Serie•Teil 34 / 53Lukas-Evangelium
Generierte Mitschrift
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Einordnung der großen Frage nach dem Ende
Ich freue mich, wieder bei euch zu sein. Keine Überraschung heute Morgen: Es geht tatsächlich mit dem Lukasevangelium weiter.
Wir befinden uns ja gedanklich noch in diesem großen Block, der sich zwischen Kapitel 13,22 auf der einen Seite und Kapitel 17,10 befindet. An beiden Stellen schreibt Lukas etwas darüber, dass der Herr Jesus auf dem Weg nach Jerusalem ist. Das sind so Marker im Text, die uns zeigen: Hier ist ein Block, der irgendwie zusammengehört.
Wenn man sich die Texte anschaut, dann merkt man: Es geht um die große Frage, wie es eigentlich nach dem Tod weitergeht. Wer wird dann bei Gott sein? Wer wird mit Gott feiern? Wer wird sich freuen? Bei wem wird es dann eher um Weinen und Zähneknirschen gehen? Wer landet im Licht, wer in der Finsternis? Wer findet ultimatives Glück, und wer hat aufs falsche Pferd gesetzt?
Für uns aus einer christlichen Perspektive ist die Frage ja ganz einfach zu beantworten, oder? Ich meine: Nächste Woche, also für den Fall, dass irgendjemand nicht genau weiß, worum es geht, kommt einfach nächste Woche vorbei. Da ist Ostern.
Ostern ist irgendwie die Antwort. Jesus stirbt am Kreuz. Er begleicht meine Schuld. Er gibt die Antwort auf die Frage, wie ich in diesem Leben mit Gott klar komme, wie das überhaupt nur werden kann. Und er bringt die ganze Dramatik von Leben auf den Punkt.
Auf der einen Seite stirbt er, weil ich wirklich erlösungsbedürftig bin. Und auf der anderen Seite ist da nicht nur der Tod. Ich bin auch schon am Planen, wie ich, weil ich nächste Woche auch eine Predigt zu halten habe, meine Osterpredigt machen werde. Und ich werde meine Osterpredigt mit einem Witz einleiten. Ich weiß noch nicht mit welchem, aber es wird ein Witz am Anfang sein. Einfach weil ich denke: Eigentlich ist das, was an Ostern passiert, die größte Pointe, die man sich überhaupt nur vorstellen kann.
Alle sind, und dann ja: Es ist dieses Erlösungsbedürftigsein. Gott stellt sich dazu. Gott wird ganz Mensch, stirbt ganz, und dann am dritten Tag Auferstehung. Das Grab ist wirklich leer. Auferstehungsleben. Und das Angebot, durch den Glauben in dieses Auferstehungsleben mit einzutreten und tatsächlich ewige Gemeinschaft, echte Gemeinschaft mit Gott zu finden, ein Leben voller Sinn.
Spannung zwischen Erlösung und gegenwärtiger Realität
Und diese Spannung bringt Paulus im Römerbrief auf den Punkt. Ich würde gern mit euch Römer 7,25 und 8,1 anschauen. Er kann zwei Dinge nebeneinanderstellen.
Auf der einen Seite die Tatsache, dass wir, obwohl wir Christen sind, sehr genau wissen, was es heißt, zu sündigen. Römer 7,25: Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn. Also diene ich nun selbst mit dem Sinn im Kopf, mit dem, was ich weiß, ich diene mit dem Sinn Gottes Gesetz. Ich möchte Gott gefallen. Mit dem Fleisch aber, also mit dem, was du so anfassen kannst von mir, mit meinem noch nicht erlösten Jürgen, mit dem Fleisch aber dem Sündegesetz, es wird dir begegnen, dass ich dich verletze, wenn wir nur genug Zeit miteinander verbringen.
Das ist die eine Seite: Wir sind wirklich erlösungsbedürftig, und wir merken das bis hinein in die Fleischlichkeit, in die Physis unseres eigentlich doch schon erlösten Christseins. Da steckt etwas drin von diesem Alten, und das ist so lebendig, es ist viel lebendiger, als uns das lieb ist. Am liebsten würden wir so tun, als wäre da nichts, und würden das verstecken.
Das ist das eine.
Und ich bin so froh, auch wenn das ein bisschen blöd ist hier vom Übergang her mit den Kapiteln, dass das zweite, also jetzt brauche ich 8,1 direkt dahinter kommt. Das ist die eine Seite, aber die andere Seite heißt: Also gibt es jetzt keine Verdammnis für die, welche in Christus Jesus sind. In Christus Jesus heißt: Christen. Es gibt keine Verdammnis für die, welche Christen sind.
Merkt ihr diese Spannung, die sich einfach im Leben nicht auflösen lässt? Auf der einen Seite dieses Hingezogensein zu Dingen, wo man einfach sagt: bäh. Und auf der anderen Seite diese Gewissheit: Es gibt keine Verdammnis. Da ist etwas geklärt für alle Ewigkeit.
Gewissheit des Glaubens und die Frage nach dem Gericht
Ein Vers, der mich als junger Christ maßlos begeistert hat: Johannes 5,24.
Wir haben uns ja letztes Mal über Selbstgerechtigkeit unterhalten, darüber, wie in dem Gleichnis vom verlorenen Sohn gerade der Sohn, der zu Hause geblieben war, überhaupt nicht angekommen ist in der Liebe des Vaters. Und das, was Selbstgerechtigkeit nie schaffen kann, was eigene Anstrengungen nie schaffen, das schafft auf der anderen Seite Glaube wirklich spielend.
Glaube schenkt mir absolute Gewissheit darüber, dass ich Kind Gottes bin, dass ich im Himmel einen Vater habe und keinen Richter und dass ich vor dem Gericht, das kommen wird, keine Angst haben muss.
Schauen wir uns den Vers an: Johannes 5,24.
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch – das sind Sätze, die man gut auswendig lernen kann. Viele von euch wissen: Ich liebe es, wenn man Bibelverse auswendig lernt. Einer der Verse, die ich ganz, ganz am Anfang auswendig gelernt habe, ist dieser:
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört – Jesus spricht, wer mein Wort hört – und glaubt dem, der mich gesandt hat, das ist Gott, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.
Der Vers hat mir so viel Freude gemacht als junger Christ. Ich bin so aufgewachsen mit der Idee, dass alle mal ins jüngste Gericht müssen. Und dann will man sehen: Ja, die Guten ins Töpfchen und die Schlechten ins Kröpfchen. So ein bisschen diese Idee, ja. Und man weiß eigentlich nie so genau: Wie geht das aus? Und man muss sich halt ein bisschen anstrengen und so.
Und dann kommt dieser Vers vorbei. Und da steht: Jesus sagt das. Es ist ja nicht so, dass Jürgen das sagt, sondern Jesus sagt: Wer hört und glaubt, der hat ewiges Leben. Das ist doch genial. Er hat nicht, er bekommt, sondern er hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht.
Und seit der Zeit glaube ich, dass, wenn es mal zum jüngsten Gericht kommt – und es gibt ein jüngstes Gericht –, ich nur ein Zuschauer sein werde. Ich stehe irgendwie daneben und schaue mir das an, aber mit mir persönlich hat das nichts zu tun. Denn ich bin ja schon aus dem Tod, aus der geistlichen Verlorenheit, ins Leben übergegangen.
Ich lebe ja schon mit Jesus. Sein Leben pulsiert ja schon in meinen Adern. Und es wird nur noch einmal in eine höhere Stufe transformiert, wenn wir Zeit und Raum verlassen, um in der Ewigkeit als völlig erlöste, völlig umgewandelte Menschen bei Gott zu sein.
Die Herausforderung des Gleichnisses vom Verwalter
Tja, wo werden wir hinkommen, Himmel oder Hölle? Über die Hölle redet man heute nicht mehr, oder? Die Hölle ist so ein Thema, das darf man auch nicht ansprechen. Da macht man sich irgendwie ein bisschen lächerlich.
Die Hölle ist irgendwie, habe ich mir gedacht, wie die Pest. Wenn ihr auf einer Party seid, würdet ihr doch auch nicht sagen: Lass uns mal über die Pest reden. Nee, also Pest, das klingt irgendwie nach Nachmittelalter, oder? Der schwarze Tod kommt über Europa. Das klingt nach Inquisition, das klingt nach solchen Typen, die mit Ketten über die Straßen schlendern. Das klingt irgendwie nach längst vergangener Zeit.
Aber hey, wir sind Internet-User, wir sind aufgeklärt. Darüber redet man nicht. Man redet so lange nicht darüber, bis man in der Zeitung liest, dass jetzt gerade in Madagaskar die Pest wütet. Dann denkt man sich: Pest? Und dann liest man ein bisschen weiter und stellt fest: In Colorado, im Westen der USA, gibt es ein Pestzentrum, weil dort mit schöner Regelmäßigkeit die Pest ausbricht. Und man denkt sich: Das kann doch gar nicht sein.
Man denkt darüber nach und denkt vielleicht: Wir wollen auch mal Urlaub machen in den Staaten. Und es wird einem so richtig ein bisschen mulmig, wenn man darüber nachdenkt. Pest? Ich dachte, das gibt es nicht mehr.
Und genau dasselbe möchte Lukas mit diesem Block erreichen. Er möchte uns mit der Frage konfrontieren: Sag mal, bist du sicher, dass, wenn es zu dieser Megaparty im Himmel kommt, du wirklich sicher bist, dass du auf der Gästeliste stehst? Bist du sicher, dass das, was du Glauben nennst, auch wirklich echter Glaube ist? Das ist das große Thema, die große Frage hinter den Berichten, Geschichten und Ereignissen, die Lukas hier zusammenfasst.
Ich möchte da weitermachen, wo wir das letzte Mal aufgehört haben: Lukas Kapitel 16. Und wir kommen zu einem wunderschönen Gleichnis, dem sogenannten Gleichnis vom ungerechten Verwalter. Schon merkwürdig, dass so etwas in der Bibel steht. Man hätte wahrscheinlich eher das Gleichnis vom gerechten Verwalter erwartet, aber ungerechter Verwalter ist schon komisch.
Erinnert ihr euch noch an das letzte Mal, an das Gleichnis vom verlorenen Sohn? Ich habe den einen, der die Knete nimmt und abhaut und irgendwann über dem Schweinetrog hängt und sich denkt: Da war doch was. Ich hatte ein Zuhause, da ging es mir richtig gut. Und er kehrt um.
Der Schwerpunkt dieses Gleichnisses ist: Du kannst jederzeit umkehren. Du kannst quasi aus jeder noch so verkorksten und kaputten Situation wieder Richtung Gott gehen.
Der Verwalter und die kluge Nutzung von Ressourcen
Der Schwerpunkt des Gleichnisses, das wir uns jetzt anschauen werden, ist ein anderer. Es geht immer noch um das Thema Leben, aber nicht um Leben als etwas, bei dem du jederzeit noch die Umkehr schaffen kannst, sondern um Leben als etwas, bei dem Gott zu dir sagt: Mach etwas daraus. Nimm das Leben, das du jetzt lebst, ganz praktisch. Nimm es ernst, denn die Art und Weise, wie du heute lebst, wird deine Ewigkeit prägen. Und zwar nicht nur darin, wo du in der Ewigkeit ankommst, sondern auch darin, wie du die Ewigkeit genießen kannst, wie das für dich sein wird, wenn du einmal bei Gott bist.
Wir lesen Lukas 16,1-8. Und wundert euch nicht über das Gleichnis. Es ist eines von denen, bei denen man wirklich sagt: Hm, das muss man in Ruhe durchkauen.
Er sprach aber auch zu den Jüngern. Das ist ein ganz wichtiger Punkt: nicht mehr zu den Pharisäern, sondern jetzt zu den Jüngern. Die sind im Blick. Also spricht er:
Es war ein reicher Mann, der einen Verwalter hatte. Und dieser wurde bei ihm angeklagt, als verschwende er seine Habe.
Du hast also einen Angestellten, und jemand sagt dir hintenrum: Hör mal her, das, was der mit dem Geld treibt, das ist nicht in Ordnung. Wehr den mal schnell los. Kündigungsschutz war damals ein bisschen entspannter, von daher konnte das relativ schnell gehen.
Und er rief ihn und sprach zu ihm: Was ist es, dass ich von dir höre? Lege die Rechnungen von deiner Verwaltung ab, denn du wirst nicht mehr Verwalter sein können.
Das ist eine Kündigung. Du bist raus, Freund.
Der Verwalter aber sprach bei sich selbst: Was soll ich tun? Denn mein Herr nimmt mir die Verwaltung ab. Graben kann ich nicht. Also so als Handwerker und Bauer, das war einfach nicht seine Welt. Kann man sich vorstellen: so ein Zahlenmensch. Und zu betteln schäme ich mich.
Ich weiß, was ich tun werde. Ein schlauer Kopf. Ich weiß, was ich tun werde, damit sie mich, wenn ich der Verwaltung enthoben bin, in ihre Häuser aufnehmen. Damit ich woanders Unterschlupf finde. Damit es Leute gibt, die sagen: Komm doch mal vorbei, hab hier was für dich, hier kannst du eine Weile wohnen, ich versorge dich auch so ein Stückchen.
Und er rief jeden einzelnen der Schuldner seines Herrn herbei und sprach zu dem Ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?
Der aber sprach: Hundert, was auch immer das sein mag. Hundert.
Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldbrief und setze dich schnell hin und schreibe fünfzig.
Weil das hat sich gelohnt. Der hat plötzlich, ohne dass er etwas tut, die Hälfte von seinen Schulden erlassen bekommen. Das ist nicht richtig, ja, nicht, dass wir uns jetzt denken, so muss man das machen. Das ist glatter Betrug hier.
Danach aber sprach er zu einem anderen: Du, wie viel bist du schuldig?
Der aber sprach: Hundert Kor Weizen.
Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldbrief und schreibe achtzig.
Man kann sich vorstellen, wenn da jemand so die Hälfte oder, wie in dem Fall, ein Fünftel erlassen bekommt, da macht man sich schon Freunde. So etwas erlebt man gerne, dass jemand sagt: Ach, du hast noch hunderttausend Euro Schulden auf deinem Haus? Weißt du was, schreib fünfzig.
Oh, okay. Also will man sich ja nicht lumpen lassen irgendwie, ja. Leben muss ja weitergehen, und man weiß schon, was man mit dem Rest macht.
Klugheit, Mammon und die Frage nach dem wahren Umgang mit Besitz
Und jetzt kommt der entscheidende Satz, worüber ich immer wieder gestolpert bin: Und der Herr, und gemeint ist hier der Herr Jesus, lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte.
Und du denkst dir: Hä, das kann doch nicht sein. Nee, nee, nee, also das geht doch nicht. Man kann doch nicht so, man kann doch nicht hier ... Doch, Jesus sagt: Ja, ich kann in dem, wie er handelt, etwas Gutes finden.
Und jetzt ganz wichtig, wenn wir über Gleichnisse reden: Dann haben Gleichnisse immer einen Bezugspunkt zur Realität. Also es gibt genau einen Punkt, den Jesus illustrieren will. Nicht alles in diesem Gleichnis darf man übertragen, aber es gibt einen Punkt, den man übertragen darf.
Also wenn du jetzt auf Arbeit gehst und sagst: Am Sonntag habe ich gelernt, dass ich bescheißen darf, wirklich auf Teufel komm raus, nein, das wollte ich nicht gesagt haben. Es gibt einen Vergleichspunkt. Jesus lobt den Mann hier nicht für seinen Betrug, sondern für seine Vorausschau.
Da ist jemand, der weiß: Ich werde meinen Job verlieren, ich werde mittellos dastehen. Und er verwendet die Ressourcen, die ihm noch zur Verfügung stehen. Und das ist eben das, wo er noch so ein paar Tage im Job drin sitzt. Diese Ressourcen verwendet er, um sich Freunde zu machen, um dafür zu sorgen, dass es wenigstens ein paar Leute danach gibt, die im Sinne von „eine Hand wäscht die andere“ ihm dann einen Gefallen schuldig sind. Wo er mal hingehen kann und sagen kann: Weißt du noch damals mit dem Schuldbrief? Also jetzt geht es mir gerade so ein bisschen, jetzt könntest du dich da revanchieren, du könntest das wieder gut machen.
Nochmal Vers 8: Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte. Denn die Söhne dieser Welt meint einfach ganz normale Menschen, Heiden, Leute, die mit Gott eigentlich nichts am Hut haben. Denn die Söhne dieser Welt sind klüger als die Söhne des Lichts, ich sage mal als Christen. Also die Söhne dieser Welt sind klüger als die Söhne des Lichts, gegen ihr eigenes Geschlecht, gegen ihr eigenes Geschlecht, im Umgang miteinander.
Wenn du so siehst, wie ganz normale Heiden mit einer Sauernschleue miteinander umgehen und wie sie sich Gedanken machen über ihr Leben, da bist du manchmal baff erstaunt, mit welcher Naivität und, entschuldige ich das Wort, Blödheit Christen manchmal mit ihrem Leben umgehen. Und Jesus rauft sich hier förmlich die Haare über das, was er da mitkriegt. Er sagt: Wenn ich mir einfach nur mal so ganz simple Regeln des Lebens anschaue, dann sind das manchmal ganz normale Leute, die mit mir nichts am Hut haben, die einfach nur ihren Grips einsetzen, manchmal schlauer als Christen.
Und deswegen möchte ich das einmal sagen: Glaube ist kein Ersatz fürs Nachdenken. Christen dürfen denken. Glauben und Denken schließen sich nicht aus.
Auftrag zum verantwortlichen Einsatz des Besitzes
Okay, und jetzt kommt das Gebot. Warum erzählt Jesus uns das eigentlich? Was will er damit?
Vers 9: Ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Zelte.
Also, das müssen wir ein bisschen zerlegen. Zuerst: Das ist ein Gebot. Es ist nicht nur so eine Idee, was man vielleicht machen könnte, sondern es ist ein Gebot: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon.
Das Wort Mammon meint Besitz, das, was du hast, das, was auf deinem Sparbuch ist, das, was du bewegen kannst, womit du etwas anstellen kannst. Ungerecht ist der Mammon, weil er ungerecht verteilt ist. Geld an sich, Besitz zu haben, ist an sich keine böse Sache. Aber ihr merkt schon: Nicht jeder hat das Gleiche. Der eine hat ein bisschen mehr, der andere vielleicht ein bisschen weniger. Und je nachdem, was man hat, ist man mehr oder weniger in der Lage, das, was man hat, richtig einzusetzen. Also: ungerechter Mammon.
Und Jesus sagt: Du hast es. Du hast etwas von diesem Besitz, den es gibt. Und es geht darum: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon.
Wir sind in gewisser Weise in einer ähnlichen Position wie der Verwalter. Der Verwalter hat Geld, das ihm nicht gehört, von seinem Chef, und er kann damit arbeiten. Na ja, machen wir uns nichts vor: Was hast du denn mitgebracht auf die Erde, als du geboren wurdest? Die meisten von uns hatten noch nicht mal Haare. Also, ich weiß immer: die totale Begeisterung, wenn dann die Mütter sagen: „Hat schon Haare!“ Dann denke ich mir: Ja super, ja schön. Aber viele von uns hatten noch nicht mal Haare.
Und wenn wir gehen, was nimmst du denn mit? Dein Häuschen, dein Auto, deine Blockflöte, keine Ahnung, was dir etwas wert ist? Was nimmst du denn wirklich mit? Der Spruch „Das letzte Hemd hat keine Taschen“ ist doch irgendwie total wahr, ob einem das nun passt oder nicht. Du nimmst nichts mit. Du kommst ohne Haare und gehst quasi mit einem Hemd ohne Taschen. Super. Und dazwischen hast du aber etwas. Wo kommt denn das her, was du da hast? Und der Punkt ist: Es ist dir anvertraut. Du bist in einem ganz, ganz praktischen Sinn tatsächlich Verwalter. Gott hat dir Dinge anvertraut.
Und jetzt das Gebot: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon. Es geht natürlich nicht darum, dass man sich Freunde macht wie der verlorene Sohn, die Freunde, wo er das Geld rausgeschmissen hat. Das waren keine echten Freunde. Es geht schon um wirkliche Freundschaft an dieser Stelle: Leute, die einen wirklich mögen, nicht nur weil man Geld hat, vielleicht eine Weile mit einem mitziehen.
Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Zelte.
Jetzt wird es für eine Minute kompliziert. Und wer einen Stift dabei hat, darf an dieser Stelle, wenn es eine Elberfelder ist, ausnahmsweise seine Bibel korrigieren. Das passiert ganz selten. Ich liebe diese Übersetzung, aber an dieser Stelle ist sie einfach schlecht übersetzt. Denn, für alle, die noch ein bisschen Grammatik-Ahnung haben: Was hier steht, ist eine dritte Person Plural. Nicht: „man euch aufnehme“, sondern: „sie euch aufnehmen“.
Es geht an dieser Stelle nicht darum, dass wir durch den Einsatz von Geld uns den Himmel erarbeiten können. So klingt das nämlich ein bisschen: Macht euch Freunde, damit man – und dahinter versteht man irgendwie Gott – damit Gott euch dann in den Himmel lässt. Darum geht es überhaupt nicht. Es geht um etwas ganz anderes. Und deswegen: damit sie euch aufnehmen in die ewigen Zelte.
Es ist dasselbe Wort wie in Vers 4, wo die Schuldner, die die Häuser haben, im Denken des ungerechten Verwalters diejenigen sind, die ihn später einmal aufnehmen, die ihn freundlich willkommen heißen. Und darum geht es hier auch. Es geht um die Frage: Wie, und zwar qualitativ, wie wird dein Eingang in den Himmel sein?
Und das muss ich jetzt erklären. Wir werden, wenn wir Christen sind, alle in der Ewigkeit bei Gott sein. Wir werden dort alle willkommen sein, aber wir werden dort nicht alle gleich viele Freunde finden. Die Frage, die im Raum steht, ist: Wenn du in den Himmel kommst, wie viele Leute sind dort, die sich als deine Freunde bezeichnen? Die sagen können: „Hey, dich kenne ich! Hey, du hast mit deinem Geld dazu beigetragen, mit der Art und Weise, wie du deinen Besitz verwaltet hast, wie du mit dem ungerechten Mammon umgegangen bist, du hast dazu beigetragen, dass ich hier oben im Himmel bin. Und ich freue mich so sehr, dass du das gemacht hast.“
Ewige Auswirkungen des heutigen Lebens
Und ich habe mir immer überlegt: Wie kann das sein?
Und ich denke, es wird so sein: Menschen werden in den Himmel kommen, und dann werden Leute da sein. Das ist jetzt nur ein Bild, aber irgendwie muss man es sich ja vorstellen. Da werden Leute sein, die auf dich zukommen und sagen: Ey, super, schön, dass du da bist. Ey, ich habe mich so gefreut.
Also, ich kenne dich nicht. Ja, ich weiß, ist nicht so dramatisch. Weißt du, du hast damals, als du zwölf warst, von deinem Taschengeld fünf Euro gespendet. Ja, kann sein. Und von den fünf Euro wurde ein Traktat gekauft. Man mag sein, aber nicht verantwortlich. Und das Traktat wurde verteilt und mir in die Hand gedrückt, und das war auf diesen Schritten zu Gott ein ganz wesentlicher Punkt, dass ich das lesen konnte. Wow, da freut sich einer, weil du richtig mit deinem Geld umgegangen bist.
Vielleicht hast du jemandem zum Geburtstag ein Buch geschenkt und denkst dir: Na ja, da hat er es nicht gelesen, hat sich nicht bekehrt, war irgendwie doof. Ja, aber irgendwie hat das doch etwas bewirkt. Weil du dein Geld richtig eingesetzt hast. Und du kommst im Himmel an und sagst: Ey, super, ich bin dir so dankbar, dass du mir damals dieses Buch geschenkt hast. Du weißt gar nicht, was das für mich bedeutet hat.
Vielleicht hast du ein Kind zu einer Freizeit eingeladen. Weißt du, jemand, der sich so etwas nicht leisten kann, auf dem Solar zu fahren, und denkst: Ja komm, ich weiß gar nicht, was es bei euch jetzt kostet, also die hundert Euro oder was es auch ist, ja, die habe ich, die investiere ich, dass dieses eine Kind da auf die Freizeit fahren darf. Das möchte ich unbedingt.
Und Jahrzehnte später findest du im Himmel jemanden, der sagt: Ey, vielen herzlichen Dank, dass ich zum Glauben gekommen bin. Das liegt wesentlich an einer kleinen CVJM-Jugendgruppe, die in einem ganz entscheidenden Moment, als es mir wirklich dreckig ging, eine ganz kleine Jungschararbeit gemacht hat. Mann, ich weiß schon nicht mehr, wie die heißen, ich weiß schon nicht mehr, wo die jetzt sind. Aber eines sage ich euch: Wenn ich in den Himmel komme, dann hört ja alle Erkenntnis auf, sprich, ich weiß alles, was ich wissen muss. Dann gehe ich hin, die suche ich mir, und dann sage ich: Ey, vielen herzlichen Dank, dass ihr damals auf diesem kleinen Kaff in Bayern jeden Donnerstagabend damit zugebracht habt, mit mir einfach Zeit zu verbringen, mir einfach zu zeigen, dass es da draußen einen gibt, der mich lieb hat.
Danke, dass ihr euer Geld investiert habt, eure Zeit, dass ihr Sprit davon gekauft habt, Essen davon gekauft habt, Bücher davon gekauft habt. Danke, dass ihr da wart!
Und die Art und Weise, wie wir mit Geld, wie wir mit unserem Besitz umgehen, ob wir das investieren in das Reich Gottes, Matthäus 6,33, „trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes“, hat wesentlich damit zu tun, wie wir unser Geld investieren in Menschen. Ganz platt: in Menschen.
Und deshalb macht unser Leben auf der Erde in der Ewigkeit einen Unterschied. Weil es wird Leute geben, die kommen oben an, und ich mag das Bild aus 1. Korinther 3, das mit den verbrannten Unterhosen. Da bleibt quasi alles zurück, da geht alles kaputt, was du je gelebt hast, und du wirst wie durchs Feuer hinein gerettet in den Himmel. Du kommst schon an, aber hinter dir, da bleibt nichts über. Du stehst quasi alleine da.
Und dann wird es Leute geben, die kommen in den Himmel, und die haben wahrscheinlich die ersten zweitausend Jahre nichts weiter zu tun, als Hände zu schütteln, weil sie einfach hier auf der Erde schon etwas gelebt haben von der Liebe Gottes und davon, sich Freunde zu machen und zu sehen, dass das, was Gott ihnen anvertraut hat, wirklich rausgeht für sein Reich.
Dass einfach ganz viele Menschen sagen: Wahnsinn, du bist mir zum Segen geworden, du bist wirklich eine Quelle ewigen Lebens geworden, und irgendwo ist davon so ein Stück von diesem Strom des ewigen Lebens in mein Leben hineingeschwappt und hat mir geholfen, den Weg zu Gott zu finden.
Treue im Kleinen als Maßstab für das Große
Vers 10: Wer im Geringsten treu ist, ist auch in vielem treu. Und wer im Geringsten ungerecht ist, ist auch in vielem ungerecht. Wenn ihr nun mit dem ungerechten Mammon nicht treu gewesen seid, wer wird euch das Wahrhaftige anvertrauen?
Jesus geht einen Schritt weiter. Im Vergleich zu den ewigen und wahren Reichtümern ist der ungerechte Mammon alles, was du hast, etwas ganz Geringes. Im Vergleich zu dem, was du einmal bekommen wirst, ist es eigentlich eine vernachlässigbare Größe.
Interessanterweise ist dein Umgang mit diesem Kleinen, mit diesem Geringen, ein gutes Indiz dafür, wie dein Charakter aussieht, ob du treu bist oder ungerecht. Ich finde es interessant, dass es hier nicht heißt: treu oder untreu, sondern treu oder ungerecht. Du lebst an der Wahrheit vorbei. Und die Frage steht im Raum: Wenn du noch nicht einmal mit dem Pilaz richtig umgehen kannst, warum sollte Gott dir das Wahrhaftige anvertrauen, das, was im Gegensatz zu dem Mammon wirklich Wert hat?
Dahinter steckt die Idee: Das Beste kommt noch, das wirklich Beste kommt noch. Das hier, wo wir jetzt gerade drinstecken, das ist die Vorrunde. Vor uns liegt das Endspiel. Die Frage ist: Wenn du in der Vorrunde, wenn Gott dich einsetzt, immer nur so ein bisschen Leistung zeigst und dich nie verausgabst, warum sollte Gott dich im Endspiel von Anfang an spielen lassen? Warum?
Alles, was du hier hast, ist nur geliehen. Das mag dir nicht passen, aber es ist so. Du bist ohne etwas gekommen, und du gehst ohne etwas. Aber in der zukünftigen Welt, da wird das anders sein. Es heißt in Vers 12: Und wenn ihr mit dem Fremden nicht treu gewesen seid, wer wird euch das Eure geben?
Es ist ein spannender Gedanke. Ewigkeit heißt, dass Gott uns etwas gibt, was in einem wahrhaftigen Sinn uns gehört. Alles, was wir jetzt haben, ist Fremdes, es gehört eigentlich ihm. Und wenn wir vernünftig mit dem Geliehenen umgehen, dann möchte er uns in der Ewigkeit etwas anvertrauen, was ganz unser ist.
Aber wenn du nicht einmal mit dem Geliehenen richtig umgehst, wo man ja eigentlich dahinter die Motivation hat, es nicht falsch zu machen – zumindest geht es mir so. Ich habe mir als junger Christ viel Autos ausgeliehen, hatte selber kein Auto, also musste man sich eins ausleihen. Da ist man extra vorsichtig gefahren. Wenn du an der Stelle schon nicht extra vorsichtig fährst, sondern das Ding ständig verschrottest, warum sollte Gott auf den Gedanken kommen, dir in der Ewigkeit das Wahre, das Eigentliche zu geben, wo er doch genau weiß: Du bist völlig, eigentlich unzurechnungsfähig, jemandem, dem man besser gar nichts anvertraut. Warum sollte er das tun?
Unvereinbarkeit von Gott und Mammon
Vers dreizehn: Kann es sein? Da heißt es: Kein Haussklave kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird den einen anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
Wenn du hier auf der Erde jemand bist, dem es eigentlich immer nur um seinen Besitz geht, dann sag mal: Was ist Geld für dich? Ist Geld ein Mittel zum Zweck, um das Reich Gottes zu bauen? Und wenn du ein bisschen mehr hast, gibst du es dann weiter? Gehst du manchmal so durch die Weltgeschichte und überlegst dir: Wie könnte ich mit meinem Geld noch mehr dienen? Wie könnte ich mein Geld ummünzen in Reich Gottes, in Menschen fördern, in Menschen Gott näherbringen? Ist das ein Gedanke, der dich umtreibt?
Ich hoffe es. Ich hoffe es von ganzem Herzen. Denn wenn es nicht so ist, dann könnte es sein – ich will dir das nicht unterstellen –, dass wir angefangen haben, Geld nicht mehr als Mittel zum Zweck zu betrachten, sondern Geld zu unserem Gott zu machen. Geld zu etwas zu machen, das wir lieben, an dem wir hängen und das wir nur sehr schwer loslassen können. Und wo das so ist, wird derjenige die Konsequenzen tragen müssen.
Das ist das Dramatische an diesem Text. Wer jetzt nicht über die Zukunft nachdenkt und wer jetzt nicht damit beginnt, sich darauf einzustellen, mit Geliehenem, was ihm gar nicht gehört, richtig umzugehen, der verpasst etwas Entscheidendes. Vielleicht machst du dir den Spaß, dass du dein Sparbuch, wenn du überhaupt eines hast, einfach mal anschaust und vielleicht mit einem Edding darauf schreibst: Gehört mir nicht. Nur um klarzumachen: Es ist nicht deins. Es ist nur geliehen. Nur geliehen.
Das Brutale ist: Wenn wir heute nicht mit dem, was nur geliehen ist, richtig umgehen, werden wir in der Ewigkeit den Kürzeren ziehen, wenn wir überhaupt dort ankommen. Das ist hier nicht das eigentliche Thema, denn Jesus spricht zu den Jüngern. Aber das ist natürlich im Hintergrund immer die große Frage.
Das Herz hinter Frömmigkeit und Besitz
Und wir merken, dass das Thema zackt. Man kann nicht über Geld reden, und dann sagen die Leute: Oh ja, alles klar.
Ich glaube an Luther, der sagt, das Letzte, was sich bekehrt im Leben eines Menschen, ist der Geldbeutel.
Wie hieß das Lied vorhin? Warte mal, wie war das? Was haben wir vorhin gesungen? Wir haben irgendein so herrliches Lied gesungen, das immer so eine halbe Lüge ist. Dieses, na, wie war der Refrain? Mein ganzes Leben, ja richtig, mein ganzes Leben sollst du haben, Herr. Und ich denke mir: Oh ja, schön. Ich freue mich auf die Kollekte heute. Na ja, ich meine: Ja, danke, mein ganzes Leben gebe ich dir, mein ganzes Leben!
Ey, wenn eure Kollekte heute nicht fünfmal so hoch ist wie normal, ist das eine Lüge!
Jetzt könnt ihr sagen: Ja, der Beutel ging vorher rum. Und wenn es nicht so sektiererisch wirken würde, würde ich sagen, ich schicke ihn noch mal zu euch. Aber es ist so leicht zu singen: Mein ganzes Leben, ja, ja. Die Frage ist: Wenn es hart auf hart kommt, wie viel von deinem ganzen Leben ist eigentlich dein ganzes Leben? Bin ich wirklich bereit, an dem Punkt ehrlich zu werden?
Und die Pharisäer, die kriegen an der Stelle ein Problem. Am Anfang von Kapitel 15, wo Jesus mit den Zöllnern und den Sündern zu tun hat, verurteilen sie ihn dafür, dass er zu lax ist. Mit dem Pack hat man doch nichts zu schaffen. Jetzt, in Kapitel 16, wird Jesus ihnen zu streng.
Also mit einem, der so eng das mit dem Geld zieht, also ich bitte dich: Beim Geld hört echt die Freundschaft auf, oder?
Kapitel 16, Vers 14: Dies alles hörten aber die Pharisäer. Und jetzt schauen wir mal kurz in das Herz der Pharisäer, die geldliebend waren, und sie verhöhnten ihn.
Das Gebot, das Gleichnis vom ungerechten Verwalter, und das Gebot, Geld für andere auszugeben, ist für diese habsüchtigen, geldgierigen, religiösen Menschen ein Riesenproblem. Das tut ihrer Seele weh, das zu hören. Und in diesem Moment verrät das viel über ihr Herz.
Selbstrechtfertigung, Heuchelei und die innere Wahrheit
Vers 15: Und er sprach zu ihnen: Ihr seid es, die sich selbst vor den Menschen rechtfertigen. Gott aber kennt eure Herzen; denn was unter den Menschen hoch ist, ist ein Gräuel vor Gott.
Ich finde es immer wieder interessant, wie diese hyperreligiösen Typen es schaffen, ihre eigene, wirklich verlogene Sicht auf Moral mit dieser Rechtfertigung zusammenzubringen. Sie kriegen das irgendwie hin, dass, obwohl man eigentlich mit Händen greifen kann, dass das falsch sein muss, was sie leben, es trotzdem noch religiös richtig klingt.
Und sie können tatsächlich die Menschen täuschen. Wenn du genügend Gabe hast zu reden und zu quatschen, kannst du jeden um den Finger wickeln und wirklich Dreck zu Gold machen. Aber einen kannst du nicht täuschen: Du kannst Gott nicht täuschen. Er kennt unsere wahren Beweggründe. Er weiß, was wirklich dahintersteckt, was wir hinter unseren Worten verstecken. Und er kennt den Stolz, der sich in unserem Herzen ansammelt. Und das ist ihm tatsächlich ein Gräuel.
Wisst ihr, ich muss jetzt noch einmal zu der letzten Predigt zurückspringen. Das ist jetzt doof für die ganzen Gäste, Entschuldigung, ich möchte mich dafür entschuldigen. Aber ich muss trotzdem zurück zu dem Gleichnis vom verlorenen Sohn.
Wisst ihr jetzt, warum der ältere Sohn in dem Gleichnis sich nie ein Böckchen genommen hat? Warum er nie getraut hat, mal eine richtige Fete zu schmeißen und einfach mal zu sagen: Jetzt machen wir hier einmal Party, weil ich bin ja eigentlich ein reicher Kerl und ich kann doch mal hier?
Der Punkt ist: Er hat sich das nicht gegönnt, weil er im Grunde seines Herzens geldliebend, habgierig und besitzgeil war. Und deswegen kommt diese Idee, ich könnte ein Kälbchen schlachten für meinen jüngeren Bruder, für dieses Aas, das davongezogen ist und uns alle hier im Stich gelassen hat, überhaupt nicht für ihn in Frage.
Warnung vor Geiz und abschließende Selbstprüfung
Ich habe euch einen Bibelfers mitgebracht, der kein Bibelfers ist. Er steht nur in der Lutherbibel, und dort in den Apokryphen. Aber ich finde, an der Stelle wird eine Wahrheit zum Ausdruck gebracht, die ich in dieser Deutlichkeit nirgendwo sonst in der Bibel finde, und zwar aus dem Buch Jesus Sirach.
Also Weisheitsliteratur, jüdische Weisheitsliteratur, etwa 100, 200 vor Christus. Ist er schon dran? Ja, hier. Da schreibt Jesus Sirach in 14,5-6:
Wer sich selbst nichts Gutes gönnt, was sollte der anderen Gutes tun?
Und ich finde, das stimmt. Ja, wenn du selber immer nur so ein knausriger Kerl bist, so ein Dagobert Duck, glaubst du wirklich, dass du anderen etwas Gutes tun kannst?
Und dann geht es weiter:
Es ist nicht schlimmer, bitte, das ist nicht Bibel, es ist Weisheit, ihr müsst ja nicht auswendig lernen, aber es ist nicht schlimmer, als wenn einer sich selbst nichts Gutes gönnt, und das ist die rechte Strafe für seinen Geiz.
Da bringt jemand etwas auf den Punkt. Wenn du dir selber nichts Gutes gönnen kannst, dann ist das kein gutes Zeichen. Du solltest dir in so einem Fall, wenn du wirklich ein Problem hast, dir selber etwas Gutes zu gönnen, deine Motivation dringend hinterfragen.
Und zwar deshalb, weil hier steht, dass Selbstgerechtigkeit auf der einen Seite und Geldliebe gerade bei religiösen Typen oft eine unheilige Allianz eingehen. Zwischen Geiz und Sparsamkeit gibt es einen schmalen Grat. Und es ist nicht immer klar, auf welcher Seite man steht.
Ich kann euch das nicht abnehmen, euch da selber zu prüfen. Aber ich kann euch sagen: Gott kennt unser Herz. Er weiß, warum wir was mit unserem Geld tun. Und ich glaube, er möchte mit diesem wirklich frechen Gleichnis vom ungerechten Verwalter uns alle mal so richtig aufmischen.
Und deswegen zum Schluss meine Fragen. Hand aufs Herz. Einfach mal kurz mitdenken, für euch eine Entscheidung treffen:
Wofür gibst du dein Geld aus? Setzt du es so ein, dass, wenn du in den Himmel kommst, dein Einzug im Himmel im Applaus untergeht? Oder wirst du dich durch die Hintertür reinschleichen? Dienst du Gott oder dem Mammon? Bist du treu oder ungerecht oder vielleicht, schlimmer noch, einer, der den Hals nicht voll bekommt?
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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