Serie•Teil 14 / 21Jesus
Generierte Mitschrift
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Einleitung und Rahmung der Reihe
Und ich will mal ganz einfach in diese Reihe wieder einsteigen. Das ist jetzt schon die vierzehnte Predigt aus dieser Jesusreihe.
Ich habe das vorhin gesagt: Mitarbeiter sind das Potenzial einer Gemeinde. Und dann habe ich gesagt: Na ja, genau genommen ist das grösste Potenzial in meinem Leben Jesus. Dass ich Jesus haben darf, dass er in mir lebt, das ist das Grundlegende, was in meinem Leben alles entscheidend ist. Ihn kennen, von ihm lernen dürfen, das eröffnet einem Menschen neue Horizonte.
Und kein Mensch ist wirklich autonom. Kein Mensch startet ins Leben und erfindet für sich das Leben noch einmal neu. Jeder hat irgendwie Input. Da spielt Erziehung eine Rolle, aber dann kommen die Freunde dazu, und Zeitungen, Blogs, Facebook, Podcasts und Werbung. Wir alle übernehmen von irgendwoher in unser Leben hinein Dinge. Und nicht alles, was man da so aufnimmt, ist irgendwie gut.
Deswegen, weil wir darauf gepolt sind, von allen möglichen Leuten Dinge zu übernehmen, sagt Jesus: Pass auf, wenn du Christ bist, dann sollst du von mir lernen. Das ist unser Job, von Jesus zu lernen. Deswegen gibt es diese Jesusreihe.
Dieses „Von Jesus lernen“ kann eigentlich nur gelingen, wenn wir mit dem, was er uns sagt, mit dem, was wir dann auch in Predigten hören, richtig umgehen. Und deswegen dachte ich mir, wir machen mal in dieser Jesusreihe etwas über Predigten. Der etwas provokante Titel lautet: Jesus und die schlechteste Predigt aller Zeiten.
Jetzt ist hier „schlechteste“ ganz bewusst in Anführungszeichen. Natürlich hat Jesus nicht wirklich eine schlechte Predigt gehalten. Aber was machst du, wenn du am Anfang eine Schar von x-tausend begeisterten Nachfolgern hast, dann predigt Jesus eine Predigt, und dann bleiben gerade mal zwölf übrig? Es ist schon am Anfang x-tausend, am Ende zwölf.
Stellt euch vor, ich würde jetzt hier so predigen, dass nächste Woche im Vergleich dazu noch einer hier sitzt. Da kommt nur noch Robert, und alle anderen sind weg. Würdest du dann auch sagen: Preach it, brother, preach it? Nein, das würdest du nicht sagen. Du würdest sagen: Jürgen, da ist irgendwas. Können wir da noch mal drüber reden? Du und predigen, ja, das ist irgendwie ganz komisch.
Und trotzdem hat Jesus das gemacht. Die Frage ist: Warum? Darüber möchte ich mit euch nachdenken.
Aber wir sind in der Jesusreihe, und vorweg gibt es genau drei Vorbemerkungen. Drei Vorbemerkungen zum Thema Predigen. Ich weiss gar nicht, ob mir inzwischen die Vorbemerkungen fast genauso viel Spass machen wie die Hauptpredigt. Die werden nicht immer länger, aber sie werden immer, immer ... ihr werdet es gleich merken.
Erste Orientierung: Nicht jede Predigt erschließt sich sofort
Also, Vorbemerkung Nummer eins: Was muss ich allgemein zum Thema Umgang mit Predigten wissen?
Ja, ich höre jemanden, der predigt, mir, und Vorbemerkung Nummer eins: Predigten müssen nicht so sein, dass du sie immer sofort verstehst. Ich weiß, das klingt komisch. In einem klassischen Predigerseminar hörst du das genaue Gegenteil. Da hört man so Sprüche wie: Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Oder: Predige so, dass die Zuhörer immer ganz ... Ich habe das auch alles gehört. Ich habe auch ein paar Bücher zum Thema Predigten, wie man das richtig macht, gelesen. Ich habe auch jetzt knapp tausend Predigten unterschiedlicher gehalten. Aber ganz ehrlich: Wenn ich in die Bibel reinschaue, stelle ich fest, dass das nicht stimmt.
Also ja, auf der einen Seite darf der Prediger nicht irgendwelches sinnloses Zeug quatschen und mit Fremdwörtern und Christianesisch um sich werfen, bis wirklich keiner mehr weiß, worauf er hinaus will. Aber es passiert ziemlich oft in der Bibel, dass Jesus predigt, und nicht einmal seine Jünger so ganz genau verstanden haben, was er da sagen wollte. Und das nicht nur dann, wenn er in Gleichnissen redet. Das passiert einfach.
Es gibt eine Stelle, die ist total schön im Johannesevangelium. Da rede ich ja jetzt eine ganze Menge, auch ein bisschen bildhafter. Und da gibt es eine Stelle, wo man die Erleichterung der Jünger so im Text förmlich heraushören kann. Da sagen sie an einer Stelle: Siehe, jetzt redest du offen und gebrauchst keine Bildrede. Da denkt man: War die froh, jetzt ist endlich mal so ein bisschen klarer geworden im Kopf. Es war für sie nicht immer leicht, Jesus zu verstehen.
Und deswegen sage ich das einfach vorneweg: Es ist überhaupt nicht dramatisch, wenn jemand von euch nicht gleich alles versteht, was in einer Predigt gesagt wird. Die Jünger hatten das Problem. Es gehört irgendwie dazu. Es ist auch völlig normal. Wie soll man einer so unterschiedlichen Masse von Menschen auf eine Weise predigen, dass jeder alles versteht? Das geht einfach nicht.
Manchmal ist man einfach nur müde. Da ist es dann 15.30 Uhr, und du denkst dir: Ich habe gerade irgendwie hier so mein Rouladentief. Und du sitzt dann so ein bisschen da und versuchst, wach zu bleiben, und hoffst, dass noch ein Gag kommt. Und wenn der ausbleibt, dann ist es einfach schwierig, dranzubleiben. Manchmal, da bin ich mir ganz sicher, bringe ich auch einen Gedanken, der euch mehr verwirrt als aufklärt. Da denkst du: Ich bleibe an diesem Stecken, und ich mache weiter, und du verlierst einfach den Anschluss. Das kann alles passieren. Alles nicht so schlimm.
Nicht so schlimm, wenn wir tun, was die Jünger tun. Die Jünger waren, das will ich noch einmal sagen, nicht besonders schlau. Sie haben nicht gleich alles verstanden, aber sie haben eine Sache richtig gemacht, und die bitte, bitte, bitte ich euch auch zu tun: Sie haben nachgefragt.
Beispiel: Da kommt das Gleichnis vom Unkraut im Acker. Ich will das jetzt nicht vorlesen und nicht erklären. Ihr müsst einfach nur wissen, es gibt so ein Gleichnis. Und die Jünger wissen nicht, worum es dabei geht. Und dann heißt es in Matthäus 13,36: Und seine Jünger traten zu ihm und sprachen: Deute uns das Gleichnis vom Unkraut des Ackers.
Also nicht dieses: Ich habe da eine Idee. Wir hatten gar keine Idee, aber die hatten Jesus. Und die gehen zu Jesus hin und sagen: Ich habe nicht verstanden. Kannst du mal sagen, worum es dabei eigentlich geht? Und dann macht Jesus das. Das müssen wir tun: nachfragen, im übertragenen Sinn dranzubleiben.
Es ist mein Job, inhaltlich gute Predigten zu halten. Das versuche ich zu tun. Es ist eure Aufgabe, nachzuarbeiten. Sei es, dass ihr auf mich zukommt und nachher beim Kaffee einfach fragt: Sag mal, kannst du mir nochmal erklären, da hast du mich abgehängt. Was hast du da gewollt? Fragt mich. Denkt nicht: Oh, Jürgen hat immer so viel zu tun, den will ich jetzt nicht belatschen. Fragt mich.
Sei es, dass ihr ... Ich habe es euch extra noch mal reingeschrieben: Auf Frogwords steht immer das Skript der Sonntagspredigt. Also das, was ich hier als Skript habe, könntest du jetzt parallel mitlesen und würdest genau sehen: Ah, jetzt liest er ab. Oder: Oh, jetzt stand das gar nicht im Skript. Du kannst das alles nacharbeiten. Und wenn du merkst, den habe ich irgendwo verloren, den roten Faden, dann besorg dir das und lies es einfach in Ruhe noch mal die halbe Seite nach, wo du ausgestiegen bist.
Und du wirst merken: Im Skript gibt es manche zusätzliche Bibelstelle, manche zusätzliche Verweisstelle, wo vielleicht manches noch mal ein bisschen genauer erklärt wird. Manchmal ist auch noch ein Link drin. Das ist für mich, aber eben auch für die Leute, die sagen: Ich will nacharbeiten.
Also, das war die erste Vorbemerkung: Du musst nicht sofort alles verstehen.
Zweite Orientierung: Das Gehörte kann schnell wieder verloren gehen
Vorbemerkung Nummer zwei:
Wenn wir eine Predigt hören, dann hat der Teufel ein Interesse daran, dass wir gleich wieder vergessen, was wir gehört haben. Jesus macht diesen Punkt im Sämannsgleichnis. Ihr müsst euch das vorstellen: Im Sämannsgleichnis gibt es einen Sämann. Das hat man heute ja nicht mehr, heute hat man Saatmaschinen. Aber früher gab es tatsächlich Leute, die das Saatgut mit der Hand ausgestreut haben. Sämänner eben.
Im Sämannsgleichnis streut also ein Sämann Samen aus. Und dann kommt der Vergleich: Ein Prediger ist wie so ein Sämann. Die Predigt ist wie ein Same, der ausgestreut wird. In diesem Sämannsgleichnis gibt es nun Samen, der auf die Erde fällt, die schon schön festgetrampelt ist, wo nichts mehr passiert. Der bleibt da einfach liegen, und dann kommen die Vögel und sagen: Aha, was ist denn das Feine? Und sie picken den Samen weg.
Und jetzt erklärt Jesus seinen Jüngern, was er damit meint. Matthäus 13,19, den Vers habt ihr in euren Notizen: So oft jemand das Wort vom Reich Gottes hört und nicht versteht – also wenn du das zulässt, dass dieses Nichtverstehen bleibt –, kommt der Böse, das ist der Teufel, und reißt weg, was in sein Herz gesät war. Dieser ist es, bei dem an den Weg gesät ist.
Die Idee ist also: Jemand hört das Wort Gottes, eine Predigt, und er versteht nicht, was gesagt wird, warum auch immer. Und das muss nicht dein Fehler sein. Es kann einfach etwas von dem sein, was ich eben geschildert habe. Es kann mein Fehler sein, dass du es nicht verstehst. Ja, ich bin nicht perfekt. Aber in dem Moment, wo das passiert, schwuppdiwupp, reißt der Teufel ihm das Wort Gottes wieder weg.
Das Verrückte ist: Der Teufel hat kein Interesse daran, dass du zum Beispiel die Bundesliga-Ergebnisse vergisst oder den Tratsch und den Klatsch aus der BZ. Manchmal merkt man sich Dinge, die so unglaublich unwichtig sind, so unglaublich schnell, dass man sich fragt, warum man die gleiche Lerngeschwindigkeit bei einem Bibelvers noch nie erlebt hat. Wenn euch das nicht so geht, Halleluja, mir geht das so.
Ich kann mir manche Dinge merken, bei denen du denkst, ihr braucht sie nie im Leben, wirklich nie. Das ist manchmal so im Vorbeifahren: Da schaut man ein bisschen Nachrichten, und plupp, hat man so ein Ding und behält es für Ewigkeiten. Dann fragst du dich: Worüber ging die Predigt letzte Woche? Also Markus weiß es noch, er hat sie gehalten, und von uns anderen? Was habt ihr mitgenommen? Was ist hängen geblieben? Welcher Vers hat euch motiviert? Wo hat der Geist Gottes euch berührt?
Ja, die waren mir zu kompliziert, die waren nicht einfach, zugegebenermaßen. Aber das ist nicht der Punkt, versteht ihr? Der Punkt ist einfach, etwas nicht gleich zu verstehen und dann einfach zu sagen: Wöööö, mache ich nichts draus. Dann kommt der Teufel und sagt: Schnuppdiwupp, weg.
Und dann hättest du dir die halbe, dreiviertel Stunde letzten Sonntag eigentlich sparen können. Okay, das war ja nur eine Vorbemerkung. Vorbemerkung Nummer zwei.
Dritte Orientierung: Kluges Hören steht unter einer Verheißung
Vorbemerkung Nummer drei:
Es liegt tatsächlich eine Verheißung auf klugem Zuhören. Das ist Lukas 8,18. Da sagte der Herr Jesus: Seht nun zu, wie ihr hört; denn wer hat, dem wird gegeben werden, und wer nicht hat, von dem wird selbst, was er zu haben meint, genommen werden.
Mir geht es nur um diesen ersten Teil: Wer hat, dem wird gegeben. Mir ist das völlig klar. Und ich weiß, wie es euch geht, wenn ihr am Anfang jetzt steht, Lisan, wenn du das erste Mal jetzt hier Predigt hörst.
Meine erste Predigt war folgendermaßen: Ich habe mich zu einer brüdergemeindlichen Bibelstunde einladen lassen, als unbekehrter Mensch. Ich hatte mit dem Evangelium noch nichts am Hut. Ich kam da rein und hatte vor mir einen messianischen Juden, der mir irgendetwas über Israel erzählt hat. Das war mein Startpunkt in den Glauben.
Habe ich von diesem Abend noch mehr als einen sehr rudimentären emotionalen Eindruck? Nein, ich weiß nichts mehr. Ich weiß nur noch, es ging völlig über mich hinweg. Es war so, man sitzt da und so: pfff.
Das ist am Anfang wohl nicht zu vermeiden. Das ist, wenn man eine Ausbildung macht. Ich weiß nicht, ob ihr euch noch erinnert, wie man eine Ausbildung startet: so das erste Mal im Betrieb, alle wissen Bescheid, nur du nicht. Ich weiß noch, als ich angefangen habe zu arbeiten bei der BVG, ich wusste nicht einmal, wo ich einen Kugelschreiber kriege. Da steht ja nirgendwo: Kugelschreiber erhalten, wie da und da. Ich wusste nicht, wo ein Postfach ist. Ich wusste nichts.
Und das ist immer so, wenn du irgendwo anfängst. Das gilt für alles. Du startest bei null. Und dieser erste Eindruck ist meistens immer so ein bisschen: Da muss man sich irgendwie durchfressen.
Und das ist im Christsein nicht anders. Das heißt: Es ist am Anfang wahrscheinlich nicht leicht, wenn man das nicht gewohnt ist, Predigten zu hören, auch Predigten zu verstehen. Es ist auch nicht leicht, Bibel zu lesen und sich mit Theologie zu beschäftigen. Vielleicht bist du jemand, der sagt: Ich habe bis zu meiner Bekehrung eigentlich nur Comics gelesen.
Mir ist so jemand echt über den Weg gelaufen, der sagt: Das ist das erste Buch, das ich habe, die Bibel. Er hat vorher nur Comics gelesen. Das ist ein Quantensprung, das ist logisch. Und dass der Moment braucht, bis er da reinkommt, ist doch auch logisch.
Gib dir die Zeit! Das ist das Schöne, dass wir aus Gnade leben. Du darfst dir die Zeit nehmen. Du darfst nur nicht ausbüxen und sagen: Das mache ich nicht. Sondern die Verheißung heißt: Wer hat, dem wird gegeben.
Wenn wir uns nicht abschrecken lassen, sondern wenn wir mal anfangen zu verstehen und dann aus jeder Predigt etwas mitnehmen, und da, wo ich eine Frage habe an den Bibeltext, zu dem Prediger hingehe und glaube, dass der mir nicht das Ohr abbeißt, sondern dass der mir eine Antwort gibt, und dazulerne.
Und wenn ich dann vielleicht auch mal einen Bibeltext, den ich jetzt höre in so einer Predigt, dass ich mal so den ganzen Zusammenhang lese, um noch ein bisschen besser zu verstehen. Weil du natürlich weißt: Ein Prediger muss immer einzelne Verse nehmen. Er muss das festmachen. Am liebsten würde ich natürlich auch hier jetzt zwei Stunden predigen und in Ruhe mit euch den Text entfalten. Geht aber nicht, ich habe 35 Minuten, versteht ihr?
Also noch mal zu Hause den Text ringsherum ein bisschen lesen, über den gepredigt wurde, aufpassen. Ja, vielleicht auch den einen oder anderen Vers auswendig lernen, weil man merkt: Boah, das ist wirklich ein guter Vers.
Wenn du das tust, dann gilt diese Verheißung. Du wirst am Anfang so ein ganz einfaches Grundverständnis entwickeln, und dann wird das mehr und mehr und mehr werden. Warum? Weil die Verheißung heißt: Wer hat, dem wird gegeben. Wer klug zuhört, der versteht tatsächlich immer mehr.
Drei Vorbedingungen zum Thema Umgang mit Predigten:
Erstens: Predigten müssen vielleicht auch können nicht so sein, dass sie immer sofort von allen Zuhörern verstanden werden.
Zweitens: Wenn wir eine Predigt hören, dann hat der Teufel ein Interesse daran, dass wir gleich wieder vergessen, was wir da hören. Und deswegen, wenn deine Kinder nach dem Gottesdienst Amok laufen, ist es auf keinen Fall Zeit, noch mal in Ruhe über das nachzudenken. Halleluja!
Drittens: Es liegt eine Verheißung auf klugem Zuhören.
Der Wendepunkt in Johannes 6
Jetzt kommen wir zur schlechtesten Predigt aller Zeiten. Die steht in Johannes 6, und das ist so ein langer Text, dass ich ihn jetzt nicht vollständig vorlesen kann. Deswegen muss ich euch viel erklären.
Bei der schlechtesten Predigt aller Zeiten fängt eigentlich alles total gut an. Im Johannesevangelium, Kapitel 6, lesen wir in den ersten fünfzehn Versen davon, dass etwa 5.000 Männer satt werden. Damals wurden nur die Männer gezählt, aber ihr müsst euch vorstellen: Da kommen dann auch noch einmal 5.000 Frauen obendrauf, und dann kommen noch die Kinder dazu. Deswegen reden wir hier locker von einer Größenordnung von 15.000 bis 20.000 Menschen, die durch ein Wunder satt werden.
Also: Sie haben sich keinen Markus Marschewski eingeladen, sondern Jesus hat einfach herumgefragt: Was haben wir denn? Und das waren dann fünf Gerstenbrote und zwei Fische. Und das reichte für alle. Es bleibt sogar noch etwas übrig. Und logischerweise: Wenn du das mitmachst, bist du begeistert. Das muss man sich vorstellen. Du erwartest: Okay, heute Abend gehen wir vielleicht wirklich mit einem leeren Bauch nach Hause, das wird nichts mehr. Und dann so ein Wunder.
Du bist so begeistert, dass sie Jesus zu ihrem König machen wollen. Aber er verschwindet einfach. Er möchte das nicht. Er verschwindet, um kurz darauf auf der anderen Seite des Sees mit seinen Jüngern wieder aufzutauchen. Das ist eine separate Geschichte, wo Jesus über den See läuft und die Jünger mit dem Schiff fahren. Wir haben auf der einen Seite des Sees das Wunder, und dann, kurz darauf, auf der anderen Seite ist Jesus mit seinen Jüngern, und die Leute sind auch wieder da. Und Jesus beginnt dort mit seiner Predigt.
Jetzt kann ich annehmen, dass Johannes uns diese Predigt nicht im O-Ton überliefert hat. Das ist euch hoffentlich klar. Also: Die Predigten, die wir im Neuen Testament lesen, sind als Geschichtsschreibung, den Regeln der Geschichtsschreibung der Antike folgend, Zusammenfassungen. Ganz selten ist es wahrscheinlich ein O-Ton. Vor allem, wenn wir lange Predigten haben, dürft ihr nicht meinen, die längsten Predigten wären die Bergpredigt, die dauert zu halten zwölf Minuten oder so, und länger hat keiner gepredigt. Nein, das waren große Blöcke, die dann eingedampft werden, wo die wesentlichen Elemente zusammengefasst werden.
Aber selbst dann, wenn ich sage, es ist eine Zusammenfassung und Johannes präsentiert uns nur so etwas wie eine Inhaltsangabe, merken wir trotzdem, dass Jesus bei seiner Predigt sofort auf den Punkt kommt. Also noch einmal: Ich habe Leute, die eben noch, also gestern, satt geworden sind, und sie treffen jetzt auf Jesus, Johannes 6,26, und Jesus sagt ihnen als Allererstes Folgendes: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und gesättigt worden seid.
Merkt ihr, wie Jesus ganz am Anfang schon etwas hinterfragt? Er hinterfragt die Motivation der Leute. Warum seid ihr eigentlich hier? Warum wollt ihr diese Predigt hören? Das Interessante ist: Er hinterfragt am Anfang die Motivation, und am Ende, wenn wir jetzt weiterlesen, fangen fast alle an zu murren und gehen weg. Also viele von den sogenannten Jüngern, viele Leute, die am Anfang noch voll für Jesus waren, da heißt es dann in Johannes 6,60 und 6,66: Viele nun von seinen Jüngern, die es gehört hatten, sprachen: Diese Rede ist hart; wer kann sie hören? Und von da an gingen viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm.
Also: Viele von denen, wenn du sie vorher gefragt hättest: Bist du ein Jünger Jesu?, hätten die gesagt: Na klar, was denn sonst? Habe gestern mitgegessen. Kann man ja nichts anderes sein als ein Jünger Jesu, oder? Und am Ende, nach der Predigt, gehen die alle weg.
Wenn Jesus ihre Motivation am Anfang hinterfragt, hat er völlig recht. Sie wollen seine Jünger sein, aber es geht ihnen im Grunde ihres Herzens nicht um Jesus, sondern um Brot und Fisch und darum, dass sie keinen Hunger haben. Und Jesus sagt zu diesen Leuten: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und gesättigt worden seid.
Dass Tausende satt geworden sind, das war das Zeichen. Es ging Jesus bei dem Zeichen aber nicht darum, zu zeigen, dass er das kann. Es ging ihm noch nicht einmal darum, ihre Begeisterung zu gewinnen. Ist das verrückt? Die hatte er, logisch. Er wollte, dass sie verstehen, wer er ist. Also: Sie wollten satt werden, und das begreifen sie als ein Zeichen. Aber doch nicht als ein Zeichen dafür, dass Jesus die Leute satt machen kann, sondern dass der, der das kann, noch viel mehr sein muss, dass der Messias ist, dass er ihnen doch nicht nur einmal sattes Einschlafen schenken möchte, sondern dass er ihnen ewiges Leben schenken möchte.
Und im Gegensatz dazu, zu dem, was Jesus ihnen schenken möchte, gilt ihre Begeisterung nur dem nächsten Brot-und-Fisch-Wunder. Und weil das so ist, deswegen sagt Jesus dann in Vers 27: Wirkt nicht für die Speise, die vergeht, sondern für die Speise, die bleibt zum ewigen Leben, die der Sohn des Menschen, ein Messias-Titel, euch geben wird. Denn diesen hat Gott, der Vater, beglaubigt.
Gott, der Vater, hat den Sohn beglaubigt. Er hat ihm dieses gigantische Speisewunder machen lassen, nicht damit die Menschen davon träumen, dass sie jetzt jeden Tag so ein Wunder erleben. Versteht ihr? Das war nicht die Idee. Gott sagt nicht: Mach mal so ein Wunder, und dann werden die denken, dass du das jeden Tag machen kannst. Gott macht das, er beglaubigt den Sohn, damit die Menschen sich fragen, ob es bei Jesus vielleicht noch viel, viel mehr gibt, ob man bei ihm vielleicht nicht das bekommen kann, was man braucht fürs ewige Leben: eine Speise, die man nicht essen kann, aber die viel wichtiger ist als noch einmal ein Speisewunder zu erleben.
Das nächste Speisewunder lässt einen einen Tag länger leben. Aber Jesus sagt: Ich habe etwas für dich zum ewigen Leben, etwas, was nach dem Tod relevant ist, wenn schon lange nichts mehr gegessen wird. Eine Speise möchte Jesus den Menschen anbieten, die nur der Sohn des Menschen, die nur er als Messias ihnen geben kann. Und er sagt das: Hey, passt auf, dass ihr nicht an dem vorbeigeht, was ich für euch habe. Ihr wollt das Falsche. Ihr wollt noch einmal satt werden. Ich habe das für euch, was ihr braucht, um ewiges Leben zu finden.
Und für einen Moment liegt Hoffnung in der Luft. Die Zuhörer sind tatsächlich interessiert. In Vers 28a heißt es: Da sprachen sie zu ihm: Was sollen wir tun? Und Jesus sagt es ihnen in Vers 29: Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Dies ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.
Das Werk Gottes hier müsste man sauberer, in meinen Augen, übersetzen mit: das Werk für Gott. Sie fragen ja nach dem Werk, das sie tun sollen, und das Werk, das Gott von ihnen will, ist Glaube, und zwar Glaube an Jesus. Also: Was Gott von ihnen will, ist, dass sie sich weniger für die Gaben interessieren als vielmehr für den Geber. Versteht ihr? Es ist immer so dieser Fokus: Was kriege ich Neues? Und das ist nicht das, was Gott möchte. Gott wünscht sich, dass sie ihr Herz nicht an die Idee hängen, jeden Tag auf wundersame Weise satt zu werden, sondern dass sie ihr Herz an Jesus hängen. Dass sie Jesus als den erkennen, den Gott gesandt hat, um sie zu retten.
Und jetzt wird es in der Geschichte total traurig. Dieser Jesus erfüllt nämlich gar nicht die Erwartungen, die sie an einen Messias haben. Sie haben null Probleme damit, ihn als Wunderheiler und als Brotvermehrer zu akzeptieren. Nur: An dieser Stelle hört es dann auch auf. Das war es dann.
An ihn glauben? Ja, Jesus sagt: Was sollen wir tun? Ihr müsst glauben. An ihn glauben? In ihm, das wird er dann später in Johannes 6 sagen, in ihm das Brot des Lebens sehen, von ihm essen, das heißt, sich selbst mit ihm und mit seinem Leben eins machen und dann konsequenterweise für ihn leben? Und mit ihm in Ewigkeit leben? Das ist das, was Jesus sich wünscht. Da will er hin. Sie wollen noch ein Brot und noch einen Fisch. Und er sagt: Ich habe etwas ganz anderes, ich habe mich anzubieten.
Da heißt es in Vers 57 und 58, und das ist das Ziel, wohin Jesus mit den Menschen will: Wie der lebendige Vater mich gesandt hat und ich lebe um des Vaters willen, so auch, wer mich isst. Und das ist jetzt ein Bild für Glauben, das ist kein Kannibalismus, okay? Wer mich isst, der wird auch leben um meinetwillen. Darum geht es: leben um meinetwillen. Dies ist das Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist. Er meint sich damit. Nicht wie die Väter aßen und starben; wer dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.
Jesus bietet sich selber an, und seine Sprache ist provokativ. Warum? Ja, warum solche Bilder von „Ihr müsst mich essen“? Warum? Ganz einfach, weil Jesus den Menschen ganz oder gar nicht will. Es geht ihm nicht darum, eine möglichst große Schar von Fans zu generieren. Wenn er das gewollt hätte, dann hätte er gesagt: Okay, gestern war Fisch und Brot dran, heute machen wir mal, ich sag mal, Wachteln und Manna. Und morgen lassen wir uns was einfallen. Da lasse ich dann mal so Zettel rumgehen, kann da was draufschreiben, ziehen wir dann, und dann schauen wir mal, was es morgen gibt. Dann hätte er sofort alle Leute auf seiner Seite. Aber das ist nicht das, was Jesus will.
Jesus hat kein Interesse an Halbgläubigen, die immer so mit einem halben Auge auf das nächste Wunder schielen, so Pseudochristen, die so lange treu bleiben, wie es für sie angenehm und vorteilhaft ist, und die dann sofort abspringen, wenn es ein bisschen schwierig wird. Daran hat Jesus null Interesse.
Und deswegen passiert jetzt an dieser Stelle Folgendes: Er sagt, sie fragen: Was sollen wir tun? Er sagt: Glauben. Was tun sie? Und das ist so in der Musik: Ich bin kein Musiker, deswegen verzeiht mir musikalische Analogien, dies ist immer ein bisschen schwierig. Aber in der Musik gibt es manchmal, wenn man so einen ganz tief traurigen Moment schafft, dann schwenkt das irgendwie so in Moll. Ja, Moll, Bass, so ein bisschen hallig, so brumm, und du weißt: Das war jetzt nicht gut. Und das ist so ein Moment. Du liest das ja eben noch: die Frage, was sollen wir tun? Die Antwort: Glaubt an mich. Und was tun sie?
In Vers 30 heißt es: Da sprachen sie zu ihm: Was tust du nun für ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben? Was wirkst du? Ich weiß nicht, ob das frech ist, dumm ist, unverfroren, einfach nur ein bisschen plemplem oder total menschlich. Sie hatten schon ein Zeichen erlebt. Und anstatt auf das erste Zeichen mit Glauben zu reagieren, also sich mit Haut und Haar an diesen Jesus zu hängen, ihm nachzufolgen, seine Jünger zu werden, was tun sie? Sie fordern noch ein Zeichen.
Das Verrückte ist: Diese Leute halten sich für gottgläubig, aber ihr Herz ist voller Unglaube. Denn in dem Moment, wo der kommt, den Gott gesandt hat, da tun sie genau das nicht, was Gott will, nämlich an diesen Messias glauben. Und wisst ihr was? Noch ein Zeichen mehr wird an diesem Herzensproblem, das sie haben, überhaupt nichts ändern.
Hier sind Menschen, die nicht glauben wollen. Menschen, die kein Problem damit haben, dass Jesus ihnen ein kostenloses Frühstück ausgibt oder sie von Krankheiten heilt oder dass Jesus vielleicht auf eine sehr, sehr pointierte Weise noch einmal eine theologische Sicht unterstreicht, die sie eh auch teilen. Damit kommen sie total klar, solange Jesus so das macht, was in ihr Konzept passt. Aber ein Messias, der unberechenbar ist, den man nicht manipulieren kann, der mir deutlich zu verstehen gibt, dass er mich mit Haut und Haaren will, dass es ihm um eine Ewigkeit geht, darum geht, mein größtes Problem, nämlich Sünde, zu lösen, den hält man lieber auf Abstand.
Das eigentliche Problem hinter der Reaktion der Menge
Frage: Warum erzähle ich euch das? Die meisten von euch sind gläubig, davon bin ich überzeugt. Ich möchte, dass wir von Jesus lernen. Das ist immer noch die Jesus-Reihe.
Ich möchte, dass wir von Jesus lernen, und zwar darüber, wie wir mit Predigten umgehen. Das ist ein Aspekt, den ich euch heute vor Augen malen möchte. Ich hoffe, dass ich diesen Aspekt jetzt rüberkriege.
Was ihr eben gemerkt habt an der Predigt, die Jesus hält, ist Folgendes: Eine Predigt macht Herzen offenbar. Und eine Predigt spornt uns an, neue Wege zu wagen. Ich hoffe, dass das gute Wege sind, Wege, die uns verändern.
Und jetzt kommt ein ganz wichtiger Satz. Noch mal kurz wach werden, die letzten fünf Minuten sind eingeleitet.
Das eigentliche Ziel einer Predigt ist nicht meine Veränderung.
Das mag jetzt für manche eine Überraschung sein, aber ich wiederhole es gerne noch mal: Das eigentliche Ziel einer Predigt ist nicht meine Veränderung. Ich predige nicht, damit du dich veränderst. Ich bin kein Lebenscoach, der dir fünf Punkte gibt, damit du besser einschlafen kannst. Das wirst du von mir nicht kriegen. Ich predige, und vielleicht predige ich auch mal fünf Punkte, aber das eigentliche Ziel einer Predigt besteht darin, dass du dein Leben an Jesus verlierst.
In jeder Predigt, die das Wort Gottes auslegt, steckt Jesus. Mal offensichtlicher. Heute hatten wir so einen richtigen Jesus-Text, da hat man ihn richtig gehört. Bei Hoffnung.de, in einer anderen Gemeinde, predige ich gerade über das Buch Prediger. Da taucht Jesus nicht so oft auf. Aber trotzdem gilt: In jeder Predigt steckt Jesus, mal offensichtlicher, mal verborgener, mal so, dass der Prediger ihn klar herausstellt, mal so, dass man vielleicht auch selbst nachdenken muss.
Aber jede Predigt will eigentlich nur eines: dass Jesus in seiner Heiligkeit, in seiner Majestät und in seiner Macht dir vor Augen steht. Und dass du ein kleines Stückchen mehr denkst: Ich will ihn und sonst keinen. Das ist das Ziel der Predigt. Darum geht es.
Und das wird uns so deutlich an dieser Predigt, wo so viele Menschen sagen: Frühstück kostenlos, yeah, dich, hm. Versteht ihr? Da steckt aber diese Diskrepanz in allem drin.
Und jetzt müssen wir aufpassen, auch als Gläubige aufpassen, dass wir Veränderung oder Gehorsam, das Halten von Geboten, nicht zum Ziel machen und damit das Beste verpassen. Wenn jetzt jemand denkt: Jürgen, hast du was gegen Heiligung?, dann müsst ihr euch keine Sorgen machen. Es geht nicht ohne Heiligung. Sünde in unserem Leben muss raus. Überhaupt keine Frage.
Aber wenn Heiligung mich dahin führt, dass ich Jesus erkenne, dass ich ihn mehr liebe, mich mehr an ihn hänge, mich mehr an ihn verliere, dann wird Heiligung zum Götzen. Das ist eine große Gefahr. Dann wird Heiligung zum Götzen, und ich betrüge mich selbst. Und davor möchte ich uns, die wir gläubig sind, heute einfach mal warnen.
Das Bekenntnis des Petrus als Zielpunkt
Lass uns deshalb abschließen mit der Antwort, die Petrus dem Herrn Jesus gibt, am Ende der Predigt.
Da stehen dann noch zwölf. Das ist irre, oder? Tausende, und alle gehen weg. Und dann stehen noch zwölf. Und der Herr Jesus sagt nicht: Oh, das ist aber herrlich, bitte, bitte, geht nicht. Nein, der Herr Jesus fragt sie etwas. Er fragt sie: Wollt ihr auch weggehen? Irre, sich das zu trauen, einfach zu sagen: Wollt ihr auch weggehen? Ich stelle es euch frei. Du musst nicht bleiben.
Und was sagt Petrus? Johannes 6,68-69. Wenn ihr etwas auswendig lernen wollt, das wären schöne Verse zum Auswendiglernen. Ganz ehrlich, ich stehe darauf, dass man Bibelverse auswendig lernt. Ich gebe zu, da habe ich eine Macke, aber das wäre etwas. Ja, hier, Mentees, müssen ja auswendig lernen. Hat denn die andere Sarah alle ihre Bibelverse schon gelernt, die sie für das Unterwegsprogramm braucht? Ja? Kriegt, okay, gut. Ja, also wir machen das in den zwei Wochen, dass ihr auf Niveau kommt, glaubt mir.
Johannes 6,68-69: Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollten wir gehen? Versteht ihr? Predigt: Wollt ihr auch weggehen? Und dann diese Antwort: Zu wem sollten wir gehen? Ja, da steht nicht der Fisch und das Brot und was weiß ich, irgendetwas im Mittelpunkt. Zu wem sollten wir gehen? Wo sollten wir hin? Du hast Worte ewigen Lebens, und wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Heilige Gottes bist.
Und darum geht es: dass wir glauben, dass wir erkennen und deswegen gewöhnt euch bitte an, die Predigten nachzuarbeiten. Wenigstens wenn ihr das Skript einmal noch durchlest, das wäre schon klug. Glauben, erkennen und dann Jesus als den, den Heiligen Gottes, feiern. Das ist das Ziel! Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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