2. Thessalonicher 3
2. Thessalonicher 319.09.2015
Serie•Teil 8 / 81./2. Thessalonicher
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Rückblick auf die zentralen Linien der beiden Briefe
Wir beenden heute den Zweiten Thessalonicherbrief. 2. Thessalonicher 3 wird im Zentrum des Vortrags stehen. Aber bevor ich da hinkomme, wage ich natürlich noch einmal einen kurzen Blick zurück. Einfach deshalb, weil mir wichtig ist, dass wir bestimmte Lektionen aus dem Ersten und Zweiten Thessalonicherbrief verinnerlichen. Und dass wir wirklich rausgehen, nicht nur mit einem Meer an Wissen, sondern mit ein, zwei, drei konkreten Anwendungen, wo wir sagen: Stimmt, das machen wir jetzt.
Gehen wir zurück zum Ersten Thessalonicherbrief, dann war mir ganz wichtig, dass ihr festhaltet, wie oft und wie sehr Paulus für die Thessalonicher dankt. Dass wir wirklich tief verstehen: Dieser Dank für die Geschwister, mit denen ich in einer Gemeinde bin, ist nichts, was man vielleicht mal tut, wenn man sonst nichts mehr auf dem Herzen hat. Sondern es ist für Paulus der Startpunkt für die grundsätzliche Begeisterung, die er im Umgang mit diesen jungen Christen hat.
Und ich möchte euch das herzlich ans Herz legen, dass ihr viel füreinander dankt. Ihr werdet in dem Zusammenhang merken, dass in dem Maß, wie ihr für Geschwister dankt, euer Herz sich diesen Geschwistern auch zuwendet. Vielleicht merkt ihr auch bei dem einen oder anderen: Den kenne ich noch gar nicht so gut. Das ist auch gut, dann kann man da mal nachhaken und fragen: Sag mal, wer bist du eigentlich? Auch das ist gut. Aber fangt mit Dank an.
Das Zweite, was wir in den beiden Thessalonicherbriefen mitbekommen, hat damit zu tun, dass Paulus, der Haudegen Paulus, eine ganz tiefe Liebesbeziehung zu den Geschwistern hat. Er ist nicht nur derjenige, der sagt: Werdet stark in Sachen Bruderliebe, seid solche, die, selbst wenn sie das schon können, immer noch eine Schippe drauflegen, die sich wirklich bemühen, liebevoll miteinander umzugehen. Sondern er ist derjenige, der das vormacht. Mit jedem Wort, das er spricht, zeigt er ihnen, wie tief er an ihnen hängt. Das ist das, was wir in Psalm 16 haben.
Mir ist wichtig, dass wir verstehen: Es geht im geistlichen Leben ganz stark darum, dass wir lernen, einander zu lieben. Es geht weniger darum, dass wir eine bestimmte Position in der Gemeinde ausfüllen. Es geht weniger darum, dass wir Know-how, sehr viel Faktenwissen über die Bibel haben. Es geht ganz stark darum, dass wir einander lieben.
Ich weiß, dass das für die einen leichter ist und für die anderen schwerer. Ich sage das als einer, dem es vielleicht eher schwerer fällt. Also weiß ich, wie es dir geht, wenn du sagst: Das will mir nicht unbedingt immer gleich gelingen, das mit dem Lieben. Ich sage dir das von hier vorne: Es ist das Wichtigste. Da gilt es zu wachsen.
Gerade wenn einer Neigung hat zu lästern, eine Neigung hat, bitter zu werden, eine Neigung hat, sich zurückzuziehen, eine Neigung hat, schnell eingeschnappt zu sein. Wenn das in deinem Leben da ist, dann musst du ran. Das ist nicht eine lässliche Charakterschwäche, wo man sagt: Na ja, mit der kann man auch alt werden. Das ist eine ganz fiese Sache, die deinen Umgang mit den Geschwistern kaputt macht. Von daher: Nimm das Thema Bruderliebe ernst, so wie Paulus das bei den Thessalonichern macht und selber sich als ein Vorbild hinstellt, dem es nachzueifern gilt.
Dann im Gebet füreinander der Punkt Heiligung. Heiligung, die mich zu einer Person macht, die so lebt, dass sie Gott gefällt. Die den Willen Gottes einfach ernst nimmt, auch an den Stellen, wo es erst einmal gegen den Zeitgeist geht. Wir haben das bei den Thessalonichern gesehen, zum Thema Sexualethik, zum Thema Arbeitsethik. In beiden Fällen, sehr kritische Bereiche im Leben, sagt Paulus ganz klar: Da hat Gott eine Meinung zu. Und du musst, wenn du Christ bist, seine Meinung haben, sonst hast du ein Problem. Du stellst dich nämlich nicht nur gegen Menschen, sondern du stellst dich gegen Gott.
Und dann ein großer Block, der damit zu tun hat, dass der Herr Jesus wiederkommt. Das müssen wir auch mitnehmen: dass wir solche sind, die im Licht leben wollen, weil wir darauf warten, dass Jesus wiederkommt. Aber, und das ist jetzt der Clou, den Paulus in 1. Thessalonicher 5 formuliert: Wir warten nicht darauf, um dann später mal mit ihm zu leben, wenn er wiederkommt, sondern wir leben heute mit ihm. Und wir werden nur dieses Leben, das wir mit ihm schon haben, in einer anderen Qualität weiterleben, wenn er wiederkommt. Und es gilt, das festzuhalten: diese grundsätzliche Begeisterung dafür, dass wir dazu berufen sind, mit ihm zu leben. Dass wir uns nicht von dem Alltag, der uns umgibt, von den Schwierigkeiten, die Thessalonicher sind verfolgt, Paulus spricht von Drangsalen und Verfolgungen, das ging richtig zur Sache, dass wir uns diese grundsätzliche Freude und Gewissheit und an der Schönheit, mit Jesus zu leben, nicht nehmen lassen.
Und dann ein weiterer Aspekt, den wir heute auch noch einmal sehen werden: Wir haben als Gemeinde eine Verantwortung füreinander. Ihr erinnert euch daran: Ihr sollt eure Ältesten lieben. Ja, also ich möchte, dass die alle geküsst werden und Blümchen mitkriegen und Postkarten. Ja, das muss die Woche der Liebe sein für die Ältesten, wenn ihr das verstanden habt, denn 1. Thessalonicher 5 sagt, sie ganz besonders in Liebe zu achten um ihres Werkes willen.
Jeder, der das hört, muss das verstehen. In meinem persönlichen Umgang mit den Geschwistern müssen die Ältesten am Ende des Jahres rausgehen und sagen: Boah, das war so eine richtige Liebesdusche, die ich erfahren habe von meiner Gemeinde. Ich gebe euch ganz ehrlich zu: Die Realität ist eher die, dass du zurückblickst auf ein Jahr und sagst, es war eine kalte Dusche. Ja, das ist eher so. Aber biblisch wäre die Liebesdusche. Biblisch müsste es einfach total Spaß machen, Ältester zu sein, weil man einfach von Liebe so überschüttet wird von den Geschwistern, die einfach nur dankbar dafür sind, dass da einer ist, der vorsteht, der zurechtweist, der sich kümmert. Dass die alle das wäre die Norm, dass jeder sich darum reißt, Ältester zu werden, weil man sagt: Mehr Liebe kann ich einfach nicht abkriegen.
Es ist die Bibel immer ein bisschen idealistisch. Aber man kann sich das ja mal auf der Zunge zergehen lassen, so in verschiedenen Richtungen: Was könnte ich noch tun, um es meinen Ältesten leicht zu machen?
Und dann diese Verantwortung, die wir gesehen haben, nicht nur nach oben zu den Ältesten, sondern auch in die Breite, weil es da Leute gibt, die vielleicht an der einen oder anderen Stelle sündigen. Und es ist nicht der Job der Ältesten, dann auf sie zuzugehen, sondern es ist unsere Verantwortung, dass wir die Unordentlichen zurechtweisen, dass wir die Kleinmütigen, die so ein bisschen mutlos geworden sind, wieder aufrichten und dass die, die praktische Hilfe brauchen, die Schwachen, dass wir auch sie unterstützen.
So, das haben wir gesehen. Also dieses Wie lebt man miteinander? Man lebt miteinander, indem man Liebe gibt, und zwar nach oben, zur Seite. Ja, das macht man einfach, das gehört dazu.
Und jetzt merkt ihr schon, wie leicht es passiert, dass man einschläft. Dass man in der Gemeinschaft dabei ist und dass man sich irgendwie so über den Lauf der Zeit daran gewöhnt, dabei zu sein und gar nicht mehr sieht, wie großartig das ist, was Gott uns da an Berufung gegeben hat. Und deswegen betet Paulus immer und immer wieder. Wir haben das gesehen: Paulus sagt was, und dann sagt er, und dann bete ich wieder für euch. Also ich danke für euch, und wenn wir schon für die Geschwister danken, dann können wir auch für sie beten.
Wofür betet Paulus? Er betet dafür, dass sie ein festes Herz haben. Er betet dafür, dass sie in der Liebe zunehmen. Er betet dafür, dass sie Wohlgefallen haben an guten Dingen, dass sie da noch stärker werden, dass sie mehr Wohlgefallen an guten Dingen haben. Er betet dafür, dass sie kraftvoll ihren Glauben leben. Er merkt: Wir sind zur Fürbitte und zum Dank berufen für die Geschwister.
Und wenn wir das machen, dann entsteht Gemeinde. Gemeinde entsteht nicht dadurch, dass wir uns am gleichen Ort zur gleichen Zeit treffen und hier vorne einer steht und alle anderen schweigen. Das ist vielleicht eine Ausdrucksform, das kann irgendwo im Rahmen von Gemeinden wertvoll sein. Ich glaube an Predigten, aber das ist eigentlich nicht Gemeinde. Gemeinde ist das, was sich in meinem Herzen abspielt, wenn ich im Gebet durch die Gemeindeliste gehe und mich selber frage: Ist das, was in Psalm 16,3 steht, ist das etwas, was sich emotional in mir widerspiegelt? An den Heiligen, die auf Erden sind, an den Herrlichen ist all mein Wohlgefallen. Da müssen wir hin!
Und ich stehe nicht hier vorne und sage, das ist immer leicht. Nein, es ist nicht. Aber da geht es hin. Dass wir Menschen werden, die so über die Geschwister denken. Und ich bin davon überzeugt: Wenn wir diesen Weg kontinuierlich gehen, zu sagen, ich will so viel Bruderliebe lernen, dass das meine Einstellung wird, dann ist Gemeinde ganz, ganz leicht. Ganz, ganz leicht.
Gebet als geistliche Grundlage für Dienst und Schutz
2. Thessalonicher 3
Womit mag Paulus anfangen? Na, mit Gebet, habt ihr euch wahrscheinlich schon gedacht. Übrigens: Brüder, betet für uns! Nicht nur für die Geschwister betet Paulus, sondern Paulus sagt: Ich brauche euer Gebet.
Der große Paulus braucht das Gebet von Christen, von ganz kleinen, jungen Anfängerkristen, quasi christlichen ABC-Schützen. Er sagt: Ich brauche euer Gebet.
Und ich habe mich persönlich oft gefragt: Was ist der Grund, warum mein eigener Dienst oder der Dienst, den wir als Familie tun, funktioniert? Und ich bin ganz ehrlich davon überzeugt: Es hat damit zu tun, dass wir einmal im Monat drei Gebetsanliegen rausschicken und dass Leute für uns beten. Und es sind viele Jugendliche, die für uns beten, die vielleicht in ihrem geistlichen Leben noch gar nicht so weit sind, aber die sich die Mühe machen, einmal im Monat drei Gebetsanliegen für Familie Fischer in Berlin zu beten.
Ich bin mir ganz sicher: Wenn wir in der Ewigkeit ankommen, dann wird es das eine oder andere geben, wo man sieht, da hat ein Gebet von jemandem, den wir vielleicht gar nicht so richtig kennen, weil er sich auf irgendeiner Jugendfreizeit mal in die Liste hat einschreiben lassen, genau das Gebet gewesen, das uns in der ganz kritischen Phase geholfen hat, nicht zu fallen.
Denn ihr wisst, wie angefochten das geistliche Leben von Leitern ist, wie oft wir davon lesen, dass sie in Ehebruch fallen, dass sie aufgeben, dass sie mutlos werden. Und ich stehe nicht hier vorne und sage, ich bin der Typ, der ohne Gebet leben kann. Das stimmt nicht. Und Paulus ist das auch nicht.
Und ich habe es von daher, von solchen Stellen, dass ich sage: Ich möchte, dass Menschen für uns beten, weil ich die Kraft in mir alleine nicht habe. Und Paulus sagt übrigens: Brüder, betet für uns. Und er geht jetzt in zwei Richtungen.
Zum einen, dass das Wort des Herrn laufe und verherrlicht werde, wie auch bei euch. Also betet doch dafür, dass wir in den evangelistischen Hauskreisen, die wir angefangen haben, in den Straßenpredigten, die wir machen, da, wo wir Traktate verteilen, da, wo wir dran sind mit Menschen: Betet dafür, dass das Wort Gottes läuft!
Und hier das Bild vom Läufer: Wir denken an die Olympiade. Es geht darum, dass der Läufer gewinnt, dass der Läufer vorankommt, dass sich etwas weiterentwickelt, dass jeder Widerstand überwunden wird, dass das Wort sich ausbreitet, dass mehr Menschen es hören, dass mehr Menschen zum Glauben kommen. Betet bitte dafür, hört nicht damit auf!
Und der zweite Punkt: dass wir errettet werden von den schlechten und bösen Menschen. Wir müssen beten für die Geschwister, vor allem für die, die an der Front stehen, die im geistlichen Kampf eine besondere Position eingenommen haben, die besonders im Kreuzfeuer der Kritik stehen, die man schon mal in irgendeinem fiesen Medienartikel durch den Kakao zieht, denen man widerspricht, denen man versucht, die Reputation kaputtzumachen, denen man versucht, mundtot zu machen. Für diese Geschwister müssen wir beten.
Und wenn du das mitbekommst, wo auch immer das passiert, dann bitte ich dich, dass du solche Geschwister auf deine Gebetsliste setzt. Ich bitte dich darum, dass du, wenn du von einem Bremer Pfarrer hörst, der eine Predigt hält und dem widersprochen wird, weil er sich erlaubt, das Evangelium in aller Klarheit zu sagen, darüber nachdenkst, ihn wenigstens auf deine Gebetsliste zu setzen. Und wenn du das nicht tust, dann fang jetzt damit an, bitte.
Denn das steht hier: Betet, dass wir vor den bösen und schlechten Menschen errettet werden. Dein Gebet kann dazu beitragen, dass die, die Gott in besonderer Weise berufen hat und in besonderer Weise genutzt, das Evangelium zu sagen, in ihrem Dienst Erfolg haben. Sie haben nicht nur Erfolg, weil sie so schlau sind und so begabt sind und so hingegeben sind, sondern weil Menschen für sie beten. Und Paulus sagt: Ich brauche das, bitte betet für andere Christen.
Und ich mag dieses Bild, das sich da im Hintergrund jetzt abzeichnet: das Bild einer Schlachtreihe. Und wenn ihr das Bild vor Augen habt bei einer Schlachtreihe, da hat man ein Schild, und jeder hat so dieses Schild und hält es vor sich. Und ich mit meinem Schild decke immer auch einen Teil meines Nachbarn mit ab. Und so ist Gebet. Mit meinem Gebet stelle ich mich schützend vor andere Christen, dass sie bewahrt bleiben vor den bösen Menschen.
Warum ist das nötig? Denn der Glaube, hier steht vielleicht die Treue, ja genau, kann man auch übersetzen. In der Fußnote steht das mit dem Glaube. Das gefällt mir schöner, denn der Glaube ist nicht aller Teil. Logisch, es sind nicht alle gläubig, es sind nicht alle pro Jesus, pro Glauben, pro Christentum. Und deswegen ist es so nötig, dass wir füreinander beten.
Und wir können beten, weil auch wenn die anderen nicht gläubig sind: „Gott ist treu, treu ist aber der Herr, der euch befestigen und vor dem Bösen bewahren wird.“ Und hier muss man jetzt aufpassen, weil Gott uns natürlich nur sehr begrenzt bewahrt vor Leid. Also hier steht nicht, es wird nichts Böses in deinem Leben passieren, wenn du betest oder wenn für dich gebetet wird. Hier ist etwas anderes gemeint.
Gott wird uns bewahren, indem er uns befestigt vor dem Bösen, vor dem Satan, vor dem personifizierten Bösen. Es geht darum, dass der Teufel in mein Leben hineinwirken und mich zu Fall bringen möchte. Und das Gebet der Geschwister wird mich fähig machen, weil Gott treu ist. Es wird mich fähig machen, stehen zu bleiben, nicht zu einer Beute des Teufels zu werden.
Ermahnung, Vorbild und die Frage nach geistlicher Ordnung
Wir haben aber im Herrn das Vertrauen zu euch, dass ihr, was wir gebieten, sowohl tut als auch tun werdet. Das hört sich nett an, oder? Also, er sagt eine ganze Menge, und dann sagt er: Und wir haben, hey Freunde, es ist ganz schön, wir haben das Vertrauen, dass ihr das jetzt alles macht.
Kleiner Hinweis: Diese Formulierung wird auch gerne verwendet als eine verkappte Ermahnung. Also statt zu sagen: Freunde, jetzt in die Hände spucken und machen, kann ich mich auch hinstellen und sagen: Ich habe Vertrauen, dass ihr das jetzt alles gut tun werdet. Es ist irgendwie genau das Gleiche. Dahinter steckt die Idee: Ich sage dir, was du jetzt zu tun hast, und du wirst es jetzt bitte auch tun.
Der Herr aber richte eure Herzen auf die Liebe Gottes und auf das Ausharren des Christus. Ich hatte gestern etwas gesagt zum Thema Genitiven. Ich sage immer wenig zu Grammatik, aber mal einen Begriff einstreuen möchte ich doch. Genitive, ihr wisst noch, ja, zweiter Fall, wessen. Also hier steht: Richtet eure Herzen auf die Liebe Gottes. Gemeint ist: Worauf soll unser Herz gerichtet werden? Also, was ist der Punkt, auf den unser Herz ausgerichtet wird?
Und so ein Begriff wie Liebe Gottes kann drei Dinge bedeuten. Entweder ist es Gottes Liebe zu mir, oder meine Liebe zu Gott, oder göttliche Liebe. Fies, oder? Also, das Gleiche, was im Griechischen dasteht: Liebe Gottes, kann heißen die Liebe Gottes für mich, meine Liebe zu Gott und göttliche Liebe. Was ist es? Was denkt ihr? Was passt am besten? Worauf soll unser Herz ausgerichtet sein?
Hm, schwierig zu sagen, nicht wahr? Ich entscheide mich für göttliche Liebe. Warum? Weil mein Herz ausgerichtet sein muss. Es soll sich ein Vorbild nehmen an der Liebe, die Gott hat. Wenn mein Herz, wie es hier heißt, ausgerichtet wird, muss ich mir einen Fixpunkt nehmen. Ich muss mir Gott als Ideal setzen und sagen: So wie Gott mich geliebt hat, seine Qualität von Liebe, sein Umgang mit Menschen, das ist das, was ich haben möchte. So möchte ich werden.
Und genau das Gleiche gilt für das Ausharren des Christus: So wie Jesus ausgeharrt hat, wie er bis zum Schluss durchgehalten hat, wie er sich nicht hat unterkriegen lassen, wie er bis zum Schluss für sich die Entscheidung getroffen hat: Dein Wille geschehe. Genau so möchte ich mich innerlich ausrichten, auf das Ausharren, das er mir zeigt. Richtet eure Herzen auf die Liebe Gottes, auf göttliche Liebe und auf das Ausharren des Christus.
Und dahinter steckt die Idee: Lebe genau so, wie Gott lebt, wie Gott es dir vorgemacht hat. Wir haben nicht nur Menschen als Vorbild, sondern wir haben Gott selber als Vorbild. Und ich kann das hier nur predigen, wenn ihr im Hinterkopf immer wieder Gnade hört, okay? Man darf das nie predigen ohne Gnade. Es geht nicht darum, dass jetzt ein riesiger Maßstab aufgerichtet wird: Ihr sollt nun vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist, ohne dass wir gleichzeitig sagen, wir sind erlöst und errettet allein aus Gnade.
Gott macht es so, dass er uns erst die Vergebung zuspricht. Und wenn ich mich in der Vergebung und in der Erlösung sicher fühle, wenn ich weiß, ich bin in der Ruhe vor Gott angekommen, wenn jegliche Idee, ich könne mit meinen guten Werken irgendetwas erreichen, endlich tot ist und ich aufhöre, es selber machen zu wollen, mich ganz und gar beschenken lasse, allein auf Jesus vertraue, angekommen bin in purer Kindschaft, in purer Liebe Gottes, wenn ich weiß: Egal wie ich lebe, ich habe einen Vater im Himmel, der über mich jubelt und sich über mich freut, so wie es in Zephanja 3,17 heißt.
Wenn ich das habe, wenn ich Gnade anfange zu verstehen: Du bist hundert Prozent angenommen. Gott kann dich und wird dich nie mehr lieben, als er dich geliebt hat, da warst du noch gar nicht bei ihm. Und jetzt wird es nicht weniger, egal welche Performance du leistest. Wenn ich das habe, dann kann ich einen Schritt weitergehen, dass Gott sagt: So, Freund, aber du bist jetzt auch Teil der Familie. Jetzt wollen wir mal schauen, was du drauf hast. Jetzt wollen wir mal sehen, ja.
Ich zeige dir mal meine Liebe, und ich zeige dir mal mein Ausharren, und jetzt möchte ich, dass du anfängst, in kleinen Schritten, wie es dir möglich ist, genau das zu leben. Schritt für Schritt, Schritt für Schritt, dass du liebevoller wirst, dass du mehr Ausharren lernst und all die anderen kleinen Facetten, die da mit dazukommen. Aber bitte hört dieses: Lebe, wie Gott lebt, diesen Anspruch, hört ihn immer an zweiter Stelle.
Wenn du es trennst von der Gnade, dann wirst du unter diesem Anspruch zerbrechen, weil du ihn nicht mehr genießen kannst, weil du ihn nicht mehr findest. Dann findest du kein Gesetz der Freiheit mehr, sondern ein Gesetz des Zwanges, und das darf nicht sein. Bitte achtet darauf, dass ihr nicht hier rausgeht und sagt: Jetzt hat mir Gott aber einen richtigen Sack aufgelegt. Jetzt auch noch vollkommen sein, wie Gott vollkommen ist, Liebe Gottes und ausharrendes Christus, super!
Bitte nicht so, sondern aufrechtstehend sagen: Das ist die Vision, dazu hat Gott mich befreit, das will ich leben. Und Gott mit seinem Geist wohnt in mir, gibt mir die Kraft dafür, und das werde ich schaffen. Nicht in einem Schwung, aber ich werde da ankommen. Und ich werde jeden Tag schauen: Wie ist der letzte Tag gelaufen? Ich werde Buße tun und um Vergebung bitten, den nächsten Schritt wagen und mich freuen an dem, was ich habe, freuen an dem, was ich bin, und darauf trauen, dass ich den Weg gehen kann, weil Gott in mir wirkt. Das Wollen und das Vollbringen, das steht alles in der Bibel. Bitte passt darauf auf.
Arbeit, Verantwortung und der Umgang mit Unordnung
Vor diesem Hintergrund kann Paulus noch einmal eine Schippe nachlegen, wenn es um Ethik geht. Er hat den ersten Brief geschrieben, und dort gab es schon das Thema, dass manche Leute nicht arbeiten wollten. Diese Menschen hatten jemanden, der sie versorgte, einen sogenannten Patron. Es reichte, dass man dem ab und zu ein wenig zuwinkte, ihm ein bisschen klatschte und applaudierte. Dann war man in seinem Verteilsystem sozusagen drin, und man musste auch nicht arbeiten.
Man konnte den ganzen Tag ein wenig machen, was man wollte: ein bisschen über die Märkte ziehen, ein bisschen im Theater herumschauen, ein bisschen hier quatschen, dort ein Schwätzchen halten. Ich habe dafür noch kein vernünftiges deutsches Wort. Im Englischen gibt es den Busy Buddy, also den, der überall ein bisschen mitmacht, überall und nirgends. Der Tag geht herum.
Heute stelle ich mir jemanden vor, der nicht über die Märkte zieht, sondern den Tag im Internet verbringt. Hier ein bisschen Facebook, dort ein bisschen spielen, dann chatten wir da noch ein klein wenig. Der Tag geht herum. Ja, ich habe nicht wirklich sinnvoll etwas gemacht, ich habe jetzt auch nicht wirklich gearbeitet, aber hey, es geht mir doch gut. Was soll's?
Und Paulus sagt zu diesem System, in dem Leute nicht arbeiten, sondern sich von anderen aushalten lassen, und dann womöglich noch, weil der Patron natürlich, wenn er mal ein Projekt anschiebt, dich auf seiner Seite haben will, auch noch verantwortlich werden für Entscheidungen in der Gesellschaft, die du eigentlich nicht unterstützen dürftest: Mach das nicht, geh arbeiten, Freund. Das sagt er im ersten Thessalonicherbrief. Und es scheint so zu sein, als hätten nicht alle darauf gehört.
Also von denen, die da so gewohnt sind: Ich lasse mich aushalten. Man will eigentlich jetzt gar nicht arbeiten gehen. Warum sollte man? Wer ist Paulus? Da gibt es Leute, die wollen nicht arbeiten. Was mache ich mit Leuten, die, wenn Paulus sagt: Du sollst aber mit deiner eigenen Hände Arbeit dein eigenes Brot verdienen, dann sagen: Ich will aber nicht.
Und ich rede jetzt nicht von solchen, die nicht können, sondern von denen, die wirklich nicht wollen. Ist mir doch egal, dass Gott am Anfang sagt, Arbeit gehört zur Schöpfung dazu. Who cares? Wen interessiert das? Ich will nicht arbeiten. Ich finde das ganz schön so, einfach gemütlich meinen Tag zu verbringen, wenn ich will, mich in die Sonne zu setzen. Ja, ich finde das einfach ganz schön. Dieses Arbeiten ist einfach zu lästig. Also, was mache ich?
Und Paulus sagt: Wir gebieten euch aber, Brüder, im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Jetzt legt er noch einmal eine Schippe drauf. Er holt nicht nur die apostolische Autorität heraus, sondern gleich den Herrn Jesus und sagt: Das ist jetzt bitte eine Ansage von ganz oben, dass ihr euch zurückzieht von jedem Bruder, der unordentlich und nicht nach der Überlieferung wandelt, die ihr von uns empfangen habt.
Jetzt merken wir: Was bedeutet das, wenn in 1. Thessalonicher 5,14 steht, dass wir eine Verantwortung füreinander haben, und dass es heißt: Weist die Unordentlichen zurecht? Was bedeutet es, wenn jemand zurechtgewiesen wurde, aber nicht will? Was heißt das dann für mich als Gemeinde?
Hier ist nicht der einzelne Älteste im Blick, hier ist eine Gemeinde im Blick. Ich kriege das in der Gemeinde mit: Da gibt es Leute, die wollen nicht arbeiten. Dann schreibt Paulus: Das geht nicht, geht arbeiten. Und die sagen: Nö, machen wir nicht.
Und jetzt kommt ein sehr hässlicher Text, bei dem ich mir die Frage stelle, ob wir den heute überhaupt noch irgendwie ernst nehmen. Und ich glaube, wir sind ganz weit davon weg. Es geht nämlich um das Thema Gemeindezucht. Und beim Thema Gemeindezucht hat man grob gesprochen drei Bereiche: Wie gehe ich mit Mitchristen um, die sündigen?
Erste Stufe: Ich mache gar nichts. Das ist die Nullnummer. Ich ertrage das einfach, weil wir einfach sind, wie wir sind. Ich kann nicht alles ansprechen, was jemand falsch macht. Das geht einfach nicht. Das will ich auch gar nicht. Ich mache ja auch Dinge falsch, wo ich froh bin, wenn jemand sagt: Pff, bloß nicht. Okay, ertragen. Kolosser 3.
Dann gibt es am anderen Ende des Spektrums, Matthäus 18, 1. Korinther 5, Römer 16: den Gemeindeausschluss. Da wird es nicht nur angesprochen. Da geht einer hin, dann gehen mehrere Leute hin und sagen es noch einmal, dann bringt man den Fall vor die Gemeinde, und dann schmeißt man jemanden raus. Das ist für grobe Sünde.
Also entweder ertragen, es passiert gar nichts, oder grobe Sünde, rausschmeißen. Und hier liegt dieser Bereich des Unordentlichen genau in der Mitte. Er liegt deshalb in der Mitte, weil derjenige, der unordentlich wandelt, nicht aus der Gemeinde ausgeschlossen wird, und trotzdem erfährt er von der Gemeinde eine Zurechtweisung.
Zurechtweisung hört sich sehr anmaßend an. Wie kann ich mir im Leben eines anderen anmaßen, ihm etwas zu sagen? Ist das wirklich meine Aufgabe? Und die Antwort lautet: Ja. Schon im Alten Testament heißt es: Du sollst deinen Nächsten ernstlich zurechtweisen, damit du nicht seinetwegen Schuld trägst. Du sollst ihn ernstlich zurechtweisen, und wenn du das nicht tust, dann trägst du eine Schuld. Und zwar eine Schuld an dem, was im Leben des anderen schiefgeht.
Einen Menschen nicht zurechtzuweisen, der unordentlich lebt. Und bitte: Jetzt geht es nicht um persönliche Befindlichkeiten, nicht darum, was ich gerne hätte, wie er zu leben hat, sondern es geht um klare biblische Gebote. Wenn du nicht arbeiten willst, ist das Sünde.
Und man kann das, denke ich, und sollte das sauber auch mit der Ältestenschaft absprechen und dann nicht auf eigene Faust einfach wie der letzte Verteidiger der christlichen Orthodoxie losziehen. Aber irgendwo muss das anfangen, dass ich sage: So, wie du lebst, das ist nicht in Ordnung. Das ist vielleicht noch nicht die grobe Sünde, für die man dich ausschließen muss, aber es ist einfach nicht in Ordnung. Und ich möchte das nicht.
Und wenn derjenige sagt: Ich mache es aber trotzdem, dann sagt dieser Text: Wir gebieten euch aber, Brüder, im Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr euch zurückzieht. Dass man nicht einfach mit dem weiterlebt, wie man immer mit ihm gelebt hat, als wäre da nichts passiert. Dass man auf eine verständliche Weise ihm klarmacht: Du lebst falsch.
Und jetzt merkt ihr, wie fremd uns dieser Gedanke ist, oder? Vielleicht sind wir dabei und sagen: Ausschluss, da sind wir noch hinterher. Ertragen ist immer gut. Aber dieses in der Mitte, dass eine Gemeinde tatsächlich, dass du auf jemanden zugehst und ihm sagst: Du, ich habe den Eindruck, an der Stelle geht das einfach nicht, das ist nicht in Ordnung. Das ist ein komischer Gedanke, oder?
Und dass eine Gemeinde sagt: Wir ziehen uns ein Stück zurück. Wir sagen demjenigen: Du, im Hauskreis, das geht einfach nicht mehr. Wir wollen eigentlich ein bisschen weniger Kontakt mit dir haben, bis du die Sache geklärt hast. Und dass ich dich da einmal zu meinem Herrenabend eingeladen habe? Du, lass das mal sein. Ich möchte das nicht. Ich möchte ein bisschen Distanz zu dir haben, damit du merkst: Dein Leben ist falsch, weil man so nicht leben kann, wie du lebst. Das ist unordentlich.
Man muss sich dafür überlegen, wie man das in die heutige Zeit übersetzen kann. Aber ich habe den Eindruck, dass wir es nicht übersetzen, sondern dass wir diesen Text einfach ignorieren. Dass wir sagen: Ich werde mal so, ich werde einfach alles gutheißen und zunächst nichts sagen, was der andere tut, obwohl ich eigentlich weiß, dass er sich mit dem, was er da tut, selbst keinen Gefallen tut.
Eigentlich weiß ich, dass ich ihn hasse. Weißt du, dass du jemanden hasst, den du nicht zurechtbringst? Wenn ich weiß, wenn der das weitermacht, geht sein Leben vor die Hunde, und ich sage nichts. Ja, was bin ich dann? Sein Freund oder sein Feind? Ich bin sein Feind. Das ist ja logisch, weil ich billigend in Kauf nehme, dass die Sünde, die ich in seinem Leben sehe, so Stück für Stück um sich frisst und erst ihn und sein geistliches Leben und dann seine Kinder und dann sein Zeugnis und irgendwo in der Gemeinde auch noch mehr kaputt macht. Ich bin verantwortlich, du lädst Schuld auf dich.
Und deswegen kann Paulus an der Stelle so deutlich sagen: Wenn es das Unordentliche gibt, wenn da einer nicht tut, was die Bibel sagt, und bitte, es geht nicht darum, dass du dir jetzt ausmalst, was du immer schon gerne hättest, dass der andere tut. Das will ich nicht gesagt haben. Aber es gibt irgendwo eine Grenze, wo man sagt: Es steht klar drin, das geht eigentlich so nicht. Dann wäre es angemessen, sich zurückzuziehen.
Paulus kann das sagen, gerade im Blick auf Arbeitsethik, weil er es ihnen selber vorgemacht hat. Vers 7: Denn ihr selbst wisst, wie man uns nachahmen soll, denn wir haben unter euch nicht unordentlich gelebt. Paulus hätte von seiner Stellung her ja alles Recht gehabt, sich von den Thessalonichern aushalten zu lassen. Aber er macht genau das Gegenteil. Er geht arbeiten.
Warum macht er das? Weil er möchte, dass die Thessalonicher, wenn sie an ihn denken, vor allem die, die so gerne durch die Gegend ziehen und nicht arbeiten, keine Ausrede haben und sagen können: Ja, wir machen das genauso wie Paulus. Nein. Und deswegen verzichtet er auf sein Recht.
Vers 7: Denn ihr selbst wisst, wie man uns nachahmen soll, denn wir haben unter euch nicht unordentlich gelebt, noch haben wir von jemandem Brot umsonst gegessen. Brot essen heißt hier zunächst allgemein essen, das ist ein Hebraismus. So drückt man das aus, wenn man isst: Brot essen. Wir haben von niemandem etwas umsonst genommen, sondern wir haben mit Mühe und Beschwerde Nacht und Tag gearbeitet, um keinem von euch beschwerlich zu fallen.
Das ist seine Ethik gewesen. Nicht, dass wir nicht das Recht dazu haben. Logisch hat er das. Den Korinthern schreibt er das in 1. Korinther 9 und macht ihnen das klar, dass sie natürlich als Apostel Jesu Christi ein Recht darauf haben, versorgt zu werden. Er stellt also die Frage: Wer tut jemals Kriegsdienste auf eigenen Sold? Wer pflanzt einen Weinberg und isst dessen Frucht nicht? Oder wer hütet eine Herde und isst nicht von der Milch der Herde?
Und dann springt der erste Korinther neu ins Alte Testament, bringt den Ochsen, der da drischt, und dass man ihm das Maul nicht verbinden soll, zeigt, dass die Priester vom Altar, von dem, was da gespendet wird, leben. Es ist völlig sonnenklar: Er hat das Recht als Apostel zu sagen, ich bringe euch das Beste, was man sich überhaupt nur vorstellen kann, ich bringe euch ewiges Leben.
An anderer Stelle wird er natürlich sagen, im Galaterbrief 6,6, dass, wenn jemand predigt, das einen Wert hat. Wer dem Wort unterwiesen wird, gebe aber dem Unterweisenden an allen Gütern Anteil. Natürlich macht das Sinn. Dem, der mir etwas sagt, der mir das Evangelium bringt, den zu bezahlen.
Aber er will es nicht. Ganz bewusst verzichtet er, weil er merkt, wie das System in Thessalonich korrupt ist, wie es die Menschen kaputt macht, wie es Abhängigkeiten schafft, die für Christen nicht gut sind. Und er möchte mit seinem Vorbild zeigen, wie es wirklich geht.
Nicht, dass wir nicht das Recht dazu haben, 2. Thessalonicher 3,9, sondern damit wir uns euch zum Vorbild geben, damit ihr uns nachahmt. Denn auch als wir bei euch waren, geboten wir euch dies: Wenn jemand nicht arbeiten will, soll er auch nicht essen.
Jetzt sind wir wieder bei diesem Einmaleins des Christseins. Hineingesprochen in die Situation der Thessalonicher war es Paulus wichtig zu sagen: Du musst arbeiten. Und wenn du nicht arbeiten kannst, dann wirst du von der Gemeinde versorgt. Aber wenn du nicht arbeiten willst, dann wirst du nicht versorgt.
Ich habe euch da noch etwas mitgebracht. Es gibt eine Schrift, die sich Didache nennt. Das ist ein Dokument aus der Kirchengeschichte, sehr, sehr früh, etwa entstanden kurz nach dem Neuen Testament. Und die Didache lässt uns einen Blick werfen in, ich sage mal, die Gemeinde des ersten Jahrhunderts. Und da gibt es folgende Anweisung, ich lese euch mal vor, Kapitel 12 in der Didache:
Jeder, der im Namen des Herrn zu euch kommt, soll zuerst einmal aufgenommen werden. Dann sollt ihr ihn prüfen und euch über ihn Klarheit verschaffen, also ob er wirklich gläubig ist. Denn ihr habt doch Verstand und könnt auch sonst gut unterscheiden, zum Beispiel rechts und links. Wenn er auf der Durchreise ist, hilft ihm nach Kräften. Er soll jedoch höchstens zwei oder notfalls drei Tage bei euch bleiben. Wenn er sich aber bei euch niederlassen will, etwa als Handwerker, dann soll er arbeiten und von seiner Hände Arbeit leben. Wenn er sich auf kein Handwerk versteht, dann solltet ihr nach eurem Ermessen Arbeit für ihn finden, damit kein Christ arbeitslos bei euch leben muss. Wenn er keine Arbeit annehmen will, dann ist er kein Christ, sondern ein Schnorrer. Vor solchen seid auf der Hut.
Das ist doch schön. Es ist genau das, was Paulus hier sagt und was die Christen im ersten Jahrhundert einfach gelebt haben. Wenn jemand nicht arbeiten will, ist er kein Christ, weil es nicht passt. Du kannst nicht sagen: Ich will nicht arbeiten, und gleichzeitig sagen: Ich bin Christ. Das geht einfach nicht. Und dann bekommst du einen neuen Titel: Du bist ein Schnorrer. Ja, und vor dem soll man auf der Hut sein.
Und das ist das, was Paulus hier sagt. Wenn du merkst, du hast einen Schnorrer in der Gemeinde, dann weise ihn zurecht, dann kümmere dich um ihn, schau, dass das bei ihm nicht so bleibt, dass er sich an der Stelle ändert. Ja, wie macht man das? Na ja, machen wir mal weiter in Vers 11: Denn wir hören, dass einige unter euch unordentlich wandeln, indem sie nicht arbeiten. Das ist also immer noch das Problem. Ich hatte es euch schon vorweggenommen. Hier kommt es ganz klar: Sie arbeiten nicht, sondern treiben unnütze Dinge.
Das sind die, die sich mit allem und jedem beschäftigen. Die wissen, was gerade wo im Internet wie teuer zu kriegen ist. Die für alles eine Meinung haben. Diese Typen treiben unnütze Dinge. Sie erwirtschaften keinen Euro, aber sie reden bei allem mit und sind überall mit dabei, und du siehst sie bei jeder Feier, und die sind immer da. So, Schnorrer!
Denn wir hören, dass einige unter euch unordentlich wandeln, indem sie nicht arbeiten, sondern unnütze Dinge treiben. Solchen aber gebieten wir und ermahnen sie im Herrn Jesus Christus, dass sie in Stille arbeiten. Ich hatte euch das erklärt: Dieses in Stille arbeiten ist das Gegenteil von dem, überall mitreden wollen, so ganz immer beschäftigt zu sein, alle so nichts machen. In der Stille, einfach mal Klappe halten, nachdenken, Arbeit suchen, los! In der Stille arbeiten und ihr eigenes Brot essen, statt von anderen abhängig zu sein.
Und dann, weil ich abhängig bin, das Brot, ich ess, das Lied, ich sing. Da singe ich manchmal bei Sachen mit, wo ich lieber den Mund gehalten hätte. Deswegen: Lasst es sein!
Ihr aber, Brüder, ermattet nicht, Gutes zu tun.
Ich habe mich gefragt, warum kommt jetzt dieser Vers? Denn es geht danach weiter mit dem, der nicht arbeiten will. Und dann machte es Klick, weil ich mir dachte: Warum bitte schön sollen wir eigentlich Christen sagen, dass sie arbeiten sollen? Was ist eigentlich der Clou daran, dass wir als Christen arbeiten?
Na ja, der eine Punkt ist, dass wir unabhängig sind, dass wir nicht hineingezogen werden in Abhängigkeiten, die uns ethisch kompromittieren. Das Zweite ist sicherlich, dass wir etwas zu essen haben, logischerweise. Aber ist euch aufgefallen, dass es bei der Arbeit in der Bibel, wo es wirklich um Arbeit geht, immer auch um die Frage geht, wie gehe ich mit dem um, was ich mehr habe, als ich brauche?
Arbeiten oder Arbeitsethik dreht sich nicht nur um die Frage, dass ich arbeite, sondern wie ich mit dem Überschuss umgehe. Zwei Stellen dazu, um euch das kurz mal zu zeigen: In Epheser 4 heißt es in Vers 28, und das ist einer dieser seelsorgerlich so total wichtigen Verse, weil er uns ein geistliches Prinzip darstellt, wie Veränderung im Leben passieren kann. Dass es eben nicht darum geht, das Böse nicht mehr zu tun, sondern dass wir das Böse durch das Gute ersetzen müssen.
Einem Dieb sage ich nicht nur: Bitte, Freund, klau nicht mehr. Einem Dieb sage ich: Dass du nicht mehr klaust, ist sonnenklar, und jetzt, Freund, wird gearbeitet, weil vorher hast du anderen etwas weggenommen, und jetzt möchte ich, dass du anderen etwas gibst. Und diesen Gedanken, dass Arbeit dazu da ist, mich zu ernähren und gleichzeitig noch denen zu geben, die arm sind, die sich nicht selbst ernähren können, die angewiesen sind auf andere, die mit ihrer Arbeit mehr verdienen als sie brauchen, der kommt hier vor.
Wer gestohlen hat, stehle nicht mehr, sondern mühe sich viel mehr und wirke mit seinen Händen das Gute, damit er dem Bedürftigen etwas mitzugeben habe. Das, was du mehr hast, als du brauchst, gib bitte weiter. Du machst dir in den Kopf: Wer braucht mein Geld? Wen kann ich unterstützen?
Der gleiche Gedanke findet sich im Alten Testament in Sprüche 21,25-26. Durch einen lustigen Zufall habe ich die gerade diese Woche studiert, und deswegen wollte ich sie euch nicht vorenthalten, weil es genau dieser Gedanke ist. Und er zeigt, warum, wenn ich über Arbeit spreche, darüber, dass es wichtig ist zu arbeiten, dieser Satz: Ihr aber, Brüder, ermattet nicht, Gutes zu tun, genau einpasst. Ich arbeite nämlich, um Gutes zu tun.
Da heißt es in Sprüche 21,25: Da geht es los mit dem Faulen, mit dem, der nicht arbeiten will. Die Begierde des Faulen bringt ihm den Tod, denn seine Hände weigern sich zu arbeiten. Das ist der, der nicht arbeiten will. Und dann Vers 26 knüpft daran an. Es ist ungewöhnlich an dieser Stelle, normalerweise stehen diese Verse sehr für sich alleine. Hier versteht man Vers 26 nur in Verbindung mit Vers 25, denn es geht immer noch um den Faulen.
Vers 26: Den ganzen Tag giert er voll Begierde. Der Faule hat nichts, hätte aber gerne, und in dieser Spannung, dass er gerne hätte, aber nichts hat, bleibt ihm nur seine Begierde, nur der Wunsch bleibt ihm. Aber da ist nichts. Und jetzt wird diese falsche Haltung des Faulen, der einfach nur haben will, aber nicht hat, kontrastiert mit dem Gerechten.
Was macht jetzt im Gegensatz zu dem Faulen, der nicht mehr hat als den Wunsch, etwas zu haben, was macht den Gerechten aus? Und da heißt es dann: Den ganzen Tag giert er, der Faule, voller Begierde, aber der Gerechte gibt und hält nicht zurück. Der Gerechte ist im Gegensatz zum Faulen nicht nur der, der fleißig arbeitet, sondern er ist ja ein Gerechter, also er ist der, der mit dem Geld, das er hat, das Richtige tut. Er gibt, er hält nicht zurück.
Das kann er, weil er nicht faul ist. Er sorgt sich nicht nur um seine Familie, sondern er schaut, wie er darüber hinaus investieren kann. Dieses Prinzip gilt natürlich nicht nur für Geld, das gilt für Zeit, das gilt für Talente. Ich bin reich, um zu geben.
Deswegen hier mittendrin in 2. Thessalonicher 3 sollen wir unser eigenes Brot essen und dann gleich der Gedanke: Gutes zu tun. Wenn du das machst, dann wird womöglich etwas übrig bleiben, und dann gib den anderen etwas davon ab.
Gemeindezucht, Bruderliebe und der abschließende Segen
Vers 14 Wenn aber jemand unserem Wort durch den Brief nicht gehorcht, was mache ich dann? Den bezeichnet. Also, wie sieht eine Bezeichnung aus? Na ja, jemand stellt sich am Sonntag im Gottesdienst hier vorne hin und sagt: Bruder sowieso will nicht arbeiten. Wir haben mit ihm gesprochen, einige von euch auch. Ihr wisst, was die Bibel sagt. Bitte zieht euch von ihm zurück, lasst ihn spüren, dass das nicht in Ordnung ist. Mindestens bedeutet es: Gebt ihm kein Geld. Er muss merken, dass das nicht geht. Den bezeichnet, habt keinen Umgang mit ihm, damit er beschämt werde.
Und ich weiß nicht, ob du Gemeinde als eine heilige Gemeinschaft denkst, in der so etwas möglich ist. Wo man aus Liebe zum Bruder und aus Angst davor, dass die Sünde den Bruder kaputt machen könnte, bereit ist, ihn öffentlich zu ermahnen und zu sagen: Wir wollen für dich das Allerbeste. Und jetzt ist das Beste für dich, dass du hier ein ganz klares Stoppschild gesetzt bekommst. Denn wenn du den Weg weitergehst, dann lebst du nicht würdig des Gottes, der dich berufen hat zu seinem Reich und zu seiner Herrlichkeit. Dann lebst du außerhalb des Willens Gottes. Dann bist du kein Zeugnis für deinen Herrn. Und das wollen wir nicht. Wir haben dich so lieb, dass wir an dieser Stelle etwas tun werden, dass du spüren kannst, wie falsch dein Verhalten ist. Darum geht es.
Ich weiß, das ist weit weg von dem, was wir uns irgendwie vorstellen können. Und trotzdem möchte ich es predigen, wie es hier steht, weil ich glaube, dass es richtig ist. Und ich glaube, dass wir in dieser Neigung, auch das Unordentliche unter den Teppich zu kehren, uns keinen Gefallen tun. Ich glaube, dass wir uns keinen Gefallen tun und dass wir vielleicht neu nachdenken müssen, auch gemeinsam nachdenken müssen, was denn unordentlich ist. Weil die groben Sünden für den Ausschluss, die hat man irgendwie so ein bisschen, da hat man so eine Idee: Wenn das passiert, dann so. Aber was ist denn unordentlich? Und vielleicht müsste man sich mal hinsetzen und müsste an der Stelle einfach mal nachdenken: Was fällt denn alles drunter? Was ist denn klar geregelt, wo man sagen kann, das geht eigentlich nicht? Und wo müsste man vielleicht auch mit jemandem reden?
Aber Achtung, wenn du das tust, deswegen hatte ich gesagt, es gibt drei Säulen: Es gibt ertragen, es gibt bezeichnen, es gibt ausschließen. Das ist ein Bruder im Herrn. Das ist deshalb wichtig, weil in einem Ausschlussverfahren, wenn jemand grob sündigt, die Frage aufgeworfen wird: Ist der überhaupt Christ? Wie kann das überhaupt sein, dass der so etwas liebt? Deswegen heißt es in 1. Korinther 5, wenn jemand Bruder genannt wird, das ist offen, ab einer bestimmten Qualität von Sünde ist die Frage: Wohnt in dem wirklich der Heilige Geist? Wie kann der so leben, ohne Gewissensbisse zu haben? Wie kann der noch schlafen, wenn der den Heiligen Geist in sich trägt? Die Frage kommt einfach auf. Das ist eine bestimmte Qualität von Sünde.
Aber es gibt einen Mittelblock, wo der Bruder ist, verirrt ist, eine Lüge glaubt, vielleicht falsche Vorbilder hat oder einfach, ich weiß nicht, wie das dazu kommt. Und deswegen ist es so wichtig, dass ihr den Schluss hier noch seht. In Vers 15: All das passiert und seht ihn nicht als einen Feind an, sondern weist ihn zurecht als einen Bruder. Ganz wichtig: Er bleibt Bruder im Herrn, sie bleibt Schwester im Herrn. Es geht nicht darum, sie loszuwerden.
Und die Spannung kann ich nicht auflösen: Wie soll das denn gehen, dass sich jemand auf der einen Seite zurechtweist und er sich auf der anderen Seite noch geliebt weiß? Keine Ahnung. Superschwer in unserer superindividualistischen Zeit, wo wir meistenteils Gemeinden von Mimosen sind, wo man sich kaum traut, jemandem mal Piep zu sagen, weil der dann gleich dreimal nicht in den Gottesdienst kommt. Ich weiß nicht, wie man das leben soll. Aber ich glaube, wir müssen uns das vergegenwärtigen, dass das die Realität ist.
Und wenn du jetzt merkst in deinem Leben: Ich bin eigentlich so ein Unordentlicher. Da gibt es eigentlich klare Gebote, mit denen ich nichts zu schaffen haben will. Da sagt Gott hü, und ich sage hot, und es ist mir eigentlich egal. Das ist nicht eine Banalität, sondern es ist eigentlich klar: Eigentlich falle ich in die Gruppe der Unordentlichen. Eigentlich hätte die Gemeinde mir schon lange mal in den Hintern treten müssen. Dann ist das eine gute Gelegenheit zu sagen: Ich werde das jetzt ändern. Dass wir das auch hören, nur weil nichts passiert in der Gemeinde, heißt das nicht, dass ich nicht Buße tun darf.
Und dann schließt er mit dem Wunsch, dass dieser Konflikt gelöst wird, dass wirklich wieder Friede in der Gemeinde einzieht: Er selbst aber, der Herr des Friedens, gebe euch den Frieden alle Zeit auf alle Weise. Der Herr sei mit euch allen. Das ist natürlich das Ziel, es geht immer darum, dass wir Frieden miteinander haben. Aber der Weg zum Frieden ist nicht der Weg, dass ich zu allem schweige. Das muss uns auch klar sein.
Vers 17 Der Gruß mit meiner, des Paulus, Hand. Stellt euch vor, diese Briefe in der Antike sind von Sekretären geschrieben worden. Da gab es Leute, die konnten schreiben, die konnten so wie heute so eine Schnellschrift, und die haben das erst mal mitgeschrieben, dann haben sie es ausgeschrieben. Und jetzt ist die Frage: Was mache ich ganz am Schluss, um zu zeigen, dass dieser diktierte Brief von Paulus wirklich von Paulus kommt? Und ich mache Folgendes: Ich unterschreibe mit meiner eigenen Handschrift. Man sieht das dann im Brief, da ist quasi der Sekretär mit seiner wahrscheinlich schönen Handschrift, und dann kommt unten drunter Paulus. Und ich glaube, an irgendeiner Stelle sagt er auch, dass er groß schreibt. Ja, vielleicht hat er wirklich mit den Augen Probleme gehabt, dann sieht man das dann auch. Der Gruß mit meiner, des Paulus, Hand, das ist ein Zeichen in jedem Brief. So schreibe ich, damit Irrlehrer nicht fälschlicherweise sich für Paulus ausgeben können. Und wer ihn kannte, wer schon mal einen Brief von ihm bekommen hat, der sagt: Stimmt, das ist die Krakelei, kenne ich, das ist Paulus.
So wie wir haben einen Ältesten, der bei uns immer auch Sekretariatsarbeiten mitmacht, bei mir zu Hause. Wenn der kommt und an mein Whiteboard schaut, dann sagt er: Das kann ich nicht lesen, das ist dein Gekrakel. Ja, genau, da weiß man, das ist Jürgen, das kann man nicht nachmachen, das ist also klar, das ist er. Und so ist das hier auch gemeint.
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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