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Ego eimi – Teil 2

Jesu Leben und Lehre | Episode 458
Johannes 8,57-5923.09.2024
SerieTeil 2 / 2Ego eimi
„Ich bin“ – und nicht nur ein Lehrer: Jesus stellt sich mit Gottes Namen vor. Die Frage ist brutal einfach: Hörst du hin, wenn er dein bequemes Bild von Gott sprengt?
Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist. Episode 458: Ego-Emi, Teil 2.

Gott wird Mensch Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist". Episode 458 Ego-Emi, Teil 2.

Wenn der Herr Jesus sagt: Abraham, euer Vater, jubelte, dass er meinen Tag sehen sollte, und er sah ihn und freute sich, dann stößt er mit dieser Aussage nur auf Verwirrung und Ablehnung.
 Johannes 8,57: Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt, und hast Abraham gesehen?
Zuerst einmal halten wir fest, dass sie ihn falsch verstanden haben. Jesus hatte davon gesprochen, dass Abraham seinen Tag sah, und nicht umgekehrt. Das Missverständnis liegt auf Seiten der Zuhörer. Auf dieses Missverständnis reagieren sie, indem sie Jesus vorwerfen, als junger Mann zu behaupten, er hätte Abraham gesehen.
Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt, das stimmt. Jesus war etwa Mitte dreißig. Was sie sagen wollen, ist so viel wie: Du bist noch ein junger Mann, noch lange nicht wirklich reif, aber du behauptest, Abraham gesehen zu haben. Merkst du nicht, wie verrückt das ist, was du sagst?

Die missverstandene Antwort

 Johannes 8,58: Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich.
Sprachlich ist hier etwas Auffälliges zu beobachten. Jesus hätte einfach seine Präexistenz und Ewigkeit andeuten können, indem er formuliert hätte: „Ehe Abraham war, war ich.“ Aber genau das sagt er nicht. Er formuliert: „Ehe Abraham war, bin ich“, ego eimi.
Also müssen wir uns noch einmal diese Formulierung ego eimi anschauen und das, was wir in Lektion 445 angefangen haben, zu Ende bringen. Dort hatte ich behauptet, dass es sich dabei um so etwas wie einen Gottesnamen handelt. Worauf bezieht sich Jesus, wenn er ego eimi so prominent benutzt?

Der göttliche Klang von „Ich bin“

 Jesaja 43,10-11: Ihr seid meine Zeugen, spricht der Herr, und mein Knecht, den ich erwählt habe, damit ihr erkennt und mir glaubt und einseht, dass ich es bin: Egoemi. Vor mir wurde kein Gott gebildet, und nach mir wird keiner sein. Ich, ich bin der Herr, und außer mir gibt es keinen Retter.
Und wenn wir weiterlesen, wird es im Hebräischen noch deutlicher. Leider geben meine Lieblingsübersetzungen diesen Punkt schlecht wieder. Ich übersetze deshalb direkt aus dem Hebräischen.
 Jesaja 43,13: Ja, bevor der Tag war, bin ich, und da ist niemand, der aus meiner Hand rettet. Welcher Tag ist gemeint? Der Tag der zukünftigen Rettung. Und es fällt auf, dass die Formulierung „ich bin“, hebräisch „ani hu“, nicht passt. Es müsste sprachlich sauberer doch heißen: „Ja, bevor der Tag war, war ich.“ Aber das steht nicht da. Noch so ein Fall, wo die Zeitformen nicht passen.
 Jesaja 46,3-4: Hört auf mich, Haus Jakob, und der ganze Rest des Hauses Israel, die ihr von Mutterleib an mir aufgeladen, von Mutterschoß an von mir getragen worden seid. Auch bis in euer Greisenalter bin ich: Egoemi. Und bis zu eurem grauen Haar werde ich euch tragen. Ich habe es getan, und ich werde heben, und ich werde tragen und werde retten.
Hier müsste es eigentlich heißen: Auch bis zu eurem Greisenalter werde ich derselbe sein. Dastehen tut aber wieder: Auch bis in euer Greisenalter bin ich, Egoemi, Annihu. Diese Unveränderlichkeit der Formulierung im Angesicht anderer Zeitformen macht deutlich, dass es sich hier bei Egoemi um eine besondere Formulierung handeln muss. Mit dieser merkwürdigen Formulierung macht Gott ganz bewusst auf sich aufmerksam. Egoemi hat etwas von einem Gottesnamen. Und das ergibt ja auch Sinn, wenn man bedenkt, wie Gott sich am Horeb dem Mose vorstellt.

Der Name am Horeb

 2. Mose 3,13-14 Mose aber antwortete Gott: Siehe, wenn ich zu den Söhnen Israel komme und ihnen sage: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt, und sie fragen mich: Was ist sein Name?, was soll ich dann zu ihnen sagen? Da sprach Gott zu Mose: Ich bin, der ich bin. Dann sprach er: So sollst du zu den Söhnen Israel sagen: Der Ich Bin hat mich zu euch gesandt.
Wenn Mose Gott nach seinem Namen fragt, dann antwortet Gott völlig atypisch für die Zeit, nicht mit: „Ich bin der Gott des Donners, ich bin die Morgenröte oder die Sonne“, sondern Gott sagt einfach: „Ich bin“. Er ist Realität pur, er ist Ultimo, er ist die Quelle allen Seins. Und dieser Gedanke wird in Jesaja durch die ungewöhnliche Verwendung von Ego Emi sprachlich aufgegriffen, und Jesus tut in Johannes 8 dasselbe.

Die Reaktion auf die Selbstoffenbarung

 Johannes 8,58-59: Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich. Da hoben sie Steine auf, um sie auf ihn zu werfen. Jesus aber verbarg sich und ging aus dem Tempel hinaus.
Im Alten Testament haben wir Bibeltexte, in denen die Formulierung „egoemi“ sprachlich aus dem Rahmen fällt. Es sind Stellen, in denen Gott selbst sein Volk einlädt, gerettet zu werden. Und jetzt passiert dasselbe. Gott steht da, lädt sein Volk ein, gerettet zu werden, und gebraucht in der Person Jesu die Formulierung „egoemi“ auf eine Weise, die grammatikalisch nicht passen will, aber dadurch umso mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Aufmerksamkeit, weil sie Parallelen zu alttestamentlichen Texten herstellt. Aufmerksamkeit, die wahrgenommen wird, denn wir lesen weiter in Johannes 8,58-59: Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich. Da hoben sie Steine auf, um sie auf ihn zu werfen. Jesus aber verbarg sich und ging aus dem Tempel hinaus.
Wie wir uns vielleicht erinnern, wurde zur Zeit Jesu noch am Tempel gebaut. Es gab also Steine, die herumlagen und sich für eine Steinigung eigneten. Genau das ist es, was der Mob hier vorhat: Lynchjustiz. Weil man von diesem Rabbi die Nase voll hat. Aber die Zeit des Herrn Jesus ist noch nicht da. Deswegen lesen wir: Jesus aber verbarg sich und ging aus dem Tempel hinaus.
Können wir uns die Absurdität dieser Situation vorstellen? Gott muss sich in seinem eigenen Tempel vor vermeintlich gläubigen Leuten verstecken, die ihn umbringen wollen.

Wenn Gottes Wort unbequem wird

Aber bevor wir nur den Kopf schütteln: Ist das nicht auch ein Stück Normalität in der Kirchengeschichte geblieben? Der Tempel ist jetzt die Gemeinde oder Kirche, kein Gebäude mehr, sondern Menschen, in denen Gottes Geist wohnt. Aber in der Kirche will Gott immer noch gehört werden. Er will sich hinstellen und uns zur Nachfolge auffordern, dazu, sein Wort zu bewahren und von der Sünde frei zu werden.
Aber wie oft waren es die Gläubigen, die ihm den Mund verboten haben? Wie oft musste sich in der Kirchengeschichte das Wort Gottes christlicher Propaganda von links und rechts beugen? Wie oft wurde es zum Schweigen gebracht und musste griechischer Philosophie, menschlichen Ansichten, theologischen Modellen, persönlichen Steckenpferden, vermeintlichen Offenbarungen, dem Zeitgeist oder politischen Ideologien weichen?
Es erstaunt mich immer wieder, wenn ich sehe, wie oft es gerade gläubige Leute sind, die Jesus in ihrem Leben zum Schweigen bringen wollen, weil sie ihn für eine Gefahr halten. Jesus bedroht ihren Status quo. Die Kirchengeschichte ist voll von ihnen.
Und ich kann uns nur raten, dass wir an genau dieser Stelle anders handeln. Dass wir genau da anders handeln. Dass wir Jesus jeden Tag aufs Neue in unser Leben als den Ego Emi hineinsprechen lassen.

Ein persönlicher Schluss

Was könntest du jetzt tun? Du könntest noch ein bisschen über dieses Motiv Ego Emi nachdenken. Warum nennt sich Gott „Ich bin, der ich bin“?
Das war’s für heute. Wenn dir mein Medienauftritt Frogwords gefällt, dann erzähl doch deinen Freunden davon. Etwas Werbung tut immer gut.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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