
Das Bekenntnis der Hoffnung - Bibelarbeit über Hebräer 10, 19-39
Hebräer 10,19-3924.11.1998
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Einleitung und biblischer Rahmen
Hebräer 10, wir haben den ganzen Abschnitt, Vers 19 bis 39. Das haben Sie in den Bibeln. Wir brauchen es noch, und zwar genügend auch im Hause, das Bekenntnis der Hoffnung.
Sie wissen, dass im biblischen Wort dies ein ganz gefüllter Begriff ist: die Hoffnung. Das ist etwas Gewisses, nichts so Unsicheres, wie es bei uns im Sprachgebrauch oft ist. Es bedeutet, dass ein Mensch Zukunft hat und seinen Weg richtig gehen kann.
Denn weil wir nun, liebe Brüder, durch das Blut Jesu die Freiheit haben zum Eingang in das Heiligtum, hat er uns einen neuen und lebendigen Weg aufgetan, durch den Vorhang, das ist durch das Opfer seines Leibes. Und wir haben einen Hohen Priester über das Haus Gottes.
So lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen, in vollkommenem Glauben, besprengt in unseren Herzen und los von dem bösen Gewissen und gewaschen am Leib mit reinem Wasser.
Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken, denn er ist treu, der sie verheißen hat, die Hoffnung, der sie uns zugesagt hat, der sie uns versprochen hat.
Und lasst uns aufeinander Acht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken. Und lasst uns unsere Versammlungen nicht verlassen, wie einige zu tun pflegen.
Der Wolfgang Dück war ja so ein origineller Evangelist, der war ja im Zuchthaus zu Jesus gekommen. Ein ganz gestrandetes Leben. Und dann war er so ein origineller Mann. Der hat dann an dieser Stelle immer gesagt: Wir sollen die Versammlungen nicht verlassen, aber das Sammeln sollen wir lassen, weil in der Kirche oft so viel gesammelt wird. Sondern einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht.
Die ernste Warnung vor dem bewussten Abfall
Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt uns hinfort kein anderes Opfer mehr für die Sünden, sondern nur ein schreckliches Warten auf das Gericht und das gierige Feuer, das die Widersacher verzehren wird.
Wenn jemand das Gesetz des Mose bricht, muss er ohne Barmherzigkeit auf zwei oder drei Zeugen hin sterben. Wie viel härtere Strafe, meint ihr, wird dann der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen tritt, das Blut des Bundes verunreinigt, durch das er doch geheiligt wurde, und den Geist der Gnade schmäht?
Denn wir kennen den, der gesagt hat: Die Rache ist mein, ich will vergelten; und wiederum: Der Herr wird sein Volk richten. Schrecklich ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.
Gedenkt aber der früheren Tage, an denen ihr, nachdem ihr erleuchtet wart, einen großen Kampf des Leidens erduldet habt. Zum Teil seid ihr selbst durch Schmähungen und Bedrängnisse zum Schauspiel geworden, zum Teil hattet ihr Gemeinschaft mit denen, denen es so erging. Denn ihr habt mit den Gefangenen gelitten und den Raub eurer Güter mit Freuden erduldet, weil ihr wisst, dass ihr eine bessere und bleibende Habe habt.
Darum werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Geduld aber habt ihr nötig, damit ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt. Denn nur noch eine kleine Weile, so wird kommen, der da kommen soll, und wird nicht lange ausbleiben. Mein Gerechter aber wird aus Glauben leben. Wenn er aber zurückweicht, hat meine Seele kein Gefallen an ihm.
Wir aber sind nicht von denen, die zurückweichen und verdammt werden, sondern von denen, die glauben und die Seele retten.
Der letzte Vers hat eine ganz große Rolle gespielt im Kirchenkampf gegen den Einfluss der Nazi-Ideologie. Der hatte ja in der Kirche schon im Jahr 34 ganz massiv begonnen. Es war ein Wort, das Landesbischof Wurm immer sehr oft gebraucht hat: Wir sind nicht von denen, die da weichen. Es geht jetzt darum, dass wir stehen und bekennen.
Der müde gewordene Glaube und seine Ursachen
Wir sehen in diesem Abschnitt das Problem, dass Christen nach einer gewissen Zeit meist sehr träge werden im Glauben. Deshalb sehen wir ganz am Schluss, noch einmal ab Vers 32, die Erinnerung daran, wie der Christenstand einmal im Original war. Welch eine Freude, welch ein Zupacken, welch eine Entschlossenheit.
Ich weiß nicht, was Sie sich vorstellen, wenn Sie an einen Christen denken. Es ist ja ganz schlimm für unsere jungen Leute, wenn sie nur Vorbilder haben, die alle so verdrottelt, versabbert und müde sind. Wir erleben doch gerade bei Christen, dass das Evangelium etwas für aktive Leute ist, zum Zupacken, zum Leben.
Mich hat es immer wieder gelockt, auch Biografien zu lesen und Geschichten zu hören. Ich denke überhaupt, dass es etwas Wichtiges ist, dass junge Leute einmal Beispiele des Glaubens lesen. Ich habe mich jetzt ein wenig vorbereitet auf unsere Türkeireise, wenn man das dann einmal sieht. Was dort Polykarp von Smyrna in Izmir bekannt hat, die erste Generation noch hoch im Alter: Ich kann doch von meinem Glauben nicht lassen. Wie war das eine so gewisse und fröhliche Sache, unter dem Druck, wir haben am Sonntag von der Domitianverfolgung gesprochen, die Johannes den Apostel getroffen hat in Ephesus.
Was waren das für Leute! Und die haben wir ja in unseren Zeiten auch. Viele von Ihnen haben ja das Schicksal mitgetragen, wie wir konkret und namentlich für solche Inhaftierten in Russland gebetet haben. Und ich bin sehr erregt, wenn ich daran denke, was über unsere Mitchristen in Indonesien hereingebrochen ist. Viel dummes Zeug, was in der Zeitung gesprochen wird. Wo wir mit unseren indonesischen Christen in Kontakt waren, hieß es immer nur: Halt den Atem an, keinen Anlass geben. Der Islam ist unberechenbar, wenn er losschlägt.
Also hier werden ja andere Dinge über den Islam verbreitet, aber wo Sie in der Welt den Islam kennen, ist das immer ein Tanz auf dem Vulkan. Und Indonesien hat sehr viele Christen, die aus dem Islam gekommen sind, wo der ganze Hass der Familie darauf liegt. Es gibt keine Tat von Christen in den letzten zwanzig Jahren, die man hätte hören können, wo Christen irgendwo etwas provoziert hätten. Ich habe es nur einmal erlebt in Ostmalaysia: Da war auf einer Moschee, auf der Außenmauer der Moschee, ein Kreuz gemalt. Es war natürlich der Trick, den Christen die Spur zu legen, aber das war so plump, dass die Polizei, die es verwischt hat, und dann waren es Moslems selber, die das gemacht haben.
Dort in Ostmalaysia ist es sogar so umgekippt, dass die Mehrzahl der Bevölkerung in demokratischen Wahlen einen christlichen Ministerpräsidenten für dieses Nord-Borneo da oben, Sarawak usw., gewählt hat. Deshalb ist die Unruhe so groß. Ich will nur sagen, was das heißt, in einer Bekenntnissituation.
Denken Sie einmal: Ihr habt einen großen Kampf des Leidens erduldet.
Vorbilder des Glaubens in Verfolgung und Treue
Das ist immer das Faszinierende, wenn Leute auch dann Jesus treu bleiben, wenn der Preis sehr teuer und kostbar ist. Ich habe mir jetzt ein Buch von den Salzburgern besorgt. Das war ja erschütternd, wie man den Kindern etwas weggenommen hat, wie sie ihren Salzbund gemacht haben, um des Evangeliums von Jesus willen. Denn dann ging es nicht um die Kirche, dann ging es um die Treue zu Jesus.
Wie die dann ausgewandert sind, hat Soldatenkönig Friedrich Wilhelm sie nach Ostpreußen zum Kolonisieren geholt. Was waren das für Leute um des Glaubens willen? Jochen Klepper beschrieb es in dem Roman Der Vater, wie da einer vorauslief, der Vorsteher, und bloß die Bibel trug. Das war ihnen so kostbar und wichtig.
Und das habe ich als junger Mensch gerne gehört: Wo sind Beispiele, die mir etwas von Werten des Lebens erzählen? Und dann steht da: Von den Schmähungen und Bedrängnissen seid ihr zum Schauspiel geworden. Das ist ganz arg schlimm, wenn man durch die Zeitung geschmiert wird, wenn einen Leute verspotten, wenn man dann falsche Anklagen hat. Also glaube, wer es will, dass die katholische Kirche in Jakarta eine Spielhalle betreibt. So etwas kann bloß die Presse berichten, wo die Moslems dagegen gewesen wären. Vielleicht kriegen wir noch die wahren Informationen, was da abläuft.
Was ist das, wenn Leute durch dieses Durchgehen, durch diesen Mob, der sie lüncht, und die bleiben da bei uns an? Die können mir alles wegnehmen, und da geht es auch noch weiter: Ihr habt mit den Gefangenen gelitten und den Raub eurer Güter mit Freuden erduldet. Einer, der inhaftiert war im Dritten Reich um seines Glaubens willen, hat gesagt: Ich habe da erst gemerkt, wie klein mein Christenstand ist und wie eng, weil ich mich immer ärgere über das Unrecht, das mir widerfährt. Aber da steht ja: Ihr habt den Raub eurer Güter mit Freuden erduldet.
Wir können ja in unseren Tagen das Lied von der festen Burg gar nimmer singen: Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib, lasst fahren dahin. Wir werden im Ernst bereit, Frau und Kind und Gut und alles, was er hat, herzugeben, wenn es darum geht, um seines Glaubens willen. Das ist schon toll.
Und das alles habt ihr gemacht, weil ihr eine Hoffnung habt. Ihr wisst, dass ihr eine bessere und bleibende Habe besitzt.
Die innere Erneuerung durch Christus und die Hoffnung auf Gottes Zukunft
Jetzt, was ist in diesem Christenstand dazwischengekommen? Gehen wir das einmal wieder vor: Was ist dazwischengekommen, dass es plötzlich zu dieser Krise kam? Dass mit der Trägheit kommt, dass unser Glaubensstand deshalb immer so müde wird, weil sich auch sehr viel Falsches einschleicht. Es sind sehr viele unrechte Dinge, das Gewissen wird verletzt, steht da dran. Das haben wir jetzt oft gehabt, und deshalb sagt hier das Wort Gottes, wir müssen wieder richtig eintreten.
Woran sieht man einen Christenstand? Daran, dass er in einer unmittelbaren persönlichen Beziehung zu Jesus Christus lebt. Das ist überall im Neuen Testament das Entscheidende. Geh doch durch diese Türe hindurch in die Gegenwart Gottes. Es ist so etwas Wunderbares, dass jeder Christ unmittelbar mit dem heiligen Gott leben darf. Haben Sie das? Muss doch einmal durch die Türe hindurchgehen, geh doch hinein, lebe dort!
Für uns besteht ja unser Glaubensleben nicht bloß in irgendwelchen liturgischen Gottesdiensten, sondern in meiner persönlichen Verbundenheit, in dieser Vertrauensbeziehung mit dem ewigen, lebendigen Gott. Durch Jesus Christus haben wir den Zugang, hier schön beschrieben in den alten Worten. Das ist der Vorhang, durch den wir durchtreten. Jesus sagt selber: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich.
Durch die Vergebung, die Reinigung unseres Gewissens, sind wir hindurchgetreten. Er hat den Vorhang für uns aufgemacht, und dann stehen wir bei dem Hohen Priester, der für uns betet und der unser Leben reinigt und heiligt. Unmittelbare Beziehung, lasst uns aufbrechen, hindurchgehen.
Jetzt ist es schön, am Sonntag beginnt die Adventszeit, und da spricht man immer wieder auch von der Tür. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, und so weiter. Es wäre schön, wenn uns in der Adventszeit wieder bewusst wird: Gott bereitet uns die feste Freude. Lasst uns hindurchgehen, hineingehen, zu ihm selber hin, durch die Pforte.
Jesus hat das Bild gebraucht von der engen Pforte, durch die man hindurchtritt, die nur wenige Menschen finden, aber in dieser Nähe und Gegenwart Gottes. Das ist das Schöne unseres Glaubens, was alles andere aufwiegt. Warum bist du Christ? Wenn mir das so groß ist, gerade hat mir jemand gesagt: Das schönste Wort: Niemand kann dich aus meiner Hand reißen. Ich habe eine unmittelbare Beziehung zu Jesus Christus. Ich liebe ihn, ich bin bei ihm.
Vers 22: Lasst uns mit wahrhaftigem Herzen in vollkommenem Glauben hinzutreten, besprengt in unseren Herzen, das heißt gereinigt, gewaschen am Leib mit reinem Wasser. Dann können wir teilhaben am ewigen Gott. Er kann unser Leben erfüllen, er kann durch uns hindurchwirken.
Wie kann man eine tote Gemeinde, wie kann man müde gewordene Christen wieder lebendig machen? Nicht indem man Aktionen macht, sondern indem man ihnen das Heil zeigt. Von dieser Mitte her, von der Gottesfreude her, kommt das Leben, kommt die Aktivität, kommen auch die Taten der Diakonie, der Liebe und des Einsatzes und der Hingabe. Aus dieser Mitte: Lasst uns hinzutreten!
Festhalten am Bekenntnis und die Gewissheit der göttlichen Treue
Und dann kommt das Nächste: Lasst uns am Bekenntnis festhalten!
Das Erste war: Glauben erkennt man am Leben mit Jesus, am Umgang mit dem auferstandenen Christus. Glauben heißt, morgen, wenn wir in unseren Schwierigkeiten drinstecken, auf Jesus zu blicken, mit ihm zu rechnen und in seiner Nähe zu bleiben. Das Gespräch mit ihm soll gar nicht abreißen. Wir sollen auf ihn blicken.
Aber das andere ist jetzt, dass wir als Christen auch eine große Ermutigung haben, unseren Weg vorwärts zu laufen. Ja, wir bleiben bei dem Bekenntnis der Hoffnung. Was ist denn die Hoffnung? Es legt sich ja um uns her immer die Angst: Was kommt morgen? Die Bedrohung. Wenn du weißt, wohin Jesus mich führt, kann ich ganz getrost meinen Weg gehen. Er wird es richtig machen. Ich lege mein Schicksal in seine Hand.
Fröhlich, unbesorgt, das ist nicht leichtsinnig, aber es ist ganz bewusst. Ich habe bei so einem Patienten, wie bei der Frau Schleicher eben, so schlimm, wenn man sich da einschläfern lässt. Ich sage: Ich lege mein Leben in Gottes Hand, meine Nerven. Er muss mit mir jetzt machen, wie er will. Wie er es auch macht, er muss es recht machen. Wache ich hier oder drüben auf, mein Leben liegt in seiner Hand. Ich habe eine Zuversicht, eine Hoffnung. Ich sehe meinen Weg. Und lasst uns nicht wanken.
Warum, warum wanken wir denn immer wieder? Weil die Not, die Bedrohung meines Lebens, die Angst mich natürlich mürbe macht. Dann zittern die Knie, und dann erschrecke ich. Das Erste war: Glauben ist der Umgang mit dem auferstandenen Jesus, alles, was man tut im Leben, mit Christus rechnen, in der Freude mit ihm, wissen: Es ist nichts mehr, was mich belastet. Das andere ist, voller Zuversicht in die Zukunft zu gehen.
Liebe Freunde, die schon noch älter sind als ich: Dass man das weiß, auch im hohen Alter, es geht immer vorwärts. Es geht immer vorwärts, und wir dürfen aus dem Vollen schöpfen, weil Christen immer eine große Zukunft vor sich haben. Wir sind nicht die, die das Leben auslepppern, sondern wir sind die, die fröhlich vorwärtsgehen. Lasst uns nicht wanken, lasst euch nicht erschüttern von all dem, was kommt, sondern steht fest!
Der alte Bodelschwing hat einmal von einem Freund aus Stettin einen Brief bekommen. Es ist immer so schön, wenn Leute auch originelle Formulierungen finden, in einer schwierigen Sache, die den alten Bodelschwing sehr bekümmert hat, worin Sorge war. Da hat er ihm geschrieben: Ich wünsche dir eine schiffstauartige Festigkeit. Das hat mir so einen Eindruck gemacht, wenn man so Schiffstau sieht, so große. Ich wünsche dir eine schiffstauartige Festigkeit, dass du in den Unruhen, in den Erschütterungen ganz fröhlich und fest daran bleiben kannst. Müde gewordene Christen, die ganz fest angebunden sein müssen.
Lasst uns nicht wanken, denn woraus kommt dieses Schiffstauartige, dieses ganz Feste? Weil der treu ist, der es verheissen hat. Ich habe Sie schon öfter darauf hingewiesen, dass das Wort treu bei uns heute besonders unter die Wörter gefallen ist. Wir gebrauchen das Wort gern in Verbindung mit treudoof, aber dass die Treue eine ganz hohe Tugend ist, eine ganz wunderbare Eigenschaft, die zu unserer Menschenwürde dazugehört, das hat der heilige Gott selber gemacht. Für ihn ist es einer der größten Ehrentitel, treu zu sein.
Gott ist sich selber treu. Er revidiert seine Zusagen nicht. Er ist viel treuer als wir alle. Er wird sein Wort einlösen, und die großen herrlichen Zusagen, die er für die Zukunft gegeben hat, die sind doch wahr. Kann auch eine Frau ihr Kindlein vergessen, dass sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und wenn die desselben vergessen, ich will doch dein nicht vergessen. Die herrlichen Zusagen: Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Gott ist treu. Was er versprochen hat, das kommt. Es kommt ja oft im Hebräerbrief vor, er kann ja gar nicht das revidieren.
Und darum ist es so wichtig: Zum Glauben gehört das Gewisssein, das völlige Gewisssein. Das hat man in seinem Gefühl natürlich nicht, genau so wenig wie ein Zappelphilipp von den Nerven her. Und dann darf man das neu lernen im Glauben: Ich darf mich an diese Hoffnung, die Gott mir gibt, anbinden lassen und nicht wanken. Herr, gib mir diese Festigkeit! Herr, gib mir Beständigkeit!
Das ist ein Kennzeichen eines christlichen Lebens: fröhlich auf die Zukunft zuzugehen. Lasst uns festhalten an diesem Bekenntnis. Wir haben eine Hoffnung. Meine Zukunft liegt bei dem Herrn.
Ewigkeitsperspektive, Sterben und die Kraft des Glaubens
Wir haben ja am Ewigkeitssonntag auch hinübergeblickt in die neue Welt. Es ist doch ganz groß, dass uns dies so fest zugesagt ist. Ich will es immer wiederholen: Frau Heimbolz war uns selber wieder groß in Obereichen, weil man so wieder einfach die Zusagen unseres Herrn hört.
Und da sitzt man vor so einem Sarg, das ist eigentlich die schlimmste Kapitulation. Ich habe immer gefürchtet, ob das einmal Routine wird. Ich habe immer den Eindruck, es packt mich mehr, gar nicht das Grauen des Todes. Ich kann gerne in den Sarg reinschauen und noch einmal einen Toten grüßen in der Erinnerung an das, was wir zusammen erlebt haben. Das Grauen meines Sterbens, wenn ich einmal so starr daliegen werde. Und nichts mehr fühle und nichts mehr bin.
Und dann sagt der Herr: Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt. Noch haben wir so Tod verschlungen in den Sieg. Und noch einmal: Welche Zukunft, welche Hoffnung, welche Freude für uns!
Und es ist ja ganz groß, wenn Sie das miterleben dürfen, dass kranke Leute Ihnen plötzlich das Allergrößte sagen. Dann sagen sie: Ich bin ganz geborgen, oder: Ich bin ohne Angst, oder: Ich bin im Frieden. Oder er segnet Sie noch ein Sterbender. So etwas Herrliches! Man sollte es sich auch vornehmen, dass man für die Todesstunde gewappnet ist. Wir haben doch eine Zukunft, eine Hoffnung, weil uns Gott das zuspricht. Meinen Sie, dass Gott Sie anlügen wollte, dass er Ihnen etwas vorgaukeln wollte? Das hat er doch gar nicht nötig. Sondern lasst den Christenstand fröhlich und zuversichtlich sein!
In diesen Tagen ist mir wichtig, dass wir uns vom Diesseitigen etwas lösen. In unserer Zeit spielt das Diesseitige so eine große Rolle. Gucken Sie mal ins Gesangbuch, wie fast jedes Lied Ewigkeitsverse hat oder am Ende dorthin führt. Und in unserer Zeit ist das Allerhöchste noch einmal, irgendein irdisches Glück zu haben. Da müssen wir uns im christlichen Stand wirklich aufpassen, ob wir da noch brauchbar sind, ob wir manchmal auch nicht am irdischen Zuschuss sehr hängen. Vielleicht, wenn es darum geht, müssen Sie es mir wieder sagen. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht am Ende wegen eines Linsengerichts oder wegen irgendetwas gar nicht mehr den Blick auf die Ewigkeit haben.
Mein Vater hatte in der alten Kanzlei und dann im Neuen Schloss sein Dienstzimmer. Da hat er viel bis in die späte Nacht gearbeitet und hat über dem Schreibtisch einen Liedvers gehabt. Ich glaube, er ist von der Emilie Juliane, der Reichsgräfin von Schwarzburg-Rudolstadt:
Mach mir stets süße deinen Himmel
und bitter diese schnöde Welt,
gib, dass mir in dem Weltgetümmel
die Ewigkeit sei vorgestellt.
Immer bloß doch auf die Ewigkeit blicken. Und auch wenn ich noch so treu in meiner Berufsarbeit drin hänge, will doch, man hat den Eindruck gemacht, wie da so ein Mensch einfach in seinem Arbeiten, im Beruf drinsteht und den Ewigkeitsblick haben will und immer daran erinnert werden will: Es ist doch eine kurze, zeitüberlebende, kurze, Zeit spannende Christenhoffnung. Es ist etwas Wunderbares, und ich meine immer wieder, die Lieder sind es, die uns das ganz groß machen.
Bei Jesu will ich bleiben, von Philipp Spitta, dass ich fröhlich ziehe hinüber, wie man nach der Heimat reist, wird mein Auge dunkler, trüber, dann erleuchte meinen Geist, dass ich fröhlich ziehe hinüber, wie man nach der Heimat reist. Und in dem Augenblick sagt er das, wo mir graut vor dem Sterben. Dann, Herr, mach du das so bei mir, dass ich ein Mensch der Zuversicht, der Hoffnung bin.
Es war ja der größte Einfluss, den die russischen Christen verbreiten konnten im Kommunismus, dass sie niemanden ungetröstet sterben ließen. Wir haben ja Aussiedler unter uns. Es war schön, dass dort diese schlichten russischen Christen in ihrer Nachbarschaft sich der Sterbenden angenommen haben, ihnen die Herrlichkeit der Ewigkeitshoffnung bezeugt haben, in einer Ideologie, die nur noch den Materialismus kennt.
Bei uns hat man sehr im Christenstand ausgetrieben. Man hat diesen Blödsinn von Ludwig Feuerbach übernommen, man hat gemeint, man würde die Leute vertrösten. Das ist deshalb so dumm, weil Sie gar keinen Menschen vertrösten können. Vertrösten Sie mal einen, was wollen Sie ihm denn erzählen? Der lacht Sie doch aus. Was heißt vertrösten? Das kann man gar nicht, wenn Sie einen Schmerz haben. Sondern dass Gott uns gewisse Zusagen gibt, und das ist sehr kritisch, und das, was er uns sagt, ist so wahr und gewiss, dass es schlimm ist, wie wir an Mitmenschen schuldig werden, weil wir ihnen die große Ewigkeitshoffnung verschwiegen haben.
Gemeinschaft, Ermahnung und die Grenze des bewussten Abfalls
Und dann lasst uns aufeinander Acht haben. Jetzt kommen die Versammlungen, und sie sind so wichtig. Ich freue mich, dass Sie sich heute Abend aufgemacht haben.
Ich denke immer wieder: Auch in einem Sonntagsgottesdienst ist oft die Gemeinschaft viel schöner als alles, was wir im Gottesdienst feiern. Die jungen Leute kommen vielleicht bloß in den Gottesdienst, weil sie nachher ihre Kumpels treffen. Aber es ist natürlich schön, wenn man auch noch etwas mitnimmt vom Wort Gottes. Das sind sie ja so lieb.
Aber ich wollte sagen: Gemeinschaft hat etwas Großes, etwas Herrliches. Das sieht man auch daran, wenn einer den anderen aufrichtet, wenn sie einander zusagen, im Grüßen, im Anteilnehmen, im Hören miteinander, dass man das mithört. Schlimm ist es, wenn man die Versammlungen verlässt, weil man dann auch aus der Ermutigung ausgeschlossen ist, aus dem Zuspruch, aus den Anreizen zu Liebe und guten Werken, aus dem, dass wir einander ermahnen.
Warum? Weil wir sehen, dass es auf die Zukunft zugeht, auf die Wiederkunft Jesu.
Und jetzt das nächste Wort, das hier steht: Es ist eingerahmt durch zwei Ewigkeitsworte. Man kann ja immer wieder, wenn man biblische Worte aus dem Zusammenhang reißt, in große Probleme kommen. Wie schon im Kapitel sechs kommen wir auch hier an ein Wort, wo sehr ernst gesagt wird, dass es auch unvergebene Sünden gibt.
Und das ist dann meist für grüblerische Christen, besonders wenn sie seelisch noch angeknackst sind, ganz schlimm, weil sie dann bloß noch herumbohren und sagen: Gott hat mich verdammt. Wenn sie mit solchen Nöten zu tun haben, dann möchte ich ihnen sagen: Oft ist das vielleicht ein medizinisches Problem. Ich hoffe, dass ihre Sinne noch klar sind, dass sie fassen können, um was es geht.
Es geht nicht um den Fall, der leider, leider bei uns immer wieder passiert, dass wir sündigen, sondern es geht um ein mutwilliges Sündigen, um ein vorsätzliches. Sie wissen auch von der juristischen Sprache, was vorsätzlich heißt: mit Absicht. Der Schwabe sagt: mit Fleiß. Zum Posten, wo man ganz genau das will. Und es geht sogar noch viel mehr um jemand, der das Blut des Bundes für unrein hält, heißt es in Vers 29, der das heilige Blut Jesu lästert.
Die Schwere der Lästerung und die Erinnerung an die ersten Glaubensschritte
Das ist für mich kein Punkt, über den wir diskutieren können. Ich möchte bis heute nicht die Lästerworte zitieren, die heute auch im Rahmen unserer evangelischen Kirche über das Blut Jesu gesprochen werden, weil ich es schon als schmutzig empfinde, dass man sie überhaupt zitiert. Da tut man schon viel zu viel Ehre an.
Denn hier steht ganz klar: Wer das Blut des Bundes für unrein hält, durch das er doch geheiligt wurde, und wer den Geist der Gnade schmäht, was schmäht denn der, der da sündigt? Der schmäht die Liebe Jesu und seine Vergebung. Der sagt: Da brauche ich doch nicht, ich bin doch selber gut. Und der lässt das.
Leider ist das heute gang und gäbe geworden. Sie können genug davon mitkriegen. Und da steht, dass es ganz furchtbar ist, wenn man an solchen Dingen teilhat. Und da stehe ich dazu, dass es da keine Vergebung mehr gebe. Es geht also um einen ganz mutwilligen Akt. Und da wollen wir auch nicht um der Diskussion willen weiter mitmachen, sondern da ist eine Grenze da.
Leute, die die Erkenntnis der Wahrheit einmal empfangen haben, denen alles klar war, ja, das ist makaber. Wenn man einfach das, was man empfangen hat, lästert, dann ist das am allermeisten an dieser Stelle bei dem Opfer für die Sünden. Denn davon leben wir. Keiner von uns kann sich vor Gott selber gerecht machen. Wenn diese heilige Sache des Opfers Jesu in den Dreck getreten wird, dann ist das etwas Ungeheuerliches.
Mehr will ich nicht sagen, weil es uns nicht um irgendwelche Angriffe geht, sondern um Klarheit, was mit diesem Wort gemeint ist: Schrecklich ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen. Der Gott der Barmherzigkeit ist zur gleichen Zeit auch ein heilig richtender Gott, wenn man seine Liebe und seine Gnade mit Füßen tritt.
Der Vater des verlorenen Sohnes, der sich so weit herabneigt, ich habe in meinem Amtszimmer immer so ein schönes Rembrandtbild, wo er sich ja selber gemalt hat, immer an den verlorenen Söhnen, dieser Gott ist gleichzeitig ein Gott, der sich nicht spotten lässt. Und am wenigsten lässt er sich von denen spotten, die die Kraft seiner Erlösung erfahren hatten und dann ihn im Übermut lästern.
Das ist einfach genug, dass man es einmal gewusst hat, dass man es nie mehr vergisst und dass man dann einfach weiß, dass Gott auch sagt: Mein ist die Rache, wir können das nicht richten. Ich sage Ihnen immer wieder: Bleiben Sie nicht im Rat der Spötter sitzen. Da gibt es auch eine Tür, durch die man hinausgehen kann. Da braucht man gar nichts dazu sagen, aber da ist unser Platz nicht.
Wir können über vieles diskutieren, ob die Politik in Bonn gut oder schlecht ist, das kann man stundenlang diskutieren. Aber über die Stelle kann ich nicht diskutieren, weil das mein Leben ist. Da kann ich nicht darüber diskutieren. Davon hänge ich ab.
Und deshalb geht es noch einmal zurück an die Erinnerung: Ihr wisst doch noch, wie das einst war, als ihr zum Glauben gekommen seid.
Märtyrerzeugnisse als Ermutigung für den eigenen Weg
Eines der schönsten Märtyrerbeispiele für unser Jahrhundert bleibt ja immer noch die Marion von Kloth. Wir haben sie in unserem Liederbuch da beschrieben: In Kummer sie vom Herzen singen.
Wie die baltische Landwehr 1919 den Sturm auf Riga einleitete und den Gefängnisvorhof stürmte, da lagen 32 Erschlagene da, von den Bolschewisten gefoltert und ermordet. Darunter war auch Marion von Kloth.
Überlebende haben dann gesagt, es war ihr, der 22-Jährigen, letztes Wort: Jetzt nur nicht schwach werden. Nicht immer wieder, dass der Verein einen aufruft, dann werde doch ich in meinem Leben nicht mich reinreiten lassen von solchen blöden Versuchungen. Ich werde doch dem Herrn treu bleiben. Der Teufel kommt ja bei uns viel raffinierter als mit dem Maschinengewehr.
Und diese Marion von Kloth war ja da nur in die Haft gekommen, weil sie ihre Großmutter nicht allein lassen wollte, die pflegebedürftig war. Das hat sie um Jesu willen getan. Und sie hat abends dieses Lied gesungen: „Weiß ich den Weg auch nicht, du weißt ihn wohl“, jeden Abend, als es dunkel wurde, dass alle Gefangenen es hören konnten. Und das wurde das Lied der baltischen Märtyrer. Das wollen wir nachher auch wieder singen.
Eine Ermutigung für uns, jetzt du doch deinen Christenstand mal festzumachen, in einer Zeit, in der so viele faule Kompromisse gemacht werden. Es ist ein Trostwort, es ist ein Mahnwort für uns wieder, und dass wir unseren Weg fröhlich gehen: Werft euer Vertrauen nicht weg.
Der Glaube als Vertrauen, Gehorsam und Zukunftshoffnung
Auch das mit dem Glauben und mit dem Vertrauen ist bei uns so heruntergeritten. Und zwar liegt das immer an einer ganz blöden Geschichte, dass die Worte bei uns eine Veränderung erlebt haben.
Im biblischen Begriff von Glauben war das nie gemeint, wie ich sage: Ich glaube, heute Nacht wird es kalt. Es ist einfach blöd, dass das Wort Glauben dabei ist oder dass man sagt, glauben kann man an alles, auch an eine Placebopille, die bloß aus nichts besteht, und wenn man den Glauben daran hat, wird es besser. Das ist unsinnig.
Sicher, ich kann den Menschen täuschen, und durch Täuschung kann man manches tun. Aber Sie können einem sterbenden, todkranken Menschen, der kann glauben, was er will, er wird eben nicht gesund. Sie können uns nicht manipulieren, sonst wäre es ja ganz einfach. Dann hätten Sie ja immer Geld. Sie müssen bloß glauben, dass Ihr Konto voll Geld wäre oder dass Ihr Auto plötzlich ein Mercedes wäre oder was. Es wäre alles ein Wunder, man muss ja bloß dran glauben.
Das geht eben nicht. Es muss eine Realität dahinter sein. Und das, was im biblischen Begriff drin ist, auch irgendwo im Neuen Testament, wenn das Wort Glauben vorkommt, meint Vertrauen und Gehorchen. Immer ist das Gehorchen dabei. Es gibt das Wort Glauben im Neuen Testament nicht ohne den ganz strengen Begriff des Gehorchens.
Und er glaubte dem Herrn, das heißt: Jetzt hat er es konkret verwirklicht. Jetzt hat er etwas getan, jetzt hat er sein Leben umgedreht. Es war immer ein Schritt, es war nie etwas bloß Gedankliches.
Und werft euer Vertrauen jetzt nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Nochmal der Aufruf, bevor er dann in Kapitel 11 kommt und uns die Zeugen des Glaubens noch einmal vorstellt: Jetzt müsst doch ihr in eurem Christenstand das wieder ergreifen. Es hat eine ganz große Belohnung.
Was ist die Belohnung? Das ist das, was in der Ewigkeit der Herr für mich hat. In dieser Welt kann ich das Opfer des Glaubens auch nicht verrechnen. Jesus sprach davon, dass man hundertfältig das wiederbekomme, was man für ihn opfere. Es ist noch viel, viel größer, was der Herr uns geben wird. Es steht in gar keinem Verhältnis. Er lässt sich nicht schenken, sondern wir wollen ihm treu sein und uns einsetzen. Und es ist das allerreichmachendste, was man je erleben kann.
Das ist immer wieder erstaunlich, dass alle, die das gemacht haben, nie das getan haben aus Berechnung, sondern immer sagen: Es war für mich das Beglückendste und das Schönste. Wir haben eine, heißen wir es für uns mal, eine bessere und eine bleibende Habe.
Und immer wieder wird der Blick auf den wiederkommenden Christus gelenkt. Wir warten noch eine kleine Weile, so wird der kommen, der da kommen soll, und er wird nicht lange ausbleiben.
Rechtfertigung aus Glauben und das Leben der Glaubenszeugen
Und dann kommt in Vers 38 etwas ganz Wunderbares. Dieses Wort aus Habakuk 2 ist übrigens ein ganz wunderbares Wort. Man sollte den Propheten Habakuk ruhig noch einmal lesen: Mein Gerechter aber wird aus Glauben leben. Das steht schon im alten Bund.
Das war ja die Stelle, durch die Martin Luther Freude bekam. An dieser Stelle ist er durchgebrochen. In seinem Turmerlebnis in Wittenberg, die dabei waren, erinnern Sie sich noch an den Turm, da hat er studiert und gelesen, hauptsächlich in der Bibel. Er hatte immer diese Gerechtigkeit Gottes als etwas gesehen, das er nie erreichen kann.
Und dann ist er an dieses Wort gekommen: Mein Gerechter wird aus Glauben leben. Der Gerechte, natürlich der, der keine Fehler hat, der Fehlerlose, wird aus Glauben leben. Bis er begriffen hat: Nein, Gott macht mich durch seine Versöhnungstat zu einem Gerechten. Und ich darf meines Glaubens fröhlich leben. Ich muss nicht mehr aus dem Zwang kommen, sondern aus der Gewissheit, dass er mich angenommen hat. Und ich werde meines Glaubens leben.
Dann hat er den Römerbrief entdeckt und sagt: Jetzt verstehe ich es, was da steht. Das Zentrum des Evangeliums ist, dass Gott mich mit sich versöhnt hat und dass ich rein bin. Jetzt darf ich ihm dienen. Wir sind nicht von denen, die zurückweichen und verdammt werden, sondern von denen, die glauben und ihre Seele erretten.
Und das Interessante ist ja, dass gerade Leute mit diesem Glauben es waren, die in unserer Welt so viel wirken konnten, so viel Großes geschaffen haben. Die Werke gemacht haben, es waren oft ganz schwache Leute. Sie haben mit Gott gerechnet, wie sagt er nochmals, wie mit Zahlen, ganz realistisch.
Georg Müller, dessen Biografie ja immer wieder lesenswert ist, hat mehrere Tausend Kinder versorgt, ohne dass er wusste, woher seine Finanzierung kommt. Immer abhängig, bloß gelebt von Gott her.
Wenn wir nach Antalya kommen, da gedenkt man immer an Johannes Markus. Barnabas, der Onkel von Johannes Markus, es war ja eine Familie. Maria hat ja die urchristliche Gemeinde in Jerusalem beherbergt. Und Paulus und Barnabas und Johannes Markus, von Antalya und Perge sind sie den Taurus hinauf. Und der Ludwig Schneller, der ja das alles bereist hat, der schreibt so schön: Warum hat Johannes Markus Angst bekommen? Der ist ja plötzlich abgehauen, er hat gesagt: Ich gehe nimmer mit.
Weil im Gasthaus von Perge die Schauergeschichten erzählt worden sind, die Bildzeitungsnachrichten, was da alles passiert ist: die Gangsterbanden, die da oben in den Passhöhen die Wanderer überfallen haben und wie viel da blutig geschlagen wurde. Da hat ein junger Mann den Mut verloren.
Und ich sehe: Ich wäre immer noch mal gern diesen Pass hochgelaufen. Da bleibt aber nie die Zeit, das ist eine Riesenentfernung. Aber wenn wir da unten stehen, werden wir uns an dieser Stelle noch einmal erinnern, was das war. Es kommt ja oft bei den Paulusbriefen die Not mit Johannes Markus, das war der Schreiber später vom Markusevangelium.
Es ist schon eine Sache, seinen Glauben auch in schweren Stunden zu bewähren und nicht zu kneifen. Wir sind nicht von denen, die da weichen. Der Paulus hat später gesagt: Ich nehme Johannes Markus nie mehr mit, einmal und nie wieder. Barnabas hat gesagt: Mein junger Mann muss mir auch noch einmal die Chance geben. Er hat ihn dann noch einmal mitgenommen. Als er schon wieder hineingewachsen wurde, brauchbar von uns an, das war herrlich.
Aber dass man weiß, es geht im Glauben auch bei Ihnen um sehr viele Probleme, durch die man durch muss. Wir stehen nicht vor den Erschießungskommandos der Bolschewisten, aber es ist die Frage, ob Sie schon anfangen, zu weichen, wenn es um Ihre stille Zeit geht oder um die Zeit, die Sie verspäten, ob Sie weichen im Gehorsam gegen Gottes gute Ordnungen, ob Sie weichen, oder ob Sie einer von denen sind, die nicht weichen.
Ich will dabei bleiben, um meiner Berufung willen. Ich habe doch das Ziel vor Augen, und da will ich dabei bleiben, auch in den Anfechtungen, auch im Leiden. Das Allerschwerste in den Schmerzen ist das Zurückweichen, ganz besonders schlimm. Und wenn die Verbindung zu Jesus gekappt wird und man plötzlich dann im Murren stehen bleibt und ihm schimpfen, dann ist es schlimm, wenn man das alles verspielt hat.
Aber ich denke, es ist genug deutlich geworden, wie es darum geht, einen müde gewordenen Christenstand wieder zu neuem Leben zu aktivieren.
