Generierte Mitschrift
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Der biblische Bericht und sein Ausgangspunkt
Apostelgeschichte 8,26-40 ist unser Predigttext, Seite 133 im Neuen Testament, die Geschichte von einem Äthiopier.
Das war ein Ministeramt. In unseren modernen Regierungen würde man dazu sagen: ein Superministerium, Finanzminister und gleichzeitig Wirtschaftsminister, mit anderen wahrscheinlich auch wichtigen Teilen des Verteidigungsressorts. Eigentlich war er der Verantwortliche aus der Ministerrunde gegenüber der Königin Kandake in Äthiopien.
Aber der Engel des Herrn sprach zu Philippus: Steh auf und geh zur Mittagszeit auf die Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt. Sie wissen doch, wie wenig in den heißen Ländern um die Mittagszeit los ist. Das war ein verrückter Befehl. Geh da hinunter, auf die Straße, die einsam ist. Und Philippus stand auf und ging.
Und siehe, ein Mann aus Äthiopien, ein Kämmerer und Hofbeamter der Kandake, der Königin von Äthiopien, welcher ihren ganzen Schatz verwaltete. Der war nach Jerusalem gekommen, um anzubeten. Nun zog er wieder heim und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja.
Der Geist aber sagte zu Philippus: Geh hin und halte dich zu diesem Wagen. Da lief Philippus hin und hörte, dass er den Propheten Jesaja las, und fragte: Verstehst du auch, was du da liest? Er antwortete: Wie kann ich das, wenn mich nicht jemand anleitet? Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen.
Der Inhalt der Schrift, die er las, war dieser:
Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt, so tut er seinen Mund nicht auf. In seiner Erniedrigung wurde sein Urteil aufgehoben. Wer kann seine Nachkommen zählen? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen.
Wir verstehen, dass es ihm schwerfiel, dies alles zu begreifen. Da wandte sich der Kämmerer an Philippus und sagte: Sag mir bitte, von wem redet der Prophet das? Von sich selber oder von jemand anderem?
Philippus aber fing an zu reden, ging von dieser Schrift aus und predigte ihm das Evangelium von Jesus.
Und als sie die Straße weiterfuhren, kamen sie an ein Wasser. Da sagte der Kämmerer: Siehe, da ist Wasser. Was hindert noch, dass ich mich taufen lasse? Und er ließ den Wagen anhalten, und beide stiegen in das Wasser hinab, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn.
Als sie dann aus dem Wasser heraufstiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus, und der Kämmerer sah ihn nicht mehr. Er zog aber seine Straße fröhlich weiter. Philippus aber fand sich in Aschdod wieder und zog umher und predigte in allen Städten das Evangelium, bis er nach Cäsarea kam.
Er deute uns dein Wort, dass wir es verstehen und fassen können. Amen.
Flüchtige Begegnungen mit großer Wirkung
Das gibt ja so typische Reiseerlebnisse. Sie kennen das auch: So ein feiner Herr kauft sich im Bahnhofskiosk noch den Spiegel oder klemmt sich einen Krimi unter den Arm, damit er auf der langen Reise etwas zum Lesen hat. Denn da wird es einem ja manchmal tüchtig langweilig.
Und auch das andere kennen Sie: dass man irgendwo im Abteil so einen Quälgeist hat, der unbedingt eine Reisebekanntschaft anknüpfen will, einen unterbricht und anspricht. Es ist eigentlich eine sehr flüchtige Begegnung, die da geschieht. Das heißt ausdrücklich in dem Bericht des Lukas, dass ganz überraschend und unerwartet am Ende der Philippus verschwunden ist. Gott wollte nur so eine ganz kurze, flüchtige Begegnung haben mit diesem Kämmerer, und dann ist sie schon zu Ende.
Und doch: Was hat diese kurze und flüchtige Begegnung für Auswirkungen gehabt, für dieses große ostafrikanische Königreich? Ich möchte Ihnen das sagen, weil Sie in Ihrem Leben viele flüchtige Begegnungen haben. Man spricht mit Menschen, man hat eine lange Bahnfahrt vor sich, und da kann es Gott wirken, dass aus einem kleinen Gespräch weltgeschichtliche Wirkungen hervorgehen.
Philippus war ein ganz schlichter Jesusjünger, und eine flüchtige Begegnung wurde erweitert und bedeutsam gemacht. Manchmal könnte man heute meinen, Mission wäre ein großes Propagandaunternehmen. Da werde nur groß geklotzt, und da müssten Gesellschaften von großem Ausmaß her, und da gehe es um Riesenbeträge. Mission war immer ein Geschehen von Mann zu Mann, immer Einzelbekehrungen. Das waren ein paar wenige, die es begriffen haben.
Und ich wünschte mir, Sie würden heute begreifen, was Mission ist, ob Sie fern in anderen Ländern sind oder hier, da Sie weitersagen müssen. Dort, bei den flüchtigen Begegnungen, die wir in dieser Welt haben, kommen kaum andere Situationen. Dort will Gott uns haben, und dort hat er einen Philippus gebraucht.
Ich will also heute über die flüchtigen Begegnungen sprechen, und das erste: Zwei Wege kreuzen sich.
Wie Gottes Führung unerwartete Wege zusammenführt
Es war nicht zufällig, dass Philippus diesen hohen Herrn traf. Solche Begegnungen arrangiert Gott. Man spürt in der ganzen Geschichte: Da ist Gott der große Regiemeister. Aber man kann sich kaum vorstellen, wie es gewesen wäre, hätte Philippus sich nicht vom Geist Gottes führen lassen.
Philippus war ja in Samaria, das steht im Kapitel ab Vers 4. Dort erlebt er eine große Erweckung: überfüllte Gottesdienste, große Bibelstunden, viele Hausbesuche, viel Seelsorge. Und nun sagt Gott plötzlich zu ihm: Geh mal zweihundertvierzig Kilometer nach Süden auf die Wüstenstraße. Aber Herr, was soll ich da unten? Ich bin doch ein gesegneter Evangelist. Ich werde doch hier benötigt.
Gottes Befehle können uns widersinnig erscheinen. Zudem: In diesem Gebiet ist doch nichts Schönes, und da gibt es doch kein Leben. Wüste! Ihm ging es nicht um die äußeren touristischen Sehenswürdigkeiten. Da wohnt doch kein Mensch mehr. Die paar, die da unten herumkreuchen, die kann man vergessen. Was soll ich da unten?
Wie kann man Führung Gottes erkennen? Das beschäftigt viele. Wie kriege ich einen klaren Ruf Gottes? Ich kann es nur so verstehen: Gott hat es dem Philippus aufs Herz gelegt. Das hat ihm keine Ruhe mehr gelassen. Er konnte es nicht vergessen. Es kam ihm immer wieder: Ich muss da hinunter. Er wusste auch nicht wie.
Wir dürfen Gott bitten, dass er uns noch viel klarer und deutlicher weist. Aber umgekehrt: Wie spüren Sie auf das Drängen? Heute im Gottesdienst, die ganzen letzten Tage, ich hätte doch eigentlich neulich noch den Mund aufmachen müssen. Ich hätte einen Brief schreiben müssen. Ich hätte eigentlich auch noch Clara in meiner Nachbarschaft einladen sollen. Sie kennen doch dieses Drängen des Geistes: Da müsstest du hin.
Mission kann überhaupt nur funktionieren, nicht wenn es die Generalstäbler ausklügeln und sagen, wie das laufen muss, sondern wenn Menschen ganz still hören können, was Gott von ihnen will. Missionsgeschäft ist nie eine Sache der großen Angeber, sondern eine Sache der stillen Leute, die sich führen lassen: Herr, was jetzt? Was soll ich machen?
Ich denke auch, dass Philippus gar nicht wusste, was er sagen soll. Viele, die sich zum Missionsdienst untüchtig und unbegabt fühlen, meinen, das sei bei ihnen ein Sonderfall, dass sie nicht wissen, was sie reden sollen. Es ist immer gut, wenn Sie nicht schon gleich alles fertig haben. Wenn Sie aus der Konserve predigen, kommt das nie an.
Philippus bleibt bis zum Ende offen für die Führungen des Geistes. Er ist auf der Straße noch unsicher, was er tun soll. Von allein hätte er nie die Courage, den feinen, fremden Herrn anzusprechen, wenn ihn der Geist Gottes nicht noch einmal drängen würde: Halte dich zu diesem Wagen, geh mal hin!
Und das macht Gott nun so fein: Er kommt noch nicht einmal richtig zum Wagen, geschweige denn, dass er diesen fremden Herrn ansprechen könnte. Sondern da schenkt ihm Gott ein Zeichen, das ihn bestätigt.
Das Gespräch wird persönlich und trifft den Kern
Man lasse das Altertum immer laut lesen, nicht so oberflächlich wie wir, die in drei Minuten eine ganze Zeitung durchblättern können. Man las laut und ließ das auch durch Hören auf sich wirken.
Wenn sie sich beim eigenen Bibellesen schlecht konzentrieren können, dann nehmen sie den Brauch der Alten wieder auf: Lesen sie laut und langsam.
Wie Philippus an dem Wagen vorbeigeht, hält er sich nur zu dem Wagen. Da hört er: Das kann doch gar nicht sein, der liest keinen Krimi, der liest ja Bibel. Und jetzt bekommt er Mut, dann muss ich da hingehen und zu ihm reden.
Da treffen sich ja zwei Wege: auf der einen Seite der Missionar Philippus und auf der anderen Seite dieser suchende Kämmerer. Im griechischen Text und in den ausländischen Bibelübersetzungen steht das Wort noch ein wenig klarer, es steht da: der Eunuch der Königin Kandake.
Das war damals so üblich an den Königshöfen, wo eine Königin herrschte, dass man die hohen Hofbeamten entmannt hat. Er hat sich verabschiedet und sagt, ich möchte eine Touristenreise machen. Und als seine Freunde ihn fragten im Kabinett, wo gehst du hin, sagte er: Ich gehe nach Jerusalem.
Ich habe gestaunt auf meiner Reise, wie viel Gemeinsamkeiten zwischen Äthiopien und Israel bestehen. Viele Worte der Sprache im Amharischen und im Hebräischen sind die gleichen, viele Gebräuche und Sitten sind aus dem Jüdischen übernommen, und das alte Kaisergeschlecht des Heiles Elassi hat sich ja auf Salomo zurückgeführt. Und der Löwe von Judah ist ja das Staatssymbol Äthiopiens geworden.
Es war nicht außergewöhnlich, dass dieser Minister nach Jerusalem fährt. Aber was ihn angezogen hat, war offenbar und eindeutig der Tempel. Und dort war es in großen Tafeln in Stein gehauen, wenn er hinaufgehen wollte, diese großen Treppen zum Heiligtum: Kein Entmannter darf das Heiligtum betreten.
Er stand davor, er sah den Rauch aufsteigen, er hörte das Singen der vielen, und er sehnte sich nach dem Gott Israels. Das müssen Sie wissen: Mission wird deshalb getrieben, weil ein großes Sehnen herrscht in der Völkerwelt.
Es gibt ja bei uns so dumme Menschen, die immer wieder sagen: Warum lässt man diese Leute nicht in ihrer ursprünglichen Religion? Lesen Sie doch einmal die Bücher, wenn Sie es nicht gehört haben, wie wir es im Februar mitgebracht haben aus Brasilien, wo Menschen aus Angst und vor Furcht vor Dämonen heute ihre Kinder der Reihe nach umbringen, weil sie meinen, es sei ein wohlgefälliges Werk, wo sie ihr Leben retten könnten.
Wenn Sie einmal etwas spüren von der Angst vor den okkulten Mächten, dann wissen Sie, dass Heidentum gar nicht das beschauliche religiöse Leben ist, sondern eine Angst vor den Höllenmächten, die das ganze Leben bestimmt.
So verstehen Sie es, dass dieser äthiopische Minister mit Sehnen nach Jerusalem kommt, und dann ist er ausgestoßen und ausgeschlossen. Er kann auch die kleine Christengemeinde nicht finden. Leider.
Es war eine Verfolgung in Jerusalem gewesen, und die Christen waren zerstreut, aber auch die Apostel scheinen nicht sehr an der Oberfläche gewesen zu sein. Uns tut es immer weh, dass wir als Gemeinde auch nicht mehr sehen von diesen suchenden Menschen und nicht ein besseres Auge haben. Aber Gott sieht die, die nach ihm von ganzem Herzen suchen, und geht ihnen nach. Und sucht sie, und dann kreuzen sich die Wege auf einmal.
Was in unseren Augen aussieht wie eine flüchtige Begegnung, ist oft von Gott ganz wunderbar konstruiert. Wissen Sie jetzt, warum Sie mit so schwierigen Kollegen zusammensitzen im Geschäft? Deshalb. Wie sollen die sonst das Evangelium hören, warum Sie so komische Nachbarn haben? Ist doch klar, dass Gottes Regie Menschen zusammenführt.
Flüchtige Begegnungen? Für uns gibt es keine flüchtigen Begegnungen mehr, wo wir uns vom Wort Gottes leiten lassen und ihm gehorsam sein wollen.
Die entscheidende Frage nach dem Verstehen
Zweitens: Das Gespräch bleibt nicht an der Oberfläche. Daraus können wir etwas Wichtiges lernen. Es fing so flüchtig an, aber jetzt kommt der große Unterschied. Eigentlich war es ja recht frech formuliert.
Ich weiß nicht, wie Sie reagieren würden, wenn Sie jemanden beim Zeitungslesen im Zugabteil stören und sagen: Verstehen Sie auch, was Sie lesen? Und wenn dann die Antwort käme: Also bitteschön, ich war in der Schule, und ich bin so hell wie Sie. Aber es ist immer eine sehr intime Frage, die wir stellen müssen.
Wir waren in diesen Tagen mit einem jungen Mann aus unserem Gottesdienst auf einer Autofahrt unterwegs. Wir haben lange gebraucht. Er hatte monatelang in unserem Gottesdienst gesessen, und ich sagte: Warum haben Sie eigentlich so lange gebraucht, um in unsere Gemeinde hineinzufinden? Dann hat er gesagt: Mich hat niemand angesprochen.
Ich habe gesagt: Typischer Fall. Wir sprechen so viele an und kriegen überall eine Abfuhr. Da stehen alle da und wissen nicht, was sie machen sollen. Ich komme mir ganz komisch vor, wenn ich am Schluss des Gottesdienstes die Hand hinstrecke. Das wird ja auch nicht sehr persönlich. Wir haben alle Scheu, den Kontakt aufzunehmen, nur dass Sie es wissen. Und irgendwo muss man einmal durchbrechen.
Manche regen sich ja auf und sagen: Lass mir meine Privatsphäre. Aber genau da muss man hin. Verstehst du auch, was du liest? Heute auf dem Heimweg: Fragen Sie doch mal, haben Sie Frieden mit Gott?
Es war so schön bei unserem Straßeneinsatz am letzten Sonntag. Ich ging auf einen Mann zu, der offenbar erst dazugelaufen war, und sagte: Haben Sie ein klares Verhältnis zu Gott? Und er sagte: Ach, ich bin aus der Kirche ausgetreten. Aber damit war man mitten im Thema drin.
Glücklicherweise war einer dabei von der Freikirche, der mitmissioniert hat und gesagt hat: Ich zahle auch keine Kirchensteuer, aber ich glaube dennoch an Gott, und ich habe ein Verhältnis mit Jesus. Und dann war das Gespräch in Gang.
Wir müssen durchbrechen durch diese äußeren Fragen. Wir wollen nicht nur über Organisationsfragen der Kirche, über Konfessionen, über die Mischehe und über Pfarrersprobleme usw. sprechen, sondern: Wie stehst du zu der Schrift?
Die Stelle, die er las, war wirklich kompliziert, worin ich den Predigttext verlas. Werden Sie das alles auch nicht haben fassen können? Es gibt Bibelworte, die sehr schwer verständlich sind.
Ich hatte einen frommen Urgroßvater. Ich kenne ihn nur aus der Schilderung. Der hat sich zur Regel gemacht und gesagt: Wenn ich Bibel lese, nehme ich mein Käppchen ab. Die hatten doch früher so ein Käppchen, weil oben, wo die Haare ausgefallen waren, es im Winter so zog. Und dann hat er gesagt: Ich nehme das Käppchen aus Ehrfurcht nur beim Bibellesen ab. Und wenn ich auf eine Stelle stoße, die ich nicht verstehe, nehme ich das Käppchen zweimal ab.
Das ist der Unterschied zu uns heute, die wir meinen, wir könnten das Wort Gottes so rasch öffnen und von uns her zugänglich machen. Und dabei kann Gott auch die suchenden Menschen sehr klein machen. Auch der reiche Superminister der Königin Kandake steht da wie ein Schüler. Und die großen Professoren kommen mit ihren tollen Geistesblitzen beim Verstehen des Wortes Gottes auch nicht weiter. Da braucht man die gefalteten Hände.
Es hat sich heute in der evangelischen Kirche eine Meinung breit gemacht, als ob man zum Bibellesen Theologe sein müsste, weil ja nur der Sachgemäße die Bibel auslegen kann. In meiner Bibel steht es anders: Man braucht den Heiligen Geist. Man braucht gebetete, gefaltete Hände. Und dann kann es passieren, dass der gelehrteste Theologe weniger erkennt als ein ganz schlichtes Glied der Gemeinde.
Und ein Kämmerer muss an dieser Stelle stehenbleiben, dass er das nicht macht mit seinem Reichtum und mit seiner Größe. Es ist auch von Bedeutung, was man liest. Überprüfen Sie einmal Ihren Lesestoff. So viele suchen nach Klarheit im Glauben. Was lesen Sie? Lesen Sie gründlich in der Bibel. Anders geht es nicht. Sie können Bibliotheken von theologischen Büchern verschlingen, aber sie kommen nicht zur Klarheit. Die Bibel müssen Sie lesen. Da ist Gott ihm nachgegangen.
Das Evangelium von Jesus als Mitte der Auslegung
Bleibe auch noch hängen an lauter Details dieser Geschichte, dass dieser Philippus nicht sagt, wie man auch so oft sagt: Ich will gar nicht reden. Ich will so überzeugend wirken durch meine Erscheinung. Der hätte bis Addis Ababa neben ihm Herden dreintrotten können, der hätte nichts gemerkt.
Die meinen immer wieder, von ihrem Gesicht würde solch ein Leuchtglanz ausgehen, der denkt höchstens: Was dabbelt er neben mir drein? Sie müssen den Mund aufmachen, weil Gott den Mund wählt zum Zeugnis. Natürlich muss dann ihr Wandel übereinstimmen. Erst dann, wenn sie das Wort sagen, wird einer sagen: Ich will mal sehen, was der tut. Dann fragt er sie nach ihrem Verhalten. Das wäre schlimm, wenn das in einem Kontrast stünde. Natürlich muss das stimmen, aber ohne Mund kann niemand glauben. Ohne Predigt gibt es keinen Glauben, sagt Paulus im Römerbrief. Das ist die Voraussetzung. Wie sollen sie glauben, wenn sie es nicht gehört haben?
Ich habe auch schon manchmal die Idee gehabt, ich wäre so ein richtig schöner Engel, und das würde genügen, allein meine schöne Erscheinung. Ich sage es in Selbstironie. Legen Sie doch diesen modernen Unfug ab, dann hören Sie auf Schritt und Tritt mit diesem Scheinen.
Ich kannte mal einen jungen Mann, der sagte: Mein Vater, der geht nie in die Kirche ab, der sagt immer: Bub, du bist gut, wenn ich dich sehe, bin ich ganz überzeugt. Und er sagt: Das glaubst du deinem Vater, du weißt doch um deine Sünde, red doch nicht so gestochen, das ist doch vom Teufel und sind die Ohren geblasen.
Wir müssen den Leuten sagen, dann stoßen sie sich nicht an meiner komischen Gestalt. Christen sind immer ganz komische Leute, aber darum haben sie sich an Jesus gehängt, und darum brauchen sie einen Heiland, der ihnen die Schuld vergibt. Das wollen wir dauernd sagen als erstes Wort.
Und dann legt dieser Philippus diesem Kämmerer die Schrift aus, und er zeigt ihm das. Ein ganz einfaches Prinzip der Schriftauslegung hat er, das müssen Sie anwenden: Alle Stellen der Schrift hat man dann erst richtig verstanden, wenn sie auf Jesus gedeutet sind. Im Alten und im Neuen Testament läuft alles auf Jesus zu. Manche denken, warum redet er immer davon? Ja, das ist der Sinn aller Worte. Sonst kann uns die Schrift nichts sagen und nichts geben, als dass sie das zeigen will.
In der Dunkelheit der Nacht, da heißt es Licht. Für die Kranken, da heißt es Heilung. Für die Mutlosen, da heißt es Ermutigung, so wie es uns der Chor gesungen hat: Leg da deine Sorgen hin, du kannst geborgen sein.
Und wie der Kämmerer sich fragt und sagt: Ja, was ist denn da los? Da steht da drin von einem, der als Opferlamm geschlachtet wurde. Meint er sich selbst, oder meint er das vielleicht auf das Volk Israel gedeutet? So wird es ja in Israel bis heute interpretiert: Der leidende Gottesknecht, das ist das Volk Israel. Sagt er: Das war doch Jesus.
Und wie er merkt, dass doch der Kämmerer nichts Richtiges anfangen kann, dann erzählt er von den Taten und Wundern und Worten Jesu, von seinem Sterben und Auferstehen. Und dann sagt er es ihm: Er liebt dich, fremder Mann aus einem fremden Kontinent. Und er ist gekommen, um dich zu erlösen.
Und da geschieht eine Seelsorge, und das ist doch die persönliche Zusprache. Ob sie die Hände auflegen, ob sie taufen, das sind alles Zeichen der persönlichen Zueignung: Für dich ist Christus gestorben. Nicht irgendjemand anderes gilt dies, sondern auf dass du Frieden hättest. Durch Jesu Wunden bist du geheilt. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass du Frieden hättest.
Das Buch des Jesaja muss diesen Fremdenkämmer sowieso sehr stark angesprochen haben. Es stehen doch die kräftigsten Worte drin: Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst. Doch das gilt mir doch nicht. Ich bin ein Ausgestoßener. Und dann steht das Wort drin, und es ist merkwürdig, dass solche Dinge dann im Wort drinstehen, vielleicht nur wegen ein paar wenigen Leuten.
Der Eunuch soll nicht mehr sagen, er sei ein trockener Baum, weil der Herr sich seiner erbarmt, dass es gar keinen Menschen mehr gibt, der Alleinstehende, der Schwermütige, deren Schuld geraten ist. Der Herr will sein Leben ändern, und das gilt dir.
Herr Philippus predigt das Evangelium von Jesus, die Siegesbotschaft, die Freudenbotschaft. Da war er in seinem Element, und da rät er da oben auf dem kleinen schmalen Platz auf dieser Kutsche. Und es bleibt gar nicht mehr viel Zeit, bald müssen sie voneinander Abschied nehmen. Sie reden nicht über Religion und über kirchliche Verfassungsfragen, er redet von Jesus. Und das muss der wissen, weil er ein persönliches Liebesverhältnis zu Jesus braucht, das ist Glauben.
Die Folgen für den Einzelnen und für die Welt
Jetzt muss ich noch zum dritten Punkt reden. Das hat große Auswirkungen. Eine flüchtige Begegnung – wir rechnen kaum damit, was da geschehen kann. Eine weltverändernde Tat: Das kann heute keiner mehr beweisen. So geht es manchmal bei den großen Wundern Gottes, etwa als das Christentum nach Äthiopien kam. Im vierten Jahrhundert wurde es Staatsreligion in der koptischen Kirche, der orthodoxen Kirche. Dort lebt bis heute doch sehr viel an echtem Glauben.
Wir meinen heute immer wieder: Die großen, weltverändernden Dinge, die geschehen doch bitte schön, wenn sie Macht haben. Wenn sie die Welt verändern, dann tun sie es! Jeder, der Macht hat, soll sie in seinem Amt benutzen. Und wir Christen nehmen auch gerne unser demokratisches Einflussrecht wahr. Nicht, dass Sie jetzt wieder einen Gegensatz konstruieren. Aber wir spüren doch, wie wenig wir können. Wenn einer noch so viel demonstriert: Rüstet er wirklich ab, oder geht das nur im Mund um? Weltverändernd war da eine schlichte, flüchtige Begegnung. Gott hat sie benutzt.
Das ist das Geheimnis des Lebens der Christen: Wenn Gott ihre Gespräche, ihre kleinen Dinge, gebraucht, dann ist es ja gar nicht viel, was sie tun können. Philippus hat gar nicht groß geplant, hat nicht viel Schweiß dafür gebracht, es hat ihn nicht viel gekostet. Und Gott hat gesegnet. Das kann geschehen aus den Opfergaben, die wir geben, aus den Diensten, die wir bringen, aus den Besuchen, die wir machen, aus dem Einladedienst.
Darum ist uns der Dienst der Mutter nicht gleichgültig. Nicht, dass wir den Selbständigen und Ledigen gegenüber sagen wollten, sie wäre nicht voll. Sondern wir sagen: Die Berufstätigkeit ist nicht alles, weil Gott Dienste segnen kann und wichtig machen kann. Da geht es gar nicht um unseren Augenschein und um unser Rechnen. Weil Gott das braucht.
Da kommt es zu einem kurzen Gespräch bei den beiden, Philippus und dem Kämmerer. Er fragt: Könnte ich mich da taufen lassen? Ich verstehe nicht, warum unter evangelischen Christen die so eine Streitfrage ist, ob man sich entscheiden muss, dass man als Baby nicht ins Reich Gottes hineingeboren wird. Das muss nach der Lektüre der Bibel eindeutig und unumstritten sein. Und dass die Entscheidung der Konfirmation auch ein bisschen faul und mau ist, das fühlt auch jeder.
Eigentlich ruft doch Jesus dauernd: Willst du es mit mir jetzt wagen oder nicht? Das ist doch die Urfrage, die wir stellen müssen. Wir müssen doch andere Menschen zur Entscheidung bringen. Unaufdringlich, aber ihnen anbieten: „Wir können jetzt miteinander beten“, sagt Philippus.
Ich würde persönlich nicht zweimal taufen, da hätte ich Bedenken. Das wäre mir eine Entwertung der Taufe. Der Kämmerer wurde auch zum ersten Mal getauft. Sie dürfen ihre Kindertaufe annehmen in einer bewussten Bekehrungsentscheidung und sagen: Ja, Herr Jesus, jetzt will ich dir gehören. Nicht das Wasser macht es, sondern Glaube und der Geist Gottes. Aber es muss ein bewusstes Ergreifen dazukommen. Ich muss sagen: Ja, Herr, jetzt will ich dich haben, ich will mit dir. Irgendwo muss unsere Vision dahinführen.
Ich habe lange auch nur eingeladen: Kommen Sie zur Kirche, machen Sie es doch nicht so, fragen Sie! Wie stehen Sie zu Jesus? Können Sie das in Ihrem Leben auch klar machen? Dann hat Ihr Missionsdienst eine klare Zuspitzung. Ohne diese Frage hätte es nie Erweckung und Bekehrung gegeben, ohne die Frage hätte es nie Missionierung der Welt gegeben. Darum ist die Missionsbewegung immer aufgebrochen aus den Erweckungsbewegungen in unserem Land.
Und dann zieht dieser neu gewordene Mensch zurück. Die Bibel schreibt nur fröhlich. Fröhlich – wir wissen nichts mehr von ihm, die Spur verliert sich irgendwo. Gott breitet oft einen Schleier darüber. Vielleicht hätte sich sonst Philippus geprustet und gesagt: Ha, wie ich das wieder gemacht habe! Ich habe doch von Gott die Gabe bekommen. Gott, nimm das weg. Vielleicht hat Philippus noch oft ihm nachgebetet, und sie haben sich nie mehr getroffen. Und er wurde drüben zum Segen für sein Volk.
Ich möchte Sie bitten, dass Sie eine klare Entscheidung in Ihrem Leben haben oder Ihre alte Entscheidung erneuern, aber dass Sie Missionsbote werden. Und wir uns heute nicht nur erbauen an den Berichten, die wir haben über ferne Länder, und sagen: Das ist ja wunderbar, was Gott tut, sondern: Herr, erwecke uns auch hier, dass wir hingehen und reden. Ich erzählte Ihnen am letzten Sonntag von den äthiopischen Christen, die Sachen noch am Tag der Bekehrung, wie die Frau von Samaria. Hingehen und weiter erzählen, was man gehört und gesehen hat, noch am selben Tag – dazu braucht uns unser Herr, dazu sendet er uns und ruft uns. Amen.

