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"Geistesgaben: Prophetie, Weissagung"

16.05.2011
SerieTeil 10 / 17Gaben in der Gemeinde
Die Geistesgabe der Prophetie

Ein persönlicher Einstieg mit einer heilenden Erfahrung

Ich habe euch eine Geschichte aus einem Buch von Johannes Reimer mitgebracht. Das Buch heißt „Aufbruch in die Zukunft“ und beschäftigt sich mit genau unserem Thema, nämlich mit Geistesgaben. Er beschreibt Folgendes:
Im Jahr 1974 verweigerte ich den Militärdienst. In der Sowjetunion, meinem Heimatland, galt ein solcher Schritt als Kapitalverbrechen. Und so begann für mich eine Tortur, die mit der völligen Zerstörung meiner Gesundheit endete. Ich kam 1976 nach Hause, mit einer ärztlichen Bescheinigung in der Tasche, nur noch höchstens zwei Jahre zu leben.
Nach dem ersten Gottesdienst in meiner Heimatgemeinde kam die alte Schwester Tina auf mich zu, umarmte mich und sagte dann liebevoll: Hab keine Angst, du wirst nicht sterben, Gott will dich heilen. Fahre nach Leningrad zum Ältesten Jakov Wassiljewitsch, der wird für dich beten, und Gott wird dich dann heilen.
Ich weiß nicht mehr warum, aber ich fuhr nach Leningrad, fand den Bruder, und dieser betete für mich nach einem langen seelsorgerlichen Gespräch. Langsam begann sich mein Körper von den Wunden zu erholen, und bald schon war ich so weit wiederhergestellt, dass ich arbeiten und reisen konnte. Die Schwester Tina hatte also recht gehabt. Sie hatte ein prophetisches Wort für mich, und dieses hatte sich erfüllt.
Ich möchte heute mit euch über ein Thema reden, bei dem ich kein Spezialist bin, das ich aber trotzdem total spannend finde und von dem ich glaube, dass es wichtig ist, dass wir als Gemeinde irgendwann einmal wissen, was wir darüber denken. Das Thema heißt Prophetie, anders übersetzt Weissagung. Es ist dasselbe Wort in der Bibel. Es hat mit dem Dienst des Propheten zu tun und in der kleinsten Form mit dem, was man eine Offenbarung nennt.
Wir steigen da mal ein, kommend aus Epheser 4. Wer sich erinnert: Der Bibelleseplan läuft noch, auch wenn ich ihn im Moment restlos ignoriere und immer wieder so tue, als würde ich an ihn denken. Aber in Wirklichkeit ist es so: Wir haben Epheser 4, wo steht, dass Gott Christen beruft und setzt, die einen als Apostel und dann geht es weiter, andere als Propheten, Evangelisten, Hirten, Lehrer. Wir haben alle davon behandelt, bis auf den Propheten. Das möchte ich heute gerne mit euch einfach mal angehen.

Warum das Thema sorgfältig geprüft werden muss

Ich finde es auch deshalb wichtig, sich darüber Gedanken zu machen, weil ich glaube, dass in den letzten Jahrzehnten sehr viel Scharlatanerie mit diesem Thema betrieben wurde und dass eine ganze Menge Verführung und auch Verletzung stattgefunden hat, gerade durch das Thema Prophetie. Deswegen ist ein kritischer, aber auch ein biblischer Blick auf das Thema so ungeheuer wichtig.
Weil ich weiß natürlich: Immer dann, wenn an irgendeiner Stelle etwas schiefläuft, ist die klassische Reaktion die, na dann lassen wir es ganz sein, auf die Seite. Und ich will wieder versuchen, in die Mitte zu kommen, um zu sehen, was sagt denn die Bibel jetzt zu diesem Thema.
Das Erste, was ich mit euch anschauen möchte, ist 1. Korinther 12,10, denn wir reden über Gnadengaben. Wir reden über dieses große Thema aus 1. Petrus 4,10, dass jeder eine Gnadengabe empfangen hat. Und deswegen will ich euch erst einmal in 1. Korinther 12 zeigen, dass wir es tatsächlich hier mit einer Gnadengabe zu tun haben.
Da heißt es in Vers 10: „Einem anderen aber Weissagung.“ Also: Gott gibt dem einen das, dem anderen das und einem anderen Weissagung.

Was biblische Weissagung von Wahrsagerei unterscheidet

Frage: Was ist Weissagung?
Der eine oder andere mag denken: Wenn ich an Weissagung denken würde, ohne zu wissen, wo ich herkomme, also ohne Bibel, dann würde ich an diese Mittelaltermärkte denken. Du läufst da durch, da steht dann irgendwo so ein Zelt, und da sitzt dann so eine Hexe drin mit so einer Kristallkugel. Wahrsagerei. Und es ist irre, wie viele Leute da reingehen. Es ist wirklich absolut irre. Da stehen Leute an, um sich die Zukunft voraussagen zu lassen.
Das ist biblisch damit überhaupt nicht gemeint mit dem Begriff Weissagung. Es geht eher in die andere Richtung. Wenn jemand Wahrsagerei betreibt oder wenn jemand zu Wahrsagern geht, dann ist Gott voll dagegen. In 3. Mose 19 heißt es zu dem Thema in 3. Mose 19,26: Ihr sollt nicht Wahrsagerei noch Zauberei treiben. Das sollen wir einfach nicht machen. Also wenn du da noch Bücher zu Hause hast mit solchen Inhalten: Heute ist der Tag, sie wegzuschmeißen.
Und dann Vers 31, immer noch 3. Mose 19: Ihr sollt euch nicht zu den Totenbeschwörern und zu den Wahrsagern wenden, ihr sollt sie nicht aufsuchen, euch an ihnen unrein zu machen. Ich bin der Herr. Also den Termin für die nächste Séance absagen. Sollen wir nicht machen. Okay, man muss ja einfach mal so praktische Theologie.
Das ist aber gar nicht damit gemeint. Wahrsagerei ist wirklich out. Weissagung bedeutet in der Bibel das, was Propheten machen, wenn sie den Mund aufmachen, wenn sie Sprachrohr Gottes sind. Eine Weissagung ist, was ein Prophet sagt, wenn Gott ihn benutzt. Also wenn Gott durch einen Menschen spricht, reden wir von Weissagung.
Und das kennen wir aus dem Alten Testament viel stärker als aus dem Neuen Testament. Im Alten Testament tauchen laufend irgendwelche Propheten auf. Ich gebe euch mal aus dem Neuen Testament nur eine Stelle: Matthäus 13,14. Jesus erzählt ein Gleichnis. Und dann sagt er in Matthäus 13,14: Und es wird an ihnen die Weissagung Jesajas erfüllt, die lautet ... und dann kommt ein Zitat.
Im Alten Testament gibt es einen Propheten, der redet im Auftrag Gottes. Er redet, er spricht in dem Fall über ein Prinzip. Und Jahrhunderte später kann Jesus darauf zurückgreifen und sagen: Wie damals Jesaja, der Prophet, geweissagt hat, so erfüllt sich das heute im Hinblick auf die Generationen, in der wir leben.
So möchte ich gerne den Begriff Weissagung gefüllt haben: Reden Gottes durch Menschen. Ein Mensch wird zum Sprachrohr Gottes.

Die Gefahr von Machtmissbrauch und die biblischen Prüfungen

Ihr könnt euch vorstellen: Das geht kleiner und grösser, vielleicht nur einmal, vielleicht am laufenden Band. Man muss noch einmal sehen, wie sich das vielleicht voneinander abgrenzen lässt.
Aber was euch auch klar ist: Wenn einer sich hinstellt und sagt: So spricht der Herr, dann ist das natürlich unglaubliche Macht. Stellt euch das vor: Da sagt jemand, der Herr spricht zu dir. Da ist die Gefahr, dass man Menschen manipuliert. Da ist die Gefahr, dass man Menschen verletzt, dass man Scharlatanerie betreibt. Natürlich ist das riesengross. Das ist eine ganz gefährliche Gabe.
Und deswegen gibt es auch im Alten Testament Testverfahren, so Indikatoren. Das Alte Testament kennt falsche Propheten. Falsche Propheten sind die, die, wenn Gott einfach draufhaut und sagt: Ich hätte gerne Busse, sich vorne hinstellen und sagen: Alles ist gut, und nichts ist gut.
Woran erkenne ich falsche Propheten? Es gibt zwei Möglichkeiten. Ich zeige euch das mal in 5. Mose 13. Es gibt zwei Dinge, an denen man falsche Propheten erkennen kann. Das Erste: Wir schauen uns einfach mal an, was sie denn da sagen. 5. Mose 13,2.
So ein Prophet kann nämlich nicht einfach alles von sich geben. Da gibt es bestimmte Regeln. 5. Mose 13,2: Und wenn in deiner Mitte ein Prophet aufsteht, also jemand sich hinstellt und sagt: Hallo, ich bin Prophet, oder einer, der Träume hat, und er gibt dir ein Zeichen oder ein Wunder, also schon jemand, der sagt: Na, Mann, jetzt hör mir mal genau zu, das, was so durch mich passiert, ein Zeichen, ein Wunder. Ich habe hier etwas vorzuweisen. Ich habe etwas, was eigentlich immer passiert, wenn Gott unterwegs ist.
Wenn so jemand aufsteht und das Zeichen oder das Wunder trifft ein, hat also jemand Dinge vorhergesagt, und die sind wirklich passiert, von dem er zu dir geredet hat, indem er sagte: Lasst uns anderen Göttern, die du nicht gekannt hast, nachlaufen und ihnen dienen, dann sollst du nicht auf die Worte dieses Propheten hören oder auf den, der die Träume hat. Denn der Herr, euer Gott, prüft euch, um zu erkennen, ob ihr den Herrn, euren Gott, mit eurem ganzen Herz, mit eurer ganzen Seele liebt.
Also wenn einer sich hinstellt und, egal was für grosse Dinge tut, sagt: Kommt, ich bin von Gott, schaut es euch doch an, es funktioniert doch alles, mir nach, und du hörst dir genau an, was er predigt, und du denkst: Der redet gar nicht von Gott. Wovon auch immer er redet, mit Gott hat das eigentlich nichts zu tun. Das ist ein fremder Gott, den er predigt. Dann ist völlig Wurst, was er an Zeichen und Wundern in seinem Leben hat. Dann muss man sagen: Danke, dir folge ich nicht.
Diese Idee geht bis hinein ins Neue Testament. Da heisst es in Römer 12,6 auch: Da wird der Inhalt einer Prophetie begutachtet. Römer 12,6. Eine andere Liste von Gnadengaben, ihr erinnert euch, da finden wir auch das Thema Weissagung wieder, und hier gibt es eine Ergänzung. Dieser Text in Römer 12,6 ist etwas exakter noch als der in 1. Korinther 12. Da heisst es: Da wir aber verschiedene Gnadengaben haben nach der uns verliehenen Gnade, so lasst sie uns gebrauchen, und dann kommt die erste: es sei Weissagung nach dem Mass des Glaubens.

Inhaltliche Maßstäbe und die Notwendigkeit geistlicher Nüchternheit

Bei mir in der Anmerkung steht wörtlich: nach der Analogie des Glaubens. Gemeint ist: Wenn ein Prophet etwas weissagt, dann kann er nicht einfach drauflos weissagen und plötzlich gilt alles nichts mehr, was vorhergesagt wurde. Stattdessen gibt es einen Maßstab. Es gibt Glauben im Sinne von Glaubensgut, von Glaubensinhalten.
Und wenn jetzt jemand sagt: Ach, ein Prophet, und übrigens, was ich euch immer schon sagen wollte, das mit Jesus, ja, das haben die früher mal geglaubt, aber heute geht es nicht mit Jesus. Heute machen wir es anders, heute kommt man auf einem anderen Weg in den Himmel. Dann muss man sagen: Stopp, nach Maß des Glaubens, nach dem, was orthodoxes Glaubensgut ist, das gilt weiterhin. Und wenn der etwas anderes sagt, dann mag er das irgendwoher haben, aber es ist keine Weissagung von Gott.
Und es geht noch einen Schritt weiter. 1. Johannes Kapitel 4: Da warnt der Apostel Johannes, und zwar sehr explizit. Ich bin immer wieder erschrocken, dass man sich so wenig Mühe bei dem Thema Propheten macht, diese Warnungen ernst zu nehmen. Da heißt es in 1. Johannes 4, ab Vers 1: Geliebte, glaubt nicht jedem Geist.
Christen sind nicht naiv. Doch sie sind es, aber sie sollen es eigentlich nicht sein. Christen sollen sehr nachdenkliche, prüfende, auch korrekte Leute sein, die ihren Glauben gut kennen und die nicht vorschnell auf andere hereinfallen. Das gilt sowohl für Lehre, das hatte ich euch gesagt bei dem Thema Lehrer: Bitte prüfen, schlagt selber eure Bibel auf. Das gilt aber auch beim Thema Prophetie.
Nicht jeder, der sich getrieben fühlt und der meint, etwas sagen zu müssen, kommt mit dem richtigen Geist daher. Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt ausgegangen. Es sind viele, es sind nicht nur ein oder zwei, es sind wirklich viele, die Menschen verführen wollen.
Woran erkennt man sie? Und wieder ist der Test der Inhalt dessen, was sie sagen. Hieran erkennt ihr den Geist Gottes: Jeder Geist, der Jesus Christus im Fleisch gekommen bekennt, ist aus Gott. Wenn so ein Prophet im Blick auf Jesus die richtige Theologie hat, dann kann ich sagen: Hey, du bist gut unterwegs, das ist in Ordnung.
Aber wenn jetzt ein Prophet anfängt, komische Dinge über Jesus zu predigen, und jeder Geist, der nicht Jesus bekennt, ist nicht aus Gott, dann heißt das: Wir müssen wissen, was ist denn das, was wir über Jesus glauben? Was ist denn richtig über Jesus? Damit wir die beurteilen können, die falsche Sachen lehren. Und deswegen ist Lehre an der Stelle tatsächlich wichtig, auch um Propheten zu beurteilen.

Warum Gemeinde auch Reibung und Prüfung aushalten muss

Das ist das eine Testkriterium: Was sagt der Inhalt? Passt das, was er hier predigt, was er prophezeit? Passt das mit dem, was ich von Gott weiß, überein?
Und ich werde nachher sagen: Mir ist bei dem Thema aufgefallen, dass wir alle Mimosen sind. Wir sind eine sehr mimösische Gesellschaft. Das Neue Testament ist da erstaunlich entspannt. Da redet einer los und sagt: Ich sage mal das. Und dann steht wahrscheinlich im Gottesdienst ein anderer auf und sagt: Ich mag dich jetzt nicht, ja, bah, dagegen. Und die können miteinander.
Wenn du das heute manches Mal machen würdest, was ich nachher vorstellen werde, wie es bei den Korinthern im Gottesdienst war, dann würdest du merken: Wir würden uns nach einem Gottesdienst zerstreiten. Aber da ist eine Sehnsucht da, wirklich aneinander zu reiben, miteinander das Wort Gottes zu entfalten und auch mal etwas zuzulassen, was vielleicht unangenehm ist. Wo jemand auch mal ein bisschen nach Hause geht und sagt: Das war jetzt vielleicht nicht so furchtbar erbaulich, ich habe ja eins reingekriegt.
Aber da ist so ein Reiben. Da ist der Versuch, auch mal jemanden zu bewerten, jemanden zu beurteilen, mal jemandem zu sagen: Hey du, mit dem, was du da sagst, das geht gar nicht. Ich mag das ja auch, wenn ihr zu mir kommt und sagt: War eine tolle Predigt. Ja, streicheln wir ein bisschen sein Ego. Aber viel besser von der Bibel her ist es, wenn jemand mal kommt und sagt: Nee, das war gar nichts. Hast du an den Vers gedacht? Nee, hast du nicht, hättest du aber mal. Das ist gut. Das ist wirklich gut, weil es uns gemeinsam weiterbringt.
Das zweite Prüfkriterium nach 5. Mose 18,22 und 5. Mose 18,20 muss ich nicht vorlesen: Das zweite Prüfkriterium ist, wenn jemand etwas Zukünftiges vorhersagt, ob es eintrifft. Wenn das nämlich nicht kommt, dann kannst du sagen: Ätsch, egal, was du bist, aber ein Prophet bist du nicht.
Und im Alten Testament war das eine sehr gefährliche Sache, weil die Leute nicht nur einfach mit dem Finger gezeigt haben, wie man ätsch sagt. Die haben noch ein paar Steine aufgehoben und die gleich hinterhergeworfen. Das ist Altes Testament, eine wirklich lebensgefährliche Sache.
Und trotzdem gibt es im Alten Testament haufenweise Probleme mit falschen Propheten. Wenn ihr euch an Jeremia erinnert, an das Buch, da passiert genau das, was ich vorhin schilderte. Gott will eigentlich Gericht üben, es steht Krieg bevor, beziehungsweise hat schon stattgefunden. Gott schlägt rein, Krankheit, Missernten, Vertreibung, alles ist da. Gott will Buße. Und irgendwo im Volk stehen die falschen Propheten und sagen: Friede, Friede, alles ist gut. Und Jeremia schüttelt davor und weiß nicht genau, wie er damit umgehen soll. Falsche Propheten sind ein Riesenproblem.

Die Gegenwart als Krise der Wahrnehmung

Und persönlich geht es mir so, dass ich glaube, wir stecken gerade in derselben Krise. Uns ist auch ein Stück weit der klare Blick für die Realität verloren gegangen.
Als ich ein junger Christ war – ich will sagen, ich bin es eigentlich gar nicht mehr, also, hm, gut –, das war so in den Neunzigern, ja, das ist so eine neue deutsche Welle, das ebbte gerade ab. Damals gab es eine riesige Prophetenbewegung. Ich hatte euch das ganz am Anfang schon einmal gesagt: Ich war immer so in zwei Welten zuhause, ja, so.
Und diese Prophetenbewegung, die war natürlich toll. Leute prophezeiten: Es wird eine weltweite Erweckung geben, mindestens eine europaweite Erweckung. Sie wird von Berlin und London ausgehen, ganze Völker erfassen, ganze Stadien werden gefüllt werden, bis zum Ende des Jahrtausends sowieso. Da würde dann alles ...
Das ist aber nicht passiert. Und statt dann zu sagen: Tut mir leid, irgendwie haben wir da etwas Falsches gesagt, habe ich Predigten gehört, in denen man den Gläubigen die Schuld gegeben hat. Ja, wenn ihr mehr geglaubt hättet, mehr gebetet, mehr gefastet, dann hätte Gott sich verwirklichen können.
Und da wurde ich sauer. Also da werde ich dann innerlich böse, weil: Wenn du Prophet bist, dann muss sich das auch dann erfüllen, wenn der andere mal einfach sein normales Leben lebt. Wenn Agabus prophezeit, dass da eine Hungersnot kommt, dann ist es völlig wurscht, wie gläubig die Gläubigen sind, dann kommt die Hungersnot. Und wenn sie nicht kommt, ist er kein Prophet.
Da habe ich mich wirklich geärgert, und ich fragte mich: Was soll das? Ich habe erlebt, wie Menschen in dieser Zeit mit diesen enormen Verheißungen, die sich dann nicht erfüllt haben, verletzt wurden. Wie sie viel investiert haben, und dann ist das wieder zurückgefallen. Wie der Glaube nicht gewachsen ist. Es hat mir wehgetan, die Menschen zu sehen.
Und dann bin ich einen Schritt weitergegangen und dachte mir: Eigentlich ist das Problem sogar viel größer. Wir verlieren den klaren Blick auf das, was wirklich in diesem Land los ist. Vor lauter: Boah, wir sind die Generation, die die Erweckung erleben wird, habe ich den Eindruck, schauen wir nicht mehr hin, in was für einer Generation wir tatsächlich leben.
Dass wir in einer Generation von Christen leben, die einen dramatischen geistlichen Niedergang erlebt. Dass nicht mehr, sondern weniger gebetet wird. Dass nicht mehr Nähe zum Wort Gottes da ist als vor zwanzig Jahren, sondern weniger Nähe zum Wort Gottes da ist. Dass sich die christliche Szene in immer unnötigeren, kleinlichen Streitigkeiten verstrickt. Dass Christen in heimlichen Sünden gebunden sind. Dass Ehen desolat werden und jetzt auch unter Christen immer mehr zerbrechen. Dass zum Thema Kindererziehung ein absolutes Toho-Wabo in den Köpfen herrscht.
Es ist gerade nicht so, dass wir in einem Zeitalter der Erweckung leben. Es ist gerade andersherum!

Persönliche Konsequenzen und die Frage nach echter Umkehr

Und meine Sorge ist, dass Leute, die ich heute als falsche Propheten bezeichnen würde – und das müssen sie selber mit Gott ausmachen, was sie da prophezeit haben –, uns den Blick für die Realität vernebelt haben. Sie haben eine Generation davon abgehalten, das zu tun, was eigentlich nötig gewesen wäre, nämlich Buße, echte neue Hingabe zu fordern und wirklich umzukehren, zusammenzurücken und zu der Art von Christen zu werden, die Gott sich wünscht.
Stattdessen haben wir heute eine zerklüftete Landschaft in der Christenheit, mit, ich weiß nicht, immer ausgefeilteren Ideen christlicher Patchwork-Spiritualität, wo am Ende irgendwie jeder sich alles selber zusammenbastelt. Zwei Leute, zwei Gemeinden – das ist so ein bisschen die Richtung, wo es im Moment hingeht. Und ich stehe davor und denke mir: Wo kommt das her?
Und ich habe die Sorge, dass hier ein Grund liegt, in dem Bereich der Prophetie und des Umgangs damit, wo wir nicht wachsam waren, wo wir die Bibel nicht an uns herangelassen haben. Ich will das ganz ehrlich sagen: Wenn jemand zu mir kommt und sagt: Gott hat mir gezeigt, dann nehme ich dich ernst, aber ich prüfe dich. Und ich bin skeptisch. Und ich bin deshalb skeptisch, weil die Bibel sagt: Sei skeptisch. Ich bin nicht grundsätzlich skeptisch, vielleicht auch das, aber an der Stelle bin ich dreimal skeptisch.
Und wenn jemand sagt: Du darfst mich nicht prüfen, dann hast du nicht verstanden, worum es bei Prophetie geht. Und ich möchte auf der anderen Seite auch nicht darunter fallen und sagen, es gibt Prophetie grundsätzlich nicht. Nein, der Geist Gottes gibt, wie er will. Das muss stehen bleiben. Und wenn Gott jemandem etwas offenbaren will, was er gar nicht wissen kann, ja, dann soll er das tun.
Nur er muss damit leben und rechnen, dass ich nicht einfach, nur weil er die drei Worte „so spricht der Herr“ davor setze, dass ich ihm alles abnehme. Das mache ich nicht mehr.

Prophetie in der Gemeinde des Neuen Testaments

So, wie ist das mit den Weissagungen? Im Neuen Testament, in der Apostelgeschichte, wenn wir uns einfach mal die Gemeinde anschauen: Wie ticken die Gemeinden in der Apostelgeschichte? Ich will nicht sagen, dass wir alles übernehmen müssen, was in den Gemeinden ist. Ich will nicht im Sinne von: Bitte zurück zu den Pferdefuhrwerken und so. Ja, alles muss nicht genauso laufen wie im ersten Jahrhundert, da leben wir nicht mehr.
Und trotzdem: Wenn ich da einfach mal reinschaue, wie so den Deckel mal aufmachen, mal schauen, was blubbert denn da drin, das ist für mich Apostelgeschichte. Dann stelle ich fest: Apostelgeschichte 13,1, das ist die erste Gemeinde, in der sich Juden und Heiden zusammenfinden, also genau der Schmelztiegel, der dann für den Rest der Kirchengeschichte so zusammenbleibt. Es waren aber in Antiochia in der dortigen Gemeinde Propheten und Lehrer. Spannend, also für mich total spannend, dieses Zusammenspiel zwischen diesen beiden Gruppen.
Bei einem Lehrer wissen wir sehr genau, was sein Dienst ist. Ein Lehrer ist einer, der anderen biblische Lehre weitergibt. Und hier, die beiden, die Lehrer und die Propheten, die tun sich zusammen, die werden extra herausgegriffen. Es scheint also eine größere Nähe zwischen den beiden Diensten zu geben, als man so auf Anhieb vermutet.
Andere Stelle, Kapitel 11: Der gute Agabus, den will ich euch wenigstens mal zeigen, Vers 27 und 28, wie praktisch damals Propheten gesprochen haben. Apostelgeschichte 11,27-28: In diesen Tagen aber kamen Propheten von Jerusalem nach Antiochia herab. Einer aber von ihnen mit Namen Agabus stand auf und zeigte durch den Geist eine große Hungersnot an. Und in der damaligen Zeit natürlich ein irres Ding zu wissen: Oh, da kommt was. Missernte, wir müssen vorsorgen.
Denn nicht so wie heute, wo du sagst: Okay, wenn in Afrika nichts geerntet wird, kaufe ich trotzdem bei Kaisers ein. Sondern wenn es damals, wenn niemand wusste, da kommt etwas auf uns zu, dann konnte man vorsorgen, man konnte überleben. Und eine große Hungersnot ist eine irre Gefährdung, die über den ganzen Erdkreis kommen sollte. Sie trat auch unter Claudius ein. Spannend, oder? Da sagt einer: Freunde, passt auf, große Hungersnot, richtig fettes Ding, bereitet euch vor. Und dann kommt das Ding, wir sind vorbereitet, sie sind vorbereitet.
Vers 29: Sie beschlossen aber, dass, je nachdem, wie einer der Jünger begütert war, jeder von ihnen zur Hilfeleistung den Brüdern, die in Judäa wohnten, etwas senden sollte. Schön, die waren vorbereitet. Das ist eine Idee von Prophetie. Gott gibt Informationen, die sonst keiner wissen kann.

Prophetie als Ermutigung, Erbauung und Hilfe

Agabus stand ja nicht da und sagte: „Ja, ich bin ein großer Wetterexperte. Ja, ich habe hier den Bauernkalender, den Hundertjährigen, studiert, und da steht drin: Ja, in drei Jahren ist es so weit oder so.“ Nein, der sagt, er hat das von Gott bekommen, und hat sich getraut, das zu sagen. Da ist es schon mutig, sich hinzustellen und zu sagen: Ich verheiß euch das jetzt mal.
Weiß ich, ob ihr das Institut, das immer einmal im Jahr die Vorhersagen der Wahrsager überprüft, ob er das auch mit so viel Genuss lest wie ich? Einmal im Jahr, am Anfang des Jahres, werden die Vorhersagen dann für das Jahr davor geprüft. Mit schöner Regelmäßigkeit fallen all diese sogenannten selbsternannten Wahrsager immer durch. Die haben immer daneben gelegen. Obama ist nach Wahrsagern schon x-mal umgebracht worden. Dass der noch lebt, das geht gar nicht. Und die wirklich wichtigen Sachen: Die Deutschen haben übrigens auch nicht die Fußballweltmeisterschaft gewonnen, das wurde auch vorhergesagt, es tut mir leid. Da ist nichts Wahres dran.
Aber jetzt kommt so einer und hat wirklich die Wahrheit. Wo kommt das her? Von dem, der weiß, was kommt. Aber jetzt wird es spannend. Wir müssen noch ein Stück mehr rein. Wozu dieses ganze prophetische Ding? Nur für was weiß ich, die Lottozahlen oder die nächste Hungersnot? Nein, ich glaube nicht. Apostelgeschichte 15,32 zeigt in eine etwas andere Richtung. Und dann merkt ihr auch, warum das der Lehrer und der Prophet so dicht beieinander stehen. Da heißt es nämlich: Und Judas und Silas – das sind Silas wenigstens Mitarbeiter von Paulus – und Judas und Silas, die auch selbst Propheten waren, ermunterten die Brüder mit vielen Worten und stärkten sie.
Ganz interessanter Satz, dieser Einschub. Ein Prophet ist einer, der andere ermuntern und stärken kann. Jetzt springen wir mal zu 1. Korinther 14, das Standardkapitel für das ganze Thema. Springen wir da mal rein. 1. Korinther 14,3. Es geht in dem Kapitel um die Frage: Wenn in einer Gemeinde Prophetie und Sprachenrede – haben wir noch nicht drüber gesprochen, kommt noch – wenn man die miteinander vergleicht, was ist wichtiger? Paulus wird sich sehr stark für das Thema Prophetie, für Weissagung, aussprechen.
 1. Korinther 14,3: Wer aber weissagt, redet zu den Menschen zur Erbauung und Ermahnung und Tröstung. Wow, als ich den Vers studiert habe, war ich echt überrascht, weil ich merkte, wie dicht in unserer Zeit bei einer Predigt ein prophetisches und ein lehrhaftes Element zusammengehen. Also wie man nicht sagen kann: Der Lehrer ist halt der, der, wenn er den Mund aufmacht in der Gemeinde, ermutigt und vielleicht auch mal tröstet und auch mal stärkt und je nachdem, was er halt sagt. Und der, der die Gabe der Barmherzigkeit hat, der macht das vielleicht mehr im Privaten, dass er andere unterstützt mit seiner Gabe. Aber hier kommt der Prophet rein, einer, der von Gott eine Offenbarung, das heißt einen spontan gottgegebenen Eindruck bekommt. Der tritt an die Seite eigentlich des Lehrers in der Gemeinde und stärkt und ermutigt und tröstet. Er kennt das Prinzip.
 1. Korinther 14,3: Wer aber weissagt, redet zu den Menschen zur Erbauung, Ermahnung und Tröstung. Das heißt, Prophetie beginnt da, wo ich einen spontanen Eindruck habe. Ich habe mich nicht vorher hingesetzt, die Gebetsliste durchgeschaut und dann überlegt: Was fällt mir alles zu Tabea ein? Sondern ich habe den Eindruck: Gott möchte, dass ich Tabea etwas sage. Für eine Gemeinde oder Weissagung ist das für eine Gemeinde zu einem ganz wichtigen Mittel. Es wird zu dem Mittel, um wirklich glauben zu können, dass Gott in unserer Mitte ist.
 1. Korinther 14,22: Daher sind die Sprachen zu einem Zeichen, nicht für die Glaubenden, sondern für die Ungläubigen. Das reden wir ein andermal drüber. Jetzt kommt es: Die Weissagung aber nicht für die Ungläubigen, sondern für die Glaubenden. Weissagung, die Fähigkeit zu erleben, dass da Menschen sind, die von Gott benutzt werden, auch auf eine übernatürliche Weise Dinge anzusprechen, ist ein Zeichen für die Gläubigen. Es ist für uns, damit wir begreifen: Boah, Gott ist wirklich eine Realität. Man kann das vergessen. Das heißt nicht, dass Weissagung sich immer nur auf Gläubige begrenzt.
Schon das erste Beispiel, das Paulus hier in Vers 24 und 25 zeigt, was er meint, da sagt er dann: Wenn aber alle weissagen – es geht um Gottesdienst, er wird später regeln, dass, wenn die das alle gleichzeitig machen, das nicht so der Hit ist –, aber wenn hypothetisch, wir übertreiben mal, wenn alle diese Gabe hätten: Wenn aber alle weissagen und irgendein Ungläubiger oder Unkundiger kommt herein – ja, da geht die Tür auf, da kommt jemand rein und sagt: Hallo, ist hier Gottesdienst? So, und alle weissagen, alle haben diese Gabe, sie sehen ihn und kriegen einen spontanen Impuls und sagen: Haha, Geld unterschlagen. Der andere sagt: Falsch geparkt gestern, Knöllchen gekriegt, ja. Und der andere sagt: Na, wie war es mit deiner Sekretärin, ja. So ein bisschen die Idee. Da steht er vor, der steht da, und bevor er sich so richtig hingesetzt hat, haben fünf Leute ihm gesagt, was er in der letzten Woche falsch gemacht hat.
Das ist so das, was Paulus hier beschreibt. Wenn aber alle weissagen und irgendein Ungläubiger oder Unkundiger kommt herein, so wird er von allen überführt und von allen beurteilt. Der will definitiv nicht lange hierbleiben. Das Verborgene seines Herzens wird offenbar. Und ich rede nicht davon, dass du bei jemandem, der keinen blassen Schimmer von der Bibel hat, sagst: Ich habe den Eindruck, dass du noch nicht ganz an Gott glaubst. Ja, das ist richtig, da kommt jeder hin. Sondern schon ein bisschen, dass du sagst: Hier kommt eine echte Offenbarung.
So wird er auf sein Angesicht fallen und wird Gott anbeten und verkünden, dass Gott wirklich unter euch ist. Wahnsinn! Darum geht es, dass wir einander Dinge sagen können, die wir eigentlich gar nicht wissen, und auch anderen das sagen können. Also wenn man diese Gabe hat, sagt nicht, dass das jeder tun muss. An anderer Stelle wird die Frage gestellt: Ist jeder ein Prophet? Nein, wir haben unterschiedliche Gaben. Aber in diese Richtung geht es. Und wir sagen es dem anderen, um ihm wirklich zu helfen.
Die beste Hilfe ist, ihm zu sagen: Hey, du brauchst Gott. Die nächstbeste Hilfe ist, ihm zu sagen: Du, ich bringe eine Sünde ans Licht, die du eigentlich am liebsten verstecken würdest, damit du gesund wirst. Und dann fällt uns noch viel ein, bis wir am Ende bei den Hungersnöten ankommen.

Ordnung, Prüfung und geistliche Disziplin im Gottesdienst

Das Thema ist in Korinth so universal, dass in 1. Korinther 11 extra geregelt wird, wie die äußerlichen Zeichen von Prophetie bei Männern und Frauen sind. Ich will jetzt nicht über Kopfbedeckung reden, aber ich will zeigen, dass es so weit verbreitet ist, dass Paulus extra noch einmal etwas dazu sagt, dass Frauen mit einem bedeckten und Männer mit einem unbedeckten Kopf weissagen sollen.
So selbstverständlich wird das in der Gemeinde gehandhabt. Und das hat etwas damit zu tun, dass hier eine Lanze gebrochen wird. Für Frauen, die reden, werden wir das vielleicht an einer Stelle noch einmal ein bisschen erweitern müssen, dieses Thema. Aber hier wird wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass Frauen ihren Wortbeitrag in diesen Zusammenkünften, die ich jetzt einfach mal Gottesdienst nenne, auch gebracht haben. Dass das tatsächlich so ist, dass Prophetie Teil des Gottesdienstes ist.
 1. Korinther 14,26: Was ist nun, Brüder, wenn ihr zusammenkommt? So hat jeder, und dann kommt dann irgendwann eine Offenbarung. Da steht nicht: Ihr müsst es haben. Das ist nicht ein Gebot, es ist eine Beschreibung. Wie war das bei den Korinthern? Die treffen sich, und wenn Markus fragt: Hat jemand uns was mitgebracht, was er uns sagen möchte?, dann wird es normalerweise in üblichen Gemeinden ruhig. Zeugnis geben ist nicht so unsere Sache.
Bei den Korinthern gingen alle Hände hoch. Ja, total hip, ja, jeder hatte was mitgebracht, ja, alle wollten auch was machen, jeder wollte nach vorne ins Rampenlicht stehen, für eine Weile der Shootingstar sein. Oh, das hat Gott dir gezeigt, und das hast du verstanden, bah, das dir begegnet, Wahnsinn, und ich habe so ein neues Lied geschrieben, super. Das waren die Korinther.
Und weil die das dann auch noch gleichzeitig gemacht haben, war es ein bisschen kompliziert, im Gottesdienst noch zu verstehen, was der eine oder andere sagt. Aber grundsätzlich ist das gut. Sie bringen diese Offenbarung mit, diese Eindrücke, diese Impulse. Und auch wenn sie in der Gefahr stehen, als Selbstdarsteller das zu übertreiben, was Paulus jetzt hier macht, ist einfach: Er bringt ein bisschen Ordnung rein.
Er sagt nicht grundsätzlich, dass es falsch ist, dass es diese Gefahr gibt, der falschen Propheten und der Selbstdarsteller. Sondern er sagt: Wir müssen das ordnen. Und auch an anderer Stelle, 1. Thessalonicher 5, wird diese schöne Ausgeglichenheit praktiziert. 1. Thessalonicher 5,19-20, das ist so ein bisschen die Kernstelle, wenn wir uns über Prophetie und Weissagung Gedanken machen wollen. Hier, das finde ich am super ausgeglichensten formuliert.
Da heißt es: Den Geist löscht nicht aus. Pass auf, dass da, wo Gottes Geist wirkt, du nicht einen Deckel drauf machst und den Ofen aus, dass da nichts mehr köchelt, dass der Geist Gottes gerne Dinge tun würde. Und das gilt natürlich für alle Gaben, es gilt aber vor allem für die Gaben, die so ein bisschen schwieriger sind, wo man eher mal anecken kann. Und einen Eindruck hat: Ob ich mich das jetzt traue? Ich habe da so den Eindruck, dem anderen etwas zu sagen, schwierig.
Das Gebot heißt: Den Geist löscht nicht aus. Und dann wird explizit nachgeschoben: Weissagungen verachtet nicht.

Prüfen statt blind übernehmen

Anscheinend ist das schon ein Problem, dass man Weissagungen verachtet. Man denkt: Das braucht man nicht, das ist nicht so wichtig. Ich sage mal ein bisschen frech, das ist jetzt böse: Wir haben vielleicht mehr, wir haben ja die Bibel, wir brauchen jetzt nicht noch mehr.
Und das ist richtig: Wir haben die Bibel, und sie ist unser Massstab. Aber sind wir wirklich sicher, dass wir zur Erbauung, zur Ermahnung, zur Tröstung und, wie wir es gesehen haben, im Bereich der Evangelisation nicht auch das andere verwenden sollten, wenn Gott es anbietet?
Ich falle nicht auf die andere Seite runter, bitte. Jetzt müssen wir alle ausprobieren: Wie ist das denn? Was hast du denn für innere Stimmen gehört und Eindrücke? Ich glaube, da, wo eine Gabe ist, wird das den Leuten selber klar. Wir hätten auch kein Seminar darüber veranstalten müssen. Aber ich möchte in die Mitte zurück und die Frage stellen: Sind wir Menschen, die dieses Thema überhaupt auf dem Schirm haben?
Das ist natürlich nicht so auf dem Schirm, weil wir aus einer bestimmten Richtung kommen. Und so ein Vers wird dann immer so ein bisschen: Na ja, Weissagung verachtet nicht, steht halt auch in der Bibel. Wir haben alle unsere kleinen Gebote, die wir nicht so ganz ernst nehmen, und das ist dann halt auch eins davon.
Jetzt geht es aber weiter: Prüft aber alles. Denn was da hinten rauskommt, darauf muss man schauen. Warum der da sagt, was er da sagt, wenn er von vorne sagt: So spricht der Herr, oder: Ich habe den Eindruck, das muss man prüfen. Prüft aber alles. Das heisst: Keine einzige Prophetie geht ungeprüft einfach durch. Das Gute haltet fest.
Schön, wir lassen alles zu und dann zerpflücken wir es. Und das, was taugt, bleibt einfach dabei. Wie sich das im Kontext der Korinther anhört, 1. Korinther 14 nochmals: Wollt ihr wissen, woher ich weiss, dass ich kein Prophet bin? Ich kann es euch noch kurz erzählen.
Ich habe manchmal so Eindrücke gehabt in Gesprächen: Das müsstest du ansprechen. So klassisch, ich bin ja auch kein guter Seelsorger, ja. Aber wenn man es dann mal macht, dann hat man so den Eindruck. Da betet man innerlich: Herr, zeig mir, wo das Problem liegt. Dann ploppt irgendwas hoch. Ah, danke. Dann spricht man das an, und der andere sagt: Nein, das ist es definitiv nicht.
Das ist mir einfach so oft passiert, dass ich inzwischen ziemlich sicher bin, dass ich an der Stelle keine Gabe habe. Das heisst nicht, dass ich es nicht erlebt habe in bestimmten seelsorgerlichen Gesprächen, dass ich echte Offenbarungen erlebt habe. Also dieses Einzelmal schon. Aber so wie eine Gabe, etwas, was man mit einer gewissen Regelmässigkeit praktiziert, wo man sagt: Da kann man etwas entfalten und ausbauen und darauf aufbauen. Nein, das ist nicht meins.
Jetzt reden wir über die, die die Gabe haben im Gottesdienst. 1. Korinther 14,29: Propheten aber lasst zwei oder drei reden, und die anderen lasst urteilen. Merkt ihr das? Zwei oder drei, nacheinander, ja bitte schön geordnet, nicht zu viele von denen. Es gibt auch einen Propheten-Overkill. Das ist auch nicht gut für die Gemeinde.
Vers 30: Wenn aber einem anderen, der da sitzt, eine Offenbarung zuteil wird, so schweige der Erste. Also wenn da einer gerade am Reden ist und dann merkt ein anderer: Oh, jetzt habe ich eine, meldet er sich, und der Erste soll dann schnell zum Ende kommen. Das kann der auch, weil das nichts Ekstatisches ist. Es heisst: Denn ihr könnt einer nach dem anderen alle weissagen, damit alle lernen. Auch das wieder ganz interessant: Es geht um Lernen. Es ist tatsächlich dieses Einander erbauen, und alle getröstet werden.
Und die Geister der Propheten sind den Propheten untertan. Ja, wenn der eine sagt: Jetzt ist gut, oder der eine meldet sich: Ich würde jetzt gerne, dann hört der andere einfach auf. Der ist ja nicht so im Schumi und muss da irgendwie so immer vor sich hin. Nein, da kann der andere sagen: Gut, man muss auch nicht alles sagen, was einem so innerlich drin ist. Dann kann man mal aufhören, den Nächsten drankommen lassen, einer nach dem anderen. Und dann macht man immer so zwei, drei, und danach wird geurteilt. Und das ist fies, oder?

Die Spannung zwischen Offenheit und geistlicher Beurteilung

Stell dir vor, du stehst vorne und denkst: Habe ich einen inneren Eindruck? Ich gebe den Eindruck mal weiter. Und dann steht da jemand auf und denkt: Oh nein. Und er fängt an, das auseinanderzunehmen.
Der denkt einfach mal darüber nach, ob das, was du gesagt hast, eigentlich biblisch ist. Und jetzt stellt euch einen Gottesdienst vor, in dem jemand sagt: Du, das war komplett an der Bibel vorbei. Und das ist nicht schlimm.
Da kommt man wieder in den Gottesdienst und sagt: Okay, ist mir halt passiert. Gut, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast. Nicht dieses: Oh, das darf man aber gar nicht. Kein bisschen Kritik, bitte, ja immer ganz lieb. Nee, die waren urteilen. Ich weiß nicht genau, wie das aussah, aber es muss herrlich gewesen sein.
Da schaut man sich an: Was sagt der da? Man schaut sich den Typen an: Ist der, der da redet, eigentlich Christ? Da überlegt man: Sag mal, sprichst du hier eigentlich aus deinem eigenen Ego? Oder ist das der Geist Gottes?
Da sind andere Gaben gefragt. Es gibt die Gabe der Geisterunterscheidung. Das werde ich auch noch erklären. Da sind Lehrer gefragt. Leute, die wirklich sehen: Ist das, was da von vorne kommt, authentisch Gott, oder ist das etwas Selbstgezimmertes? Und dann muss man das dem sagen.
Das ist Urteilen, ganz einfach. Es ist nicht kompliziert. Es ist nur für unsere Gesellschaft total ungewöhnlich, jemanden, nachdem er vorne etwas gesagt hat, zu zerpflücken. Aber es wäre doch schick, wenn wir das als Kultur haben könnten.
Ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht, wie man das umsetzen sollte. Ich habe oft überlegt, wie man das in einen Gottesdienst integrieren kann. Und ich scheitere immer noch. Ich scheitere nicht an den Leuten, die sagen: Ich habe einen Eindruck. Aber ich scheitere an der Frage, wie lässt man die danach leben, wenn die Eindrücke blöd sind.
Die Bibel sagt ja nicht nur, die mit den Eindrücken nach vorne oder die mit der Offenbarung. Sie sagt ja auch: Bitte zerpflücken. Da ist noch ein Sicherheitsmechanismus drin, dass Frauen nicht die eigenen Männer zerpflücken sollen. Das lese ich jetzt nicht vor, aber das macht die Sache nur bedingt, wirklich nur bedingt leichter.
Und trotzdem: Wie wollen wir, und das ist eine offene Frage, und vielleicht können wir uns auf der Gemeindefreizeit dem auch stellen, wie können wir uns diesem Thema stellen, wenn Leute den Eindruck haben, Gott möchte eigentlich der Gemeinde etwas sagen? Wenn jemand den Mut hat, sich an der Stelle ranzuwagen, und wir den Eindruck haben, es war trotzdem Quatsch?
Das ist eine Spannung, und ich kann euch tatsächlich nur die Spannung aufzeigen.

Vom alttestamentlichen Propheten zum allgemeinen geistlichen Hören

Ich will zum Schluss noch einmal diese Entwicklung zeigen, die der Begriff des Propheten in der Bibel hat.
Wir starten im Alten Testament mit einer Gruppe von handverlesenen, von Gott geschickten Sprachrohren. Das sind die, die in Epheser 2,20 genannt werden: Das Fundament der Kirche ist gebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten. Das sind die, die im Alten Testament vorhergesagt haben, dass Jesus kommt. Und zusammen mit dem Dienst der Apostel legen sie das Fundament der Gemeinde.
Jetzt kommt der neue Bund, und der neue Bund startet nach Joel damit, dass der Geist Gottes ausgegossen wird auf alles Fleisch. Wer sich die Prophezeiung in Joel durchliest oder das Zitat in Apostelgeschichte 2,17-18, das Petrus zitiert, der sieht, dass ein ganz wesentliches Element dabei ist: Plötzlich kann jeder weissagen. Das heißt, jeder Christ hat den Geist Gottes, hat diesen direkten Kontakt zu Gott und ist von daher von Gott als Sprachrohr direkt benutzbar.
Es ist demzufolge gar nicht verwunderlich, dass jeder mal erlebt, in einer bestimmten Situation, wo es hart auf hart geht, dass plötzlich etwas durchkommt. Ich weiß noch, wie ich mich total fasziniert am Plattensee in Ungarn in so einem Trailerpark in einem evangelistischen Gespräch mit Zeugen Jehovas befand. Ich war ein ganz junger Christ und war denen hoffnungslos theologisch unterlegen. Aber irgendwie ploppte mitten im Gespräch immer ein Bibelvers nach dem anderen hoch. Ich musste gar nicht viel machen, ich musste nur das, was mir so hochkam, aussprechen. Zack, zack, zack. Ich dachte: Das ist super. Das ist schon okay, das darf passieren, dass Offenbarungen passieren.
Oder in einem seelsorgerlichen Gespräch, wo ich mit einem Mal den Eindruck habe: Frag mal nach Alkohol. Es hat nichts auf dieses Thema hingedeutet, nichts. Ich sage nur das Wort Alkohol, und die betreffende Person klappt zusammen: Woher weißt du das? Keine Ahnung. Aber nur mir passiert das relativ selten. Deswegen bin ich auf dieser Simpelstufe: Ab und zu mal, wenn es hart auf hart kommt, gibt Gott eben mal so etwas durchgereicht.
Jetzt gibt es aber danach 1. Korinther 12 und Römer 12, die eine Gabe an der Stelle haben. Die sagen: Das passiert mir nicht nur ab und zu, das passiert mir öfter. Ich weiß vielleicht sogar noch gar nicht, wie man damit umgehen soll, aber ich habe öfter so Eindrücke. Und wenn ich dann so darüber nachdenke, wenn ihr auf dem Zettel mal schaut bei den Fragen zur Selbstreflexion, die zweite: Habe ich manchmal den inneren Eindruck, dass Gott mich benutzen möchte, um bestimmten Menschen etwas zu sagen? Es gibt Leute, die sagen: Ja, wirklich öfter. Gut, nächste Frage, weil innere Eindrücke trügerisch sind.
Habe ich schon die Erfahrung gemacht, dass es sich dabei nicht nur um Allgemeinplätze handelt? Also ist das mehr als ein: Fürchte dich nicht. Das ist okay, das kann jeder sagen, das ist immer richtig. Aber ist es so etwas wie: Da kommt einer durch die Tür, und ich sage: Gestern bist du fremdgegangen. Woher weißt du das? Na ja, das hat Gott gerade gezeigt. Schön!
Also, es ist mehr als nur Allgemeinplätze, sondern es handelt sich um konkrete Offenbarung, das heißt um direkte, auf die Lebenssituation der Betroffenen zugeschnittene Inhalte. Ist das so? Und drittens bekomme ich Feedback von denen, die ich mit meinen Eindrücken ermutigt, ermahnt, getröstet und belehrt habe, dass die Offenbarung tatsächlich für sie passend war. Oh, ich genieße das.

Schlussgedanken und ein Wunsch für die Gemeinde

Es gibt Leute. Also gehst du in Gemeinden als Prediger, und da kommt einer und sagt: Ich habe noch ein Wort für dich. Okay, das höre ich mir immer an, ich bin ja grundsätzlich offen. Und in etwa 80 Prozent aller Fälle muss ich sagen: Du, ich glaube, du hast dich verhört.
Ich bin dann auch ganz ehrlich. Wenn jemand sagt: Ich habe den Eindruck, ich soll dir das sagen, dann höre ich mir das an, denke darüber nach, schaue, ob das in meine Lebenssituation hineinpasst, und dann sage ich oft: Nein, das stimmt nicht, du musst dich verhört haben, das passt gerade gar nicht zu mir.
Also wenn ich völlig entspannt in der Predigt vorher da sitze und jemand sagt: Ich möchte dich ermutigen, Bruder, halte durch, dann denke ich: Nein, das ist gerade irgendwie gar nicht dran. Das hat man manchmal. Das meine ich nicht in der Frage.
Ich meine, dass jemand rückblickend auf das, was du sagst, zu dir kommt und sagt: Hey, damals hast du mir etwas gesagt, das war richtig gut, sehr persönlich, sehr direkt. Aber wirklich gut. Das ist so diese Mittelfase.
Und wenn das jemand ausbaut und wenn jemand sagt, da möchte ich stark werden, und ich hätte Lust darauf, dass wir in der Gemeinde an der Stelle auch Freiraum dafür schaffen und darüber nachdenken, wie man das schaffen kann, dann wird aus dem, der das Wort der Erkenntnis hat, ein Lehrer, indem er es einfach praktiziert. Jemand, der die Gabe der Weissagung hat, jemand, der Prophet wird, der einfach geübt darin ist, der auch nicht wie ich, wenn er dann so einen inneren Eindruck hat, sich immer die Frage stellt: Wo kommt denn das jetzt wieder her? Und ich schon ahne, dass es nicht von Gott ist, weil ich das halt einfach schon so oft erlebt habe.
Wenn er sagen kann: Ich kann das unterscheiden, das kann ich nicht. Dafür kann ich, wenn du mir einen Bibelfers gibst, unterscheiden, ob deine Auslegung etwas taugt. Das ist ja auch etwas wert, nicht wahr, Boris? Wir sind gerade in der Predigtvorbereitung insofern.
An dieser Stelle mache ich Schluss. Ihr könnt in den Unterlagen selber noch nachschauen, wie die restlichen Fragen lauten. Ich fand das Thema sehr schön, mit euch zu behandeln, und lasst mich noch einen Wunsch am Ende formulieren.
Wir haben über das Thema Heilung geredet, wir haben dann füreinander gebetet. Es sind Dinge passiert. Ich weiß nicht, wie groß ihr sie einschätzt, ich fand es trotzdem signifikant. Aber ich glaube, wir werden nicht darauf aufsetzen. Wir werden das, was da gewesen ist, wieder vergessen. Wir werden es als eine Episode in unserer Geschichte haben, und wenn wir nicht aufpassen, gar nicht darüber nachdenken, dass da etwas sein könnte, dass Gott uns eigentlich etwas zeigen wollte.
Diese Tendenz, immer wieder zurückzukommen zu dem bekannten Normbetrieb, diese Veränderungsunwilligkeit, die in jedem Leben drin ist, erfasst auch ganze Gemeinden. Meine Sorge ist hier genau das Gleiche. Es ist ein Thema, das uns unbekannt ist. Da machen wir nicht viel mit, da trauen wir uns nicht richtig, uns darauf einzulassen.
Mein Wunsch wäre, dass wir die Gemeindefreizeit wirklich nutzen, um über solche Dinge einfach ganz quer zu diskutieren und zu überlegen: Wie könnte das funktionieren? Wie könnten wir das fördern, einbringen? Wie kann das gehen, dass es uns nicht so passiert, dass wir irgendwann sagen: Super, wir hatten 13 Predigtenübergaben, wir wissen alles über Gaben, aber eigentlich ist alles beim Alten geblieben. Das wäre echt schade.
Danke, dass ihr mich heute ein bisschen länger ertragen habt.

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