Generierte Mitschrift
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Die Spannung zwischen Gewissheit und Rücksicht
Römer 14,14
Ich weiss und bin gewiss in dem Herrn Jesus, dass nichts an sich unrein ist. Nur für den, der es für unrein hält, ist es unrein.
Ich habe es am letzten Sonntag schon erwähnt, dass es in der Gemeinde in Rom ganz ähnlich wie in Korinth eine Spaltung gab bei der Stellung zum Essen des Fleisches. Ich werde nachher erklären, welche Probleme damit verbunden waren. Es gab in der Gemeinde Gruppenbildungen und Schwierigkeiten im Verständnis miteinander.
Wenn aber dein Bruder wegen deiner Speise angefochten wird, so handelst du schon nicht mehr nach der Liebe. Bringe nicht durch deine Speise den ins Verderben, für den Christus gestorben ist. Darum sieh zu, dass nicht das Gute, das ihr habt, in Verruf kommt.
Das Reich Gottes ist doch nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist. Wer Christus so dient, der ist gottwohlgefällig und bei den Menschen geachtet. Darum lasst uns dem nachstreben, was zum Friedendientum und zum Aufbau der Gemeinde dient.
Zerstört nicht um der Speise willen Gottes Werk. Es ist zwar alles rein, aber es ist nicht gut für den, der es mit schlechtem Gewissen isst. Es ist besser, du isst kein Fleisch und trinkst keinen Wein und tust nichts, woran sich dein Bruder stösst.
Den Glauben, den du hast, behalte für dich selbst vor Gott. Wohl dem, der sich kein Gewissen macht und tut, was er für recht hält. Wer aber dabei zweifelt und dennoch isst, der ist gerichtet, denn es kommt nicht aus dem Glauben. Was aber nicht aus dem Glauben kommt, das ist Sünde.
Gemeinde als sichtbare Gegenwart Christi
Wir aber, die wir stark sind, sollen das Unvermögen der Schwachen tragen und nicht für uns selber leben. Jeder von uns lebe so, dass er seinem Nächsten zum Guten und zur Erbauung dient. Denn auch Christus hat nicht für sich selber gelebt, sondern wie geschrieben steht: Die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.
Denn was einst geschrieben wurde, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift die Hoffnung festhalten. Es tut mir immer leid, wenn ich solche Texte verlese. Die sind so gefüllt, man wollte immer wieder innehalten und jetzt eine Bibelarbeit machen. Aber darum bin ich ja so froh, dass sie selbst mitlesen.
Wie hält man die Hoffnung fest? Ganz besonders wichtig für die, die die Hoffnung fahren lassen: Durch Geduld und den Trost der Schrift sind die zwei Säulen, auf denen Hoffnung allein ruht.
Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, nach dem Vorbild Christi Jesu, damit ihr einmütig mit einem Mund Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus, lobt. Darum nehmt einander an, wie uns Christus angenommen hat, zu Gottes Lob.
Denn ich sage: Christus ist ein Diener der Juden geworden, um der Wahrhaftigkeit Gottes willen, weil Gott die Juden nicht aufgibt. Er bleibt treu, um die Verheißungen zu bestätigen, die den Vätern gegeben waren. Die Heiden aber sollen Gott loben um der Barmherzigkeit willen, die an unser Reich widerfahren ist.
Wie geschrieben steht: Darum will ich loben unter den Heiden und deinem Namen singen. Und weiter heißt es: Freut euch, ihr Heiden, mit seinem Volk. Und weiter: Lobt den Herrn, alle Heiden, und preist ihn, alle Völker. Und auch Jesaja sagt: Es wird kommen der Spross aus der Wurzel Isais, der aufstehen wird, um über die Heiden zu herrschen; auf den werden die Heiden hoffen.
Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, damit ihr an Hoffnung immer reicher werdet durch die Kraft des Heiligen Geistes. Herr, mach uns auch da ganz reich! Amen!
Advent als Zeit der Sammlung und Erwartung
In diesen Weihnachtstagen, in diesen Vorweihnachtstagen, tauchen ja auch jetzt wieder so viele Ersatzfiguren auf, die für manche Leute dazugehören. Wenn einer ziemlich verweltlicht ist, dann macht er es wie die im Osten: Dann hält er sich ans Väterchen Frost oder an andere weihnächtliche Gestalten. Die ehrwürdigen Nikoläuse, die sind schon bei manchen fast außer Betrieb. Und man sieht schon, wie die Meißelmännchen, die Tannenzweige in der Hand haben, oder selbst die Figuren von Donald Duck und Goofi und Asterix sich weihnächtlich schmücken und drapieren.
Da ist es immer wieder schön, wenn man auch ein Lächeln hat, wenn man sagt: Die Leute suchen und wollen mitfeiern, und wir wollten sie gerne weiterführen dorthin, wo die Weihnachtsfreude einkehrt. Wir wollten Ihnen immer wieder erzählen, dass für uns nur eine Gestalt wichtig ist in diesen Tagen vor Weihnachten: Jesus, der König, will Einzug halten. Er, der diese Welt in Händen hat, der kommende Richter dieser Welt, der kommt heute. Und dann dienen diese Tage des Advents dazu, dass wir uns vorbereiten und rüsten auf sein Kommen.
Und da hat ja Jesus selbst viel davon gesagt. Er hat seine Jünger gewarnt, sie sollten nicht schläfrig sein, sie sollten ihre Lampen bereit haben, damit es nicht unvorbereitet geschieht. Es braucht in diesen Tagen einfach auch Zeit und Stille bei uns, damit wir viel erfassen und begreifen vom Kommen Jesu. Wir wollen eine Gemeinde sein, die bereit ist und ihn erwartet.
Man kann ja traurig sein, wenn man heute die Christenheit ansieht und sagt: Es sieht gar nicht so aus, dass sie hier wartet wie eine Schar auf das Kommen Jesu, mit allen Erwartungen darauf ausgerichtet: Komm bald, Herr Jesu. Da sind alle anderen Fragen und Probleme, die da diskutiert werden, oft sieht das aus wie ein verlorener und zerstrittener Haufe. Und darum ist es auch gut, wenn wir in diesen Adventssonntagen nicht die Welt richten. Auch nicht dauernd wieder all das Adventsgetümmel um uns her attackieren und kritisieren, sondern wenn wir sagen: etwas von der Hoffnung, die wir haben, gerade in diesen Tagen.
Denn ich meine, dass nicht nur unter vielen jungen Menschen die große Resignation spürbar wird, dass man die Schrecken der Weltgeschichte und das Unheil nicht aufhalten kann. Wir Christen müssen jetzt den Mund aufmachen und sagen: Wir haben eine tolle Zukunft. Wir gehen fröhlich unseren Weg, weil Jesus vor uns steht, der Herr der Welt. Der hat sie in Händen, auch diese grausame Weltgeschichte mit ihrem Leid und mit ihrem Blut. Er wird am Ende dieser Zeit stehen und Recht schaffen.
Es geht also heute darum, wie wir uns als Christengemeinde zurüsten und wie wir uns vorbereiten können, dass wir ihm entgegengehen.
Der Auftrag zur dienenden Gemeinde
Das Erste, was ich aus diesem Abschnitt hervorheben will, ist, dass wir eine dienende Gemeinde sein sollen.
Nun sitzen viele unter uns, denen das gar nicht viel bedeutet, wenn ich sage, wir sind Gemeinde. Sie betrachten ihren christlichen Glauben als eine ganz persönliche, private Sache, die sie mit ihrem Herrn haben. Und auch wenn sie heute Morgen in diese Kirche gegangen sind, sagen sie: Was geht mich der neben mir an? Was gehen mich die anderen Menschen an?
Da muss ich ihnen sagen, dass sie ein ganz großes Geheimnis Gottes noch nie entdeckt haben: Gemeinde, Christen hier in dieser Welt, sind der Leib Christi, ein Stück sichtbare Gegenwart Jesu. Haben sie es wirklich noch nie entdeckt, wenn sie einmal einen Bruder oder eine Schwester im Glauben gefunden haben, mit der sie beten konnten, die sie im Glauben aufgerichtet hat, die sie ermutigt hat in einem Augenblick, in dem bei ihnen alle Glaubenskraft verflogen war?
Das ist so viel, dass wir uns heute Morgen treffen. Das ist nicht bloß ein Versammlungs- und Vereinsproblem, sondern dieses Stärken und Ermutigen ist wichtig.
Nun hat das auch in der Urchristenheit leider nicht so geklappt, wie es eigentlich sein müsste. Wir sollten diese Urchristengemeinde wirklich nicht verklären, dann machen wir es uns nur selbst schwer. Diese Christengemeinde damals zur Zeit des Paulus hatte auch ihre Nöte, aber die kommen bei uns wieder verstärkt hoch. Und wir sollten jetzt die Missstände sehen.
Damals gab es eine Spaltung in der Gemeinde, nicht an den großen Aussagen des Glaubens. Das muss man wissen. Wenn wir in den Grundlagen unseres Glaubens nicht mehr eins sind, dann sind wir auch keine Gemeinde mehr. Wenn wir uns nicht mehr klar sind, dass das Wort Gottes wahr ist und der Grund unseres Glaubens, dann haben wir unsere Basis verloren. Wenn wir nicht mehr miteinander Jesus, den Sohn Gottes, rühmen können, der auferstanden ist, dann haben wir keine Basis mehr.
Das war damals in der Gemeinde nicht umstritten. Und es soll auch ganz deutlich sein, dass wir das heute nicht übertragen und sagen: Es gibt eben in der Gemeinde, in der evangelischen Kirche, Gruppen, die das leugnen, und andere, die das anerkennen, wir wollen uns alle gegenseitig achten. Das meint Paulus nicht. Er geht ja davon aus, dass wir mit einem Munde Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus, loben, gerade den Gott, der Jesus, seinen Sohn, gesandt hat. Hier ist allein die Einheit der Christenheit möglich.
Rücksicht im Alltag des Glaubens
Auf dieser Basis gab es an den ganzen Äußerlichkeiten Spannungen, und die spielen auch unter Christen eine Rolle. Damals war das ein schwieriges Problem, wenn man sein Essen zubereitet hat. Alles Fleisch, das gekauft wurde, kam aus den Götzentempeln. Das waren damals grausame Orgien, die dort gefeiert wurden. Es wurden die ganzen Dämonen angerufen über diesen Opfertieren, und das hat diese jungen Christen natürlich im Glauben belastet.
Wenn sie da sahen, dass dieses Fleisch nur Stunden vorher oben im Tempel diesen dunklen Mächten der Hölle geweiht worden war, und wir sollen das jetzt essen, haben wir da nicht teil an diesen okkulten Belastungen, die über diesen Opfertieren liegen? So sieghaft, wie Jesus von allen dunklen Gefangenschaften freimacht, und wenn er sagt: Jesus ist dein Herr, dann kannst du auch dieses Opferfleisch essen. Es macht gar nichts aus, es sei denn, du glaubst selber noch an diese Macht dieser Dämonen.
Da macht er einen Unterschied, und er sagt: Es gibt Schwache im Glauben, die haben einfach noch nicht den Durchblick und können den Sieg Jesu in seiner Weite noch gar nicht denken. Und wenn die dann am Essen teilnehmen, dann belastet das innerlich, und sie werden gefangen. Sie sagen: Ich habe das doch jetzt in mir, und ich bin doch jetzt in Kontakt gekommen mit diesen dunklen Mächten.
Das gab damals in der Gemeinde sehr viele Schwierigkeiten. Wir haben das heute nicht mehr, weil wir Metzger haben. Das Problem beim Fleisch ist einigermaßen gelöst, aber es gibt andere Punkte in unserem Glauben, die Schwierigkeiten machen. Wir kennen das noch aus den Missionsgebieten, wie die erste Generation schon Schwierigkeiten hat. Und die jung bekehrten Afrikaner, die haben sich dann gerne einen europäischen Namen nennen lassen damals bei der Taufe, weil sie sagten: Wir wollen gar nicht mehr diese belasteten Namen haben mit unserer alten Geschichte, wir wollen das Alte weglegen.
Bei uns gibt es immer wieder solche ethischen Fragen: Wie weit kann ein Christ im Glauben gehen, muss er nicht Zurückhaltung üben? Ich will jetzt gar keine praktischen Themen hier anschneiden, sondern das, was Paulus als die Richtschnur hier aufstellt, das ist wichtig. In gar keinem Fall darf ein anderer belastet werden, das ist Nummer eins. Darum war es für uns gar keine Diskussion vor einigen Jahren, dass wir das Abendmahl umgestellt haben auf alkoholfreien Saft. Selbstverständlich, dass wir Rücksicht nehmen auf irgendjemanden, der gefährdet werden könnte. Und doch auch nicht in dem Sinn, dass wir sagen: Wir haben Mitleid mit dir, du bist noch ein wenig schwächer.
Wir wissen ja aus unserem Leben selbst, dass das nicht leicht zu nehmen ist. Es gibt leider auch im Leben der Gläubigen sehr große Versuchungen, die uns gefährlich werden, und Sie wissen genau, wo der Punkt bei Ihnen kommt. Und dann ist es besser, man enthält sich.
Liebe, Gewissen und der Aufbau der Gemeinde
Aber nun stellt Paulus die Regel auf, dass man Rücksicht übt, auch untereinander, auf den, der zu Fall kommen kann. „Du musst nach der Liebe handeln“, sagt er im Vers 15, „und die Liebe sucht den anderen; er darf nicht zu Fall kommen. Seht zu, dass nicht das Gute, das ihr habt, in Verruf kommt.“
Jetzt möchte ich Sie bitten, dass Sie Ihr Glaubensleben nicht immer nur um Ihre eigene Person kreisen lassen, sondern heute einmal die dringende Bitte hören. Sie werden hier in der Gemeinde, in diesem Gottesdienst, viele Menschen treffen, die ganz vereinsamt sind. Und die nicht bloß von Ihnen Rücksicht erwarten, sondern von Ihnen auch den Zuspruch erwarten, den Sie ihnen sagen. Wir praktizieren das dann beim Abendmahl, dass einer dem anderen ein Wort sagt. Aber das soll ja nicht bloß da im Gottesdienst beim Abendmahlfeiern verwurzelt sein. Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, dass jemand, der auch drunten an der Straßenbahnhaltestelle steht und die gleiche Bahn nimmt wie Sie, vielleicht darauf wartet, dass Sie mit ihm beten? Und dass Sie hören, was ihn an Not bedrückt und warum er so angsterfüllt in die nächste Woche blickt? Dass da andere sind, die sie in Liebe stärken dürfen und müssen. Und wenn sie es tun, werden sie eine Erfahrung machen, die sie vorher gar nicht kannten: wie das ist, wenn man in der Gemeinde Jesu einen anderen aufrichtet und ermutigt.
Da gibt Paulus eine Beschreibung, wozu wir uns hier im Gottesdienst sammeln. Und er sagt, es geht da nicht um Essen und Trinken. Und nicht darum, dass die Versammlung auch voll ist oder dass man sagt, da läuft allerhand in der Gemeinde, eine interessante Gemeinde. Sondern dass das Reich Gottes anbrechen kann, die Herrschaft Gottes aufgerichtet wird. Das wird gefährdet, wenn wir das nicht ausleben in der Praxis, dann miteinander nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit. Darin steht das Reich Gottes.
Ich würde einen Luftsprung machen, wenn ich wüsste, heute sitzt einer jetzt im Gottesdienst. Er ist vielleicht aus Gewohnheit hingetrottet, aber er bringt heute sein Leben mit Gott in Ordnung. Er bringt unrechte Sachen mit Gott in Ordnung und mit den Menschen. Gerechtigkeit ist das Reich Gottes, und wir können nicht Adventsverheißungen sagen und das Kommen Jesu feiern, wenn wir selbst ungerecht leben. Wenn einer dann die Vergebung Gottes erfährt, die alte Schuld zudeckt. Darin steht das Reich Gottes, darin steht unser Gemeindeleben, dass wir einander helfen, an diesem Stück seelsorgerlich einander dienen.
Und dann kommt das Wort Frieden. Paulus zog ja in dieses Römerreich ein und wusste, dass dieser Frieden, der damals das ganze römische Imperium durchzogen hat, kein echter Friede war. Und ich möchte Sie bitten, dass Sie in diesen Tagen mit vielen Menschen, die resigniert sind, sprechen und ihnen sagen: Das, wofür Sie in den letzten Wochen gestritten haben, war nicht der Friede. Auch wenn alle Waffen schweigen, ist der Friede noch nicht in unserer Welt da. Und umgekehrt: Man kann den Frieden Gottes empfinden, selbst im rasenden Getümmel, selbst im Geschrei der Menschen, selbst wenn alle gegen uns schreien und uns angreifen. Kann man den Frieden Gottes haben, so wie ihn Paulus gelebt hat, in der Anfeindung der Menschen, in der Verfolgung und die Freude im Heiligen Geist.
Trost, Freude und die Kraft des Geistes
Ja, da ist es gut, dass es dazusetzt. Das ist die Macht des Geistes Gottes, der uns fröhlich sein lässt.
Ich war in den letzten Tagen viel an Krankenbetten gestanden. Das ist vielleicht noch schöner als der Predigtdienst in unserem Amt. Und wenn man dann in die Krankenhäuser geht, ist es sehr schwer. Es wird ja jeder darüber nachdenken: Das ist mein Sterben, das dadurch litten wird.
Und die Hilflosigkeit unserer Zeit zeigt sich ja daran, dass man über Sterben nicht mehr redet und dass das ausgeklammert ist aus dem Denken. Und dann treten wir an diese Krankenbetten. Da hat mir eine Frau, die von heute auf morgen auf ein Krankenlager geworfen wurde und nächste Woche operiert wird, so fröhlich zugesprochen: Das ist doch alles Gnade Gottes. Dann haben wir mit über Gottesworte geredet. Gottesworte, die unser ganzes Leben umgreifen, auch dann, wenn Gott uns dunkle Wege führt.
Freude im Heiligen Geist, ich verstehe das nicht, wie man da fröhlich sein kann. Jesus, meine Freude, das ist das, was dann durchbricht. Paulus will, dass wir einander dienen. Es ist besser, du verzichtest auf das Essen des Fleisches, es ist besser, du trinkst keinen Wein, natürlich. Aber dein ganzes Bemühen soll doch sein: Wie kann ich einen anderen stärken und ermutigen?
Wir sollten uns alle wieder vornehmen: Was nicht aus dem Glauben kommt, ist Sünde. Was ich nicht im Gehorsam Gottes heute lebe, das hat auch für mich keinen Wert. Es trennt mich nur von Gott, belastet mich und stört mein Glaubensleben.
Einmütigkeit statt bloßer Organisation
Das war das Erste: Wir sollen eine dienende Gemeinde sein und Rücksicht auf die Schwachen nehmen. Und wir sollen eine einmütige Gemeinde sein.
Heute spielt das eine große Rolle. Wie stehst du zur Ökumene?, fragen mich viele. Ich möchte das frei sagen, ohne irgendwelche Ausflüchte. Ich halte nicht viel von allen Organisationsversuchen. Wir leben in einer Welt, in der wir gespalten sind, in vielen Meinungen und Überzeugungen. Und das wird jeder selbst in einer Kirchengemeinde entdecken, Gott sei Dank nicht bei uns. Ich sehe viel Einmütigkeit und Zusammenstehen. Aber wir sehen das in vielen Gemeinden, wie man sich bis in einen Kirchengemeinderat hinein in Gruppen und Richtungen verstreitet.
Darum ist nicht die Organisation unsere Rettung, auch nicht eine Einheitskirche, sondern die Einmütigkeit im Lobe Gottes. Und das ist hier beschrieben: dass wir einmütig, einträchtig untereinander gesinnt sind, in 1. Korinther 15,5, dass ihr einträchtig gesinnt seid nach dem Vorbild Christi Jesu, damit ihr einmütig mit einem Munde Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus, lobt.
Darum ist auch vieles, was in diesen Tagen von der Einheit der Christen geredet wird, eine Forderung, die letztlich nur verbittern muss. Denn das hört man, da kann man ja dazu sagen, aber es wird nie etwas daraus werden. Aber auf der anderen Seite geschieht das ja dort, wo sich wirklich glaubende Christen sammeln. Und das soll sich doch auch in diesen Tagen ereignen, dass Menschen sich treffen können.
Ich will das auch einmal sagen: Ich freue mich, dass unter uns eine ganze Anzahl Katholiken sind oder andere Bekenntnisse. Da hat noch nie einer danach gefragt. Sondern wir haben alle eingeladen, einmütig und einträchtig Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus, zu loben. Da wollen wir keine Abstriche machen: dass Gott der Vater Jesu Christi ist, unser Erlöser und Heiland, dass er wirklich auferstanden ist. Ihn wollen wir loben, ihn wollen wir preisen.
Wir haben die Einheit im Loben und im Glauben. Und mir tut das heute sehr leid, dass wir so viele äußere Vereinigungsversuche haben und so wenig innere Einheit. Das tut in unserer evangelischen Christenheit not, dass wir wieder eins sind in Jesus, dem Gottessohn. Da wollen wir uns sammeln, dass wir eins sind im Wort der Bibel, dass wir nichts daran wegstreichen, sondern uns auf diesem Wort gründen und dabei bleiben, einträchtig gesinnt sein nach dem Vorbild Jesu.
Paulus macht das immer so schön, dass er es nicht als eine Forderung uns auferlegt, wie eine Last, unter der man zusammenbricht, sondern dass er es sagt: Es ist doch so, wie es Jesus euch gezeigt hat, wie ihr selbst in eurem Leben erfahren habt, einträchtig gesinnt sein, einmütig wie Jesus. Wir hatten es neulich in der Predigt, dass man bei dieser Gesinnung immer an Philipper 2 denken muss, an: Jeder sei gesinnt wie Jesus, in dieser Demutshaltung. Dass jeder meint: Ich bin der Kleinste, wenn ich nur anderen zurechthelfen darf. Es gibt so viel versteckten Hochmut und falschen Stolz. Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat.
Darum bin ich so gern in der Arbeit der Evangelischen Allianz, wo man sagt: Auf dieser Basis wollen wir uns sammeln. Wiedergeborene Menschen, die die erneuernde Kraft Jesu erfahren haben, sollen sich begegnen über die Grenzen ihrer Kirchenorganisation hinweg und einander dienen. So wie wir auch die missionarischen und evangelistischen Vorstöße in unserer Stadt machen wollen, so sollen wir einander zurechthelfen, wie Christus uns zurechtgeholfen hat, mit dieser Geduld und mit dieser Liebe. Aber das soll auch untereinander jetzt geschehen.
Geduld im Miteinander und Hoffnung für die Zukunft
Man beobachtet heute viel evangelistischen und missionarischen Eifer unter den Christen, die das Evangelium auch weitertragen wollen zu den Menschen draußen. Und ich denke manchmal, ob da nicht ein Stückchen Geduld fehlt. Manche meinen, das müsste im Ruckzuck- oder Hauruckverfahren laufen.
Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat. Jesus hat eine Riesengeduld mit uns gehabt, wie er uns nachgelaufen ist. Und werden Sie jetzt nicht müde, wenn Sie auch in diesen Adventstagen Menschen nachgehen, sie aufsuchen und ihnen ein Stück der Adventsfreude und der Adventshoffnung vermitteln wollen: Geduld und Liebe, so wie Jesus sie uns gezeigt hat.
Allein in dieser Einheit ruht die Gemeinde. Das schließt uns zusammen. Da kann man warten, beten, Geduld haben, auch mit jungen Konfirmanden. Und wissen Sie: Sie brauchen unsere Liebe. Wir, die wir stark sind, sollen die schwache Gebrechlichkeit tragen, damit wir auch die Fallenden immer wieder aufheben.
Wenn wir missionarische Gemeinde sind, wollen wir eine seelsorgerliche Gemeinde sein, wo man Zeit füreinander hat. Ja, das gehört zu unserem Dienst. Und das dürfen Sie bei mir in Anspruch nehmen, und wir beieinander in Anspruch nehmen, dass wir Zeit füreinander haben, einander beistehen und miteinander tragen. Und wenn das fehlt, dann ist auch die Leuchtkraft der Gemeinde Gottes in dieser Welt verdunkelt.
Noch das Letzte: eine hoffende Gemeinde. Wir haben von der dienenden Gemeinde, von der einmütigen Gemeinde gesprochen, nun von einer hoffenden Gemeinde. In diesen Tagen ist mir das ganz wichtig, wo so viele Menschen resignieren und hoffnungslos sind.
Das ist gar nicht anders zu erwarten gewesen. Wer in dieser Welt, die dem Gericht Gottes entgegengeht, große idealistische Träume hat, der wird nach einiger Zeit bitter enttäuscht werden. Und er merkt: Die Welt bleibt in ihrer ganzen Art so, wie sie war, seit ihrem Fall, seit ihrer Loslösung von Gott.
Aber wir Christen leben mit Freuden in dieser Welt, sagen Ja dazu und nehmen auch die Gabe unseres irdischen Lebens an. Denn der Horizont ist aufgerissen, und wir sehen hindurch über das Sterben hinweg in die Ewigkeit Gottes hinein.
Die Hoffnung weitergeben
Und nun reden sie offen von der Hoffnung. Manche haben immer noch so eine Scheu und meinen, das sei eine Vertröstung. Nein, wir wissen doch nicht, wann Gott uns heimruft.
Ich bin erstaunt, je mehr wir auch von unseren Kranken reden, dass dann ganz schüchtern wieder einige kommen und sagen: Wussten Sie schon, der liegt im Krankenhaus und dem geht es so schlecht. Warum sagen Sie es denn nicht? Denn da ist doch die Bewährung, dass wir es dann dort sagen: Jetzt geht es auf dieses grosse Ziel zu.
Ich möchte Sie dabei behaften, dass Sie mit Ihrem Arzt darüber reden können und sagen: Herr Doktor, wenn es bei mir so weit ist, dann sagen Sie mir, ich weiss, wohin ich gehe, und ich weiss, was kommt. Ich darf Jesus in seine neue Welt entgegengehen.
Das wäre heute wieder ein Zeugnis in unseren Krankenhäusern, dass wir darüber reden. Und es ist so gross, wenn wir es dann an den Krankenbetten und Sterbebetten der Glaubenden feiern dürfen: das Abendmahl, der Zuspruch, die Segnung. Plötzlich ist es, dass diese Mauern des Todes aufgerissen werden und wir hindurchblicken.
Paulus nimmt noch ein anderes Beispiel hier und erwähnt das und sagt, wir haben, dass er lebt, wie Gott an uns handelt, an der Bekehrung der Heiden. Das war für ihn als Jude das Grösste, dass Gott die Verheissungen erfüllt. Darum zitiert er diese drei Schriftworte aus dem Alten Testament und sagt: Da hat Gott seine Barmherzigkeit schon ausstrahlen lassen.
Für ihn war das ganz bewegend. Zuerst, als er für ihn ja auch unerwartet dieses Gesicht sah: Komm nach Mazedonien hinüber und hilf uns. Als er erlebt, dass drüben in Philippi Menschen in Europa zum Glauben an Jesus kommen. Selbst der neue Kontinent hat sich geöffnet.
Und mich beeindruckt das immer wieder, wenn ich von der Mission höre, wie das heute in fernen Völkern geschieht, dass Jesus kommt, wirklich er kommt, da bei den Papuas, bei den Steinzeitmenschen, bei den Indianern in Südamerika oder wo das ist, in den Slums von Afrika, den Grossstädten. Überall geschieht das anbrechende Gottesreich. Und das ist eine Bestätigung und eine Ermutigung. Für Paulus war das eine Ermutigung, dass wir noch mehr hoffen, noch mehr erwarten.
Für uns hat das Wort hoffen immer nur dieses so ein wenig verlegene Ja: Man darf die Hoffnung nicht aufgeben. Nein, in der Bibel ist das das gefüllte Warten auf das Einlösen der Verheissungen Gottes. Die wird er bestätigen. Der Messias Christus Jesus kommt. Darum ist in Vers 6 das auch vorangesetzt: der Messias Jesus. Er wird die Verheissungen des alten Bundes erfüllen, er wird kommen und wird herrschen.
Wir wissen, dass diese Welt eine Zukunft hat, für die, die in Jesus sind. Dabei möchte ich sein. Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass wir eine Gemeinde sind, beim Kommen Jesu im Advent mit aller Freude und mit allem Frieden erfüllt, damit ihr an Hoffnung immer reicher werde durch die Kraft des Heiligen Geistes.
Jetzt geht zu den Verzweifelten, geht zu den Mutlosen, sagt es ihnen, bringt es ihnen und zeigt es ihnen, was das bedeutet. Wenn jeder von uns heute zwei oder drei noch aufsucht, was könnte das eine Bewegung werden in der Stadt. Wenn uns der Gott der Hoffnung erfüllt mit Freude und Frieden im Heiligen Geist, dass wir getrieben vom Heiligen Geist das weitergeben können in unsere resignierte und hoffnungslose Welt hinein.
Amen!

