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Johannes 9,1-41: Das zehnte Treffen oder was wirst Du tun, wenn Gott deine Augen öffnet?

Johannes 919.06.2006
SerieTeil 8 / 8Das Johannes-Evangelium lesen
Das 10. Treffen oder was wirst du tun, wenn Gott deine Augen öffnet?

Einleitung: Der Mensch zwischen Wille und Wahrheit

Also, man sagt: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Und ich glaube, bis zu einem gewissen Punkt stimmt das auch. Aber der Satz hat eine Kehrseite. Er stimmt nämlich sowohl dann, wenn ich das Richtige will, als auch dann, wenn ich das Falsche will.
Warum? Das, was ich eigentlich will, das, was in meinem Herzen drin ist, wird meine Gedanken, mein Reden und mein Handeln prägen. Das geht gar nicht anders. Warum? Weil wir Menschen keine Roboter sind. Wir sind nicht logisch.
Und ich habe im Moment so diesen Spruch: Preist den Herrn, wir sind in der Postmoderne. Endlich mal traut sich jemand zu sagen, dass der Mensch nicht logisch ist, dass die Vernunft nicht das Ende aller Dinge ist, dass eins und eins nicht immer zwei sein muss, dass es da noch andere Alternativen gibt. Preist den Herrn! Man kann wieder sagen, dass der Mensch eigentlich dumm ist. Ich finde das toll.
Also, ich lebe gerne in der Postmoderne, wenn jemand sagt: Aber du kaufst dir dafür die ganzen Toleranzideen ein. Stimmt. Kaufe ich aber gerne mit ein, wenn ich mich hier vorne hinstellen darf und sagen kann, was ich denke, und andere nicht von vornherein sagen dürfen: Du bist unlogisch. Das stimmt nämlich nicht.
Der Mensch als ein im Grunde seines Herzens unvernünftiger, verdrehter Mensch soll heute im Mittelpunkt dieser Predigt stehen. Wir werden uns beschäftigen mit dem Johannesevangelium, Kapitel 9. Wir sind immer noch in dieser Reihe: Wie lese ich mit meinem Freund das Johannesevangelium, so dass er das Evangelium versteht?
Und ich möchte heute in Johannes 9 mit euch eine letzte Frage beantworten, die der Text an uns stellt. Ihr erinnert euch vielleicht: Johannes Kapitel 6 hat so die erste Frage gestellt. Da lautete die Frage: Wie gehe ich mit dem Anspruch Gottes, wie gehe ich mit dem Angebot Gottes für mich um? Das war Johannes Evangelium Kapitel 6. Will ich eine persönliche Beziehung zu Gott? Das war die Frage, die wir uns gestellt haben durch Johannes Evangelium Kapitel 6.
Kapitel 7 kam eine neue Frage. Die lautete: Wie gehe ich um mit der Ansprache Gottes an mein Leben? Oder anders ausgedrückt: Will ich eigentlich hören, was Gott mir zu sagen hat? Das war Johannes 7.
Johannes 8: Die Frage dort lautete: Wie gehe ich mit dem Urteil Gottes über mein Leben um? Will ich mich eigentlich in sein Licht stellen?
Und heute, ein Stück abschließend, die vierte und letzte Frage, Johannes 9: Wie gehe ich um mit dem Wirken Gottes an meinem Leben? Will ich eigentlich glauben?
Und bevor wir uns das anschauen im Text, ein Tipp. Ihr wisst, ihr bekommt immer einen Tipp, und mein Tipp heute lautet: Es ist völlig egal, welche Bibelübersetzung du verwendest, wenn du mit deinem Freund in der Bibel liest. Es ist völlig egal, welche Bibelübersetzung du verwendest, wenn du mit deinem Freund in der Bibel liest.
Das ist mein Tipp für heute Morgen. Ich will sagen: Nimm eine Bibelübersetzung, mit der du gut klarkommst. Und wenn du ein bisschen schlau bist, dann nimmst du eine Bibelübersetzung, die du dir auch leisten kannst, sagen wir mal zehn, zwanzig Mal zu kaufen. Dann kannst du sie nämlich in deinem Hauskreis oder in deinem Bibelgespräch mit deinem Freund einfach weitergeben.
Und wenn alle in einem Hauskreis in derselben Bibel lesen, ist das ein großer Vorteil, weil man dann nicht sagen muss: Wie ich heute Morgen, Johannes Kapitel 9. Und es gibt dann womöglich Leute, die sagen: Ja, also wie war das? Also Johannes, ja... und dann fangen die so ganz verschüchtert an, ein Inhaltsverzeichnis anzulesen. Und ihr wisst, dass bevor der Johannes kommt, da kommen größenordnungsmäßig 35 andere Bücher, nee, mehr, 40 andere Bücher. Also, die kommen nicht zurecht.
Und wenn ihr alle die gleiche Bibel hättet, dann könntet ihr einfach sagen: Herr, Herr, Seite 113, da sind wir heute. Und das ist ein Vorteil! Weil Leute, die noch nie in der Bibel gelesen haben, kommen sich sonst immer so ein Stück wie ein Alien vor, so wie einer von einem anderen Stern. Sind sie ja in gewisser Weise, was die Bibel angeht, auch. Nur wenn sie das auch so fühlen, das kommt meist nicht gut.
Also der Tipp: Nimm eine Bibelübersetzung, mit der du klarkommst, egal welche. Schau, dass du sie ein paarmal zuhause hast. Volker hat irgendwann die NeÜ empfohlen, Neue evangelistische Übertragung oder Übersetzung. Das ist, denke ich, eine gute und preiswerte Möglichkeit, aber es ist kein Muss. Wenn du sagst, ich stehe auf unrevidierte Elberfelder 1905, ist das für deinen Freund ein bisschen eine Belastung. Aber es gibt mit Sicherheit Leute, die stehen auf sowas. Also, ich kenne Leute, mit denen ich in der Bibel gelesen habe, die hätten null Problem mit unrevidierten Elberfeldern 1905 und hätten es genossen, dass da Sätze sind, die sich über acht Zeilen hinweg erstrecken. Hätten kein Problem damit. Das muss man so ein bisschen einschätzen.
Das war mein Tipp. Zurück zu unserer Frage in Johannes Evangelium Kapitel 9: Wie gehe ich um mit dem Wirken Gottes an mir? Unterfrage: Will ich eigentlich glauben?
Kapitel 9 geht ans Eingemachte. Also, wenn ihr die letzten Fragen als freundlich empfunden habt, ich denke, Kapitel 9 stellt uns effektiv noch mal vor Augen, wo der Knackpunkt im Leben eines Menschen liegt.
Am Anfang steht ein Blinder, und das wollen wir uns mal anschauen. Johannesevangelium, Kapitel 9, die Verse 1 bis 3. Da heißt es über den Herrn Jesus, Johannes 9,1: Und als er vorüberging, sah er einen Menschen blind von Geburt. Und seine Jünger fragten ihn und sagten: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren wurde? Jesus antwortete: Weder dieser hat gesündigt, noch seine Eltern, sondern damit die Werke Gottes an ihm offenbart würden.
Es geht die ganze Zeit um das natürliche Sehen, und der Herr Jesus macht klar: Hinter der Blindheit dieses Mannes steckt keine Sünde. Wer als Blinder geboren wird, der ist daran nicht schuld. Und dasselbe Prinzip, nur dann übertragen auf ein geistliches Sehen, also auf das Erkennen von Gott, das finden wir am Ende des Kapitels.
Und deswegen springen wir jetzt mal ans Ende von Johannes 9, in den Vers 39. Nachdem die ganze Geschichte, die wir heute besprechen werden, nun vorbei ist, sagt Jesus in Johannes 9,39: Zum Gericht bin ich in diese Welt gekommen, damit die Nichtsehenden sehen und die Sehenden blind werden.
Jesus kommt in diese Welt, und er sorgt dafür, dass Menschen, die keinen geistlichen Durchblick haben, hier geht es um das geistliche Sehen, dass die verstehen, was Gott von ihnen will, und sich bekehren. Und auf der anderen Seite, dass die Sehenden, das sind die Pharisäer, das sind die Klugen, das sind die Theologen seiner Zeit, dass die, indem sie Jesus begegnen, irgendwie immer weniger verstehen, und allmählich geht denen der geistliche Durchblick völlig verloren.
Und das kriegen die mit, dass das nicht so eine ganz freundliche Behauptung ist, die Jesus hier aufstellt. Und in Vers 40 fragen sie danach: Einige von den Pharisäern, die bei ihm waren, hörten dies und sprachen zu ihm: Sind denn auch wir blind? Hör mal her, Jesus, hältst du uns womöglich für Blinde, für Leute, die keinen Durchblick haben?
Und jetzt kommt das Prinzip, was wir am Anfang gesehen haben, noch mal. Da heißt es jetzt in Vers 41: Jesus sprach zu ihnen: Wenn ihr blind wäret, so hättet ihr keine Sünde; nun aber sagt ihr: Wir sehen. Daher bleibt eure Sünde.
Wer geistlich blind ist, wenn jemand nicht weiß, wer Jesus ist, wenn jemand nicht beurteilen kann, ob Jesus der Messias ist oder auch nicht, dann macht Gott ihm dafür keinen Vorwurf. Gott zieht ihn nicht zur Rechenschaft für etwas, was er überhaupt nicht wissen kann.
Aber wenn du jemand bist, der es beurteilen kann, und wir werden sehen, dass die Pharisäer diejenigen waren, die es hätten beurteilen können und beurteilen müssen, dann ist deine Situation wirklich verratzt. Wenn Menschen sich nicht eingestehen, dass sie geistlich blind sind, wenn sie sich hinstellen vor Gott und sagen: Wir wissen Bescheid, oder wie sie hier heißen: Wir sehen, das heißt, wir haben den Durchblick, aber ihre Behauptung ist nichts anderes als der Versuch, Jesus loszuwerden, nur in einer etwas versteckten Form, wenn ihr ganzes Gerede eigentlich nur eine Sache verdeckt, nämlich den Wunsch, nicht an Jesus glauben zu wollen, dann sind Menschen verloren.
Wenn Menschen in ihrem Leben erleben, wie Gott an ihnen wirkt, wie Gott ihnen Dinge verständlich macht, und dann verschließen sie sich vor dem Wirken Gottes und behaupten noch, sie wüssten genau Bescheid und hätten gute Gründe dafür, warum dieser Jesus der falsche Messias ist, sie lehnen Gott ab, dann kannst du solchen Menschen nicht helfen. Warum? Weil ihre Sünde bleibt.
 Johannes 9 zeigt uns auf eine ganz schlichte Weise, was man anstellen muss, um verloren zu gehen, und wie man gläubig wird. Das ist Johannes Evangelium Kapitel 9, und das wollen wir uns heute anschauen. Auf der einen Seite steht ein blinder Bettler, auf der anderen Seite stehen die Pharisäer und auch die gegen Jesus eingestellten Juden.
Und wir werden heute einfach auf die Schnelle mal die beiden Wege verfolgen. Beiden begegnet etwas. Dem blinden Bettler begegnet etwas, und am Ende ist er gläubig. Und den Pharisäern begegnet etwas, und am Ende, na ja, sind sie nicht gläubig. Wir müssen uns anschauen, was die beiden Wege voneinander trennt, damit wir begreifen, was ein Mensch tun muss, um errettet zu werden, und um zu verstehen, was ein Mensch tun muss, um verloren zu gehen.
Und wir starten mal am Anfang. Johannes Kapitel 9, die Verse 6 und 7: Und als er dies gesagt hatte, spie er auf die Erde und bereitete einen Teig aus dem Speichel und strich den Teig auf seine Augen. Und er sprach zu ihm: Geh hin, wasche dich in dem Teich Siloah, was übersetzt wird: Gesandter. Da ging er hin und wusch sich und kam sehend.
Man liest das so leicht, aber stellt euch mal vor: Du bist blind und du sitzt da, und mit einem Mal fühlst du, wie jemand so eine Portion Matsch in deine Augen schmiert. Das ist es ja, der sieht ja nicht, was da auf ihn zukommt. Der merkt nur: pff, pff. So, dann sagt derjenige also: Wenn du sehen möchtest, gar kein Problem, du musst dich waschen. Na, vielen herzlichen Dank, wo denn?
Na, du gehst einfach mal quer durch die Stadt. Du kennst doch da den Teich. Ja, den kenne ich. Du gehst da mal hin, ich weiß nicht, wie weit er weg ist, aber wird schon nicht gleich um die Ecke sein, und da wäschst du dich.
Könnt ihr euch in die Situation dieses Blinden hineinversetzen? Das ist ja nicht jeden Tag, dass einer kommt und sagt: Ich schmier dir jetzt mal Matsch auf die Augen, und dann, wenn du dich da und da wäschst, dann wirst du sehend. Das ist schon etwas Ungewöhnliches.
Und wisst ihr, was es braucht, und das müssen wir unserem Freund erklären, was der erste Schritt ist, damit jemand gläubig werden kann? Der erste Schritt ist, dass sich unser Freund ein Stück weit auf Jesus einlassen muss. Mehr macht der Blinde hier nicht. Er hat nichts zu verlieren. Ob er da jetzt noch ein bisschen sitzen bleibt oder ob er es wirklich ausprobiert, so furchtbar schlimm ist es nicht.
Und er wird schon gehört haben: An diesem Jesus, da ist irgendwie etwas dran. Und ich hoffe, dass wir auch unseren Freunden das vermitteln: An diesem Jesus, da ist etwas dran. Du, der hat mir geholfen. Ich würde es probieren. Und der hier probiert das. Er geht los, er geht zu dem Teich, und was passiert? Er wird sehend.
Was heißt das für unseren Freund, was heißt das überhaupt? Das heißt, wenn ein Mensch sich auf Gott einlässt, entschuldigt, der ist ja noch nicht gläubig, der kann einfach nur sehen. Wenn jemand sich auf Gott einlässt, so ein ganz kleines bisschen, anfängt in der Bibel zu lesen, anfängt, Gott ernst zu nehmen, dann wird ein Mensch merken, dass Gott sich auf ihn einlässt.
Und es wird passieren, dass Menschen, die Gott überhaupt nicht kannten, indem sie mit euch in der Bibel lesen, sich überhaupt mit göttlichen Dingen beschäftigen, dass ihnen ein Licht aufgeht, so wie hier der Blinde ein Stück weit sehen kann und gar nicht weiß, wie das eigentlich passiert. So wird es unseren Freunden passieren, dass sie sich mit der Bibel beschäftigen und mit einem Mal macht es so klick, und sie denken sich: Stimmt ja irgendwie.
Sie lernen auch sehen. Sie sind noch nicht gläubig, aber sie kriegen so ein Aha-Erlebnis. Sie haben ein Stück Durchblick plötzlich an Stellen, wo sie vorher dachten: Das habe ich ja noch nie so gesehen, das ist ja spannend, wenn man das hier so mal ernst nimmt, wenn das so wahr ist, das ist ja ungeheuerlich, was das dann bedeutet.
Vielleicht erleben unsere Freunde sogar Gebetserhörungen, weil sie sich auf Gott einlassen. Sie sind noch nicht gläubig. Aber das ist der erste Schritt. Ich muss mich auf Gott einlassen. Und dieser Mann macht es uns einfach vor.
Gott schenkt, die Bibel nennt das an anderer Stelle Erleuchtung. Bitte, das ist jetzt nicht in diesem esoterisch-buddhistischen Sinn zu verstehen, sondern ganz einfach: Du liest die Bibel, und irgendwie macht es in deinem Hirn klick, und du denkst dir: Stimmt, da muss mehr dran sein. Das ist das, was Gott schenkt. Oder wie es im Johannesevangelium am Anfang über den Herrn Jesus auch heißt: Das war das wahrhaftige Licht, das in die Welt kommt und jeden Menschen erleuchtet.
Es macht klick. Gott möchte, dass du an den Punkt kommst, wo du klar sehen kannst, wofür und wogegen du dich entscheiden musst, wenn du Christ werden willst.
Aber es gibt auch Menschen, an denen handelt Gott, und die sind überhaupt nicht froh darüber. Die werden ärgerlich, die wollen das nicht. Und das sind unsere Pharisäer.
Der Blinde geht zu einem Teich. Der Teich hat einen Namen: Gesandter, also eine Gesandtschaft, das kennen wir, jemanden, den man irgendwo hinschickt. Er wäscht sich in diesem Teich. Und kaum hat er sich in dem Teich gewaschen, kann er sehen und wird tatsächlich zu einem Gesandten, zu einem Zeichen für die Pharisäer.
Erinnert ihr euch noch an die erste Predigt aus der Reihe? Muss das gewesen sein. Da hieß es über den Herrn Jesus: In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. In Jesus ist das Leben, und Jesus überträgt dieses Leben ein ganz kleines Stück davon nur auf diesen Blinden, der plötzlich sehen kann. Und der Blinde wird zu einem zweibeinigen Zeichen für die Pharisäer. Das Leben in dem Blinden, das, was der Blinde neu erfahren hat, was er schon verstanden hat von dem Leben, das wird zum Licht für die Pharisäer. Und die Frage ist, wie die Pharisäer mit diesem Licht umgehen.
Was sind das für Leute, die Pharisäer? Es sind Menschen, denen wir in Johannes 8 begegnet waren. In Johannes 8 ging es darum, eine Frau, die des Ehebruchs überführt war, zu verurteilen. Man wollte da Jesus reinlegen. Und man geht zu Jesus und sagt: Sag mal, wie ist denn das, sollen wir das jetzt mit dem Steinigen schon mal machen, oder was sagst du dazu? Und Jesus sagt einen einzigen Satz: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein. Und alle, vom Ältesten angefangen bis zum Jüngsten, schleichen davon.
Das heißt, alle haben in ihrem Innersten völlig begriffen: Wenn ich vor Gott stehe, habe ich ein moralisches Problem. Das war Johannes 8. Und jetzt begegnen dieselben Leute, die verstanden haben, dass sie nicht sündlos sind, jetzt bekommen die Besuch.
 Johannes 9,13: Sie führten ihn, den einst Blinden, zu den Pharisäern. Jetzt steht vor den Pharisäern ein leibhaftiges Zeugnis Gottes, und was jetzt passiert, ist nur noch traurig. Ihr dürft nicht vergessen, wer da vor uns steht: Das ist die geistige und das ist die theologische Elite der damaligen Zeit. Und das, was sie jetzt abspielen, ist ein absolutes Trauerspiel. Sie setzen alles daran, um nicht zugeben zu müssen, dass Jesus der Messias ist.
Und das eigentliche Problem ist, dass sie genau hätten wissen müssen, dass er es ist. Im Alten Testament, und ihr seid ein bisschen schlauer als wir, steht drin, was wird passieren, wenn der Messias kommt? Was sind so Zeichen, an denen man das greifen kann? Und in der damaligen Zeit hatte man bestimmte Wunder klassifiziert und hatte sich überlegt: Na ja, wenn der Messias kommt, was für Wunder wird er tun, an denen man ihn erkennen würde?
Und es steht im Alten Testament, dass dem Messias die Augen der Blinden auftun würde. Das wussten sie, sie kannten ihre Bibel. Und jetzt steht ein leibhaftiger Ex-Blinder vor ihnen, und er sagt also: Na ja, was soll ich sagen? Ich kann eigentlich gar nichts sagen. Ich war blind, ich kann jetzt sehen, und jetzt hat man mich zu euch geführt, weil keiner so richtig weiß, was man damit machen soll.
Und bei den Pharisäern macht es sofort klick. Die verstehen sofort, was das heißt. Aber obwohl dieses Wunder den Rahmen eines normalen Wunders absolut sprengt, das passt nirgendwo mehr rein, das schreit förmlich nach Messias, sie wollen nicht glauben. Und sie bemühen sich mit allem Einsatz, nicht glauben zu müssen.
Und deswegen schauen wir uns den Text an. Einfach mal unter der Überschrift: Sieben Tipps aus dem Hause Pharisäer und Co., um nicht glauben zu müssen. Also, wenn du in der gleichen Situation bist, du merkst, Gott wirkt an deinem Leben, aber du willst eigentlich nicht glauben, hier siehst du, wie man es macht.
Erster Tipp: Johannes 9,15-16. Den ersten Tipp habe ich genannt: Fäll erst ein Urteil und fang dann an, nachzudenken. Nun fragten ihn wieder auch die Pharisäer, wie er sehend geworden sei. Er aber sprach zu ihnen: Er legte Teig auf meine Augen, und ich wusch mich, und ich sehe. Da sprachen einige von den Pharisäern: Dieser Mensch ist nicht von Gott, denn er hält den Sabbat nicht. Sie meinen damit Jesus. Andere sagten: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun? Und es war Zwiespalt unter ihnen.
Also, wenn du nicht glauben möchtest: Erst mal, ich würde sagen, so ein Urteil hinrotzen, erst mal so, ja, erst mal weg, dass es nichts taugt. Das Argument ist extrem schwach. Selbst die Leute, die es hören, merken sofort, dass es Blödsinn ist und sagen: Das passt doch nicht.
Noch nicht mal die eigenen Leute, die man eigentlich ganz leicht überzeugen müsste, kommen da so richtig mit. Aber es ist trotzdem ein ganz beliebtes Argument. Es ist vielleicht das Argument, was mir am allerhäufigsten in Diskussionen begegnet. Du unterhältst dich mit jemandem, und du merkst, er hat null Ahnung von der Bibel, null Ahnung, und er argumentiert weiter. Das kann er ja machen, aber ich komme mir immer ein bisschen albern dabei vor.
Weil, entschuldigt, ich bin der Experte an der Stelle. Und wenn du keine Ahnung hast und mir dann sagst, dass es irgendwie anders war, also ich weiß nicht, wer von euch beim letzten Escape da war, Jesus war mit Maria Magdalena verheiratet und solche Sachen, sage ich: Kannst du ja behaupten, aber ich habe die Originaltexte gelesen und nicht du.
Und wenn dann jemand immer noch weiter behauptet, da fühle ich mich immer ein bisschen albern. Das ist so dieses: erst mal ein Urteil, erst mal raushauen. Das passiert mir ganz, ganz oft in Gesprächen. Es scheint ein bisschen unsere Zeit zu sein. Also nicht überrascht: Wenn jemand nicht glauben will, wird das genau ein Punkt sein, den er verwendet. Er wird Sachen vorschieben, die so schwach sind, dass sie einer ersten Überprüfung und ein bisschen logischem Nachdenken noch nicht mal ansatzweise standhalten.
Zweiter Punkt, zweiter Tipp: Sag erst mal, dass alles nicht stimmt. Johannes 9,18-21: Es glaubten nun die Juden nicht von ihm, dass er blind war und sehend geworden, bis sie die Eltern dessen riefen, der sehend geworden war, und sie fragten sie und sprachen: Ist dieser euer Sohn, von dem ihr sagt, dass er blind geboren wurde? Wie sieht er denn jetzt? Seine Eltern antworteten und sprachen: Wir wissen, dass dieser unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde. Wie er aber jetzt sieht, wissen wir nicht, oder wer seine Augen aufgetan hat, wissen wir nicht. Er ist mündig, fragt ihn; er wird selbst über sich reden.
Du kommst zu jemandem und sagst: Jesus hat mein Leben verändert. Er hat mich wirklich rausgeholt aus der und der Vergangenheit. Er hat das und das charakterlich bei mir verändert. Wie ist die Antwort? Das kann nicht sein, das stimmt bestimmt nicht. Du stehst wieder da und denkst: Hä? Ich bin der Zeuge für mein Leben.
Solche Argumente gehen meistens sofort baden, wenn du Zeugenaussagen hast, hier ja auch. Hält ja auch nur irgendwie so lange, bis die Eltern auftauchen. Aber es ist ein beliebtes Spiel: Du sagst etwas, was Jesus in deinem Leben gemacht hat, und jemand sagt erst mal: Stimmt nicht. Du stehst ganz konsterniert da und sagst: Hältst du mich für einen Lügner? Nö, nö, wollte ich nicht sagen. Ja, was denn dann? Es ist einfach nur ein Argument.
Jemand will nicht glauben, und er muss dagegenhalten, weil er weiß genau: Wenn ich mich darauf einlasse, dass Jesus in deinem Leben gewirkt hat, dass Jesus wirklich Leben verändern kann, dass du wirklich heute ein bisschen glücklicher bist als vor zwanzig Jahren, stell dir mal vor, der würde das annehmen, der würde sagen: Ja, das stimmt, du bist wirklich glücklich, du hast dich wirklich toll verändert.
Stellt euch vor, jemand würde zugeben, dass die Beziehung von Berben hier, die letzte aus unserem Ex-Freundeskreis vor zwanzig Jahren, die noch existiert. Stellt euch das mal vor, obwohl es die ist, die man damals totgesagt hat. Und jemand würde anfangen, darüber nachzudenken, dann darf man gar nicht, die müssten ja überlegen, wo das herkommt.
Dritter Tipp: Johannes 9,22-23. Der dritte Tipp heißt: Benutze deine Machtmittel und bring Zeugen zum Schweigen! Vers 22: Dies sagten seine Eltern, weil sie die Juden fürchteten; denn die Juden waren schon übereingekommen, dass, wenn jemand ihn als Christus bekennen würde, er aus der Synagoge ausgeschlossen werden sollte. Deswegen sagten seine Eltern: Er ist mündig, fragt ihn.
Wer Macht hat, kann missliebige Wahrheiten unterdrücken. Passiert leider. Kommt der gläubige Teenager nach Hause, sagt seinen Eltern, das ist irgendwie ein bisschen schwierig an der und der Stelle, will vielleicht nicht mitlügen oder so. Was passiert? Na ja, kann schon mal passieren, dass die ungläubigen Eltern dann ihm einfach den Mund verbieten oder ihm sagen: Wenn du jetzt noch weiterredest, dann streichen wir dir die nächsten vier Besuche der Jugend.
Das ist klassisch, was hier passiert. Ich habe Macht. Ich mag nicht mehr hören, was der andere mir zu sagen hat, und ich unterdrücke ihn einfach. Ich bringe ihn zum Schweigen. Kirchengeschichte ist voll von solchen Dingen.
Vierter Tipp: Verwende akzeptierte Totschlagargumente. Es gibt in jeder Gesellschaft Argumente, die immer gelten, obwohl sie nicht wahr sind, und die kann man natürlich immer einbringen. Das Interessante ist: Hier hat sich ein Argument innerhalb von acht oder neun Zeilen zum Totschlagargument gewandelt.
Die Leute merken nämlich langsam, dass sie auf den anderen Wegen nicht so richtig weiterkommen. Wir lesen mal Vers 24: Sie riefen nun zum zweiten Mal den Menschen, der blind war, und sprachen zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist.
Das ist das Argument. Jesus ist ein Sünder, bumm, brauchen wir nicht wieder darüber weiter nachzudenken, bumm, totgeschlagen. Hatten sie nicht vorher noch argumentiert, das kann nicht sein, und das muss so ein bisschen schwierig, wenn man so ein Zeichen tut, dann könnte doch irgendwie auch sein, dass er kein Sünder ist, weil Sünder können doch eigentlich nicht solche Zeichen tun?
Ihr merkt: Wenn so eine Diskussion vorwärts geht und man sich der Schwäche seiner eigenen Position bewusst wird, dann wird ein super schwaches Argument herausgekramt und ein super starkes Argument: Wir wissen, dass er ein Sünder ist. Das wussten sie vorher noch nicht, aber jetzt wissen sie es. Warum wissen sie es denn jetzt? Ja, weil ganz einfach: Wenn du nichts mehr hast, wird das schwächste Argument zu deinem stärksten. Und du musst draufhauen, du weißt, niemand darf länger darüber nachdenken.
In dem Moment, wo der Blinde anfängt nachzudenken, wird er gleich tun, macht auch viel Spaß. In dem Moment, wo du über das Argument nachdenkst, ein Totschlagargument nimmst und sagst: Halt, stopp, lass mal kurz darüber nachdenken, ob das stimmen kann, in dem Moment verpufft es.
Wir erleben das immer zu Ostern und Weihnachten. Wenn uns der Spiegel vor Augen führt, wie furchtbar dramatisch schlecht alles um Jesus und Kirche und so ist. Ich muss sagen, ich kann die Artikel nicht mehr lesen. Sie sind einfach so schlechter, billiger Journalismus. Es ist einfach so. Also, ich lese sie auch nicht mehr. Wenn jemand Probleme damit hat, lese ich sie vielleicht von mir aus noch mal, um zu zeigen, an welchen Stellen einfach die Wahrheit verbogen und logische Argumente einfach im Kreis geführt werden, einseitige Dinge dargestellt und so weiter. Passiert immer wieder.
Du nimmst das schwächste Argument, da gibt es irgendeinen, der irgendwas über Jesus meint zu wissen, und den kramst du vor und stellst ihn im Mittelpunkt deines Artikels und sagst: So muss es sein. Stimmt aber nicht, es ist eine Lüge. Und so wie der gute Journalismus bei solchen Artikeln immer auf der Strecke bleibt, so bleibt hier die Liebe zur Wahrheit auf der Strecke.
Fünfter Tipp für die Lateiner unter uns: Argumentum ad hominem. Auf gut Deutsch: Wenn dir nicht passt, was einer zu sagen hat, schieß ihn als Person ab, aber sag nichts zur Sache. Ganz beliebtes Spielchen.
Wir lesen erst mal den Text, Johannes 9,25-28: Da antwortete er: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Eins weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehe. Er ist so herrlich logisch, ja, klasse. Und sie sprachen wieder zu ihm: Was hat er dir getan? Wie tat er deine Augen auf? Er antwortete ihnen: Ich habe es euch schon gesagt, und ihr habt nicht gehört. Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt ihr etwa auch seine Jünger werden? Sie schmähten ihn und sprachen: Du bist sein Jünger, wir aber sind Moses Jünger.
Du bist sein Jünger, drauf auf den Mann! Weil er der Jünger Jesu ist, deswegen stimmt nicht, was er sagt? Als ob die Wahrheit, die jemand sagt, davon abhängen würde, wer er ist. Als ob nur die Feinde Jesu die Wahrheit sagen würden. Ist krampf, oder? Und doch!
Geo-Artikel, ich weiß nicht, vier, fünf Jahre her, ich habe ja so geschmunzelt. Da gibt es ein Museum gegen Evolution für Kreationismus in den Vereinigten Staaten und einen völlig verrissenen Artikel über dieses Museum, wie man nur so einen Blödsinn machen kann. Und ganz am Ende schildern sie, wer die Führungen macht in diesem Museum für Schöpfung, und schütteln innerlich den Kopf und sagen: Wie können diese Leute das bloß machen, die sind eigentlich nebenan in einem weltberühmten Forschungsinstitut angestellt, haben da ihre Doktortitel und lassen sich dazu herab, in so einem Institut mitzumachen.
Und ich dachte mir: Merkst du nicht, was du hier schreibst? Das funktioniert so: Du bist ein Fundamentalist, und deswegen kann nicht stimmen, was du sagst. Völlig egal, ob du dich auf der Ebene der Naturwissenschaften profiliert hast, ob du ein Experte in deinem Feld bist, interessiert mich keinen Strich. Du bist ein Fundamentalist, und deswegen muss alles, was du zum Thema Gott, Glaube, Revolution sagst, von vornherein falsch sein.
Das ist doch ein beliebtes Spiel, oder? Du bist ein Evangelikaler, du bist eine Sekte, Sektierer. Und deswegen kann das, was du sagst, von vornherein schon mal nicht gelten. Bloß sich nicht mit der Sache an sich auseinandersetzen.
Sechster Tipp: Wenn das alles nicht reicht, dann werde zum Agnostiker, zu jemandem, der sagt, man kann eh nicht wissen, ob es Gott gibt. Johannes 9,29: Wir wissen, dass Gott zu Mose geredet hat; von diesem aber wissen wir nicht, woher er ist.
Wir haben eigentlich keine Ahnung, wir können auch nichts sagen zu Jesus. In meinen Augen ist das ein ganz billiger Trick, denn die Leute sind hier die Pharisäer. Sie sind nicht unwissend genug, um Jesus nicht abzulehnen. Sie meinen, sie haben genug Wissen, um Jesus ablehnen zu können, aber sie sind anscheinend unwissend, viel zu unwissend, um einem Mann glauben zu können, der gestern noch blind war. Passt nicht.
Für mich ist dieses, was man nennt, Agnostizismus, man kann nicht wissen, ob es Gott gibt, eine ganz billige Ausrede dafür, ein vorgeschobenes Argument, dass Leute nicht glauben wollen, sich nicht wirklich auf die Argumente einlassen wollen. Und der billige Trick ist: Man kann es nicht wissen. Falsch, du kannst es wissen, und sie hätten es wissen können. Jeder Mensch kann es wissen. Das ist ja das Schöne am Evangelium, dass das Evangelium nicht im Himmel ist, weit weg, sondern ganz nah vor unseren Augen.
Siebter und letzter Trick, wenn das alles nicht hilft: Die Exkommunikation, die Gewalt. Johannes 9,34-34: Der Mensch antwortete und sprach zu ihnen: Hierbei ist es doch erstaunlich, dass ihr nicht wisst, woher er ist, und er hat doch meine Augen aufgetan. Wir wissen, dass Gott Sünder nicht hört, sondern wenn jemand gottesfürchtig ist und seinen Willen tut, den hört er. Von Anbeginn an hat man nicht gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen aufgetan habe. Wenn dieser nicht von Gott wäre, so könnte er nichts tun. Sie antworteten und sprachen zu ihm: Du bist ganz in Sünden geboren, und du lehrst uns? Und sie warfen ihn hinaus.
Und dieses Hinauswerfen hier ist nicht nur ein Aus-der-Tür-Hinauswerfen, sondern es ist wirklich Exkommunikation. Ein Bettler argumentiert logischer und klarer als die Theologen seiner Zeit. Und es bleibt am Ende nur ein Mittel: Weg mit ihm! Raus aus der Gesellschaft, Ausschluss aus der Synagoge, bloß weg mit dem Kerl!
Wer sich so verhält wie die Pharisäer, der wird Jesus nie als Messias annehmen. Wer sich so gegen die Wahrheit wehrt, wer so viele billige Tricks einsetzt, wer sich an dieser Stelle so müht, das Wirken Gottes wegzuerklären, obwohl er es erlebt, der wird am Ende Gott verpassen. Das ist die traurige Nachricht heute Morgen.
Die gute Nachricht ist: Gott sucht Menschen. Also, Gott hat diesen Blinden ganz bewusst auch benutzt, um die Pharisäer zu suchen, um ihnen auf ihrem eigenen Terrain zu begegnen, mit den Argumenten, die sie aus der Bibel heraus hätten glauben können. Er schickt ihnen das, was sie erwartet haben. Gott sucht Menschen. Gott möchte, dass Menschen ihn finden. Das ist das fantastische Angebot, was wir sagen können.
Im Alten Testament, 5. Mose 4, heißt es in Vers 29: Und du wirst Gott finden, wenn du mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele nach ihm fragen wirst. Wer Gott sucht, wird Gott finden. Das ist die Verheißung, die wir weitergeben können. Ich finde das so fantastisch. Und wisst ihr warum? Weil Gott sich auf die Suche macht nach Menschen, weil es nicht nur an uns liegt.
Und deswegen müssen wir jetzt den Weg des Blinden noch ein Stück weiter verfolgen. Die Verse 35 bis 38: Jesus hörte, dass sie ihn hinausgeworfen hatten, und als er ihn fand, merkt ihr, Gott sucht, Jesus sucht den Mann, und als er ihn fand, sprach er zu ihm: Glaubst du an den Sohn des Menschen? Das ist ein Messias-Titel, glaubst du an den Messias?
Er antwortete und sprach: Und wer ist es, Herr, dass ich an ihn glaube? Jesus sprach zu ihm: Du hast ihn gesehen, und der mit dir redet, der ist es. Er sprach aber: Ich glaube, Herr, und er warf sich vor ihm nieder, oder anders übersetzt: und er betete ihn an. Das ist das gleiche Wort.
Das ist eine Erfolgsgeschichte. Die Erfolgsgeschichte eines blinden Bettlers, ein Mann, dem sein Glaube, das bisschen, was er schon hatte an Jesus, er war in dem Sinn noch nicht ganz gläubig, weil er noch gar nicht genau wusste, an wen er da so richtig glauben soll, aber das bisschen, was er von Gott geschenkt bekommen hatte an Klarheit, das hat er einfach festgehalten. Und das bisschen Glaube, was er schon hatte, das ist ihm teuer gewesen. Er hat bezahlt für diesen Glauben. Er hat damit bezahlt, dass er den Platz in der Gesellschaft, den er hatte, verloren hatte. Er hat seine Sicherheit aufgegeben, seine Einbindung in ein soziales Netz, das war plötzlich weg.
Aber er hat festgehalten, er hat eine Liebe zur Wahrheit gehabt. Und da sind Leute gekommen mit einer höheren Bildung, mit mehr Macht, mit viel mehr Einfluss, die ihn versuchten einzuschüchtern. Er sagt immer: Wisst ihr, ich weiß gar nicht, was ihr habt, ich kann sehen. Und das ist für mich das Entscheidende, das konnte ich vorher nämlich nicht. Und deswegen könnt ihr mir erzählen, was ihr wollt, Gott hat in meinem Leben schon gewirkt, und ich werde diesen Weg konsequent weitergehen.
Und was findet er? Er findet viel mehr, als er erwartet hat. In Vers 17 noch redet er davon, dass es womöglich ein Prophet war, der ihm da begegnet ist. Ja, lustige Sache, viel mehr als ein Prophet. Er findet den Messias, er findet seinen Retter, er findet den, der ihm anbietet, ewiges Leben zu bekommen. Er findet seinen Herrn und Gott und betet ihn an.
Das heißt: Gott schenkt Klarheit, wir halten diese Klarheit fest, wir sind bereit, den Preis des Glaubens zu bezahlen und den Weg mit Gott Schritt für Schritt weiterzugehen bis an den Punkt, wo wir vor Gott niederfallen, vor Jesus niederfallen, ihn anbeten als unseren Herrn und Gott. Das ist die Erfolgsgeschichte dieses blinden Bettlers, und das kann die Erfolgsgeschichte jedes einzelnen Menschen sein, der glauben will. Das ist das Angebot Gottes an unsere Freunde, das Angebot an eine Menschheit.
Und ganz anders die Pharisäer. Ein letztes Mal ihre Frage aus Vers 40: Einige von den Pharisäern, die bei ihm waren, hörten dies und sprachen zu ihm: Sind denn auch wir blind? Und wisst ihr, wie die Antwort lautet? Nein, das seid ihr nicht. Ihr seid nicht blind. Ihr könnt sehen, ihr könnt sogar genug sehen, ihr habt so viel geistlichen Durchblick, dass ihr Jesus ablehnt. Gott schickt euch ein Zeichen, und ihr lehnt es mit aller Macht ab.
Ihr seid nicht blind, ihr seid nicht unwissend, ihr Pharisäer. Ihr gebt euch sogar extra viel Mühe, und ihr zieht aus allen Schubkästen, aus der letzten Ecke, noch die Idee heraus: Wie werden wir bloß diesen Anspruch Gottes los? Was können wir noch tun, damit wir jetzt nicht hören müssen?
Und warum tun sie das? Weil sie eine Entscheidung getroffen haben. Lange bevor das Zeichen kam, hatten sie die Entscheidung schon getroffen. Und die Entscheidung hieß: Wir wollen nicht glauben. Und wir wollen uns gegen jeden stellen, der glaubt.
So sind Menschen. Menschen sind nicht logisch. Menschen treffen Entscheidungen. Und sie denken und handeln in ihrer eigenen Logik auf der Grundlage ihrer Entscheidungen. Wo ein Wille ist, da ist ein Weg, und das stimmt. Aber auch wenn du einen Weg um die Wahrheit herum suchst, wirst du ihn finden. Und das ist das, was die Pharisäer uns beweisen.
Zum Schluss die Frage an uns: Wo stehen wir, wo stehst du persönlich? Ich glaube, dass es in jeder Gemeinde Menschen gibt, an denen Gott schon wirkt, die aber noch nicht gläubig sind, denen Gott in dem Sinne schon ein Stück weit die Augen aufgetan hat, die vielleicht auch schon Gebetserhörungen erlebt haben, aber die noch nicht bis zum Ende durchgedrungen sind, wo sie wirklich anbetend angekommen sind, wo sie begriffen haben, wer Gott ganz ist und was er will.
Und ich möchte hier eine Sache sagen: Was ist Glaube? Glaube ist das, was ich am Ende einer Suche nach Gott ganz bewusst für mich nehme. Ich habe eine Suche nach Gott, das macht uns dieser blinde Bettler vor. Ich bin nicht schnippgläubig, ich bin auf der Suche nach Gott, ich gehe mit Gott, und am Ende steht die bewusste Entscheidung: Diesem Gott, diesem Jesus möchte ich mein Leben ganz anvertrauen, egal was es mich kostet. Und ich habe vorher darüber nachgedacht, was es mich kostet, und ich bin bereit, den Preis zu zahlen. Ich habe ihn vielleicht an der einen oder anderen Stelle schon bezahlt, obwohl ich noch gar nicht gläubig bin.
Und ich möchte heute Morgen sagen: Es reicht nicht aus, dass wir über unsere eigene Sünde erschrocken sind. Es reicht auch noch nicht aus, dass wir Gott ganz prinzipiell Recht geben oder dass wir eine Sehnsucht haben nach ewigem Leben oder vielleicht auch schon innerlich überzeugt sind. Das ist alles noch nicht Glaube.
Ein ehrlicher, ein echter, ein lebensverändernder, ein teurer Glaube, das ist ein Glaube, der dich in deiner Person ganz packt. Es ist ein Glaube, der dich nicht so bleiben lässt, wie du jetzt bist, der deine Prioritäten ganz neu ausrichtet, und zwar auf Jesus. Ein Glaube, der echte Umkehr ist, wie hier bei dem Bettler. Das ist ein Glaube, der dich am letzten Ende vor Jesus niederfallen lässt und der dich an den Punkt bringt, ihn als den Sohn Gottes und deinen persönlichen Herrn anzunehmen, ohne Wenn und Aber.
Mein Wunsch für uns ist, dass keiner, der hier sitzt und an dem Gott schon wirkt und der eigentlich in seinem Herzen schon merkt: Da zieht etwas, dass keiner hier diese Chance verpasst und sich auf einen dieser Tricks einlässt, die die Pharisäer ihm anbieten. Wenn du willst, kommst du ohne Probleme an Gott vorbei. Du kannst sogar die ganzen Tricks sein lassen und einfach mir ins Gesicht zeigen: Jürgen, ich will nicht. Das wäre ehrlich.
Aber was ich mir eigentlich wünsche, ist, dass du sagst: Stimmt, Gott wirkt. Und wo Gott wirkt, da hat er das Recht auf meine Antwort. Und die einzige Antwort, die gilt, ist Anbetung.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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