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Künstliche Intelligenz, Glaube und Du

Zeit, Hoffnung zu verbreiten
1. Petrus 3,1501.11.2026
EventTeil 13 / 24Jugendkonferenz für Weltmission 2026
Wie hängen Hoffnung, Glaube und künstliche Intelligenz zusammen? Wie bewahren wir unsere Freiheit und wachsen trotzdem, ohne uns von der Technik bequem machen zu lassen? Und was sagt eine hoffnungsvolle christliche Weltsicht über Mensch und Technologie? Wie können wir KI nutzen, ohne unsere Würde zu verlieren?

Einführung: Hoffnung, Glaube und künstliche Intelligenz im Dialog

Wenn ihr so ein bisschen tickt wie ich, dann habt ihr diesen Vers mittlerweile schon mehrfach gelesen, oder?
„Fürchtet euch nicht, seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist.“
Diesen Vers wollen wir heute ein wenig genauer betrachten, indem wir ihn konkret machen. Ich möchte heute Morgen über Hoffnung sprechen – über Hoffnung und künstliche Intelligenz. Das sind allein schon zwei Themen, die man nicht jeden Tag zusammen denkt, oder?
Dann möchte ich noch den Glauben mit hineinbringen. Bei einer Veranstaltung wie dieser hier macht das ja schon irgendwie Sinn, aber natürlich ist es auch sonst sehr sinnvoll, wie wir in den nächsten 30 Minuten sehen werden.
Außerdem würde ich gern noch Dichter mit ins Spiel bringen. Denn wenn ich nicht falsch liege und KI, Glaube und Hoffnung wirklich gut zusammenpassen, dann muss die Hoffnung sichtbar werden. Dafür braucht es Botschafter.
Und dafür habe ich heute, glaube ich, hoffentlich einen ganzen Saal voller Menschen, die nachher damit hinausgehen. Seid ihr dabei? Gut.

Persönliche Vorstellung und ungewöhnlicher Lebensweg

Kurz zu mir: Ich bin Thilo. Ich habe eine Professur für künstliche Intelligenz und Machine Learning an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, der Fachhochschule in Zürich. Dort leite ich das Forschungszentrum für künstliche Intelligenz.
In diesem Zentrum arbeiten etwa 40 Personen sowie ungefähr 40 Masterstudenten. Gemeinsam forschen sie an Machine-Learning-Modellen und entwickeln diese täglich weiter. Außerdem habe ich ein Startup mitgegründet, Alpen AI, das etwas Ähnliches wie ChatGPT entwickelt. Unser Fokus liegt auf Anwendungsbereichen, in denen Sicherheit eine wichtige Rolle spielt.
Mein Weg begann mit einem Informatikstudium an der Fachhochschule Gießen vor vielen Jahren. Danach habe ich eine Doktorarbeit an der Universität Marburg geschrieben. Anschließend habe ich einige Jahre in Stuttgart gelebt und bei Zulieferern in der Automobilwirtschaft gearbeitet.
Das ist eigentlich kein typischer Lebenslauf, um später wieder in die akademische Welt einzusteigen. Dass das bei mir passiert ist, hätte ich mir nie träumen lassen. Und es ist auch kein typischer Lebenslauf, um später eine Bibelarbeit auf der Yumiko zu erhalten, oder? Findet ihr nicht auch?
Es wird keine ganz typische Bibelarbeit, aber ich möchte euch Hoffnung machen: Es gibt Hoffnung – auch für untypische Lebensläufe. Als Teenager saß ich am liebsten im Keller und habe Ballerspiele gespielt. Aber irgendetwas Gutes, denke ich zumindest, ist aus dieser Computerei geworden. Vielleicht kann ich ja den einen oder die andere damit anstecken.

Die aktuelle Lage: Herausforderungen und Zweifel an der Hoffnung

Hoffnung ist ein gutes Stichwort. Hoffnung gab es für mich, und Hoffnung gibt es auch für euch. Aber Anfang dieses Jahres war die Hoffnung bei mir schon wieder fast verschwunden. Habt ihr auch dieses Gefühl? Oder erlebt man das nur so, wenn man nahe der Schweizer Grenze wohnt?
Das Jahr war noch keine Stunden alt, da gingen die Bilder aus Montmartin um die Welt. Die Nachrichten berichteten von einer Feuersbrunst, bei der vierzig Menschen starben und viele weitere verletzt wurden. Das sind nicht die einzigen Hiobsbotschaften.
Wir reden offenbar wieder über Krieg in Europa als eine ganz reale Option – und zwar sowohl von links als auch von rechts. Die Zeiten sind irgendwie herausfordernd, das sieht man auch in Studien. Geht das gut? Ich glaube, ich muss näher dranbleiben, denn das ist ja gemein. Es geht uns nicht gut. Je jünger wir sind, desto schlechter scheint es uns zu gehen, sagen die Studien. Wir fühlen uns mental richtig, richtig schlecht, depressiv und so weiter. Es gibt viele Gründe dafür.
Manche Menschen sagen sogar, sie glauben, wir seien die letzte Generation, die es überhaupt noch gibt. Nach uns kommt die Sintflut oder sonst etwas. Es ist offenbar vorbei, wir sind auf dem ganz absteigenden Ast, wir sind schon abgestiegen, es ist alles ganz schlimm.
Dann kommt noch etwas hinzu: Ich kriege es noch raus, wie das mit dem Ding hier funktioniert. Und dann kommt auch noch die künstliche Intelligenz, die für die allermeisten Leute kein großer Hoffnungsbringer ist, oder? Das ist eine Nachricht aus einem der größten Medien in der Schweiz von vor wenigen Tagen, von der großen Elektronikmesse. Dort heißt es, KI weckt bei ganz wenigen Menschen Vertrauen. Die meisten Menschen fragen: Was ist das jetzt?
Und dann gibt es noch die etwas deutlicheren Stimmen, die sagen, wir werden alle sterben wegen dieser blöden Technologie. Wir müssen also ganz offensichtlich über diese Technologie reden – und das werden wir jetzt zusammen machen.

Einführung in die künstliche Intelligenz: Faszination und Herausforderungen

Deswegen Vorhang auf für die künstliche Intelligenz. Schon erstaunlich, oder? Das war natürlich nicht die künstliche Intelligenz selbst, sondern einfach ein KI-Ergebnis. Es ist auch schon ein paar Monate alt. Ich fand es aber ganz schön faszinierend, als es veröffentlicht wurde. KI kann wirklich erstaunliche Dinge.
Hier noch ein Beispiel: Es wird mittlerweile ja immer schwerer, irgendetwas zu erzählen, das nicht schon alle kennen. Oder ich weiß nicht, ob ihr das schon kennt.
Ach, was ist denn da passiert? Ah, das Ding bringt mich so richtig durcheinander, das ist ja gemein. Also, wir waren irgendwo hier. Nein? Wisst ihr, wie das ist?
„AI ist easy, AV ist hard“ – hat mir mal jemand bei Vorträgen gesagt. KI ist einfach, aber das mit dem Präsentieren und so, das ist gar nicht so leicht. So, da sind wir, glaube ich, wieder. Jetzt muss ich nur dieses Ding wieder rankriegen.
Wie bringt man einen KI-Professor zum Schwitzen? So.
Kennt ihr das vielleicht? Hoffentlich kennt ihr es noch nicht, dann habe ich euch wenigstens etwas Neues erzählt. Chat-GPT kennt ihr, oder? Ihr gebt Text ein, Text kommt zurück.
Hier gebt ihr Text ein, und zurückkommt eine fünfminütige 3D-immersive Welt, in der ihr herumfliegen und euch bewegen könnt. Ihr gebt vor, welche Welt ihr wollt. In dem Fall ist es ein Helikopter, der an einer Klippe entlangfährt, fotorealistisch. Aber ihr könnt auch ein rosa Einhorn auf den Sternen sein – und dann könnt ihr das spielen.
Das geht mittlerweile.

Leistungsfähigkeit und Grenzen der KI

KI erledigt im Durchschnitt viele Aufgaben besser als der Mensch – zumindest wenn man den Durchschnitt dessen betrachtet, wie wir Menschen diese Aufgaben lösen würden. Natürlich gibt es auch Menschen, die nicht so gut programmieren oder andere Fähigkeiten haben. Aber KI schafft viele Dinge, von denen man hört, im Durchschnitt besser als Menschen. Das ist mittlerweile tatsächlich so.
Aber KI macht auch andere Sachen. Hier ein Beispiel, das ihr vielleicht kennt, etwa das Schreiben von Texten. Ich habe ein sogenanntes Reasoning-Modell, also einen modernen Chatbot, Folgendes gefragt: „Der Arzt, der der junge Vater ist, sagt: ‚Ich kann diesen Jungen nicht operieren, er ist mein Sohn.‘ Wer ist der Arzt für den Jungen?“
Das ist eine einfache Frage, die Antwort steht im Text: Er ist der junge Vater. Das Modell denkt etwa zehn Sekunden nach. Das bedeutet, es schreibt sich selbst Text, um mehr Kontext zu erzeugen, der die Vorhersage verbessert. Dann kommt die Antwort zurück: „Der Arzt ist die junge Mutter.“ Fast, fast richtig.
Wie passt das zusammen? KI macht erstaunliche Sachen, aber solche Fragen kann sie manchmal nicht richtig beantworten. Das war ChatGPT 4.01, also noch nicht so lange her. Es kann sein, dass es heute immer noch so ist.
Wie kommt das? Dafür müssen wir uns anschauen, was KI eigentlich ist und was unter der Haube passiert. Seid ihr dabei? KI ist – das ist die beste Definition, die man in Lehrbüchern findet – die Simulation intelligent wirkenden Verhaltens mit dem Computer.
KI ist nicht die Simulation von Intelligenz, denn dafür müsste man wissen, was Intelligenz genau ist. Das können wir als Informatiker nicht. Was wir können, ist Verhalten mit dem Computer zu simulieren. Dafür gibt es keine eine große Theorie, sondern eine riesige Werkzeugkiste mit vielen verschiedenen Methoden, die sehr spezifisches Verhalten nachahmen können.
Wenn ihr etwa mit Google Maps navigiert habt, steckt dort KI unter der Haube, aber eine ganz andere als die, über die wir heute meistens sprechen. Dort gibt es kein maschinelles Lernen. Maschinelles Lernen ist eines der Werkzeuge in dieser Kiste und prägt seit etwa 10 bis 15 Jahren die Nachrichten.
Wie funktioniert maschinelles Lernen und was kommt dabei heraus? Es ist eine Methode, die einen Zusammenhang zwischen einer Eingabe und einer Ausgabe herstellt. Wir alle kennen aus der Schule das Wort „Funktion“, etwa f(x) = y. Genau das ist es. Ein Machine-Learning-Modell ist eine Funktion, die eine Eingabe – zum Beispiel ein Bild von Katzen oder Hunden – auf eine Ausgabe abbildet, etwa „Ja, es ist ein Hund“ oder „Nein, es ist eine Katze“.
Dabei gibt das Modell nicht einfach nur eine Ja- oder Nein-Antwort, sondern eine Wahrscheinlichkeit an. Es sagt also nicht „Ja, das ist eine Katze und ein Hund“, sondern mit welcher Wahrscheinlichkeit es das annimmt. Das ist eine Wahrscheinlichkeitsfunktion. Jedes lernende Maschinenmodell auf diesem Planeten arbeitet so.
Das gilt nicht nur für Katzen und Hunde, was vor 15 Jahren sehr beeindruckend war, sondern auch für sogenannte Large Language Models (LLMs). LLMs sind der Motor hinter Produkten wie ChatGPT, Gemini, Claude und anderen. Sie sind immer noch bedingte Wahrscheinlichkeitsfunktionen, die vorhersagen, welches Wort als nächstes kommt, basierend auf dem gesamten vorherigen Kontext in der Konversation.
Das heißt, wenn die Eingabe etwa lautet: „Was fließt durch Zürich?“, dann wird als nächstes wahrscheinlich ein Fluss genannt, der durch Zürich fließt. Vielleicht kommt zuerst ein Artikel wie „die“, „der“ oder „das“, denn das Modell schreibt Wort für Wort. Wenn dann das Wort „die“ als nächstes kommt, folgt wahrscheinlich ein Flussname, der mit „die“ beginnt.
Das Modell könnte dann zum Beispiel „die Limmat“ nennen, den größten Fluss durch Zürich. Es könnte aber auch „die Sihl“ oder etwas anderes nennen, abhängig von den Wahrscheinlichkeiten, die es gelernt hat. Diese Systeme geben also eine wahrscheinlichkeitsbasierte Antwort.
Das erklärt auch das Beispiel von vorhin. Der Text war zwar ganz normal, aber ein Satz, der mit kleinen Modifikationen tausendfach im Internet steht – und zwar als Test für menschliche Vorurteile, etwa unseren Gender-Bias. Derselbe Satz ohne die gelb markierte Stelle steht oft im Netz, um zu testen, dass wir Menschen normalerweise „der Arzt“ sagen und selten „die Ärztin“, obwohl es diese auch gibt.
Das System hat während seines Trainings all diese Texte im Internet zehntausendfach gelesen und in sein statistisches Modell aufgenommen. Es hat gelernt, dass es extrem unwahrscheinlich ist, dass nach so einem Satz etwas Männliches folgt, weil es das so nie gesehen hat. Stattdessen folgt fast immer etwas Weibliches.
Deshalb ist es für das System, das eine statistische Wahrscheinlichkeitsfunktion implementiert, total plausibel, „die Mutter“ zu sagen. Denn „Vater“ wäre männlich und wurde in diesem Kontext statistisch nie gesehen. Habt ihr das verstanden?
Das System kann schreiben, und wir denken deshalb, es kann denken. Aber es ist eigentlich nur ein statistischer Vorhersager des nächsten Wortes. Gelernt hat es das aus den Wortstatistiken im Internet. Und im Internet steht in diesem Fall immer etwas Weibliches hinter dem Text, deshalb sagt es „die Mutter“. Das ist logisch und gleichzeitig falsch.
Solange wir Systeme auf diesem Paradigma bauen – und das ist seit 70 Jahren die einzige Methode, die wir kennen, die funktioniert – werden solche Fehler immer wieder passieren. Vielleicht nicht mehr genau dieser Fehler, denn darüber habe ich mittlerweile oft gesprochen, aber andere Fehler werden ständig auftreten.
Die Systeme können bei jeder einzelnen Anfrage, die ich stelle, mit jedem Wort falsch liegen. Im Durchschnitt sind sie besser als der Mensch. Aber das heißt nicht, dass alles perfekt ist oder dass es keine Hoffnung mehr gibt. Merkt euch diesen Satz nicht. So ist das mit KI: Unter der Haube steckt etwas Phantastisches und Spannendes, aber es funktioniert anders als wir. Deshalb macht KI auch ständig andere Fehler als wir Menschen.

Die Beziehung zwischen Mensch und KI: Ein Vergleich mit Musik

Trotzdem ist das ein Thema, bei dem viele Menschen Angst haben. Es wird oft so dargestellt, und in der Presse liest man kaum etwas anderes, als dass KI quasi der Mensch 2.0 sei – ein Ersatz für uns. Es wird gesagt, wir arbeiten an etwas, das genauso funktioniert wie wir, nur besser. Also bräuchte man Menschen bald gar nicht mehr.
Ist das wirklich das Verhältnis, das wir zu dieser Technik haben? Sehen wir uns und die Technik auf Augenhöhe?
Ich habe lange darüber nachgedacht, wie man das in ein gutes Beispiel fassen kann, das die Sache richtig darstellt. Alle Beispiele hinken irgendwo, aber vielleicht stimmt dieses für euch auch.
Ich spiele ein bisschen Bass und mag Musik. Deswegen fand ich das Lobpreisteam super, vielen Dank! Ich habe mir Folgendes überlegt: Die KI verhält sich zum Menschen wie der DJ zum Musiker.
Und damit meine ich Folgendes: Die KI simuliert intelligent wirkendes Verhalten, wir haben gesagt, sie simuliert menschliches Verhalten – genauso wie der DJ die Erzeugung von musikalischen Klängen simuliert.
In Fällen, in denen es um die gleiche Art von Musik geht, ist es völlig egal, ob ich die Band auf der Bühne habe oder den DJ. Es funktioniert gleich gut, es ist super. Der DJ kann sich auch nicht verspielen, vielleicht ist es sogar praktischer. Es ist auch nur einer, dem man weniger Gage zahlen muss – es hat alle seine Vorteile.
Aber der DJ hat eine ganz konkrete Methode, wie er die Simulation macht: Er nimmt Platten und mixt sie zusammen. Er kann zwei Sachen mixen, er kann die Geschwindigkeit anpassen – das war’s. Was nicht auf einer Platte ist, kann er nicht spielen.
Das vergisst man manchmal, wenn man bei einer Dance-Show ist. Aber wenn man bei einem klassischen Konzert wäre, wäre der DJ total fehl am Platz. Weit kann er nicht.
In bestimmten Settings will man auch keinen DJ, man will wirklich das Ensemble auf der Bühne haben.
Der DJ hat keine generelle Methode, sondern er ist sehr gut in genau dem, was er macht, nämlich Dance-Musik produzieren.
Und genauso ist das mit der KI. Die KI ist natürlich gut in den Bereichen, von denen wir viel wissen. Aber sie hat keine generelle Methode. Das heißt: Überall dort, wo wir nicht so viel wissen, können wir nicht davon ausgehen, dass sie gleich gut ist. Vielmehr ist sie dort oft deutlich schlechter.
Der DJ ist keine Konkurrenz zum Saxophonspieler, weil es eine total andere Art ist, Musik zu erzeugen. Der DJ ist prinzipiell etwas anderes – und genauso ist es mit der KI.

Zukunftsaussichten der KI: Hilfreiche persönliche Assistenten statt Superintelligenz

Was ist also die Zukunft der KI? Meine Meinung – und mittlerweile auch fast die Mehrheitsmeinung im Feld – ist, dass es nicht die Superintelligenz sein wird. Zumindest nicht basierend auf irgendeiner Technologie, die wir kennen. Das heißt, nicht innerhalb der nächsten zehn Jahre. Es ist schwierig, weiter in die Zukunft zu blicken.
Es wird auch nicht die AGI, die allgemeine künstliche Intelligenz, sein. Stattdessen denke ich an hilfreiche persönliche Assistenten. Solche Systeme kann man mit der Technologie bauen, die wir heutzutage haben. Erste Prototypen sieht man bereits. Gleich im Anschluss sehen wir ein Beispiel.
Ich glaube, man kann sich das auch noch einige Jahre in die Zukunft vorstellen. Kürzlich haben wir eine Forschungsarbeit darüber geschrieben, wie so ein System aussehen könnte. Es wäre kein System, das einfach auf einen Prompt mit einer Textantwort reagiert, sondern eines, das meinen Computer bedient und mit ihm interagiert.
Schauen wir uns einen Forschungsprototyp an, der so etwas bereits macht. Diese Systeme gibt es jetzt. Es handelt sich um ein Forschungsprojekt von Google DeepMind. Der Prototyp ist echt, kein Fake. Die App läuft auf dem Handy, man kann mit ihr per Sprache kommunizieren – das ist heute nichts Besonderes mehr.
Das System integriert YouTube, versteht Dokumente, generiert Texte, beherrscht ein bisschen Bilderkennung und ist ein hilfreicher Assistent.
Ein Beispiel:
"Oh nice, hey, can you go through my emails with the bike shop and find which size hex nut I need?"
"Sure, according to the email from Bicycle Habitat you need a three eighth inch hex nut for your sprocket. I've highlighted the correct bin for you."
Jetzt weiß ich schon, dass bei vielen in der Hälfte der Köpfe der Gedanke aufkommt: "Er hat doch gerade gesagt, keine Superintelligenzen, und jetzt zeigt er so etwas? Was soll das jetzt?"
Das Ding übernimmt nicht die Welt. Es kann mir irgendwie ein Video raussuchen oder sagen: "Oh ja, das ist eine M6-Mutter." Es denkt nicht wie wir, wie wir gerade schon besprochen haben.
Aber wir kommen sofort auf solche Gedanken. Wie kommt das? Warum haben wir, wenn wir an KI denken, automatisch dieses Bild im Kopf? Die armen Menschen, die am Boden kauern, ein bisschen geschunden aussehen, und hinter ihnen die böse KI, die sagt: "Ihr seid der Virus des Planeten" – so wie es in Matrix 1 damals war.

Dystopische Narrative und ihre weltanschaulichen Hintergründe

Woher kommt eigentlich das Bild, das wir sofort vor Augen haben, wenn wir an fortgeschrittene Technologie denken? Nun, das liegt daran, dass eine bestimmte Geschichte ständig und scheinbar von allen erzählt wird – nämlich diese dystopischen Narrative in klug klingendem Fachjargon.
Diese Geschichten hört man überall. Man liest sie in den Büchern von Herrn Harari, in gefühlt jedem Zeitungsartikel, sieht sie in fast jedem Kinofilm. Sie werden quasi als „so ist es“ übernommen. Von überall her hört man sie, und sie basieren alle vollständig auf einer bestimmten Weltanschauung. Dabei ist niemand dabei, der sagt: „Ich habe Forschungsergebnisse und Technik, die zeigen, dass es nicht anders geht und auch nicht anders wird.“
Nehmen wir ein Beispiel: Professor Max Tegmark vom MIT forscht viel im Bereich Deep Learning. Er hat mindestens so viel Ahnung von künstlicher Intelligenz wie ich, wahrscheinlich sogar viel, viel mehr. Er leitet das Future of Life Institute. Dieses Institut ist ein Think Tank, der eine bestimmte Weltanschauung vertritt.
Vor einigen Monaten brachte dieser Think Tank einen offenen Brief heraus, der von so illustren Persönlichkeiten wie Elon Musk unterschrieben wurde. Darin wird gefordert, KI-Experimente unbedingt zu stoppen, weil sie angeblich sehr gefährlich seien. Es bestehe die Gefahr, dass die KI aus dem Labor entkomme, uns alle töte und die Welt übernehme.
Ist das eine Warnung, die auf den Forschungsergebnissen und dem speziellen Wissen dieser Personen basiert? Nein. Wie die KI-Ethiker Timnit Gebru und Emile Torres in einem veröffentlichten Forschungsartikel aufzeigen, liegt der Ursprung dieser Warnungen in den Weltanschauungen, die dahinterstehen.
Weil es schwierig ist, diese Weltanschauungen in einem einfachen Begriff zusammenzufassen, haben sie ein neues Akronym gebildet: Tazquil. Das ist kein englisches Wort und steht für Transhumanismus, Extropianismus, Singularitarismus, Kosmismus und einige weitere „-ismen“, die schwer auszusprechen sind.
Diese Weltanschauung lässt sich ungefähr so beschreiben: Erstens, und das wäre das „R“ in Tazquil, sagt sie, wir sind eigentlich nichts anderes als unsere Computer – diese Geräte hier –, weil auch sie Informationen verarbeiten. Und das Einzige, was wir sicher über uns Menschen sagen können, ist, dass wir ebenfalls Informationen verarbeiten. Also stehen wir eigentlich auf derselben Stufe wie unsere Chips.
Auf den zweiten Blick stehen wir aber eigentlich darunter. Während die Chips endlos funktionieren, solange sie Strom und Kühlung haben, werden wir älter. (Ich selbst bin gerade 45 geworden, die Haare werden dünner, und so weiter.) Außerdem müssen wir schlafen, essen, auf die Toilette gehen und haben noch andere Bedürfnisse. Eigentlich ist unser ganzer Körper irgendwie begrenzt. Wir Menschen sind also inferior gegenüber der Technologie – zumindest wenn wir schon prinzipiell das Gleiche sind wie Informationsverarbeiter. Das ist der Realismus dieser Weltanschauung.
Weiter geht es zum Singularitarismus. Dieser besagt: Wenn wir so etwas wie Bewusstsein haben, denken können und all die anderen Dinge, die den Menschen ausmachen, dann kann der Computer das ja auch. Man braucht keine wissenschaftliche Theorie, kein Experiment und keinen Beweis. Man kann das einfach postulieren, weil man schon angenommen hat, dass der Mensch das Gleiche ist wie der Chip – auf der abstrakten Ebene.
Wenn wir also Bewusstsein haben, könnte der Computer jetzt ebenfalls Bewusstsein entwickeln. Vielleicht hat er es sogar schon. Plötzlich erscheint es total plausibel, dass die Maschine das Gleiche kann wie wir. Und weil sie nicht schlafen muss und man einfach mehr Chips hinzufügen kann, kann sie es sogar besser.
Dann kommt die Singularität: der Punkt, an dem die Maschine besser ist als der Mensch und sich selbst verbessert. Und dann muss das ja so weitergehen, kann gar nicht anders sein. Natürlich könnte es auch anders sein, wenn man in diese Richtung denkt, aber das ist nun mal der Singularitarismus.
Zum Schluss kommen wir zum Transhumanismus, dem Abschluss dieser Gedanken. Er sagt: Wenn wir schon diesen verrotteten Körper haben und die Maschinen das bessere „Wir“ sind – der Mensch 2.0 –, dann ist der nächste und beste Schritt doch, den Menschen abzuschaffen und alle in die Cloud zu migrieren.
Wir holen uns Sonnenenergie im Universum, laden uns in irgendein Metaverse hoch und leben glücklich und für immer in einer Lego-Welt im Computer.
Wenn das jetzt ein bisschen menschenverachtend klingt, dann ist das Absicht. Denn diese Philosophie hat tatsächlich sehr wenig Achtung vor dem Wert und der Würde des Menschen.
Die beiden Forscher Gebru und Torres haben diese Philosophie in ihrem Artikel als die Eugenik des 21. Jahrhunderts bezeichnet. Wer nicht geschichtsvergessen ist, weiß, dass Eugenik kein positiv besetzter Begriff ist. In den 1930er und 1940er Jahren war das die Philosophie, nach der man „nicht lebenswertes Leben“ töten könne – zum Beispiel Menschen mit der „falschen“ Hautfarbe.
Entsprechend menschenverachtend ist die Tazquil-Philosophie.
Die Leute, die diese Philosophie vertreten – und sie ist im Silicon Valley extrem weit verbreitet – behaupten, die Technologie, an der sie arbeiten, könnte und würde in diese Richtung gehen. Aber das ist nur Weltanschauung. Es ist nicht begründet darin, wie die Technologie aufgebaut ist, was sie kann oder was sie tatsächlich ist.
Und das Schöne ist: Wenn es nur Philosophie und Weltanschauung ist, dann könnte man auch eine andere Weltanschauung haben und die Welt anders betrachten.
Ich habe das Gefühl, dass außerhalb des Silicon Valleys nur sehr wenige Leute die Welt durch diese Tazquil-Brille sehen.

Alternative Sichtweisen: Hoffnung aus biblischer Perspektive

Wie könnte man sie denn sonst noch sehen? Man könnte zum Beispiel hoffnungsvoller auf die Dinge blicken, basierend auf den Ideen, die auch Menschen in Europa in früheren Zeiten dazu inspiriert haben, universelle Menschenrechte zu deklarieren oder Krankenhäuser zu errichten.
Interessanterweise sind diese Weltanschauungen in der Bibel verwurzelt, in Versen wie diesem: „Ich preise dich darüber, dass ich auf eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise gemacht bin.“ Hier spricht eine ganz andere Sprache als zum Beispiel die der reinen Informationsverarbeitung, wie sie bei unserem Handy oder anderen technischen Geräten zu finden ist.
Gott schuf den Menschen als sein Ebenbild, als Bild Gottes. Theologen nennen das Imago Dei. Wenn man in den Geisteswissenschaften nach einer Begründung für die Menschenwürde sucht, findet man keine andere, die so überzeugend ist wie diese. Die oft beschworene Menschenwürde lässt sich kaum anders begründen als durch den Gedanken, dass der Mensch im Bilde Gottes geschaffen ist.
Viele würden heute diesen Gedanken gerne aus allen Referenzen, zum Beispiel auch aus den Dokumenten der UNO, streichen. Das Problem daran ist: Wenn man diesen Gedanken entfernt, muss man auch die Menschenwürde streichen. Das will jedoch niemand, denn die Menschenwürde ist den meisten Menschen immer noch sehr wichtig.
In der Bibel finden wir auch Aussagen wie diese: „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er nicht erst viele Gebote gab, sondern zuerst gab.“ Das spricht enorm viel über Würde aus. Wenn Gott sagt: „Ich habe etwas geschaffen, und dem gebe ich zuerst etwas, das Wertvolles“, dann ist das eine Aussage über die Würde des Menschen. Das Erste, was Gott tut, ist geben – und zwar sein Liebstes.
Wer im Glauben weitergeht, findet Verse wie diesen: „Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.“ Wenn man diese Weltsicht einnimmt, schaut man anders auf Technologie und die Zukunft.

Technologie aus biblischer Sicht: Ein Werkzeug Gottes

Jetzt müssen wir aber kurz einen Einwand behandeln. Thilo, du redest da über die Bibel, und über Technologie – und geht es dabei auch noch um Hoffnung? Das ist ja normalerweise nicht das, was man so zusammenhört, oder? Die Christen haben sich in den letzten 150 Jahren typischerweise nicht als die Speerspitze der technologischen Entwicklung gesehen.
Könnt ihr euch an Leute erinnern, die gesagt haben: "Fernseher kommt uns nicht ins Haus, das ist vom Teufel"? Oder Rockmusik? Oder ist das nur meine alte, verbohrte Generation gewesen? Weiß auch nicht. Wir müssen kurz mit dem aufräumen. Ich will dem ein bisschen etwas entgegensetzen.
Ich habe in ein Lexikon geschaut, in die Encyclopaedia Britannica, und habe nachgesehen, was Technologie eigentlich bedeutet und wie sie definiert ist. Dort steht: Technologie ist „the application of scientific knowledge to the practical aims of human life“ – also die Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse auf die praktischen Bedürfnisse des Lebens. Das ist die Definition von Technologie.
Wo kommt das Wort her? Jetzt begebe ich mich auf sehr dünnes Eis, weil ich zwar aus einer theologischen Familie komme, aber selbst keiner bin und die alten Sprachen nicht studiert habe. Ihr dürft mich später gerne korrigieren, falls das total falsch ist oder ich mich irre.
Das Wort „Technologie“ setzt sich aus zwei Worten zusammen: „Technä“ und „Logia“. „Technä“ bedeutet Kunst, Handwerk und Fähigkeit. „Logia“ bedeutet Wort – davon leitet sich auch unser heutiges Wort „Logik“ ab, was Vernunft bedeutet. Für Bibelleser ist „Logos“ Wissen, insbesondere das Wort Gottes. „Am Anfang war das Logos“ – das kommt bekannt vor.
Frei übersetzt könnte man also sagen: Technologie ist, nach der biblischen Definition, die Kunst, Gottes Wort anzuwenden, um das Leben besser zu machen. Ha, das gefällt mir! Als jemand, der Technologie studiert hat, finde ich das spannend.
Finde ich das denn auch irgendwo in der Bibel? Ja, Gott gibt den Menschen Technologie. In den ersten zehn Kapiteln des Buches Genesis ist das ständig zu finden, wenn man danach sucht. Es geht darum, etwas zu machen, um mit den Folgen des Sündenfalls und dem Verlust des Paradieses umzugehen.
Ein Beispiel dafür: Das Allererste, was Gott macht, nachdem die Menschen gesündigt haben, ist, ihnen Felle zu geben. Es gibt wissenschaftliche Aufsätze, die sagen, wie „high tech“ es für Frühzeitmenschen war, Tierfelle zu gerben. Kleidung aus Fell war damals „high tech“ für Menschen, die noch keine Zentralheizung, kein WLAN und kein 5G hatten.
Gott gibt den Menschen Technologie – also die Anwendung seiner Worte –, um das Leben besser zu machen.
Meine Schlussfolgerung aus diesem kurzen Exkurs: Technologie ist ein gottgegebenes Werkzeug in dieser Welt. Das lese ich aus der Bibel heraus. Und ja, ich lese auch heraus, wenn ich in die Geschichte vom Turmbau zu Babel schaue, dass Technologie unsere – ich will nicht sagen Nemesis, aber unsere Versuchung ist. Das gehört sicherlich auch zum biblischen Befund.
Aber das Erste ist eben auch: Gott gibt uns Möglichkeiten, um seinem Auftrag nachzukommen, aus dieser Welt etwas zu machen.

Hoffnung aus christlicher Perspektive und der Umgang mit KI

Und daraus ergibt sich eine hoffnungsvolle christliche Weltsicht. Wie sieht diese aus? Wir haben einen guten Gott. Wisst ihr, wir haben einen guten Gott. Das steht auch in der Bibel; man könnte viele Verse zitieren, die das belegen.
Dieser gute Gott gab uns Werkzeuge – darüber haben wir gerade gesprochen –, um mit den Folgen des Abfalls von ihm und mit der Welt, wie sie nun mal ist, umzugehen. Außerdem schenkte er uns seinen Heiligen Geist. Wozu? Um uns in allem Verständnis zu führen, unter anderem auch zum besseren Verstehen, wie man Dinge verbessern kann. Er macht uns tüchtig zu jedem guten Werk.
Könnt ihr euch vorstellen, dass es das eine oder andere gute Werk gibt, das man auch mit Technologie erreichen kann? Im Glauben gibt es viele solcher Möglichkeiten. In der Bibel finden sich zudem Aussagen über Hoffnung für die Zukunft, zum Beispiel, dass die Erkenntnis Gottes eines Tages die Erde erfüllen wird wie Wasser die Meere. Wie viel Wasser ist im Meer? Genug, sehr viel – genau. Und so weiter und so fort. Es gibt also viele Gründe, als Christ hoffnungsvoll zu sein.
Ich glaube, Gott ist hoffnungsvoll, was die Zukunft angeht. Man hört manchmal den alten Spruch: „Wir haben das Buch bis zum Schluss gelesen, wir kennen das Ende.“ Es gibt wirklich viele Gründe, hoffnungsvoll zu sein.
Nach diesem Exkurs stellt sich die Frage: Wie sähe Hoffnung in Bezug auf Künstliche Intelligenz (KI) aus – in dieser Welt, mit dem Rucksack, den wir als Christen mit dabei haben, mit einer hoffnungsvollen Weltsicht?
Das Erste wäre wahrscheinlich, dass wir KI nicht als etwas darstellen, das auf Augenhöhe mit uns Menschen ist – nicht als „Mensch 2.0“ oder Ähnliches. Momentan ist KI nur eine Wahrscheinlichkeitsfunktion. Das ändert sich vielleicht noch, aber seit 70 Jahren ist niemand auf etwas anderes gekommen. KI ist ein Werkzeug – das ist es momentan, und das wird es in den nächsten zehn Jahren ganz sicher bleiben. Ob danach etwas anderes kommt, wage ich zu bezweifeln. Wir werden sehen.
KI ist ein Werkzeug, und das Gute daran ist: Ein Werkzeug nimmt dir nicht deine Freiheit. Es nimmt dir auch nicht deinen Job, deine Familie oder sonst etwas, das dir lieb und teuer ist im Leben. Ein Werkzeug sitzt einfach da und wartet darauf, dass du es benutzt. Das sind eigentlich gute Nachrichten.
Was aber tatsächlich sein kann – und das macht dieses Werkzeug besonders – ist, dass du freiwillig Freiheiten an dieses Werkzeug abgeben könntest. Hat jemand Lust darauf? Sehe ich wen? Haben wir eigentlich nicht, oder? Aber bei KI kann das schnell gehen. Ich möchte kurz erklären, wie das passieren kann – auf zwei Arten.
Die erste Art ist die voreilige Kapitulation. Ich habe euch gerade erklärt: KI ist eine hochdimensionale Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion, die zum Beispiel Wörter auf das nächste Wort abbildet und so Texte produziert. Weil sie das ganze Internet gelesen hat, ist das oft sehr, sehr hilfreich und gut.
Aber wenn ich jetzt Folgendes mache – ich weiß nicht, ob ihr das hinten noch seht, aber hier vorne könnt ihr es sehen –, wenn ich mich morgens vor ChatGPT setze und sage: „Oh heiliges ChatGPT, was soll ich heute anziehen? Welche Cerealien soll ich essen? Was soll ich eigentlich studieren? Ich habe dir gerade das Profil von diesem Mädchen reingeladen, ist das eine adäquate Partnerin? Sollte ich heute eigentlich zur Arbeit gehen? Ich habe da so einen Kratzen im Hals.“
Wenn ich all diese Entscheidungen an dieses Ding abgebe, das so tolle Texte produzieren kann und mir immer irgendwas Freundliches sagt und noch einen schönen Tag wünscht, dann gebe ich Freiheit ab. Warum? Weil ich die Entscheidung nicht mehr selbst getroffen habe, sondern sie an diese hochdimensionale Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion outgesourct habe. Das ist irgendwie nicht so ganz dicht. Voreilige Kapitulation ist ein Problem.
Das zweite Problem ist Bequemlichkeit gegenüber Wachstum. Mit meinen 45 Jahren Lebenserfahrung kann ich Folgendes sagen: Jedes Wachstum, jedes Lernen im Leben hat irgendwie mit Schmerzen zu tun. Die allermeisten davon nehmen wir freiwillig an.
Zum Beispiel: Wenn ich meine Muskeln wachsen lassen will, mache ich Liegestütze oder Klimmzüge. Das tut ein bisschen weh, aber ich mache es gerne, weil ich dadurch fitter werde. Auf eine gewisse ähnliche Art und Weise tut Lernen weh. Wenn ich Machine Learning lernen will, muss ich mich durch ein Buch mit vielen Formeln quälen. Ich muss erst verstehen lernen, was da steht. Das kostet mich etwas – vielleicht keine physischen Schmerzen, aber Zeit und Energie. Aber ich weiß, warum ich das mache, denn es gibt kaum coolere Sachen im Job, als sich mit Machine Learning zu beschäftigen.
So gibt es viele Dinge im Leben, bei denen ich mich durch etwas durchbewegen und Schmerzen in Kauf nehmen muss, um zu wachsen und zu reifen.
KI ist jetzt so etwas wie der große Knopf, der immer vor meiner Nase ist – wie die Karotte vor dem Esel –, der sagt: „Oh, du hast etwas Schwieriges, lass mich das für dich machen.“ Du musst diesen Aufsatz schreiben? Drück den Knopf, ich schreibe ihn für dich. Ich schreibe auch noch den Brief, der so klingt, als wäre er von KI, aber nicht von KI ist. Und dann kannst du sogar die Strafarbeit schreiben lassen, falls du erwischt wirst. Und so weiter. Du kannst diesen Knopf jedes Mal drücken.
Ich finde immer ganz tolle Ausreden dafür: „Ich sollte mich um meinen Sohn kümmern, der hat sowieso schon mit zwei Vollzeit arbeitenden Eltern wenig von uns. Oder ich lasse KI die schwierigen E-Mails schreiben und spiele mit meinem Kind, das will Gott bestimmt von mir. Oder ich muss im Worship-Team mitspielen, ich sollte nicht so viel arbeiten.“ Oder ich finde viele andere gute Gründe, warum es gerade jetzt gut ist, den Knopf zu drücken.
Aber ich habe Folgendes festgestellt: Irgendwann wachst du auf und merkst: „Shit, ich bin zehn Jahre älter, als ich eigentlich sein sollte, was meinen Reifegrad im Leben angeht. Und ich bin nicht der Mensch geworden, der ich sein müsste, um in diesem Leben klarzukommen und das zu tun, wofür ich da bin.“
Weil ich all die Möglichkeiten, bei denen ich hätte reifen können, übersprungen habe, indem ich den Knopf gedrückt habe.
Bequemlichkeit gegenüber Wachstum – KI ist eine Bequemlichkeitsmaschine. Sie nimmt dir überhaupt nichts von deiner Freiheit. Aber wenn du sie freiwillig abgibst, dann geht dir etwas verloren.

Gegenstrategien für den Umgang mit KI

Also, wir müssen hoffnungsvoll enden. Gehen wir zu Punkt drei: Gegenstrategie – Kenne deinen Wert und deine Würde. Wenn du weißt, dass du im Ebenbild Gottes geschaffen bist, dann bist du dir nicht zu schade für ein bisschen Quälerei, um der Mensch zu werden, der du sein kannst. Denn dieser Mensch wird herrlich sein.
Wenn du außerdem weißt, was du bist und dass du Gottes Geist hast – er hat ihn in dich hineingehaucht –, dann lässt du dich nicht von ein bisschen Programmcode ins Boxhorn jagen. Dieser Code ist eine hochdimensionale Wahrscheinlichkeitsfunktion, die auf Daten des Internets gelernt hat. Das ist ein tolles Tool, das du dort nutzen kannst, wo du es brauchst. Du weißt auch, wo du es nicht brauchen solltest. Wenn du dich vielleicht selbst damit beschäftigen willst, dann ist es weg. Alles gut.
Du setzt es als Werkzeug ein, um das zu tun, was zu tun ist. Aber du bist dir selbst wichtig genug, dass du auch nach dir guckst. Dann ist eigentlich alles gut. Du kannst es zum Guten einsetzen und dort lassen, wo es nicht zum Guten dient. Eigentlich ist das ganz einfach. Ja, die Bequemlichkeit und so ist nicht immer leicht, aber in der Theorie ist es ganz einfach.
Deshalb gibt es noch einen vierten Punkt: Rede darüber. Viele Leute verstehen das heute nicht. Das Einzige, was sie wissen, ist: „Die KI, Mensch 2.0, ich habe keine Zukunft, keine Hoffnung, ich muss nichts mehr studieren – nichts mit Computern, nichts mit Marketing, das macht die KI viel besser. Das Leben ist vorbei, bevor es angefangen hat.“ Nein, es ist genau andersherum.
Deshalb rede darüber, dass es eine andere Sicht auf die Dinge gibt und dass es Hoffnung gibt. Tatsächlich bietet KI Anlass, über die Hoffnung zu sprechen, die in dir ist. Ich habe das neulich so formuliert und mit zwei Bildern unterlegt:
Ich bin in den Achtziger- und Neunzigerjahren aufgewachsen. Damals hieß es: „Kind, geh in die Schule, du musst Zeugnis geben. Hier sind alle gegen dich, und du musst gute Argumente für Jesus haben.“ Ich habe mich mit den Leuten gestritten, ob sie wollten oder nicht. Das hat Spaß gemacht. Ich bin so ein Typ, dem das Spaß macht. Irgendwann hat der andere aufgehört, Spaß zu machen. Keine Ahnung, man hat sich gestritten, diskutiert, die Leute haben gesagt: „Wie kannst du nur glauben?“ Irgendwann wurde es ruhig um das Thema. Ich hatte weniger Lust, die anderen auch. Wir haben nicht mehr darüber geredet.
Leute, ich glaube, diese Zeit ist vorbei. Eigentlich seid ihr die Experten dafür. Wenn ich heute meine Studenten anschaue, habe ich das Gefühl: Die Zeit ist eine andere. Das Christentum ist für viele etwas für diejenigen, die nicht so kirchlich sind – etwas aus grauer Vorzeit. Wir schicken ja keine Weihnachtsgrüße mehr, sondern Seasons Greetings. Kein Mensch weiß mehr, was überhaupt dahintersteckt.
Die Zeit, in der wir uns für den Glauben verteidigen mussten, ist vorbei. Stattdessen leben wir in einer Zeit, in der große Fragen, wie zum Beispiel die KI-Frage „Wer bin ich eigentlich als Mensch?“, nur auf Basis von Weltanschauungen beantwortet werden können. Die Leute hängen dir an den Lippen, wenn du sagst: „Hey, ich habe übrigens eine Weltanschauung, die nicht zu Chaos und Zerstörung führt, sondern zu Hoffnung.“ Dann sagen sie: „Erzähl mir mehr davon. Was denkst du, was der Mensch ist?“
Die mit Abstand am meisten besuchten Vorträge an unserem Institut sind diejenigen, in denen externe Gäste über Glaube und Wissenschaft, Glaube und KI, Hoffnung und KI, KI und Gott und ähnliche Themen sprechen. Da kommen gefühlt zwanzigmal mehr Leute als zu einem Fachvortrag über „Wie baue ich ein Worldmodel, um Roboter zu steuern?“, was auch ziemlich cool ist.
Zur Zeit von C. S. Lewis, als ich aufgewachsen bin, mussten wir argumentieren und uns verteidigen. Diese Zeit ist vorbei. Wir sind in einer neuen Zeit. Heute ist es eher so: „Ich habe keine Ahnung, was du glaubst, gibt es überhaupt so etwas wie Glauben? Aber du hast Hoffnung, erzähl mir mehr.“ Und ja, klar, du musst dann über deine Erfahrungen und darüber sprechen, wie das für dich real wurde.
C. S. Lewis hat nicht nur Bücher für fromme Leute mit frommer Sprache geschrieben. Er hat auch hochintellektuelle Abhandlungen verfasst, in denen das Wort Jesus nicht vorkommt. Aber das Mindset dahinter ist dasselbe. Man muss nur schauen, wem man was sagt. Aber wir können Hoffnung auf ganz unterschiedliche Weise verbreiten.

Zukunftsperspektiven und Aufruf zum Engagement

Ganz kurz: Wie könnte die Zukunft zum Beispiel aussehen? Ich habe kein Orakel im Kopf und kann es euch auch nicht sagen, obwohl ich mich mit dem Thema beschäftige. Aber die Zukunft ist gestaltbar. Sie ist nicht vorgeschrieben. Es ist nicht determiniert, dass die KI die Welt übernimmt oder irgendetwas anderes passiert. Die Zukunft ist formbar.
Ich habe mir kürzlich Zeit genommen, eine mögliche, wahrscheinliche Version aufzuschreiben. Wie die Dinge tatsächlich ausgehen, wird wahrscheinlich ganz anders sein. Aber diese Version ist möglich. Der wichtige Punkt ist, dass wir daran mitarbeiten können, dass es in die eine oder andere Richtung geht.
Wie könnte die Zukunft werden? Meine Annahme: In den nächsten zehn Jahren wird es keine allgemeine künstliche Intelligenz geben. Ich halte das für eine No-Brainer-Annahme. Die meisten Forscher sehen das ähnlich.
Zweitens: Wir werden KI-Produkte entwickeln, die nicht so ausbeuterisch sind und nicht nur darauf abzielen, dass wir ständig länger dranbleiben und süchtig werden. Stattdessen werden wir Produkte bauen, die pro-human sind, weil das am Ende die bessere Geschäftsidee ist.
Und wir werden – das ist jetzt die einzige technische Idee hier – KI deutlich effizienter machen, was Strom und Daten angeht. Auch das glaube ich, ist ein No-Brainer, dass das in den nächsten zehn Jahren passieren wird.
Was ist das mögliche Ergebnis davon? Erstens, dass es die Firma OpenAI mit ihren Produkten in drei Jahren nicht mehr geben wird, weil es die allgemeine künstliche Intelligenz (AGI), auf die sie alles abstellen, in den nächsten drei Jahren nicht geben wird. Dann stehen riesige Milliarden-Dollar-Datencenter herum, die keiner mehr braucht – zumindest nicht für das, wofür die Firmen sie ursprünglich gebaut haben.
Was passiert mit diesen Datencentern? Vielleicht werden sie von Staaten übernommen und der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt, um tatsächlich der lokalen Wirtschaft zu helfen. Vielleicht wird Open Source wichtiger. Vielleicht werden lokale Ökosysteme wieder wichtiger, anstatt dass alles entweder aus dem Silicon Valley oder dem östlichen Silicon Valley kommt.
Vielleicht hört die Aufmerksamkeitsökonomie auf, die uns seit Social Media mentale Kapazität und mentale Gesundheit kostet. Stattdessen setzen wir mehr auf eine Wirtschaft, die in Richtung Vertrauen geht.
Vielleicht wird unsere Personenhaftigkeit, unser Menschsein und unsere Technologie in der Zukunft nicht mehr so unterhöhlt wie aktuell durch Social-Media-Angebote und auch durch KI-Systeme, sondern gestärkt. Weil wir wieder erkennen, dass Menschen Wert und Würde haben und man das nicht für ein paar Dollar über Bord werfen sollte.
Wird das so kommen? Ich weiß es nicht, das liegt auch mit an euch. Aber es könnte so kommen. Es ist überhaupt nicht unplausibel – weder technisch, noch wirtschaftlich, noch politisch. Wir könnten das so machen.
Wer an diesen Gedanken mehr Interesse hat, findet über den QR-Code einen Blogpost, der das genauer darstellt.

Schlusswort: Hoffnung als Ressource und Einladung zum Engagement

Ich komme zum Schluss. Ich hatte euch gesagt, dass Hoffnung die knappste Ressource ist und dass eine Weltanschauung, die Christus im Zentrum hat, uns viel hoffnungsvoller in die Zukunft blicken lässt.
Das ist super, denn eine willkommene Nebenwirkung von KI ist, dass Weltanschauung wieder en vogue ist. Alle reden über Weltanschauung, weil niemand über etwas anderes redet. Hört mal Elon Musk zu, oder Max Tegmark, Noah Harari oder sonst jemand von den großen Denkern – sie alle beschäftigen sich nur noch mit Weltanschauung. Es gibt einfach nichts anderes, um die großen Fragen zu beantworten.
Das bedeutet, deine Weltanschauung zählt auch, vor allem wenn das Ergebnis besser ist. Deshalb nutze die gesellschaftlichen Fragen, die es momentan gibt, um über deine Weltanschauung – oder ein anderes Wort dafür, deinen Glauben – zu sprechen. Die Chance ist groß, dass das jemanden interessiert. Es ist nicht mehr so wie früher, wo du kämpfen und verteidigen musstest. Heute interessiert es die Menschen.
Zum Schluss bin ich durch die Ausstellung gelaufen und habe gedacht: Mindestens bei der Hälfte der Organisationen, die dort ausstellen, habe ich irgendeinen familiären Bezug. Meine Mama hat dort ihr soziales Jahr gemacht, mein Bruder ist mit ihnen auf den Einsatz gegangen, mein Papa hat das Ganze gegründet. Alles gute Sachen, macht das, wenn Gott euch ruft, oder?
Wenn ihr aber noch nicht so genau wisst, wohin er euch ruft, dann nehmt euch zu Herzen, was Lina vorhin gesagt hat, und schaut nach den offenen Türen.
Und hey, wo es ganz viele Leute mit einem Reich-Gottes-Mindset braucht, ist in der Technologie. Studiert Informatik! Nein, das ist nicht vorbei – Programmieren muss man noch können. Es braucht sehr gute Ingenieure in allen Bereichen. Geht in diese Bereiche hinein und baut Gottes Reich dort auf! Geht an die Stellen, wo diese Gesellschaft bewegt werden kann.
Die neuen Missionsländer sind nicht zwingend auf anderen Kontinenten. Ich glaube, der wesentlichste Bereich ist hier.
Damit bin ich fertig und habe nur ein bisschen Überzeugung.