer richtig ist, aber er hatte eine Kriegseinstellung. So begann der Aufbruch zur Mission im 19. Jahrhundert, und so war die Mission immer: kriegerisch im Sinne von entschlossener Einsatzbereitschaft.
Ich habe euch unten noch ein paar Stellen notiert, damit ihr euch überzeugen könnt, dass ich hier keinen Quatsch erzähle. Das ist wirklich die Bibel, die uns lehrt, dass wir im Krieg sind. Dort sind einige Stellen angegeben, die das ausdrücken. Ihr dürft diese gern für euch persönlich zuhause durcharbeiten, um diese Überzeugung in euch zu festigen, dass wir im Krieg sind.
Und jetzt gebe ich euch wieder kurz Zeit, damit ihr mal kurz nachdenkt.
Kernbotschaften und Übergang zu praktischen Schritten
Okay, was ist meine Mentalität? Habe ich eine ausgeprägte Kriegsmentalität oder eher eine Friedensmentalität? Dürft ihr euch gerne mal auf diesem Balken da ganz kurz überlegen, wo stehe ich gerade? Genau, kurz zwanzig Sekunden und dann geht es weiter. Dann, wie gesagt, guckt es euch gerne noch mal daheim an und denkt darüber nach, denn das ist eine ganz wichtige Sache.
Wir haben jetzt drei Dinge gesehen. Wir haben gesehen: Wir sind zum Beten gemacht. Denn wir sind eine Seele. Seele heißt, du bist ein offener Schlund, du bist ein schwarzes Loch, du bist nie satt. Du brauchst immer jemand oder etwas, was dich satt macht, und du wirst dazu gemacht, dass Gott dich satt macht. Und das geschieht auch durch Gebet.
Dann haben wir gesehen: Das Problem der Gebetslosigkeit liegt in unserer antrainierten Gottlosigkeit aus unserem alten Leben. Wir können sie überwinden durch Jesus Christus und durch tägliches Training, durch Disziplin. Beten hat auch etwas mit Disziplin zu tun. Und das gehört auch zum Dritten dazu: Zum Gebet gehört eine Mentalität, nämlich dass wir im Krieg sind.
Das sind drei Dinge, die ich euch echt mitgeben will, damit ihr euch daran erinnert, das mitnehmt und euch daran festhaltet. Und jetzt will ich zum Schluss noch mit euch ein paar praktische Sachen zum Beten überlegen.
Ganz grundlegend: Man kann auf unterschiedlichen Ebenen kommunizieren. Es gibt eine minimale Kommunikation, die einfach aus Schreien besteht, und die funktioniert auch. Also wenn Kinder schreien, das klappt, die kriegen, was sie wollen. Es ist allerdings keine ausgefeilte Kommunikation. Sie beschränkt sich nur auf Essen kriegen, geschüttelt werden oder Windel gewechselt werden. Also eine sehr schlichte Kommunikation, mit der nicht ganz so viel möglich ist.
Dagegen gibt es auch eine gereifte Kommunikation, bei der man schon sehr viel mehr kommunizieren kann. Ähnlich ist es mit dem Gebet: Jeder Christ kann beten, jeder Christ kann auf diesem Niveau beten, zu Gott zu schreien. Das ist immer möglich und geht immer. Aber man kann im Gebet auch wachsen. Diese minimale Kommunikation kann reifen zu einer gereiften, zu einer tiefen Kommunikation.
Ich weiß nicht, wie es euch geht. Für mich sind Gebetszeiten mit anderen Geschwistern eines der motivierendsten Dinge zum Beten. Ich höre Leute beten, bei denen ich merke: Wow, die sind echt schon weit vorangeschritten in ihrer Kommunikation. Die haben wirklich beten gelernt. Ich erinnere mich an Momente, da hat mein Opa gebetet und ich dachte: Boah, der steht jetzt gerade vor Gott. Und ich darf da einfach dabei sein, wie er vor Gott steht. Solche Momente zeigen uns: Gebet kann reifen. Und das ist etwas, das ich mir für mich selber wünsche und auch für euch.
Die Frage ist: Wie geht es? Dazu kann man über ein paar praktische Sachen nachdenken. Ich habe ein paar Dinge aufgeschrieben, aber ich würde auch gerne in den Austausch gehen, damit ihr ein bisschen erzählt. Was hat euch bisher geholfen? Was hat euch geholfen beim Beten, beim Fortschritt im Gebet, dabei, kontinuierlicher oder anhaltender zu beten? Was hilft euch? Sich etwas zu überlegen oder so eine Liste zu haben, sich Gedanken zu machen.
Machst du das, dass du dann quasi selber ganz ausgearbeitete Gebete hast oder nur Stichpunkte? Richtig aufgeschrieben? Aha, Bibelverse, die man vielleicht ausfindig gemacht hat, mit den besten Gebeten. Das ist eine sehr hilfreiche Sache. Hast du da bestimmte Bibelverse? Ja, das ist super, das ist richtig gut.
Die Beschäftigung mit dem Gebet allgemein — also auch in der Bibel oder in Predigten — hilft. Gibt es besondere Bücher oder Predigten, die dich besonders geprägt haben? Eine fand ich sehr gut: Damals habe ich eine Predigt von Sperrchen gehört, da ging es genau um Dinge, die das Gebet hindern. Dann das Gebetstagebuch von David Bennett — das ist gut. Oder Gebetserhörungen aufschreiben, das motiviert dann auch. Es gehen Dinge in Erfüllung. Aber allgemein: Einfach anfangen zu beten.
Habt ihr noch andere Sachen, bei denen ihr gemerkt habt, dass sie echt geholfen haben? Was macht ihr da hilfreich? Wie sind eure Gebetsspaziergänge, welche Gewohnheiten habt ihr? Man kann nicht nebenher noch irgendetwas anderes machen. Man ist unterwegs, hat vielleicht nur seine Bibel oder ein paar Zettel dabei oder auch gar nichts. Dann kann man sich ganz konzentrieren.
Auch Krisen bringen Leute oft zum Beten. In der Not merken wir, wie groß der Krieg ist. Da sind wir allein. Liegt man verletzt und schwach am Boden, wird einem bewusst, dass der Krieg tobt, und dann fällt es einem leichter zu beten.
Wichtig finde ich: Diese ganzen Werkzeuge sind alle gut, aber wir dürfen nie vergessen, worum es letztendlich geht. Gebet kann zu echtem Stress werden, wenn du denkst: Ich muss jetzt die ganze Gebetsliste abarbeiten, ich muss dies oder jenes machen. Dann wird es zum Stress. Das ist aber nicht das Ziel von Gebet. Beim Gebet geht es um Gott. Es geht darum, dein Verlangen, deine Seele, zu Gott zu erheben. Darum geht es.
Gebetslisten — ich mache das auch — sind eine große Hilfe. Ich muss ehrlich sagen: Ich bete nicht konsequent immer alle Punkte durch. Ich fange an, habe dann ein paar Anliegen, und dann kommen andere Anliegen in den Sinn, und ich bete einfach weiter. Diese Hilfsmittel dürfen dich nicht versklaven. Sie dürfen dich nicht so ins Gebet einengen, dass du keine Freude mehr am Beten hast.
Wir dürfen im Gebet immer wieder Frische reinbringen. Wir dürfen Dinge ändern und anders machen. Man muss es nicht immer gleich tun. Man kann eine Zeit lang ein Gebetstagebuch führen und dann wieder eine Zeit lang keines. Man kann eine Zeit lang Gebetsspaziergänge machen und dann wieder im Kämmerchen knien. Ihr dürft wirklich immer wieder Abwechslung in euer Gebetsleben bringen, damit es nicht einschläft und nicht mühsam wird. Es geht um Gott, nicht um einzelne Gebetstools, die man bedienen muss — wie eine Liste oder ein Gebetstagebuch oder Ähnliches.
Nehmt das mit: Haltet euer Gebetsleben frisch durch verschiedene Sachen, probiert Neues aus, aber versklavt euch nicht dadurch.
Ich will noch auf einige Punkte eingehen, die ihr euch notiert habt und die ihr für euch durchgehen könnt. Eins, was mir immer wieder hilft, ist, Bücher über das Beten zu lesen und Biografien von Leuten, die gebetet haben. Ein solches Buch ist zum Beispiel dieses hier. Es gibt manche Bücher, die ich vor Jahren angefangen habe zu lesen und nicht weiterlesen konnte, weil es zu krass war. Fünf Jahre später konnte ich es dann lesen. Wenn ein Buch dir jetzt zu heftig erscheint, kann das in ein paar Jahren anders sein.
Beten lernt man durch Übung. Sprichwörtlich schärft Eisen das Eisen, und so schärft ein Mensch den anderen. Das gilt auch beim Beten: In Gebetsgemeinschaften kannst du von anderen lernen, wenn du ihnen zuhörst. Das gilt auch, wenn du Bücher von Leuten liest, die ein außergewöhnliches Gebetsleben hatten, wie zum Beispiel David Brainerd.
Noch etwas, das für uns ungewohnt ist, weil wir aus Freikirchen kommen und die Freiheit lieben: Wir haben ein ganzes Buch in der Bibel nur mit Gebeten. Die Psalmen sind dazu da zum Beten. Wir haben 150 Psalmen, das sind Gebete. Ein Tipp, den ich beherzige, ist: Fang mit einem Psalm an, mit einem festen Gebet, und gehe danach ins freie Gebet. Ich bete zum Beispiel immer wieder Psalm 25. Ich tue das gefühlt seit Wochen. Es geht nicht darum, den Psalm durchzuhetzen. Es geht darum, die Worte vor Gott zu bringen. Dann hat man vielleicht nur einen Vers, aber man kann ihn vor Gott bringen.
Nehmt die Psalmen mit ins Gebet. Sie sollen uns lehren, wie man betet. Nicht die Armut unseres Herzens, sondern der Reichtum des Wortes Gottes soll unser Gebetsleben erfüllen. Gott hat einen unglaublichen Reichtum in die Psalmen gelegt. Betet die Psalmen und geht sie durch.
Zum Schluss noch eine Frage: Wie macht ihr das mit Bibellesen und Beten? Betet ihr vor dem Bibellesen, danach oder macht ihr es komplett getrennt? Betet ihr davor und danach? Gibt es spezielle Anliegen, die ihr davor betet, und andere, die ihr danach betet? Viele Stellen kennt man, wenn man die Bibel öfter gelesen hat, aber wir müssen neue Sachen entdecken, um in die Tiefe zu gehen und Weisheit zu gewinnen, damit wir das Gehörte beherzigen. Vor allem, wenn man morgens Bibel liest, ist es hilfreich, darum zu bitten, dass sich das Gehörte im Alltag einprägt und sich über den Tag hinweg beschäftigt.
Konkrete Hilfsmittel und Empfehlungen für das Gebetsleben
Ja, tatsächlich. Eins ist: Ich finde den letzten Punkt, den ihr da seht, sehr hilfreich. Dieses Nürfs habe ich auch bei Jim Piper gelesen, und die ersten zwei Punkte sind für mich die allerhilfreichsten.
Tatsächlich versuche ich — und ich tue das eigentlich schon immer — bevor ich die Bibel lese, diese zwei Punkte quasi durchzugehen. Ich lese nicht immer den angegebenen Psalm dazu, aber vom Gedanken her, von der Bitte her: Psalm 119,36 steht „Neige mein Herz zu deinen Zeugnissen und nicht zu Habgier.“ Neige mein Herz zu deinen Zeugnissen. Das ist etwas, was ich immer wieder brauche. Damit das Bibellesen fruchtbar wird, bete ich vorher: Herr, mache mein Herz so, dass es geneigt ist, dein Wort aufzunehmen und sich daran zu freuen.
Ich bete das gerne vor dem Bibellesen. Dann merke ich, dass sich das Lesen oft frischer anfühlt und mir mehr sagt. Nicht immer, aber immer wieder. Das kurze Gebet vor dem Bibellesen, die kurze Bitte, dass Gott das Herz neigt und öffnet, ist hilfreich.
Der zweite Schritt, das Ö für Öffnen, kommt aus Psalm 119,18: „Öffne mir die Augen, damit ich die Wunder in deinem Gesetz sehe.“ Das ist eine gute Sache. Betet vor dem Bibellesen, dass Gott euch die Augen öffnet. Es ist sein Buch; er muss es uns öffnen.
Wenn wir gelesen haben, dann haben wir viel Material. Dann fallen einem vielleicht Dinge auf, etwas spricht einen an. Nimmt das, was euch anspricht, und betet darüber.
Jetzt zum Schluss noch eine Sache: Punkt fünf. Letztendlich ist der Grund, warum wir nicht beten, die Gottlosigkeit, die in uns steckt aus unserem alten Leben. Oft sind es aber auch ganz praktische Gründe, die uns vom Beten abhalten. Einer der allerwahrscheinlichsten praktischen Gründe ist, dass wir es einfach nicht geplant haben.
Es ist sehr hilfreich, sich immer wieder zu überlegen: Wann bete ich, wo bete ich und was bete ich. Beten hat auch etwas mit Planung zu tun. Wenn man in Urlaub geht, macht man sich viele Gedanken: Man sucht den Ort aus, bucht Flüge, überlegt, was man dort macht, welche Ausflugsmöglichkeiten es gibt. Man plant sehr viel für den Urlaub, weil er einem wichtig ist. Wenn einem das Gebet wichtig ist, sollte man auch das Gebetsleben planen — was man betet, wann man betet und wo man betet. Dinge, die einem wichtig sind, muss man planen.
Habt das für euch auf dem Handout. Das ist die letzte Aufgabe, die ich euch geben will: Macht euch in der restlichen Zeit Gedanken. Ich habe da mal eine Woche skizziert. Überlegt euch zuerst: Wo sind die Orte, an denen ich normalerweise bete? Ist es vielleicht beim Spaziergang, ist es mein Zimmer, vielleicht teile ich das Zimmer mit Geschwistern und kann dort nicht beten, oder gibt es Zeiten, in denen der Bruder nicht da ist und ich beten kann? Denkt darüber nach, wann daheim Ruhe ist. Überlegt, wann gute Zeitpunkte sind, an denen ihr ungestört beten könnt.
Überlegt euch auch, wofür ihr beten wollt. Zum Beispiel könnt ihr anfangen, am Montag für Geschwister aus der Gemeinde oder für eure Jugendgruppe zu beten. Dann könnt ihr jeden Montag zwei, drei oder vier Jugendliche aus der Gruppe durchgehen; am nächsten Montag die nächsten vier und so weiter. Für den Dienstag könnt ihr euch vornehmen, für die Ältesten eurer Gemeinde oder für einen Leitungskreis zu beten. Am Mittwoch könnt ihr vielleicht für andere Gemeinden beten, die ihr kennt, oder für den deutschsprachigen Raum. So erweitert ihr im Laufe der Woche euren Gebetshorizont und betet auch für Mission.
Es ist egal, wie ihr es konkret macht. Wichtig ist, dass ihr Nachdenken investiert: Wofür betet ihr, wofür wollt ihr beten, und wo legt ihr Schwerpunkte? Natürlich legen wir immer große Schwerpunkte auf unsere persönlichen Anliegen; diese dürfen wir täglich vor Gott bringen. Es ist aber gut, auch gewisse Bereiche festzulegen, für die man fortlaufend beten möchte. So kann man die Woche ein bisschen aufteilen und je nach Zeit Schwerpunkte setzen.
Noch eine praktische Sache: Hier ist ein Buch mit ganz vielen Ländern und zu jedem Land Gebetsanliegen. Das Buch ist jetzt sechzehn Jahre alt; es erschien 2010. Soweit ich weiß, gibt es keine neue Auflage, aber die Anliegen darin sind meist langfristig relevant. Man kann das Buch nicht einfach von Anfang bis Ende durcharbeiten — dafür fehlt oft die Zeit —, aber man kann sich immer wieder Impulse holen.
Ich habe zum Beispiel angefangen, bei „Germany“ nachzusehen: Welche Anliegen sind dort aufgelistet? Dann lese ich das durch, nehme mir drei Anliegen heraus und bete für Deutschland. Deshalb möchte ich euch ans Herz legen: Haltet Ausschau nach Material, das euer Gebetsleben erfrischt und euren Horizont erweitert. Solches Material hilft, die eigenen Anliegen weiter zu fassen. Ich fand zum Beispiel die 30-Tage-Materialien für die muslimische Welt, die Hans Tiefel gezeigt hat, sehr hilfreich. Es geht nie darum, etwas abzuarbeiten, sondern darum, das Gebetsleben dadurch reicher zu machen — und zwar entsprechend der eigenen Kapazitäten.
Dieses Buch kann man als eine Art Standardwerk sehen. Ein Zitat dazu: Häufig war es so, dass Gebetsgemeinschaften, die auch von weltweiten Anliegen getragen waren, zur Mission beigetragen haben.
Nehmt euch jetzt drei Minuten Zeit, um eure Woche durchzugehen. Überlegt kurz, wo, wann und vielleicht auch was ihr beten wollt. Dann schließe ich mit einem Gebet.
Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Bitte, Herr, lehre uns beten, so wie du es den Jüngern gelehrt hast, und hilf uns. Du hast uns geschaffen zum Beten; trotzdem sind wir oft so weit davon entfernt. Schenk uns immer wieder die Lust zum Beten und neige unser Herz zu dir, zu deinem Wort. Mach uns voll mit dir und sättige uns durch dich.
Ich bitte für jeden von uns: Schenke, dass wir in unseren Gebeten disziplinierter, kontinuierlicher und beständiger werden. Mach unser Gebetsleben reich und tief. Amen.
