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Freue dich - du kannst lieben

1. Korinther 13,1328.03.2021
Serie•Teil 3 / 3Glaube - Liebe - Hoffnung
Christsein und ❤️ gehören zusammen. Was heißt das? Wie geht das?

Einleitung: Woran man Glauben, Hoffnung und Liebe erkennt

Ja, ihr dürft euch gerne widersetzen.
Wir sind ja immer noch in der Mini-Predigtserie unterwegs, in der wir uns die Frage stellen: Woran erkenne ich einen Christen? Und eine der Antworten auf diese doch sehr zentrale Frage, die die Bibel uns gibt, steht in 1. Korinther 13,13. Das haben wir letzten Sonntag schon miteinander angeschaut. Da heisst es: Du erkennst einen Christen am Glauben, an der Liebe und an der Hoffnung, wobei die Liebe die grösste ist.
Das seht ihr hier an dem Bild gleich hinter mir. Da habt ihr sogar auch einen Bibelspruch an der Wand. Den könnt ihr euch dann anpinnen, damit ihr wisst: Okay, das ist das, was Christen ausmachen sollten.
Und um diese Liebe geht es heute Morgen im zweiten Teil dieser Mini-Reihe. Ich habe es ja überschrieben mit dem Satz: „Freue dich, als Christ kannst du lieben. Freu dich, als Christ kannst du lieben.“

Jesu eigenes Gebot als Grundlage der Predigt

Im Grunde genommen spricht Paulus in 1. Korinther 13 nur das nach, was der Herr Jesus in Johannes 13 vorausgesprochen hat. Und dort hat er gesagt: Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, so ihr möglichst viel Bibelwissen habt. Das ist ja sehr wichtig, zu wissen, was in diesem Buch steht. Aber die ursprüngliche Aussage heißt ja: Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt.
Auch in Markus macht Jesus eine sehr zentrale Aussage über die Liebe. Das ist der Text, den ich mit euch lesen möchte und der auch die Grundlage in diesem Gottesdienst sein wird: Markus 12,28-34. Dort heißt es in Markus 12,28: „Und einer der Schriftgelehrten, der gehört hatte, wie sie miteinander stritten, trat hinzu und fragte ihn, da er wusste, dass er ihnen gut geantwortet hatte: Welches Gebot ist das erste von allem? Jesus antwortete ihm: Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist ein Herr; und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft. Das Zweite ist dies: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Größer als diese ist kein anderes Gebot.“
Der Kontext hier ist ja der, dass drei religiöse Gruppen versuchen, den Herrn Jesus aufs Glatteis zu führen. Sie stellen ihm Fragen, aber nicht, weil sie Antworten auf diese Fragen wollen, sondern weil sie Argumente suchen, die sie dann gegen ihn verwenden könnten. In dem Paralleltext in Matthäus 22 heißt es so deutlich, dass der Gesetzgelehrte, den wir eben gerade gehört haben, diese Frage stellte, weil er den Herrn Jesus versuchen wollte. Und so lesen wir es ja auch hier: Da sind Vorgänger, die ihm andere Fragen gestellt haben, und jetzt kommt er und stellt, wie er meint, die alles entscheidende Frage: Was ist denn das größte Gebot?
Das ist schon etwas tricky. Denn die Frage ist ja: Was ist denn jetzt wichtiger? Meine Eltern zu ehren? Den anderen nicht zu beneiden? Oder ist es wichtiger, nicht zu stehlen? Oder ist es wichtiger, nicht die Ehe zu brechen? Was ist also das wichtigste Gebot? Also ihr merkt schon: Wenn ich darauf antworte, hat das eine Menge Konfliktpotenzial.
Also wo man sagt: Hey, du hast das und das gesagt, aber das heißt, das sieht Jesus als gar nicht wichtig an. Also wird ja, wie heute in der Presse, gleich überzogen.

Gottes Liebe als Herzstück des Glaubens

Der Jesus zitiert hier einen Satz aus dem Alten Testament: 5. Mose 6,4-5. Es beginnt mit diesem Wort: Schma Israel, höre Israel. Und das ist nicht irgendein Gebet. Es ist ein Gebet, das die Juden seit Tausenden von Jahren jeden Morgen und jeden Abend beten.
Also wenn du in Israel bist, dann kommst du wahrscheinlich an diesem Gebet überhaupt nicht vorbei, dass du hörst, wie Leute so beten. Der Jesus antwortet also diesem Gesetzesgelehrten mit einem Bibelvers, den er morgens und abends zitiert. Das heißt also, er wusste ganz genau, was dort steht.
Und der Jesus macht durch diesen Bibelvers deutlich: Gott geht es gar nicht darum, dass du in erster Linie viel für ihn tust, sondern es geht ihm darum, dass du ihn liebst. Das ist seine Sehnsucht.
Liebe ist so ein großes Wort, und man kann es gar nicht so richtig greifen. Es ist ja manchmal so, dass wir gewisse Worte haben, die wir füllen. Und wenn man zu uns sagt: Bitte definier mal dieses Wort, dann merken wir, das ist ja gar nicht so einfach.
Also wenn man in den Duden hineinschaut, gute Deutsche schauen in den Duden, wenn sie eine Definition brauchen, dann sagt der Duden: Liebe ist ein starkes Gefühl des Hingezogenseins, eine starke, im Gefühl begründete Zuneigung zu einem nahestehenden Menschen. Das ist ein Aspekt von Liebe.
Aber die Frage ist: Ist hier Liebe wirklich allumfassend beschrieben? Kann ich denn noch lieben, wenn ich nichts fühle? Also nach diesem Zitat ist es ein bisschen schwierig.
Andere Leute schauen nicht gleich in den Duden, sondern einfach mal in Comics. Also wenn du ins Internet eingibst: Liebe ist, dann wirst du diese Comics sehen. Und da ist ein Mann, eine Frau. Da gibt es ja, ich glaube, das ist das Fünftausendste und was weiß ich. Da wird immer wieder gezeigt, was Liebe ist. Und es sind gute Gedanken, die dort transportiert werden. Das passt jetzt zu Corona, deswegen habe ich es rausgesucht. Aber trotzdem: Diese Gedanken beschreiben ja nicht unbedingt den Kern der Liebe, sondern nur einzelne Aspekte, einzelne Auswirkungen von Liebe.
Und auch in 1. Korinther 13, dem Text, wo wir gerade eben schon waren, auch wenn du dir wie hier ihn an die Wand klebst, dann wirst du merken: Na ja, Liebe ist da schon sehr intensiv beschrieben, auch sehr tiefgehend, aber nicht allumfassend. Es gibt Aspekte, die kommen in 1. Korinther 13 gar nicht vor. Aber wenn du allein schon in 1. Korinther 13 lebst, dann ist das natürlich schon sehr viel.

Was Gottes Wesen über Liebe offenbart

Die beste Antwort auf die Frage, was Liebe ist, gibt der Apostel Johannes. Er sagt in 1. Johannes 4,8: Gott ist Liebe. Das ist seine Definition.
Gott kann ohne Liebe nicht Gott sein. Liebe ist viel mehr als nur eine Eigenschaft Gottes. Im Alten Testament lesen wir immer wieder, dass Gott zornig ist. Aber du würdest nicht sagen: Gott ist Zorn. Wenn es keine Sünde gäbe, dann könnte Gott auch Gott sein, ohne barmherzig zu sein. Denn wem gegenüber und warum sollte er barmherzig sein? Und trotzdem ist er Gott. Aber Gott kann nicht ohne Liebe Gott sein.
Die Liebe zwischen dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist ist eine vollkommene, selbstlose Liebe. Das heißt, Gott braucht uns als Menschen gar nicht, um geliebt zu werden. Gott ist Liebe. Und deshalb kann ich auch in einem ehemaligen Konzentrationslager stehen und mich fragen: Wie kann Gott Liebe sein, angesichts der schrecklichen Dinge, die hier in diesem Lager passiert sind? Und dann merke ich: Diese Antwort werde ich nicht auf dieser Welt finden. Ich werde es erst verstehen, wenn ich meine Augen zum Himmel aufhebe und begreife, dass der Vater den Sohn liebt, und der Sohn den Vater, und beide den Heiligen Geist, und der Heilige Geist beide. Gott ist Liebe. Das ist das Bild, das Johannes uns hier sehr konkret vor Augen malt.
Eine Ahnung, wie groß Gottes Liebe ist, bekomme ich auch, wenn ich darüber nachdenke: Wie war denn eigentlich das Verhältnis Gottes zu Israel? Gottes Verhältnis zu Israel ist eine Liebesgeschichte. Und in 5. Mose 7 sagt Gott sinngemäß zu Israel: Ich habe mich euch zugeneigt, weil ich euch erwählt habe. Warum? Wegen meiner Liebe zu euch und wegen des Eides, den ich euren Vätern geschworen habe und den ich halte. Aber ich habe mich euch zugeneigt wegen meiner Liebe zu euch.
Das macht Gott hier sehr deutlich. Gott ist diesem Volk nachgegangen. Auch wenn dieses Volk nichts von ihm wissen wollte, ist er ihnen nachgegangen, weil er sie über alles geliebt hat. Gottes Liebe ist bedingungslos, und er hält es sogar aus, wenn Menschen die Faust gegen ihn erheben.
Im Neuen Testament ist es genau das Gleiche. In Römer 5 steht, dass Gott uns geliebt hat, als wir noch Sünder waren. Als wir unsere Faust gegen ihn erhoben haben, war seine Liebe da, denn Gott ist Liebe. Gott kann gar nicht anders, als Menschen zu lieben, selbst wenn sie nichts von ihm wissen wollen. Er zeigt ihnen seine Liebe.
Ich finde diese Verse in der Bergpredigt in Matthäus 5 stark, wo es heißt, dass Gott seine Sonne über den Bösen aufgehen lässt. Und er kümmert sich darum, dass das Feld des Ungerechten ja auch genug Regen bekommt. Ganz ehrlich: Mir würde das im Traum nicht einfallen. Den Bösen gehört die Sonne abgestellt, und die Ungerechten sollen einfach mal sehen, wie sie mit ihrem Wüstenacker klarkommen. Aber so ist Gott nicht. Gott ist Liebe.

Liebe als Gabe Gottes und als Auftrag an den Menschen

Mir scheint es auch so zu sein, dass die natürliche Liebe, die wir als Menschen haben, Gott in uns hineingelegt hat, auch wenn sie vielleicht gar nicht auf ihn ausgerichtet ist. Es gibt genug Nichtchristen, die anderen wirklich liebevoll begegnen, wo du sagst: Wow, das ist wirklich Liebe, was der oder die tut. Wo haben die die Liebe her? Die haben sie doch nicht vom Teufel!
Der Teufel kann die von Gott geschenkte Liebe missbrauchen, das kann er, weil er Menschen zerstören will. Satans Fingerabdruck ist Hass und Streit, aber doch nicht Liebe. Gott steht für Liebe, und diese Liebe wird daran deutlich, dass er gibt. Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn, seinen einzigen Sohn, gab. Gott hat seinen Sohn dahingegeben, das ist das Größte, was er tun konnte. Er gab seinen Sohn für mich. Jesus kam auf diese Erde, um stellvertretend für mich zu sterben, für meine Sünde am Kreuz. Größer kann Liebe nicht sein.
Paulus jubelt mal in Galater 2,20, und er sagt: Ich lebe im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat. Also er macht deutlich: Ja, ich begreife, Gott liebt mich, und er zeigt auch, wie er mich liebt. Er hat sich hingegeben.
Und weil Gott das getan hat, deshalb bin ich herausgefordert, auch Gott zu lieben mit meinem Herzen, mit meiner Seele, mit meinem Verstand und mit meiner Kraft. Das ist das, was der Jesus hier sagt: Liebe Gott, das ist mal das Erste.
Wenn wir diese Worte in 5. Mose 6 nachleben, liebe Gott mit deinem Lewaw, mit deinem Lew, mit deinem Herzen. Wenn der Hebräer Herz sagt, dann meint er vor allen Dingen meinen Willen, meine Entscheidung. Ich soll Gott lieben, indem ich darauf achte: Gott soll die Nummer eins in meinem Leben sein. Ich entscheide mich immer wieder neu, mein Herz soll auf ihn ausgerichtet sein, jeden Tag. Das heißt, ihm gehört meine Zeit, und ihm gehören auch die Themen, mit denen ich mich beschäftige.
Wenn ich Gott liebe mit meinem Herzen, dann werde ich mich bei Entscheidungen immer wieder fragen: Freut es Gott, was ich jetzt tue? Ehrt es ihn? Und diese Frage wird dann viel wichtiger für mich sein, als mich bei Entscheidungen immer wieder zu fragen, finden das die anderen auch gut? Ich kann mich immer wieder fragen: Findet Gott es gut? Und Gottes Ziel ist es, dass ich ihn mit meiner Entscheidung liebe. So steht es zum Beispiel in 1. Timotheus 1: Das Endziel der Weisung, also der Summenstrich unter allem, ist Liebe aus reinem Herzen.

Liebe mit Herz, Seele, Verstand und Kraft

In dem vom Herrn Jesus zitierten Text geht es aber auch darum, Gott mit deiner Seele zu lieben. Da steht also eigentlich: Liebe Gott mit deiner Kehle. Für den Hebräer bedeutet das: Ich stelle mich mit Haut und Haaren Gott als meinem Schöpfer zur Verfügung. Ähnlich wie Paulus das einmal in Römer 6 ausdrückt. Dort sagt er: Stellt eure Glieder jetzt Gott zur Verfügung zur Gerechtigkeit, damit sie heilig werden.
Da geht es auch um diesen Gedanken: Ich stelle mich Gott zur Verfügung. Ich gebe ihm meine Hände, ich gebe ihm meine Beine, ich gebe ihm meine Füße, damit er mich gebrauchen kann. Das heißt, ihn mit meiner Seele zu lieben, innerlich dabei zu sein, wenn ich mich ihm und meine Glieder zur Verfügung stelle.
Und dann sagte der Herr Jesus: „Liebe Gott mit deinem Verstand.“ Das ist eine weitere Möglichkeit, Gott meine Liebe zu zeigen. Immer wieder wird von konservativen Christenverstand, da werden so Pseudo-Gegensätze aufgemacht: Das ist Geist und nicht Verstand. Weißt du, was mich überrascht hat? Wenn du 5. Mose 6 liest, dann steht dieses Wort gar nicht im hebräischen Text. Das hat der Herr Jesus hier hinzugefügt. Das war ihm also sehr wichtig, dass ich Gott mit meinem Verstand liebe.
Wie mache ich das? Ich liebe dich nicht nur mit meiner Seele, doch, auch mit meiner Seele, aber ich liebe dich mit meinem Verstand. Paulus sagt in Kolosser 1,10: Du wächst, also du bekommst eine tiefere Beziehung zu Gott, indem du Gott immer besser erkennst. Und das machst du über deinen Verstand.
Gott über meinen Verstand zu lieben heißt, immer besser zu verstehen, wie Gott denkt, wie er fühlt und wie er handelt. Gott mit meinem Verstand zu lieben, das kann ich ganz praktisch machen: Ich kaufe mir ein Heft und schreibe es dann auch voll und nenne dieses Heft „Das habe ich über Gott entdeckt“. Das heißt, Gott mit meinem Verstand zu lieben. Ich werde es aufschreiben, ich entdecke Dinge über Gott in der Bibel oder es wird mir deutlich, und dann setze ich das um in meinem Leben.
Und zum Schluss geht es darum, Gott mit meiner Kraft zu lieben. Hier steht das Wort Me'od. Me'od ist eigentlich ein Adverb, also eine nähere Erklärung für ein Verb. Von Jakob heißt es einmal, Jakob breitete sich me'od, me'od aus, also mehr und mehr aus. Oder als die Israeliten in 4. Mose 14 zurückkommen von ihrer Spionagetour, da sagen sie etwas über das Land Kanaan, das sie gesehen haben, und sie sagen: Das Land ist me'od, me'od tov, es ist gut. Und man übersetzt es mit: Es ist sehr, sehr gut. Also auch hier me'od, eine Ergänzung, ein Adverb.
Ich kann also me'od oder mit me'od fast jedes Wort intensivieren, könnte das zu fast jedem Verb hinzufügen, um meine Hingabe auszudrücken, um das Verb vielleicht zu steigern. Mit anderen Worten: Mit allem, was ich tue, kann ich meine Liebe zu Gott ausdrücken.
Ob ich das Gemeindehaus putze, ob ich hier vorne Musik mache, ob ich Menschen ermutige, ob ich mich im Garten einsetze und da irgendetwas hinbaue – das sind alles Möglichkeiten, Gott mit meiner Kraft zu lieben. Eigentlich gibt es gar nicht so das treffende deutsche Wort, wo man sagt: Genau das ist es. Aber mir hat es geholfen zu verstehen: Aha, so wird es eigentlich eingesetzt.

Nächstenliebe als sichtbarer Ausdruck von Gottes Liebe

Und dann betont der Jesus hier in Markus 13: Gottes Liebe wird sichtbar, indem ich dem Nächsten meine Liebe oder seine Liebe zeige, nach dem Motto: Wie Gott mir, so ich dir.
Oder um es mit Johannes zu sagen, der bringt es wieder so super auf den Punkt. Er sagt: Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. Ich glaube, es gibt Übersetzungen, die das mit „Lasst uns ihn lieben“ übersetzen. Aber eigentlich heißt es: Lasst uns lieben, Liebe leben dem anderen gegenüber, denn er hat mich zuerst geliebt.
Das heißt, die Liebe zum anderen wurzelt in dem Wissen: Gott liebt mich. Wenn ich den anderen liebe, um wieder geliebt zu werden, dann habe ich nicht verstanden, zu welcher Liebe Gott mich eigentlich berufen hat.
Es gibt ja auch Bibelstellen, die immer wieder verdreht werden. Das hier ist auch so eine. Da wird dann gesagt: Na ja, hier steht doch, ich soll mich selbst lieben, das ist so das Dreiergebot der Liebe: liebe Gott, liebe dich selbst und liebe den anderen. Das stimmt zweimal nicht, denn hier steht nicht: liebe den Nächsten und dich selbst, sondern hier steht: liebe den Nächsten wie dich selbst. Also das setzt die Selbstliebe voraus.
Und wenn du den Kontext dieses Textes liest, dann wirst du merken, dass der Herr Jesus sehr explizit vom Zweiergebot redet und nicht vom Dreiergebot. Der Jesus will mich freimachen von meiner Selbstliebe. Ich soll begreifen: Ich bin von Gott geliebt, und in dieser Liebe bin ich sicher. Und deshalb kann ich andere auch lieben, auch wenn sie mich ablehnen.
Das muss ich natürlich in meinem Alltag noch einmal umsetzen, das ist nicht so einfach. Aber das ist erst einmal die Grundansage, die hier von der Bibel her getroffen wird.
Für den Apostel Paulus war Gottes Liebe der starke Ankerpunkt in seinem Leben. Wir haben das schon gelesen in Römer 8. Da drückt er das sehr prägnant aus. Er sagt: Wer wird mich scheiden können von der Liebe Gottes? Und dann zählt er auf: Bedrängnis, Angst, Verfolgung. Ich habe das schon gelesen. Und dann sagt er: Diese ganzen Schwierigkeiten überwinde ich durch eine Tatsache, durch den, der mich geliebt hat.
Also das heißt, er hat sich auf Gottes Liebe konzentriert, er hat sich an Gottes Liebe gefreut, und daran hat er festgehalten. Und deswegen konnte der Hass der anderen, den er immer wieder erlebt hat, ihn auch nicht daran hindern, sie dennoch zu lieben und ihnen Gottes Liebe zu zeigen.

Praktische Konsequenzen für den Alltag

Wie sieht es für mich aus, Gottes Liebe in meinen Alltag zu bringen und mich nicht nur um mich selbst zu drehen? Das Erste, was ich mir aufgeschrieben habe, und da habe ich ein Ausrufezeichen dahinter gesetzt: Entspann dich. Es ist Gottes Liebe. Es ist nicht deine Liebe, die du dir irgendwie durch Anstrengung erarbeiten musst.
Ich finde, dass Paulus das sehr schön ausdrückt, wenn er grundsätzlich in Römer 15 sagt: Ich werde es nicht wagen, etwas von dem zu reden, was nicht Christus durch mich gewirkt hat. Da ging es um seine Rede, aber das Gleiche kann ich auch für Liebe sagen. Ich werde es nicht wagen. Christus hat es ja durch mich gewirkt.
Und einer der für mich atemberaubendsten Verse über Liebe überhaupt steht in Johannes 17,26. Da sagt Jesus zu seinem Vater: Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan, und ich werde ihn kundtun, damit die Liebe, womit du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen. Da musst du dich einmal festhalten, wenn du das liest, und du sagst: Hey, was steht da? Die Liebe, mit der der Vater den Herrn Jesus geliebt hat, die soll in mir sein? Ja, das steht da. Das steht tatsächlich da.
Aber das geht nur, weil der Herr Jesus in mir ist, weil er durch mich wirkt, wie Paulus es den Kolossern geschrieben hat. Die Menschen um mich herum sollen Gottes Liebe in meinem Leben entdecken. Und das Wesen der Liebe ist ja: Ich suche das Beste für den anderen, auch wenn es mich viel kostet. Das ist Liebe. So hat es der Jesus gemacht. Er hat alles für mich gegeben.
Und deshalb kann ich es wagen, zu lieben, weil Gott auch mir versprochen hat: Ich werde dir ein neues Herz geben, ich werde dir einen neuen Geist geben in dein Inneres, und ich werde das steinerne Herz aus deinem Fleisch wegnehmen. So lesen wir es eigentlich für Israel in Hesekiel 36, aber hier geht es um den neuen Bund, den wir gerne auch auf uns übertragen können.
Das heißt, dieser Heilige Geist, den Gott mir an dem Tag geschenkt hat, als ich ihn kennenlernen durfte, ist nach 2. Timotheus 1 ein Geist der Liebe, so wird er beschrieben. Und in dieser bekannten Stelle Galater 5 heißt es: Das ist seine Frucht, die er bringt, seine erste Frucht in meinem Leben: Liebe, Gottes Liebe in meinen Alltag.
Diese Liebe hängt nicht nur von meinen Gefühlen ab, so wie der Duden es beschrieben hat. Ich kann beten, und ich kann sagen: Herr Jesus, du siehst, ich kann dem anderen nicht freundlich begegnen. Aber danke, dass du in mir dem anderen freundlich begegnest, und das will ich mir von dir erbitten. Und jetzt setze ich mich mal in Bewegung, und dann schaue ich, was daraus wird: Gottes Liebe in meinem Alltag zu leben.
Vielleicht hast du ja auch schon Erfahrung damit gemacht, dass Leute dich ärgern. Wage es zu lieben. Der Heilige Geist ist in dir, er hat die Kraft dazu. Du hast sie nicht, aber er hat sie. Versuche nicht, das zu tun, was der Heilige Geist tun will. Lass dich vom Heiligen Geist gebrauchen, Gottes Liebe sichtbar zu machen.
Und dieses Ziel, Gottes Liebe in meinem Alltag zu leben, das ist viel größer, als deinen Vorteil zu bekommen. Dann sagst du manchmal: Ja, wow, ich habe einen Vorteil bekommen, das ist super für dich, freut mich. Aber wurde Gottes Liebe sichtbar?

Ein Vorbild selbstloser Hingabe

Im Internet findet ihr ein Bild, wenn ihr den Namen Dirk Williams eingebt. Dort seht ihr einen Mann, der einem anderen hilft, der gerade ins Eis eingebrochen ist.
Die Geschichte dazu ist folgende: Williams wurde zum Tode verurteilt, weil er sich zu seinem Glauben bekannt hatte. Man sperrte ihn dann in einen Gefängnisturm ein. Irgendwer hatte die Tür oder etwas Ähnliches nicht richtig verschlossen. Auf jeden Fall nutzte Williams die Gelegenheit und floh. Das wurde jedoch sehr schnell bemerkt, und die Leute verfolgten ihn.
Er lief dann über das Eis, und auch sein Verfolger folgte ihm. Dabei brach der Verfolger ein. Williams begriff: Ich kann jetzt verschwinden, aber dieser Mann wird dort umkommen. Deshalb kehrte er um. Und genau das ist das Bild, das jemand nachgezeichnet hat: Er holt diesen Mann aus dem eiskalten Wasser, das sonst sein sicherer Tod gewesen wäre, heraus.
Wie ging die Geschichte weiter? Wir würden uns wünschen, dass er dann bis an sein Lebensende weiterleben durfte. Aber so war es nicht. Man nahm ihn fest und führte ihn seiner Strafe zu. Er wurde umgebracht. Das heißt: Diese Liebe zu leben hat ihm menschlich nichts gebracht. Aber noch heute, 450 Jahre später, ist seine Tat nicht vergessen, weil sie Gottes Liebe so anschaulich gemacht hat.
Williams hat jemanden gerettet und dabei sein eigenes Leben verloren. Aber das konnte er nicht aus sich selbst heraus tun; Gott hat das in seinem Leben gewirkt.
Und ich wünsche dir nicht, dass es dir wie ihm geht, wenn du Gottes Liebe lebst. Aber ich möchte es dir als Ermutigung sagen: Der Heilige Geist wird auch dir die Kraft geben, das Beste für den anderen zu suchen und so Gottes Liebe in deinem Leben sichtbar werden zu lassen.

Der Blick auf den anderen und der Abschluss der Predigt

Und die Grundlage dafür, dass ich den anderen liebe, ist, dass ich zunächst einmal begreife: Auch der andere ist ein Mensch, den Gott liebt. Das haben wir ja manchmal gar nicht so im Blick. Der andere ist böse, der will mir Böses. Nein, er ist zunächst einmal ein Mensch, den Gott liebt. Gott liebt ihn entweder als Geschöpf oder sogar als sein eigenes Kind.
Und manchmal ist es ja so: Wenn man zu Kindern nicht so nett ist, dann bekommt man es mit den Eltern zu tun. Und so ist es auch bei Gott. Wenn du mit seinen Kindern schlecht umgehst, wie wir es bei Paulus sehen, der schlecht mit Gottes Kindern umging, dann bekam er es mit Gott zu tun. Der Jesus sagt: Was verfolgst du mich?
Deswegen muss ich mich das immer wieder fragen: Ja, soll mir das auch passieren, dass Gott mir in den Weg treten muss und dass er mir sagt: Wie behandelst du eigentlich mein Geschöpf oder wie behandelst du eigentlich mein Kind? Denn man soll mich doch an meiner Liebe erkennen, dass ich Gottes Kind bin und dass ich auch dementsprechend mit dem anderen umgehe.
Gottes Liebe zu leben heißt: Ich bin für den anderen. Das haben wir in Römer 8 gelesen. Ich bin für den anderen. Da sagt Paulus: Wenn Gott für uns ist, wer ist gegen uns? Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern er hat ihn für uns alle dahingegeben, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?
Also: Gottes Liebe lebe ich, indem ich für den anderen bin und indem ich ihm mit Wohlwollen begegne. Den anderen zu lieben, für den anderen zu sein, heißt nicht, alles zu tun, was der andere will. Denn das ist auch klar. Aber bereit zu sein, es mich etwas kosten zu lassen, ihn darin zu unterstützen, was ihm wirklich hilft und was mit dem Willen Gottes übereinstimmt.
Gottes Liebe zu mir wird auch daran sichtbar, dass Gott für mich sorgt. Philipper 4 die Einladung: Sage das, was dich bewegt, Gott im Gebet. Da steht nicht: Und das Problem wird weg sein. Aber da steht, dass Gott dir hilft, deine Gedanken auf Jesus auszurichten, dass Gott dir hilft, dass dein Herz inmitten der Probleme zur Ruhe kommt. Das ist Gottes Liebe. Ich darf hier wirklich zur Ruhe kommen.
Gottes Liebe ist so praktisch, und deswegen darf meine Liebe auch so praktisch sein, mit ganz praktischer Unterstützung für den anderen. Liebe ist, Formulare auszufüllen, sich handwerklich einzubringen, Gastfreundschaft zu leben, Zeit miteinander zu verbringen, anzurufen, zu trösten, was immer auch, eben mehr! Es gibt tausend Möglichkeiten, dem anderen Gottes Liebe zu zeigen und seine Sorgen eine Spur kleiner zu machen oder vielleicht sogar zu lösen.
Ich sage es noch einmal, dann habt ihr es drin: Gottes Liebe zeigt sich vor allen Dingen dadurch, dass er gibt. Er hat mir seinen Sohn gegeben, und er hat mir auch die Kraft geschenkt, lieben zu können. Und deshalb hieß auch der Titel der Predigt: „Freu dich, als Christ kannst du lieben.“
Aber meine Herausforderung ist es, genau wie Gott diese Liebe deutlich werden zu lassen, indem ich gebe. Und wisst ihr was: Geben hat auch oft mit Aufgeben zu tun. Ich muss manche Dinge aufgeben, damit ich andere Dinge geben kann, und dazu fordert Gott mich heraus. Das muss ich für mich selbst überlegen, für mein eigenes Leben. Einmal: Wie erlebe ich Gottes Liebe zu mir, dass ich mich mit seiner Liebe beschäftige? Und dann auch: Wie kann ich ihn lieben mit meinem Herzen, meiner Seele, meinem Verstand und meinem Gott, mit meiner ganzen Kraft?
Und dabei muss ich dann aber nicht stehen bleiben, sondern die Frage ist dann auch: Und wie kann ich anderen in dieser Woche Gottes Liebe zeigen? Die Kraft dazu habe ich. Ich muss mir nur Gedanken machen, Vorsätze haben und diese Vorsätze dann auch umsetzen. Amen!

Gebet, Lied und Zuspruch für die Woche

Dürft ihr jetzt für euch selber auf eurem Platz mit dem Herrn selber reden, was euch wichtig geworden ist, wie ihr ihn lieben könnt oder diese Liebe weitergeben könnt. Ich schliesse dann den Gottesdienst im Gebet ab.
Danke sagen für die Antwort, die du diesem Gesetzesgelehrten gegeben hast, indem du einfach das zitierst aus dem Alten Testament und sagst: Höre Israel. Und ihnen zeigst, wie sie deine Liebe leben können, auch auf dich hin.
Und ich danke dir, Herr, dass du uns das auch schenkst und dass du uns hilfst, auch in der Woche wirklich unterwegs zu sein mit dieser tiefen Überzeugung. Herr, danke für die Kraft, leben zu können, und danke, dass du uns hilfst, das in unserem Alltag umzusetzen. Amen!
Wir werden jetzt noch ein Lied hören. Ihr vom Singeteam könnt nach vorne kommen, das uns einfach noch einmal Gottes Liebe vor Augen stellt.
Ich möchte zuvor noch ein Wort euch mitgeben in die Woche. Den letzten Vers von Römer 8, Vers 39, da heisst es: Weder Höhe noch Tiefe noch irgendein anderes Geschöpf wird uns scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.
Nehmt es mit in die Woche, haltet euch daran fest, dass ihr euch an Gottes Liebe freut. Und dann hört ihr euch dieses Lied noch.