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Der alte und neue Mensch

Epheser 4,17-3215.01.1991
Angst macht eng. Paulus zeigt einen Ausweg: nicht vom Chaos treiben lassen, sondern Lüge, Bitterkeit und Zorn ablegen – und so inneren Frieden gewinnen, der auch in unsicheren Zeiten trägt.

Geborgenheit in einer unruhigen Zeit

Du bist eine feste Burg, auch in einer unruhigen Welt. Wer dich hat, sitzt im Frieden, und deinen Frieden kann uns niemand nehmen. Wir sind so froh, dass du uns das schenkst. Und wir wollen, dass du durch unsere Welt den Frieden erhältst. Amen.
Jetzt lesen wir Epheser 4,17-32. Das letzte Mal war es ein ganz gefüllter Abschnitt. Es liegt jetzt schon einige Zeit zurück, wir hatten ja die Weihnachtspause. Es geht um das Wachsen auf Christus hin, auf das Haupt hin. Wir haben von den Ämtern der Gemeinde gesprochen. Es war ja ganz hilfreich und praktisch, dass Gott verschiedene Gaben gibt, dass wir einander nicht vergleichen dürfen. Und jetzt redet Paulus noch ganz allgemein, für jeden von uns brauchbar:
So sage ich nun und bezeuge in dem Herrn, dass ihr nicht mehr leben dürft wie die Heiden leben, in der Nichtigkeit ihres Sinnes. Ihr Verstand ist verfinstert, und sie sind entfremdet vom Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, die in ihnen ist, und durch die Verstockung ihres Herzens. Sie sind abgestumpft und haben sich der Ausschweifung ergeben, um allerlei unreine Dinge zu treiben, in Habgier.
Ihr aber habt Christus nicht so kennengelernt. Ihr habt doch von ihm gehört und seid in ihm unterwiesen, wie es Wahrheit in Jesus ist. Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.
Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind. Zürnt ihr, so sündigt nicht. Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen und gebt nicht Raum dem Teufel. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann.
Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Munde gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören. Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung. Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch, samt aller Bosheit. Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.
Es sind ja schon bewegte Tage, die wir gegenwärtig erleben. Ich bin sehr überrascht, wie die Menschen tief erschüttert sind über die Bedrohung des Weltfriedens. Ich bin deshalb überrascht, weil ja in vielen Teilen der Welt gegenwärtig schon ein Krieg tobt. Es beginnt ja nicht erst irgendwann. Wenn ich recht zähle, sind es über zehn schwere Kriege, die gegenwärtig toben. Im Sudan sind Millionen, darunter viele, viele Christen, fortwährend bedroht, in einer furchtbaren Weise. Nur keine Journalisten dürfen dorthin.
Ich habe ja am nächsten Dienstag alles fertig gehabt, um nach Assam zu reisen, in Indien. Das ist ein Gebiet hinter Bangladesch. Ich habe seit Juni die Reiseerlaubnis beantragt, über alle einflussreichen Kanäle. Mir wurde die Einreise verboten. Denn seit 30 Jahren wird westlichen Beobachtern nie die Einreise nach Assam gestattet. Das ist ein Gebiet, wo 90 Prozent der Bevölkerung bibeltreue Leute sind. Aber es ist ein Unruhegebiet, wo vor wenigen Wochen die indische Regierung den Gouverneur wieder abgesetzt hat. So toben auch die Unruhen. Und die Inder sagen mir: Wenn sie uns überhaupt je reinlassen, was nur sein kann, weil wir Wasserprojekte dort machen, dann aber immer ohne Foto.
Die Welt ist eine unruhige Welt, ein Pulverfass. Und es wird den Menschen erst bewusst, weil die Propaganda so schlimm läuft, wie Saddam Hussein es verstand, mit der Klaviatur der Ängste zu spielen. Das wissen ja die Terroristen, das kennen wir ja vom Terrorismus schon: dass man die ganze Welt zappeln lassen kann, indem man ihnen alle Ängste vor die Seele malt. Wir wissen auch nicht, was kommt. Aber ein Nachgeben macht die Sache in keiner Weise besser. Deshalb ist es ja so fatal.
Und wir merken plötzlich, dass wir alle in der Angst gefangen sind. Und jetzt all die Menschen, die wir treffen: Die sind oft, ich war heute überrascht, wie Leute auf einen zu kommen. Fast würde ich meinen, ich bin sicher, dass am Sonntag Leute in die Kirche kommen werden, die nie in eine Kirche gegangen wären, nur aus Angst, weil sie plötzlich Gott suchen. Vielleicht müsste man mit diesen Leuten einfach singen: „Ein feste Burg ist unser Gott.“ Das verstehen sie noch aus den Kindertagen, was da gemeint ist, dass es eine Bergung gibt in Gott oder irgend so etwas. Jesus sprach davon, dass die Menschen verschmachten werden vor Furcht und Warten der Dinge, die da kommen sollen.

Das Heidnische in uns und die Frage nach Geborgenheit

Mir geht es darum, dass wir das Heidentum, das Paulus hier beschreibt, nicht bloß in irgendwelchen extremen unsittlichen Verhaltensweisen sehen, sondern sagen: Das steckt tief in uns. Wir sind Menschen, die sich in dieser Welt sehr bequem eingerichtet haben. Wir sind alle abhängig vom Sichtbaren. Und wenn das einmal ins Wanken gerät, dann werden wir schon von der Angst bedroht.
Jetzt ist wichtig: Sehen wir auf den Unsichtbaren, oder sehen wir nur auf die sichtbaren materiellen Dinge? Sind wir in Gott geborgen und sagen: Daher wird er schon richten. Der Herr hat alles in seiner Kontrolle. Auch Nebukadnezar, so hat vorhin einer aus der Gebetsgemeinschaft gesagt, der muss Gras fressen, wenn Gott will. So war es auch bei Daniel.
Und die Beter können noch etwas tun. Wie hat es Daniel gemacht? Er hatte offene Fenster nach Jerusalem und hat sich vor Nebukadnezar nicht gebeugt, auch nicht vor den großen Herren von Babel. Das ist dieses Babel, wo heute der Irak ist. Und wenn man einfach einmal auf die Bibel schaut und sieht, was sie uns sagt: Er hat sich in den Löwengraben hineinwerfen lassen.
Paulus sagt, wir dürfen nicht in der Nichtigkeit des Sinnes leben, wie die Heiden leben. Warum ist der Sinn nichtig? Die Heiden sind nicht böse Leute, das sind ganz arg liebe Leute, die sind oft viel lieber als wir. Aber sie haben eines nicht: Sie kennen den lebendigen Gott nicht, sie kennen die Liebe Gottes nicht, und sie kennen seine Verheißungen nicht. Und darum sind Heiden Menschen, die keine Geborgenheit haben.
Paulus spricht hier von anderen Dingen, aber eben auch von der Nichtigkeit des Sinnes. Ich habe gedacht, ich kann es Ihnen heute Abend einmal zeigen: Die haben gar kein Verständnis dafür, wie man in Gott geborgen sein kann, was das für uns bedeutet. „Tobe, wälze, springe, ich stehe hier und singe, in gar sicherer Ruh. Gottes Macht hält mich in Acht, Erd und Abgrund muss verstummen, ob sie noch so brummen.“ Das haben ja Leute gedichtet in Kriegszeiten, als ihnen das Haus abgebrannt war.

Verfinsterung, Entfremdung und die Grenzen menschlicher Bildung

Die Nichtigkeit des Sinnes, Paulus sagt: Das Schlimme bei den Heiden ist, dass sie ethisch wunderbar sind. Sie sind in vielem uns auch überlegen. Das sind ganz arg lebenswürdige Leute. Aber sie haben für die göttlichen Dinge keine Antenne. Das geht an ihnen vorüber, und sie sind taub für das, was Gott uns schenkt.
Die Nichtigkeit des Sinnes: Sie verstehen es nicht. Die haben auch mal Bibel in der Hand gehabt, da sagen sie: Das sagt mir nichts. Und da muss man ja sagen: Das ist ein Wesen, das wir alle tragen. Das Heidnische steckt in uns, dass wir taub sind für Gottes Reden, dass wir unempfänglich sind für sein Wirken. In so einer Krisensituation wird es erst sichtbar.
Ich bitte Sie jetzt, benützen Sie das für viele schöne Gespräche. Erzählen Sie es den Leuten. Erzählen Sie, wie Sie das erfahren haben in schweren Tagen, wie man in Gott geborgen sein kann. Denn die verstehen das gar nicht. Das ist nicht böse, sie haben dafür einfach kein Gespür.
Ich bin ja so froh, dass kein Journalist auf unserer Jugendkonferenz war, außer unseren eigenen kirchlichen Journalisten, unseren IDEA-Journalisten oder EPD. Denn das, was in der Zeitung steht, das können Sie gar nicht verstehen, was wir da oben gemacht haben, was diese Leute machen. Die können berichten, wenn 800 Leute gegen Irak oder für Irak oder gegen USA demonstrieren, denn die Welt kann es einfach nicht verstehen, was wir wollen. Die meinen, das sind irgendwelche verrückten Spinner oder sonst was. Dann unterschieben sie uns, wir wollten etwas politischer sein, rechts ausgerichtet. Die müssen ja irgendwas erfinden, um es zu verstehen, aber sie können es nicht verstehen, was wir wollen.
Und das, was wir wollen, ist, dass wir etwas von der Welt Gottes haben, was uns in diesem Leben wichtiger ist, dass das Irdische so sein möge, dass wir wirklich frei sind von den irdischen Dingen und dass, wenn in unserem Leben das Äußere zerfällt, wir in Gott unseren Halt und unsere Geborgenheit haben.
Die Nichtigkeit des Sinnes: Ihr Verstand ist verfinstert, und sie sind entfremdet dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, die in ihnen ist, und durch die Verstockung ihres Herzens.
Ich möchte noch einmal erklären: Karl Marx hat ja über die Entfremdung viel philosophiert. Wer sich einmal mit dem Kommunismus auseinandergesetzt hat, weiß, dass das Wort von der Entfremdung das Entscheidende ist. Karl Marx hat gesagt, die Menschen sind entfremdet, und zwar dadurch, dass sie das Kapital nimmer haben. Darum können die armen proletarischen Massen gar nimmer leben. Man muss ihnen die materiellen Dinge wieder zurückgeben, damit sie wieder leben können.
Das ist richtig: ein armer Schlucker, der nichts zu nagen und zu beißen hat. Wie soll der leben können? Dem muss man ja was zwischen die Zähne geben, dass er nagen und beißen kann. Also, es gehört dazu, dass er was kriegt.
Aber ursprünglich war das Wort von Paulus ja ganz anders gemeint. Er sagt, die Entfremdung unseres Wesens kommt nicht daher, dass uns materielle Vorteile vorenthalten werden. Und da liegt die ganze Schwäche des Kommunismus. Sondern sie kommt daher, dass wir Gott verloren haben, und darum sind wir dem Leben entfremdet. Wir können alle Schätze der Welt haben, und wenn wir Gott nicht mehr haben, sind wir dem Leben entfremdet. Und wir haben nur noch ein ganz schlimmes Zerrbild vom Leben, aber nicht mehr das wirkliche Leben, das Gott uns angeschenken will.
Da kam ja noch am Samstagabend der Generalsekretär der grössten äthiopischen Kirche, Doktor Mulattu Baffa, mit seinem Mitarbeiter. Wir hatten auch noch einige Gespräche. Ich war bei dieser Konferenz zufällig dabei, weil er noch Gespräche führte in Bonn. Ich fragte ihn: Wie war denn das für euch in Äthiopien jetzt, diese schlimme marxistische Herrschaft? Dann sagt er: Die Leute sind begeistert darauf reingefahren, weil sie sagten: Wirklich, wir sind verarmt, und der heilige Selassi war so reich, der Kaiser hat alles Geld gehabt, und wir waren arm. Und nach einiger Zeit haben die Leute gemerkt, dass unser Herz etwas ganz anderes braucht.
Und das bleibt bei all den Ideologien der Politik immer das Gleiche. Sie können das Leben doch nicht vermitteln, ganz abgesehen davon, dass es betrügerische Ideologien sind. Sondern der Mensch sucht nach Gott. Und es ist so wichtig, dass wir immer wieder sagen: Die Menschen, gerade bei uns im Wohlstand, und das merkt man in solchen Krisentagen am allermeisten, die haben viel alles, was man sich erdenken kann, und sie sind unzufrieden, unglücklich und haben keine Hoffnung und keine Geborgenheit. Die haben das Leben nie ergriffen.
Wir sollten vielmehr sagen: Trachte zuerst nach dem Reich Gottes. Du musst unter die Königsherrschaft Jesu kommen, übergib dein Leben Jesus und stell dich unter seine Herrschaft. Sie sind dem Leben entfremdet, das aus Gott ist.

Die Wurzel der Finsternis und die Notwendigkeit der Erleuchtung

Im alten Griechentum, im sogenannten Hellenismus, also in der Kultur der damaligen Welt, die von Athen ausging und dann auch im Römerreich in den Wissenschaften und an den Universitäten galt, hat man immer wieder gesagt: Der Mensch wird edel gebildet durch sein Wissen, durch den Verstand. Und dann hat man die Wissenschaften ausgebaut. Das ist ja bei uns heute immer noch so gewesen.
Ich ging ins humanistische Gymnasium. Der Humanismus hat ja um 1500 wieder zu den Quellen des Griechentums zurückführen wollen, zum Hellenismus. Und da hat man also immer gemeint: Du musst den Menschen nur richtig bilden, du musst ihm Wissen geben, Philosophie, dann wird der Mensch gut.
Ich habe schon in meiner Schulzeit erlebt, wie hier zwei Auffassungen miteinander ringen. Als ich im Ebert-Ludwigs-Gymnasium war, hat man uns eines Tages, ich war vielleicht 14 oder 15 Jahre alt, zusammengeholt zu einem großen Vortrag. Da kam ein ehemaliger Kriegsgefangener zurück, der uns erzählt hat, wie ihn durch die schwersten Stunden der Kriegsgefangenschaft Goethe getragen hat.
Und ich bin überzeugt, dass Goethe ein ganz großer Schatz der Kultur und des Wissens ist. Ich hätte genauso sagen können, dass man mit der Philosophie, und dann können wir es einsetzen, oder mit Hölderlin und mit all dem Wissen sein Menschentum bewahren kann. Aber Paulus sagt: An den entscheidenden Punkten bleibt man blind, weil es immer nur einseitig bleibt und immer die Welt Gottes verschlossen bleibt. Darum sagt er: verfinstert.
Er möchte nicht sagen, die Heiden sind alle Schweine, die Heiden sind alle dumm. Sondern er will sagen: Die können bei aller Intelligenz, Paulus wusste ja, was Sokrates war, die damalige Philosophie sagt, sie können Gott nicht erkennen, und sie bleiben arme Leute, weil sie nie hinaussehen über ihre Grenzen.
Dass damals die Kultur des Hellenismus durch eine schreckliche Krise ging, schon zu der Zeit des Paulus, das sollten wir hier vielleicht gar nicht einmal erwähnen. Paulus erwähnt es in Römer 1. Es war ja ganz furchtbar, dass die ganzen Ausbildungsstätten durchsetzt waren mit Homosexualität. Jeder Lehrer hat sich einen lustigen Knaben gehalten, mit dem er seine perversen Spiele machte.
Aber ich will es gar nicht an dem Extrem aufhängen. Der wird sagen: Das ist doch normal. Es kann eben einer, der Gott nicht erkennt, auch gar nicht sehen, was falsch ist, warum er das Leben nicht findet. Aber damit Sie verstehen: Der entscheidende Fehler, das Manko, war doch, sie haben Gott nicht. Darum sehen sie gar nicht das Leben, darum verstehen sie es auch nicht, und sie merken nicht, was ihnen fehlt.
Ihr Verstand ist verfinstert, sie sind entfremdet vom Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, die in ihnen ist, und durch die Verstockung ihres Herzens. Paulus sagt, es liegt auch eine persönliche Schuld vor, indem sie sich nicht herausführen lassen und nicht erleuchten lassen zur Erkenntnis der Wahrheit.
Zu diesem Abschnitt gehört ganz eng dazu das, was Paulus in Römer 1 erzählt. Gott hat diese Welt dahingegeben in ihres Herzens Sinn, dass sie das Bild Gottes gar nicht mehr erkennen können. Und das wird die schlimmste Finsternis sein, die über unsere Welt kommt, wenn die Menschen Gott gar nicht mehr hören können.
Und wir reden, und Sie wissen nicht mehr, was wir meinen, sodass Sie auch darüber nicht unruhig werden. Sie brauchen jetzt gar nicht darüber unruhig werden, wenn Sie merken, dass Menschen, die Sie verstehen, immer wieder auch liebe Freunde sind, die manchmal meinen, Sie müssen jetzt eine Kassette irgendeinem gottlosen Menschen weitergeben. Der wird genauso darüber lächeln und das auf die Seite werfen. Und die sind ganz verwundet, wenn der nachher sagt: Das ist aber schrecklich, wie der Chef Buch schreit oder so.
Sie hat es beeindruckt. Sie haben etwas, nicht weil der so redet, sondern weil Sie irgendwo Gott hören, weil Sie sein Wort vernehmen. Und das, was Ihnen eindrücklich ist, lässt den anderen immer noch kalt. Ich kann es nur sagen: Ich gebe ein Zeugnis, ich vermittle das. Oder Sie erzählen etwas, was Ihnen wichtig war. Aber Menschen, die dafür kein Empfinden haben, bleiben dafür taub.
Und das ist schwer, und das ist seit den Tagen Jesu so. Sie sind abgestumpft und haben sich der Ausschweifung ergeben, um allerlei unreine Dinge zu treiben in Habgier.

Der alte Mensch, die Begierde und die Erneuerung des Sinns

Unser Menschenherz bleibt deshalb nicht neutral. In dieses Vakuum strömen andere Mächte ein, die sofort an unserer eigenen Gier, an unserer Sucht, anknüpfen und sie aufpeitschen. Es ist mir auch immer so schwer, dass heute eine junge, gesunde Jugend am Rauschgift zerbrochen wird. Unsere Polizei ist machtlos und dringt einfach nicht ein. Aber es sind ja nicht bloß diese Mächte, es sind alle inneren Zerstörungsmächte. Und in unserer freiheitlichen Welt ist man so dumm, dass man nicht einmal merkt, was man auch getan hat mit der Freigabe der Pornografie vor vielen Jahren, was dort an Belastung in unser aller Leben kam und wie das ja in uns einen Anknüpfungspunkt hat.
Und so kann man all die dunklen Dinge, die Gier, die uns packt, die uns reitet, die uns wegreißt. Das Einzige, was uns heilen kann, ist die Erkenntnis Gottes, die freimachende Kraft Jesu. Und deshalb ist nicht geholfen mit großen neuen Dämmen, die wir bauen, sondern mit der Predigt, dass Jesus freimacht. Wir müssen die Ursachen erkennen, wo die Wurzel der Krankheit liegt, warum Belastungen vorliegen. Da liegen sie.
Ich möchte Ihnen damit auch seelsorgerliche Hilfen geben, wenn Sie mit Menschen reden. Da sind auch immer wieder die Fragen: Wo liegen die dämonischen Gebundenheiten? Die liegen ganz einfach darin, dass die dämonischen Gebundenheiten, die Sucht, mich packen können, in meinem Herzen, in meiner Gier. Und ich muss mich öffnen, ich muss es vor Christus bekennen und ihm mein Leben übergeben. Ich muss mich freimachen lassen von diesen Dingen und muss ein Sehender werden, einer, der sein Leben öffnet für das Licht, der sich wissend machen lässt und der aus der Verstockung des Herzens herauskommt. Ganz ähnlich sagt es Paulus in Römer 1.
Gut, das ist also das Erste, was wir hier heute Abend gehabt haben: der alte Mensch. Er macht kein Zerrbild, wollten wir sagen, der Paulus von der Dunkelheit unseres Lebens, sondern er sagt: Es ist ganz normal, was in uns drinsteckt, diese Finsternis, die in uns allen da ist. Und Gott, der da hieß, das Licht aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben. Hat er das? Einen hellen Schein, dass durch uns entstünde die Erleuchtung durch die Erkenntnis Gottes im Angesicht Jesu Christi, dass andere Menschen durch uns hindurch erleuchtet werden, Christus zu erkennen und damit Gott zu stehen. Gott hat so hell in uns gemacht, er lässt den Weg, wie es geht.
Mit diesem Wort haben wir am Erscheinungsfest die Gemeinde gegrüßt, und das ist auch so schön, dieses Wort von der Erleuchtung unserer Herzen. Und jetzt sagt Paulus: Ihr habt doch Christus so nicht kennengelernt. Er erinnert sie an die Christusbegegnung, und der entscheidende Schritt eines jeden Menschen muss sein: Er nimmt Christus an und wird dadurch ein neuer Mensch. Die Veränderung ist: Er gibt sein Leben Christus, öffnet sich für ihn. Ihr habt so Christus nicht kennengelernt, der ist eine neue Kreatur.
Wir sehen doch immer noch, wie das alte Wesen an uns hängt. Und wir dürfen doch in Christus nun auf einmal ganz praktisch das Alte ablegen, wie ich einen Kittel ausziehe und sage: Es lege das alte Wesen ab. Wenn es so einfach wäre, ganz einfach: Ich lege das ab und sage: Herr Jesus, nimm du das Alte weg. Heute Abend sage ich: Herr, es war an diesem Tag so viel Unrecht, nimm’s weg! Legt den alten Menschen mit seinem früheren Wandel ab. Und bei Paulus steckt so viel drin, der sich durch seine trügerischen Begierden zugrunde richtet. Die Begierden sind trügerisch. Noch nie ist ein Mensch durch seine Begierden glücklich geworden. Er ist süchtig geworden und will immer mehr, und am Ende endet er mit einem zerbrochenen Leib und Leben. Dass das auch nie auszahlt. Kein Ehebruch macht selig und glücklich, keine Lüge macht fröhlich, kein unrechtes Gut befriedigt, sondern es wird im Gewissen brennen. Es trügt, es ist ein Zerrbild.
Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn. Es ist so wichtig, dass wir wieder einen klaren Blick haben. Bevor ja die Sünde in unser Leben tritt, ist es so, dass wir selber meinen, wir könnten das nehmen, wir können das konsumieren, ohne dass es uns Schaden gibt. Es war heute bei vielen Christen gar nicht mehr klar, wo die Sünde schon beginnt, in ihrem Sinn, in ihren Gedanken. Wir sollten vielmehr darauf unseren Blick richten, dass unser Sinn erneuert wird und wir wissen: Das baut mich nicht auf, das tut mir nicht gut, jener Lesestoff, das im Fernsehprogramm und das im Gesprächsstoff. Das erbaut mich nicht, sondern es bindet mich doch nur, macht mich abhängig, so wie einer, der an der Alkoholsucht ist und sagt: Ich darf kein Schlückchen mehr davon nehmen, weil es mich immer wieder fängt an der alten Geschichte.
Man muss das Alte ablegen und den neuen Menschen anziehen, der nach Gott geschaffen ist, den wahren Gerechten. Ja, das Leben kommt von Gott, und es ist von Gott gestaltet in seinem Ebenbild. Ich will es von Gott wieder neu empfangen und haben in Heiligkeit. Das heißt nicht in Strenge und nicht in Würde, sondern in Schönheit, in Harmonie und Vollkommenheit. Das Leben ist schön, für uns wichtig, aber lassen wir uns vom Teufel nicht das Leben vermissen. Es ist alles schön, was er mir gegeben hat, mein ganzes Wesen, meine Sinne sind schön, mein Wesen ist schön, ob Mann, ob Frau. So hat mich Gott vollkommen geschaffen, schön, und gerade im Glauben darf ich es wieder nehmen. Und durch die Hinwendung zu Christus kommt die Freude am ersten neuen Leben, der Neugeburt in Christus, wieder.
Schön, dass uns Faules da nicht bloß stehen lässt in dieser Darstellung des alten Wesens, sondern sagt: Wir wollen auch jetzt das neue Leben ergreifen. Auch in solchen chaotischen Tagen sagen wir: Gott hat sicher mit uns noch viel Schönes vor, und wir dürfen auch voll Hoffnung und Zuversicht die Zeit nutzen, in denen noch nicht die letzten Katastrophen hereingebrochen sind.

Konkrete Schritte im Alltag und die Kraft des Geistes

Jetzt kommen ganz praktische Mahnungen. Legt die Lüge ab, sagt euch von der Lüge los!
Ist Ihnen bewusst, dass wir durch das Tun der Sünde immer gebundene Leute sind? Da steckt die Dämonie drin, jede Sünde trägt in sich eine Dämonie. Ich nehme das gar nicht leicht. Wer einmal lügt, kommt immer ins Lügen, und das ist so furchtbar, dass es einem über die Lippen kommt. Darum muss man sich lossagen von diesem Schlimmen.
Die Lüge beginnt mit der Wahrheit, er fängt gar nicht mit der Reinheit der Gedanken an, sondern mit der Lüge, mit dem Mund. Damit sündigen wir alle am allermeisten. Die Auslegung Luthers kann man sich nur wieder vergegenwärtigen: Wir sollen Gutes von ihm reden und alles zum Besten kehren.
Da liegt es drin, in jeder Rede mit dem Nächsten die Wahrheit, weil wir untereinander Glieder sind. Aber auch in dem Sinn, dass wir einander nicht nachreden und bösen Leumund machen, sondern mit ihm reden, mit ihm wahr reden. Und doch nicht in einer Wahrheit, die bloß zerschlägt, sondern in einer Wahrheit, die aufbaut.
Vom Zorn redet Jesus, aber dass wir beim Zorn nicht sündigen, das ist ganz schwierig. Es ist nur an einer Stelle der Zorn erlaubt: gegen die Macht des Bösen. Einen Zorn dürfen wir haben, auch gegen unser eigenes, untreues Herz.
Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. Es ist etwas ganz Wunderbares, wenn man sich versöhnt, einfach weil man weiß: Christus hat mir vergeben, jetzt darf ich den anderen auch um Vergebung bitten.
Gebt nicht Raum dem Teufel. Wo haben die dämonischen Mächte Zugang? Dadurch, dass wir ihren Weisungen folgen. Und in dem Moment, wo wir uns lossagen, haben sie keine Macht mehr. Wissen Sie das, dass alle dämonischen Mächte weichen, wo ich mich unter Jesus stelle, unter seine Versöhnungsstelle? Haben sie keinen Zugang mehr?
Jesus, du bist da, und alles ist mir leid, was mich von dir getrennt hat. Nimm es weg durch dein Blut, und dann bin ich frei, und der Teufel hat keinen Raum mehr.
Wir sehen, dass es Christenart ist, dass jeder arbeiten und schaffen soll. Ich habe immer Probleme mit unseren modernen Sozialordnungen, die davon ausgehen, dass der Mensch auch ohne Schaffen etwas bekommt. Ich glaube, dass das nicht gut ist in unserem modernen Sozialstaat. Die christliche Arbeitsordnung war etwas anderes.
Man soll jedem Menschen seine Würde geben, dass er seinen Unterhalt verdienen kann. Und gerade auch dem Schwachen, der durch Umstände aus der Bahn geworfen wurde.
Ich glaube, dass es sehr unbefriedigend ist, einen Menschen bloß so abzustempeln, dass er irgendwo sein Geld abholt und sagt: Da kannst du doch zufrieden sein, du kriegst doch deine Rente. Aber er will ja etwas tun. Überhaupt auch die Frage, ob unsere ganzen Arbeitsordnungen nicht falsch sind, auch ob Ruheständler nicht manchmal noch gern etwas tun würden.
Interessant: Die Bibel ist immer vom Arbeiten in rechter Weise die Rede, dass es auch zum Menschenleben gehört. Richtig ist, wenn Leute meinen, im Himmel wird mal nimmer gearbeitet. Weiß nicht. Woher wissen Sie das? Mein Lehrer Gerhard von Rad hat sich ereifern können, er hat nur gesagt: Im Himmel gibt es keine Dornen und Disteln mehr. Der Fluch wird aufgehoben sein.
Aber die Arbeit wird in der Bibel nie als schädlich angesehen. Die Arbeit ist sicher auch etwas Schönes, nur die sinnlose Arbeit, die Arbeit, die nicht befriedigt, die Arbeit, in der man sich kaputt reißt, die ist schlimm. Und dann wissen wir auch wieder, was uns im täglichen Lebenskampf die Kraft raubt. Das ist sicher gar nicht die Arbeit.
Es ist doch etwas Schönes, wenn man mit seinem Leben etwas wirken kann. Es gibt etwas Schöneres als ein Feld zu bestellen, einen Garten, und man sieht, wie alles wächst, und alles ist doch schön. So schlimm ist, wenn man umsonst arbeitet und der Hagel alles kaputt schlägt, oder wenn man sich mit Menschen reibt, wenn Streit herrscht.
Ich will jetzt keine langen Gedanken darüber anstellen. Es ist nur interessant, wie man an all diesen Stellen weiter nachdenken kann, was das ist. Das Schöne ist, wenn man sich selbst sein Geld verdienen kann, wenn man dem Bedürftigen abgeben kann.
Sie merken auch schon, wie Kinder gerne sich etwas verdienen wollen, und das ist auch richtig. Und man soll ihnen die Möglichkeit geben, das befriedigt sie, und wie sie dann gerne geben. Es ist mir immer wieder sehr bewegend, wenn Kinder ihr erstverdientes Geld auch wieder für das Reich Gottes oft geben, in einer großzügigen Weise, und das ist etwas ganz Wunderbares.
Das Nehmen und das Geben, und das Geben ist seliger als Nehmen: so eine Urordnung des Menschen, die im Sinne des Geistes Gottes ist, dass wir arbeiten und geben.
Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Munde gehen. Das ist etwas, was stinkt, etwas, was Tod mit sich bringt, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringen kann denen, die es hören.
Die christlichen Lebensregeln sind ja heute bei uns nicht mehr oft so üblich, dass wir sie bedenken. Und es wäre doch so gut, wir würden darüber nachdenken. Auch wenn wir einmal wieder nach den Sprüchen greifen, so viel praktische Lebenserfahrung steht da. Vielleicht wird man erst im Alter weise und man merkt immer mehr, wie man sich im Leben hätte viel Not ersparen können, wenn man sich nach den sehr konkreten biblischen Weisungen gerichtet hätte.
Wir hätten auch manche Spannung, manchen Streit vermeiden können. Nur reden, was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören.
Aber Paulus packt hinein in diesen Vers: Betrübt nicht den Heiligen Geist. Und er meint: Der Heilige Geist ist dir doch gegeben. Sie haben den Heiligen Geist. Wenn Sie den nicht haben, können Sie auch nicht beten und nicht Christus einen Herrn nennen. Sie dürfen darum beten: Kriegen Sie den Geist. Aber der Geist Gottes ist so zart, er weicht von unserem Leben, wenn wir sündigen. Er ist uns nicht so gegeben, dass er nicht wieder flieht. Er will nicht in unreinen Gefäßen sein. Er will, dass wir uns reinigen.
Jetzt ist so wichtig, dass wir uns reinigen und nicht gleichzeitig sündigen. Also wenn ich eben mit einem Menschen zürne und mit meinem Mund so rede, dann kann der Geist Gottes weggehen, und ich muss wieder zurück zu Christus und ihn wieder bitten: Reinige mich, nimm deinen heiligen Geist nicht von mir.
Es war so schwer, wie der König Saul den Heiligen Geist nicht mehr hatte und ein böser Geist über ihn kam. Und wenn Sie auch mit Kindern oder Enkeln Probleme haben, dann dürfen Sie darum beten, dass Gott sie erneuert. Man kann das eben nicht mit einem Erziehungstrick machen, sondern es ist eben immer dieses Wunder nötig, dass der Heilige Geist Menschen verwandelt.
Und wenn der Heilige Geist in einem Menschen Raum bekommt, dann wird ein Mensch verändert und erneuert. Da kommt dieses Wort von der Versiegelung, das ja unseren neuapostolischen Freunden so wichtig ist, und sie machen daraus ein Sakrament. Dabei möchte doch nur hier Paulus sagen: Der heilige Geist macht dir das Heil gewiss. Der heilige Geist macht es doch, dass ich den Frieden habe, auch wenn schreckliche Fernsehnachrichten kommen, weil ich weiß, ich bin in den Händen Christi geborgen. Er macht mir den Glauben gewiss, der heilige Geist macht das Siegel drauf, er bestätigt mir es. Es ist doch nicht eine Amtshandlung. Er versiegelt mir das, so wie ich ein Wertpaket versiegle. Er macht meinen Glauben fest, dass keiner die Schnur auflösen kann, und er macht es gültig und fest.
Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit.
Vielleicht noch ein Wort zu dieser Bitterkeit: Das ist uns ja oft auch nicht bewusst, dass die Bitterkeit zur Sünde gehört. Wir sind ja gern auch so bitter. Manche Leute sind über Jahrzehnte hinweg bitter. Und ich will jetzt gar nicht bestreiten, dass die Wunden ihres Lebens ganz besonders schlimm waren und dass sie Unwahrscheinliches erlebt haben. Durch den Geist Christi erneuert werden, muss die Bitterkeit aus ihrem Herzen raus.
Können Sie vieles in den Büchern von Corrie ten Boom lesen, wo ihre Schwester Betsy im KZ umgebracht wurde und was sie empfand, wenn sie später einem KZ-Wächter begegnet ist, der sie um die versöhnende Hand bittet. Wo die Bitterkeit hochkommt, aber wo sie dann davon erzählt, es ist der Sieg des Geistes Christi, dass ich nicht mehr bitter bin.
Bei manchem ist es so furchtbar, was sie von ihren Eltern erlebt haben, von anderen Menschen, die alles in ihrem Leben zertrampelt haben. Und doch ist in der Heiligung so, dass die Bitterkeit keinen Raum mehr hat. Solange kann ja auch der Geist Gottes nicht wirken, und wir sind dann gelähmt und unbrauchbar für Gott.
Und es ist auch eine Sache, wo man sicher in der Seelsorge weitermachen darf. Aber darum sind die Worte des Paulus so hilfreich: Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung.
Sicher ist es ja immer wieder bei jungen Menschen besonders schlimm, dass sie eigentlich fast von der Lästerung leben. Sie reden über alle schlecht, und sie merken gar nicht, wie das auch ihr geistliches Leben blockiert, bis sie anfangen, sich selber richtig zu sehen, mit ihren Fehlern. Man kann auch hier nur beten: Herr, erleuchte sie.
Ich bin immer heute sehr traurig, dass die geistlichen Erfahrungen ganz toll gesucht werden in kosmischen Abenteuern. Da will irgendwo Gott erleben, und die Kraft des Heiligen Geistes erlebt man da, dass man sein eigenes Herz erkennt und die Sünde sieht und seine Siege erlebt über Bitterkeit und Lästerung, über sein eigenes Maul. Und das sind die größten Wunder, das sind die Totenauferweckungen.
Ich will nicht bestreiten, dass Gott große Wunder hat, was erleben wir. Aber die großen Dinge sind, wenn Gott unsere Art verändert. Unsere Psychologen sagen ja, man kann das nicht verändern. Doch, der Geist Gottes kann verändern. Segenspender machen, der kann aus Giftnudeln Freudenspender machen. Und er macht es! Aus grimmigen Leuten, aus zornigen Leuten macht er verschönernde, liebende Menschen.
Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem anderen. Das mit dem Herzlich haben wir ja ganz kaputt gemacht in der frommen Sprache Kanans. Das ist gemeint von innen heraus und gerade nicht wieder im Grinsen und Geheuchel. So macht es echt: Vergebt einer dem anderen, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.
Es ist natürlich wieder ein Fehler, wir haben heute viel hineingepackt in die Bibelstunde. Aber ich hätte jetzt gute Lust, dass ich eine zweite Bibelstunde anschließe und sage: Jetzt machen wir das Ganze mal als ein Eheseminar. Und lesen Sie alles noch einmal, dann müssen Sie zugeben, dass mehr zu einer Therapie von einer zerbrochenen Ehe gar nicht nötig ist, all das, was Paulus hier sagt.
Oder wenn eine Familie zerbrochen ist oder wenn Alte und Junge miteinander zerbrochen sind, es ist so praktisch, so einfach, wie der Geist Gottes heiligt und erneuert. Viele von Ihnen sind unsicher, wenn sie plötzlich ins Vertrauen gezogen werden von Menschen, die sagen: Bei mir ist alles kaputt in meinem Leben. Sie dürfen Seelsorgedienste tun und einem Menschen sagen: Guck mal, fang wieder an, dich für Christus zu öffnen.
Und wenn sie dann spüren und einander reden lassen, meist erzählen ja Menschen so gern: In meinem Leben ist alles zertrampelt, und so. Und dann fragen: Kannst du vergeben?
Nein, meinem Vater kann ich nie vergeben, wie der meine Jugend zerstört hat. Vorher kannst du auch nicht ins Licht kommen.
Es gibt eine schöne Geschichte, wo Corrie ten Boom zum Todgeweihten begegnet ist und in der Todeszelle mit ihm sprach über Vergebung. Sollte sie den letzten Trost geben, der hat nicht gleich ein Bibelwort gesagt, sondern der hat gesagt, ob er vergeben kann denen, die ihn hier hinrichten. Er sagt: Den kann ich nie vergeben, war aus politischen Gründen zum Tod verurteilt, kann nie vergeben. Er sagt: Dann kann ich Ihnen auch keinen Trost geben.
Vielleicht ist es unser Fehler, dass wir das Bibelwort immer so hinknallen und sagen: Komm, ich sage dann noch den 23. Psalm oder so. Dass es gebunden ist an mein Lossagen vom alten Wesen, und dann will Christus ergreifen. Corrie erzählt dann, wie er es genommen hat und wie er den Frieden gefunden hat und getröstet gestorben ist.
Es ist mir so wichtig, dass Sie in Ihren Schwierigkeiten das sagen, wenn Sie sagen: Ich lebe mit einem ungläubigen Partner zusammen. Macht er nichts. Eine Frau wird den Mann heiligen durch ihr Wesen. Und Sie dürfen einfach so in diesem mit der Kraft des Geistes Gottes wirken.
Fröhlich wirken, und die Kraft des Geistes Gottes wirkt in ihnen. Das sind höchste, höchste Worte. Was wir hier gehört haben, sind nicht bloß irgendwelche Moralanweisungen, gerade so hat es ja gar keinen Sinn, so ist gar nicht gemeint, sondern das sind Operationsmesser, die bis aufs Mark des Eiterherz hinuntergehen und alles rausschneiden. Der ganze Putzen muss raus.
Wo Zorn und Grimm ist und Hass und Bitterkeit, und dort kann erst der Geist Gottes uns erneuern und in uns wirken. Und das ist wichtig. Jetzt soll nachher keiner sagen, wir hätten nicht vom Heiligen Geist gesprochen, sondern da in der Lebensheiligung, in der Erneuerung unseres Wesens.