04.08.2026
Serie•Teil 2 / 4Der Ton macht die Musik
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Generierte Mitschrift
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Der Ton macht die Musik: Eine Predigt für die Sommerpause. Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt. Nachfolge praktisch: dein geistlicher Impuls für den Tag.
Der Ton macht die Musik eine Predigt für die Sommerpause Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt, nachfolge praktisch dein geistlicher Impuls für den Tag.
Mein Name ist Jürgen Fischer, und heute geht es mir um einen freundlichen Ton beim Reden.
Ein erster Blick auf das Problem
Zweiter Punkt. Zweiter Punkt lautet: Schlechte Muster werden nicht ausradiert, sondern ersetzt.
Nehmen wir an, du hättest dich irgendwie wiedergefunden in diesem Zornigwerden. Und nehmen wir an, du bist auch davon überzeugt, dass weder dir noch irgendeiner Beziehung, die du führst, das etwas bringt. Dann kommt natürlich sofort die Frage auf: Wie bekomme ich dieses schlechte Muster eigentlich weg?
Möchte ich nicht laut werden? Dann lebe ich so in der Woche mein Leben, und es passiert. Und nachdem es passiert ist, ärgere ich mich. Ich nehme mir vor, es nicht wiederzutun, und dann entdecke ich, dass ich es doch wieder tue. Und dann kommt dieser Punkt, diese Frage: Wie kriege ich das weg?
Wenn wir uns die Frage stellen, was die Bibel dazu sagt, wie man eine schlechte Gewohnheit ausradiert bekommt, dann lautet die überraschende Antwort: Du kannst das nicht ausradieren. Die biblische Antwort lautet: Wenn du so eine schlechte Angewohnheit hast, dann musst du das eine ablegen, um das andere anzuziehen.
Das Bild vom alten und neuen Kleid
Ich möchte euch das am Beispiel vom Kolosserbrief zeigen. Es ist das Bild einer Kleiderkammer. Man zieht das alte, schmutzige Kleid aus, und man zieht ein neues Kleid an.
Vom Text her geht es darum, dass wir Dinge ausziehen sollen. Gemeint sind jetzt nicht wirkliche Kleider, sondern Charakterzüge. Also abgelegt werden Dinge wie Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung und schlechtes Reden über andere Leute. Und angezogen werden Dinge wie Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut und Geduld.
Und vielleicht wollt ihr den Vers auswendig lernen. In Kolosser 3,8-9 und 12 heißt es: „Jetzt aber legt auch ihr das alles ab: Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung, schändliches Reden aus eurem Mund. Belügt einander nicht, da ihr den alten Menschen mit seinen Handlungen ausgezogen habt. Und dann in Vers 12: Zieht nun an, als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte, herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Langmut.“
Ich hoffe, ihr versteht, was hier steht, weil das richtig entscheidend ist.
Veränderung geschieht durch ein neues Verhalten
Gott verändert uns nicht dadurch, dass er uns einfach zuruft: Hör damit auf. Er führt uns vielmehr in ein neues Verhalten hinein, in dem wir die eine Sache lassen, um eine andere zu tun.
Also statt zu schreien, mal innezuhalten. Statt zu drohen, freundlich zu bitten. Statt den anderen zu beschimpfen, einfach die Sache zu benennen. Statt eines Zornausbruchs die Verantwortung für die eigenen Worte zu übernehmen. Statt Kälte und Desinteresse Barmherzigkeit zu üben.
Es geht nie nur darum, dass wir eine Sache lassen. Es geht immer darum: Ich lasse eine Sache, um eine andere zu tun. Versteht ihr, es gibt immer ein Stattdessen. Da wird nicht einfach ein leerer Platz zurückgelassen. Dieser leere Platz, das, was ich nicht mehr tue, wird neu gefüllt.
Und es ist wichtig, dass wir das verstehen. Denn wenn wir unseren Charakter verändern wollen, dann reicht es nicht, dass ich das Böse hasse. Wenn ich etwas ändern will, wenn ich ein neuer Mensch werden will, wenn ich das, was Gott in mir angelegt hat, verwirklichen möchte, dann wird ein altes, falsches Muster nur dadurch neu, dass ich es durch ein neues Muster ersetze.
Wiederholung statt bloßer Einsicht
Und dieses neue Muster, das will eingeübt werden. Wir sind so gestrickt. Das ist einerseits geistlich wahr, aber wir sind auch ganz praktisch so gebaut.
Stell dir vor, du bist es über Jahre und Jahrzehnte hinweg gewohnt: Wenn es Stress gibt, wirst du laut. Das ist einfach deine Reaktion auf Umstände, die du nicht mehr beherrschst. Dann sind das, wenn man so will, gebahnte Wege in deinem Kopf. Und unter Druck fällst du automatisch in dieses Muster wieder zurück. Und zwar nicht, weil du böse bist, sondern einfach, weil das der ausgetretene Weg in deinem Schädel ist. Das ist das, was du tust, ohne nachzudenken.
Und jetzt kommt Gott und sagt: Stell dir deinen Schädel wie eine Wiese vor. Und da gibt es diesen ausgetretenen Weg, den du immer und immer wieder gegangen bist. Und jetzt kommt Gott und sagt: Ich möchte, dass du neben diesem ausgetretenen Weg einen anderen Weg gehst.
Wenn du dir so eine Wiese vorstellst und du gehst das erste Mal diesen anderen Weg, so einen kleinen Trampelpfad, dann siehst du noch nicht viel. Es ist immer noch dieser breite Weg und ein Nichts an Trampelpfad. Aber du kannst dir vorstellen: Wenn du ihn jetzt immer und immer wieder gehst, wenn du dich gegen den breiten, bekannten, aber falschen Weg entscheidest und für den Trampelpfad, und wenn du da immer wieder durchlatscht, dann wird im Lauf der Zeit aus diesem Trampelpfad ein eigener kleiner Weg.
Es braucht, wenn wir uns im Charakter verändern wollen, Wiederholung. Es braucht nicht nur Einsicht. Ich sage das noch einmal: Es braucht Wiederholung, nicht nur Einsicht. Es reicht nicht, dass du sagst: Ja, es ist falsch, zornig zu sein. Ich bin ein Dummkopf und ein Narr, wenn ich zornig werde; das sagen jedenfalls die Sprüche. Das reicht nicht. Eine gute Predigt zu dem Thema schafft keine neue Gewohnheit.
Aber viele kleine Schritte, wenn du ganz oft diesen kleinen neuen Trampelpfad betrittst und etwas anders machst, dann wird sich etwas ändern. Und deswegen beginnt interessanterweise die Veränderung beim Thema Streit oder beim Thema Lautwerden nicht mitten im Streit. Da bist du schon zu weit. Du brauchst vorher einen Moment, in dem du innehältst. Einen Moment, in dem du dich entscheidest: Nein, ich werde den ausgetretenen Weg jetzt nicht beschreiten. Ich möchte jetzt den Trampelpfad gehen.
Ein praktisches Werkzeug für den Alltag
Und ich möchte mit euch eine kleine Übung machen. Teil zwei.
Für euch der Kernsatz: Es geht nicht darum, nur zu fragen, wie kann ich das machen, dass ich nicht mehr schreie, sondern es geht darum, dass ich finde, was ich stattdessen tun kann, wenn ich gleich anfangen will zu schreien.
Okay, eine kleine Übung für euch. Ein ganz einfaches Werkzeug. Jeder von euch kennt eine Ampel: rot, gelb, grün.
Wenn wir laut werden und wir sind im Bereich Rot, dann wissen wir, dass wir im Bereich Rot sind, oder? Das ist so der Moment, wo man rumschreit, droht, beschimpft, innerlich eigentlich schon gar nicht mehr erreichbar ist. Also wenn ich bei Rot bin, ist das eigentliche Gespräch vorbei.
Gelb ist das, was vor Rot kommt, und die gute Nachricht: Es gibt immer ein Gelb vor dem Rot. Gelb heißt: Meine Stimme wird ein bisschen lauter, mein Körper spannt sich an, ich rede etwas schneller, dafür höre ich ein bisschen weniger gut zu, ich atme ein bisschen schneller. Da kommt so dieser Gedanke: Ich will gewinnen. Da geht es mir dann gar nicht mehr so ums Verstehen, und ich sammle eigentlich innerlich schon so Munition für den nächsten Satz. Ich bin noch nicht laut, aber ich bin auch nicht mehr in der Phase davor: Grün.
Grün heißt, ich bin ansprechbar, ich kann noch zuhören, ich kann noch beten, ich könnte sogar noch eine Pause machen.
Und weil wir das kennen, weil wir alle wissen, dass ich lange bevor ich rot bin, Grün verlassen habe und es über Gelb zu Rot ging, möchte ich euch einen Trick zeigen.
Den Übergang rechtzeitig erkennen
Der Trick liegt im Gelb, ist irgendwie klar. Ja, bei Grün haben wir kein Problem, und wenn du erst mal rot bist, dann ist es zu spät. Aber Gelb, Gelb ist so eine ganz feine Sache.
Ich gebe euch dreißig Sekunden Zeit. Werdet bitte mal einen Moment still. Denkt an euren letzten, von mir aus Streit, oder daran, wo ihr das letzte Mal laut geworden seid, oder wo ihr vielleicht immer laut werdet. Und mich interessiert: Was fühlst du? Was passiert bei dir körperlich, wenn du von Grün Richtung Gelb rutschst? Also, was spürst du?
Beispiele wären: Dein Kiefer wird fest, deine Stimme höher, dein Atem flacher. Was passiert in deinen Gedanken? Welche Sätze kommen da? Vielleicht dieses: „Immer muss ich ...“ oder „Keiner respektiert mich ...“ oder „Jetzt reicht’s ...“ oder „Ich muss mich mal richtig durchsetzen ...“
Das sind so Schritte vom Grün ins tief dunkelgelbe. Und das ist so der Moment, wo du noch stoppen kannst und stoppen solltest.
Frage an dich: Ich zähle langsam innerlich bis dreißig. Du überlegst mal: Wie empfinde ich körperlich, dass ich gerade dabei bin, den grünen Bereich zu verlassen? Denk an den letzten Streit.
Okay, ich wünsche dir natürlich, dass dir keine einzige Situation eingefallen ist. Dann wärst du in der Heiligung deutlich weiter, als ich es bin. Aber nehmen wir an, du hättest einen Moment, und nehmen wir an, du hättest ein Symptom, wo du sagst: Das fühle ich jetzt.
Der Trick: Triff die Entscheidung, diesem Moment, wenn du das empfindest, was du dir eben gerade überlegt hast, mit einem Satz zu begegnen.
Ein Satz für den Moment vor dem Ausbruch
Also, überleg dir jetzt einen Satz, den du in dieser Situation sagen könntest, in der wir alle noch nicht im roten Bereich sind, aber das Grüne bereits verlassen. Eigentlich wäre es gut, jetzt vom breiten Weg in Richtung Trampelpfad abzubiegen.
Überlege dir einen Satz, den du in so einer Situation sagen könntest. Einen Satz wie: „Ich merke, ich werde gerade laut, ich brauche mal fünf Minuten.“ Oder: „Ich will nicht verletzend werden, lass uns kurz stoppen.“ Oder: „Ich bin gerade dabei, innerlich aufbrausend zu werden. Ich kann jetzt nicht mehr so gut reden.“
Das könnte auch etwas Lustiges sein, zum Beispiel: „Hey, ich würde mir jetzt einen Tee kochen, kannst du mir einen Kuss geben?“ Also, das wäre dann so richtig dagegen gearbeitet.
Aber überleg dir einen Satz. Du hast jetzt den Moment: Ich fühle mich so und so, wenn es ins Gelb reingeht. Diesen Punkt hältst du fest. Und jetzt brauchst du einen Satz, bei dem du dir vornimmst: In der nächsten Woche, wenn es gelb wird, sage ich diesen Satz.
Überleg dir jetzt einen Satz, den du sagen möchtest, und schreib ihn dir in dein Handy. Mitten im Gelb: Was wirst du sagen, um die Situation in der nächsten Woche zu entschärfen? Denn du willst eine neue gute Gewohnheit einüben. Du willst den kleinen Trampelpfad gehen.
Merk dir diesen Satz gut.
Verantwortung, Pause und Rückkehr
Und damit wir uns nicht falsch verstehen: Ein Gelbsatz ist keine Flucht, okay? Er ist Verantwortung. Wer eine Pause macht, um den anderen nicht zu verletzen, drückt sich nicht vor der Situation. Er schützt den anderen vor sich selbst.
Pause heißt nicht Abbruch. Und deswegen brauchen wir, wenn wir so miteinander umgehen, dass wir so einen Satz zulassen. Wir brauchen eine Vereinbarung, die ihr zu Hause absprechen könnt. Die Vereinbarung geht etwa so: Pause ist erlaubt, Verletzen ist nicht erlaubt, Zurückkommen ist Pflicht. Versteht ihr?
Pause ist erlaubt. Ich muss ein Gespräch nicht weiterführen, wenn ich merke, ich werde gelb. Verletzen ist nicht erlaubt. Den roten Bereich wollen wir nie wieder betreten. Aber sich drücken geht auch nicht. Und deswegen: zurückkommen und über die Sache vernünftig weiterreden, weil sie ja irgendwie wichtig ist, das ist Pflicht.
Was ist mir wichtig bei dieser Übung? Geistliche Reife beginnt oft nicht damit, dass ich im roten Bereich heldenhaft reagiere, sondern dass ich es schaffe, im gelben Bereich, da, wo ich merke, ich werde komisch, demütig zu stoppen.
Schreibt euch diesen Satz bitte auf, mit dem ihr, wenn es schwierig wird in eurem Inneren, wenn ihr merkt, ich verlasse den grünen Bereich, in der nächsten Woche reagieren wollt.
Abschluss und Segen
Das war’s für heute. Achte diese Woche einmal auf deine Art zu reden. Führe vielleicht ein kleines Tagebuch über die Dinge, die dir auffallen. Nimm dir ein paar Veränderungen vor und übe sie ein.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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