
Ein Blick auf das, was uns heute begleitet
Ich habe an meinem Handgelenk eine Sache, die mittlerweile mehrere haben: eine sogenannte Smartwatch oder etwas Ähnliches wie eine Sportuhr. Die ist ja, jemand lacht, der hat nämlich genau die gleiche. Ja, das ist mittlerweile eine sehr interessante Angelegenheit, weil man seine Vitalwerte ziemlich genau ausgewertet bekommt.
Ich kann wahrscheinlich über die letzten Monate ziemlich genau nachschauen, wo meine Herzfrequenz unterwegs war. Mittlerweile sogar, wie meine Herzfrequenzvariabilität war. Ich kann sagen, wie gut ich geschlafen habe, sofern es gut gemessen hat, und das beim Sport auch. Jede Krankenkasse wäre glücklich, diese Daten zur Verfügung zu haben. Das macht man natürlich bei mir, weil ich sowieso so ein bisschen Computernerd bin und das ganz toll finde, so viele Daten zu haben. Aber auch, weil das im Sport und im Training natürlich eine hilfreiche Sache ist.
Jetzt geht es hier nur um meine Vitalwerte. Aber stell dir vor, so eine Uhr würde dein Gedankenprotokoll aufzeichnen, also aufzeichnen, was du denkst. Stell dir weiter vor, das wäre in den letzten 48 Stunden passiert, und jemand würde Zugriff darauf bekommen und sagen: Wir lassen das hier vorne jetzt mal am Beamer ablaufen.
Ich denke, bei den meisten reichen schon die letzten 48 Stunden, damit wir die Füße in die Hand nehmen würden und wegrennen würden, wenn das hier vorne aufgetragen und aufgezeichnet würde. Wir würden rennen. Und jemand, der Zugriff auf dieses Protokoll hätte, hätte eine gigantische und gewaltige Macht über mein Leben.
Warum? Wenn er mir droht, das zu veröffentlichen, würde ich wahrscheinlich richtig viele Sachen für ihn tun, um zu verhindern, dass diese Dinge an die Öffentlichkeit kommen. Ich bin recht überzeugt: Jeder, der sich das ernsthaft durch den Kopf gehen lässt, spürt, dass er ein Problem hat, wenn so ein Protokoll existiert.
Es reichen wahrscheinlich schon die ganzen Neidmomente, vielleicht die Schadenfreude, die ungeschickten Motive, die du irgendwo hattest, und du möchtest nicht mehr, dass so etwas veröffentlicht würde. Keiner, glaube ich, hätte da die Gelassenheit zu sagen: Ja, lass mal durchgucken.
Rückblick auf Schuld und die Frage nach dem Ursprung des Bösen
Vor eineinhalb oder zwei Wochen habe ich über 1. Mose 3 gepredigt und über den Sündenfall. Daran will ich heute anknüpfen und noch einmal kurz zurückblicken. Ich lese die Stelle nicht noch einmal, aber ich glaube, die meisten kennen diese biblische Erzählung darüber, wie die Schlange Adam und Eva verführt. Und ich glaube, allgemein ist klar, dass Christen dahinter den Teufel verstehen. Dadurch geraten sie in einen großen Konflikt mit Gott, weil Schuld zwischen ihnen und Gott steht.
Wir haben uns vor zwei Wochen angeschaut, dass wir wirklich schuldig sind. Und wie so ein Gedankenprotokoll vielleicht an der einen oder anderen Stelle von außen verursacht ist, reicht doch schon das, was aus mir innerlich herauskommt, damit ich schuldig genug bin. Die letzten 48 Stunden sind wahrscheinlich schon genug, um zu zeigen, dass ich ein Schuldproblem habe.
Eine andere Sache haben wir aber nicht so intensiv angeschaut, nämlich die Quelle des Bösen und wo sie ursprünglich herkommt. Wer Adam und Eva hier zuerst in Versuchung führt, darüber sagt uns die Bibel ganz klar, dass es der Teufel ist.
Warum die biblische Rede vom Teufel nicht einfach altmodisch ist
Und jetzt stehen wir heute hier vor einem Problem, weil ich als aufgeklärter, moderner, rational denkender Mensch doch nicht an solche Dinge wie den Teufel, Dämonen und Ähnliches glauben kann, denkt man, meint man.
Wer mir jetzt zuhört und vielleicht mit diesem Denken kommt, wird ein bisschen den Kopf schütteln. Sind wir nicht längst aus dem Mittelalter raus, dass wir an so etwas glauben?
Und ja, vielleicht bin ich selbst manchmal auch irritiert. Aber zwei Gedanken nur:
Wer über die großen Verbrechen der Menschheit nachdenkt, ob das Nationalsozialismus, Stalinismus oder Co. ist, spürt, ob er will oder nicht, etwas von dieser Dämonie, die weit über eine einzelne Sünde hinausreicht. Solche Systeme, die ganze Völker und Nationen hinuntergerissen haben, dazu gebracht haben, so etwas mitzumachen, sind schwerlich rational zu erklären.
Wer mitbekommen hat, was letzten Sonntag in Hohenstadt für Verbrechen geschehen ist, und wahrscheinlich auch in Schwabach angekommen ist, wo jemand aus tiefer Verzweiflung ähnlichen Dingen seine ganze Familie ausgelöscht hat, spürt etwas von der Dämonie, die Menschen dazu treiben kann, solche Dinge zu tun. Das ist nicht mehr rational erklärbar.
Wir spüren alle, egal wie aufgeklärt wir sind, dass Mächte am Wirken sind, die das Böse in dieser Welt befördern, hervorbringen und stärken. Und ja, wir haben vor zwei Wochen gesehen, dass sie nur an innere Dinge bei uns anknüpfen müssen, um das hervorzubringen.
Und die Antwort der Bibel ist, dass es eben den Teufel wirklich gibt. Nehmen wir das mal für gegeben hin.
Die Strategie des Anklägers
Das Spannende ist: Was will der Teufel eigentlich erreichen, und was hat er im Garten Eden erreicht? Er wollte Trennung zwischen den Menschen und Gott bringen. Er wird die Menschen immer weiter in solche Abwärtsspiralen hineinreißen, sodass immer mehr Sünde und Schaden geschieht. Und er tut das, indem er sie zuerst belügt. Ich bin immer noch im Rückblick, und er macht ihnen weis, dass diese eine Sache, wenn sie sie doch tun, in dem Fall nur eine Frucht oder ein Obst essen, aber in unserem Fall vielleicht andere Dinge wie sich der netten Frau hingeben oder dem schlechten Gedanken oder mal ein bisschen lügen oder Ähnliches, wo er ihnen weismacht: Wenn du dir das gönnst, dann geht es dir besser. Aber in dem Moment, wo es zugeschlagen hat, bist du in seiner Falle. Und er nutzt das Ganze, um Menschen von Gott zu trennen.
Ich versuche, das zu erklären, indem ich auf einen Filmbezug oder einen Roman nehme. Ich hatte so Ende meiner Jugendphase eine John-Grisham-Phase. Vielleicht hat der ein oder andere auch eine gehabt, der gerne Romane liest. Und da gibt es einen Roman, der heißt Die Firma. Der ist auch verfilmt, mit Tom Cruise und Gene Hackman in den Hauptrollen, aber schon 1993, also ein älteres Ding.
Dabei gibt es einen jungen, aufstrebenden Anwalt, der eine Superstelle in einer Riesenkanzlei bekommt, mit einem tollen Gehalt und vielen super Sachen. Das Problem ist: Diese Kanzlei ist in Wirklichkeit nur dazu da, um die Gelder der Freunde aus Chicago, der Mafia, zu waschen und zu sabotieren. Und da jeder, der dort mitarbeitet, das wahrscheinlich irgendwann merken wird, verfolgt diese Kanzlei einen perfiden Plan. Sie versucht nämlich, jeden irgendwo selbst schuldig zu machen, um ihn in der Hand zu haben.
Bei dem jungen Anwalt tun sie das auf folgendem Weg: Er hat eine Geschäftsreise auf die Cayman Islands, ein Steuerparadies zu der damaligen Zeit. Deswegen hat die Firma da wirklich geschäftlich zu tun. Aber er schnappt dort in die sogenannte Venusfalle. Sie arrangieren eine Prostituierte, von der er nichts weiß, die ihn am Strand verführt. Er dachte wahrscheinlich, er wäre der tolle Hecht, war er wahrscheinlich gar nicht, und er begeht Ehebruch. Die Kanzlei macht davon heimlich Fotos.
In dem Moment, wo sie merken, dass er auf einmal Zweifel kriegt an dem, was die Kanzlei tut, werden ihm diese Fotos vorgelegt und ihm gedroht. Wenn er offenlegt, was die Kanzlei tut, dann legen sie bei seiner Frau den Ehebruch offen. Was hat diese Kanzlei getan? Ja, sie tun Böses, aber sie wollen andere mit ins Böse hineinreißen. Sie verführen ihn in dem Fall zur Sünde, zum Bösen, um ihn in der Hand zu haben, gegen seine Frau, um ein Druckmittel zu haben.
Wie das Kreuz das Druckmittel des Bösen entzieht
So, und jetzt kommt etwas Spannendes. Ich werde gleich erklären, woher ich das nehme.
Der Teufel tut genau das mit dir und mir. Dieser junge Anwalt hat wirklich Böses getan und gesündigt, er hat Ehebruch begangen. Aber die Kanzlei ist hergegangen und hat das als Druckmittel verwendet. Und genau das tut der Teufel: Er verführt uns zum Bösen und führt gleichzeitig eine Akte über unsere Schuld.
Ich stelle die mal hier hin, das ist jetzt meine. Ihr braucht nachher nicht hineinzuschauen, das sind andere Unterlagen. Aber er führt diese Akte, und er geht immer weiter her und versucht, immer mehr hineinzupacken. Und ja, wir tun wirklich Böses, werden wieder zu einer Sünde verführt, und er ist glücklich, weil er wieder etwas abheften kann. Das Ding wird dicker und dicker.
Und er macht damit eine Sache: Er geht damit zu Gott und sagt: Schau mal her, der Sebastian, weißt du was, du bist ein heiliger, gerechter Gott. Da ist deine Gesetzesliste, geh mal durch: schuldig, schuldig, schuldig, schuldig. Das sind deine Gebote, Gott, die hast du dir gedacht, die sind doch gut für uns Menschen. Boah, der versagt. Weißt du was, Gott, wenn du wirklich heilig und gerecht bist, hast du nur eine Chance: Vernichte den, verurteile den, mit dem kannst du nichts zu tun haben.
Woher nehme ich das? 1. Petrus 5,8 sagt etwas Spannendes, und ihr findet das auch an anderen Stellen in der Bibel. Ihr könnt das bei Hiob entdecken und an anderen Stellen. Da warnt Petrus vor was? Er sagt nämlich: „Seid besonnen, seid wachsam! Euer Feind, der Teufel, streift umher wie ein brüllender Löwe, immer auf der Suche nach einem Opfer, das er verschlingen kann.“
Und das Wort, das hier im Griechischen für Feind steht, ist eines für Ankläger oder Prozessgegner. Es ist quasi der Anwalt der Gegenseite, der darauf hinweist, dass diese Beweislage hier ausreichend ist, dass du bitteschön verurteilt gehörst. Stell dir vor, das ist nur dein Gedankenprotokoll der letzten 48 Stunden. Es reicht, um dich anzuklagen.
Und hier ist der Bogen von 1. Mose 3 über diese Petrusstelle: Der Teufel verführt uns zur Sünde, um uns dann genau wegen dieser Sünde anzuklagen, mit einem Ziel, dass Gott und wir nichts mehr miteinander zu tun haben können.
Und wisst ihr, was das Problem ist? Auf dem Weg zur Sünde belügt er dich vielleicht, weil er dir verheißt, dass sie dir Erfüllung geben würde. Aber mit der Anklage lügt er nicht mehr, sondern hat Recht. Du hast diese Dinge wirklich getan, wie dieser junge Anwalt, der wirklich diesen Ehebruch begangen hat in dem Film. Die Schuld ist real, die ist berechtigt. Und das Gesetz Gottes ist auch nicht falsch, das steht auch berechtigt da. Und dieser Konflikt ist da, und dieses Ding steht zwischen dir und Gott, um jemals wieder Gemeinschaft haben zu können, weil Gott, wenn er wirklich heilig und gerecht ist, wie ihn die Bibel zigfach beschreibt, wie Jesaja und so weiter: heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr, eigentlich nur eine Möglichkeit hat, dich zu verurteilen.
Und das ist das ganze Ziel, was der Teufel bei dem Sündenfall eigentlich erreichen wollte und wie es bis zu dem Moment von Karfreitag, von Golgatha, aussieht, dass es ihm immer und immer wieder gelingt. Er sagt zu Gott: Du bist heilig, dieser Mensch hier hat gelogen, gehasst, Ehe gebrochen. Wenn du gerecht bist, musst du ihn verurteilen.
Und du und ich, wir wissen beide genau: Wenn da das Protokoll über dein Leben nicht nur die letzten 48 Stunden, sondern über dein ganzes Leben drinsteht, dann stimmt es, dass eigentlich nur ein Urteil möglich ist: schuldig. Und dieser Plan geht scheinbar auf.
Das Kreuz als Wendepunkt der Geschichte
Aber wir haben das letzte Mal gesehen, dass in 1. Mose 3,15 verheißt ist, dass jemand kommen wird, der die Macht dessen brechen wird, der anklagt.
1. Mose 3,15: Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Samen und ihrem Samen; und er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.
Die große Erwartung ist, dass der Feind, der die ganze Zeit hergeht, dich dazu bringt, die Akte zu füllen und die Akte dann hernimmt, um dich vor Gott anzuklagen, dass der eines Tages besiegt wird. Und hier sind wir am Punkt des Karfreitags. Keine Überraschung, weil dort genau das passiert, wo das Problem gelöst wird, dass diese Akte zwischen dir und Gott steht, unaufhebbar scheinbar.
Und ich will mit uns in den Text hineingehen, in nur zwei Verse im Kolosserbrief, Kolosser 2,14-15. Und ich lese das aus der NGÜ. Und ihr werdet etwas merken, egal welche Übersetzung ihr nehmt: Die Verse sind sehr unterschiedlich übersetzt in allen Übersetzungen, weil das Griechisch da tatsächlich an einigen Stellen ziemlich viel offenlässt und jede Übersetzung schon bereits eine gewisse Auslegung betreibt. Aber sie kommen alle auf denselben Kern. Und da hilft es manchmal, einen flüssigen Text zu lesen, um den Kern zu erkennen, der, denke ich, da gut rüberkommt.
Kolosser 2,14-15: Den Schuldschein, der auf unseren Namen ausgestellt war und dessen Inhalt uns anklagte, weil wir die Forderungen des Gesetzes nicht erfüllt hatten, hat er für nicht mehr gültig erklärt. Er hat ihn ans Kreuz genagelt und er wird für immer beseitigt. Und die gottfeindlichen Mächte und Gewalten hat er entwaffnet und ihre Unmacht vor aller Welt zur Schau gestellt. Durch Christus hat er einen triumphalen Sieg über sie errungen.
Stell dir vor, der Moment steht an. Irgendjemand hat Zugriff auf deine Akte bekommen. Und du sitzt vielleicht festgehalten. Und machen wir den Rahmen klein: Er sagt nur, nächsten Sonntag in der Gemeinde werden wir den Gottesdienst mal ein bisschen anders gestalten. Wir schauen uns mal an, was da drin steht über dich. Wir gehen das mal durch. Und dann sprechen wir unser Urteil über dich.
Es wird alles auf den Tisch gelegt, und die ganze Welt sitzt über dich zu Gericht. Was für Scham würden wir da empfinden? Was für Spott würde vielleicht von den anderen kommen? Wie würde es dein Leben für immer zerstören? Und was wäre erst das Urteil, wenn wirklich gerecht darüber gehandelt würde?
Und das Schlimmste ist: Du kannst nichts vorbringen, was dich rechtfertigt, weil du diese Dinge wirklich getan hast, und du weißt es. Du weißt es, das stimmt, was da drinsteht. Was aber erst, wenn nicht ungerechte Menschen über dich zu Gericht sitzen, wo auch ihr seid ja selbst böse wenig hilft, weil es einfach stimmt, was da steht, sondern ein absolut gerechter, heiliger Gott, der eben selbst nicht böse ist, der eben selbst nicht Schlechtes getan hat, der in seinen Urteilen gerecht ist, und er urteilt? Wie würde es dir dann gehen?
Und das ist es, was der Teufel tut. Er sagt: Lass uns mal miteinander zu Gott gehen und deine Akte durchgehen. Jeder von uns versucht, sich davor zu drücken, weil er genau weiß, wie es ausgeht.
Aber in dem Moment, an dem Tag der Verhandlung, passiert etwas Spannendes. Am Tag der Vollstreckung realisierst du Stück für Stück eine Sache. Du kommst vielleicht in den Raum, siehst diese Akte da liegen, aber bekommst mit, wie alles irgendwo öffentlich wird. Doch du realisierst irgendwann: Die reden nicht von dir bei der Urteilsverkündung. Da steht ein anderer Name. Das Urteil geht auf einmal über Jesus Christus.
Das ist, was der Vers 14 sagt. Das ist, was Karfreitag ist: dass Jesus hergeht, deine Akte nimmt und diese ganze Gerichtsverhandlung, dieses ganze Urteil für dich erträgt. Die Dinge werden offengelegt, aber es steht auf einmal nicht mehr dein Name da, sondern ein anderer. Beim Abführen zur Vollstreckung wirst nicht du aufgerufen, sondern der Sohn Gottes.
Du siehst, wie alles abläuft. Du siehst, was du verdient hättest. Du siehst, wie es genau passiert, wie du es dir vorgestellt hast. Aber du siehst das von außen, wie es mit einem anderen passiert, und zwar für deine Taten. Das Kreuz an Karfreitag war für dich vorgesehen. Der Spott, der Jesus getroffen hat an Karfreitag, war für dich gedacht. Die Scham, die er ertragen hat an dem ganzen Tag, war die Scham, die für dich gedacht war, wenn deine Akte offengelegt wird, wenn meine Akte offengelegt wird.
Das Urteil und der grausame Tod meinten eigentlich dich. Aber Jesus trug das Urteil des ganzen Universums, das Urteil eines absolut gerechten Gottes, damit du und ich nie mehr verurteilt werden.
Was am Kreuz mit der Anklage geschieht
Warum ist etwas Entscheidendes passiert, was Vers 14 hier sagt? Jesus nimmt, ich sage: Akte. Hier im Text steht „Schuldschein“, ein Begriff, den wir heute nicht mehr so kennen. Er nimmt dieses Ding und heftet es an das Kreuz. Es ist veröffentlicht, es ist bezahlt, es ist gesühnt. Und damit passiert etwas Entscheidendes, sodass der Übergang zu Vers 15 da ist. Er reißt es weg.
Hier ist etwas Spannendes: Die Einheitsübersetzung sagt „für immer beseitigt“, die Elberfelder sagt „aus der Mitte weggenommen“, die Zürcher Bibel und die Schlachter sagen „aus dem Weg geräumt“. Das ist schwierig zu übersetzen, weil Vers 14 andeutet, dass dieses Ding zwischen uns und Gott stand. Und er sagt: Indem Jesus es nimmt und ans Kreuz bringt, nimmt er es heraus, das, was dich und mich von Gott trennt.
Er nimmt dem Teufel die Möglichkeit weg, dich anzuklagen. Er nimmt dem Teufel die Möglichkeit weg, Gott zu sagen, dass er dich verurteilen muss. Warum? Weil bezahlt ist. Er nimmt deinen gesamten Sündenkatalog, veröffentlicht ihn unter dem Namen seines Sohnes und führt das darauf folgende Urteil über seinen Sohn aus. Und er räumt weg, was zwischen ihm und mir stand.
Damit passiert etwas: Das Druckmittel, das der Teufel gegen dich und mich in der Hand hatte, verliert seine Wirksamkeit. Warum? Es ist veröffentlicht, es ist bezahlt, es ist gesühnt. Du kannst nicht mehr dafür verurteilt werden.
In dem Film, den ich vorhin geschildert habe, passiert eine entscheidende Wendung. Und zwar tut der junge Anwalt etwas, womit die Firma nicht gerechnet hat: Er legt vor seiner Frau die Karten auf den Tisch. Damit ist er immer noch schuldig. Das passt nicht vollständig zu dem, was Jesus für uns tut. Aber es passiert eine Sache: Diese Firma, diese Kanzlei, verliert ihr Druckmittel, das sie gegen ihn in der Hand hatte. Warum? Es ist bekannt, es ist bereits öffentlich. Und dann kann ich jemanden nicht mehr damit erpressen.
Unsere Schuld ist Gott bekannt, und sie ist gesühnt vor ihm. Und deswegen bist du damit nicht mehr erpressbar. Sie hat ihre Wirkung verloren, weil bereits dafür bezahlt ist. Und davon schreibt Paulus in Vers 15 und zeigt hier die Erfüllung von 1. Mose 3,15 an. Der Teufel und alle Mächte verlieren alle Macht über die Kinder Gottes. Diese sind nämlich gemeint, wenn er hier von Mächten und Gewalten spricht.
Und er spricht hier von einem Entkleiden oder, in anderen Übersetzungen, von einem Entwaffnen. Das war damals ziemlich gleichzusetzen. Denn wenn du jemanden seiner Rüstung und seiner Waffen beraubt hast, dann war er auch gekleidet, in der Regel. Deswegen hat es diese Bedeutung: Der ist wehrlos.
Das Druckmittel, die Waffen des Teufels gegen dich und mich, gehen verloren. Jesus reißt sie ihnen aus der Hand. Und damit verlieren sie ihre volle Macht. Der Tod hat seine verurteilende Macht über dich und mich verloren. Ja, wir müssen da hindurch, aber wir gehen nicht mehr ins Gericht. Warum? Weil die Gerichtsverhandlung längst vorbei ist, wenn du zu Jesus gehörst.
Wir sind auch nicht mehr in der Abhängigkeit dieser Mächte, dass sie uns erpressen könnten und weiter hineinziehen müssten, was der Teufel gerne tut, nämlich dass Sünde weitere Sünde nach sich zieht, so wie bei diesem jungen Anwalt in der Kanzlei, wo die Sünde dafür sorgen sollte, dass er für die Kanzlei weitere Sünden begeht. Wir müssen nicht mehr in den Kreislauf dieser Welt, der den Mächten und diesen Prinzipien des Teufels folgt, weiterdienen.
Schon entschieden, aber noch nicht vollendet
Und ja, jetzt sagst du vielleicht: Puh, ich spüre aber immer noch ziemlich viel Versuchung. Ja, die Realität ist ein schon jetzt und noch nicht.
Ich vergleiche das mit einer Sache aus dem Zweiten Weltkrieg. Es gab im Zweiten Weltkrieg den entscheidenden Tag, den sogenannten D-Day. Das war die Landung der Alliierten in der Normandie. Das war die entscheidende Schlacht des Zweiten Weltkriegs, und ab dann stand eigentlich der Ausgang fest und war nicht mehr umkehrbar, wie der Krieg ausgeht. Hitlers Strategien waren gescheitert, und letztendlich war Nazi-Deutschland ab dem Moment besiegt.
Und das ist der Moment des Kreuzes: der Moment, wo die entscheidende Schlacht geschlagen ist und der Teufel besiegt ist. Er und seine Mächte sind offiziell und objektiv entwaffnet. Die Rechtsgrundlage ihrer Herrschaft über dich ist weg, weil diese Akte weggeräumt ist, wie Vers 14 sagt.
Aber im Zweiten Weltkrieg gab es noch einen anderen Tag, nämlich den sogenannten V-Day, den Tag, an dem der letzte Schuss fiel und Frieden im ganzen Land programmiert wurde. Und der liegt noch in der Zukunft. Das ist die Wiederkunft Christi.
Und wenn wir davon reden, dass die Mächte entwaffnet sind, dann ist es, als wäre dem Drachen der Kopf abgeschlagen, aber er schlage noch wild um sich, um möglichst viele zu verwunden. Und Christus hat den Teufel und alle Mächte, die über dein Leben irgendeine Macht hatten, noch ordentlich zu verwunden. Aber die entscheidende Schlacht ist geschlagen am Karfreitag, weil diese Akte weggeräumt ist und bezahlt ist.
Der scheinbare Triumph wird zum Sieg Gottes
Und hier ist das Spannende: Am Karfreitag glaube ich, dass der Teufel dachte, er habe seinen größten Triumph errungen.
Warum? Was hat er geschafft? Er hat es geschafft, die Menschen so weit zu bringen, dass sie den einzig wirklich gerechten Menschen verurteilen und zu Tode bringen. Was könnte es Schlimmeres geben? Und er dachte, dass er durch das Kreuz und den ganzen Spott, der am Karfreitag über Jesus kam, Jesus entkleidet und bloßgestellt habe. Er dachte, Gott stehe machtlos da, der einzig Gerechte sei besiegt.
Auf Dauer ist diese Trennung zwischen Gott und den Menschen der Beweis dafür, dass sich die Menschen immer weiter von Gott entfremden. Jesus war scheinbar entkleidet, aber in Wirklichkeit entkleidet Jesus den Teufel seiner Macht. Der finsterste Tag wird zum größten Triumph.
Ich glaube wirklich, dass der Teufel an Karfreitag völlig überrascht und überrumpelt war. Er dachte, er hätte den größten Triumph, aber in Wirklichkeit hatte der Gekreuzigte seinen Triumph über ihn.
Warum? Weil er wahrscheinlich erkennen muss, wie genial das ist, was Gott tut. Er denkt, der Teufel hätte alles besiegt, und er erkennt erst in dem Moment, dass Gott ihm durch das Kreuz alles, was er in der Hand hat, aus der Hand reißt. Denn Jesus ist der Einzige, der wirklich bezahlen konnte, weil er eben so perfekt und gerecht war. Er trägt die ganze Strafe, weil Gott selbst hineingeht, um diese Schuld zu begleichen. Gott legt das Druckmittel offen und bezieht es gleichzeitig auf sich.
Und deswegen ist es Jesus, der in Johannes 19,30 kurz vor seinem Sterben ausruft: Es ist vollbracht. Wir fragen uns: Was meint er in dieser dunkelsten Stunde? Er sieht, dass das, was Gott vorhergesagt hat in 1. Mose 3,15, zur Vollendung kommt, nämlich dass der Schlange der Kopf zertreten wird und ihr die ganze Macht genommen wird.
In dem Moment, in dem alles dunkel aussieht, in dem es nach dem dunkelsten Moment der Weltgeschichte aussieht, wird es zum größten Sieg der Weltgeschichte. Die Mächte, die uns versklavt haben, werden besiegt, und das Kreuz wird zum Triumphwagen Gottes.
Das ist auch das, was Paulus in 1. Korinther 5,15 im Blick hat, wenn er von einem Triumphzug spricht oder davon, dass über sie triumphiert wird. Er hat dabei eigentlich dieses Bild aus der damaligen Zeit vor Augen: Jemand, der einen Sieg über eine feindliche Macht errungen hat, führte die Besiegten damals tatsächlich ausgezogen hinter seinem Triumphwagen her. Damit wollte er eine Sache deutlich machen: Diese Mächte haben keine Macht mehr über euch.
Wenn jemand feindliche Mächte besiegt hat, die vielleicht ein Volk bedroht haben, und dann erfolgreich von der Schlacht zurückkehrt und die besiegten Mächte ausgezogen hinter sich herführt, hat er seiner Bevölkerung eine Botschaft mitgegeben: Vor denen braucht ihr euch nicht mehr zu fürchten, sie haben keine Macht mehr über euch.
Und das ist das Bild, das Paulus in 1. Korinther 5,15 aufzeigen will. Durch das Kreuz können wir dem Teufel eine lange Nase machen. Er ist besiegt. Und da bin ich ganz bei Luther.
Am Ostersonntag findet das Ganze in der Auferstehung seine Bestätigung, aber am Kreuz ist der Sieg errungen. Der dunkelste Tag und Ort der Menschheitsgeschichte wird zum strahlendsten Ort im Universum. Warum? Weil die Macht der Finsternis besiegt wird.
Was das für das Leben mit Gott bedeutet
Was bedeutet das für dich? Der Teufel klagt dich aus einem gezielten Grund an, nämlich um dich vom Kreuz Gottes wegzutreiben und diese Trennung zwischen dir und Gott aufrechtzuhalten. Er legt dir deine Akte immer wieder vor, damit du Angst hast, zu Gott zu gehen.
Der Heilige Geist dagegen überführt dich auch von Sünde, aber um dich zum Kreuz zu führen, weil du dort Heilung erfährst. Er geht mit dir her und sagt: Ja, richtig, hier ans Kreuz genagelt, vergeben. Das ist ein Riesenunterschied. Der eine nutzt das Gesetz, um Trennung hervorzubringen, der andere, um ans Kreuz zu führen.
Und deswegen brauchen wir eines: Komm zum Kreuz, setz dich dem aus, dass dein Protokoll, deine Akte, deine Schuld dort offen liegt. Aber stell am Kreuz fest, dass ein anderer Name über dem Urteil steht: der Name des Sohnes Gottes. Wir brauchen diesen entwaffneten Mächten über unser Leben keine Macht mehr zu geben. Und das geschieht immer dann, wenn wir zum Kreuz gehen und dort die angebotene Sühnung für unser Leben sehen und annehmen.
Und deswegen ruft das Kreuz uns, mit dieser Akte zu ihm zu kommen und sie Jesus zu geben, zu bekennen und ihn dafür bezahlen zu lassen. Weil er es längst getan hat. Womit klagt der Teufel dich heute Morgen an? Was auch immer es ist, an Karfreitag antworten wir nicht mit: „So schlimm bin ich nicht“, sondern wir antworten mit: „Du hast Recht, aber die Akte liegt längst am Kreuz. Für sie ist ein für allemal bezahlt, und du hast nichts mehr gegen mich in der Hand.“ Wir bringen sie zu Jesus.
Das ist die großartigste Nachricht, die vom Karfreitag durch die Welt geht. Die Schlacht ist geschlagen, und ein altes Osterlied hat beides im Blick: den Karfreitag und den Ostermorgen. Oder es verbindet beides auch, indem es sehr traurige Verse hat und in einen sehr triumphalen Refrain übergeht. Ich lese nur zuerst die Strophe und dann den Refrain:
Am Kreuz litt er für mich, Jesus, mein Heiland, nahm meine Schuld auf sich, das Gotteslamm.
Bisher sehr traurig, und dann kommt der Refrain: Jesus, mein Heiland, lebt, und jetzt kommt das, was hinter dem Vers steht, und die ganze finstere Höllenmacht erbebt.
Das ist, was am Kreuz passiert ist. Hört es in alle Lande: Jesus, Gottes Sohn, trug in Todesbanden selbst den Sieg davon.
Auferstanden ist er, auferstanden ist er, Jesus lebt, Halleluja.
Das ist die Realität seit Karfreitag über dein und mein Leben, wenn du zu diesem Kreuz kommst und diese Akte weggeräumt wird und Versöhnung zwischen dir und Gott geschaffen wird. Lasst uns Jesus genau dafür anbeten, indem wir zwei Lieder singen. Danach lade ich euch noch zu einer Gebetsgemeinschaft ein, und dann singen wir noch einmal ein paar Lieder.