Einführung in die Bedeutung von Gnade und Wahrheit bei Jesus
Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode dreizehn: Gott gibt sich zu erkennen.
Gestern haben wir den Vergleich zwischen Jesus und Johannes dem Täufer abgeschlossen. Wir wissen nun, dass der Messias derjenige ist, den wir brauchen, wenn wir Gnade und Wahrheit empfangen wollen. Außerdem wissen wir, dass diese ungewöhnliche Mischung nur bei Jesus zu finden ist.
Dazu ein letztes Beispiel: Ich kann einem Dieb entweder mit Gnade oder mit Wahrheit begegnen. Wenn ich weiß, dass er mich bestohlen hat, kann ich entweder sagen: „Schwamm drüber, macht nichts.“ Dann bleibt die Wahrheit auf der Strecke. Ich tue so, als wäre er kein Dieb – obwohl er es ist. Oder ich behandle ihn wie einen Dieb, zeige ihn an und fordere Wiedergutmachung. Das wäre in Ordnung, hat aber nichts mit Gnade zu tun.
Bei Jesus finden die Gläubigen jedoch sowohl Gnade als auch Wahrheit. Als Dieb komme ich zu ihm, und Jesus tut zwei Dinge. Erstens: Er stirbt für meine Schuld. Die Wahrheit bleibt Wahrheit – ich bin ein Dieb und muss bestraft werden. Diese Strafe nimmt Jesus auf sich. Die Gerechtigkeit erhält ihr Recht, aber wir bleiben nicht dabei stehen.
Zweitens: Er stirbt für meine Schuld und begnadigt mich. Er spricht mich frei – wirklich „Schwamm drüber“. Mein altes Leben spielt keine Rolle mehr. Ich darf neu anfangen, weil er mich aufgrund meines Glaubens an ihn freispricht. Das ist Gnade und Wahrheit.
Oder, wenn man sich an Psalm 85 erinnert, den wir gestern besprochen haben: Gerechtigkeit und Frieden haben sich geküsst.
Die Offenbarung Gottes durch Jesus im Johannesprolog
Machen wir weiter und schließen langsam den Prolog des Johannes-Evangeliums ab, Johannes 1,18:
„Niemand hat Gott jemals gesehen, der einzig geborene oder einzigartige Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat ihn bekannt gemacht.“
Bitte erinnert euch an das, was wir in Episode acht zu Vers 14 gesagt haben. Niemand hat Gott jemals gesehen. Der einzig geborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, hat ihn bekannt gemacht.
Was für ein Satz – ein wahrhaft würdiger Abschluss für einen Prolog. Gott in seiner ganzen Göttlichkeit können wir Menschen nicht sehen. Im Alten Testament erscheint Gott manchmal als Mensch oder Engel, aber das ist immer Gott in einer nicht-göttlichen Form. So ähnlich, wie wenn man die Bundeskanzlerin im Fernsehen sieht: Das ist auch nicht sie selbst, sondern nur ihr Bild.
Und so kann Gott auf der Erde erscheinen, und wir können ihm begegnen. Aber Gott in seiner ganzen Göttlichkeit kann kein Mensch sehen, ohne sofort zu sterben. Vielleicht können wir von ihm eine Vision haben oder ihm in einer Feuersäule oder in einem Traum begegnen, aber Gott in seiner Göttlichkeit – das geht nicht.
Genau genommen kommen wir nicht weiter als bis zum Herrn Jesus. Zu Philippus, der Gott den Vater sehen will, wird Jesus einmal sagen: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Johannes 14,9).
Die Verbindung zwischen dem Herrn Jesus und Gott dem Vater ist so eng, dass er fortfährt: „Glaubst du nicht, dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, rede ich nicht von mir selbst, der Vater aber, der in mir bleibt, tut seine Werke. Ich in dem Vater und der Vater in mir“ (Johannes 14,10).
So eng ist die Verbindung zwischen Vater und Sohn, und zwar in dem Moment, wo Jesus auf der Erde ist. Die Worte, die Jesus spricht, kommen vom Vater, und die Werke, die Jesus tut, sind die Werke des Vaters. Mehr Vater sehen als Jesus erleben geht nicht.
Oder noch eine Stelle dazu, Johannes 5,19: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, außer was er den Vater tun sieht. Denn was der tut, das tut ebenso auch der Sohn.“
Um das gleich zu sagen: Das ist nicht die Norm. Das ist nicht, was jeder Christ erwarten kann. Das ist der einzig geborene und einzigartige Sohn. Jesus ist im Blick auf seine Gottesbeziehung immer Ausnahme, nicht die Regel.
Die Bedeutung von Johannes 1,18 für das Gottesbild
Aber zurück zu unserem Vers Johannes 1, Vers 18: Niemand hat Gott jemals gesehen. Der einzig geborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, hat ihn bekannt gemacht.
Fangen wir hinten an: Er hat ihn bekannt gemacht – bekannt gemacht im Sinne von „etwas ausführen, erklären“. Gott wirkt schon Jahrhunderte vor Jesus, aber er tut es sehr punktuell. Liest man die Geschichte des Volkes Israel, dann ist Gott manchmal für Jahrhunderte still. Manchmal wundert man sich förmlich, warum Gott nicht mehr tut.
Es ist gar nicht so leicht, aus dem Lesen des Alten Testaments ein klares Bild von Gott zu bekommen. Es sind zu viele Einzelbeispiele, zu viele Extremsituationen. Und jetzt kommt Jesus und erklärt uns, wie Gott ist.
Um ein Beispiel zu bringen: Als ich das Alte Testament die ersten Male las, habe ich die Geduld Gottes weitgehend überlesen. Ich war erschrocken über seine Gerichte – Sintflut, Plagen, Deportation, Seuchen – und ich konnte alle Leute verstehen, die ein Problem damit hatten, in Jesus den Gott des Alten Testaments wieder zu entdecken.
Jesus war auf den ersten Blick anders. Er war geduldig, sanftmütig, hatte kein Problem mit Sündern, außer vielleicht mit den Selbstgerechten. Ich habe dann mit dieser Perspektive mir das Alte Testament angeschaut. Und siehe da, plötzlich merkte ich, dass Gott auch dort im Alten Testament unglaublich geduldig war.
Da gehen Jahrhunderte ins Land, ohne dass Gott richtet. Da machen die Israeliten denselben Fehler immer und immer wieder, ohne dass Gott gleich eingreift. Da gibt es trotz Unglaubens noch eine Chance – und noch eine – und noch eine.
Wie gesagt, es ist alles da. Aber gesehen habe ich es erst, als ich mir den Charakter des Herrn Jesus angeschaut habe und mit diesem Wissen rückblickend das Alte Testament gelesen habe.
„Niemand hat Gott jemals gesehen, der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat ihn bekannt gemacht.“ (Johannes 1,18)
Die enge Beziehung zwischen Jesus und dem Vater
Der Sohn ist im Schoss des Vaters. Der Begriff „Schoss des Vaters“ ist ein Bild dafür, dass ich ganz nah bei Gott bin. Schoss steht hier für Intimität und Geborgenheit. Wenn du ins Zimmer kommst und meine Frau sitzt auf meinem Schoss, dann hättest du vorher anklopfen sollen. Näher geht es nicht.
So beschreibt uns Johannes den Herrn Jesus nicht nur als Gott, das Wort, den aktiven Teil Gottes in der Schöpfung, der aus der Ewigkeit in die Zeit hineintritt und Mensch wird. Er beschreibt ihn auch als den einzigartigen Sohn, der immer in allergrößter Nähe zum Vater lebt. Der Sohn im Schoss des Vaters ist nicht nur eine bildhafte Aussage, Gott wird Mensch. Dieser Mensch ist im Blick auf seine Beziehung zum Vater eine echte Offenbarung.
Er lebt eine Qualität von Beziehung, die seinem Gottsein entspricht: ganz Mensch, aber auf eine für uns nicht nachvollziehbare Weise mit dem Vater verbunden und den Vater bekannt machend. Diese Nähe zwischen Vater und Sohn wird in sehr alten Handschriften noch vertieft, weil es zu Johannes 1,18 sehr gute Lesarten gibt.
Entweder kann man lesen „einzig geborener Sohn“ oder „einzig geborener Gott“. Es würde dann heißen in Johannes 1,18: „Niemand hat Gott jemals gesehen; der einzig geborene Gott, der im Schoss des Vaters ist, hat ihn bekannt gemacht.“ Das klingt vielleicht ungewöhnlich, ist aber derselbe Gedanke, mit dem der Prolog anfing.
Erinnert ihr euch noch an Johannes 1,1? „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ Das Wort ist Gott und bei Gott. Hier in Vers 18 wird ein ganz ähnlicher Gedanke transportiert: Der Sohn ist Gott und im Schoss des Vaters, also bei Gott.
Fazit: Die Einzigartigkeit Jesu und die Entscheidung für ihn
Jürgen, das ist mir zu kompliziert. Ehrlich gesagt, mir auch. Aber so muss es sein, so muss es sich anfühlen, wenn Gott Mensch wird. Es muss etwas entstehen, das so anders ist, dass wir es nicht wirklich erfassen können.
Die Andersartigkeit dieser Beziehung ist für mich ein Beweis dafür, dass ich auf meiner Suche nach Gott am Ziel angekommen bin.
Dieser Podcast ist dazu da, das Leben und die Lehre Jesu Christi zu betrachten. Wir sind jetzt mit der Vogelperspektive fertig. Wir wissen nun, wer Jesus ist, was ihn auf die Erde brachte und warum wir ihn brauchen. Wir wissen, dass es in der Geschichte der Menschheit keine Person gibt, die wichtiger ist.
Denn wer könnte von sich sagen: Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen? Wer das von sich behaupten würde, wäre entweder ein Lügner, psychisch schwer erkrankt oder er würde die Wahrheit sagen.
Wir müssen uns entscheiden, wie wir mit diesem Jesus umgehen wollen, ob wir ihm zuhören wollen. Denn in Hebräer 1,1-2 heißt es: Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn.
