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Wegweiser zu Jesaja

Jesaja29.10.2015
EventTeil 11 / 11Spurgeon-Konferenz 2015
Jesaja stellt die harte Frage: Was, wenn Religion nur Fassade ist? Gott will kein frommes Ritual, sondern ein Herz, das umkehrt – sonst bleibt selbst Jerusalem nicht heil.

Einleitung und Ziel des Vortrags

Zuerst einmal lasst mich euch erzählen, wie sehr es mich freut, dieses Jahr wieder hier zu sein. Ich habe sehr schöne Erinnerungen an meine Zeit in Galatien letzten Sommer.
Letzten Sommer haben wir uns mit dem Buch Galater beschäftigt, und ich hoffe, dass diejenigen, die letztes Jahr dabei waren, auch dieses Jahr schöne Erinnerungen daran haben. Nun haben wir in diesem Jahr die wunderbare Herausforderung des Propheten Jesaja vor uns. Galater hatte sechs Kapitel, und Jesaja hat 66 Kapitel. Wir beschäftigen uns also mit einem der größten und wichtigsten Bücher in der Bibel. Es ist eindeutig das Buch, das mehr als alle anderen alttestamentlichen Bücher im Neuen Testament zitiert wird, und wir haben gerade einmal drei Tage zusammen, um wirklich einen Einstieg in dieses Buch zu bekommen.
Aber wie es so schön heißt: Man kann einen Elefanten essen, solange man ihn Scheibe für Scheibe verspeist. Was wir also versuchen werden, ist, dass wir uns scheibenweise mit Jesaja beschäftigen. Dabei wird es sicherlich viele, viele Verse geben, mit denen wir uns nicht beschäftigen. Aber es ist mein Gebet, dass ihr am Ende eine Art Straßenkarte habt, mit der ihr euch in diesem Buch zurechtfindet, und dass das, was wir in diesen Tagen behandeln, wirklich ein Ansporn für euer persönliches weiteres Studium ist.
Jesaja ist die Art von Buch, in der viele ihre Lieblingsverse haben. In der Adventszeit hören wir viel aus Kapitel 9 und 11. Zu Ostern hören wir aus dem 53. Kapitel des Propheten Jesaja. Aber es gibt alle möglichen Schätze und Reichtümer, die im Buch verborgen sind und die wir versuchen müssen, freizulegen und für uns selbst zu entdecken.
Nun, ihr habt eine Gliederung meiner Vorträge in euren Unterlagen. Mit diesem ersten Vortrag will ich einen Einstieg in das Buch geben und das Buch so betrachten, dass wir sowohl sehen, was darin enthalten ist, als auch, was darum herum ist. Wenn wir wirklich richtig vorgehen wollen, dann müssen wir uns zuerst einmal einen großen Überblick über dieses Buch verschaffen.

Der richtige Zugang zum alttestamentlichen Text

Einige Texte scheinen weit, weit entfernt von unserer Welt des einundzwanzigsten Jahrhunderts zu sein. Aber jeder biblische Text muss zuerst einmal in seinem eigenen Kontext verstanden werden und dann in unseren gegenwärtigen Kontext hineingebracht werden. Denn wenn wir nicht verstehen, was es ihnen bedeutete, als sie Jesaja sprechen hörten, also was es damals bedeutete, als Jesaja diese Worte gesprochen hat, werden wir nicht in der Lage sein, zu wissen, was es heute für uns bedeutet. Denn alles, was wir dann tun würden, ist, dass wir es aus der Perspektive des 21. Jahrhunderts verstehen und dann dem Text überstülpen.
Aber wenn wir erst einmal wirklich sorgfältig an dem Text selbst arbeiten und daran, was er damals bedeutet hat, und den Text sozusagen an die Steuer lassen, dann wird deutlich, was er auch für uns heute bedeutet. Der große Unterschied ist natürlich, dass wir als Christen aus dem Neuen Testament wissen, dass Jesus Christus in unsere Welt gekommen ist. Und als Prediger, die Christen sind, müssen wir auch lernen, den Propheten Jesaja christlich zu verkündigen. Otherwise, I'm not a Christian preacher.
Wenn meine Auslegung vom Propheten Jesaja einen Rabbiner, einen jüdischen Rabbiner, total zufrieden stellen würde, dann habe ich es nicht wirklich christlich verkündigt und ausgelegt. Wir müssen uns also gut überlegen, wie wir als christliche Prediger einen alttestamentlichen Text angehen.
Und heute Abend werden wir uns damit beschäftigen, wie wir die alttestamentliche Prophetie in der neutestamentlichen Kirche betreiben, prophetische Texte aus dem Alten Testament in unseren christlichen Gemeinden verkündigen. Insofern sind die beiden Einheiten heute eigentlich nur die Einleitung für diese Tage. Wir verschaffen uns also erst einmal einen Überblick über das Buch und beschäftigen uns damit, wie es aus dem christlichen Kontext verstanden werden soll. Und dann ist unser Plan, dass wir morgen wirklich eintauchen in dieses Buch und uns mit diesem Buch beschäftigen.
Zuerst einmal also: Lasst uns diesen Text in seinem Kontext sehen.

Die geschichtliche Bühne des Propheten

Historische Bedeutung seines Buches.
Für Jesaja gibt es drei geschichtliche Zusammenhänge, also Hintergründe für dieses Buch. Jesaja lebt im achten Jahrhundert vor Christus in Jerusalem, in Judäa. Jesaja lebt im achten Jahrhundert vor Christus in Jerusalem, Judäa. Und wir erfahren darüber in Jesaja 1,1: Dies ist die Offenbarung, dass Jesaja, der Sohn des Amos, über Juda und Jerusalem geschaut hat und in den Tagen Usias, Jothams, Ahas, Hiskias, der Könige von Juda.
Vier Könige Judas, during whose reign Isaiah was prophesying. Vier Könige Judas also, in deren Tagen Jesaja prophezeit hat. And so it is very likely that the time of his prophesying is about fifty to fifty five years. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass die Zeitspanne, in der Jesaja diese prophetischen Worte gesagt hat, ungefähr fünfzig bis fünfundfünfzig Jahre umfasst. Und gleich werden wir uns auch die Daten genauer anschauen.
Aber das bedeutet, dass er zuerst einmal damit beschäftigt ist, sich mit den Tagen in der Stadt Jerusalem in dieser Zeitepoche auseinanderzusetzen. Und das ist letztendlich die erste Hälfte des Buchs, die ersten neununddreißig Kapitel, wo Jesaja sich mit diesen Tagen zu der Zeit dieser Könige beschäftigt.
Aber dann eröffnet sich noch ein zweiter Horizont: was in Zukunft mit Jerusalem passieren wird. Und das ist die Frage: Was wird in der Zukunft mit Jerusalem geschehen? Hier blickt er voraus auf die Einnahme und Zerstörung Jerusalems, die in der Zukunft lag, durch Babylon. Und damit beschäftigt er sich in den Kapiteln vierzig bis fünfundfünfzig.
Und dann gibt es sogar noch einen dritten Horizont, der noch weiter in der Zukunft liegt. In den Kapiteln sechsundfünfzig bis sechsundsechzig beschäftigt er sich mit der Rückkehr aus dem Exil und der Wartezeit, bis Gott die Prophetien über den Messias erfüllen würde.
Für Jesaja gibt es also diese drei Horizonte, die er anspricht, gemäß dem, was Gott inspiriert hat zu schreiben, die Wahrheiten, die Gott ihm eingegeben hat.
Aber was ist jetzt: Was geschah in diesen Tagen, in denen Jesaja prophezeite? Was ging da ab in der Welt?

Die Könige Judas und der Wandel der politischen Lage

Unter Punkt zwei, dass es vier Könige gab, die auch hier schon im ersten Vers erwähnt wurden. Es waren vier Könige Judas, einem sehr kleinen Land inmitten eines großen Imperiums, nämlich des Imperiums der Assyrer. Assyrien war die große Macht im Nahen Osten in diesen Tagen.
Aber kurz bevor Jesaja seinen Dienst als Prophet antritt, hat sich das assyrische Reich geschwächt. Es beginnt zu zerfallen. Die Assyrer waren geschwächt worden, es gab schwache Könige, die nichts getaugt haben als Herrscher. So erfuhren das südliche Königreich Juda und das nördliche Königreich Israel in dieser Zeit eine lange Zeit des Friedens. Eine ziemlich lang ausgedehnte Zeit des Friedens und der Ruhe.
So haben wir zuerst Usia in der Zeit von 792 bis 740 v. Chr., eine Zeit des großen Wohlstands und der Sicherheit. Schauen wir uns einmal an, was wir darüber in 2. Chronik 26 erfahren. Lesen wir zum ersten Mal 2. Chronik 26, Vers 3, und lesen dort die Verse 3, 4 und 5.
Usia war sechzehn Jahre alt, als er König wurde, und er regierte 52 Jahre lang in Jerusalem. Der Name seiner Mutter war Jehocha von Jerusalem. Und er tat, was recht war in den Augen des Herrn, ganz wie es sein Vater Amazja getan hatte. Und er suchte Gott, solange Sacharja lebte, der Einsicht hatte in die Offenbarung Gottes. Und solange er den Herrn suchte, ließ Gott es ihm gelingen.
Usia hat also eine sehr erfolgreiche Herrschaft. Er erweitert die Grenzen des Landes wieder. Er erringt Siege über die Philister und auch über andere Stämme. In Vers 9 erfahren wir, dass er Türme in Jerusalem gebaut und die Stadt befestigt hat. In Vers 11 erfahren wir, dass er ein sehr erfolgreiches Heer hatte.
Aber der wichtige Vers für uns ist vielleicht Vers 16. Als er aber stark geworden war, überhob sich sein Herz zu seinem Verderben, und er versündigte sich an dem Herrn, seinem Gott, indem er in die Tempelhalle des Herrn ging, um auf dem Räucheraltar zu räuchern.
Es scheint, als sei Usia nicht zufrieden gewesen, König zu sein. Er wollte auch Priester sein. Die Priester im Tempel versuchen, ihn daran zu hindern. Dann erfahren wir in Vers 19, dass er Aussatz an seiner Stirn bekam. Und in Vers 21 erfahren wir, dass er aussätzig war bis zu dem Tag seines Todes.
Wir lesen hier also von einem wunderschönen Anfang, aber einem sehr verhängnisvollen und traurigen Ende. Und in gewisser Weise ist das auch die Geschichte Judas. Sie begannen, sich immer weiter vom Herrn zu entfernen und seinem Gesetz zu widersprechen. Parallel dazu, wie sie mehr und mehr von dem Herrn abgekommen sind, führte diese erfolgreiche Herrschaft sie zu einer falschen Selbstzufriedenheit. Aber diese erfolgreiche Herrschaft hat sie zu einer gewissen Gleichgültigkeit geführt.
Sie haben vergessen, dass eigentlich ihr Herz und ihre Loyalität ganz dem Herrn gehören sollten, und haben sich stattdessen Götzen zugewandt. Und so schickt der Herr zuerst Propheten wie Amos und Hosea, aber dann auch Jesaja und Micha nach Jerusalem, um das Volk Gottes sowohl im Nordreich Israel als auch im Südreich Juda zur vollen Herzenshingabe an den Herrn zurückzurufen.

Vom Wohlstand zur Krise unter den Nachfolgern

Wegen Uzzias Aussatz war Jotham, sein Sohn, praktisch gesehen bereits König an seiner Stelle. Uzzia lebte noch weitere acht Jahre, aber in dieser Zeit war Jotham schon der eigentliche Herrscher auf dem Thron. Dann herrschte Jotham noch acht Jahre lang allein weiter, und danach kam sein Sohn Ahas auf den Thron.
Schlagen wir also zwei Kapitel weiter auf und lesen in 2. Chronik 28 die ersten drei Verse:
Ahas war zwanzig Jahre alt, als er König wurde, und er regierte sechzehn Jahre lang in Jerusalem. Aber er tat nicht, was recht war in den Augen des Herrn, wie sein Vater David, sondern er wandelte in den Wegen der Könige von Israel. Er machte sogar gegossene Bilder für die Baale. Und er räucherte im Tal des Sohnes Hinnoms und ließ seine Söhne durchs Feuer gehen, nach dem Gräuel der Heidenvölker, die der Herr vor den Kindern Israels vertrieben hatte.
Wir sehen also: Hier wird es von schlimm noch schlimmer. Ahas ist ein König, der keinen echten Respekt vor dem Herrn hat, kein Vertrauen auf ihn. In den ersten Kapiteln des Propheten Jesaja begegnen wir Ahas, aber leider ist er das genaue Gegenteil von dem, was ein Nachkomme Davids und Salomos hätte sein sollen. Und so beschäftigt sich ein Großteil des ersten Teils von Jesaja mit der Herrschaft Ahas.
Sein Nachfolger ist dann sein Sohn Hiskia. Und hier wird die Geschichte deutlich ermutigender. Schauen wir in 2. Chronik 29,2:
Und er tat, was recht war in den Augen des Herrn, ganz wie es sein Vater David getan hatte.
Er ist nicht der stärkste aller Könige, wie wir im Buch sehen werden, aber er setzt sein Herz darauf, dem Herrn zu folgen. Er ist nicht der stärkste aller Könige, wie wir gleich noch sehen werden, aber er hat sein Herz darauf ausgerichtet, dem Herrn zu folgen. In den Kapiteln dazwischen findet sich der Bericht über Hiskias Herrschaft. Die Kapitel zwischen dem ersten und dem zweiten großen Teil beschäftigen sich also mit der Herrschaft Hiskias.
Das ist der politische und geistliche Hintergrund der Tage, die Jesaja in seinem Buch anspricht. Wir haben also eine gewisse Gleichgültigkeit, ein Denken wie: Der Herr segnet uns sowieso, es ist egal, was wir tun. Dazu kommt in großem Maße auch versteckte Götzenanbetung und Untreue gegenüber dem Bundesgott. Das ist also Jesajas eigener Kontext.

Die internationale Bedrohung und die Entscheidung für falsche Sicherheit

Und wenn wir dann zu der Welt im Mittleren Osten kommen, sehen wir dort, dass das assyrische Weltreich jetzt wieder erneuert wird und zu Kräften kommt. Es macht gewissermaßen einen Rückschritt rückgängig und führt genau diese Macht wieder zu neuem Ruhm. Er kommt also auf den Thron als ein sehr mächtiger Herrscher.
Bald schon ist das Nordreich Israel unterworfen und muss Abgaben an ihn zahlen. Die ganze Region Galiläas wird unter seine Macht gebracht. Und in Juda, in Jerusalem, stellt sich die Frage: Was machen wir mit Assyrien? Wie begegnen wir Assyrien? Wenn wir vielleicht einen Pakt mit dieser Weltmacht machen, dann würde uns das davor bewahren, verschluckt zu werden. Und so hat Ahas eine ganz neue Außenpolitik.
Der König von Jerusalem wird Assyrien um Hilfe bitten, um den Angriffen des Nordreichs Israel und Syriens zu begegnen. Und zwar würde Ahas jetzt auf die Assyrer zugehen und sie um Hilfe bitten gegen das Nordreich und die Syrer, die sich Jerusalem und Juda nähern. Denn Israel und Syrien haben sich entschlossen, gegen die Assyrer zu kämpfen. Aber Ahas entscheidet sich: Nein, ich werde mir lieber die Assyrer zum Freund machen. Und bevor wir wissen, wo wir sind, unterzeichnet er schon einen Pakt mit den Assyrern. Er fängt an, auch Abgaben an Assyrien zu zahlen, und beginnt sogar, die assyrischen Götter anzubeten.
Und seine drei weiteren Könige in Assyrien entwickeln diese Geschichte noch weiter, bis wir dann zu Sanherib kommen. Und hier herum dreht sich dann auch beim Propheten Jesaja eine große Geschichte. Mittlerweile ist Hiskia König über Juda, und er hat Ausschau gehalten, dass die Ägypter ihm gegen die Assyrer helfen. Sanherib kommt mit seiner gewaltigen Armee, um Jerusalem zu besiegen und zu zerstören. Sanherib kommt, um Jerusalem mit seiner großen Armee zu belagern und einzunehmen. Wir schreiben das Jahr 701 vor Christus.
Und Jesajas Botschaft von Gott ist: Die Assyrer werden diese Stadt nicht erobern. Und die Botschaft Gottes an Hiskia ist: Die Assyrer werden nicht in der Lage sein, diese Stadt einzunehmen. Hiskia demütigt sich und glaubt diesem Wort des Herrn.
In Kapitel 37 lesen wir dann von der wunderbarsten und unglaublichsten Geschichte, wie tatsächlich Jerusalem errettet wird. Aber zwei Kapitel später, in Kapitel 39, wird Hiskia durch den Propheten Jesaja offenbart, dass der Tag kommen wird, an dem Jerusalem doch noch fallen wird. Allerdings nicht unter die Assyrer, sondern unter die Babylonier. Es wird also in der Zukunft ein Exil nach Babylon geben.
Das ist also ein wenig von dem Hintergrund, der uns hilft, jetzt in diese Geschichte Jesajas einzutauchen.

Die Bedeutung für die Gemeinde heute

Aber dann sehen wir hier viertens: Was bedeutet das? Was ist der Kontext für die heutige Kirche, für die heutige Gemeinde?
Natürlich hat die heutige Kirche Herausforderungen, denen die Menschen schon immer gegenüberstanden. Manchmal kommen diese Herausforderungen von außen an die Gemeinde heran, so wie damals die Assyrer die Bedrohung nach Jerusalem brachten. Aber normalerweise kommen die Herausforderungen von innen, aus der Gemeinde selbst.
Wenn der Feind an den Toren der Stadt steht, worauf setzt du deinen Glauben? Auf die Worte, die Gott durch das Gesetz und die Propheten gesprochen hat? Wirst du dem Bund und den Anweisungen des Herrn treu sein, oder wirst du versuchen, deinen eigenen Weg zu finden?
Genau das sind die Herausforderungen im 21. Jahrhundert. Unser Feind sind nicht die Assyrer, sondern die geistlichen bösen Mächte. Wir sehen auf unserem Kontinent die Erosion eines starken christlichen Glaubens und einer christlichen Tradition. Wir sehen, dass der christliche Glaube aufgeweicht wird. Wir sind umgeben von Mächten, die versuchen, die Spuren des Christseins zu beseitigen. Und werden wir dann an die Verheißungen Gottes glauben oder an die Regelungen und die Politik der Menschen?
Was ich also sagen will: Es ist nicht nur Geschichte aus dem achten Jahrhundert vor Christus, sondern gegenwärtige Realität.
Aber die Botschaft Jesajas ist ja viel mehr als das. Denn natürlich ist die Botschaft Jesajas, dass Gott selbst in der Person seines Messias kommen wird, um die Rettung zu bringen.
Christus in Jesaja zu entdecken, ist also nicht etwas, das wir dem Buch aufstülpen, sondern etwas, wohin uns der Text selbst führt. Und oftmals wird dies das Buch Immanuel genannt, denn so wird er hier genannt. Immanuel bedeutet: „Gott mit uns“.
So ist also die Betonung bei diesem ersten Porträt von Jesus seine Fleischwerdung. Uns ist ein Kind geboren, und auf seinen Schultern wird die Herrschaft ruhen.
Aber das zweite Porträt von Jesus ist das des leidenden Gottesknechtes. Und dieses großartige Kapitel 53 legt vor unseren Augen die Wahrheit des stellvertretenden Todes Jesu Christi dar.
Ganz allgemein können wir also sagen: Die ersten neununddreißig Kapitel beschäftigen sich mit Christus, dem Immanuel, Gott mit uns. Vierzig bis fünfundfünfzig beschäftigen sich mit Christus, dem leidenden Knecht, der für unsere Sünden Sühne leistet. Und dann wird uns in Kapitel 56 bis 66 Jesus dargestellt als ein Kriegerkönig, also als ein König, der kämpft, Macht hat und sie ausübt.
So wollen wir diese drei Bilder von Jesus vor Augen behalten, wenn wir die verschiedenen Teile des Textes betrachten.

Der Auftakt des Buches als prophetische Anklage

Das aber genug jetzt als Hintergrund, bevor euch diese ganzen geschichtlichen Details überwältigen. Aber es ist sehr viel spannender, uns jetzt dem biblischen Text zuzuwenden. Es sind jedoch wichtige Werkzeuge, die wir brauchen, um den Text wirklich richtig anzugehen.
Und so lasst uns das erste Kapitel anschauen, das wirklich eine Eröffnung, eine Ouvertüre für dieses Buch darstellt. Wir lesen hier die Verse 2 bis 4.
  1. Kapitel 1,2-4 Hört ihr Himmel, und horcht auf, o Erde, denn der Herr hat gesprochen: Ich habe Kinder großgezogen und emporgebracht, sie aber sind von mir abgefallen. Ein Ochse kennt seinen Besitzer und ein Esel die Krippe seines Herrn, aber Israel hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht. Wehe der sündigen Nation, dem schuldbeladenen Volk, Same der Übeltäter, verderbte Kinder! Sie haben den Herrn verlassen, haben den Heiligen Israels gelästert, haben sich abgewandt.
Es ist ein sehr dramatischer Paukenschlag, mit dem dieses Buch beginnt, ja, eine Ouvertüre. Der Himmel und die Erde werden hier jetzt berufen. Es ist die ganze Erde, die jetzt hier vor Gott steht und zuhört. Und Gott spricht von etwas, was nur schwer vorstellbar ist. Er bringt Kinder in Liebe und Zärtlichkeit groß, aber sie rebellieren gegen ihn. Hier hat Gott in Liebe Kinder großgezogen, aber sie rebellieren und kehren ihm den Rücken zu.
Und Vers 3 ist sicherlich kein sanfter Vers. Es wird gesagt, dass ein Tier schon bessere Sinne hat als die Kinder Israels, denn der Ochse und der Esel wissen, wer sie füttert. Aber das Volk Israel hat vergessen, wie abhängig sie von dem Herrn sind.
Now just a little comment as a footnote here: you'll notice it talks about Israel in verse 3, und hier eine kurze Fußnote: Wir sehen, dass in Vers 3 die Rede von Israel ist. But we know that Isaiah is in Judah in the southern kingdom after the division, aber wir wissen, dass Jesaja in Juda, in Jerusalem, im südlichen Königreich ist. Wenn Jesaja in seinem Buch von Israel redet, dann denkt er hier über Israel, als ob es nie wirklich diese Teilung zwischen Nord- und Südreich gegeben hat. Zu diesem Zeitpunkt gibt es noch das Nordreich Israel, aber im Jahr 722 wird es dann von den Assyrern zerstört. Hier reflektiert Jesaja also, wie sowohl das Nord- als auch das Südreich die Fürsorge und die Güte des Herrn vergessen haben. Er bedenkt, dass das Volk hier nicht nur vergessen hat, sondern auch irgendwo gleichgültig geworden ist.

Die religiöse Fassade und Gottes Urteil

Aber wenn wir uns den Text dann anschauen, werden sie in Vers vier als eine sündige Nation beschrieben, als schuldbeladen und als Übeltäter, als verdorben. Und warum ist das so? Warum?
Da schauen wir uns im zweiten Teil des Verses die Verben an, die uns bei solchen Prophetien immer wirklich Aufschluss geben. Sie haben den Herrn verlassen, sie haben den Heiligen Israels gelästert, und sie haben sich von ihm abgewandt, ihm den Rücken zugekehrt. Das ist also Gottes Anklage gegen die Nation und ihren Zustand.
In diesen ersten drei Versen sehen wir also die Offenlegung der Probleme, wie ihr an der Gliederung seht. Und die Konsequenzen, die Auswirkungen davon, von denen wir dann in den Versen fünf bis neun lesen, sind schrecklich.
Das Bild in Vers fünf ist das Bild eines Sklaven, der zusammengeschlagen wird. Sein Kopf ist verletzt, sein ganzer Körper ist übersät von Wunden. Dieses Bild eines geschlagenen Sklaven wird dann in Vers sieben fortgeführt. Und dieses Bild von einem verletzten Sklaven wird dann in Vers sechs auf das Land selbst übertragen.
Die Zeit des Wohlstands kommt zu einem Ende, die Städte des Landes werden vom Feind angegriffen. Sie brechen in das Land ein und nehmen ihm die Ernte weg. Und das Bild in Vers acht ist dann das der Tochter Zion, also Jerusalems, wie eine Hütte in einem Weinberg, wie ein gebrochener alter Schädel, einfach hinter sie gelassen wird. Und dann stellt der Prophet in Vers neun fest: Wenn der Herr nicht eingegriffen hätte, dann wäre die Stadt zu Sodom und Gomorra geworden.
Innerhalb von neun Versen sind wir also mittendrin in der Problematik, die Jesaja hier anspricht. Und das Problem ist das Problem der Religion. Denn, seht ihr, sie werden beschrieben als Herrscher von Gomorra. In Vers zehn lesen wir: Ihr seid nicht anders als diese Städte Sodom und Gomorra. Aber sie sagen: Nein, wir bringen ständig unsere Opfer zum Tempel. Aber sehen wir, was Gott dazu in Vers elf sagt:
„Die Menge eurer Opfer bedeutet mir nichts“, spricht der Herr. „Ich bin der Brandopfer und der Widder und des Fettes der Mastkälber überdrüssig, und am Blut der Jungstiere, Lämmer und Böcke habe ich kein Gefallen. Um vor meinem Angesicht zu erscheinen, wer verlangt dies von euch, dass ihr meine Vorhöfe zertretet? Bringt nicht mehr vergebliche Speiseopfer, Räucherwerk ist mir ein Gräuel. Neumond und Sabbat, Versammlungen halten, Frevel verbunden mit Festgedränge, ertrage ich nicht. Eure Neumonde und Festzeiten hasst meine Seele, sie sind mir zur Last geworden, ich bin es müde, sie zu ertragen. Und wenn ihr eure Hände ausbreitet, verhülle ich meine Augen vor euch. Und wenn ihr auch noch so viel betet, höre ich doch nicht, denn eure Hände sind voll Blut.“
Wir sehen: Es mangelt hier nicht an Religiosität. Sie kommen zum Tempel und bringen dort ihre Opfer und feiern ihre Festtage. Aber wenn wir dann betrachten, was Gott in diesen Versen darüber sagt, dann ist das absolut zerstörerisch. Gott sagt: Ich habe genug davon. Ich habe keine Freude daran. Hört auf, diese bedeutungslosen Opfer zu bringen. Eure Feste und Zeremonien kann ich nicht mehr ertragen. Meine Seele hasst, was ihr hier tut.
Jesaja hatte ganz bestimmt nicht vor, ein populärer Prediger zu sein. Wenn du populär sein willst, dann werde nicht zum Prediger, denn du musst deinem eigenen Herzen und dem Herzen anderer Menschen das sagen, was wir nicht gerne hören. Jesaja ist so unter dem Druck Gottes, dass er nicht zurückhält. Er zeigt Gottes Zorn und ist dazu geleitet, dass er das klare Urteil Gottes ausspricht.
Und das Furchtbare ist, dass sie nicht ungläubig sind, sondern auf falsche Weise religiös. Sie machen all die äußeren Formen durch, aber dabei ist ihr Herz weit, weit entfernt vom Herrn. Sie genießen es, zum Gottesdienst zu kommen, und sie genießen die Anbetung. They are very self satisfied with this, we are religious, we are doing what God wants, but God is going to expose what is wrong in their hearts and what needs to change.
Aber Gott wird offenlegen, was wirklich in ihrem Herzen ist, und er wird das auch korrigieren. Deshalb wird Jesaja oftmals der Evangelist des Alten Testamentes genannt. Er ist im Alten Testament der Prophet der Rechtfertigung durch den Glauben, und er fordert ständig die Menschen auf, zu bereuen und zurückzukehren, zum Herrn umzukehren und Buße zu tun.
Wir haben hier also ein großes Vorbild, nicht nur darin, wie Sünde aufgedeckt wird, sondern auch darin, wie die Menschen motiviert werden, zum Herrn zurückzukehren. Wir sind oft sehr gut darin, die Sünde zu enttarnen, aber das ist nicht das, was Jesaja macht oder wo er stehen bleibt.
Denn schauen wir, was er dann weiter sagt in Vers sechzehn: Wascht euch, reinigt euch, tut das Böse, das ihr getan habt, von meinen Augen hinweg, hört auf, Böses zu tun. Und dann in Vers siebzehn: Lernt Gutes tun, trachtet nach dem Recht, helft dem Bedrückten, schafft der Waise Recht, führt den Rechtsstreit für die Witwe.
Hier lesen wir jetzt von der Veränderung, die nötig ist. Es ist eine Veränderung und Erneuerung des Herzens. Denn das rechte Herz vor dem Herrn wird sich dann auch in den äußeren Taten am ehesten zeigen.
Und so legt Jesaja jetzt in den Versen achtzehn bis zwanzig die dominierende Frage vor, die er hier aufwirft. Es ist möglich, dass, wenn auch eure Sünde scharlachrot ist, sie doch weiß werden kann wie Schnee. Gott offeriert, Gott bietet hier Vergebung ihrer Sünden an, wenn sie es nur annehmen. Er beschreibt es in Vers neunzehn als willig und gehorsam zu sein, denn das wird Gottes Segen für sie bringen. Denn wenn sie widerstehen und rebellieren, werden sie Gottes Gericht bekommen. Aber wenn sie dem widerstehen, so wird Gott sein Gericht bringen.
Das ist also die großartige Predigt, mit der dieses Buch beginnt, letztendlich die prophetische Aussage, die über diesem ganzen Buch steht.

Die gereinigte Stadt als Ziel der Geschichte

Nun, ich denke, es ist hilfreich, uns auch die Verse einundzwanzig bis sechsundzwanzig genauer anzuschauen. Denn als Teil dieser Ouvertüre des Buches werden hier für uns die wesentlichen Teile dieser großen Einleitung zusammengeführt. Letztendlich wird in diesem Abschnitt die entscheidende Frage des Buches zusammengefasst.
Setzen wir einmal den Anfang von Vers 21 dem Ende von Vers 26 gegenüber. Vers 21 sagt, dass die treue Stadt, also Jerusalem, wo eigentlich Gott wohnt, zur Hure geworden ist. Sie war voll Recht, Gerechtigkeit wohnte in ihr, nun aber ist sie ein Ort der Mörder. Aber Gott wird hier handeln. Die entscheidende Frage ist jetzt: Was wird Gott tun, und wie wird er diesen Zustand ändern? Denn dieser Abschnitt endet in Vers 26 mit der Aussage, dass die Stadt wieder die Stadt der Gerechtigkeit und die treue Stadt genannt werden wird. Vor dem Herrn wird also eine Stadt, die zur Hure geworden ist, am Ende wieder zu einer gerechten und treuen Stadt.
Und jetzt folgt mir durch diesen Text: In den Versen 22 und 23 sehen wir ein Bild davon, wie diese untreue Stadt aussieht. Es wird hier das Bild gebraucht, dass Silber zu Schlacke geworden ist und die Fürsten zu Widerspenstigen geworden sind. Letztendlich ist die ganze Struktur in der Stadt verfault. Aber Gott schaut sich das nicht einfach nur von außen an und lässt es geschehen. Nein, was sagt er hier, was verkündigt er in Vers 24? Darum spricht der Herr, der Herrscher, der Mächtige Israels: Wehe, ich will mir Genugtuung verschaffen an meinen Feinden und mich rächen an meinen Widersachern.
So könnten sie vielleicht denken: Ja, wunderbar, wir wollen, dass Gott unsere Feinde besiegt. Wir wollen, dass Gott an unserer Seite kämpft. Aber dann schaut auf Vers 25: Das kommt wie ein Pfeil direkt ins Herz. Ich will meine Hand gegen dich wenden, und zwar nicht gegen die Assyrer, sondern gegen dich. Es ist so, als würde Gott sagen: Mein eigenes Volk ist zu meinen Feinden geworden. Und er verkündigt hier, dass sein eigenes Volk nun zu seinen Feinden geworden ist.
Was wird er also tun? Wird er sie einfach zerstören, wird er sie auslöschen? Ist das der Plan? Nein, lesen wir weiter in Vers 25: Ich will deine Schlacke ausschmelzen und alle deine Unreinheiten beseitigen. Gott wird also in dieser Situation etwas tun, das einerseits sein Gericht über sie ist, andererseits aber auch seine Erlösung. Es wird einen Aspekt der Bestrafung geben, in dem Gott sie heimsucht wegen ihrer Widerspenstigkeit und ihrer Rebellion, aber nicht, um sie zu zerstören, sondern um sie zu reinigen.
Und letztendlich geschieht das mit dem Ziel, sie nicht zu vernichten, sondern sie zu läutern. Vers 26 beschreibt dann, dass sie wiederhergestellt werden, wie sie einst waren. Am Ende wird also diese untreue Stadt wieder zu einer gerechten Stadt werden.

Der Blick auf das Ende: neue Schöpfung und neue Freude

Nur ist es immer gut, ein Buch anfangend zu lesen, indem man sich einmal das Ende anschaut. Und so wollen wir weiterschlagen zu Kapitel fünfundsechzig. Hier in Kapitel fünfundsechzig erfahren wir nun, was Gott eines Tages tun wird. Wir fangen an in Vers siebzehn:
Denn siehe, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde, so dass man an die früheren nicht mehr gedenkt und sie nicht mehr in den Sinn kommen werden.
Dann folgt ein besonderer Bezug auf Jerusalem in den Versen achtzehn und neunzehn. Lesen wir auch diese Verse noch einmal:
Sondern ihr sollt euch allezeit freuen und frohlocken über das, was ich erschaffe; denn siehe, ich erschaffe Jerusalem zum Jubel und sein Volk zur Freude. Und ich selbst werde frohlocken über Jerusalem und mich freuen über mein Volk, und es soll kein Klagelaut und kein Wehgeschrei mehr darin vernommen werden.
Hier lesen wir also jetzt von Jerusalem, der gerechten Stadt, als Teil dieser neuen Schöpfung. Nun freut Gott sich über sein Volk, er jubelt über sie. Und dann lesen wir weiter in Kapitel 66, Vers 10:
Freut euch mit Jerusalem und frohlockt über sie, ihr alle, die ihr sie liebt; frohlockt, teilt nun auch ihre Freude mit ihr, ihr alle, die ihr euch um sie betrübt habt.
So ist hier das Erfüllungsmotiv am Ende des Buches zu sehen, das uns zeigt, dass Gott ein großes Werk der Wiederherstellung tun wird. Hier lesen wir also jetzt am Ende des Buches die Erfüllung dieses Motivs, wie Gott all das umsetzt, was er verheißen hat. Das ist letztendlich die Agenda durch dieses ganze Buch hindurch.
Am Ende von Kapitel eins fragen wir uns ja: Gott, wie wirst du das jemals tun? Schau dir doch die Sündhaftigkeit des menschlichen Herzens an. Schau doch, wie das Volk Gottes sich immer wieder den Götzen hingibt und den Herrn nicht fürchtet und achtet, wie es ihm gebührt. Und auch wir tun dies nicht, denn auch das ist Teil unseres Wesens.
Aber wie kann jetzt die untreue Stadt zu einer treuen Stadt werden? Durch Immanuel, durch den leidenden Gottesknecht und durch den siegreichen König. Gott wird etwas absolut Neues machen, etwas, was Jesaja zu diesem Zeitpunkt dieser Prophezeiung noch nicht erkannt hat. Etwas, was niemand wusste, bis Gott es durch Jesaja offenbart hat, was sich dann aber erfüllt hat in der Person und im Leben Jesu Christi.

Überblick über die großen Teile des Buches

die jetzt dieses Buch beschäftigen. Wir wollen noch fünf Minuten kurz etwas weiter sagen, und dann bin ich auch bereit, Fragen aufzunehmen. Aber verbringen wir diese fünf Minuten noch damit, eine Gliederung des Buches zu betrachten. Ich denke, wir können das relativ schnell durchmachen, weil ich es schon eigentlich gut vorbereitet habe.
In den ersten zwölf Jahren, also den frühen Jahren des Lebens Ahas, haben wir das Zwillingsthema Verheißung und Bedrohung, Errettung und Gericht. Was wird sein? Wir stellen dann auch fest, dass diese beiden zusammenkommen in der Person des Messias, wodurch dann dieses neue Werk der Neuentschöpfung möglich gemacht wird.
Und inmitten dieses ersten Abschnitts haben wir Jesajas eigene Berufung und Beauftragung. Und wir müssen uns fragen: Warum ist das nicht schon Kapitel eins? Warum lesen wir davon erst in Kapitel sechs? Vielleicht werden wir das morgen verstehen und entdecken.
Und dann haben wir in dem letzten Teil dieses ersten großen Abschnitts das Desaster von Ahas, wo der König sich weigert, der Verheißung, dem Versprechen des Herrn, zu vertrauen, wo aber trotzdem der Herr ihm gnädig diese große Verheißung des Immanuel gibt.
Und dann kommen wir zu einem großen Abschnitt, in dem wir uns die Welt allgemein, die weitere Welt, anschauen. In den Kapiteln dreizehn bis dreiunddreißig lesen wir davon, was Gott unter den Völkern tun wird. Das ist darin begründet, dass Juda gezwungen ist, auf die anderen Nationen zu schauen, statt auf Gott zu vertrauen. Juda schielt zu den anderen Völkern hin und schaut nicht zum Herrn für die Errettung. Und deshalb bestätigt Gott hier, dass er es ist, der souverän ist, und es gibt niemanden, der ihm zu vergleichen wäre.
Und all diese Aussprüche über die Nationen kommen zusammen mit einem Statement über Gottes Souveränität über die gesamte Geschichte aller Menschen. Gegen die unterschiedlichen Nationen und Völker steht also jetzt das, was die Souveränität Gottes zum Ausdruck bringt. Das ist also, womit jetzt der zentrale Teil des Buches beginnt. Der innere Kern dieses Buches beschäftigt sich also damit, bevor wir uns dann dem Leben des Königs Hiskias zuwenden. Er glaubt an den Herrn und tut das, was dem Herrn recht ist, und mittendrin haben wir jetzt Gott als König, der herrscht.
Und dann endet dieser erste Teil des Buches, also 1 bis 39, in dieser unglaublich wunderbaren Befreiung Jerusalems von der assyrischen Belagerung. Aber Babylon wird kommen.
Aber dann lesen wir in dem zweiten großen Teil, Kapitel vierzig bis fünfundfünfzig, von dem neuen Exodus aus der babylonischen Gefangenschaft heraus, von der Wiederherstellung Gottes, der Stadt Gottes. Und alles das hängt zusammen mit dem Erlösungswerk des Gottesknechtes.
Und dann, in dem letzten Abschnitt, eröffnet sich der Horizont der ewigen Zukunft. Für jenen großen Tag, der noch kommen wird: Wie sollen wir auf ihn warten? Nun, wir erkennen weiterhin unsere menschliche Gebrechlichkeit und Schwäche. Aber wir verlassen uns auf das Werk des gesalbten Eroberers, der kommen wird und siegen wird. Und das ist das, was die letztendliche Lösung und die ewige Stadt Gottes mit sich bringen wird.

Vertrauen statt eigener Wege

Ihr seht also, dies ist ein Buch, das wirklich unseren Glauben erbaut und aufbaut. At every stage the people of God are being challenged to wait for God to fulfill his promises, und an jeder Kreuzung dieses Buches, an jeder Stelle dieses Buches, werden wir immer wieder neu zum Vertrauen auf den Herrn aufgefordert. They're being told: don't make up your own policies, trust God's promises. Dem Volk wird aufgezeigt: Entwickelt nicht eure eigene Politik, eure eigenen Wege, sondern vertraut auf den Herrn.
Und dieses Warten darauf, dass der Herr seine Verheißungen erfüllt, ist nichts Passives, sondern etwas, das wir aktiv betreiben. Es bedeutet, dass wir Gottes Verheißungen für uns in Anspruch nehmen und darauf unser Leben aufbauen. So wie es auch das Evangelium im Neuen Testament aufzeigt, ist es für uns ebenfalls wahr: All die Verheißungen Gottes sind Ja und Amen in dem Herrn Jesus Christus.
Die ständige Herausforderung für uns ist, dass wir den Verheißungen glauben und dann seinen Geboten gehorchen. Seht ihr, der Grund, warum wir seinen Geboten nicht gehorchen, ist, weil wir seinen Verheißungen nicht vertrauen. Then we do what God says. But the reason we don't do what God says is because we don't really think he knows best. Aber der Grund, warum wir nicht tun, was der Herr uns aufträgt, ist, weil wir nicht glauben, dass das das Beste für uns ist. We don't really want to have to go God's way, we'd rather have a bit of our own way too. Wir wollen nicht wirklich Gottes Wege gehen, sondern unsere eigenen Wege finden. Und das sind genau die Dinge, die Jesaja in seiner Prophetie hier anspricht.

Fragen zur Einheit des Buches und zur Auslegung

Ich glaube, hier werde ich aufhören. Es ist ein sehr warmer Nachmittag, und ihr habt bisher gut durchgehalten. Aber vielleicht haben wir noch fünf Minuten, bevor wir Schluss machen. Vielleicht gibt es noch eine oder zwei Fragen, die die Leute gern stellen würden. Wer möchte eine Frage stellen? Ja, alle Fragen sind gute Fragen. Also traut euch, es gibt keine blöden Fragen.
In all your position and all the structure of the book you made clear that the book of Isaiah is in unity and there are not several books of Isaiah. Can you say something, one word about this problem?
Ich will also betonen: Hat David durch die Art, wie er dieses Buch aufgegliedert hat, die Einheit des Buches aufgezeigt und deutlich gemacht, dass es hier nicht um drei unterschiedliche Bücher in diesen drei großen Teilen geht? Kann er dazu etwas sagen? Fünf Minuten? Ich glaube, das bedarf einiger Minuten, um das wirklich deutlich zu machen.
The authorship of Isaiah into one, two, three or more Isaiahs.
Seit dem 19. Jahrhundert hat es Kommentatoren und Wissenschaftler gegeben, die dieses Buch in drei oder sogar noch mehr Verfasser aufgeteilt haben. They’ve taken those three units I talked about, one to thirty-nine, forty to fifty-five, fifty-six to sixty-six.
Sie haben also diese drei großen Abschnitte, die wir auch jetzt aufgezeigt haben, 1 bis 39, 40 bis 55 und 56 bis 66, betrachtet und gesagt: Ja, dahinter stecken drei unterschiedliche Verfasser oder Gruppen von Verfassern. Trito-Isaiah und nun viele Disziplinen der Schule von Isaiah, die alle ein bisschen dazu beigetragen haben, dass das Buch nicht richtig ist.
Aber warum glaube ich, dass das nicht zutrifft? Zuerst einmal, weil dieses Buch in den alttestamentlichen Kanon eingegangen ist als ein einheitliches Buch. Jedes der fünfzehn prophetischen Bücher im Alten Testament fängt mit dem Namen und der Beschreibung des historischen Kontexts des Buches gleich am Anfang an. Genauso wie wir das auch schon in Kapitel 1, Vers 1 heute bei Jesaja gesehen haben.
And the period of his prophecy.
Dort erfahren wir den Namen des Propheten, seinen Ursprung, seine Herkunft und dann auch den historischen Rahmen, also welche Könige zu seiner Zeit geherrscht haben. Keines dieser prophetischen Bücher ist anonym. So, for an unknown prophet to begin with chapter forty would seem very odd.
Für einen unbekannten Propheten, der dann erst in Kapitel 40 einsetzt, wäre das etwas sehr Eigenartiges.
Zweitens gibt es anhand der gefundenen Manuskripte keine Hinweise darauf, dass dieses Buch nicht eine Einheit darstellt. Als die Qumran-Schriften gefunden wurden, gab es auch eine Rolle des Propheten Jesaja. Sie beginnt auf der allerletzten Zeile einer Kolumne, die durch Kapitel 39 läuft. Und wenn wir uns diese Schriftrolle anschauen, dann sehen wir, dass Kapitel 40 auf einem Lederstück oder auf einem Stück sozusagen anfängt, genau unten dort, wo eigentlich Kapitel 39 steht.
Unten auf dieser Kolumne, in dieser Schriftrolle, lesen wir also die Worte aus Kapitel 40, Vers 1: Tröstet, tröstet mein Volk! Vers 2: Redet zum Herzen Jerusalems und ruft ihr zu. Und dann lesen wir in der nächsten Kolumne dieser Schriftrolle oben in der ersten Zeile den zweiten Teil von Vers 2, dass ihr Frondienst vollendet.
Wir sehen also hier klar in dieser Qumran-Rolle, dass es keine Einteilung oder Abteilung zwischen diesen beiden großen Abschnitten gibt. Und diese Qumran-Rolle können wir auf etwa 150 v. Chr. datieren, fast so alt wie die Septuaginta, die griechische Übersetzung des Alten Testaments. Es gibt also keine anderen Manuskripthinweise darauf, dass es getrennte Bücher gewesen wären.
Und dann muss man sich bewusst sein, dass für die nächsten zweitausend Jahre niemand an der Einheit dieses Buches gezweifelt hat. Aber was dann im 19. Jahrhundert geschah, ist, dass man angefangen hat zu bezweifeln, dass Jesaja wirklich das, was im zweiten Teil angekündigt wird, hätte prophezeien können. Denn in diesem zweiten Teil, ab Kapitel 40, finden wir Aussagen und Prophetien über den König Kyrus, wie er das Volk Israel befreien wird. Und man hat angefangen zu sagen: Das ist ja unmöglich, das muss erst geschrieben worden sein, nachdem sich diese Kyrus-Ereignisse ereignet hatten. Das kann niemand vorausschauen.
Und das hat die Wissenschaftler bewogen zu sagen: Ja, dann muss es mehrere Jesajas gegeben haben, die durch eine große Zeitspanne getrennt sind.
Aber diese Position hat ganz bestimmte Voraussetzungen. Und das ist die Behauptung, dass die Zukunft nicht vorausgesagt werden kann. Und so schreibt ein Wissenschaftler zum Beispiel:
Do you really think I can read that? Maybe, maybe. You might be given the gift of interpretation.
Okay, okay. Was ich glaube, was hier steht: Ein prophetischer Verfasser wird immer das, was er ankündigt und voraussagt, in dem verankern, was sich in seiner Gegenwart zuträgt. Insofern ist also der Sinn einer Prophetie, dass durch das Angekündigte letztendlich die Gegenwart kommentiert wird.
Und natürlich, wenn das meine Annahme ist, dann muss ich zu dem Schluss kommen, dass es mehr als einen Jesaja gibt. Aber wenn wir einen Gott haben, der das Ende vom Anfang schon weiß, wenn wir wirklich einen Gott haben, der zweihundert Jahre im Voraus ankündigen kann, was geschehen wird, dann haben wir dieses Problem nicht mehr.
Es ist also nicht wirklich ein Problem, das wir im Text finden, sondern es ist ein theologisches Problem. Und es geht um meine theologischen Annahmen, mit denen ich das Buch angehe. Und wenn wir die Autorität des Neuen Testaments akzeptieren, dann zitiert Jesus beide Teile Jesajas als von Jesaja kommend, und Paulus tut dasselbe. Und Johannes spricht in seinem Evangelium von Jesaja 53 und Jesaja 6 als von Jesaja.
So it's an issue in academic circles but don't let it spoil the book of Isaiah for you.
Es ist also ein heiß debattiertes Thema in akademischen Kreisen, aber lass dir dadurch das Buch Jesaja nicht verderben! Eine lange Zeit hat niemand die Notwendigkeit gesehen, das zu verteidigen, was nicht angefochten wurde.
Ich wollte Sie fragen: Gibt es im Jesajabuch Hinweise auf die Gemeinde Jesu, die im Neuen Testament vorkommt?
Ja, wenn wir uns vom Neuen Testament ins Alte Testament zurückarbeiten. Ich glaube, es war Luther, der gesagt hat, wir lesen die Bibel vorwärts, aber wir können sie nur rückwärts verstehen. Ich glaube, es war Luther, der gesagt hat, wir lesen die Bibel vorwärts, aber wir verstehen sie nur rückblickend.
Wenn wir also als Christen das Buch Jesaja lesen, dann finden wir bei Jesaja Vorandeutungen. But the way in which we have to work on this is to say we go back from the New Testament in order to see the seeds of it in the Old Testament.
Aber wie wir als Christen das dann angehen, ist, dass wir sagen: Gut, nachdem wir das Neue Testament gelesen und verstanden haben, halten wir jetzt Ausschau nach den Samen, die sozusagen zu dem Neuen Testament geführt haben.
Ein Beispiel: Nach dem wunderbaren 53. Kapitel über den leidenden Gottesknecht fängt Kapitel 54 damit an, weitet eure Zelte aus, baut eure Häuser weiter aus, denn viele Menschen und Völker werden in das Königreich Gottes kommen aufgrund dessen, was der Gottesknecht getan hat.
On the basis of Christ's atoning work.
Natürlich verstehen wir heute, dass das möglich war aufgrund des Kreuzes und der Gemeinde, die dadurch entstanden ist. Aber das liegt daran, dass wir diese früheren Prophetien anhand dessen verstehen und lesen, was wir jetzt aus der Erfüllung erfahren.
Aber nach dem Abendbrot kommen wir genau zu der Frage, da gibt es mehr.