Zum Inhalt

Kompetent, Single und König

Jesu Leben und Lehre, Teil 84/691
18.11.2021Johannes 2,11-12
SERIE - Teil 84 / 691Jesu Leben und Lehre

Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.

Episode vierundachtzig: Kompetent, Single und König.

Das erste Wunder und die Familie Jesu

Gestern haben wir uns das erste Wunder des Herrn Jesus angesehen. Im Anschluss daran lesen wir in Johannes 2,11-12: „Dies war das erste Zeichen, das Jesus in Kana in Galiläa tat. Er offenbarte dadurch seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn. Danach ging er mit seiner Mutter, seinen Brüdern und seinen Jüngern hinab nach Kapernaum, wo sie einige Tage blieben.“

Wisst ihr, wer hier fehlt? Wer fehlt, weil er wahrscheinlich schon gestorben ist? Josef. Jesus, seine Mutter, seine Brüder und seine Jünger gehen nach Kapernaum. Doch von Josef lesen wir in keinem der Evangelien mehr ein Wort. Als Jesus zwölf Jahre alt war, war Josef noch am Leben. In den zurückliegenden etwa achtzehn Jahren muss er jedoch verstorben sein.

Dadurch wird Jesus für Maria, die vielleicht Mitte vierzig ist, als unverheirateter ältester Sohn zum Familienoberhaupt. Er ist derjenige, der das Geld verdient, die Rechnungen bezahlt und dafür sorgt, dass die jüngeren Geschwister einen guten Weg gehen. Das könnte auch ein möglicher Grund sein, warum Maria sich in Kana an Jesus wendet. Sie haben keinen Wein, ihr erinnert euch.

Da es sich hier um Jesu erstes Zeichen handelt, kann Maria nicht davon ausgehen, dass er Wasser in Wein verwandelt. Aber das ist auch nicht nötig. Maria scheint in Bezug auf die Hochzeit mehr zu sein als nur eine normale Gastfrau. Man spürt, dass sie das Problem mit dem fehlenden Wein zu ihrem eigenen macht.

Es kann also gut sein, dass das Brautpaar nahe Verwandte sind, vielleicht sogar eine Tochter oder ein Sohn von Maria. Deshalb der Hinweis: „Sie haben keinen Wein.“

Jesus als verantwortungsbewusster Sohn und Handwerker

Ich denke nicht, dass Maria ihren Sohn darum bitten wollte, ein Wunder zu tun. Sie wollte einfach nur, dass er sich des Problems annimmt und überlegt, wie man jetzt schnell an mehr Wein kommt.

Bitte sehen wir den Herrn Jesus nicht als jemanden, der nur mit verklärtem Blick auf den Knien liegt und Psalmen singt, aber ansonsten keine Ahnung vom Leben hat. Eine passende Analogie zum Herrn Jesus wäre der dreißigjährige Schreinermeister mit eigener Werkstatt, der nach dem Tod seines Vaters den Betrieb übernommen hat, um für seine Mutter und die kleineren Geschwister zu sorgen.

Ich weiß nicht, ob du diesem typischen, kernigen Handwerker schon einmal begegnet bist. Ich kenne einige von ihnen. Wenn sie, was ich beim Herrn Jesus voraussetzen darf, fleißig, kompetent und klug sind, dann stehen sie mit beiden Beinen fest im Leben.

Ich habe einmal für einen Umzug aus Dummheit ein viel zu kleines Umzugsauto gemietet. Wisst ihr, wer mich gerettet hat? Natürlich jemand mit Pickup und eigenem Anhänger! Genau so jemand war der Herr Jesus.

Deshalb auch der Hinweis: Sie haben keinen Wein. Im Sinne von: Fällt dir eine Lösung ein? Du kennst doch Leute, vielleicht hast du noch eine gute Idee.

Die Hochzeit zu Kana und die Rolle Jesu

Und noch ein Punkt zur Hochzeit: Wir wissen nicht, wer dort geheiratet hat. Dennoch stößt man immer wieder auf die in meinen Augen ziemlich absurde Idee, dass Jesus der Bräutigam gewesen sei.

Um das gleich klarzustellen: Nichts im Text deutet darauf hin. Liest man den Bericht von der Hochzeit zu Kana, dann ist Jesus lediglich ein Gast. Johannes 2,2 sagt: „Es war aber auch Jesus mit seinen Jüngern zu der Hochzeit eingeladen.“

Wisst ihr, ein Bräutigam ist nicht zu seiner eigenen Hochzeit eingeladen, sondern er lädt selbst ein. Wenn Jesus hier der Bräutigam gewesen wäre, wäre es leicht gewesen, das ausdrücklich zu erwähnen. Zumal es damals für Rabbis völlig normal war, verheiratet zu sein. Sie mussten es nicht, aber sie konnten heiraten.

Nur über Jesus lesen wir in dieser Hinsicht nichts. Jesus war ledig. Trotzdem wird oft schnell behauptet, Jesus sei mit Maria Magdalena verheiratet gewesen. Warum?

Ich glaube, dass dafür vor allem Dan Brown mit seinem Buch „Das Sakrileg“ verantwortlich ist. Das Buch ist ein Roman, eine Fiktion. Dennoch nehmen viele Leser die darin enthaltenen Aussagen über Maria Magdalena und Jesus für bare Münze.

Historische Quellen und Maria Magdalena

Im Jahr 2006 habe ich dazu einen kurzen Vortrag gehalten, den ich als Ergänzung zu diesem Podcast veröffentliche. Er kann angehört werden, wenn man mehr wissen möchte.

An dieser Stelle möchte ich nur zwei Hinweise geben.

Erstens: Zur These, Jesus sei verheiratet gewesen, gibt es keine Quellen aus der frühen Zeit des Christentums. Weder aus jüdischem, noch aus heidnischem oder christlichem Hintergrund. Nicht einmal in den Schmähschriften gegen das Christentum finden wir einen Hinweis darauf. Dort wird zwar wild spekuliert über einen ominösen Vater, manipulierte Wunder oder eine fingierte Auferstehung, aber ein Hinweis auf eine Ehefrau fehlt komplett. Dabei wäre die Kirche zu dieser Zeit machtlos gewesen, kritischen Stimmen Einhalt zu gebieten. Sie befand sich gerade erst im Entstehen und wurde verfolgt.

Zweitens: Erst in relativ späten Dokumenten, die zudem aus einem gnostischen – das heißt nichtchristlichen – Hintergrund stammen, finden sich Formulierungen, die man mit viel Wohlwollen so interpretieren könnte, als wäre Maria Magdalena die Ehefrau von Jesus gewesen. An erster Stelle ist hier das sogenannte Philippusevangelium zu nennen. An zwei Stellen wird Maria Magdalena erwähnt. Das beste Zitat lautet: „Drei Frauen hatten ständig Umgang mit dem Herrn: seine Mutter Maria, seine Schwester und Magdalena, die seine Gefährtin genannt wird. Denn Maria heißt seine Schwester, seine Mutter heißt so, und seine Gefährtin heißt so.“

Dies wäre der mit Abstand beste Hinweis auf eine Ehefrau, wenn man nicht wüsste, dass der Begriff „Gefährtin“ in kirchlichen Texten eben nicht eine Liebes-, sondern eine Dienstgemeinschaft bezeichnet. Maria Magdalena war also nicht Jesu Ehefrau, sondern seine Begleiterin, eine Gefährtin auf seinen Reisen.

Das wissen wir auch aus den Evangelien, zum Beispiel aus Lukas 8,1-2: „Es geschah danach, dass er nacheinander Städte und Dörfer durchzog, indem er predigte und die gute Botschaft vom Reich Gottes verkündigte, und die Zwölf mit ihm und einige Frauen, die von bösen Geistern und Krankheiten geheilt worden waren, darunter Maria, genannt Magdalena, von der sieben Dämonen ausgefahren waren.“

Maria Magdalena war also nicht die Ehefrau des Herrn Jesus, sondern eine der Frauen, die Jesus auf seinen Predigtreisen begleiteten.

Jesu schroffe Worte an seine Mutter und seine neue Autorität

Zum Schluss möchte ich auf eine Signalnachricht eingehen, die heute eingegangen ist. Darin stand: Guten Morgen, danke für den heutigen Podcast, aber die Frage, wie Jesus so unfreundlich zu seiner Mutter sein kann, hast du nicht wirklich beantwortet. Das stimmt. Deshalb möchte ich an dieser Stelle noch einen Nachtrag machen.

Die Formulierung „Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau?“ aus Johannes 2,4 ist wörtlich so übersetzt. Diese Ausdrucksweise ist schroff und abgrenzend und hat keine Entsprechung in der jüdischen oder griechisch-römischen Literatur. So sprach man nicht mit seiner Mutter. Trotzdem sagt Jesus es genau so, weil er bewusst seine neu erworbene Autorität zum Ausdruck bringen will.

Aus dem Sohn der Maria war der Messias geworden, der Sohn Gottes, der König Israels. Jesus war sich dieser Tatsache sehr bewusst. Familiäre Beziehungen treten von nun an in den Hintergrund. Für den Herrn Jesus gibt es jetzt nur noch eine Aufgabe: Als Sohn Gottes den Vater offenbaren und als König Israels das Reich Gottes aufrichten.

Einladung zur Selbstreflexion und Abschluss

Was könntest du jetzt tun? Du könntest dir die Frage stellen, ob du mit beiden Beinen fest im Leben stehst. Führst du ein Leben, das gelingt – mit Sinn und Verstand?

Das war's für heute. Wenn du den Kurs noch nicht kennst, schau dir auf Frogwords doch mal den Jüngerschaftskurs Vollgas an. Den Link findest du im Skript.

Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.