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Kindererziehung und Verwandtschaft

Ehe - 5 Konfliktbereiche, Teil 4/4
13.04.2013
SERIE - Teil 4 / 4Ehe - 5 Konfliktbereiche

Einführung zum Thema Kindererziehung

Zum Thema Kindererziehung möchte ich heute Abend noch etwas sagen. Wir haben jetzt nicht mehr so viel Zeit für lange Vorträge. Vielleicht ist es auch gut, wenn wir danach noch ein bisschen im Dialog sprechen. Dennoch möchte ich einige Folien zeigen.

Das Wichtigste ist: Gott steht an erster Stelle in einer christlichen Familie. Gott hat den ersten Platz. Man soll zuerst nach dem Reich Gottes trachten. Der Herr ist für uns, das soll in der Familie jeder wissen. Wer sollte gegen uns sein, wenn Gott mit uns ist? Gott ist für uns, und er hat die höchste Priorität.

Es gibt einen Streit unter Christen, den ich schon öfter in Diskussionen gehört habe, wie das mit dem Dienst in der Gemeinde und der Familie zu verstehen ist. Hier sind die Prioritäten aufgeführt: Zuerst steht Gott – die Beziehung zu ihm. Danach kommt der Dienst für ihn.

Zum Dienst für ihn gehört zuerst die Frau beziehungsweise der Ehemann, wenn die Ehefrau anwesend ist. Zweitens kommen die Kinder. Dann könnten auch die Eltern, Großeltern oder andere Familienangehörige die zweite Priorität haben.

Das dritte ist der Dienst an den übrigen Gläubigen, also das restliche Volk Gottes, so wie der Herr mich hingestellt hat. Viertens folgt das Zeugnis in der Welt, die Evangelisation.

So scheint es aus der Schrift zu sein. Es ist also nicht richtig zu sagen, die Gemeinde müsse zuerst kommen und dann die Familie. Die Familie ist ja auch Teil der Gemeinde beziehungsweise die Kinder. Wo sollen sie sonst hingelangen? Das ist unser großes Ziel.

Vielleicht sind die Kinder schon dem Herrn geweiht. Übrigens: Wenn Kinder sich bekehren, sollte man das ernst nehmen. Ich weiß nicht, wie ihr zur Taufe steht, aber wir taufen auch Kinder, wenn sie sich bekehren. Eine Kinderbekehrung ist etwas Ernstes und sollte ernst genommen werden.

Die Taufe ist auch eine Bewahrungshilfe. Die Reihenfolge ist ganz klar: Zuerst kommt Gott, dann der Dienst. Dieser Dienst besteht aus den genannten Teilen.

Unser ganzes Leben ist Dienst für den Herrn und darf es auch sein.

Verantwortung und Rollen in der Familie

Gott zuerst.

Der Ehemann trägt die volle Verantwortung für alles, was in der Familie geschieht. Das muss er wissen. Es ist wichtig, dass der Vater und Ehemann gesund sind. Gesundheit ist alles, oder? Ich meine hier sowohl geistliche als auch körperliche Gesundheit, je nachdem, wie es der Herr schenkt. Aber geistliche Gesundheit ist das Wichtigste. Hauptsache, er ist geistlich gesund.

Er muss eine gute Beziehung zum Herrn haben und sich bewusst sein, dass er die volle Verantwortung für seine Familie trägt. Diese Beziehung des Vaters zu seinem Gott ist eine Grundsäule für die Familie. Er ist ganz hingegeben und übernimmt die Verantwortung gern und vollumfänglich.

Die Ehefrau, drittens.

Die Ehefrau ist auf den Mann hin ausgerichtet, das haben wir gelernt, und sie ist zu Hause. Wenn die Kinder da sind, ist die Frau bei ihnen. Die Kinder brauchen eine Mutter, auch wenn sie heranwachsende Teenager sind. Wenn die Teenager zu Hause sind, soll die Mutter ebenfalls zu Hause sein.

Natürlich sind die Teenager tagsüber in der Schule. Aber wenn sie zu Hause sind, soll die Mutter anwesend sein. Die Kinder brauchen das, auch wenn es manchmal nicht so aussieht. Sie brauchen ihre Eltern immer. Die Kinder sind sehr froh, dass es Eltern gibt und dass die Mutter zu Hause ist. Dieses Wissen, dass es eine Anlaufstelle gibt, ist sehr wichtig für sie.

Die Frau muss wissen, dass ihr Dienst das Haus ist. Wir haben heute Bibelstellen gelesen, die zeigen, dass sie an die Seite des Mannes und ins Haus gehört – das Haus als Familie. Dort ist sie eine wichtige Anlaufstelle, und es muss ihr gut gehen.

Wenn es der Mutter gut geht, geht es allen gut. Die Mutter ist das wichtigste Stück in der Familie. Das zeigt sich in der Praxis: Wenn es der Mutter schlecht geht, geht es allen schlecht. Und wenn die Mutter nicht da ist, dann ist niemand da.

Erziehung als Lehr- und Lernprozess

Eltern sind also Erzieher und Lehrer, denn Erziehung hat mit Lehre zu tun. Das Ziel der Erziehung ist, selbstständige Menschen zu formen, die Gott wohlgefällig sind, ihm dienen und ihn anbeten.

Wir möchten junge Menschen dahinführen, dass sie selbstständig werden und aus eigenem Antrieb Gott wohlgefällig sein wollen. Dies geschieht durch Imitationslernen. Die Kinder ahmen ihre Eltern nach.

Doch wie wird das im Konkreten erreicht?

Gottes Wort als Fundament

Ich habe heute bereits gesagt: Alles Werden geschieht durch Gottes Wort, durch Gottes Sprechen.

Das Erste, was Kinder brauchen, ist Gottes Wort. Wenn wir dieses Ziel erreichen wollen, müssen wir die Kinder mit dem Wort Gottes füllen. Das kann man schon mit ganz kleinen Kindern tun. Schon während der Schwangerschaft kann man den Kindern Lieder von Gott vorsingen, denn sie hören es auch im Bauch.

Später kann man ihnen Texte vorlesen oder vorsingen. Sobald das Kind sprechen kann, kann man mit ihm schon Verse auswendig lernen – vielleicht ganz kurze Verse, die dann immer länger werden. Ein Dreijähriger kann zum Beispiel schon Psalm 23 lernen. Das ist zwar einfache Wiederholung, aber es prägt sich tief ein: Gottes Wort. Es gehört einfach zur Familie und zum Leben dazu.

Das Wort Gottes liest man überall: auf dem Klo, an der Tür oder an den Türpfosten. Überall begegnet man dem Wort Gottes, zum Beispiel auch auf Kalenderblättern. In 5. Mose oder hier, wo ich gerade Psalm 119 aufgeschlagen habe, steht: Wodurch wird ein Jüngling seinen Weg reinhalten? Indem er sich bewahrt nach deinem Wort.

Um sich nach dem Wort zu bewahren, muss man es kennen. „Mit meinem ganzen Herzen suche ich dich, lass mich nicht abirren von deinen Geboten. Dein Wort habe ich aufgespeichert in meinem Herzen, damit ich nicht gegen dich sündige“, sagt hier ein erwachsener Mensch. Aber für Kinder gilt dasselbe: Das Wort muss im Herzen gespeichert werden.

Kinder sind ausgezeichnete Auswendiglerner – viel besser als wir Erwachsene. Deshalb sollen wir sie ermutigen und gemeinsam mit ihnen spielerisch das Wort Gottes lernen. Das gehört einfach dazu. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes kommt.

Wenn wir gute Familien haben wollen, dann muss das durch das Wort Gottes geschehen. Das Wort Gottes hat immer den ersten Platz. Vers 5 und 6 sagen: „Du sollst Yahweh, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit aller deiner Kraft. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollen auf deinem Herzen sein.“

Auf dem Herzen kann man es nur schreiben, wenn man es lernt. Diese Worte sollen nicht nur im Computer oder auf einem Zettel stehen, sondern im Herzen geschrieben sein. Und du sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt, wenn du auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst. Das heißt: bei allen alltäglichen Arbeiten und Gelegenheiten, wenn man zusammen ist.

Die Kinder müssen merken, dass das Wort Gottes einfach dazugehört, dass es ein Teil unseres Lebens ist. Wenn sie klein sind, gewöhnen sie sich daran. Dann ist es für sie ganz normal, mit dem Wort Gottes aufzuwachsen. Das ist so entscheidend wichtig: die Kinder von klein auf mit dem Wort zu füllen und zu nähren. Das bleibt hängen.

Wie es in den Sprüchen heißt: „Gewöhne einen Knaben an seinen Weg, so wird er nicht davon ablassen, wenn er alt wird.“ Man gewöhnt ihn an das Wort Gottes, und dann wird er nicht davon lassen, wenn er alt ist. Das sind gesunde Gewohnheiten für unsere Kinder.

Dabei muss natürlich auch bei uns selbst das Wort Gottes einen Platz haben. Es muss uns beschäftigen. Man muss nicht unbedingt die Bibel herausziehen, man kann auch auswendig zitieren. Man kann Lieder über das Wort Gottes singen oder einzelne Verse. Das prägt sich ein und prägt auch unsere Kinder.

Vorbildwirkung und praktische Hilfestellung

Das Zweite ist unser Vorbild und die Vorbildwirkung. Das Kind lernt durch Imitation. Es sieht, wie wir mit der Bibel umgehen, wie wir sie in der Praxis umsetzen. Kinder sind sehr gute Beobachter und lernen fast von selbst, indem sie das nachmachen.

Wenn sie sehen, dass der Papa betet, weil er den Kugelschreiber verlegt hat, dann lernt das Kind auch zu beten, wenn es selbst den Kugelschreiber verlegt oder den Schlüssel verloren hat. Gebet kann ganz einfach ins Alltagsleben integriert werden, und das Kind wird es dann ebenfalls tun.

In einer Familie hatten sich die Kinder verlaufen. Sie waren im Vorschulalter. Eine der älteren Kinder sagte zu den Jüngeren: „Wir müssen jetzt beten, wir finden die Eltern nicht mehr, wir wissen nicht mehr, wo wir sind, wir müssen einfach beten.“ Sie beteten, und der Herr half ihnen, wie er das immer gerne tut.

Das Dritte ist, dass man also erstens Information gibt, zweitens Vorbild ist und drittens Hilfestellung in der praktischen Anwendung leistet. Das Kind braucht Unterstützung, um zu lernen, wie man etwas macht. Die praktischen Dinge werden so eingeübt – in jeder Hinsicht.

Je früher die Kinder in der Familie mithelfen, desto besser. So lernen sie, was Arbeit bedeutet – spielerisch und praktisch. Die Mutter denkt vielleicht: „Ach, das ist so kompliziert, beim Kinderarzt ist alles da.“ Aber wenn sie alles selbst macht, geht Zeit verloren. Hier ist die Zeit richtig eingesetzt, wenn das Kind mit anpackt.

Es soll ganz selbstverständlich sein, dass man mithilft, zum Beispiel das Geschirr in den Geschirrspüler räumt. Am Anfang muss man dem Kind beibringen, vorsichtig mit dem Teller umzugehen. Wenn einmal ein Teller kaputtgeht, ist das nicht so schlimm. Das Kind lernt, aufzupassen.

Einmal hat ein Kind geweint, weil es ein Tablett mit etwa acht Gläsern getragen hat, und zwei davon sind umgefallen und kaputtgegangen. Das war für das Kind schlimm, und es hat sehr darunter gelitten. Aber jetzt hat es gelernt, dass man mit den Gläsern vorsichtig umgehen muss.

Wenn man den Jungen auf seinem Weg angemessen führt, wird er auch als Erwachsener nicht davon abweichen. Dieses Prinzip ist ganz wichtig – ähnlich wie bei der Ehe, wo alles zum Wohl der Frau geschieht, so soll hier alles zum Wohl des Kindes sein.

Alles geschieht zum Wohl des Kindes. Genau das ist es. Das Kind weiß oft nicht, was zu seinem Wohl ist. Manchmal empfindet das Kind etwas anderes als Wohl, aber wir wissen, was gut für das Kind ist. Das muss uns klar sein: Alles zum Wohl des Kindes.

Beziehung und Autorität in der Familie

Die Kinder merken, dass der Vater ein Diener ist. Sie respektieren das und lernen ebenfalls zu dienen. Der Vater lebt es vor, und die Kinder leben es nach. Das Beste, was man für die Kinder tun kann, ist, ihre Mutter zu lieben. Das haben wir in den letzten Tagen schon besprochen. Aber so ist es nun einmal: Voraussetzung für Erziehung ist – ich wiederhole mich – eine intakte Beziehung zu Gott. Die Beziehung zum Ehepartner muss intakt sein, und darauf aufbauend entsteht die Beziehung zu den Kindern.

Diese Beziehung soll von Liebe, Harmonie und Konsequenz geprägt sein. Die Kinder müssen spüren, dass es zu Hause Geborgenheit und Harmonie gibt. Man mag sich, aber es gibt auch Grenzen. Werden diese Grenzen überschritten, gibt es Konsequenzen. Das bedeutet, die Kinder lernen Autorität kennen. Einerseits lernen sie Liebe, andererseits erfahren sie, was es heißt zu lieben. Sie schauen uns ab: Wie sprechen wir miteinander? Wie ist der Tonfall? Wie gehen wir miteinander um? So machen wir das. Die Kinder ahmen das einfach nach.

Die ersten Jahre sind die wichtigsten Jahre in der Erziehung, besonders die ersten zehn Jahre. Dort wird der Grundstock gelegt, eigentlich alles. Natürlich gibt es auch danach weiterhin Erziehung, aber diese ersten zehn Jahre sind entscheidend.

Wir haben ein Kind adoptiert, das war zehn Jahre alt. Das war eine große Herausforderung, denn das Kind war schon geprägt. Dennoch war es interessant zu beobachten, dass sie sich einige Jahre wie ein Baby benahm. Der Kleine war damals noch recht jung, zwei oder drei Jahre alt, und sie legte sich auch so hin wie ein Baby, wollte die Flasche und wollte vieles nachholen. Sie hatte gesehen: „So machen das kleine Kinder, ich möchte das auch noch einmal erleben.“ Sie ließ sich viel sagen.

Er hat in recht kurzer Zeit sehr viel gelernt. Es war eine ganz interessante Geschichte für uns, aber es war nicht einfach und ist es auch heute noch nicht. Entscheidend wird wirklich in den ersten Jahren der Grundstock gelegt.

In dieser Zeit sollte das Kind vor Fernseher, Handy, iPod und ähnlichen Dingen verschont bleiben. Das Kind braucht diese elektronischen Medien wirklich nicht. Was es braucht, ist Beziehung. Elektronische Mittel stören die Beziehung, sie sind ein Beziehungshemmer und fördern nur andere Dinge.

Das eigentliche Lernen geschieht nicht durch solche Geräte, indem man irgendwann zur richtigen Zeit irgendeinen Knopf drückt. Lernen geschieht anders: durch Lesen, Vorlesen. Das sind die wichtigen Dinge. Das Kind soll lernen, lesen zu können, und soll lernen, dass Lesen schön, nett und angenehm ist. Deshalb sollte viel vorgelesen werden.

Diese Zeit genießen die Kinder. Man sitzt zusammen, liegt mit dem Papa auf dem Schoß oder das Kind sitzt auf dem Schoß der Mama. Es gibt Körperkontakt, und das ist so gemütlich. Kein Telefon stört, es ist einfach Family Time. Die Kinder genießen das. Diese Zeit sollte man richtig auskosten, solange die Kinder klein sind. Es ist auch für die Eltern eine sehr schöne Zeit.

Es gibt schöne Kinderbibeln, aus denen man vorlesen kann. Die Kinder wollen das immer wieder hören, und man liest ihnen immer wieder vor. So prägt sich das ein.

Man kann in dieser Zeit, in den ersten sieben Jahren bis zur Schule, nicht genug in die Kinder investieren. Das ist eine herrliche Zeit für das Kind. Für die Eltern ist diese Zeit zwar aufwendig, aber die investierte Zeit bekommt man vielfach zurück, wenn die Kinder groß sind.

Nicht Regeln sind das Entscheidende. Das Leben besteht nicht aus Regeln, sondern aus Beziehung. Es gibt zwar Regeln, aber man geht anders mit ihnen um. Wir sind nicht Polizei. Wir haben Regeln, und wir sollen Regeln haben, aber das Entscheidende ist wirklich Beziehung. Leben besteht aus Beziehungen. Leben heißt Beziehung.

Der Vater steht unter der Hauptautorität von Jesus Christus, dann zu seiner Frau, und darauf aufbauend baut er eine Beziehung zu den Kindern auf. Die Kinder lassen sich formen. Kinder lassen sich viel leichter formen, als man am Anfang denkt. Wenn man noch recht jung ist, fragt man sich, wie man das Alter den Kindern beibringen kann.

Kinder lassen sich formen, vor allem Kinder, die wissen, dass sie geliebt sind. Das ist die Basis für das Kind. Es muss wissen: Meine Eltern lieben mich bedingungslos, egal was ich mache. Meine Eltern lieben mich.

Ich habe meiner Adoptivtochter, als sie zehn war und auch später, immer wieder gesagt: „Weißt du, Alina, ich liebe dich, egal was du machst. Du bist mein Kind, und ich bin der Papa, der immer da ist, egal wo du bist, was du bist. Du bist mein Kind.“ Das war für sie sehr befreiend. Zu wissen, dass jemand einen immer liebt und immer für einen da ist und hilft, stärkt die Beziehung.

Kinder wollen grundsätzlich so denken wie die Eltern. Sie möchten so denken, auch wenn sie älter werden. Natürlich gibt es dann die Zeit, in der sie ihren eigenen Weg finden müssen. Aber diese Kinder sind geprägt. Man muss keine große Angst vor der Pubertät haben. Unsere Kinder sind geprägt, und auch wenn es Turbulenzen gibt, können wir ihnen ohne Angst begegnen, wenn wir eine Beziehung aufgebaut haben.

Es ist so schön, wenn ein Sohn in der Schule einen Aufsatz über seine Freunde schreibt und darin erwähnt, wie viele Freunde er hat. Und dann schreibt er: „Der Papa ist auch mein Freund.“ Genau das ist es. Der Papa muss sein Freund sein. Dieses Verständnis muss da sein. Diese Freundschaft wollen wir aufbauen.

Kinder wollen so denken wie die Eltern. Und wie denken die Eltern? Die Eltern denken so, wie Gott denkt. Das ist ihr Ziel. Sie möchten die Bibel kennenlernen, haben schon viel von Gott gelernt und lernen weiter. Sie denken, wie Gott denkt. So lernen die Kinder, wie Gott zu denken.

Nicht mit Zeigefinger und Strenge, sondern weil sie in dieser Beziehung groß werden. Es kommt ganz selbstverständlich mit, dass das Göttliche, das Wort Gottes, die Versammlung für sie ganz normal sind. Dass man am Sonntagvormittag in der Versammlung sitzt, ist selbstverständlich. Sie kommen gar nicht auf die Idee, etwas anderes zu tun, weil sie das schon seit ihrer Geburt so gewohnt sind.

Wenn Kinder richtig erzogen werden, denken sie auch so wie die Eltern. Sie wissen: Gott ist Gott, wie mein Vater. „Gott ist wie mein Vater. Der Vater will das Beste für mich, und Gott will das Beste für mich.“

Das Kind lernt Autorität kennen. Interessant sind die zehn Gebote, die auf zwei Tafeln geschrieben wurden. Die zehn Gebote sind in zwei Teile gegliedert: die ersten fünf Gebote regeln die Beziehung zu Gott, also die vertikale Beziehung. Die anderen fünf regeln die waagerechte Beziehung zu den Mitmenschen.

Interessant ist, dass zum ersten Teil, der vertikalen Beziehung, auch das fünfte Gebot gehört. Das fünfte Gebot lautet: „Du sollst Vater und Mutter ehren, damit du lange lebst und es dir wohl ergeht auf Erden.“ Das ist das fünfte Gebot.

Martin Luther hatte noch die katholische Zählung, aber die biblische und reformierte Zählung kennt das fünfte Gebot so.

Das erste Gebot heißt: „Du sollst keine anderen Götter haben.“ Das zweite Gebot: „Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen.“ Das dritte: „Du sollst dir kein Bildnis machen.“ Das vierte: „Du sollst den Sabbattag heilig halten.“ Und das fünfte: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.“

Interessanterweise gehört das Gebot, die Eltern zu ehren, zur vertikalen Beziehung. Das bedeutet: Warum ist das so? Weil es eigentlich keine horizontale Sache ist, sondern eine vertikale. Das heißt, das Kind lernt an den Eltern, wer Gott ist. Es lernt Autorität kennen und definiert seine Beziehung zu Gott von seiner Beziehung zu den Eltern her.

Deshalb ist es Gott auch so wichtig, dass die Kinder ihre Eltern ehren. Gott sehen die Kinder nicht, sie können ihn nicht in dem Sinne ehren, weil sie noch nicht mit jemandem umgehen können, den sie nicht sehen. Aber sie sehen die Eltern. Die Eltern sind die Autorität, sie sind das, was Gott ist. Ihnen muss man gehorchen, so wie der Mensch Gott gehorchen muss.

Wenn ein Kind durch das Gebot lernt, den Eltern zu gehorchen, lernt es, was es heißt, Gott zu gehorchen. Das gehört also zur vertikalen Beziehung zu Gott.

Eltern als Hirten der Herzen

Eltern sind Hirten der Herzen. Es gibt ein gutes Buch dazu, das wahrscheinlich bekannt ist. Kennt ihr das Buch von Tim, wie heißt er, Ted Tripp? Das Buch heißt „Eltern – Hirten der Herzen“. Wer kennt es? Falls es nicht bekannt ist, sollte man es sich unbedingt besorgen. Entschuldigung, dass ich hier Werbung mache, aber das ist wirklich ein Muss für Eltern von Kindern im Teenager-Alter.

Es gibt außerdem noch einen Folgeband, der heißt „Albtraum Teenager“ oder so ähnlich. Ich weiß den genauen Titel nicht mehr. Dieses Buch wurde von einem Verwandten von Ted Tripp geschrieben, ich glaube vom Neffen oder vom Onkel. Jedenfalls sind sie verwandt und haben diese beiden Bücher verfasst.

Das erste Buch ist kein normales Erziehungsbuch. Es geht in die Tiefe und betont sehr stark die Beziehung zwischen Eltern und Kind. Es zeigt, dass Eltern wie Hirten sind – und zwar Hirten der Herzen. Es geht darum, das Herz des Kindes zu gewinnen. Hirtenarbeit eben.

Hirtenarbeit in der Familie

Ein Hirte ist jemand, der für seine Schafe lebt. Ebenso leben Vater und Mutter für ihre Kinder. Dabei geht es darum, das Herz der Kinder zu hüten, zu weiden und zu nähren sowie ihnen voranzugehen – so wie ein Hirte es mit seinen Schafen tut.

Unser guter Hirte, der Herr, macht es genauso mit uns. Das ist ja biblisch der ganze Gedanke: Der Herr ist der Hirte für uns, und so sind wir die Hirten für unsere Kinder. Dazu gehört, den Kindern den Herrn Jesus liebzumachen und sie mit dem Wort Gottes vertraut zu machen. Man lehrt sie den Unterschied zwischen dem Reich Gottes und der Welt. Schon früh darf man den Kindern beibringen: Schau, es gibt das Reich Gottes! Das sind die Menschen, die ihm gehören. Und es gibt solche, die ihm nicht gehören und ihn nicht wollen. Diese Menschen haben andere Prinzipien.

Das Kind merkt das ja auch. Es fragt sich zum Beispiel: Warum raucht der? Was tut der da? Rauchen ist nicht gut. Dann erklärt man, warum das Rauchen nicht gut ist. Und warum raucht keiner von uns in der Versammlung? Warum rauchen die nicht? Das Kind stellt sehr schnell Unterschiede fest, egal welcher Art. Und dann zeigt man dem Kind: Wir richten uns nach Gott aus. Aber nicht alle Menschen der Welt richten sich nach Gott aus. Es gibt auch solche, die nicht nach Gott fragen.

So lernt das Kind zu unterscheiden. Und das muss es früh genug lernen: Hier gibt es also auch einen Feind, das ist die Welt. Je nach Alter des Kindes muss ihm gezeigt werden, dass es etwas Böses gibt. Es gibt Menschen, die Böses tun und dir Böses wollen. Nicht jeder Mensch, der freundlich ist und ein bisschen lieb zu dir ist, soll dein Vertrauen bekommen. Es gibt Menschen, die Freundlichkeit nur heucheln und dir etwas Böses tun wollen.

So lernt das Kind, sich zu schützen. Es ist interessant, das an unserer Tochter zu beobachten, die wir später adoptiert haben. Sie musste diese Dinge später im Leben lernen, und es war schwieriger für sie. Aber es war auch interessant zu sehen, wie sie alle diese Stufen durchmachen musste. Sie hatte eine Zeit, in der sie gestohlen hat. Wir waren fassungslos: Warum stiehlt unsere Tochter? Wir haben ihr das nie vorgemacht. Auch die anderen Geschwister tun das nicht. Warum stiehlt sie?

Da habe ich gemerkt: Sie war zwar dreizehn oder vierzehn, als sie das getan hat, aber in ihrer Entwicklung war sie wie ein Kind, wie ein Fünfjähriger, der anfängt zu stehlen. Als ich das verstanden hatte, hat sie in dieser Lektion gelernt, dass es Konsequenzen gibt. Sie musste als Strafe bei der Person arbeiten, bei der sie gestohlen hatte. Das war total gesund für sie. Heute ist das kein Problem mehr. Sie stiehlt nicht mehr. Sie hat das gelernt, aber eben zeitversetzt – etwas später als ein Fünfjähriger, der von Anfang an versteht, dass man nichts nehmen darf, was jemand anderem gehört.

Die Kinder sollen den Unterschied zwischen dem Reich Gottes und der Welt lernen. Das muss ihnen klar sein. Man darf von Anfang an über all diese Dinge sprechen, soweit die Kinder daran interessiert sind. Wenn sie Fragen zur Sexualität oder zu den Geschlechtsteilen haben, erklärt man ihnen genauso viel, wie sie wissen wollen.

Unsere Kinder haben gefragt: Wo waren wir im Bauch? Dann haben wir gesagt: Ihr wart nicht im Bauch von der Mama, ihr wart im Bauch von einer anderen Mama. Ah, okay, gut. Dann hat man weitergelebt damit. Jetzt wissen sie: Wir waren halt nicht im Bauch der leiblichen Mama. Der Bruder war auch nicht, und die Schwester auch nicht. Die anderen Kinder waren normalerweise im Bauch der Mama. Später hat man ihnen erklärt, was Adoption bedeutet und so weiter.

So wachsen die Kinder mit, und sie sind nicht überrascht. Das ist in unserem Fall bei den adoptierten Kindern so. Bei anderen Kindern erzählt man, wie das geht, soweit das Kind das wissen möchte. So gibt es eine ganz natürliche Aufklärung und ein natürliches Wachstum in jeder Hinsicht.

Man sieht den Kindern auch klar, dass man einen ungläubigen Mann nicht heiratet. Das kann man mit zehnjährigen oder neunjährigen Kindern besprechen. Sie verstehen das schon. „Aha, ja, wenn wir heiraten, dann muss der gläubig sein.“ Das weiß das Kind von Grund auf, von klein auf. Das prägt sich ein.

Man macht Erfahrungen gemeinsam und erlebt Gebetserhörungen. Dann merken die Kinder: Oh, das Glaubensleben ist etwas Interessantes, und Gott ist eine Realität. Es war schön, als ein Pflegekind bei uns war – sie war sieben Jahre alt, als sie zu uns kam. Nach dem Frühstück haben wir gebetet. Sie hat uns mit großen Augen angeschaut, als wir uns hinknieten und alle nacheinander gebetet haben. Sie fragte sich, mit wem wir da eigentlich reden. Wir erklärten ihr, dass man Gott nicht sieht, dass er trotzdem da ist und dass man zu ihm sprechen kann, als wäre er sichtbar.

Sie hat uns angeschaut: „Aha, so ist das, okay, gut.“ Am zweiten oder dritten Morgen hat sie dann selbst gebetet: „Gott, ich danke dir, dass ich mit dir reden kann, obwohl man dich nicht sieht.“ So einfach, so natürlich. Sie hat sich darüber gefreut, weil es für sie selbstverständlich war, dass Gott existiert. Obwohl ihr sieben Jahre lang niemand gesagt hatte, dass es einen Gott gibt, war es für sie jetzt klar. Die anderen reden ja auch mit ihm.

Dann macht man weitere Erfahrungen und erlebt Gebetserhörungen. Einmal hat meine Tochter Aline mich beobachtet. Ich bin kein guter Bastler und habe zwei linke Hände. Wenn ich etwas anfasse, habe ich immer Schwierigkeiten. Ich musste ein Fahrrad reparieren oder so etwas. Dann habe ich gebetet, weil ich etwas nicht gefunden habe. Aline kam zu mir und sagte: „Jetzt weiß ich, warum dir Gott geholfen hat. Ich habe gesehen, dass du gebetet hast, und er hat dir geholfen. Ich habe ihm gesagt: Schau, jetzt habe ich es.“

Die Kinder beobachten uns und merken: Aha, so macht man das. Es gibt Hoffnung. Gott hat uns alles geschenkt für eine gute Ehe und eine gute Familie. Deshalb dürfen wir auch für die Kindererziehung genauso beten wie für unsere Ehe. Das gilt genauso, wie ich es heute und gestern über die Ehe gesagt habe.

Umgang mit Kindern: Würde, Liebe und Grenzen

Wichtig ist die Art und Weise, wie wir mit den Kindern umgehen. Die Kinder sind Gottes Bild, und das dürfen wir nicht vergessen. Sie sind im Bilde Gottes geschaffen, sie haben Würde und verdienen Respekt. Das heißt, sie verdienen es, respektvoll und freundlich behandelt zu werden – so, wie man ein Bild Gottes behandelt.

So wie ich mit einem Menschen umgehe, gehe ich mit Gottes Bild um. Gottes Bild darf ich nicht respektlos behandeln. Eine Ohrfeige ist entwürdigend. Jemanden anzuschreien ist entwürdigend. Man schlägt niemanden ins Gesicht.

Gott hat bereits einen Platz geschaffen, wo die Rute hingeht. Darauf kommen wir gleich noch zu sprechen, wenn ich noch Zeit habe. Herzlichkeit ist wichtig, nicht Härte. Die Kinder müssen wissen, dass sie geliebt werden, aber es gibt auch Grenzen.

Dem Kind muss gezeigt werden: Schau, die Grenzen sind zu deinem Wohl. Es gibt einen Schutzraum, in dem du dich bewegen darfst. Wenn du in diesem Schutzraum bleibst, ist das ein Segen für dich. Die Folgen bei Ungehorsam gibt es, und es gibt verschiedene Konsequenzen. So lernt das Kind, die Eltern zu fürchten, Ehrfurcht vor ihnen zu haben.

In 3. Mose 19,3 heißt es: „Ihr sollt jeder seine Mutter und seinen Vater fürchten.“ Dabei ist mit „fürchten“ nicht Angst gemeint, sondern großer Respekt. Ich fürchte zum Beispiel die Polizei in der Schweiz. Warum? Weil ich großen Respekt habe, da sie mir viel Geld abnehmen, wenn ich zu schnell fahre.

Die Polizei arbeitet anders, aber wir arbeiten mit Liebe und haben auch Grenzen. Wenn diese Grenzen überschritten werden, gibt es Konsequenzen. Das müssen die Kinder wissen.

Im Alten Testament gab es auch Konsequenzen. In manchen Fällen gab es sogar die Todesstrafe. Zum Beispiel, wenn ein Kind seine Eltern verflucht, dann sieht das Alte Testament die Todesstrafe vor. Im Neuen Testament natürlich nicht.

Man sieht hier, wie Gott denkt. Denn ein Fluch gegen die Eltern ist auch ein Fluch gegen Gott, und Gott sagt, das tue ich nicht.

Hier sind die Stellen: 3. Mose 20,9; 5. Mose 21,18-21; und Sprüche 20,20.

Nebenbei gesagt, die Bibel kennt auch eine ganz ernste Sprache in gewissen Fällen. Da muss man sich natürlich fragen, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Das ist eine andere Frage, aber trotzdem: Es gibt ganz ernste Konsequenzen.

Die Überwachung der Regeln liegt auch in der Verantwortung der Eltern. Wenn eine Regel aufgestellt wird, müssen sie darauf achten, dass sie eingehalten wird. Konsequenzen sind wichtig.

Hier ist das Bild von Wilfried Bloch, das ich mir ausgeliehen habe. Er gab mir die ganzen Folien, deshalb darf ich es verwenden.

Der Kreis des Segens: Man hat einen Kreis, in dem sich das Kind bewegt. Diesen Kreis kann man dem Kind erklären, indem man ihn aufzeichnet. Man sagt: Schau, da drinnen bist du. Das heißt, du gehorchst. So machen wir es, und du gehorchst uns – dann bleibst du im Kreis.

Wenn du nicht gehorchst, trittst du aus diesem Schutzraum heraus. Dieser Kreis ist ein Schutzraum für dich. Wenn du nicht gehorchst, bist du in Gefahr.

Es wäre sehr unweise, dich in Gefahr laufen zu lassen. Ich lasse dich auch nicht einfach zum Fluss laufen, wo du hineinstürzen und sterben könntest. Deshalb lasse ich dich nicht ungehorsam aus diesem Kreis herauslaufen.

Das versteht das Kind. Deshalb muss ich dich zurückbringen. Um dir zu helfen, zurückzukommen, muss ich dich disziplinieren.

Das heißt, du hast eine Regel übertreten. Es wäre eine große Gefahr gewesen, wenn ich dich hätte laufen lassen. Jetzt musst du zurückkommen.

Man kann zeigen, dass Gott auch so mit uns umgeht. Wenn wir ihm aus der Schule laufen, bekommen wir eine geistliche „Züchtigung“. „Die Gott liebt, die züchtigt er.“

Züchtigung bedeutet, mit dem Kind zu sprechen und eine Handlung zu setzen. Das kann mit der Rute geschehen. In unserer Gesellschaft ist das aber verboten.

Wenn man ein Kind in der Öffentlichkeit mit der Rute schlägt, kann es weggenommen werden. Interessanterweise wird ein Kind nicht weggenommen, wenn man es anschreit – obwohl Anschreien eine viel schlimmere Kindesmisshandlung ist als eine liebevolle Erziehung mit dem Hintern.

Man sieht, wie verkehrt die Welt denkt. Anschreien verletzt die Würde des Kindes viel mehr, während ein liebevolles „Brennen am Hintern“ keine Verletzung der Würde ist.

Wir verbrennen die Kinder ja nicht, sondern zeigen ihnen, dass sie etwas spüren müssen. So merken sie: Aha, das war nicht in Ordnung.

Dann weint das Kind, kommt zu den Eltern und möchte wieder die Liebe spüren. Es kommt weinend zu den Eltern, möchte umhegt, gepflegt und geherzt werden. Dann weiß es: Jetzt ist alles wieder gut.

Das ist Liebeszuwendung, wie sie die Bibel lehrt.

Also: Den Eltern gehorchen, die Eltern ehren – das sollst du tun. Dann hast du Wohlergehen, dann geht es dir gut auf Erden.

Dann wirst du lange leben. Eines Tages werden auch deine Kinder dich so versorgen, wenn du alt geworden bist.

Sie werden dich ehren und versorgen, sodass es dir bis ins Alter gut geht.

So wie du die Kinder behandelst, werden sie eines Tages sein. So wie du deinen Eltern gehorchst, werden deine Kinder sehen: „Aha, der gehorcht den Eltern.“

Dann werden sie ihre Eltern ehren und versorgen, bis ins Alter. So werden auch deine Kinder dich ehren.

Das Kind lernt das schon von klein auf: Man soll die Eltern ehren.

Gehorsam als Grundlage der Erziehung

Was heißt Gehorsam? Gehorsam bedeutet, deutlich gehörte Anweisungen ohne Aber und Einwände zu befolgen – ohne Murren, ohne ein „Ich nimmer“ und so weiter. Gehorsam heißt, ohne Verzug, ohne Widerspruch, ohne „Warum“ und ohne widerwilligen Blick das zu tun, was verlangt wird. Gehorsam heißt einfach: Jetzt tust du das.

Das sollen wir dem Kind beibringen. Wer eine andere Reaktion duldet, bringt dem Kind Ungehorsam bei. Wenn man sagt: „Ja, Kind, du darfst gehorchen, aber vorher darfst du noch die Miene verziehen, darfst dreimal fragen warum und sagen ‚Ich will nicht‘, aber irgendwann musst du es dann doch tun“, dann lernt das Kind: Aha, ich darf also so oft so und so und so handeln, und zum Schluss muss ich es dann tun. Das ist nicht weise, wenn wir das dem Kind beibringen.

Gehorsam heißt einfach: Jetzt und du tust das. Es ist ja nichts Unmögliches, was ich verlange. Du sollst den Mülleimer da raustragen oder irgendetwas anderes. Das Kind verhält sich wie du selbst: Wenn du fünfmal rufst, reagiert es erst beim fünften Mal. Wenn du erst beim fünften Mal wirklich darauf bestehst, dann weiß es: Aha, okay, viermal rufen ist okay, da brauche ich nichts zu tun, aber beim fünften Mal muss ich kommen.

Also bitte nicht fünfmal rufen, sondern einmal rufen, und dann muss es eine Konsequenz geben. Das Kind muss zuerst wissen: Wenn Papa oder Mama einmal ruft, dann muss ich kommen. Und dann muss es eine Konsequenz geben. Dann weiß das Kind sofort beim nächsten Mal: Aha, letztes Mal war es auch so, das gilt, das erste Mal zählt. Wenn man das weiß, dann gehorcht man das nächste Mal auch. So lernt das Kind gleich zu gehorchen.

Damit bringe ich dem Kind auch bei, dass es Gott gehorchen muss, wenn er etwas sagt – und zwar beim ersten Mal, nicht beim fünften Mal. Das darf ich dem Kind jetzt beibringen. Das ist eine Angelegenheit zwischen Kind und Eltern. Gehorsam ist aber nicht nur eine Angelegenheit zwischen Kind und Eltern, sondern eine zwischen Kind und Gott. Sieh: Wenn du mir gehorchst, dann gehorchst du Gott. Ich bin Gott für dich. So ist es.

Das Kind weiß auch, dass ich Gott für das Kind bin. Ich rede hier von kleinen Kindern. Das muss es lernen. Dann zeigt man ihm die Schutzzone: Das ist dein Schutz da drinnen, alles andere ist Gefahr für dich. Und du darfst das jetzt lernen. Um dir dabei zu helfen, gebe ich dir einen Klaps auf den Po oder etwas Ähnliches, damit du merkst: Aha, das darf ich nicht.

Das muss natürlich so sein, dass das Kind merkt, der hat mich berührt – nicht einfach so und streicheln. Ungehorsam ist Sünde, das muss auch dem Kind beigebracht werden. In der Bibel wird es als eine ganz schlimme Sache dargestellt, wenn Kinder ihren Eltern nicht gehorchen. Römer 1,30 zählt Ungehorsam den Eltern gegenüber zu den schlimmsten Sünden. Auch 2. Timotheus 3,5 oder 4 nennt den Ungehorsam gegenüber den Eltern als eines der schlimmen Dinge, die für die Endzeit gesagt werden: Kinder, die ihren Eltern nicht mehr gehorchen.

Gehorsam ist wie Zauberei gegen Sünde, 1. Samuel 15,24. Solche Verse kann man mit den Kindern lernen. Oder Epheser 6,1-3: „Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern, denn das ist Recht. Das ist das erste Gebot, das eine Verheißung hat, damit du lange lebst und es dir wohl ergehe auf Erden.“ Diese Verse sollte man immer wiederholen, damit die Kinder sie sich einprägen.

 Sprüche 6,20 sagt: „Mein Sohn, wahre das Gebot deines Vaters und verlass nicht die Weisung deiner Mutter.“ Hier sieht man, wie die Eltern den Sohn belehren. Das Buch der Sprüche ist das beste Erziehungsbuch. Wenn man kleine Kinder hat, sollte man es studieren oder mit den Kindern lesen und einige Verse lernen. Zum Beispiel Sprüche 1,10: „Mein Sohn, wenn Sünder dich locken, willige nicht ein.“ Das ist ein kurzer Vers, den man gut mit den Kindern lernen kann.

Wenn das Kind dann versucht wurde und sich verführen ließ, etwas Ungehorsames zu tun, kann man auf diesen Vers zurückkommen: „Siehst du, das ist Sünde, das darfst du nicht machen.“ Dann muss es eine Konsequenz geben. Wenn das Kind weiß, dass es von den Eltern geliebt wird, funktioniert das. Wenn das Kind sich aber unsicher ist, ob es wirklich geliebt wird, ist es gefährlich, Kinder auf diese Weise zu züchtigen, denn dann missverstehen sie das.

Gott selbst gibt Anweisungen zum Gehorsam. Elis Söhne sollten gehorsam sein, aber Eli war nicht treu mit seinen Söhnen. Sie waren wohl schon über vierzig Jahre alt, als sie mit den Frauen im Tempel schliefen und sich an den heiligen Opfergaben Gottes vergingen. Weil sie das taten, hat Gott nicht nur die Söhne gezüchtigt, sondern auch den Vater.

Gott ermahnte Eli, seine Söhne zurechtzuweisen. Doch Eli setzte keine Konsequenzen. Er sagte nur: „Liebe Söhne, macht das nicht, das gehört sich nicht.“ Das war zu wenig. Weil keine Konsequenzen gesetzt wurden, fügte Eli seiner Familie und Gottes Sache großen Schaden zu. Es kam zu einer Züchtigung Gottes: Eli und seine Söhne starben.

Im Hause Davids gab es Rebellion und Erziehungsprobleme. David selbst erzog seine Kinder nicht, es waren Ersatzleute, die sie erzogen – und das falsch. Einer vergewaltigte seine Schwester, ein anderer, Absalom, trieb es schlimmer: Er stiftete Rebellion gegen den eigenen Vater an. Dafür hätte die Todesstrafe gelten müssen.

David hätte handeln müssen, doch er züchtigte Absalom nicht richtig. Nach jüdischem alttestamentlichem Gesetz hätte Absalom die Todesstrafe verdient gehabt. Was machte David? Er sagte: „Oh mein Sohn, mein Sohn, mein Sohn“, und tat nichts gegen ihn. Schließlich entfachte der Sohn einen Aufstand gegen den Vater.

David musste fliehen, ins Gebirge oder Bergland, mit seinen Leuten. Dort kam es zum Kampf zwischen Davids und Absaloms Leuten. David sagte: „Tut ihm ja nichts, wenn ihr ihn erwischt, bringt ihm das Leben nicht zur Last, er ist ja mein lieber Sohn.“ Das war sein Problem.

Gott sagte: So nicht. Gott ließ Absalom sterben. David verlor seinen Sohn. Gott übernahm hier die Sache anstelle von David. Das Problem war, dass David seinen Sohn verhätschelte und seine Sünde nicht mit Konsequenzen belegte – bis der Herr eingriff.

Diese Verse sollte man mit Kindern auswendig lernen: „Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern zieht sie auf in der Zucht und Ermahnung des Herrn.“ (Epheser 6,4) Wir Väter sind aufgerufen, unsere Kinder so zu erziehen, dass sie nicht mutlos oder verbittert werden. Die Kinder müssen spüren, dass der Vater aus Liebe handelt.

Ich habe bei meinen eigenen Kindern einige Fehler gemacht. Meine Frau hat mich darauf hingewiesen, und ich bin dankbar dafür. Immer wieder passiert es, dass man die Kinder falsch behandelt, sich über etwas ärgert und dann falsch handelt, wodurch die Kinder verbittert werden.

Zum Glück ist es nicht so, dass man durch eine einzige Tat sofort der Verlierer ist. Man kann das wieder in Ordnung bringen. Man muss auch mal dem Kind sagen: „Tu das, was ich jetzt getan habe, das war nicht in Ordnung, es tut mir leid.“ Das habe ich meiner Tochter vor ein paar Tagen gesagt. Das war gut für sie, sie reagierte sofort positiv.

Kinder merken das. Sie lernen: Aha, der Vater lebt aus der Vergebung, ich muss auch aus der Vergebung leben. Das ist nötig.

Züchtigung und Konsequenzen

Ja, über Züchtigung habe ich ja schon gesprochen. Gespräch ist wichtig, Konsequenz ist wichtig. Wann soll man züchtigen? Wenn eine klare Übertretung da ist.

Was heißt züchtigen? Züchtigen heißt, einmal sprechen. Manchmal muss dann etwas folgen, irgendeine Konsequenz.

 Prediger 8,11: „Weil das Urteil über böse Taten nicht schnell vollzogen wird, darum ist das Herz der Menschenkinder in ihnen voll Böses zu tun.“ Wenn Menschen nicht gleich zur Verantwortung gezogen werden für ihre bösen Taten, dann wird das immer schlimmer. Und wenn wir das mit den kleinen Kindern nicht tun, dann wird es schlimmer mit den großen Kindern. Und wenn wir es mit den großen Kindern nicht tun, dann haben wir unsere Riesenprobleme mit den Jugendlichen. Und wenn wir es mit den Jugendlichen nicht tun, ja, wohin geht es dann?

Von klein auf: Wie lange soll man züchtigen? Solange Hoffnung da ist.

 Sprüche 19,18: „Züchtige deinen Sohn, denn noch gibt es Hoffnung, aber richte deine Seele nicht darauf, ihn zu töten.“ Man muss schon Acht geben, die Züchtigung muss immer aus Liebe geschehen.

Deshalb sagt Gott „die Rute“. Eine Rute ist etwas Dünnes, das ist kein Stock. Mit einem Stock kann man jemanden verletzen. Eine Rute biegt sich oder bricht ab. Das ist wichtig, dass man sich dessen bewusst ist. Deshalb sagt er die Rute. Wobei ich sage, nicht dass man sofort immer gleich zur Rute greifen muss, es gibt ja viele Möglichkeiten.

Aber die kleinen Kinder brauchen diesen Klaps. Dann gibt es den Geheul, und dann ist das alles wieder in Ordnung. Das geht so schnell, und die Kinder spüren, das ist aus Liebe getan. Nicht im Zorn. Wer sein Kind liebt, der züchtigt es mit Respekt.

Gespräch ist ganz wichtig. Es muss immer gesprochen werden. Die Kinder müssen wissen, dass sie geliebt sind und dass der Papa das tut, weil er sie liebt und weil er sie schützen möchte vor einer Gefahr. Und weil Gott es auch so möchte, dass sie geschützt sind vor der Gefahr.

Wie ja, das habe ich schon alles gesagt: Ohrfeige, Anschreien.

 Sprüche 10,13: „Auf den verständigen Lippen findet sich Weisheit, und eine Rute findet sich für den Rücken dessen, dem es an Herz, also an Verstand, mangelt.“ Der Rücken bitte, der Rücken ist hier der Teil, der ein bisschen tiefer ist als der Rücken. Die Bibel hat so Ausdrücke, da schämt man sich manchmal, manche Stellen so mit Namen zu nennen, oder? Und der Rücken ist einfach der verlängerte Rücken. Dort ist es weich, und da kann man ruhig etwas drauf tun. Es verletzt gar nicht, überhaupt nicht.

Anordnungen soll man vorher erklären. Wenn es irgendwelche Anordnungen gibt in der Familie, vorher erklären, motivieren, das Kind motivieren, warum man das tut, warum das wichtig ist. Das Kind braucht immer Belehrung.

Klar: Warum ist das so? Warum will ich nicht, dass du das Radio aufdrehst, so dass die Lampen schwingen und die Fenster zittern? Warum nicht? Ja, das hat einen Grund, dann erklärt man das.

Papa, darf ich rauchen? Ja, du darfst, du musst mir nur eine Reihe guter Argumente geben, die dafür sprechen, dass auch ich das Rauchen anfangen sollte, oder? Gut, da kann man reden über das Rauchen. Was für Argumente gibt es, warum man rauchen soll? Dann lernt das Kind zu argumentieren, aber dann bekommt es auch eine Überzeugung, warum Rauchen nicht gut ist.

Wenn Kinder Einwände haben gegen irgendeine Regel, dann gut. Dann lesen wir Daniel 1 und zeigen, da waren auch Einwände. Wie bringt man eine Bitte vor? Wie hat Daniel das getan? Wie hat er seinen Einwand gegen die Regeln vorgebracht? Wie tut man das mit Respekt? Kann man in Daniel Kapitel 1 studieren mit ihm, und dann sieht man: Aha, so macht man das.

Dann können die Kinder auch kommen und sagen: Vater, wäre es möglich, dass wir das anders machen aus dem und dem Grund? Da kann man dann diskutieren, reden und darauf eingehen.

Was ich hier natürlich alles sage, das klingt so vollkommen und wunderbar. Wir wissen, dass wir alle Fehler machen, aber wir sind ja am Lernen. Wir schauen, was die Schrift sagt.

Also hier, das sind so die wichtigsten Dinge, die man aus der Bibel erkennen kann, meine ich, was eine Atmosphäre in der Familie ausmacht und wie sie sein soll.

An erster Stelle steht die bedingungslose Liebe. Nicht, dass das Kind meint: Ich werde nur dann geliebt, wenn ich gehorche. Dann haben sie mich gern, ja, ansonsten nicht. Nein, das ist nicht so. Wir lieben dich auch, wenn du ungehorsam bist, aber dann spürst du die Liebe anders. Aber wir lieben dich, wir sind da für dich.

Da muss man dem Kind erklären: Schau, wenn mir das egal wäre, wie du dich entwickelst, dann würde ich dich weiterlaufen lassen ins Unglück. Aber das lasse ich nicht zu.

Bedingungslose Liebe, Geborgenheit, da ist der Schutzraum. Respekt: Man respektiert sich, man weiß, der andere ist im Bilde Gottes geschaffen. Die Eltern sind Vertreter, Stellvertreter Gottes auf Erden.

Und Vertrauen: Das Vertrauen darf nicht missbraucht werden.

Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit, Offenheit: Man lügt nicht, das gibt es einfach nicht. Die Kinder werden dazu erzogen, es wird immer die Wahrheit gesagt. Es gibt keine Ausreden, es wird ganz klar die Wahrheit gesagt, und die Eltern sagen auch die Wahrheit.

Das fängt schon recht früh an bei der Kindeserziehung, dem Kind Wahrhaftigkeit beizubringen.

Einmal wird das Kind das erste Mal lügen, und das ist entscheidend wichtig, was wir dann tun. Wenn wir dann einfach darüber hinweggehen, dann machen wir ganz sicher etwas Falsches. Dann muss es etwas setzen, dann muss es eine Konsequenz geben.

Das Kind muss wissen, das war jetzt etwas ganz Schlimmes. Das muss auch unterwiesen werden, natürlich. Auch vorher muss es unterwiesen werden.

Wenn das Kind bewusst lügt, nicht wenn ein kleines Kind jetzt so umfantasiert und irgendwelche Sachen erzählt, was es geträumt hat oder nicht geträumt hat. Das kann man unterscheiden.

Aber wenn ein Kind ganz bewusst lügt, muss es etwas setzen, und dann muss es auch ganz klar Vergebung bekommen. Es muss spüren, es gibt Vergebung.

Dann muss man es mit Gott in Ordnung bringen, mit Gott muss man auf die Knie gehen mit dem Kind. Und dann wird Sünde bekannt, und das Kind muss die Sünde bekennen. Es muss beim Namen nennen, es muss sagen: Gott, es tut mir leid, Gott, ich habe jetzt gelogen. Es muss dieses Wort sagen: Gott, ich habe jetzt gelogen.

Das bringen die Kinder kaum über das Herz, aber das müssen sie oder über die Lippen. Das müssen sie. Die müssen lernen, was es heißt, Sünde zu bekennen.

Das gibt es so ganz Schlüsselstunden mit unseren Kindern.

Ja, Wahrhaftigkeit und Vergebungsbereitschaft ist das Sechste.

Und das Siebte ist das Wissen: Wir sind nicht vollkommen. Wir leben alle aus der Vergebung, und wir sagen: Es tut mir leid. Wir wissen, dass Gott uns vergeben hat, und wir vergeben einander. Wir tragen uns das nicht nach.

Wir haben Vergebung, und jetzt haben wir Vergebung. Und weil wir Vergebung haben, ist es fertig, ist es vorbei, es ist alles wieder gut.

So weit. Ich möchte jetzt nicht mehr, denn ich denke, ich habe schon zu viel.