Einführung in das Gleichnis vom anhaltenden Gebet
Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 622: Anhaltendes Gebet, Teil 3
Lukas 18,1: Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis dafür, dass sie allezeit beten und nicht ermatten sollten.
Jesus erzählt seinen Jüngern also ein Gleichnis, damit sie allezeit beten und nicht ermatten. Das ist sein Wunsch: Er möchte, dass seine Jünger am Gebet dranbleiben und nicht aufhören.
Schauen wir uns das Gleichnis an. Bevor wir es hören, ein Hinweis: Bei dem Gleichnis zieht Jesus einen Vergleich. Es ist ein Vergleich vom Kleineren zum Größeren. Die Argumentation lautet: Wenn schon das Kleinere wahr ist, wie viel mehr muss dann das Größere wahr sein.
Das Kleinere ist dabei ein ungerechter Richter, das Größere ein gerechter Gott.
Der ungerechte Richter und die beharrliche Witwe
Lukas 18,2 berichtet: Es war ein Richter in einer Stadt, der Gott nicht fürchtete und vor keinem Menschen sich scheute. Die Beschreibung hebt die Unabhängigkeit des Richters hervor. Er fürchtete keinen Menschen, das heißt, er hatte vor niemandem Angst. Wer vor ihm im Gericht stand, war ihm gleichgültig.
Doch nicht nur vor Menschen fürchtete er sich nicht, sondern auch vor Gott selbst nicht. Im Text heißt es, dass er Gott nicht fürchtete und vor keinem Menschen sich scheute. Wir haben es hier mit einem Mann zu tun, dem es völlig egal war, was andere Menschen oder Gott von ihm dachten.
Er war auch keiner, der sich von den Nöten anderer Menschen beeindrucken ließ. Die Gebote Gottes interessierten ihn nicht, und erst recht kümmerte ihn die Meinung der Gesellschaft nicht.
Dieser Mann bekommt es nun mit einer Witwe zu tun. Lukas 18,3 berichtet: Es war aber eine Witwe in jener Stadt, und sie kam zu ihm und sprach: „Schaffe mir Recht gegenüber meinem Widersacher.“ Über die Witwe wissen wir fast nichts, außer dass sie einen Feind hat und zum Richter geht, damit dieser ihr Recht verschafft.
Da die Witwe keine andere Möglichkeit hat, wendet sie sich an den Richter. Eigentlich hätte er ihr helfen sollen. Die griechische Zeitform des Verbs legt nahe, dass die Witwe immer wiederkommt. Das ist, wenn man so will, ihr einziger Trumpf: Beharrlichkeit.
Die Reaktion des Richters und seine Beweggründe
Wie reagiert der Richter? Zuerst einmal abweisend. Die schiere Not der alleinstehenden, hilflosen Frau berührt ihn nicht im Geringsten. Aber etwas anderes macht ihm Sorgen (Lukas 18,4-5).
Eine Zeit lang wollte er nicht handeln. Danach aber sprach er bei sich selbst: „Wenn ich auch Gott nicht fürchte und vor keinem Menschen mich scheue, so will ich doch, weil diese Witwe mir Mühe macht, ihr Recht verschaffen. Damit sie nicht am Ende kommt und handgreiflich wird.“
Was für ein Argument! Eigentlich ist dem Richter die Witwe völlig egal. Ihr Anliegen selbst und die damit verbundene Ungerechtigkeit interessieren ihn nicht die Bohne. Er hat die Macht und damit auch die Möglichkeit, sie einfach abzuweisen. Und das tut er nicht, weil die Widersacher der Witwe ihn bestechen. Er will einfach nicht. Er ist jemand, der tut, was er für richtig hält.
Deshalb braucht es ein Weilchen, bis er anfängt, in sich zu gehen und über den Sachverhalt nachzudenken. Er sprach bei sich selbst. Und was redet er da mit sich selbst? Ganz einfach: Er macht sich klar, dass er zwar keine Lust auf den Fall hat, die Frau ihm aber allmählich auf die Nerven geht. Sie macht ihm Mühe.
Und noch etwas: Er hat langsam ein klein wenig Angst vor den möglichen Konsequenzen. Er weiß ja um die prekäre Situation der Frau, er weiß, wie wenig sie zu verlieren hat, und er ahnt, dass sie, wenn er sie noch länger abweist, handgreiflich werden könnte.
Der ungerechte Richter lässt sich nicht von der Not der Frau bewegen und noch weniger von seinem Amt als Richter, das ja eigentlich dazu da ist, gerade den Armen und Bedürftigen Recht zu verschaffen. Ihn beschäftigen nur die möglichen Konsequenzen für sich selbst.
Dabei bleibt offen, was genau gemeint ist. Geht sie ihm nur auf die Nerven oder hat er wirklich Angst vor einem blauen Auge? Wir wissen es nicht genau. Und es ist auch egal – das hier ist ein Gleichnis. Das Einzige, was diesen Mann interessiert, ist er selbst.
Und weil die Frau ihm Mühe macht und sich der ganze Fall für ihn noch unerfreulicher entwickeln könnte, deshalb und nur deshalb verschafft er ihr Recht.
Die Bedeutung des Gleichnisses für die Jünger
Lukas 18,6: Der Herr aber sprach: Hört, was der ungerechte Richter sagt.
Kommen wir zur Anwendung. Die Jünger sollen nun über das nachdenken, was der Richter eben mit sich selbst besprochen hat. Erst hier wird der Richter als ungerechter Richter bezeichnet. Ungerecht, weil er sich nicht vom Recht und der Not der Witwe hatte bewegen lassen.
Jetzt kommen wir auch zu dem Vergleich. Ich hatte schon gesagt: vom Kleineren zum Größeren. Wenn schon ein ungerechter Richter, dem andere Menschen völlig egal sind, sich von den beharrlichen Klagen einer Witwe dazu bewegen lässt, ihr Recht zu verschaffen – und zwar einfach nur, weil sie immer und immer wieder vor ihm erscheint und ihm Mühe macht – wie viel positiver wird Gott als ein gerechter Richter auf die gerechtfertigten Klagen seiner Auserwählten reagieren?
Lukas 18,7: Gott aber, sollte er das Recht seiner Auserwählten nicht ausführen, die Tag und Nacht zu ihm schreien? Und sollte er es bei ihnen lange hinziehen?
Die Antwort auf diese Frage ist klar: Nein, so etwas würde er nie tun. Das würde überhaupt nicht zu ihm passen. Gott ist nicht wie dieser distanzierte Richter, dem alle anderen Menschen völlig egal sind. Ihm sind seine Auserwählten wichtig. Er hat sie lieb, er will ihr Bestes, und er kümmert sich.
Gottes gerechte Antwort auf beharrliches Gebet
Wenn schon ein ungerechter Richter aus völlig eigennützigen Motiven irgendwann auf die Bitten einer Witwe eingeht, wie viel mehr wird Gott auf die Gebete seiner Auserwählten hören, wenn sie schreien? Sollte er es bei ihnen lange hinziehen? Nein.
Nun müssen wir uns noch einmal den Unterschied vor Augen halten, den ich in der letzten Episode formuliert habe: Erhörung und Erfüllung.
Ist Gott ein Gott, der uns schreien hört und nicht reagiert? Nein, so ist Gott nicht. Wenn wir schreien, dann hört er uns. Wenn es zwischen der Erhörung und der Erfüllung einen zeitlichen Versatz gibt, wenn wir weiter beten müssen, bevor sich etwas tut, dann liegt das nicht an Gott.
In Lukas 18,8 heißt es: „Ich sage euch, dass er ihr Recht ohne Verzug ausführen wird.“ Das ist die Realität. Wir beten, und Gott kümmert sich darum, dass wir unser Recht so schnell wie möglich bekommen. Aber es fühlt sich oft nicht so an, stimmt. Das hatte ich ja schon gesagt.
Hier geht es dem Herrn Jesus um das Thema, dass seine Jünger allezeit beten und nicht ermatten sollen. Sein Fokus liegt auf dem Charakter Gottes. Ist Gott ein Gott, der uns warten lässt, dem wir egal sind? Die Antwort lautet: Nein.
Wenn schon ein ungerechter Richter irgendwann reagiert, wie viel mehr wird Gott selbst unser Recht ohne Verzug ausführen.
Schlussgedanken und Ermutigung zum Gebet
Was könntest du jetzt tun? Nimm dir vor, mehr und beständiger zu beten, besonders für andere Christen.
Das war es für heute. Wenn du möchtest, kannst du ein wenig Werbung für diesen Podcast oder meinen sonstigen Internetauftritt machen.
Der Herr segne dich, lass seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.
