Generierte Mitschrift
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Ein Streit, der außer Kontrolle gerät
Im September 2024 wurde der ehemalige Nationaltorwart Jens Lehmann vor Gericht schuldig gesprochen und zu einer recht hohen Geldstrafe verurteilt. Er hatte einen Holzbalken an der Garage seines Nachbarn mit einer Kettensäge zersägt, um eine bessere Sicht auf den Starnberger See zu bekommen.
Hintergrund war ein langjähriger Nachbarschaftsstreit, da der Balken laut Jens Lehmann seine Sicht auf den See beeinträchtigte. So ging er im Juli 2022 mit einer Kettensäge bewaffnet auf das Grundstück seines 91-jährigen Nachbarn und zersägte den Balken.
Da fragt man sich natürlich als Außenstehender: Was geht in so einem Menschen vor? Muss ein Streit mit dem Nachbarn wegen eines Balkens so eskalieren?
Mein Predigtthema heute Morgen lautet: Wenn ein Streit zu eskalieren droht.
Der Predigttext kommt aus dem 1. Korinther 6,1-11. Und auch wenn die Kettensägen in Korinth zu Hause bleiben, geht es doch auch um Streitigkeiten in der Gemeinde, die eine gewisse Eskalationsstufe erreicht haben. Man könnte sagen: Die juristischen Kettensägen werden gezückt. Da greift Paulus ein, und ich lese den Text einmal am Stück vor: 1. Korinther 6,1-11.
Bringt es jemand von euch, der einen Rechtsstreit mit dem anderen hat, über sich, vor dem Ungerechten zu streiten und nicht vor den Heiligen? Oder wisst ihr nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden? Und wenn durch euch die Welt gerichtet wird, seid ihr dann nicht würdig, über die geringsten Dinge zu richten? Wisst ihr nicht, dass wir Engel richten werden? Wie viel mehr über Alltägliches?
Wenn ihr nun über alltägliche Dinge Rechtsstreitigkeiten habt, so setzt ihr die zu Richtern ein, die in der Gemeinde nichts gelten. Zur Beschämung sage ich es euch: Ist also gar kein Weiser unter euch, der zwischen Bruder und Bruder entscheiden kann? Sondern ein Bruder streitet mit dem anderen, und das vor Ungläubigen.
Es ist nun schon überhaupt ein Fehler an euch, dass ihr Rechtsstreitigkeiten miteinander habt. Warum lasst ihr euch nicht lieber Unrecht tun? Warum lasst ihr euch nicht lieber übervorteilen? Aber ihr selbst tut Unrecht und übervorteilt, und das Brüdern gegenüber.
Oder wisst ihr nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht ererben werden? Irrt euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener noch Ehebrecher noch Weichlinge noch mit Männern Schlafende, also Homosexuelle, noch Diebe noch Habsüchtige noch Trunkenbolde noch Lästerer noch Räuber werden das Reich Gottes ererben.
Und das sind manche von euch gewesen. Aber ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerechtfertigt worden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes.
Korinth als Gegenbild zu einer gesunden Gemeinde
Wir als Pastoren handhaben das ja bei uns so, dass jeder seine eigene Predigtreihe hat. Und in der Predigtreihe von Daniel Siemens zum 2. Thessalonicherbrief geht es um die Merkmale einer gesunden Gemeinde. Ich habe den Eindruck, in meiner Predigtreihe zum 1. Korintherbrief geht es um die Merkmale einer ungesunden Gemeinde.
Aber ganz ehrlich: Auch das ist doch ein Stück weit ermutigend. Stellt euch mal vor, wir hätten in der Bibel keine Negativbeispiele, alles läuft super. Dann würden wir uns mit unseren Schwachheiten und Sünden nirgendwo wiederfinden. Je länger ich Pastor bin, desto mehr verstehe ich die Korintherbriefe irgendwie. Aber das liegt natürlich nicht an euch als Gemeinde, sondern einfach an einer gewissen Menschenkenntnis und an Erfahrung. Und wenn man auf sich selber schaut, merkt man: Wir haben so häufig mit verschiedenen Dingen immer noch zu kämpfen.
Und doch brauchen wir auch die vorbildlichen Gemeinden, auf die wir schauen können. Insofern ergänzen sich diese Predigtreihen sehr, sehr gut.
Aber die Gemeinde in Korinth hat richtig viele Probleme. Ich glaube, es ist die Gemeinde in der Bibel, die die meisten Probleme hat. Wir haben schon von den ganzen Lagerbildungen in der Gemeinde gehört, die daher entstehen, dass man in Korinth geistliche Leiter hyped. Dann haben wir in der letzten Predigt gesehen, dass die Gemeinde mit einem Sexskandal nicht richtig umgeht. Das war 1. Korinther 5.
Und heute in diesem Text erfahren wir, dass die Streitigkeiten in Korinth so dermaßen eskalieren, dass die Gemeindemitglieder gegeneinander vor Gericht ziehen. Paulus bekommt das mit und spricht das Problem an. Und das führt uns zum ersten von drei Punkten.
Streit im passenden Rahmen klären
Wenn ein Streit zu eskalieren droht, dann schlichte ihn im richtigen Rahmen. Ich lese noch einmal Vers 1: „Bringt es jemand von euch, der einen Rechtsstreit mit anderen hat, über sich, vor den Ungerechten zu streiten und nicht vor den Heiligen?“
Der Begriff, den die Elberfelder Übersetzung hier mit „Rechtsstreit“ übersetzt hat, sollte hier zunächst einmal einfach nur mit „Streit“ übersetzt werden. Denn am Anfang ist es noch kein Rechtsstreit. So hat es auch die Lutherbibel übersetzt. Dort heißt es in der Lutherübersetzung in 1. Korinther 6,1: „Wie kann jemand von euch wagen, wenn er einen Streit hat mit einem anderen, sein Recht zu suchen vor den Ungerechten und nicht vor den Heiligen?“
Der Vorwurf ist: Wenn jemand einen Streit hat, dann macht er daraus einen Rechtsstreit, indem er zu ungläubigen Richtern geht, anstatt das Ganze innergemeindlich vor Gläubigen zu klären. Das machen die Korinther nicht. Sie machen einen Rechtsstreit daraus, und das vor Ungerechten.
Jetzt müssen wir wissen: Die Bezeichnung „Ungerechte“ meint hier zunächst einmal auch „Ungläubige“, weil sie hier im Kontrast zu den Heiligen steht. Also geht es um Ungläubige. Und dennoch haben wir hier einen juristischen Kontext. Das heißt, was hier schon auch noch mitschwingt, ist eine korrumpierte Rechtsprechung in Korinth, ungläubige Richter, die aber auch unrecht handeln.
Bruce Winter hat die Hintergründe von Korinth analysiert und schreibt: „Sozialer Status und rechtliche Privilegien waren im Römischen Reich eindeutig miteinander verbunden.“ Das heißt: Wenn du eine hohe Stellung in der Gesellschaft hattest, hast du vor Gericht auch eher Recht bekommen. Und das schwingt natürlich mit, wenn Paulus entrüstet fragt: Wie könnt ihr eure Streitigkeiten von Ungerechten klären lassen?
Aber seine Hauptbegründung ist theologischer Natur. Vers 2 und 3: „Oder wisst ihr nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden? Und wenn durch euch die Welt gerichtet wird, seid ihr dann nicht würdig, über die geringsten Dinge zu richten? Wisst ihr nicht, dass wir Engel richten werden? Wie viel mehr über alltägliche Dinge!“
Paulus argumentiert hier von endzeitlichen Wahrheiten aus, die uns gar nicht so geläufig sind, wenn wir ehrlich sind, oder? Aber seine Logik verläuft hier vom Größeren zum Kleineren. Er sagt: Wenn Gott mit der Gemeinde sogar das vorhat, wenn ihr in Zukunft das tun werdet, dann könnt ihr doch erst recht diese kleinen Dinge im Alltag irgendwie miteinander klären.
Wir finden in diesem Bibeltext Wahrheiten, die uns, wie gesagt, nicht so geläufig sind. Paulus sagt, die Heiligen werden in Zukunft die Welt richten. Das Ganze wird dann in Vers 3 noch einmal gesteigert: Nicht nur die sichtbare Welt, auch die unsichtbare Welt. Die Heiligen werden in Zukunft Engel richten. Ich denke, es geht hier um gefallene Engel.
Aber jetzt mal ganz ehrlich: Wusstest du das, dass die Heiligen in Zukunft die Welt richten werden? Noch nicht jetzt, aber in Zukunft.
Paulus nimmt hier wahrscheinlich Bezug auf eine Stelle im Buch Daniel. Dort sieht Daniel eine Zukunftsvision. In Daniel 7 heißt es in Vers 22: „Bis der, der alt an Tagen war, kam und das Gericht den Heiligen des Höchsten gegeben hat und die Zeit anbrach, dass die Heiligen das Königreich in Besitz nahmen.“
Und diese Wahrheit wird auch in der Offenbarung immer wieder wiederholt. Da gibt es ganz viele Stellen in der Offenbarung, die davon sprechen, dass die Heiligen irgendwann herrschen werden in Gottes neuer Welt, zum Beispiel Offenbarung 22,5: „Und Nacht wird nicht mehr sein, und sie bedürfen nicht der Lichter einer Lampe und des Lichtes der Sonne; denn der Herrgott wird über ihnen leuchten, und sie werden herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit.“
Ihr Lieben, ich glaube, wir unterschätzen viel zu schnell, was Jesus mit seiner Braut, mit seiner Gemeinde, alles vorhat. Braut und Bräutigam sind eins, und irgendwann wird diese Vereinigung stattfinden. Christus holt seine Braut zu sich, und sein Plan ist es, in der neuen Welt mit seiner Braut gemeinsam zu herrschen. Die Details können wir uns, ganz ehrlich, hier im Hier und Jetzt, glaube ich, schwer vorstellen.
Aber Paulus sagt trotzdem: Diese Zukunftsperspektive, die wahr ist, weil sie in Gottes Wort steht, sollte schon Auswirkungen im Hier und Jetzt haben. Wenn wir wissen, Gott hat das mit der Gemeinde in Zukunft vor, dann sollten wir uns schon jetzt entsprechend verhalten, angesichts dieser hohen Berufung.
Aber das machen die Korinther nicht. Stattdessen ziehen sie vor ein weltliches Gericht, und das bei Kleinigkeiten. Warum sage ich das? In Vers 2 und 3 macht Paulus das deutlich. Er sagt, es geht hier um die geringsten Dinge. Wegen der geringsten Dinge gehen sie gegeneinander vor Gericht, wegen alltäglicher Dinge. Wahrscheinlich geht es da um wirtschaftliche, um finanzielle Fragen, also eher Zivilangelegenheiten, vielleicht auch Nachbarschaftsstreitigkeiten, persönliche Konflikte. Deswegen gehen die Korinther gegeneinander vor Gericht. Es geht hier nicht um Verbrechen.
Und das ist eine ganz, ganz wichtige Beobachtung, die wir für die Anwendung dieses Textes festhalten müssen. Denn es gibt leider nicht wenige Fälle, wo Gemeinden Verbrechen vertuschen, die innergemeindlich passiert sind: häusliche Gewalt, Kindesmissbrauch, andere Angelegenheiten. Und dann wird auf 1. Korinther 6 verwiesen: Nein, nein, nein, das klären wir mal hier im kleinen Kreis unter uns.
Nein, in 1. Korinther 6 geht es nicht um Verbrechen. Dieser Text redet von Bagatellangelegenheiten. Da sollten wir nicht vor Gericht gehen. Wenn es um Verbrechen geht, gilt auch Römer 13, dass Gott einen Staat eingesetzt hat, und er hat dem Staat das Schwert gegeben, bildlich gesprochen, also die Vollmacht, Verbrechen zu bestrafen.
Deswegen denke ich nicht, dass 1. Korinther 6 auf innergemeindliche Verbrechen anzuwenden ist. Da gehen wir nicht gegeneinander vor Gericht. In solchen Fällen, etwa bei Kindesmissbrauch und so weiter, müssen juristische Konsequenzen auch innergemeindlich geprüft werden. Also: Hier in 1. Korinther 6 geht es um Bagatellsachen, und solche Dinge sollten in der Gemeinde geklärt werden. Aber das ist leider in Korinth so überhaupt nicht der Fall, Vers 4.
Warum das öffentliche Austragen beschämt
Wenn ihr nun über alltägliche Dinge Rechtsstreitigkeiten habt, so setzt ihr die zu Richtern ein, die in der Gemeinde nichts gelten. Gemeint sind hier die ungläubigen Richter, die vielleicht in der Gesellschaft einen ganz, ganz tollen Ruf genießen. Richter zu sein, ist eine gehobene Stellung, und gerade vom Aspekt der weltlichen Weisheit her haben sie eine hohe Position. Paulus sagt: In der Gemeinde gelten sie nichts.
Was meint er damit? Er sagt in 1. Korinther 2, dass ein Ungläubiger den Geist Gottes nicht hat und nichts von geistlichen Dingen versteht. Hier geht es um geistliche Fragen, wo man geistliche Weisheit braucht, wenn zwei Brüder untereinander sich in den Haaren haben. Da können wir nicht auf das Urteil eines Richters bauen, der den Geist Gottes nicht hat und dem die biblische Weisheit fehlt. Gott hat der Gemeinde die Weisheit gegeben durch den Heiligen Geist.
Und das ist total beschämend.
Vers 5: Zur Beschämung sage ich es euch: Also, gar kein Weiser ist unter euch, der zwischen Bruder und Bruder entscheiden kann, sondern er streitet Bruder mit Bruder, und das vor Ungläubigen.
Paulus sagt: Das, was ihr da in Korinth macht, ist doch so beschämend. Es ist eigentlich ein Armutszeugnis. Und wisst ihr, ich denke, es geht hier um ein Armutszeugnis in doppelter Hinsicht. Auf der einen Seite ist es ein Armutszeugnis vor der unsichtbaren Welt. Die unsichtbare Welt schaut ja immer zu. Warum sage ich das? Später in 1. Korinther 11, da geht es um die Kopftuchfrage, da kommen wir so gefühlt in einigen Monaten erst zu, da sagt er, die Engel gucken zu, was in der Gemeinde passiert.
Weiter sagt Paulus in Epheser 3,10, dass Gott seine mannigfaltige Weisheit der unsichtbaren Welt zeigen will. Wodurch? Durch die Gemeinde. Und wenn die Gemeinde so alles andere als weise handelt, beschämen wir unseren Herrn in der unsichtbaren Welt. Es ist ein Armutszeugnis für die unsichtbare Welt.
Ist uns das bewusst, dass wir immer unter Beobachtung sind? Sind wir uns dieser hohen Verantwortung bewusst? Wir sollten Gottes Weisheit innergemeindlich widerspiegeln.
Aber ich denke, das, worum es Paulus hier vor allen Dingen geht, ist: Es ist doch ein Armutszeugnis vor den Ungläubigen, wenn Christen untereinander vor Gericht ziehen. Das sagt er hier in Vers 6: sondern er streitet Bruder mit Bruder, und das vor Ungläubigen. Das heißt, den Korinthern ist das persönliche Recht wichtiger als das Zeugnis vor den Ungläubigen.
Eckhart Schnabel bringt es so wunderbar auf den Punkt in diesem Zitat, deswegen lese ich es zweimal vor: Wenn Gemeindemitglieder ihre schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit Korinths von Ungläubigen waschen lassen, beschneidet dies ihre missionarischen Möglichkeiten. Wenn Gemeindemitglieder ihre schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit Korinths von Ungläubigen waschen lassen, beschneidet dies ihre missionarischen Möglichkeiten.
Was sagt Jesus in Johannes 13,35? Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt. Das heißt aber, dass der Umkehrschluss doch genauso wahr ist: wenn wir uns hier innergemeindlich in den Haaren haben. Ganz ehrlich, nichts ist abstossender für den christlichen Glauben als das. Und das hat Paulus hier im Blick und sagt: Das könnt ihr doch nicht machen, das torpediert euer Zeugnis vor den Ungläubigen.
Vor einiger Zeit gab es eine sehr, sehr unschöne Begebenheit in einer Stadt Deutschlands, und die Stadt ist von Gemeinden übersät. Da ist an jeder Ecke eine Gemeinde. Jetzt können vielleicht einige schon wissen, welche Stadt es ist, das behalten wir mal für uns. Und da ist es zu folgender Situation gekommen: Eine Schwester aus der Gemeinde ist einem Bruder aus ihrer Gemeinde hinten drauf gefahren im Straßenverkehr. Der Bruder hatte wahrscheinlich gerade ein neues Auto, er steigt aus und er macht die Schwester öffentlich zur Sau, lautstark. Alle kriegen es mit, auch die Nichtchristen drumherum, die natürlich bei einem Unfall stehenbleiben.
Und der Schwester ist das so unangenehm. Ich meine, sie muss auf der einen Seite verarbeiten, dass sie gerade einen Unfall verursacht hat. Jetzt steht da vor ihr ein Bruder, der sie öffentlich zur Schnecke macht. Und sie kriegt das irgendwie noch gerade hin zu sagen: Aber wir sind doch Geschwister. Daraufhin sagt der Bruder: In der Gemeinde sind wir Geschwister, aber das hier ist was ganz anderes.
Oh weh, oh weh. Ganz tolles Zeugnis.
Ich habe von zwei Pastoren hier aus Deutschland gehört, die von ihrer Gemeinde abgesetzt wurden aufgrund von Disqualifikation und danach rechtliche Schritte erwogen haben gegen die eigene Gemeinde, die sie jahrelang geleitet haben. Ganz ehrlich, wenn du das hörst, denkst du: Die Absetzung war richtig.
Weißt du, teilweise gibt es Situationen, wo Nichtchristen den Nachbarschaftsstreit von Christen mitbekommen und sich einfach nur denken: Was ist das für ein Kindergarten.
Ihr Lieben, sind wir uns dessen bewusst, was es für verheerende Auswirkungen hat, wenn Ungläubige unsere Streitigkeiten mitbekommen? Das ist ein geistliches Desaster, oder? Aber sind wir uns dieser Tragweite bewusst? Das kann man so schnell ausblenden, weil es uns einfach nur um unsere persönlichen Befindlichkeiten geht.
Auf das eigene Recht verzichten
Deswegen sagt Paulus hier: Wenn ein Streit zu eskalieren droht, schlichte ihn im richtigen Rahmen.
Komm, wir denken mal zwei Szenarien durch. Angenommen, ein anderer Christ verkauft dir sein Auto. Vielleicht aus dieser Gemeinde. Zum Glück haben wir die Börsengruppe ja abgeschafft, aber es kann ja trotzdem hier und da noch dazu kommen. Und du stellst fest: Er hat dir Schrott verkauft. Er hat dir wirklich Schrott verkauft und Dinge verheimlicht, die du beim Kauf wissen müsstest. Du sprichst das an, und er beharrt auf seiner Sicht der Dinge und will dir keinen preislichen Nachlass geben. Das ist eine total unschöne Situation, oder? Die Frage ist: Erwägst du jetzt rechtliche Schritte gegen deinen Bruder?
Oder versetz dich mal in die Situation der Fotografin, die bei ihren Glaubensgeschwistern auf der Hochzeit Fotos macht. Das ist ihr Nebenjob. Da wurde von vornherein auch etwas vereinbart, was das Ganze kosten wird. Sie macht die Fotos, und am Ende gefallen der Braut die Fotos nicht, und sie sagt: Nö, zahlen wir nicht. Es ist alles schon vorgekommen. Nicht hier in der Gemeinde, aber es ist alles schon vorgekommen. Was machst du dann? Das ist wirklich böse, oder? Einfach das, was vereinbart war, nicht einhalten, du kriegst das Geld nicht, und das von Glaubensgeschwistern. Das tut besonders weh. Aber was machst du damit? Erwägst du juristische Schritte?
Paulus sagt: Wenn ein Streit zu eskalieren droht, schlichte ihn im richtigen Rahmen. Das heißt, versuch es innergemeindlich zu klären. In solchen Angelegenheiten geh nicht vor Gericht. Erwäge nicht juristische Schritte. Es geht hier um ein Zeugnis, das wir zu verlieren haben. Nimm einen weisen Bruder, eine weise Schwester mit dazu. So ein innergemeindliches Schiedsgericht müsste da gebildet werden, damit man das gemeinsam klären kann. Und unterschätze die Hilfe der Gemeinde nicht.
Vielleicht bist du jetzt ganz persönlich in so einer Situation und denkst dir vielleicht sogar: Ja, André, du hast gut reden, ich steck drin. Ja, natürlich ist das immer noch mal schwerwiegender, wenn man persönlich drinsteckt. Aber ich möchte dir mit diesem Text einfach Mut machen. Wenn Gott seine Gemeinde in Zukunft gebrauchen will, um die Welt zu richten, dann kannst du darauf vertrauen, dass Gott deinen Glaubensgeschwistern so viel Weisheit geben wird, dir zu helfen, wenn du in so einer Situation bist. Vertraue da auf seine Hilfe.
Deshalb: Wenn ein Streit zu eskalieren droht, schlichte ihn im richtigen Rahmen.
Wir kommen zum zweiten Punkt: Wenn ein Streit zu eskalieren droht, dann poche nicht auf dein Recht. Ich lese noch mal Vers 7 und 8: Es ist nun schon überhaupt ein Fehler an euch, dass ihr Rechtsstreitigkeiten miteinander habt. Warum lasst ihr euch nicht lieber Unrecht tun? Warum lasst ihr euch nicht lieber übervorteilen? Aber ihr selbst tut Unrecht und übervorteilt, und das Brüdern gegenüber.
Wisst ihr, ich liebe an Paulus, dass er einfach Klartext redet. Paulus sagt: Das ist ein Fehler, was ihr hier macht. Er hat eine klare Meinung dazu. Es ist ein Fehler, dass ihr Rechtsstreitigkeiten miteinander habt. Und dann stellt er zwei Warum-Fragen. Und diese Warum-Fragen zeigen: Das wäre der richtige Weg, um eine Eskalation zu verhindern. Warum lasst ihr euch nicht lieber Unrecht antun? Zweitens: Warum lasst ihr euch nicht lieber übervorteilen?
Noch einmal: Hier geht es nicht um Verbrechen. Hier geht es um finanzielle Dinge, hier geht es um materielle Dinge, um Nachbarschaftsstreitigkeiten. Paulus sagt: Wenn jemand durch einen Bruder oder durch eine Schwester finanziell oder materiell geschädigt wurde, dann ist es besser, sich trotzdem zurückzustellen, also auf sein Recht zu verzichten, sich Unrecht antun zu lassen, anstatt einen Prozess gegen Glaubensgeschwister zu führen. Das sagt der Text.
Aber die Korinther machen das Gegenteil. Vers 8: Aber ihr selbst tut Unrecht und übervorteilt, und das Brüdern gegenüber. Letztendlich sind diese Rechtsstreitigkeiten in Korinth nur ein Symptom, nur das sichtbare Symptom. Das Problem ist nicht der Rechtsstreit an sich. Das Problem ist die Haltung, die sie im Herzen haben. Ihnen ist ihr persönliches Recht wichtiger als die Ehre Gottes. Ihnen ist ihr persönliches Recht wichtiger als das Zeugnis vor Ungläubigen. Und das ist das Kernproblem.
Paulus selbst hat auf sein Recht verzichtet. Er erschlägt den Korinthern nicht, er erwartet von den Korinthern nichts, was er nicht selber gelebt hat. Paulus hat in Korinth auf sein Recht verzichtet. Das schreibt er in 1. Korinther 9, nur wenige Kapitel später, ab Vers 11. Und da geht es darum, dass die Korinther Paulus nicht finanziell unterstützt haben, obwohl er das Recht dazu hatte. Wollten sie nicht machen.
Paulus schreibt: Wenn wir euch das Geistliche gesät haben, was ist es da Großes, wenn wir von euch das Irdische ernten? Wenn andere an dem Recht über euch Anteil haben, nicht erst recht wir? Also Paulus sagt: Andere habt ihr finanziell unterstützt, uns wollt ihr einfach nicht finanziell unterstützen, dabei haben wir die Gemeinde gegründet. Dann sagt Paulus weiter: Wir haben aber von diesem Recht keinen Gebrauch gemacht, sondern wir ertragen alles. Also wenn Paulus ertragen muss, dann musste ihm Unrecht angetan worden sein. Und er sagt: Ich ertrage das, ich verzichte auf mein Recht. Was ist seine Motivation? Damit wir dem Evangelium kein Hindernis bereiten.
Paulus sagt: Ich habe auf meine Rechte verzichtet, weil für Paulus etwas wichtiger war als sein persönliches Recht. Deswegen hat er gesagt: Ich muss mein Recht nicht bekommen.
Jetzt sitzen hier vielleicht einige Bibelkenner, davon gehe ich aus, die sagen: André, Moment mal, du sagst jetzt hier, Paulus hat auf sein Recht verzichtet, aber es gibt ja auch Bibelstellen, da hat Paulus auf sein Recht gepocht. Richtig, sehr gute Beobachtung. An einigen Stellen hat Paulus auf sein Recht gepocht, und diese Stellen lehren uns: Wir als Christen sind nicht dazu berufen, immer alles mit uns machen zu lassen. Das sagt die Bibel auch nicht. Aber wir müssen jetzt sehr, sehr sorgfältig sein: In welchen Situationen hat Paulus auf sein Recht gepocht?
Das ist einmal die Situation in Apostelgeschichte 22. Da wollen römische Regierungsbeamte Paulus einfach geißeln. Und in dem Moment zückt Paulus seinen Personalausweis und sagt: Hallo, ich bin römischer Bürger. Und man darf laut Gesetz einem römischen Bürger nicht ohne Verhör einfach geißeln. Warum macht Paulus das? Er steht hier für sein Recht ein. Hier geht es nicht um Christen, hier geht es um Ungläubige, das müssen wir festhalten, und hier geht es um den Staat, der Unrecht handelt. Das heißt, wir wenden für uns an: Wenn wir sehen, dass der Staat Unrecht handelt, wenn Ungläubige aus der Obrigkeit Dinge tun, die nicht mit geltendem Recht übereinstimmen, dürfen wir uns auf das Recht beziehen und sagen: Moment, falsch! Hier lassen wir nicht alles mit uns machen.
Dann gibt es eine zweite Situation, wo Paulus auf sein Recht pocht. In Caesarea ist er mitten im Gerichtsprozess, und dann zückt er wieder sein römisches Bürgerrecht und sagt: Ich berufe mich auf den Kaiser. Ich will, dass dieser Prozess in Rom weitergeführt wird. Warum macht Paulus das? Warum greift er in diesem Fall auf sein römisches Bürgerrecht zurück? Aus strategischen Gründen. Paulus wollte so gerne nach Rom. Er wollte dem Kaiser das Evangelium sagen. Und deswegen pocht er auf sein Recht, aber nicht, weil es ihm um sich geht, sondern weil es ihm um die Ausbreitung des Evangeliums geht und er nach Rom will.
Und wir lesen in Philipper 4 ganz am Ende vom Leben von Paulus, da lässt er grüßen von den Heiligen aus des Kaisers Haus. Das heißt, irgendwie sind da Menschen zum Glauben gekommen, weil Paulus vor dem Kaiser stand. Das heißt, wir dürfen auf unser Recht pochen, aus strategischen Gründen, die mit dem Evangelium und nicht mit unserem persönlichen Recht zusammenhängen.
Und drittens: Paulus verteidigt sich persönlich auch unter Christen, wenn ein Angriff auf seine Integrität gefahren wird. Da geht es Paulus auch nicht darum, einfach nur sich zu verteidigen im Sinne von: Ihr tut mir unrecht. Ihm geht es darum, dass mit seiner Integrität auch das Evangelium zusammenhängt. Und nur deswegen verteidigt er sich, weil er für das Evangelium einstehen will.
Das heißt, in diesen Fällen hat Paulus auf sein Recht bestanden. In diesen Fällen dürfen wir als Christen auch auf unser Recht bestehen. Aber wenn es um das Wohl der Gemeinde geht, wenn es um das Wohl des Evangeliums geht, wenn es um Beziehungen geht, da war Paulus, und da müssen wir bereit sein, auf unser Recht zu verzichten. Es gibt für Paulus etwas Wichtigeres als sein eigenes Recht.
Ich möchte das mal konkret machen. Ich war hier vor einigen Jahren in einem Streitfall involviert, der stattfand zwischen einem Bruder aus unserer Gemeinde und einem Bruder aus einer anderen Gemeinde. Und ich muss jetzt, ich will Anonymität wahren, ich werde nicht so viele Details nennen, aber der Bruder aus der anderen Gemeinde hat von dem Bruder aus unserer Gemeinde etwas gefordert, was eigentlich total zu Unrecht war. Er hatte kein Recht auf diese Forderung. Da ging es um eine vierstellige Geldsumme. Die wollte er haben, weil dieser Bruder angeblich ihn zu etwas verleitet hat, wodurch ein finanzieller Schaden entstanden ist. Die Forderung war dubios, aber die beiden kannten sich, und die ganze Sache drohte zu eskalieren.
Und ich wurde damit eingeschaltet. Und ganz ehrlich: Es gab irgendwann in diesem Gespräch, und ich möchte es bewusst mal diesen heiligen Moment nennen, wo der Bruder aus unserer Gemeinde einfach entschieden hat: Weißt du was, ich zahle die Summe. Ich will nicht, dass die Sache hier eskaliert. Das ist genau das, was der Text sagt. Warum lasst ihr euch nicht einfach Unrecht tun, weil es etwas Wichtigeres gibt als unser Recht? Warum lasst ihr euch nicht übervorteilen?
Und er hat diesem Bruder diese Summe überwiesen, weil es ihm vor allen Dingen um die Ehre Gottes ging und nicht um sein persönliches Recht. Und es war ein größerer Betrag.
Meine Frage an dich heute Morgen lautet: Bist du vielleicht gerade dabei, in einer gewissen Beziehung oder in einer gewissen Angelegenheit für dein persönliches Recht zu kämpfen? Weißt du, die Bibel sagt, es ist besser, du lässt dich übervorteilen, als dass du für dein Recht einstehst und die Sache einfach nur weiter eskaliert. Lass dich lieber übervorteilen.
Aber weißt du, auf sein eigenes Recht zu verzichten bedeutet nicht, die Wahrheit beiseite zu schieben. Auf sein eigenes Recht zu verzichten bedeutet nicht, die Wahrheit zu frisieren. Wenn wir auf unser persönliches Recht verzichten, geben wir Wahrheit nicht auf, sondern wir machen deutlich, dass uns etwas wichtiger ist als unser eigenes Recht, auch wenn wir es vielleicht zu Recht hätten.
Die Liebe sucht nicht das Ihre, sagt Paulus ein paar Kapitel weiter. Die Liebe sucht nicht das Ihre. Ja, die Liebe freut sich an der Wahrheit, aber zugleich ist die Liebe bereit, alles zu ertragen, alles zu hoffen, alles zu glauben, alles zu erdulden. Die Liebe freut sich nicht über Ungerechtigkeit, aber sie ist bereit, auf ihr eigenes Recht zu verzichten.
Wo bist du gerade dabei, für dein persönliches Recht zu kämpfen? Ich muss Folgendes feststellen: In zwischenmenschlichen Beziehungen ist der Kampf für sein persönliches Recht oft der Beziehungskiller Nummer eins. Und wenn ich jetzt einfach mal mich als Negativbeispiel anführen darf: Wie oft hat mir meine Frau schon etwas gesagt, was sie verletzt, und ich habe für mein Recht und bin für meine Version der Dinge eingestanden. Eins kann ich euch sagen: Das führt nie zu Klärung. Und vielleicht kennst du das aus deinen Beziehungen. Wenn man auf sein Recht pocht, kommt man nicht weiter. Da pochst du so hartnäckig auf deine Version, und deine subjektive Wahrnehmung in einer bestimmten Sache wird irgendwie für dich objektive Wahrheit, für die du mit Nachdruck einstehst. Du merkst: Irgendwie komme ich damit aber auch nicht weiter.
Jim Daly, der Gründer der amerikanischen Organisation Focus on the Family, stellt eine ganz, ganz wichtige Frage, die ich heute an dich weiterleiten möchte. Die Frage lautet: Willst du Recht haben oder eine Beziehung? Lass das mal sacken. Willst du Recht haben oder eine Beziehung? Was willst du? Was willst du? Ich würde noch eine Frage hinzufügen: Willst du Recht haben oder Christus verherrlichen?
Weißt du, Christus hat alle seine Vorzüge im Himmel aufgegeben. Er hat seine Rechte auf alle göttlichen Privilegien aufgegeben und ist in unsere Not gekommen, in diese Welt. Er hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein. Er erlebte hier das Leben eines gewöhnlichen Menschen. Der Schöpfer wird zum Geschöpf und lässt sich von armseligen Menschen als König aller Könige Unrecht antun. Er verzichtet auf sein Recht. Warum? Weil es ihm nur um die Ehre Gottes ging. Er ward gehorsam bis zum Tod, ja zum Tod am Kreuz.
Und ich möchte dich heute ermutigen: Wenn du in einer solchen Situation bist, lass los, lass dein Recht los! Es ist so schwer, es ist so schwer. Aber ich glaube, dass Gott uns manchmal in seiner Souveränität bewusst in Situationen führt, wo Menschen uns Unrecht antun. Warum? Weil er uns weiterbringen möchte im Glauben, damit wir lernen können, Christus ähnlicher zu werden. Denn Christus war bereit, auf seine Rechte zu verzichten.
Und ich möchte dich ermutigen, vielleicht deine aktuelle Situation, in der du bist, mal mit dieser Brille zu sehen: Gott stellt mich hier in ein neues Trainingsfeld, und ich möchte Christus verherrlichen. Ich möchte mich so verhalten, wie er sich verhalten hat. Das ist manchmal so schwer. Unser Stolz, unsere Rechthaberei stehen uns so im Weg. Aber ich glaube, nichts macht Jesus mehr Freude, wenn du so handelst, wie er gehandelt hätte. Er ist es wert. Amen!
Wer du in Christus geworden bist
Und das führt uns zum dritten Punkt: Wenn ein Streit zu eskalieren droht, dann bedenke, wer du geworden bist. Dann bedenke, wer du geworden bist.
Ich lese die Verse 9 bis 11:
Oder wisst ihr nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Irrt euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, noch Ehebrecher, noch Weichlinge, damit ist wahrscheinlich der passive Homosexuelle gemeint, noch mit Männern Schlafende, noch Diebe, noch Habsüchtige, noch Trunkenbolde, noch Lästerer, noch Räuber werden das Reich Gottes erben. Und das sind manche von euch gewesen. Aber ihr seid abgewaschen, aber ihr seid geheiligt, aber ihr seid gerechtfertigt worden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes.
Es stellt sich bei diesen Versen im ersten Moment die Frage: Moment, wie passt das jetzt hier in den Gedankengang? Geht es dir auch so? Hier kommt jetzt so viel Neues. Aber der Schlüssel ist: Vers 9 knüpft an Vers 8 an. Paulus sagt in Vers 8: Ihr handelt ungerecht. Ihr Korinther handelt ungerecht. Und dann greift Vers 9 dieses Wort ungerecht auf: Oder wisst ihr nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Irrt euch nicht!
Paulus möchte deutlich machen: Ihr handelt hier eigentlich wie Ungerechte. Wie Menschen, die von ihrem ganzen Wesen her ungerecht sind, als Ungläubige, und deswegen auch nicht das Reich Gottes erben. Und dann führt Paulus in einer Auflistung verschiedene Formen der Ungerechtigkeit auf. Diese Aufzählung traf eben auf die Zeit vor der Bekehrung der Korinther zu: Weder Unzüchtige noch Götzendiener, noch Ehebrecher, noch Weichlinge, noch mit Männern Schlafende, noch Diebe, noch Habsüchtige, noch Trunkenbolde, noch Lästerer, noch Räuber werden das Reich Gottes erben.
Das sind alles Sünden, die das Leben eines Menschen bestimmen. Hier geht es nicht darum, dass der eine oder andere das einmal getan hat. Es ist der Ausdruck eines Lebensstils, der hier beschrieben wird. Es sind Menschen, die mit Gott nichts zu tun haben und deswegen auch keinen Erbteil im Reich Gottes haben.
Aber dann kommt eben Vers 11: Und das sind manche von euch gewesen. Paulus sagt, er hat hier gerade einige Sünden aufgelistet, und er denkt sich jetzt die Korinther vor sich und sagt: Ja, da sitzen sie in den Reihen. Das war früher euer Leben. Und ich bin so dankbar, dass es das auch bei uns gibt, in dem Sinne, dass wir Menschen, die auch ganz tief in Sünden drin waren, jetzt in der Gemeinde haben und sie nicht mehr die Menschen sind, die sie einmal waren.
Paulus sagt: Das sind manche von euch gewesen. Das war euer altes Leben. Aber jetzt ist etwas in euch passiert. Paulus sagt: Aber ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerechtfertigt worden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes.
Schaut mal, was Paulus macht. Er hat es hier mit einem Problem in der Gemeinde zu tun, und er sieht die Lösung im Evangelium. Er macht den Korinthern noch einmal deutlich: Hey, geht jetzt mit euren Rechtsstreitigkeiten nicht wieder zurück in euer altes Leben! Da kommt ihr her, aber das seid ihr doch nicht mehr. Und er führt ihnen einfach noch einmal ganz neu das Evangelium vor Augen. Er sagt: Ihr seid doch nicht mehr diejenigen, die ihr einmal wart. Da ist so viel passiert in eurem Leben.
Paulus sagt: Ihr seid abgewaschen. Das ist ja ein Bild für Reinigung. Euch wurde vergeben, das ist jetzt der Status. Paulus sagt: Ihr seid geheiligt, ihr habt eine neue Identität. Er spricht diese problembehaftete Gemeinde in 1. Korinther 1,2 an mit: An die Geheiligten in Korinth. Das ist eure neue Identität.
Und dann sagt Paulus auch: Ihr seid gerechtfertigt. Wisst ihr, was die Rechtfertigungslehre beinhaltet? Das ist eine der schönsten Lehren der ganzen Bibel. Die Rechtfertigungslehre beinhaltet auf der einen Seite eine Nichtanrechnung deiner Schuld. Sie wird dir nicht mehr angerechnet. Aber auf der anderen Seite beinhaltet Rechtfertigung die Zurechnung der Gerechtigkeit Christi. Und das ist ein forensischer Akt. Das ist nicht ein Prozess. Ich strenge mich ganz lange an, und irgendwann erklärt Gott mich für gerecht.
In dem Moment, in dem ein Sünder geistlich auf die Knie geht und seine Bankrotterklärung unterschreibt: Ich habe keine Gerechtigkeit, mein ganzes Hoffen ruht allein auf Christi Blut und Kreuzes Pein, Jesus ist meine einzige Hoffnung, auf ihn vertraue ich — in dem Moment erklärt Gott den Sünder für gerecht und rechnet ihm das gerechte Leben Jesu an.
Das heißt: Wenn du dein Vertrauen auf Jesus Christus gesetzt hast, dann hat dich Gott mit einem forensischen Akt für gerecht erklärt. Es ist nicht deine Gerechtigkeit, es ist eine fremde Gerechtigkeit. Es ist Jesu Gerechtigkeit, die dir angerechnet wird.
Und Paulus sagt: Genau diese Wahrheiten des Evangeliums sind die Lösung für das Problem in Korinth. Schaut mal, die Lösung liegt doch nicht in erster Linie in moralischen Appellen. Jetzt strengt euch doch mal an, ihr Korinther, macht das mal ein bisschen besser. Das funktioniert nicht. Das ist nicht Motivation genug.
Es gibt ja Personen, die besonders an Strenge glauben. Sie kommen zum Pastor und sagen: Pastor, hier gibt es so viele Probleme in der Gemeinde, den musst du mal so richtig die Leviten lesen. Das Problem ist: Es hat schon bei den Leviten nicht geklappt, die Leviten zu lesen. Es ist nicht die Lösung.
Die Lösung für deine Probleme, für meine Probleme, für unsere Probleme ist immer das Evangelium. Es war die Lösung an dem Tag, wo wir zum ersten Mal unsere Schuld vor Gott erkannt haben. Da war das Evangelium die Lösung. Aber das Evangelium bleibt auch die Lösung im Laufe deines Christseins. Es ist immer und immer wieder neu das Evangelium.
Das Evangelium ist nicht nur das ABC unseres Glaubenslebens, das Evangelium ist das A bis Z unseres Glaubenslebens. Dane Ortlund schreibt: Das Evangelium ist nicht nur die Eingangstür ins christliche Leben, sondern der Weg des christlichen Lebens. Es ist nicht nur das Starthilfekabel, um das christliche Leben in Gang zu bringen, sondern der Motor, der das christliche Leben antreibt.
Das heißt, deine Motivation und meine Motivation, auch gerade in so komplizierten Beziehungen auf unser Recht zu verzichten, kommt aus dem Evangelium. Vielleicht gibt es eine Person, die dir etwas schuldet und es dir einfach nicht gibt. Es kann ja ein sehr reales Szenario sein, das dich gerade betrifft, der du heute hier sitzt oder im Livestream zuschaust.
Bedenke, was für eine große Schuld dir vergeben wurde. Und deshalb kannst du loslassen, wenn ein Mensch dir etwas schuldig ist und es nicht geben will. Mal im Bilde gesprochen: Wenn dir eine Milliardenschuld vergeben wurde, die hättest du bezahlen müssen, die konntest du nicht selber bezahlen. Jesus hat gesagt: Ich zahl für dich. Wenn du das verstanden hast, dann kannst du loslassen, wenn dir jemand einfach nur ein paar hundert Euro schuldet, im Bilde gesprochen, weil du verstanden hast, wie viel Schuld dir erlassen wurde.
Das Evangelium motiviert dich, loszulassen. Außerdem sagt dir das Evangelium: Du wurdest gerechtfertigt. Das heißt, du bist vor Gott gerecht. Und die Tatsache, dass dir die Gerechtigkeit Jesu angerechnet wurde, kann dich motivieren, auf dein Recht zu verzichten. Du musst nicht mehr für dein Recht kämpfen, weil Gott, der ins Herz schaut, hat dich für gerecht erklärt. Und das motiviert, loszulassen.
Weiter sagt der Text: Du bist aber auch für heilig erklärt worden, du hast eine neue Identität bekommen. Das heißt, du musst nicht mehr so leben wie früher. Bedenke, wer du geworden bist.
Wisst ihr, wenn eine Frau in Deutschland heiratet, dann ist es ja meistens immer noch so, dass sie dann häufig den Nachnamen ihres Mannes annimmt. Daran muss man sich ja erst einmal gewöhnen, dann heißt man plötzlich ganz anders, von jetzt auf gleich. Und in den Wochen nach der Hochzeit muss sie das aber erst einmal noch ein bisschen verinnerlichen. Da klingelt das Telefon, und sie geht ans Telefon mit dem Namen Schmitz, obwohl sie schon Müller heißt. Das kann vorkommen, und sie muss sich immer daran erinnern, bevor sie ans Telefon geht, mit dem richtigen Namen dranzugehen.
Weißt du, wenn der Streit dich anruft, geh mit dem richtigen Namen ans Telefon. Du bist heilig. Du musst nicht mehr so reagieren, wie du früher reagiert hast. Christus hat dir eine neue Identität gegeben. In Christus liegt dein Halt, und deswegen darfst du loslassen zu seiner Ehre.
Wir möchten jetzt mit einem Lied antworten, ihr könnt schon mal nach vorne kommen. In diesem Lied geht es um völlige Hingabe, wo wir im Refrain singen: Mein ganzes Leben gebe ich dir. Und an einer Stelle geht es speziell um unsere Rechte. Deswegen habe ich das Lied ausgewählt. Da heißt es: Was meine Rechte wären, ich lege alles hin für ein neues Leben her.
Ich wünsche mir, dass das unsere Antwort auf diese Predigt ist. Lass uns gemeinsam aufstehen.
