Gott wird Mensch. Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 702
Das Gleichnis vom Hochzeitsmahl, Teil I.
Der Wechsel vom alten Volk zur neuen Gemeinschaft
Der Herr Jesus bleibt noch ein wenig beim Thema Reich Gottes. Eben hatte er seinen Gegnern verkündet, dass das ethnische Volk Israel, das sie repräsentierten, das Reich Gottes verlieren würde. Aus dem ethnischen Israel, das als Nation kaum je wirklich bereit war, sich Gott zu unterstellen, wird, beginnend mit einem Rest gläubiger Juden, an Pfingsten ein neues geistliches Israel erwachsen.
In diesen Ölbaum würde Gott dann Heiden einpfropfen und so die alttestamentliche Verheißung erfüllen, dass Israel gerettet werden würde. Römer 9,27: Jesaja aber ruft über Israel: Wäre die Zahl der Söhne Israels wie der Sand des Meeres, nur der Rest wird gerettet werden. Römer 11,26-27: Und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht: Es wird aus Zion der Retter kommen; er wird die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden. Und dies ist für sie der Bund von mir, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde. Die Nation, die Gott seine Früchte bringen wird, ist eine neue Version von Israel. Sie ist eine Erfüllung dieses alttestamentlichen Vorbildes.
Wie weit dieser Gedanke geht, sieht man im Apostelkonzil, auf dem die Frage diskutiert wird, ob Heiden das mosaische Gesetz halten müssen, um Teil des neuen Bundes zu sein. Und die Antwort dazu findet sich beim Propheten Amos. Apostelgeschichte 15,14-17: Simon hat erzählt, wie Gott zuerst darauf gesehen hat, aus den Nationen ein Volk zu nehmen für seinen Namen. Und hiermit stimmen die Worte der Propheten überein, wie geschrieben steht: Nach diesem will ich zurückkehren und wieder aufbauen die Hütte Davids, die verfallen ist, und ihre Trümmer will ich wieder bauen und sie wieder aufrichten, damit die übrigen der Menschen den Herrn suchen und alle Nationen, über die mein Name angerufen ist, spricht der Herr, der dieses tut.
Hier argumentiert Jakobus mit Amos 9. Der Prophet hatte verheißen, dass die Hütte Davids wieder aufgebaut würde. Das davidische Königtum würde neu erstehen. Und es wäre dann ein Königtum, das nicht mehr nationalisraelitisch, sondern weltweit ausgerichtet sein würde. Paulus kann deshalb im Römerbrief davon sprechen, dass Abraham die Verheißung erhalten hatte, der Welterbe zu sein. Merkt ihr: Der weltweite Segen durch den einen Nachkommen Abrahams war mit einem Herrschaftsanspruch verbunden.
Zur Zeit des Apostelkonzils hatte sich diese Verheißung bereits erfüllt. Am Kreuz fand die Krönung des Königs statt, der sich auf den Thron Davids setzt. Jesaja hatte das verheißen, Jesaja 9,5-6: Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter. Und man nennt seinen Namen Wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Vater der Ewigkeit, Fürst des Friedens. Groß ist die Herrschaft, und der Friede wird kein Ende haben auf dem Thron Davids und über seinem Königreich, es zu festigen und zu stützen durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit.
Und der Engel, der zu Maria kam, hatte das bestätigt. Lukas 1,31-33: Und siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus nennen. Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden, und der Herr, Gott, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Und er wird über das Haus Jakobs herrschen in Ewigkeit, und seines Königtums wird kein Ende sein.
Der Sohn Gottes soll über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und genau diese Verheißung erfüllt sich. Nur dass die Perspektive dieses ewigen Königreiches und damit die Perspektive von Haus Jakob alle Menschen umfasst. Ich kann im neuen Bund durch den Glauben als Heide Teil des davidischen Königreiches und damit Teil von Haus Jakob werden.
Die Idee ist natürlich schon alt. Rahab, die Kanaaniterin, und Ruth, die Moabiterin, haben beide gezeigt, worauf es dabei ankommt. Es ist immer der Glaube, der zählt. Und so schließt der Herr Jesus einen neuen Bund mit all den Israeliten, die an ihn glauben, und legt damit den Grundstein für ein neues geistliches Israel, das ihm dient, weil es sein Leib ist.
Das Gleichnis von der verweigerten Einladung
Frage: Wie findet der Übergang von der einen Nation, also dem irdischen, ethnischen Israel, auf die andere Nation, das geistliche Israel, also auf die Ekklesia des Messias, statt? Um das zu erklären, erzählt der Herr Jesus ein weiteres, recht trauriges Gleichnis.
Matthäus 22,1-2:
Und Jesus begann und redete wieder in Gleichnissen zu ihnen und sprach: Mit dem Reich der Himmel ist es wie mit einem König, der seinem Sohn die Hochzeit bereitete.
Es geht also noch einmal um das Reich Gottes. Der Hintergrund ist die Hochzeit eines Königssohnes. Ein König richtet für seinen Sohn eine Hochzeitsfeier aus. Allerdings gibt es ein Problem.
Matthäus 22,3:
Und er sandte seine Knechte aus, um die Eingeladenen zur Hochzeit zu rufen, und sie wollten nicht kommen.
Hier wird es jetzt merkwürdig. Die Feier ist so weit vorbereitet, dass man die Knechte schickt, um die Eingeladenen zu rufen. Aber sie wollen nicht kommen. Achtung: Die Eingeladenen hatten die Einladung schon vorher erhalten. Es war normal, dass man ein zweites Mal zu einer Feier geladen wurde. Das hing einerseits damit zusammen, dass niemand im Vorhinein genau sagen konnte, wie lange die Vorbereitungen dauern würden. Außerdem war es eine Sache der Ehre, dass man zweimal eingeladen wurde.
Also geht die ganz normale zweite Einladung hinaus. Aber die Knechte kehren mit der Nachricht zurück, dass die Eingeladenen nicht kommen wollen. Das ist natürlich alles andere als normal. Im normalen Leben lehnte man die Einladung zu einem königlichen Bankett nicht ab. Im normalen Leben war man froh darüber, dass man überhaupt auf der Gästeliste stand.
Hier ist das anders, und es ist uns natürlich klar, über wen Jesus hier spricht. Denn immer noch redet Jesus zu ihnen, also zu den Hohen Priestern und Pharisäern. Der König ist Gott selbst, und die Eingeladenen, das sind zuerst einmal die Israeliten, die das Volk Israel repräsentieren. Gott lädt sie ein, einer Hochzeitsfeier beizuwohnen. Und sie lehnen ab.
Die eigentliche Bedeutung des Festes
Aber es kommt noch schlimmer. Wir schauen uns das in der nächsten Episode an. Jetzt halten wir nur erst einmal fest, dass hinter der Idee einer anderen Nation, die das Reich Gottes erhalten sollte, mehr steckt als nur ein schnell zusammengestrickter Plan B, weil das Volk Israel nicht gehorsam war.
Das Reich Gottes war immer auf eine Hochzeitsfeier hin angelegt gewesen. Der alte Bund war seit Jahrhunderten ein Auslaufmodell. Es ging Gott nie darum, den Status quo einfach beizubehalten. Der neue Bund musste kommen, und er sollte mit einem gläubigen Israel geschlossen werden, mit solchen Leuten, die bereit waren, mit dem Sohn am Hochzeitsmahl teilzunehmen.
Ein persönlicher Schluss
Was könntest du jetzt tun? Gott ist ein einladender, freigebiger Gott. Die Frage ist: Bist du das auch? Ich meine gastfreundlich und freigebig.
Das war’s für heute. Wenn du ihn noch nicht kennst, lerne doch meinen YouTube-Kanal kennen.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.