Serie•Teil 15 / 53Lukas-Evangelium
Generierte Mitschrift
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Einleitung und Fragestellung
Das vorletzte Mal haben wir uns dieses Thema, den Weg der Errettung, unter der Frage angeschaut: Wie wird ein Mensch gerettet? Und wir haben gesehen, dass die ersten beiden Ereignisse, die Lukas heraussucht, damit zu tun haben, dass dies durch Glauben und aus Gnade geschieht.
Das letzte Mal ging es um die Frage: Wie verpasst ein Mensch eigentlich die Errettung? Die Antwort war: durch Unwilligkeit und durch Vorurteile.
Heute möchte ich mit euch darüber nachdenken, wie ein errettetes Leben eigentlich aussieht. Was sind die Kennzeichen dafür, dass ein Mensch Vergebung empfangen hat? Mir ist das deshalb wichtig, weil ich nicht danach fragen möchte, was einen religiösen Lebensstil ausmacht.
Ich habe gerade eine Dokumentation über die DDR gesehen, einen Rückblick: Wie war das eigentlich damals? Fantastisch gemacht. Da hat man Bilder aus Leipzig mit den Friedensgebeten gesehen. Montags treffen sich ganze Kirchen voller Leute, die gemeinsam beten, und man denkt sich: Boah, die sind ja alle gläubig.
Man weiß natürlich heute, wenn man ein bisschen darüber nachdenkt: Na ja, die sind zwar in die Kirche gegangen und haben da auch irgendwie gebetet, aber so richtig mit Glauben, so richtig mit Vergebung, hatte das wenig zu tun. Das heißt: Ich kann einen religiösen Lebensstil haben, ohne errettet zu sein.
Und deswegen ist diese Frage auch so wichtig. Ich denke auch, dass Lukas sie an dieser Stelle bringt. Die Frage ist einfach wichtig: Wie sieht ein Leben aus, das gerettet ist?
Wir können ja gemeinsam schon mal Lukas Kapitel 7 aufschlagen. Die nächsten beiden Ereignisse, die wir uns anschauen wollen, haben zum einen mit dieser Salbung Jesu durch eine Sünderin zu tun und zum zweiten mit einem kurzen Blick auf die Frauen, die Jesus nachfolgen. Sie zeigen uns folgenden Punkt: Man kann sich Errettung nicht erarbeiten. Das war ja unsere allererste Aussage. Aber da, wo Errettung da ist, da, wo ein Mensch wirklich Glauben hat, da führt Errettung zu guten Werken.
Ich möchte mit euch noch einmal einen Vers aus dem Epheserbrief anschauen: Epheser 2,8-9. Den haben wir schon einmal gelesen, aber ich möchte ihn noch einmal lesen. Epheser 2,8-9. Da heißt es: Denn aus Gnade seid ihr errettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.
Bis dahin hatten wir die Aussage schon. Aber jetzt geht es einen Vers weiter, und jetzt lesen wir Vers 10: Denn wir sind sein Gebilde, in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken, die Gott vorherbereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.
Mit meinen Worten: Wenn jemand sagt, Gott hat mir vergeben, wenn das jemand verstanden hat, dass er errettet ist, dann möchte er Danke sagen. Das ist ganz normal. Wer begriffen hat, dass Gott seine Schuld bezahlt hat, der will Gott etwas schenken. Und das Beste, was wir haben, das Beste, was wir Gott schenken können, um Danke zu sagen, sind gute Werke. Das Beste, was wir haben, ist unser Leben.
Ich möchte mit euch jetzt Lukas 7,36-38 anschauen und in diese Geschichte eintauchen, die Lukas bewusst ausgewählt hat, um uns an dieser Stelle diesen Aspekt, was die Kennzeichen eines erretteten Lebens sind, ganz plastisch vor Augen zu führen.
Die Begegnung im Haus des Pharisäers
Da heißt es in Lukas 7,36: Es bat ihn aber einer der Pharisäer, dass er mit ihm essen möchte. Und er ging in das Haus des Pharisäers und legte sich zu Tisch. Und siehe, da war eine Frau in der Stadt, die eine Sünderin war. Und als sie erfahren hatte, dass er in dem Haus des Pharisäers zu Tisch liege, brachte sie eine Alabasterflasche mit Salböl, trat von hinten an seine Füße heran, weinte und fing an, seine Füße mit Tränen zu benetzen. Und sie trocknete sie mit den Haaren ihres Hauptes. Dann küsste sie seine Füße und salbte sie mit Salböl.
Also: Ein Pharisäer lädt Jesus zum Essen ein. Eine stadtbekannte Sünderin kommt herein, weint über Jesu Füßen, wäscht sie mit ihren Tränen, salbt sie und küsst sie. Für den Pharisäer ist in diesem Moment der Fall Jesus völlig klar.
In Vers 39 heißt es: Als aber der Pharisäer, der ihn geladen hatte, das sah, sprach er bei sich selbst und sagte: Wenn dieser ein Prophet wäre, so würde er erkennen, wer und was für eine Frau das ist, die ihn anrührt; denn sie ist eine Sünderin.
Der Fall ist klar: An Jesus kann nichts dran sein, denn wenn jemand ein richtiger Prophet ist, dann weiß er ja wenigstens, was das für Typen sind, die ihn da so anfassen. Und das ist eben eine stadtbekannte Sünderin. Und irgendwie hat der Pharisäer nicht ganz unrecht. Wenn wir weiter unten lesen, in Vers 47 und Vers 48, dann stimmt Jesus dem tatsächlich zu. Da heißt es: Deswegen sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel geliebt. Wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig. Er aber sprach zu ihr: Deine Sünden sind vergeben.
Das problematische Wörtchen in diesem Satz ist das Denn in der ersten Zeile: Deswegen sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel geliebt. Im Deutschen klingt das ein bisschen so, als hätte die Frau geliebt, nämlich indem sie sich um Jesus gekümmert hat, ihm die Füße gewaschen, ihn gesalbt und ihn geküsst hat, und daraufhin wäre ihr deshalb die Sünde vergeben worden. Und das ist falsch. Das klingt im Deutschen so, ich weiß, es ist aber trotzdem falsch.
Es ist deshalb falsch, weil wir nicht jede griechische Zeitform leider sauber übersetzen können. Das, was hier im Original ausgedrückt wird, ist, dass diese Frau in dem Moment, wo sie das Haus von Simon dem Pharisäer betritt, bereits Sündenvergebung hat. Wenn Jesus sagt: Ihre Sünden sind vergeben, oder weiter unten zu ihr: Deine Sünden sind vergeben, dann wählt er bewusst eine griechische Zeitform, die zum Ausdruck bringt, dass diese Vergebung in der Vergangenheit schon stattgefunden hat und heute nur noch gilt. Es ist eine Bestätigung, keine Begründung der Vergebung, die in der Vergangenheit schon stattgefunden hat.
Hier betritt eine Frau, die schon vergeben ist, das Haus des Pharisäers. Und Jesus spricht dieser Frau nur noch zu: Deine Sünden sind dir, mein Wort, wirklich vergeben. Und woher weiß ich das? Was ist der Beweis dafür, dass ihr vergeben ist? Der Beweis ist, dass ihr Leben das widerspiegelt. Ihre Liebe ist ein sichtbarer Beweis dafür, dass ihr vergeben ist.
Und jetzt ist die Frage: Wie kann ich das, und ihr könnt euch vorstellen, dass es für so einen Pharisäer ein Unding ist, dass dieser Frau irgendwie vergeben sein könnte, wie kann ich das einem Simon klar machen? Wie kann ich ihn überzeugen?
Wir springen noch einmal zurück und schauen uns die Geschichte an, die Jesus dem Simon erzählt. Lukas 7,40-42: Da spricht Jesus zu Simon. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon, ich habe dir etwas zu sagen. Er aber sagte: Lehrer, sprich. Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner. Der eine schuldete fünfhundert Denare, der andere aber fünfzig. Da sie aber nicht zahlen konnten, schenkte er es beiden. Wer nun von ihnen wird ihn am meisten lieben? Simon aber antwortete und sprach: Ich denke, dem, dem er das meiste geschenkt hat. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet.
Eine einfache Geschichte, die das Prinzip auf den Punkt bringt. Und Simon erfasst das auch sofort und sagt: Na klar, wem viel geschenkt wird, der liebt viel. Wem wenig geschenkt wird, der liebt wenig. Also ist die Anwendung völlig klar. Ja, diese Frau hier verhält sich wie jemand, dem eine Unmenge von Sünden vergeben worden ist. Und deshalb begegnet sie ihrem Gläubiger auch mit einer unglaublichen Liebe, mit Dankbarkeit, mit Wertschätzung und investiert sich.
Das ist einfach ganz einfach, oder?
Der Kontrast zwischen Dankbarkeit und Gleichgültigkeit
Problematisch wird es, wenn wir kurz den Spieß einmal umdrehen, Verse 44 bis 46, und uns der Frau zuwenden. Da sprach er zu Simon: Siehst du diese Frau? Logisch sieht er sie ja, das ist ja ein Zimmer. Ich bin in dein Haus gekommen, du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben, sie aber hat meine Füße mit Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet. Du hast mir keinen Kuss gegeben, sie aber hat, seitdem ich hereingekommen bin, nicht abgelassen, meine Füße zu küssen. Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt, sie aber hat mit Salböl meine Füße gesalbt.
Wenn Ehrerbietung, Herzlichkeit und gute Werke ein Zeichen für die Vergebung von Sünden sind, was zeigt uns dann das Verhalten von Simon? Was zeigt es uns, wenn Simon die einfachsten Formen der Höflichkeit außer Acht lässt? Er hat Jesus kein Wasser gegeben, hat ihm seine Füße nicht gewaschen, hat ihm keinen Kuss gegeben, hat ihn also nicht herzlich begrüßt, hat ihm kein Salböl gegeben. Wir würden heute sagen: kein gutes Deo, damit man nicht ganz so nach Straße riecht. Er hat ihm das alles nicht gegeben.
Auf der einen Seite steht eine stadtbekannte Sünderin, denken wir ruhig einmal daran, wahrscheinlich eine Prostituierte. Jeder kennt sie, jeder kennt ihre Vorgeschichte. Ja, sie kommt in den Raum. Was macht die denn hier? Und sie wagt sich da hinein, sie wagt das Ungeheure. Denn echter Glaube führt nicht nur zu echter Vergebung, sondern echte Vergebung führt zu echter Liebe. Für sie ist das Unmögliche ganz einfach.
Und auf der anderen Seite steht Simon. Er hat die Mittel und irgendwie auch das Interesse, Jesus einzuladen. Soweit, so gut. Aber er hat kein echtes Interesse an Jesus. Er liebt Jesus nicht. Und schlimmer noch: Er bringt durch seine Unhöflichkeit auch zum Ausdruck, dass er mit diesem Jesus eigentlich gar nichts anfangen kann, dass Jesus ihm nichts wert ist.
Man hat fast, wenn man die Geschichte hier liest, den Eindruck, als wäre die Frau, als sie hier kam, so vorbereitet gewesen, als hätte sie davon gehört, wie Simon mit Jesus umgeht. Als hätte sie von diesem Bruch morgenländischer Gastfreundschaft gehört und wolle das irgendwie ausbügeln. Sie kommt hin und behandelt Jesus auf ganz außergewöhnliche Weise. Sie ist bereit, ihm seine Füße zu waschen, wofür Simon nicht bereit war, und sie benutzt nicht weniger als Tränen und ihre Haare.
Ein Blick auf die Bedeutung von Haaren und Hingabe
Und ich muss an der Stelle, nein, ich muss natürlich nicht, aber ich will an der Stelle einen Exkurs machen. Einen Exkurs in ein Thema hinein, das ich persönlich ganz schön finde: 1. Korinther 11, eine Stelle, die man selten predigt, zu der man selten etwas sagt. Da gibt es für mich in Vers 14 eine interessante Stelle, weil dort heisst, dass die Natur den Menschen lehrt, dass es für eine Frau eine Ehre ist, wenn sie langes Haar hat. Dann heisst es weiter: Denn das Haar ist ihr anstatt eines Schleiers gegeben.
Man kann viel zu dem Text sagen, ich will heute nur auf einen Punkt hinaus. Paulus möchte mindestens in 1. Korinther 11 sagen, dass Mann und Frau unterschiedlich sind, das heisst, von der Schöpfung her unterschiedlich gemacht sind. Habt ihr euch jemals gefragt, warum Frauen seltener Glatzen bekommen? Oder warum Frauen tendenziell mehr Haare haben? Es liegt am Testosteronspiegel. Davon haben wir Männer mehr, deswegen haben wir weniger Haare und öfter Glatzen.
Lange Haare werden deshalb, und wenn Paulus sagt, von Natur aus, besonders als weiblich angesehen. Lange Haare sind, und jetzt spreche ich mal einfach als Mann, Hingucker. Hingucker heisst: Man geht so spazieren, und vor einem läuft so eine Frau mit langen Haaren. Also, du bist als Mann, glaube ich, nicht ganz unbeteiligt. Man schaut da einfach eher hin. Die Bibel nennt das eine Ehre für eine Frau, einen Aspekt ihres Frauseins, der sie besonders schmückt.
Und diese Tendenz, dass man Frauen mit langen Haaren besonders schön empfindet, setzt sich dann auch Jahr für Jahr bei den diversen Misswahlen durch. Auch Frau Suchinova, die aktuelle Miss World, ist da keine Ausnahme. Man kann sich das mal anschauen: Irgendwie weltweit, wenn man das so weltweit vergleicht, ist die grosse Tendenz klar: Lange Haare sind schön.
Das heisst nicht, versteht mich nicht falsch, dass eine Frau lange Haare haben muss. Ich bin mir völlig darüber im Klaren, dass wir gerade bei Frauen mit sehr krausen Haaren, ich denke an Afrikanerinnen oder so, dass das fast ein Unding ist. Dass es wirklich schwierig ist, da lange Haare haben zu können. Und trotzdem glaube ich, dass Paulus recht hat: Lange Haare unterstreichen irgendwie Weiblichkeit. Sie sind ihr, wie heisst es hier, anstatt eines Schleiers gegeben.
Vergebt diese Übersetzung, man hätte das anders übersetzen müssen, weil das Wort Schleier, da denken wir an irgendwie hier vorne was und ringsherum. Das Wort, das hier besser vom ganzen Kontext her passen würde, weil das ja eine Begründung dafür ist, warum langes Haar eine Ehre oder etwas sehr Schönes für eine Frau ist: Das Wort, das man hier anstelle von Schleier hätte übersetzen sollen, ist das moderne Wort Stola. Wisst ihr, was eine Stola ist? Wenn du in die Oper gehst, dann siehst du Frauen mit einem Schulterüberwurf, das ist eine Stola.
Und dieses Wort, das hier mit Schleier übersetzt ist, macht viel mehr Sinn, wenn man es mit Stola übersetzt. Denn das ist das, was langes Haar macht. Es ist ein Schulterschmeichler, es ist etwas, das über die Schultern fliesst, wie wenn diese Frau eine Stola tragen würde. Warum trägt man eine Stola? Um sich schön zu machen. Und dieser Aspekt der Schönheit wird durch die langen Haare unterstrichen. Lange Haare sind eine natürliche Stola, sie machen Frauen schön.
Und ich weiss, wie Frauen zu Haaren stehen, ich bin mit drei Frauen zu Hause, okay? Ich habe in meinem Leben ein einziges Shampoo gebraucht. Ich habe mir erlaubt, mal zu zählen, wie viele Shampoos bei uns rumstehen, ich bin auf zwölf Flaschen gekommen. Also, wir haben da das Anti-Schuppen-Klassik-Shampoo, das Sofortpflege-Kurs-Anti-Stro, die Q10-Aufbau, und es geht so weiter. Es ist unglaublich, was man anscheinend mit fülliger Schmeidigkeit, Glanz, Farbintensität, UV-Schutz, man kann da alles reinballern. Und das ist nur das Thema Waschen.
Ich könnte zum Thema Haare noch sagen: Bei uns wird getönt, gefärbt, geglättet, geschnitten, geflochten und hochgesteckt. Es hat überhaupt kein Ende. Und das Minimum, warum ich 1. Korinther 11 mal bringen wollte, ist: Haare sind für Frauen wichtig. Und das ist gut, und das ist biblisch. Und Frauen sollen Frauen sein, weil Gott sie schön gemacht hat, und wir Männer wissen das einfach zu geniessen.
Die verschwenderische Liebe der Geretteten
Aber jetzt zurück: Ich habe diesen kleinen Exkurs einfach nur gebracht, damit wir ein bisschen tiefer verstehen, was hier eigentlich passiert. Man liest da so schnell darüber hinweg.
Wenn eine Frau kommt, wie diese Frau, und ihre aller Voraussicht nach langen Haare benutzt – mit kurzen Haaren ist es ein bisschen schwieriger zu machen, was sie gemacht hat –, dann ist das, was Lukas uns hier berichtet, eine Liebe, die so stark und so verschwenderisch ist, dass sie keine Rücksicht auf die eigenen Emotionen und Bedürfnisse nimmt, sondern sich vollständig verschenkt.
Hier ist eine Frau, die die dreckigen Füße eines Wanderpredigers mit ihren Tränen benetzt und sie mit ihren Haaren trocknet. Könnt ihr euch vorstellen, wie sie danach aussah? Weißt du, was das heißt, mit deinen Haaren da zu rubbeln? Kannst du dir vorstellen, wie sie danach roch? Und sie hört nicht auf, sie küsst diese Füße. Ich weiß nicht, wer von euch meine Füße und diese frisch geduschten Füße heute Morgen küssen würde und sie salbt. Könnt ihr euch vorstellen, wie sie da liegt? Mit zerzausten Haaren, wie sie nach Straße riecht und die Füße Jesu küsst?
Aber genau so sieht die Liebe von erretteten Menschen aus. Zu solchen Menschen kann Jesus, wie auch hier zu der Frau, sagen, in Vers 50: Dein Glaube hat dich gerettet, geh hin in Frieden. Hier hat jemand Frieden mit Gott gefunden. Nicht durch Werke, sondern durch Glauben. Dein Glaube hat dich gerettet.
Und meine Eingangsfrage war: Wie sieht errettetes Leben aus? Und die Antwort ist ganz einfach: so.
Und jetzt kann jemand sagen: Stopp, das geht mir ein bisschen zu schnell. Eine Geschichte, eine Frau, und du leitest gleich ein ganzes Prinzip davon ab. Vielleicht ist sie einfach nur so, so dieser etwas überschäumende Typ voller Emotionen, der sich, ach, der immer gleich anfängt zu flennen. Muss man sich, wenn man Vergebung erfährt, wirklich so verhalten? Kann man nicht auch ein bisschen so sein wie Simon, der Pharisäer?
Und ich sage mal: Ja, ich verstehe, was der Einwand soll. Wenn man mal die Seite der Emotionen anschaut, dann sind wir tatsächlich unterschiedlich. Also wenn ich meine Frau und mich anschaue in Stresssituationen, wir sind ziemlich unterschiedlich. Nicht jeder muss vor Begeisterung so viel flennen, dass es reicht, um die Füße eines anderen damit zu waschen. Ja, da sind wir unterschiedlich. Ich glaube, ich hätte da Probleme gehabt bei der Aktion hier.
Aber was den Punkt Hingabe als solches angeht, wenn es um die Frage geht, wie viel bin ich bereit, in meine Jesusbeziehung zu investieren, wie weit bin ich bereit zu gehen, um Jesus zu zeigen, dass ich ihn mehr schätze als mein Ansehen, meine Finanzen, meine Freizeit, ist an der Stelle Lukas 7 diese Sünderin für uns ein super Vorbild.
Die Frauen als Vorbild praktischer Nachfolge
Und sie steht nicht allein. Sie ist nicht die Ausnahme, sie ist die Regel. Denn wir lesen in Kapitel acht in den ersten drei Versen weiter: Lukas 8,1-3.
Und es geschah danach, dass er nacheinander Städte und Dörfer durchzog, in denen er predigte und das Evangelium vom Reich Gottes verkündigte, und die Zwölf mit ihm. Und einige Frauen, die von bösen Geistern und Krankheiten geheilt worden waren: Maria, genannt Magdalena, von der sieben Dämonen ausgefahren waren, und Johanna, die Frau des Chuzas, des Verwalters Herodes, und Susanna und viele andere, die ihnen mit ihrer Habe dienten.
Maria, Johanna, Susanna und viele andere. Sie kommen aus ganz unterschiedlichen sozialen Schichten. Sie hatten Heilung erfahren. Und ich finde, sie dienen Jesus auf eine sehr, hm, wie soll ich das sagen, sehr pragmatische, wenig romantische Weise, indem sie ihn begleiten und finanzieren. Und mit einem Mal wird hier doch ein Prinzip daraus: Sie zeigen ihre Liebe zu Jesus durch Nachfolge, durch Dienst.
Und so lautet der Kernpunkt dieser Predigt und auch dieser beiden Berichte, die uns Lukas hier bringt: Errettung ist nicht aus Werken. Wir können uns Errettung nicht erarbeiten, sondern immer aus Glauben und durch Gnade. Es ist immer ein Geschenk. Aber da, wo sie wirklich erfahren wird, da, wo jemand sagt: Ja, das habe ich verstanden, da führt sie immer zur Liebe und zur Dankbarkeit gegenüber dem, der uns gerettet hat. Und das wird sich wiederum zeigen in Hingabe und guten Werken.
Und so bleibt mir zum Schluss eigentlich jetzt nur, diese Frage aufzugreifen und euch zu fragen: Wie sieht das bei uns denn so aus? Oder wie sieht das bei mir aus? Und wenn das mal so war, ja, wenn du sagst: Ja, vor zehn, zwanzig Jahren, boah, da lief ich mal, aber heute, hm, heute ist das auch nicht mehr so, dann möchte ich dir die Frage stellen: Wie sehr, wie praktisch liebst du Jesus?
Und bitte, ich meine nicht, dass wir uns nicht falsch verstehen. Ich meine nicht diese romantische, gefühlsbetonte Art unbedingt. Wenn du so drauf bist, darfst du das auch haben. Aber wenn du vielleicht eher so ein bisschen mein Naturell hast, ja, mir geht es um die Frage: Wie zeigt sich unsere Liebe zu Jesus in unserem Leben? Durch Dienst, dadurch, dass wir seine Ziele und seine Gebote in den Mittelpunkt unseres Lebens stellen.
Das ist die Frage, die uns hier durch diese beiden Berichte gestellt wird. Und natürlich auch die Frage, ob wir Simon vielleicht ähnlicher sind, als uns das lieb ist. Es ist so leicht, hier zu sagen: Der Pharisäer hat das mal wieder nicht geschnallt. Stimmt, das geht. Aber wie geht es uns? Wie ist unser Umgang mit Jesus?
Gönnen wir uns vielleicht auch Phasen und Zeiten, wo wir so viel Jesus wie nötig wollen, wo wir ein bisschen Jesus zum Angeben, vielleicht auch ein bisschen Jesus zum Reden, aber kein Stückchen mehr wollen? Bloß keine persönliche Begegnung. Bloß kein Investment. Dass andere schlecht von uns denken könnten, uns womöglich für Fanatiker halten, für Leute, die so ein bisschen Jesusfreaks-mäßig drauf sind. Bloß sich nicht die Finger schmutzig machen. Soll doch jemand anders seine Füße waschen, küssen und salben, ich doch nicht. Sollen doch die anderen in der Gemeinde mitarbeiten und die Klos putzen und das Essen kochen und die Solarzelte aufbauen und predigen und was auch immer anfällt? Ich doch nicht.
Ich habe gerade vielleicht so eine Simon-Phase: so viel Jesus wie nötig, aber nicht so viel wie möglich. Mir ist mein eigenes Leben wichtiger. Was hat Jesus mir schon geschenkt? Was hat Jesus mir schon vergeben? Und die Antwort ist, und es ist eine Antwort, die wir bewahren müssen: Es gibt es. Im zweiten Petrusbrief schreibt uns der Apostel, dass man die Reinigung von seinen Sünden vergessen kann, dass man einfach lebt und irgendwann mal begeistert gestartet ist und an einem Punkt kommt, wo man sagt: Eigentlich weiß ich gar nicht mehr, was Jesus mir vergeben hat. Irgendwie ist mir das aus dem Blick geraten.
So das gegenwärtige Leben mit seinen Sorgen und mit seinen Chancen und vielleicht auch mit dem Geld, was ich verdiene, mit den Vergnügungen, die ich habe, das nimmt meinen Blick so gefangen, ich vergesse förmlich, was da mal passiert ist. Ich vergesse diesen Moment, wo ich gemerkt habe: Gott hat mir vergeben.
Und die Frage, wie viel hat Gott uns vergeben, die Antwort ist ganz einfach, und sie könnte gewaltiger nicht ausfallen: Gott hat uns alles vergeben. Und was hat Gott uns geschenkt? Vergebung deiner Schuld und eine Ewigkeit mit ihm. Und was möchte Gott? Gott möchte, dass wir ihn lieben, dass da, wo wir das begriffen haben, wir das nicht vergessen, sondern uns immer wieder auf ein ganz klares Ja einlassen und immer wieder bereit sind, ihm in Hingabe und Liebe zu begegnen und ihm mit unserem Leben Danke zu sagen, so wie diese Frauen, die uns hier ein Vorbild darin sind, Frauen, die wirklich mehr geben, als wir erwarten würden, und die an dieser Stelle uns ganz deutlich machen, worum es geht.
Gott hat uns alles vergeben, alles geschenkt, und das, was er verdient, ist unsere ganze, und das meine ich wirklich so, unsere ganze Liebe und Hingabe. Und das ist die Antwort auf die Frage: Was sind echte Kennzeichen eines erretteten Lebens? Die Antwort ist Liebe.
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