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Der Zweite Petrusbrief (Teil 5/12) — 2. Petrus 1, 10-13

2. Petrus 1,10-1306.01.2012
SerieTeil 5 / 12Weinsberg 2012 - Der Zweite Petrusbrief
Wach bleiben oder abrutschen? Petrus warnt: Echter Glaube zeigt sich nur, wenn du dranbleibst und dein Leben von innen her verändert wird – sonst droht geistliche Blindheit.

Orientierung und Aufbau des Briefes

Wir wollen jetzt in 2. Petrus 1,10 heute weiterfahren. Bevor wir das tun, möchte ich gern, dass wir uns noch einmal die Gliederung betrachten. Ich habe sie auf die Folie gegeben.
Es geht im zweiten Petrusbrief um Hilfen zum Wachbleiben und Festbleiben in dem kostbaren Glauben, angesichts großer Gefahren. Der zweite Petrusbrief ist ein Weckruf für Christen in den letzten Tagen.
Wir haben gestern die Verse 1 bis 4, den Briefeingang, betrachtet: den Gebetswunsch des Apostels Petrus um Vermehrung von Gnade und Friede durch Erkenntnis Gottes und Christi. Danach haben wir den ersten Aufruf betrachtet, also hier den zweiten Teil dieses Briefes, den Aufruf zu geistlichem Fortschreiten im Blick auf den Eingang in das ewige Königreich Christi.
Da waren wir nicht, wir hatten alle Verse gelesen, aber ich möchte auf die letzten beiden Verse noch ein bisschen eingehen. Bevor ich das tue, möchte ich noch einmal auf die Symmetrie des Petrusbriefes aufmerksam machen. Wir haben ja gesehen, dass der Petrusbrief so aufgebaut ist, dass der Anfang und das Ende einander entsprechen.
Gnade und Friede werde vermehrt durch die Erkenntnis Gottes und Jesu, unseres Herrn, ganz am Anfang. Und am Ende: Wachset in Gnade und Kenntnis unseres Herrn und Retters, Jesus Christus. Und ganz am Anfang war die Rede davon, dass Gott uns gerufen hat durch seine Herrlichkeit, und Jesus Christus wurde vorgestellt als unser Gott und Retter. Am Ende des Briefes heißt es ebenfalls: unser Herr und Retter, Jesus Christus; ihm sei die Herrlichkeit, ihm gebührt die Herrlichkeit.
Dann haben wir diese mittleren Teile. Wenn wir die Einleitung weglassen, bleiben noch fünf Teile übrig. Da haben wir den Teil 1. Petrus 1,5-11 ganz links. Da haben wir einen Aufruf: „Reichet dar!“ Und wenn ihr das und das tut, dann werdet ihr nicht straucheln. Und am vorletzten Teil, hier bei mir, 2. Petrus 3,11-17: „Seid auf der Hut, damit ihr nicht aus der Festigkeit fallt.“ Also wieder ein Aufruf.
Und ganz links 1. Petrus 1,5-11: „Befleißigt euch, festzumachen!“ Und ganz rechts 2. Petrus 3,11-17: „Befleißigt euch“, 2. Petrus 3,14 konkret. Auch hier seht ihr parallele Aufforderungen.
Dann kommen diese Teile in der Mitte, die drei mittleren Teile. Zuerst 2. Petrus 1,12-21: Dort wird hingewiesen auf die alttestamentlichen Propheten und auf die neutestamentlichen Apostel. Wir werden aufgerufen: Achtet darauf, was sie gesagt haben!
Und in dem Teil 2. Petrus 3,1-10 wird auch hingewiesen auf die alttestamentlichen Propheten und auf die neutestamentlichen Apostel. Da wird man aufgerufen: Gedenkt daran, was sie gesagt haben. Ebenfalls wird in diesen beiden Teilen darauf aufmerksam gemacht, dass wir erinnert werden sollen und ganz wach gerufen werden. Also Petrus ruft uns durch Erinnern ganz wach, 2. Petrus 1,13. Und auch im anderen Teil: Es ist mein Anliegen, euch durch Erinnern ganz wach zu rufen, 2. Petrus 3,1, durch diese Dinge.
Auch ein Hinweis wird gegeben auf den Tag, der anbrechen wird, in 2. Petrus 1,19, und ebenfalls dann ein Hinweis auf den Tag des Herrn, der kommen wird, in 2. Petrus 3,7. Das sieht man hier nicht mehr ganz deutlich auf der Folie. Ich will nur zeigen, dass hier also eine Parallelität besteht.
Dann haben wir diesen mittleren Teil noch, der übrig bleibt. Das ist 2. Petrus 2. Dort geht er auf die falschen Botschafter ein, falsche Botschafter. Und dann wird uns mitgeteilt, dass Gott eingegriffen hat. Er gibt drei Belege aus der Geschichte, wie Gott eingegriffen hat: 2. Petrus 2, beim Fall der Engel, bei der Flut und in Sodom.
So seht ihr also eine Entsprechung dieser Teile, und das Zentrum ist 2. Petrus 2. Das ist nur so weit als Wiederholung von gestern.

Festmachen von Ruf und Erwählung

Wir hatten dann gestern auch noch Verse fünf bis elf gelesen. Vers zehn: Darum, Brüder, befleißigt euch umso mehr, euren Ruf und eure Erwählung festzumachen.
Vielleicht sollte ich hier noch einmal den Zusammenhang erklären: Gnade und Friede sollen in unserem Leben vermehrt werden, entsprechend der Tatsache, dass seine göttliche Kraft uns alles für dieses neue Leben und für den neuen Lebenswandel gegeben hat. Und entsprechend der Tatsache, dass Gott uns eine herrliche Zukunft verheißen hat, Vers 4, sollen wir gerade deshalb fleißig sein und in unserem Glauben eine Tugend an den Tag legen, ein tugendhaftes Wesen zur Schau tragen.
Denn wenn wir Christi Charakter in unserem Leben sichtbar werden lassen und darin auch weiterhin zunehmen, werden wir fruchtbar sein und Jesus Christus mehr und mehr kennenlernen und lieben lernen.
Vers 8: Wenn aber diese Dinge fehlen, dann werden wir blind sein. Oder der, bei dem diese Dinge fehlen, bei dem kein Glaube vorhanden ist, kein tugendhaftes Wesen usw., der ist blind. Blind für diese herrliche Zukunft, blind für diese geistlichen Wirklichkeiten. Und er ist unfähig zu sehen, was das Heil bedeutet, und wird Gefahr laufen, zu stolpern und zu fallen.
Darum ist es umso wichtiger, dass wir festmachen, dass wir Gottes Geliebte sind und dass wir diesen christusähnlichen Charakter entwickeln lassen. Dann werden wir eines Tages mit Freuden am Ziel empfangen werden, und die Tür wird weit offen stehen, die Tür für das Königreich.
Hier das also als Zusammenfassung.
Wir lesen jetzt Vers 10: Darum, Brüder, befleißigt euch umso mehr, euren Ruf und eure Erwählung festzumachen. Man könnte hier auch übersetzen: euer Gerufen-Sein. Ihr seid ja gerufen worden, ja, und jetzt seid ihr Gerufene, also besonders Eingeladene zu diesem herrlichen Heil, das Gott für euch bereitet hat. Darum befleißigt euch umso mehr, euer Gerufen-Sein und eure Erwählung festzumachen.
Was heißt das, euer Gerufen-Sein und eure Erwählung? Nun, zuerst kommt der Ruf. Gott ruft, und dann kommt die Erwählung. Gott lädt uns ein, und sobald wir Ja sagen, dann kommt die Erwählung, dann werden wir erwählt. Das ist wie beim Heiraten, oder? Zuerst kommt die Einladung: Willst du meine Frau werden? Und dann sagt sie Ja, dann kommt die Erwählung. Ab diesem Zeitpunkt ist sie die Erwählte. Wenn sie Nein sagt, ist sie nicht die Erwählte, oder? Klar, es bezieht sich ganz klar auf die Antwort des Menschen.
Wenn Gott uns ruft, ist das die Einladung, und wenn wir Ja sagen, dann werden wir erwählt. Dann erwählt uns Gott zu seinen kostbaren Geliebten. Der Ausdruck erwählt ist ein Liebesausdruck. Ein Erwählter oder eine Erwählte ist eine Geliebte. Der Herr Jesus Christus ist der Erwählte schlechthin. In Lukas 23,35 wird Jesus so genannt, der Erwählte, der Erwählte Gottes, der Messias.
Christus ist von Gott zu dem Kostbaren gemacht worden, das heißt, er war es immer schon. Aber es ist nicht so, dass Jesus Christus ausgesucht wurde aus einer großen Menge von Leuten und Gott sich für diesen entschieden hat. Nein, das ist hier nicht im Blickfeld. Es ist nur, dass dieser Ausdruck erwählte hier bezogen ist auf geliebt, geschätzt, kostbar. Was man sich ausgesucht hat, ist dann kostbar. Hier ist also die Betonung auf der Kostbarkeit, nicht auf dem Aussuchen.
Und wenn Gott uns erwählt, dann tut er das deshalb, weil wir Ja gesagt haben. Er macht uns zu Kostbaren in Christus.

Erwählung und Vorherbestimmung

Jetzt sagen vielleicht einige: Ja, aber was ist mit Epheser 1,4, wo steht, dass Gott uns erwählt hat vor Grundlegung der Welt?
Da müssen wir Acht geben, was dort genau steht. Gott hat uns erwählt vor Grundlegung der Welt in ihm. Diese zwei Wörter werden oft vergessen. Vor Grundlegung der Welt hat Gott nämlich Christus gehabt, und in Christus hat er uns erwählt. Er hat nämlich beschlossen, dass jeder, der eines Tages in Christus hineinkommt, ein Erwählter sein soll.
Jeder Mensch, der durch die Bekehrung in Christus kommt, ist in Christus ein Erwählter. Und zwar erwählt, solange es Christus gibt, nämlich schon von Ewigkeit her. Sobald ich in Christus bin, sieht Gott mich so an wie Christus, als einen Erwählten. Deshalb wurden wir in Christus vor Grundlegung der Welt erwählt, obwohl wir da noch gar nicht existiert haben. Aber Christus hat existiert.
Und wenn ich heute zu Christus komme, wenn ein Mensch heute durch seine Umkehr und Wiedergeburt in Christus hineinkommt, dann ist er ein Erwählter, und zwar einer, der von Grundlegung der Welt an erwählt ist. Es gibt niemanden, der außerhalb von Christus erwählt ist. Das ist unmöglich. Man kann nicht außerhalb von Christus erwählt sein. Es gibt keinen Unbekehrten, der erwählt ist. Erst wenn er sich bekehrt, ist er erwählt.
Das ist die Lehre der Bibel über Erwählung, und die dürfen wir nicht vermischen mit der Lehre der Vorherbestimmung, denn die Vorherbestimmung ist etwas ganz anderes als die Erwählung. Aber das wird leider oft vermischt und vermengt, und das ist falsch.
Es gibt übrigens nur zwei Stellen über Vorherbestimmung: eine in Epheser 1,5 und 11 und eine in Römer 8,28-30. Nur dort kommt die Vorherbestimmung vor. Die Vorherbestimmung in Bezug auf das Heil, was heißt das? Wir sind vorherbestimmt. Vorherbestimmt heißt: Da müssen wir auch genau lesen. Vorherbestimmt zu etwas. Zu was sind wir vorherbestimmt? Das steht an beiden Stellen. In Epheser 1,5 und in Römer 8,29 steht, wozu wir vorherbestimmt sind: zur Sohnschaft.
Er hat vorherbestimmt, dass die, die sich bekehren, Söhne werden sollen. Wir hätten ja auch Knechte werden können oder Engel oder sonst irgendwelche Wesen. Aber er hat bestimmt, dass die, die sich bekehren und in Christus kommen, Söhne Gottes werden sollen. Auch die Töchter sind da eingeschlossen, auch die Schwestern. Zur Sohnschaft hat er uns vorherbestimmt.
Also geht es bei der Vorherbestimmung nicht um die Bekehrung. Es geht nicht darum, dass Gott Menschen vorherbestimmt hat zur Bekehrung. Das gibt es nicht in der Bibel. Aber er hat sie vorherbestimmt, dass sie, wenn sie sich bekehren, einen ganz besonderen Stand bekommen.
Da kommt eine Tochter nach Hause, eine Tochter, die ist verlobt. Und sie sagt den Eltern: Jetzt habe ich Babykleidung gekauft. Und sie zeigt die Babykleidung. Dann fragen die Eltern: Wozu hast du Babykleidung gekauft? Dann sagt sie: Das ist für mein Kind. Ja, aber du hast doch gar kein Kind. Ja, aber ich werde heiraten. Und wenn mein Kind dann da ist, dann habe ich bestimmt, dass es diese Kleidung tragen soll.
Das ist Vorherbestimmung, oder? Sie hat nicht vorherbestimmt, wer das Kind sein wird, aber sie hat vorherbestimmt, dass das Kind, wenn es dann kommt, diese Kleidung tragen wird. Sie hat nicht einmal vorherbestimmt, ob sie ein Kind haben wird oder nicht. Das bestimmt nicht sie. Aber wenn sie ein Kind hat, dann soll es diese Kleidung tragen. Das ist Vorherbestimmung. Das Kind wurde vorherbestimmt für diese Kleidung.
Und wir wurden vorherbestimmt, in Christus Söhne zu sein. Söhne, das ist die Vorherbestimmung. Das hat nichts zu tun mit der Erwählung. Die Erwählung geschieht, sobald wir uns bekehren.
Soweit, das war nur ein kurzer Ausflug.

Die Erwählung im gelebten Glauben

Gut, also wir gehen weiter, Kapitel 1, Vers 10: Darum, Brüder, befleißigt euch umso mehr, euer Gerufensein und eure Erwählung festzumachen.
Wie geht das? Wie macht man die Erwählung fest? Nun, eine Erwählung hat ja mit einer Liebesbeziehung zu tun. Und wie macht man eine Liebesbeziehung fest? Da ist ein Ehepaar, zwei Menschen, und sie lieben einander. Er ist ihr Erwählter, und sie ist seine Erwählte. Und wie machen sie die Erwählung fest? Sie sagen einander: Du, ich liebe dich immer noch, ich liebe dich von ganzem Herzen, sagt der eine, und der andere: Ja, ich dich auch. Und sie benehmen sich entsprechend, sie handeln entsprechend. Da macht man die Erwählung fest, oder? Durch eine Art und Weise, wie man sich benimmt, wie man sich gibt.
Gott hat uns gerufen, und wir wurden zu seinen Erwählten. Und jetzt sollen wir die Erwählung festmachen, indem wir entsprechend leben, uns entsprechend benehmen. Denn indem ihr diese Dinge tut, werdet ihr nicht straucheln. Hier also eine Bekräftigung, negativerweise: Wenn ihr diese Dinge tut, werdet ihr nicht straucheln.
Übrigens gehört zum Straucheln auch das Fallen. Also sollte in unserer Bibel stehen: Ihr werdet nicht straucheln und fallen. Das Straucheln ist so gemeint, dass man hinstürzt. Das ist nicht so gemeint, dass man kurz stolpert, sich aber wieder fängt, wie das so manchmal ist, wenn man stolpert. Es ist ein Straucheln, bei dem man irgendwie stolpert und dann am Boden liegt, das ist gemeint. Und wenn ihr diese Dinge tut, werdet ihr nicht am Boden liegen, ihr werdet nicht straucheln und fallen, ihr werdet nicht auf der Strecke bleiben, das ist gemeint.
Denn so wird euch reichlich dargereicht werden der Eingang in das ewige Königreich unseres Herrn und Retters Jesus Christus. Das ist die positive Bekräftigung: Wenn diese Dinge bei euch reichlich vorhanden sind, wenn ihr diese Dinge tut, wenn ihr glaubt, wenn sich das in eurem Leben irgendwie auswirkt, dann werdet ihr einen reichen Eingang haben in das ewige Königreich unseres Herrn und Retters Jesus Christus.
Was das bedeutet, in Vers 11, dass auf diese Weise euch reichlich dargereicht werden wird der Eingang, es heißt ja einfach: So wird euch reichlich dargereicht werden der Eingang in das ewige Königreich Jesu Christi. Die Frage ist: Es klingt so nach Werksgerechtigkeit, also wenn wir das tun, dann werden wir eingehen, und wenn wir es nicht tun, werden wir nicht eingehen. Was ist hier gemeint?
Nun, da dürfen wir nicht vergessen, was er vorher gesagt hat. Er sagt: Wenn diese Dinge bei euch vorhanden sind, wenn Glaube vorhanden ist – ohne Glauben kann man nicht eingehen in das Königreich Gottes – und wenn sich der Glaube in eurem Leben durch tugendsames Wesen auswirkt, wenn das nicht vorhanden ist, dann seid ihr blind, sagt er. Der ist blind, und der, bei dem das nicht vorhanden ist, der hat die Augen verschlossen, der hat vergessen, was geschehen war. Es ist einer, der ist völlig zurückgegangen, der hat vergessen, dass er gereinigt wurde von seinen vorigen Sünden.
Es geht hier nicht um Werksgerechtigkeit, oh, in keiner Weise. Es geht einfach darum, dass der Apostel zeigen möchte, dass diese Dinge vorhanden sein müssen: ein echter Glaube. Und ein Glaube, der sich in Tugend, in Kenntnis, in Selbstbeherrschung, in Ausdauer, in Gottesfurcht, in Bruderliebe und in Liebe auswirkt. Wenn das nicht vorhanden ist, dann ist man entweder noch nie wiedergeboren gewesen oder man ist zurückgegangen. Man hat vergessen, was der Herr Jesus vorher getan hat im Leben. In diesem Fall der Zweite, der hier spricht, der hat vergessen. Der hat die Reinigung von den vorigen Sünden vergessen. Er war also gereinigt gewesen.

Warnung vor dem Abfall und die Wirklichkeit echter Gefahr

Es gibt ja diese Streitfrage unter Christen. Ich weiss nicht, wie weit das hier bekannt ist, aber es gibt unter Christen die Streitfrage, ob jemand, der einmal gerettet wurde, nicht mehr abfallen kann, das heisst, ob er sich nicht mehr von Christus wegabwenden kann. Und die anderen sagen: Nein, wenn jemand gerettet wurde, dann ist es schon möglich, wieder von Christus abzufallen.
Es gibt dann auf beiden Seiten Extrempositionen, und das ist eine sehr beliebte Streitfrage unter Christen. Nun, die Schrift ... Ich habe übrigens ein Buch darüber geschrieben, zusammen mit Herbert Janssen eigentlich, denn ich habe mit ihm dieses Thema ausgearbeitet. Ich habe dann das Buch geschrieben. Eigentlich habe ich es nicht als Buch geschrieben, sondern nur als Datei ins Internet gestellt. Aber dann haben einige Geschwister gefragt, ob sie diese Datei nicht verwenden und ein Buch daraus machen dürften. Dann habe ich die Einwilligung gegeben. Ich hätte es eigentlich gerne noch ausführlicher gemacht, aber das ist dann so geworden. Und es ist dieses Buch, ich habe es hier bei mir auf dem Tisch liegen. Wer das möchte, kann das haben. Für mich war, glaube ich, der Selbstkostenpreis etwa drei Euro. Ihr könnt es um diesen Riesenpreis gerne haben.
Da bin ich auf diese Argumente eingegangen. Es gibt sehr liebe Christen, bibeltreue Christen, die in dieser Frage so denken, dass sie sagen: Wer einmal gerettet ist, ist für immer gerettet. Und ich verstehe diese Position sehr gut. Sie wollen einfach die Gnade Jesu Christi betonen. Aber die Schrift lehrt doch auch, dass es so etwas gibt, dass jemand sich tatsächlich von Christus abwendet. Auch die Erfahrung zeigt das. Es gab immer wieder Menschen, die sich dem Herrn zugewandt haben und den Herrn wirklich als Erlöser und Retter angenommen haben. Aber später haben sie sich wieder von Christus abgewandt und sind ganz, ganz, ganz weggegangen. Nun, wir können nicht wissen, wann jemand ganz weggegangen ist und wie weit er wirklich dann einen Schlussstrich gezogen hat. Aber es gibt solche Fälle. Ja, auch in der Bibel gibt es solche Fälle.
Hymenäus ist ein Beispiel. Hymenäus hatte ein gutes Gewissen. In 1. Timotheus 1,19-20, glaube ich, steht das etwa. Da ist die Rede von diesem Hymenäus. Timotheus soll das gute Gewissen bewahren und den Glauben bewahren, welche etliche von sich gestossen haben. Und darunter sind Hymenäus und andere noch. Hymenäus war also einer, der ein gutes Gewissen hatte durch den Glauben an Christus. Das heisst, dann kann er nur wiedergeboren gewesen sein, es geht gar nicht anders. Wenn man ein gutes Gewissen hat durch den Glauben an Christus, dann ist das genau das Ergebnis, das geschieht, wenn man sich bekehrt und zu Christus kommt, wenn man wiedergeboren wird.
Also Hymenäus war wiedergeboren. Und von diesem Hymenäus lesen wir dann im zweiten Timotheusbrief in Kapitel 2, Vers 17 und 18, dass er zu einem Menschen geworden ist, der von der Wahrheit abgeirrt ist und das Ziel verfehlt hat. Er glaubt, dass die Auferstehung schon geschehen sei. Und er, zusammen mit einem anderen noch, Philetus, sie lehren, die Auferstehung sei schon geschehen, und sie zerstören den Glauben etlicher.
Das heisst, Hymenäus wurde zu einem Irrlehrer, der den Glauben anderer Menschen zerstörte. Den eigenen hat er selber aufgegeben. Er hat sich abgewandt von der wahren Lehre, hat das Ziel verfehlt, hat eine Irrlehre angenommen und hat dann selber noch daran gearbeitet, dass der Glaube anderer zerstört wird. Also Hymenäus ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr gerettet. Er hat sich abgewandt, das heisst, er war wiedergeboren und er hat sich von Christus abgewandt. Es gibt also solche Fälle. Das dürfen wir nicht ausschliessen.
Das heisst aber nicht, dass die Bibel eine Werksgerechtigkeit lehrt. Auch hier nicht, auch im zweiten Petrusbrief nicht. Petrus sagt nicht: Wenn er gute Werke tut, dann kommt er in den Himmel. Das sagt er nicht. Er sagt nur, dass, wenn diese Dinge nicht vorhanden sind, ein echter Glaube an Christus, der sich im Leben auswirkt, in einem veränderten Leben, dann ist man blind und hat vergessen, von den früheren Sünden gereinigt worden zu sein. Wenn man sich abgewandt hat und dieser Glaube nicht mehr da ist, aus irgendeinem Grund, dann ist man blind, dann hat man die Augen verschlossen.
Aber wenn diese Dinge vorhanden sind und wenn sie zunehmen und wachsen, dann wird das Königreich weit offen sein. Dann wird im Himmel das Tor weit offen sein, und es wird ein Empfangskomitee dastehen, und man wird mit Freuden aufgenommen werden. Petrus stellt die zwei gegenüber. Er schreibt ja in eine Situation hinein, in der Christen in grosser Gefahr stehen. In Kapitel 2 werden wir noch davon hören. Dort stellt er dann die grosse Gefahr vor Augen. Das ist das Zentrum des Briefes überhaupt. Die Christen sind in Gefahr, sich von irgendwelchen liberalen Irrlehrern abwenden zu lassen, wieder abbringen zu lassen. Nachdem sie den Herrn erkannt haben, den Weg der Gerechtigkeit erkannt haben, haben sie sich wieder abgewandt, auf diese Weise Christus verlassen. Und diese Gefahr ist vorhanden, sonst wäre der ganze Petrusbrief nicht wichtig, wenn es keine Gefahr gäbe.
Dann könnte man dem Petrus sagen: Ach Petrus, kümmere dich doch nicht so viel. Wir sind ohnehin alle wiedergeboren, was willst du eigentlich? Wir gehen ja ohnehin alle in den Himmel. Du brauchst uns nicht so streng aufzufordern, dass wir fest werden und dass wir uns nicht aus der Festigkeit reissen lassen sollen. Das ist ja ohnehin alles okay. Wir sind ja wiedergeboren, und uns kann nichts passieren. Das schreibt er nicht im zweiten Petrusbrief. Der zweite Petrusbrief ist ein wirkliches Anliegen an echte wiedergeborene Christen, und die Gefahr ist echt vorhanden. Wir werden aber noch darauf zurückkommen. Aber jetzt einmal nur so viel.
Also werden wir mit Fleiss darauf aus sein, dass dieser Glaube wach bleibt zu Christus und Frucht bringt. Der wird auch eines Tages mit grosser Freude aufgenommen werden. Da wird eine grosse Freude sein. Da wird er, will sagen, sicher das Ziel erreichen, das Ziel des Glaubens, das Heil der Seele. Jesus Christus ist es, der uns eines Tages begrüssen will. Jesus Christus will einmal dastehen und sagen: Siehst du, es hat sich gelohnt. Es hat sich gelohnt, die ganze Sache, dass du treu geblieben bist in dieser schwierigen Zeit auf der Erde. Es hat sich gelohnt.
Macht hoch die Tür, die Tore macht weit. Ein grosser Empfang, die Türen sind weit offen, und hoffentlich bringen wir da auch noch viel Gepäck mit: andere Gläubige, die vielleicht zum Glauben gekommen sind, oder Frucht einfach, Frucht des Geistes. Nicht mit leeren Händen. Der Lohn im Himmel wird gross sein, bedeutet das.

Die apostolische Erinnerung als geistliche Hilfe

Kapitel 1, Verse 12 bis 21. Hier ist also ein lehrmässiger Abschnitt über die Botschaft. Die apostolische Botschaft von diesen Dingen ist höchst wichtig und absolut zuversichtlich.
Vers 12: Darum werde ich es nicht unterlassen, euch immer an diese Dinge zu erinnern. An diese Dinge, das heisst an diese Verheissung, die Gott uns gegeben hat, an die Botschaft von unserer Zukunft, an die Botschaft von dem Eingreifen Gottes in diese Welt, der eines Tages hereinkommen wird. Gemeint ist also unsere kostbare Glaubensgrundlage, der Inhalt unseres Glaubens.
Petrus sagt: Darum werde ich es nicht unterlassen, euch immer an diese Dinge zu erinnern. Denn diese Botschaft ist wichtig. Diese Dinge müssen in Erinnerung bleiben. Daher wird er also dranbleiben. Er wird unermüdlich diese Lehre verkündigen, um die Leser wachzurufen. Und er weiss, dass er nicht mehr viel Zeit hat. Er will, dass sie fest werden, seine Leser, und er wird fleissig dabei sein, damit die Leser etwas haben, womit sie auch andere erinnern können, damit sie auch dieses weitergeben können und auch andere Christen dann aufwecken können.
Also, ich habe hier in den Versen zwölf bis fünfzehn: Diese Botschaft ist wichtig, weil die Leser die stetige Erinnerung an diese Dinge brauchen, um das Ziel zu erreichen. Die Leser haben kostbare Verheissungen. Und wenn sie nicht unfruchtbar sind in der Erkenntnis Jesu Christi, Entschuldigung, wenn sie nicht unfruchtbar sind und diese Dinge auch, wenn ihr Glaube sich im Leben auswirkt, wenn das tugendhafte Wesen irgendwie zum Vorschein kommt, wenn Bruderliebe zum Vorschein kommt, wenn Liebe zum Vorschein kommt, wenn sie nicht unfruchtbar sind, dann werden sie auch in der Erkenntnis Jesu Christi wachsen. Und sie werden nicht zu Fall kommen.
Also darum werde ich es nicht unterlassen, euch immer wieder an diese Dinge zu erinnern, obwohl ihr sie wisst, obwohl ihr sie wisst. Petrus weiss, dass wir das brauchen, dass wir Erinnerung brauchen. Wir vergessen leicht, wir sind vergesslich, wir brauchen Erinnerungshilfen. Deshalb gibt es auch das Mahl des Herrn, jeden, ich weiss nicht, mindestens alle Monate oder so, in gewissen Abständen sollten Christen das Mahl des Herrn haben und sich erinnern an das, was der Herr getan hat. Manche machen es jeden Sonntag sogar. Wir brauchen Erinnerung an das, was der Herr getan hat, und wir brauchen Erinnerung an das, was auf uns wartet.
Petrus kann sich erinnern an die Worte des Herrn Jesus, der zu ihm gesagt hat: Simon, Simon, der Satan hat begehrt, euch zu sichten wie den Weizen. Simon, Simon, da wurde er an ganz wenigen Stellen wurde der Herr Petrus Simon genannt, an ganz kritischen Stellen. Simon, Sohn des Jona, hast du mich lieb? Simon, schläfst du? Markus 14,37. Simon, schläfst du? Wir werden daran erinnert, wir sind schwach. Wir brauchen Erinnerung von Gott.
Obwohl ihr sie wisst, diese Dinge wissen wir, oder? Wir haben die Bibel gelesen. Jemand sagt: Ich habe schon alles gelesen. Was soll ich jetzt lesen? Ich bin in 1. Mose angefangen und bin bis zur Offenbarung gekommen, jetzt bin ich fertig. Was soll ich jetzt lesen? Wer so spricht, der hat noch nicht angefangen zu lesen. Mit der Bibel ist es so: Wenn wir sie lesen, dann bekommen wir einen Hunger nach mehr. Wenn wir ein Bibelbuch lesen und noch mal lesen und noch mal lesen, dann wird es uns lieber. Probiert das mal mit dem Petrusbrief. Man liest den Petrusbrief, man braucht zehn Minuten, und dann liest man ihn noch mal und noch mal und noch mal und noch mal. Und man liest ihn fünfzig Mal oder dreissig Mal oder zwanzig Mal, man liest ihn immer wieder, aber man betet dazwischen: Herr, öffne mir die Augen. Öffne mir die Augen, dass ich verstehe, was Petrus hier sagen möchte. Und dann wird einem der Petrusbrief lebendig, dann wird er einem kostbar.
Das ist bei anderen Briefen der Bibel auch so. Mir ging es neulich so mit dem ersten Johannesbrief. Ich sollte irgendwo über den ersten Johannesbrief sprechen. Wurde mir dieser Brief kostbar? Ach, ich weiss nicht, wie oft ich den Brief gelesen habe. Man braucht auch nicht länger als 15 Minuten, um den ersten Johannesbrief zu lesen. Aber ich habe ihn mir herauskopiert auf so Blätter, so in dieser Art wie dieses Blatt hier, einfach den ganzen Brief, und dann habe ich ihn angestrichen mit verschiedenen Farben. Und dann habe ich mir das achtmal gemacht, immer wieder neu, weil ich gemerkt habe, ich brauche ein neues Blatt, weil sonst wird es unübersichtlich. Achtmal habe ich den herauskopiert und ausgedruckt, und dann habe ich wieder angefangen. Und das habe ich x-mal getan, das Lesen und Durchschauen und noch mal und noch mal. Dann wurde mir dieser Brief so kostbar. Ich habe nicht verstanden: Wie ist denn der Brief gegliedert, was will denn der Apostel dort hier sagen? Und er wird kostbar.
Und so ist es beim Bibellesen. Wir lesen, wir erforschen die Schrift, wir studieren sie und vor allem wir leben sie aus. Obwohl ihr sie wisst, obwohl wir den zweiten Petrusbrief schon kennen, wir studieren ihn noch einmal. Aber dann sollte keine Kluft sein zwischen Leben und Lehre. Wir sollen das natürlich dann umsetzen in unserem Leben. Aber das können wir nur umsetzen, wenn wir darin leben, wenn wir es uns zur Speise gemacht haben, wenn wir ihn gegessen haben und getrunken haben. Dann kann der Herr uns daran erinnern, und dann können wir es umsetzen mit der Hilfe des Herrn mehr und mehr Gnade.
Obwohl ihr sie wisst und obwohl ihr gefestigt worden seid in der Wahrheit. Sie waren schon gefestigt worden. Diese Christen, an die Petrus schreibt, sind schon gefestigt worden, sie haben das Wort schon gehört. Vielleicht denkt der eine oder andere: Ja, ich bin schon gefestigt worden, ich brauche Petrus’ Brief nicht mehr, denn der Petrusbrief ist ja für die, die nicht gefestigt sind. Nein, sagt er, er schreibt ihn an Christen, die schon gefestigt sind. Aber wir brauchen immer wieder Festigung, denn es gibt vieles, was uns ins Wanken bringen könnte. Gibt es irgendeinen, der nicht Erinnerung braucht? Keine braucht? Keinen gibt es, alle brauchen Erinnerung. Also auch die standhaften, gefestigten Christen brauchen Erinnerung, brauchen Erneuerung, brauchen Erweckung.
Obwohl sie wisst und gefestigt worden seid in der Wahrheit, die gegenwärtig geworden ist, also die gekommen ist und jetzt da ist. Die Wahrheit ist gekommen, sagt Petrus. Die Wahrheit ist da. Christus kam, das Evangelium kam, nach Ephesus kam das Evangelium, nach Weinsberg kam das Evangelium, jetzt ist es da, die Wahrheit ist da, sie ist angekommen und sie ist da, sagt Petrus. Und diese Dinge sind höchst wichtig.
Also diese Botschaft, die Verkündigung, die die Apostel verkündigten, ist wichtig. Erstens, weil die Leser eine stetige Erinnerung an diese Dinge brauchen, Vers 12, und zweitens, weil die Erinnerung an diese Dinge dazu dient, wach zu werden und wach zu halten.
Vers 13: Ich halte es aber für recht, solange ich in diesem Zelt bin, euch durch Erinnern ganz wach zu rufen. Hier haben wir diesen Ausdruck im Griechischen. Nicht nur wach zu rufen oder aufzuwecken, sondern ganz aufzuwecken, dass ihr hellwach seid. Hier ist eine Bestärkung, eine verstärkte Form im Griechischen, und das sollten wir im Deutschen ausdrücken: ganz wach rufen.
Ich halte es für recht, solange ich in diesem Zelt bin, Leibeszelt. Es steht einfach Zelt hier da. Der Leib ist wie ein Zelt. Der Leib ist es wie wenn wir campen, wenn wir kampieren oder wenn wir unterwegs sind. Einmal schlagen wir ein Zelt auf, oder das brechen wir am nächsten Tag wieder ab. Und unser Leib ist so. Wir kampieren mit unserem Leib hier in dieser Welt. Wir sind nur kurze Zeit da. Es dauert nicht lange, und wir ziehen aus diesem Leib wieder aus. Der wird abgebrochen.
Der Leib, der eigentliche Mensch, ist der innere Mensch. Nicht der äusserliche. Die Bibel teilt den Menschen auf in zwei Teile, den äusseren Leib und den inneren Leib. Der eigentliche Mensch ist der innere Mensch. Der äussere Mensch und der innere Mensch, so sagt die Bibel. Der innere Mensch ist der geistige Teil, das Herz, der Geist des Menschen. Der innere Mensch wohnt in dem äusseren Menschen. Der verfällt mehr und mehr, der Innere darf immer wieder erfrischt und erneuert werden durch Gottes Wort.
Der äussere Mensch ist das Mittel, mit dem der innere Mensch sich ausdrückt. Wenn wir uns freuen, was macht der äussere Mensch? Der lacht, da verziehen sich die Muskeln und die Augen strahlen, das ist der äussere Mensch. Aber er drückt aus, was der innere Mensch sagen möchte. Der innere Mensch drückt sich durch den Leib aus. Deshalb sind die Augen so wichtig. Deshalb ist es so wichtig, das ist für junge Leute wichtig, deshalb ist es wichtig, dass wir die Augen nicht rundherum anschmieren, weil die Augen etwas sprechen. Und wenn ich aber die Augen anschmiere mit Farbe rundherum, dann können die Augen nicht mehr so gut sprechen, oder? Weil ja die Augen, da ist ja jeder Millimeter oder jeder Zehntelmillimeter wichtig. Und ich möchte ja etwas ausdrücken über meine Augen.
Der innere Mensch drückt sich aus über den äusseren Menschen. Gewissermassen ist also der Leib eine Verlängerung des inneren Menschen, eine Darstellung. Der innere Mensch offenbart sich über den Leib. Also, ich halte es für recht, solange ich in diesem Zelt bin, diesem Leibeszelt, euch durch Erinnern ganz wach zu rufen. Warum wach rufen? Weil sie im Begriff waren, einzuschlafen.