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Christsein als Kontrastprogramm Kennzeichen des neuen Lebens...

Epheser 4,17-2414.05.2006
SerieTeil 30 / 49Epheser Reihe
Du musst nicht mitschwimmen. Christsein heißt: anders denken, anders leben – und dich immer wieder neu ausrichten lassen. Keine Perfektion, aber ein klarer Kurs.

Ein alltäglicher Einstieg in eine größere Frage

Mitten auf einem Marktplatz müssen zwei Erwachsene beim Kartoffelholen etwas länger anstehen. Dabei schimpft einer von ihnen über die heutige Jugend.
Man könne Mädchen und Jungen kaum noch voneinander unterscheiden. Hosen, Jeans, Turnschuhe, Frisur, alles gleich. Gucken Sie mal bloß dort den Jungen, den könnte man glatt für ein Mädchen halten.
„Ja“, sagt der andere Erwachsene, „es stimmt, das ist meine Tochter.“
„Oh, Verzeihung, ich wusste nicht, dass Sie der Vater sind.“
„Bin ich auch nicht, ich bin die Mutter.“
Manche Menschen machen die Mode gleich. Mehr oder weniger wollen sie möglichst nicht auffallen, sie wollen möglichst nicht aus dem Rahmen fallen. Bei vielen gilt das aber nicht nur für die Kleidung, sondern für ihren ganzen Lebensstil. Ja, es gilt noch mehr: Es gilt sogar für ihre Meinungen, die sie zu bestimmten Themen haben. Man leistet sich keine eigene Meinung, man leistet sich kaum eine unbequeme Meinung, sondern fügt sich weitgehend dem Trend oder den Forderungen der sogenannten Political Correctness, also dem, was als erlaubte Meinung in bestimmten Leitmedien vorgegeben wird.

Der Ruf zu einem anderen Lebensstil

Christen aber, so sagt Paulus, brauchen den Mut zum Anderssein. Und das ist unser Thema heute Morgen: Mut zum Anderssein.
Paulus hat das den Gemeinden deutlich gesagt. Er hat gesagt: Ihr werdet nur dann überleben als Christen, und ihr werdet nur dann eure Aufgabe erfüllen können als Gemeinde Jesu Christi, wenn ihr den Mut habt, anders zu sein. Das heißt nicht, dass ihr arrogant sein sollt. Das heißt nicht, dass wir anders sein sollen, bloß um anders zu sein, um des Andersseins willen. Aber aufgrund eures Glaubens, sagt Paulus, könnt ihr gar nicht anders, als anders zu sein als die Masse.
Und so beginnt unser Predigttext heute Morgen mit der Aufforderung, die Sie gleich im ersten Vers finden: So sage ich euch nun und bezeuge in dem Herrn, dass ihr nicht mehr leben sollt wie die Heiden. Ihr sollt nicht mehr leben wie die Heiden. Und das gilt nicht nur für Ephesus, sondern das gilt genauso für Hannover. Das ruft Paulus uns genauso zu: So sage ich euch nun und bezeuge in dem Herrn. Also: Ich sage es nicht in meiner eigenen Autorität, sondern ich sage es im Auftrag Jesu Christi. Ich bezeuge es euch in dem Herrn, dass ihr nicht mehr leben sollt wie die Heiden.
Und damit gehen wir nun in unserer Predigtreihe einen Schritt weiter voran. In dem Abschnitt davor, in den Versen 11 bis 16, Epheser 4,11-16, da hatte Paulus die göttlichen Prinzipien des Gemeindewachstums beschrieben. Da hat er beschrieben, was in einer Gemeinde gelten muss, damit Voraussetzungen gegeben sind, damit sie nach dem Willen Gottes wachsen kann. Und da hatten wir zuletzt als letztes Prinzip das Prinzip der Gegenseitigkeit kennengelernt, in Vers 16, vor 14 Tagen.
Da hat Paulus deutlich gemacht: Die Gemeinde ist ein Organismus wie ein funktionsfähiger Körper. Da kommt es darauf an, dass jedes Glied mit dem anderen kooperiert, dass der ganze Organismus verbunden ist durch Bänder, dass es dort einen lebendigen Austausch und ein Miteinander gibt. Sie hatten dann dieses Beispiel von der Werkstatt gebracht, in der wirklich jedes Werkzeug, der Bohrer, der Hammer, die Nägel, die Säge, seine eigene unvertretbare, unersetzliche Funktion hat. Und so ist jeder nötig, sagt Paulus, jeder ist wichtig. Und wenn das stimmt, dann heißt das auch: Jeder in einer Gemeinde hat eine große Verantwortung für diese Gemeinde vor Gott.
So, in den Versen 11 bis 16 hatte Paulus also gewissermaßen das Zusammenspiel der verschiedenen Glieder am Körper beschrieben. Wir können auch sagen: das Zusammenspiel der verschiedenen Werkzeuge. Ab Vers 17 geht es jetzt um den Zustand jedes einzelnen Werkzeugs, um den Zustand jedes einzelnen Christen. Wie soll der einzelne Christ leben und seine Aufgabe erfüllen? Man kann sagen: In den Versen 11 bis 16 ging es um die Einheit der Gemeinde, in den Versen 17 und folgenden geht es jetzt um die Reinheit der Gemeinde beziehungsweise um die Reinheit des einzelnen Christen.
Darum legt dieser Text die Überschrift nahe: Mut zum Anderssein. Von Natur aus sind wir in der Regel keine Helden. Wir wollen uns lieber anpassen. Wir möchten nicht so gern auffallen und herausstechen mit Dingen, die von den anderen nicht so sehr akzeptiert werden. Und Paulus macht deutlich: Mit dieser Haltung können wir als Christen nicht bestehen.
So wollen wir jetzt diese Verse lesen, die Sie auch auf Ihrem Gottesdienstzettel vor sich haben:
So sage ich euch nun und bezeuge in dem Herrn, dass ihr nicht mehr leben sollt wie die Heiden leben, in der Nichtigkeit ihres Sinnes. Ihr Verstand ist verfinstert, und sie sind entfremdet dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, die in ihnen ist, und durch die Verstockung ihres Herzens. Sie sind abgestumpft und haben sich der Ausschweifung ergeben, um allerlei unreine Dinge zu treiben in Habgier. Ihr aber habt Christus nicht so gelernt. Ihr habt doch von ihm gehört und seid in ihm unterrichtet, wie es Wahrheit ist in Jesus, dass ihr den alten Menschen mit seinem früheren Wandel ausgezogen habt, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtete, dass ihr erneuert werdet, und man könnte das übersetzen, etwas freier: dass ihr beständig erneuert werdet im Geist eures Sinnes, und dass ihr den neuen Menschen angezogen habt, der gottgemäß geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.
Ich will noch einmal beten.
Lieber Herr Jesus, jetzt bitten wir dich, dass du uns wirklich hilfst, diese Worte so zu verstehen, dass du dadurch reden kannst und dass wir als Gemeinde und als einzelne erkennen und erfassen, an welchen Punkten du uns verändern willst. Amen!

Der Wechsel von der alten zur neuen Wirklichkeit

Sie haben gemerkt, dass Paulus in diesen Versen einen sehr scharfen Kontrast zwischen der Situation der Christen und der Situation der Heiden beschreibt. Da die Epheser, an die er das schreibt, bis vor Kurzem ja auch noch großenteils Heiden waren, kann man auch sagen: Er beschreibt den Kontrast zwischen dem alten und dem neuen Leben der Gemeindeglieder, zwischen dem alten und dem neuen Leben.
Paulus erinnert sie an diesen Wechsel, an diesen Umbruch. Er sagt: Es ist Wahrheit in Christus, Vers 21, und dann diese beiden Kernsätze, Vers 22, dass ihr den alten Menschen ausgezogen habt, und Vers 24, dass ihr den neuen Menschen angezogen habt.
Paulus benutzt hier also ein Bild aus einem Bereich, der uns aus dem Alltag vertraut ist. Es geht um das Anlegen und Ablegen von Kleidung. Das machen wir jeden Morgen: Wir legen neue Kleidung an, und abends legen wir sie wieder ab. Das ist das Bild, das dahintersteht. Und Paulus sagt: Ihr, die ihr Christen geworden seid, ihr habt den alten Menschen ausgezogen und den neuen Menschen angezogen.
In manchen Übersetzungen steht hier eine Aufforderung: Zieht den alten Menschen aus und zieht den neuen Menschen an. Aber so ist das hier nicht gemeint, und die griechische Grammatik macht auch deutlich, dass es um einen abgeschlossenen Vorgang geht. Da steht für diejenigen, die Griechisch können, also ein Aorist-Infinitiv, der abhängig ist von Vers 21. Das heißt: abgeschlossener Vorgang. Ihr habt den alten Menschen ausgezogen, ihr habt den neuen Menschen angezogen. Das ist ganz wichtig. Wir werden noch sehen, warum.
Wovon Paulus hier redet, das ist der Vorgang der Bekehrung. Das muss nicht bei jedem in gleicher Weise passiert sein. Bei manchem ist die Bekehrung ein Moment, den er genau datieren kann. Bei anderen vollzieht sich die Bekehrung über einen längeren Zeitraum hinweg. Und dann kommt der Punkt, wo er weiß: Jawohl, mein Leben gehört dem Herrn Jesus Christus. Ich mache das jetzt noch einmal bei ihm fest. Ich will ihm ganz gehören. In der Biografie bei dem einen und dem anderen kann das ganz unterschiedlich sein. Aber wie immer das biografisch läuft, am Ende steht ein neues Leben.
Paulus sagt: Derjenige, der Christ ist, hat den alten Menschen ausgezogen, hat den neuen Menschen angezogen. Er beschreibt diesen selben Vorgang an anderer Stelle mit anderen Bildern. In Römer 6 zum Beispiel, da sagt er: Ihr seid mit Christus gestorben, und ihr seid mit Christus auferstanden. Das heißt: Ihr habt Anteil an dem Tod Christi bekommen, den er gestorben ist, um für eure Schuld die Sühne zu tragen. Ihr habt Anteil an seinem Kreuzestod. Ihr habt Buße getan, habt gesagt: Mein altes Leben soll der Vergangenheit angehören, mein Leben gehört Christus. Und ihr habt genauso Anteil an der Auferstehung Jesu bekommen. Er hat euch mit hineingezogen in sein neues Leben. Ihr seid jetzt Kinder Gottes, mit Christus gestorben, mit Christus auferstanden, den alten Menschen ausgezogen, den neuen Menschen angezogen.
Und in 2. Korinther 5,17 braucht er noch ein anderes Bild. Da sagt er: Wenn jemand zu Jesus Christus gehört, dann ist er eine neue Schöpfung. Das ist wiederum ein anderes Bild, wo Paulus sagt: Wenn du zu Jesus gehörst, dann bist du ein neues Geschöpf. Gott hat dir neues Leben geschenkt, er hat dich zu seinem Kind ernannt.
Und noch ein anderes Bild wird von dem Apostel Johannes gern gebraucht. Er spricht von der neuen Geburt, die Gott uns schenkt. Das hat nichts zu tun mit der Reinkarnation in den östlichen Religionen, also der Wiedergeburt, dass man immer wieder auf die Erde kommt in einer anderen Existenzform. Sondern das bedeutet: Gott hat dir neues Leben geschenkt, er hat dir Glauben geschenkt, er hat dir die Augen geöffnet dafür, dass du Jesus Christus als deinen Retter und Herrn brauchst.
Und so verschieden die Bilder sind, so gleich ist der Inhalt: Jeder Christ hat von Gott neues Leben erhalten. Dieses neue Leben ist ein Geschenk. Deswegen sagt Paulus ja hier auch in Vers 24: „geschaffen nach Gott“. Dieser neue Mensch ist also von Gott geschaffen. Keiner kann sich selbst neues Leben machen, keiner kann sich selbst neues Leben geben. Es muss uns geschenkt werden. Und das Einzige, was wir zu tun haben, ist, es im Glauben dankbar zu ergreifen und zu sagen: Ich danke dir dafür, und ich nehme dich beim Wort, und ich verlasse mich auf das, was du mir schenkst und versprichst.
So, und die meisten Empfänger dieses Briefes hatten diesen radikalen Seitenwechsel erfahren, genauso wie viele von uns hier auch. Und Paulus sagt nun: Leute, dieses neue Leben, das ist keine Theorie. Es ist Wirklichkeit. Ihr habt einen neuen Status vor Gott. Es ist Wirklichkeit, das neue Leben. Und es ist Gottes Wille, dass diese neue Wirklichkeit auch euren praktischen Alltag jetzt immer stärker durchdringt, prägt und bestimmt.
Und jetzt ist die Frage: Wie kann das geschehen? Wie kann es geschehen, dass dieses neue Leben auch in unserem praktischen Alltag immer mehr durchdringt? Da nennt Paulus drei Kennzeichen des neuen Lebens.
Erstens: Das neue Leben ist ein Kontrastprogramm. Paulus sagt: So sage ich nun, dass ihr nicht mehr leben sollt wie die Heiden. Oder in Vers 20: Ihr aber, nachdem er aufgezählt hat, wie die Heiden leben, habt Christus nicht so gelernt. Er hat euch einen anderen Weg gewiesen, und er gibt euch die Kraft, einen anderen Weg zu gehen.
Was Heidentum bedeutet, wissen Sie, das brauchte man in Ephesus nicht lange zu erklären. Ephesus war eine wirtschaftliche und kulturelle Metropole im römischen Imperium, eine attraktive, eine selbstbewusste Stadt. Dort stand der Götzentempel der Artemis, also der Diana. Das gehörte in der Antike zu den sogenannten sieben Weltwundern. Und Ephesus war bekannt für seine sexuelle Freizügigkeit. Das war damals fast sprichwörtlich. Und diese sexuelle Freizügigkeit bestimmte auch, was da im Tempel lief.
Die Artemis galt als ein Sexsymbol. Diese Götzenfigur stand in der Tempelmitte wie ein pechschwarzes Standbild, weiblich einerseits, zugleich so eine Mischung aus Kuh und Wolf, eine ganz seltsame Figur, obskur. Und im Tempel gab es Tempelprostitution. Damit verdienten die auch eine Menge Geld. Es gab Eunuchen, es gab Tänzer dort, die ihre entsprechenden Praktiken vorführten. Und mit der Tempelprostitution begründete man das so, dass man sagte: Man ist in der Ekstase dem Göttlichen besonders nahe. Deshalb gehört die Prostitution auch in den Tempel. Es war die Homosexualität allgemein anerkannt, und es gab auch andere sexuelle Abirrungen, die an der Tagesordnung waren. Das alles sind Symptome für die innere Orientierungslosigkeit der Menschen.
Der Tempel diente gleichzeitig noch so als eine Art Kunstsammlung, eine Kunstgalerie. Und nicht weit davon entfernt gab es ein Theater, das damals schon etwa 24.000 Menschen Platz bot. Also man kann sagen: Ephesus war durchaus eine kulturelle Metropole. Es bot so eine ganz eigenartige Mischung von Reichtum, kulturellem Betrieb und moralischer Dekadenz.
Schon 50 v. Chr. beschrieb der Philosoph Heraklit die Stadt als eine, Zitat, „Dunkelheit in Schande“. Und er sagt, die Moralvorstellungen waren niedriger als bei den Tieren. Das ist die Beschreibung Heraklits etwa 50 v. Chr. Das dürfte sich in den Jahren bis zu Paulus hin dann nicht groß geändert haben.
Und Paulus nimmt kein Blatt vor den Mund. Er fordert von den Christen eine deutliche Abgrenzung. Er zeichnet mit wenigen Strichen das Profil des heidnischen Lebens in Vers 19, und er sagt: Sie sind abgestumpft, sie haben sich der Ausschweifung ergeben, um unreine Dinge zu treiben, in Habgier. Das sind ziemlich klare Worte.
Er sagt, sie sind abgestumpft in ihrem Gewissen. Das heißt: Das Gewissen schlägt nicht mehr aus. Das Gewissen ist nicht mehr geprägt von Gottes Willen, von Gottes Maßstäben, von Gottes Geboten. Und dann das Nächste: Sie haben sich, weil sie eben in ihrem Gewissen abgestumpft sind, der Ausschweifung hingegeben. Sexualität, Gewalt, Genussmittel – sie haben keine Maßstäbe, wie sie richtig damit umgehen sollen. Sie wissen sich nicht einer höheren Instanz verantwortlich, sondern sie gehen damit so um, wie es ihnen gerade einfällt. Sie können das nicht bewusst gestalten, sondern sie beschäftigen sich so damit, dass es für sie zur Unreinheit wird, um allerlei unreine Dinge zu treiben.
Das Ganze ist dann noch vermischt mit Habgier, mit der Angst, irgendetwas zu verpassen, gierig nach Geld, gierig nach Erlebnissen, gierig nach Genuss. Wie wenig sich die Dinge geändert haben, das kann jeder sehen, der unsere Gesellschaft mit wachen Augen beobachtet.
Abgestumpft. Schauen Sie, wie abgestumpft unsere Gesellschaft geworden ist. Offiziell liegen die Abtreibungszahlen pro Jahr bei 130.000 ungeborene Kinder, die jedes Jahr umgebracht werden, offiziell. Die Dunkelziffer ist viel höher. Viele sagen, sie sei doppelt so hoch. Und wen regt das noch auf? Welcher Politiker, welcher Familienpolitiker? Wo doch jetzt so viel darüber nachgedacht wird, dass unser Volk am Aussterben ist und die demografische Pyramide sich umdreht. Wer wagt es überhaupt in der öffentlichen Debatte noch, auf das Problem der Abtreibung hinzuweisen? Sie sind abgestumpft.
Und Ausschweifung, das ist auch etwas, was wir beobachten können: diese sexuelle Freizügigkeit, das ganz normale Sexualität außerhalb der Ehe zu praktizieren, mit ständig wechselnden Partnern. Und gegen das Aids-Problem wird nicht Treue empfohlen, sondern einfach der Gebrauch von Kondomen und entsprechende Vorsicht.
Die Homosexualität wird staatlich besonders geschützt, obwohl die Bibel sagt, dass praktizierte Homosexualität in Gottes Augen Sünde ist, Römer 1, 1. Korinther 6 und an anderen Stellen auch. Trotzdem schützt der Staat das, weil sich die homosexuelle Lobby in besonderer Weise durchgesetzt hat, an vielen Stellen der Politik. Und das Antidiskriminierungsgesetz, das jetzt von der Regierung auf den Weg gebracht werden soll, schützt ebenfalls, wenn es von der sexuellen Orientierung spricht, in besonderer Weise auch die Propagierung homosexueller Sexualität. Die Homosexuellen haben eine Lobby in jeder großen Partei und auch in einer Volkspartei, die sich christlich nennt, ganz genauso. Es wird sogar immer mal wieder darüber diskutiert, ob man Homosexuellen nicht das Adoptionsrecht irgendwann zugestehen sollte, so dass sie die Kinder, die sie adoptieren, dann ihrerseits wieder zu Homosexuellen erziehen können.
Ausschweifung, sagt die Bibel, dann Habgier. Geiz ist geil, Sie kennen alle dieses Motto. Rücksichtslose Globalisierung bei vielen großen Konzernen, die Arbeitsplätze vernichten, und auf der anderen Seite schamlose Bereicherung bei jedem, dem sich irgendwie nur die Gelegenheit dazu bietet. Jeder nutzt eben die Mittel, die er hat, und wer nicht über Großkapital verfügt, der versucht sich eben an anderen Stellen zu bereichern. Geiz ist geil, habt ihr!
Und auch der okkulte Hintergrund von Ephesus ist mitten in Deutschland präsent. Überlegen Sie mal: In Ephesus, als die ersten Menschen Christen wurden, da haben sie Zauberbücher im Wert von 50.000 Denaren verbrannt. So steht es in Apostelgeschichte 19. Das macht umgerechnet wahrscheinlich mehr als drei Millionen Euro. Das heißt: Sie haben Zauberbücher im Wert von mehr als drei Millionen Euro verbrannt, als viele zum Glauben kamen in Ephesus, so sagt Apostelgeschichte 19,19.
Okkultismus und Satanismus sind in unserer Gesellschaft kein Fremdwort, auch kein Fremdkörper. Wie viel Satanismus gibt es in manchen Schulen und entsprechende Rituale nachts auf Friedhöfen und entsprechende Annoncen von Wahrsagern und Hellsehern und sonstigen obskuren Veranstaltern, die Werbung machen. Oftmals kommt eben okkultes Gedankengut auch in ganz harmlosen Gewand daher, unauffällig verpackt in scheinbar harmlose Kinder- und Jugendliteratur.
Ich habe am letzten Sonntag Ihnen ein Zitat vorgelesen von Michael Ende, in dem er deutlich macht, dass er aus einer okkulten Inspiration heraus Momo und Die unendliche Geschichte geschrieben hat. Sie haben das Zitat gehört, das kann man sich überhaupt nicht vorstellen. Ein anderes Phänomen ist natürlich J. K. Rowling mit den Harry-Potter-Büchern, wo auch letztlich in total verharmlosender Form schon die Kinder herangeführt werden an magische Welten. Das soll ihnen als ganz freundlich und normal und erstrebenswert dargestellt werden.
Es gibt dazu übrigens ein hochinteressantes Buch einer Soziologin, sie heißt Gabriele Kuby, und das Buch heißt Harry Potter – gut oder böse. Hier hat sie deutlich herausgearbeitet, warum das nicht einfach nur harmlos ist, und sie schreibt in ihrer Zusammenfassung unter anderem Folgendes: Harry Potter ist ein Langzeitprojekt zur Veränderung der Kultur. Die Hemmschwelle gegenüber Magie wird in der jungen Generation zerstört. Damit dringen Kräfte in die Gesellschaft ein, die das Christentum einst überwunden hat. Dann: Hogwarts, die Schule für Zauberei und Hexerei, ist eine geschlossene Welt der Gewalt und des Grauens, der Verfluchung und der Verhexung, der Rassenideologie und des Blutopfers, des Ekels und der Besessenheit. Es herrscht eine Atmosphäre ständiger Bedrohung, die sich auch auf den Leser übertragen kann. Harry Potter kämpft nicht gegen das Böse. Von Band zu Band wird seine Verwandtschaft mit Voldemort, dem ganz und gar Bösen, deutlicher. Im fünften Band wird er selbst von Voldemort besessen, was zur Zerstörung seiner Persönlichkeit führt. Die Menschenwelt wird erniedrigt, die Welt der Hexen und Zauberer wird glorifiziert. Denn auch interessant: Es gibt keine positive, transzendente Dimension. Das Übernatürliche, das in Harry Potter beschrieben wird, ist ausschließlich dämonisch, und göttliche Symbole werden pervertiert.
Also, wer da an einer genaueren Untersuchung interessiert ist, der kann sich gern dieses Buch mal ausleihen. Ich nenne das nur als ein Beispiel dafür, dass es durchaus auch zu diesen okkulten Tendenzen in Ephesus Entsprechungen gibt in unserer Gesellschaft und in unserer Kultur. Ephesus ist auch in Hannover. Das Ganze ist nicht so schrecklich weit weg.
Aber die Frage ist: Kann man das wirklich so pauschal von allen Heiden sagen, was Paulus hier schreibt? Sie sind abgestumpft, haben sich der Ausschweifung ergeben usw. Gibt es nicht auch sehr kultivierte Heiden, sehr verantwortungsbewusste Heiden, sehr gebildete Heiden, sehr gute Heiden, wie wir sagen würden? Oh ja, die gibt es. Ich kenne auch viele davon, und das hat auch Paulus nicht bestritten. Jeder einzelne Mensch ist ein Ebenbild Gottes, jeder einzelne Mensch hat eine unverlierbare Würde. Und darum gibt es auch viele Heiden, die gute Werke tun, viele Heiden, die Bedeutsames für die Menschheit geleistet haben bis heute.
Und trotzdem: Auch das Leben der besten, der kultiviertesten Heiden treibt letztlich in die falsche Richtung. Es treibt letztlich in die falsche Richtung. Und wohin diese Richtung führt, das macht Paulus mit den Kennzeichen von Vers 19 deutlich. Und jetzt ruft er seinen Leuten zu, er ruft uns zu: Ihr sollt nicht mehr so leben wie die Heiden. Das Leben der Christen ist ein Kontrastprogramm.
Er sagt: Euer altes Leben, das sah im Prinzip genauso aus, Vers 22: den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtete. Er sagt: Früher war es bei euch genauso. Früher hattet ihr genau die gleiche Ausrichtung eures Lebens, das heißt trügerische Ziele. Euer Leben hing sich an Ziele, an Begierden, an erstrebte Dinge, von denen ihr meintet, sie würden euch die große Hilfe bringen, ihr meintet, sie würden euch den großen Durchbruch bringen. Aber in Wirklichkeit hat es euer Herz nur zerstört. Ihr habt euer Leben an falsche Ziele gehängt, das war früher.
Und für euch aber gehört das jetzt der Vergangenheit an, Vers 22, der alte Mensch mit seinem früheren Wandel. Jetzt gilt, Vers 24: Ihr habt den neuen Menschen angezogen, den neuen Menschen, der nach Gott geschaffen ist. Und zwar in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. Das ist interessant: Die Formulierung in Vers 24. Gerechtigkeit, das ist die Art und Weise, wie wir uns den Menschen gegenüber verhalten. Heiligkeit beschreibt unser Verhältnis zu Gott. Und Paulus sagt: Gott hat euch ein neues Leben gegeben in wahrer Gerechtigkeit und wahrer Heiligkeit. Das heißt: Ihr lebt jetzt den Menschen gegenüber anders, in einem anderen Verhältnis, und ihr lebt Gott gegenüber in einem anderen Verhältnis.
Und wie sich das im Einzelnen praktisch ausdrückt, das werden wir dann nächsten Sonntag sehen, ab Vers 25. Das wird dann eine ziemlich heikle Predigt, weil es dann sehr ins Detail geht bei Paulus, was sich alles in unserem Leben eigentlich ändern soll. Wir sollen zum Beispiel keinen Paulusgeschwätz mehr auf unserer Zunge haben, wir sollen nicht mehr krumme Touren machen, nicht mehr lügen. Das kommt dann sehr konkret, aber das kommt erst nächsten Sonntag.
Wichtig ist, dass Paulus sagt: Euer neues Leben soll geprägt sein von Reinheit. Reinheit in eurem Verhältnis gegenüber Gott und Reinheit in eurem Verhältnis gegenüber euren Mitmenschen. Ein Lebensstil, der sich an Gottes Maßstäben ausrichtet. Und dieser Lebensstil, der steht dann zwangsläufig im Kontrast und im Konflikt mit dem Lebensstil der Heiden. Das ist das erste Kennzeichen des neuen Lebens. Das neue Leben ist ein Kontrastprogramm. Wir Christen sind eine Kontrastgesellschaft.
Und wohlgemerkt: Paulus sagt nicht, so soll es sein, so soll es sein, so soll es sein, sondern er beschreibt das als eine Tatsache. Und er sagt: Das ist die neue Wahrheit, die über eurem Leben steht, und nun lasst doch eure praktischen Auswirkungen immer deutlicher davon geprägt sein. Also, das ist das Erste.
Aber Paulus sagt dann noch mehr, er gräbt noch eine Schippe tiefer. Paulus zeigt nicht nur das Endergebnis, dieses deutliche Kontrastprogramm, sondern Paulus beschreibt auch, was bei Christen und Heiden hinter den Kulissen geschieht. Und das ist das zweite wichtige Kennzeichen des neuen Lebens.

Denken, Herz und Lebensführung

Zweitens: Das neue Leben hat auch mit dem Kopf zu tun. Zweitens: Das neue Leben hat auch mit dem Kopf zu tun.
Sehen Sie mal, es ist auffällig, wie viele Begriffe Paulus hier gebraucht, die mit unserem Denken zu tun haben, mit der Anwendung unseres Verstandes. Sowohl das alte als auch das neue Leben werden also offensichtlich entscheidend davon geprägt, wie einer tickt, wie wir sagen würden, also wie einer denkt, auf welchen intellektuellen und weltanschaulichen Grundlagen er sein Leben aufbaut.
Was war denn das Hauptproblem bei den Heiden? Das Hauptproblem waren nicht die einzelnen Sünden hier aus Vers 19, die sind erst das Ergebnis. Diese einzelnen Sünden aus Vers 19, die sind die Außenseite der Hoffnungslosigkeit der Heiden. Das Kernproblem sitzt viel tiefer. Sehen Sie doch mal, was Paulus in Vers 17 sagt: Ihr sollt nicht mehr leben, wie die Heiden leben, in der Nichtigkeit ihres Sinnes. Das steht eigentlich in der Nichtigkeit ihres Denkens. Das heißt: Ihr Denken hängt sich an Nichtiges, an Vergängliches. Sie haben keine wertbeständigen Maßstäbe. Sie richten ihr ganzes Denken und Trachten nur auf Vergängliches, auf Weltliches, auf Vorübergehendes aus. Die Nichtigkeit ihres Denkens heißt auch: Sie kennen keine letztgültige Wahrheit, sie kennen keine objektive, ewige, verbindliche Wahrheit.
Da mag einer einen Intelligenzquotienten haben, so hoch er will. Letztlich führen ihre Projekte ins Nichts. Und letztlich bleiben sie stecken im Sand der Vergänglichkeit, in der Nichtigkeit ihres Sinnes.
Und dann Vers 18: Ihr Verstand ist verfinstert. Ihr Verstand ist verfinstert. Das heißt nicht unbedingt, sie sind dumm oder sie haben keine ordentliche Schulbildung erhalten. Das ist überhaupt nicht damit gemeint. Sie können durchaus eine Menge kapieren, die Heiden. Und es gab auch, was die Wissenschaftsgeschichte anging, schon zu jener Zeit manch hochinteressante Überlegungen und Entdeckungen, die die Heiden gemacht hatten. Und manches davon müssen wir in Mathematik noch heute lernen.
Aber Paulus sagt: Sie wissen nicht, wo die entscheidende Wahrheit zu finden ist. Sie sind in ihrem Denken an falsche Voraussetzungen gebunden. Sie verstellen sich von vornherein den Weg zu Gottes Wahrheit, weil sie den großen Weg, den Gott ihnen gebahnt hat, nicht gehen wollen. Ihr Verstand ist verfinstert an der entscheidenden Stelle.
Und dann kommt das eigentliche Problem, was daraus folgt. Er sagt: Und sie sind entfremdet dem Leben, das aus Gott ist. Das heißt, sie mögen noch so viel draufhaben. Aber an der entscheidenden Stelle fehlt es. Sie sind entfremdet, sie sind ganz weit weg von dem, der allein ihrem Leben die richtige Bestimmung geben kann. Sie haben sich abgetrennt von Gott.
Und warum? Was sagt Paulus? Durch die Unwissenheit, die in ihnen ist. Also: die Nichtigkeit ihres Denkens, der Verstand ist verfinstert, die Unwissenheit ist in ihnen. Sie haben an der entscheidenden Stelle null Durchblick, würden wir sagen.
Und dann geht Paulus noch tiefer. Warum ist denn ihr Intellekt so fehlgeleitet? Warum können sie denn trotz aller möglichen Ausbildung und Intelligenz die wirklich wichtigen Dinge und entscheidenden Wahrheiten nicht erkennen? Das sagt Paulus am Ende von Vers 18: wodurch ist diese Unwissenheit in ihnen? Durch die Verstockung ihres Herzens. Durch die Verstockung ihres Herzens. Das ist das Hauptproblem.
Und das Wort, das dort im Griechischen für Verstockung steht, das meint eigentlich Verhärtung. Ihr Herz ist steinhart. Steinhart gegen den Ruf Gottes, steinhart gegenüber dem Werben Gottes um ihre Liebe, um ihre Buße, um ihren Gehorsam. Ihr Herz ist steinhart gegenüber dem lebendigen Gott.
Und daraus folgen all die anderen Probleme. Und Sie sehen: In der Bibel sind das Herz und der Verstand ganz eng aneinander gebunden. Das ist also nicht hier so Oberstübchen und Bauchgefühl, total getrennt, sondern in der Bibel ist der Mensch ein Eiler, und das Herz ist gewissermaßen die Zentralinstanz des Lebens. Und hieraus wächst unser Denken, unser Fühlen. Das ist engstens miteinander verbunden. Und wo das Herz hart ist gegen Gott, da ist der Verstand an den entscheidenden Stellen verfinstert, das Denken nichtig, und die Unwissenheit entfremdet uns dem Leben aus Gott.
Was Paulus hier entlarvt, das ist, wenn Sie so wollen, die Kettenreaktion des alten Lebens: Härte des Herzens, daraus folgt Finsternis des Denkens, daraus folgt die Stumpfheit des Gewissens, und daraus folgt die Haltlosigkeit der Lebensführung. Wenn Sie das von hinten nach vorne durchgehen, das ergibt eine ganz klare Kette: Härte des Herzens, Finsternis des Denkens, Stumpfheit des Gewissens, Haltlosigkeit der Lebensführung. Das ist die Kettenreaktion.
Und unsere Zeitstimmung heute, die sogenannte Postmoderne, die unterschätzt einfach die Bedeutung, die das Denken hat für den ganzen Lebensvollzug. Da sagt man: Ach, Denken lohnt sich sowieso nicht. Um Wahrheit zu streiten, jeder sieht es eben anders, man kann sich ohnehin nicht einigen. Kommt, seid bescheiden in eurem Denken. Und Paulus rückt die Tassen wieder zurecht im Schrank und sagt: Leute, unterschätzt nicht das Denken. Der Gegensatz zwischen dem alten und dem neuen Leben hat entscheidend mit dem Kopf zu tun.
Und zwar geht es nicht darum, wie intellektuell oder gebildet einer ist oder wie abgehoben oder auch nicht. Darum geht es nicht. Sondern es geht darum: Von welchen Maßstäben ist mein Denken geleitet? Von welchen Überzeugungen bin ich geprägt? Wovon bin ich überzeugt? Was halte ich für die letzte Wahrheit? Was prägt mein Denken und darum auch die Entscheidungen in meinem Leben?
Also, das ist das zweite Kennzeichen des neuen Lebens. Es hat etwas mit unserem Kopf zu tun. Und das gilt nicht nur für die Heiden, das gilt genauso dann im umgekehrten Sinne auch für die Christen. Schauen Sie ab Vers 20: Da sagt Paulus: Ihr habt Christus nicht so gelernt, sondern anders gelernt. Das heißt, ihr habt von Christus gelernt, ihr habt die Wahrheit kennengelernt und gelernt, wie sie in Christus ist. Ihr habt gelernt. Und dann weiter in Vers 21: Ihr habt doch von ihm gehört, und ihr seid in ihm unterrichtet, wie es Wahrheit ist in Jesus.
Das sind auch wieder lauter Begriffe, die mit dem Denken zusammengehören. Ihr habt Jesus gelernt, ihr habt gehört, ihr wurdet unterrichtet und habt die Wahrheit erkannt, wie sie in Christus ist. Jesus gibt uns einen einzigartigen Zugang zur Wahrheit in Christus. Wer sein Leben an Jesus bindet, dem lehrt der Heilige Geist, die Bibel zu verstehen, dem öffnet der Heilige Geist die Augen. Und deswegen konnte Jesus in Johannes 8,32 sagen: Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.
Das ist also das zweite Kennzeichen des neuen Lebens: Es hat auch mit unserem Kopf zu tun. Wenn Gott uns neues Leben schenkt, dann hat das massiven Einfluss auf unser Denken. Und so wie es eine Kettenreaktion des alten Lebens gibt, können wir sagen, gibt es auch eine Kettenreaktion des neuen Lebens.
Also, Kettenreaktion des alten Lebens war: Härte des Herzens, Finsternis des Denkens, Stumpfheit des Gewissens, Haltlosigkeit der Lebensführung. Jetzt kommt die Kettenreaktion des neuen Lebens. Ja, das habe ich ja schon mal gesagt. Also: Härte des Herzens, Finsternis des Denkens, Stumpfheit des Gewissens, Haltlosigkeit der Lebensführung. Ich sage Ihnen auch hinterher gern noch mal, und wie auf der Kassette steht es auch noch mal. Und jetzt kommt die Kettenreaktion des neuen Lebens: Erneuerung des Herzens, und daraus folgt eine Erleuchtung des Denkens, und aus der Erleuchtung des Denkens kommt eine Wachheit des Gewissens. Und aus der Wachheit des Gewissens folgt dann eine Reinheit in der Lebensführung. Die Erneuerung des Herzens führt zur Erleuchtung des Denkens, führt zur Wachheit des Gewissens, führt zur Reinheit in der Lebensführung. Das ist die Kettenreaktion des neuen Lebens.
Was für ein Kontrast! Und die Frage an jeden von uns lautet immer wieder: Ist das auch meine Wirklichkeit? Ist das Wirklichkeit in meinem Leben, oder steht das hier nur auf dem Papier, weil es ein schöner Prächttext ist?
Bedenken Sie: Die Menschen in Ephesus, das waren auch Menschen aus Fleisch und Blut. Die hatten auch mit ihrem Alltag zu kämpfen. Die kamen auch aus den mancherlei Bindungen, in denen sie früher gesteckt hatten. Die wohnten auch zum Teil Wand an Wand mit Alkoholikern, mit Leuten, die Kontakt zur kriminellen Szene hatten, oder hatten einfach nur mit ihrem eigenen inneren Neid und Egoismus zu kämpfen.
Und jetzt gibt es, und das müssen wir zum Schluss noch klären, ein mögliches Missverständnis, dass einer sagt: Okay, wenn ein neues Leben wirklich begonnen hat, dann darf einer keine Probleme mehr haben, dann darf einer keine Sünde mehr tun, dann muss sein Leben total rein sein. Und genau das sagt Paulus hier nicht. Genau das sagt er nicht.
Ich bin so froh, dass dieser Vers 23 noch hier steht, der nämlich alles klärt. Vers 22 und Vers 24 beschreiben einen abgeschlossenen Vorgang, hatten wir gesagt: Ihr habt den alten Menschen ausgezogen, ihr habt den neuen Menschen angezogen, ihr seid Christen geworden durch den Glauben an Jesus. In Vers 23 da steht ein Infinitiv mit einer anderen Zeit, nämlich ein Infinitiv Präsens. In Vers 23 wird ein Vorgang beschrieben, der immer weiter und immer noch andauert. Und da sagt Paulus: Es ist Wahrheit in Christus, dass ihr beständig erneuert werdet im Geist eures Sinnes.
Verstehen Sie, was das bedeutet? Paulus sagt: Leute, seht, ihr habt dieses neue Leben, du bist eine neue Schöpfung, du bist durch den Glauben an Jesus Gottes Kind, du bist Bürger des Himmels, du hast das alte Leben ausgezogen, du hast das neue Leben angezogen. Aber das heißt nicht, dass du jetzt schon perfekt bist, das heißt nicht, dass du jetzt schon sündlos bist, sondern der Herr arbeitet an dir. Vers 23: Es ist Wahrheit in Christus, dass ihr beständig erneuert werdet im Geiste eures Sinnes. Das ist ganz wichtig.
Und das ist das dritte Kennzeichen des neuen Lebens, was wir am Schluss noch kurz bedenken: Das neue Leben wird ständig erneuert. Wir hatten gesagt: Erstens, das neue Leben ist ein Kontrastprogramm. Zweitens, das neue Leben hat auch mit unserem Denken zu tun oder mit unserem Kopf zu tun. Und drittens: Jetzt, das neue Leben wird ständig erneuert. Darauf sind wir angewiesen.
Wissen Sie, es gab immer wieder in der Kirchengeschichte schwärmerische Bewegungen, die gesagt haben, ein echter Christ kann hier auf der Welt schon dahin kommen, dass er völlig rein und ohne Sünde lebt. Das ist immer wieder behauptet worden. Und das stimmt nicht, wenn man die Bibel liest, das stimmt einfach nicht.
Das hat bei vielen Menschen schwere Glaubensprobleme ausgelöst, weil sie, wenn sie ehrlich waren, entweder haben sie vor sich selbst geschauspielert oder sie waren ehrlich und sind dann immer wieder auf ihre einzelnen Sünden an bestimmten Stellen gestoßen und haben dann gesagt: Oh, bin ich denn überhaupt ein echter Christ, wenn ich mit diesen Zweifeln und dieser oder jener Sünde noch zu tun habe? Da ist ganz viel, ganz viel seelischer Schaden angerichtet worden.
Und die Bibel verweist diese perfektionistischen Träume in das Reich der Fabel. Sie sagt: Das Kennzeichen des neuen Lebens ist nicht, dass du ein für allemal fertig bist, schon hier in dieser Welt. Du bist ein für allemal Gottes Kind durch den Glauben an Jesus, du bist ein für allemal Bürger des Himmels, du bist ein für allemal Christ, aber du bist nicht ein für allemal fertig in der Praxis deines Lebens, sondern das neue Leben wird ständig erneuert.
Und das hat Paulus doch auch am eigenen Leib erfahren, deswegen hat er das ja in Römer 7 auch geschrieben, wo er sagt: Ich weiß, wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Das Gute, was ich will, das tue ich nicht, und das Böse, was ich nicht will, das tue ich oft. Er hat ja diesen Zwiespalt in sich selbst noch erfahren, und er hat darunter gelitten. Aber er wusste: Ich habe Vergebung durch Jesus.
Und Martin Luther hat dafür ja dann noch mal aufgegriffen von Paulus dieses Bild vom alten Adam. Er hat gesagt: Der alte Adam, der alte Mensch, den wir eigentlich schon längst ausgezogen haben, der muss jeden Tag neu ersäuft werden. Und er hat dazu hinzugefügt: Aber das Biest kann schwimmen.
Und das hat Paulus genauso erfahren. Und deswegen wusste er: Das neue Leben wird ständig erneuert, wir brauchen ständig wieder Vergebung. Und das heißt nun nicht, und lassen Sie mich das zum Schluss bitte noch sagen, das heißt nun nicht, dass weil es nun mal so ist, wir können die Sache mit der Sünde eben etwas lockerer sehen. Nach dem Motto: Wir sündigen sowieso, also kommt es nicht so darauf an. So ist das nicht gemeint, sondern die Bibel fordert uns auf, dass wir umso ernsthafter den Herrn immer wieder um Vergebung bitten, dass wir immer wieder um Erneuerung bitten.
Und schauen Sie, wo setzt diese Erneuerung an? Bezeichnenderweise überrascht uns jetzt gar nicht mehr, dass ihr erneuert werdet, Vers 23, im Geist eures Sinnes. Hier, es geht wieder um das Denken, um den Kopf. Es geht darum, dass wir immer wieder unsere Maßstäbe prüfen, die Art und Weise überprüfen, wie wir an die Dinge in diesem Leben herangehen.
Darum ist das regelmäßige Bibelstudium für unser Glaubensleben so wichtig. Darum ist es so wichtig, dass wir auch miteinander Gottes Wort lesen. Darum steht der Predigttext im Mittelpunkt des Gottesdienstes. Wir brauchen immer wieder neue Hygiene, auch für unser Denken und letztlich für unser Herz.
Paulus hat das auch in Römer 12 ganz deutlich beschrieben, Römer 12,2: Stellt euch nicht dieser Welt gleich, Kontrastgesellschaft, sondern ändert euch hier sagt er, lasst euch erneuern durch die Erneuerung eures Denkens, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist.
Also Paulus sagt: Achtet darauf, dass ihr immer wieder von Gott neu Klärung bekommt, dass ihr immer wieder von Gottes Wort neu ausgerichtet werdet. Und dann könnt ihr prüfen, dann könnt ihr all die Dinge, die euch in der Welt begegnen, müsst ihr nicht die Augen davor verschließen und nicht davor wegrennen, sondern ihr könnt sie prüfen und bewerten im Licht des Wortes Gottes. Und dann habt ihr sicheren Stand und könnt auch anderen Menschen Orientierung geben.

Ermutigung für den Weg und der Blick auf die Gemeinde

Wir kommen zum Schluss. Paulus hat uns heute mit einer aufregenden Tatsache konfrontiert. Er hat gesagt: Wer zu Jesus gehört, der hat Anteil an einer neuen Wirklichkeit. Ihr habt das neue Leben angezogen.
Das ist nicht immer spürbar für uns, aber Paulus sagt: Es ist Wahrheit. Du bist hineingepflanzt in ein neues Leben. Und das heißt jetzt nicht unbedingt, dass alles leichter wird. Mir sagte neulich einer: Also, ich habe den Eindruck, je länger ich Christ bin, umso schwerer werden manche Dinge. Ich habe ihm gesagt: Stimmt, das ist auch in mancher Hinsicht so. Manches ist schwerer.
Weil wir hineingestellt sind in einen großen Konflikt, in einen großen Konflikt mit dem ganzen geistigen Umfeld, in dem wir uns bewegen. Das war für die Christen zu allen Zeiten so. Das heißt nicht, dass wir mit allen Streit suchen sollen, dass wir uns von allen fernhalten sollen, dass wir die Leute provozieren sollen, dass wir tun sollen, als wären wir als Christen etwas Besseres. Das ist absolut nicht so gemeint. Aber ein Christ kann nicht einfach in der Masse mitschwimmen. Als Christ brauchen wir den Mut, anders zu sein.
Aber wir stehen auch unter einem besonderen Schutz. Und diesen Menschen in Ephesus war das in diesem Umfeld bestimmt in manchen Situationen unheimlich schwer. Ich kann mir vorstellen, dass auch die Versuchung, an manchen Stellen wieder in dieses alte Leben zurückzuwischen, gewissermaßen zurückzugehen, für manchen von Tag zu Tag immer wieder vor ihm stand. Aber Paulus sagt: Ihr könnt euch auf Jesus verlassen. Er bringt euch durch, er hilft euch. Er hilft euch auch, mit all den Schwierigkeiten, die ihr aus eurem alten Leben vielleicht noch mitbringt, in eurem neuen Leben fertig zu werden.
Ich musste so an die Kinderärztin aus Joscha im Ural denken, mit der ich während dieser Konferenz in Moskau vor zwei Wochen sprach. Sie erzählte dann auch, dass sie von ihrem Mann geschieden wurde, bevor sie Christin wurde. Dann erzählte sie ihre ganze Geschichte. Sie sagt: Er war Alkoholiker, und es wurde immer schlimmer in unserem Familienleben. Dann hatte sie eine Freundin, die Kontakt zu einem Schamanenpriester hatte. Im Ural ist der Schamanismus auch ganz verbreitet. Und die Freundin sagte: Schick doch deinen alkoholkranken Mann zu diesem Schamanenpriester, der wird ihm helfen können.
Das hat sie dann gemacht. Das Ergebnis war: Als der Ehemann vom Schamanen zurückkam, ist er mit dem Messer auf sie losgegangen und hat sie bedroht. Und es wurde immer schlimmer. Am Ende blieb ihr nur die Scheidung als Ausweg. Dann fand sie zum Glauben an Jesus Christus.
Und jetzt muss sie durchkommen. Sie muss durchkommen mit ihren Kindern, mit diesem kleinen Gehalt, das die Mediziner in Russland nur bekommen. Sie sagte dann sinngemäß: „Ich habe keinen Mann mehr.“ Aber da hat sie nach oben gezeigt: „Jetzt habe ich einen starken Herrn, und der sorgt für mich.“ Das hat sie erfahren.
Es ist manches nicht leicht in dem neuen Leben. Aber der Herr sorgt für uns. Er hat uns rausgeholt aus dem alten Leben, er hat uns hineingestellt in ein neues Leben, und da bewahrt er uns nun und führt uns.
Unser neues Leben ist ein Kontrastprogramm. Unser neues Leben hat mit dem Kopf zu tun, und unser neues Leben wird ständig erneuert. Das ist anspruchsvoll, dieses neue Leben. Und wissen Sie, das ist kein Wunder, dass wir manchmal auch müde werden als Christen. Das ist kein Wunder.
Auch als Christen geht es uns manchmal so wie bei der Antritt einer langen Reise. Am Anfang ist man noch voller Energie. Man packt den Wagen, man hat das Proviant vorbereitet, man setzt sich fröhlich ans Steuer und ist noch guten Mutes. Und dann dauert die Reise, und die Reise dauert. Irgendwann landet man im Stau, das Wetter wird schlechter, und man wird müder, und die Knochen tun weh. Je länger die Reise dauert, umso missmutiger wird man, und von dem Schwung des Anfangs ist manchmal nicht mehr viel übrig. Manche haben schon gedacht: Ach, wenn ich doch jetzt wieder zurückfahren könnte und die Reise abbrechen.
So geht es uns auch manchmal auf der Reise mit Jesus. Am Anfang ist meistens die Sache noch relativ schwungvoll und leicht, und dann kommen Phasen, da wird es schwerer. Da stehen wir im Stau, auch im übertragenen Sinne. Und manchmal kommt es uns selbst so müde und so uninspiriert und so leidenschaftlos vor, als wäre es nur noch Gewohnheit, und wir schleppen uns von einem Gottesdienst zum nächsten und so weiter. So geht es manchmal.
Dann ist es ganz wichtig, dass wir uns in so einer Situation nicht abkapseln. Dafür hat uns ja unter anderem auch der Herr Jesus die Gemeinde gegeben, dass wir uns gegenseitig stärken können. Manche, wenn sie in solche Krisenzeiten hineinkommen, neigen dazu, sich aus der Gemeinde zurückzuziehen. Dann gehen sie erst recht nur noch ganz selten zum Gottesdienst, nur noch kaum mehr zur Bibelstunde, und sie halten sich aus allem raus. Das ist die Reaktion. Es muss genau andersherum sein. Wir sollen uns helfen, und wir sollen uns gerade beistehen in Situationen, wo dem einen oder anderen mal die Luft auszugehen droht.
Und deshalb schließlich die Geschichte mit jenem Pfarrer in Neuengland: Ein Bauer in seiner Gemeinde war verbittert und kam wochenlang nicht mehr zum Gottesdienst. Der Pastor gab sich einen Ruck. Er hatte etwas Angst vor dem Gespräch, weil der Mann so knurrig war. Aber dann besuchte er ihn. Der Bauer öffnete ihm wortlos, und der Pfarrer trat ein. Er sagte aber nichts, da dieser Mann nicht immer mochte, zu viel zu reden. Dann setzten sie sich eine Weile schweigend vor den Kamin, und sie saßen einfach nur schweigend da.
Dann kam dem Pfarrer die rettende Idee. Er nahm einen Scheit, der im Kamin lag, wortlos vom Feuer und legte ihn etwas abseits auf eine Steinplatte. Weiter sagte er gar nichts. Der Bauer schaute ins Feuer, und der Pfarrer schaute ins Feuer. Nach einiger Zeit reichte der Bauer dem Pfarrer die Hand und sagte: Ich habe Ihre Predigt verstanden. Ich habe Ihre Predigt verstanden: Was nicht im Feuer liegt, kann auch nicht zur Flamme werden. Was nicht im Feuer liegt, kann auch nicht zur Flamme werden.
Er hatte kapiert: Wenn ich mich abkapsele von der Gemeinschaft der Christen, wenn ich mich in meiner Müdigkeit und Depressivität und Lustlosigkeit im Glauben nur noch weiter zurückziehe, dann kann mein Leben nie mehr zur Flamme werden. Ich brauche die Gemeinschaft der Mitchristen, wo wir uns gegenseitig stärken und stützen und ermutigen können, dem lebendigen Gott zu vertrauen.
Lassen Sie uns doch so für uns ein jeder uns vornehmen, dass, wenn in unserem Leben Phasen der Müdigkeit kommen, Phasen, wo wir keine Lust mehr haben, das alles mitzumachen, wo wir vielleicht auch manchmal einfach erschüttert sind und traurig über uns selbst und über die Schuld, die wir in unserem eigenen Leben entdecken, dann lassen Sie uns gerade nicht zurückziehen. Lassen Sie uns dann gerade die Gemeinschaft der Mitchristen suchen. Der Herr führt uns hier zusammen, und er stärkt uns durch sein Wort. Und er hat versprochen, dass er uns durch dieses Leben hindurchführt und sicher ans Ziel bringt. Amen.
Wir wollen jetzt singen Lied