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Warnung vor den Schriftgelehrten und Pharisäern – Teil 6

Jesu Leben und Lehre | Episode 728
Matthäus 23,10-1207.01.2026
SerieTeil 6 / 6Warnung vor den Schriftgelehrten und Pharisäern
Wer führt dich wirklich? Jesus warnt vor Menschen, die sich an seine Stelle setzen. Größe zählt bei Gott nicht als Status, sondern als Dienst am anderen.
Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 728
Warnung vor den Schriftgelehrten und Pharisäern, Teil 6

Die letzte Grenze menschlicher Autorität

Unser Vers heute komplettiert die Liste an Titeln, die der Herr Jesus seinen Jüngern verbietet. Matthäus 23,10: Lasst euch auch nicht Meister nennen, denn einer ist euer Meister, der Christus.
Jetzt haben wir Rabbi, Vater, Meister. Der Begriff für Meister kommt nur hier im Neuen Testament vor. Er beschreibt einen Führer, einen Lehrer oder einen Wegweiser.
Wichtig: Der Herr Jesus verbietet hier nicht das Prinzip von Leitung oder Lehre. Die Jünger selbst werden von ihm den Auftrag bekommen, andere zu Jüngern zu machen, indem sie die Jungbekehrten lehren, was es heisst, ein Nachfolger Jesu zu sein. Und Paulus wird in den neu gegründeten Gemeinden Leiter einsetzen, weil Leitung wichtig ist. Apostelgeschichte 14,23: Als sie ihnen aber in jeder Gemeinde Älteste gewählt hatten, beteten sie mit Fasten und befahlen sie dem Herrn, an den sie gläubig geworden waren, an. Hebräer 13,17: Gehorcht und fügt euch euren Führern, denn sie wachen über eure Seelen, als solche, die Rechenschaft geben werden, damit sie dies mit Freuden tun und nicht mit Seufzen, denn dies wäre nicht nützlich für euch.
Ja, es gibt sogar eine Gnadengabe des Vorstehens oder Leitens. Römer 12,8: Es sei der Ermahnt in der Ermahnung, der abgibt in Einfalt, der vorsteht mit Fleiss.
Das Prinzip von Leitung ist etwas Gutes, vor allem dann, wenn sie auf begabte, fleissige, uneigennützige und liebevolle Weise geschieht. Das verbietet Jesus nicht. Verboten ist eine Führungsrolle, in der ein Mensch zur letzten Instanz wird und die Rolle des Christus übernimmt.
Inhaltlich sind wir da ganz eng an dem, was ich schon zum Vers 9 gesagt habe. Der Christus muss der massgebliche Lehrer, Leiter und Wegweiser einer Gemeinde sein. Jede menschliche Leiterschaft kommt von dem Christus, dient dem Christus, muss seinem Willen gemäss handeln und darf niemals den Christus ersetzen.
Vers 10 schützt, wie die beiden Verse davor, die Gemeinde vor Personenkult. Kein Mensch darf in der Gemeinde den Platz einnehmen, der nur dem Christus gebührt.
Die drei Begriffe Rabbi, Vater und Meister überlappen sich inhaltlich. Vielleicht kann man sie ganz vorsichtig so trennen: Beim Rabbi geht es schwerpunktmässig um die Frage, wer Gottes Wort verbindlich auslegt. Beim Vater geht es um die Frage: Wer prägt meine Identität und mein Gewissen? Beim Christus beziehungsweise Meister geht es um die Frage: Wer ist mein Retter und Herr?
Und jetzt merken wir, warum Personenkult für die Gemeinde so gefährlich ist. Er macht aus Menschen eine Art Ersatzmessias. Und genau das darf nicht sein.

Grösse neu verstanden

 Matthäus 23,11: Der Größte aber unter euch soll euer Diener sein.
Merkt ihr: Jesus verbietet nicht Größe. Er verbietet auch nicht, dass es Lehrer, geistliche Väter und Meister gibt. Der Herr Jesus verbietet Größe nicht, aber er definiert sie neu. Größe hängt nicht an der Ehre, die andere mir entgegenbringen. Sie hängt nicht an meinem Charisma und noch weniger am Amt, das ich in der Gemeinde ausübe. Größe hängt an meiner Haltung. Als Leiter verstehe ich mich als Diener.
In der Welt gilt: Wer groß ist, lässt sich bedienen. In der Gemeinde gilt: Wer groß ist, der dient allen anderen. Das haben wir schon an anderer Stelle gelesen: Matthäus 20,26-27. Unter euch wird es nicht so sein. Sondern wenn jemand unter euch groß werden will, wird er euer Diener sein, und wenn jemand unter euch der Erste sein will, wird er euer Sklave sein.
Und das ist natürlich so, weil wir mit unserem Leben den imitieren, von dem wir behaupten, dass er unser Herr und Meister ist. Matthäus 20,27-28: Und wenn jemand unter euch der Erste sein will, wird er euer Sklave sein, so wie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.
Merken wir uns das gut: Leiterschaft in der Gemeinde Jesu ist nicht Herrschaft über Menschen, sondern Dienst am Nächsten. Dabei bedeutet Dienst nicht Schwäche. Der dienende Leiter soll führen, lehren, ermahnen und korrigieren. Es geht um die Haltung, mit der er das tut, nicht um die Sache selbst. Er tut den Dienst nicht, um sich zu erhöhen, sondern um andere aufzubauen.

Dienst mit Autorität unter Christus

Ich will das noch einmal deutlich sagen: Jesus schafft hier Leiterschaft, Verantwortung oder geistliche Autorität nicht ab. Es gibt eine Form von falscher Demut, die nichts entscheiden, niemanden korrigieren und keine Verantwortung übernehmen will, weil wir ja nur Diener sind. Das ist falsch. Das ist nicht die Demut, die Jesus meint.
Unser Vorbild muss der Herr Jesus selbst sein. Er dient mit absoluter Hingabe, aber er lehrt auch mit Autorität und Vollmacht. Er ruft zur bedingungslosen Umkehr auf, weist Heuchler zurecht und führt seine Jünger an.
Geistlich dienen hat nichts mit Passivität oder Konfliktvermeidung zu tun. Natürlich darf ein geistlicher Leiter eine Richtung vorgeben. Ja, aber wo liegt dann der Unterschied? Ein Diener kann sehr klar führen, aber er führt nicht zu seinem Vorteil. Ein Diener kann ermahnen, aber er ermahnt nicht, um zu kontrollieren. Er will nicht über den Glauben der Geschwister herrschen, er will Mitarbeiter an ihrer Freude sein.
Ein Diener kann entscheiden, aber er entscheidet nicht, um seine eigene Wichtigkeit zu beweisen oder sein eigenes kleines Reich zu bauen. Er trifft Entscheidungen, weil ihm Gottes Reich und Gerechtigkeit das Wichtigste sind. Ein Diener kann Autorität ausüben, aber es handelt sich dabei immer um eine abgeleitete Autorität unter Christus und zum Wohl der Geschwister. Er versteht sich als Unterhirte.
 Matthäus 23,11 ist deshalb kein Argument gegen geistliche Leitung, sondern gegen selbstbezogene, ichsüchtige Leitung. Jesus nimmt potenziellen Leitern nicht die Verantwortung, sondern reinigt ihre Motivation. Wie gesagt: Größe wird nicht abgeschafft, sondern neu definiert.

Die Umkehrung von Stolz und Demut

Und so kommen wir zum Schluss noch zu einem Prinzip, das wir auch schon kennen.
 Matthäus 23,12: Wer sich aber selbst erhöhen wird, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigen wird, wird erhöht werden.
Es ist gefährlich, sich selbst zu erhöhen, denn Gott wird solche Menschen im Gericht erniedrigen. Und manchmal müssen wir gar nicht bis zum jüngsten Gericht warten. Gott wird sich um die Hochmütigen kümmern.
 Sprüche 16,5: Ein Gräuel für den Herrn ist jeder Hochmütige; die Hand drauf, er bleibt nicht ungestraft.
Aber Gott wird sich auch um die Demütigen kümmern, die sich selbst erniedrigen, um anderen so selbstlos zu dienen, wie der Herr Jesus es getan hat. Er selbst wird sie erhöhen und für ihren Dienst belohnen.
Was könntest du jetzt tun? Denke darüber nach, aus welcher Haltung heraus du dich im Reich Gottes mit deinen Gaben einbringst.
Das war's für heute. Überarbeite und aktualisiere jetzt deine Fürbitte-Liste für die Neubekehrten in deiner Gemeinde und bete für sie.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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