Unser Predigttext ist Lukas 14. Wir haben jetzt ja diese sogenannten
altkirchlichen Reihen, die schon seit Jahrhunderten auch den Gottesdiensten
zugrunde liegen.
Lukas 14 – das Gleichnis Jesu vom großen Abendmahl, der großen Abendparty.
Ein großes Fest – es geht also nicht um das Abendmahl, sondern zuerst um
eine Festfeier – ein Freudenfest, das gefeiert wird.
Jesus sprach zu ihm – Da war einer, der Jesus fragte Lukas 14 Vers 16, einer, der Jesus gefragt hatte, und gesagt hatte, selig ist der, der einmal im Reich Gottes mit dabei sein darf, wenn da die Festfeier
beginnt, und das Brot gebrochen wird, Jesus sprach zu ihm: Es war ein
Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. Und er
sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendessens oder des Abendmahls,
den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist alles bereit!
Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste
sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn
besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Das leuchtet ein, wenn Sie ein
Geschäft gemacht haben, dass Sie es ansehen wollen. Und der zweite sprach:
Ich habe fünf Gespanne Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu
besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der dritte sprach: Ich habe
eine Frau genommen; darum kann ich nicht kommen. Also, versteh ich auch,
die Entschuldigung, die ist einleuchtend.
Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr
zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und
Gassen der Stadt und führe die Armen, die schwer Kranken, oder die
Verkrüppelten, Blinden und die Lahmen herein.
Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist
aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die
Landstraßen und an die Zäune und nötige sie, hereinzukommen, dass mein Haus
voll werde, denn ich sage euch, dass keiner der Männer, die eingeladen
waren, mein Abendmahl schmecken wird.
Wenn Sie in der Bibel lesen, dann muss Ihnen immer wieder auffallen, dass
da ein Wort kommt, bei dem man immer wieder aufhorcht. Das ist das Wort
Freude". Sogar ein ganz häufiges Wort. Es kam so oft vor in der Predigt
Jesu. Es war die Ankündigung der Engel, als Jesus geboren wurde. Ich
verkündige euch große Freude. Oder in den Liedern der Psalmen heißt es: Bei
dir, Herr, ist Freude die Fülle. Wir wissen, dass die ersten Christen, wenn
sie zusammenkamen, richtige Freudenfeste miteinander gefeiert haben, sie
fingen an, fröhlich zu sein. Jetzt meine Frage an sie: Kennen Sie diese
Freude, erleben Sie die Freude? Wie ist das bei Ihnen? Kann Ihnen Jesus
diese Freude schenken? Passiert das jetzt, dass Sie sagen: Ich lade bei
Jesus meine Ängste ab, meine Nöte, meine Sorgen, was mich bedrückt, und was
mich bekümmert? Wenn das Evangelium von Freude redet, meint das nicht so
einen kurzen Erheiterungseffekt, es gibt das ja mal, dass man irgendwo
Kichern muss oder so. Sondern dann ist das ein ganz neues Lebensgefühl, ein
Grundgefühl, das nicht weicht, auch wenn Gott uns Schweres auferlegt. Auch
wenn wir durchs Leiden gehen. Eine Freude, die selbst nicht von uns weicht,
wenn wir sterben müsse. Jetzt ist es ja immer wieder merkwürdig, wenn wir
im Gottesdienst sitzen, haben ja manche schon gesagt, im Gottesdienst, hier
eine Versammlung, die erinnert in ihrem ernst und in ihrer Feierlichkeit
mehr an eine Beerdigung, oder jemand hat mal gesagt, man sehe so aus, als
ob man gerade vom Finanzamt käme. Schön, wenn wir die Momente auch
begreifen und sagen: Ja, es gibt auch in meinem Leben vieles, was da gerade
bewusst wird, und auch so vieles, was da herausgeholt wird. Vielleicht gibt
es aber auch bei uns ein schlimmes Missverständnis. Es ist ein ganz
schlimmes Missverständnis, dass vielleicht den Christen ganz gefährlich
nahe liegt. Es gibt ja viele Religionen in der Welt. Und in allen
Religionen in der Welt ist das gemein: Dass Menschen etwas ahnen von der
Größe und Heiligkeit Gottes und dann sagen sie: Wenn man zu Gott kommen
will, dann muss man sich ganz schwer mühen, dann muss man rackern wie ein
Pferd. Da muss man sich unter der Zucht halten, und da muss man kämpfen und
ringen, und sich mühen, die einen die sagen, du musst deinen Körper
kasteien, und du musst fasten, und dann ziehen sie monatelang in ein
stilles Kloster in die Einzelzelle zurück, und andere, die legen sich um
vier auf den kalten Fußboden, und sagen, man muss sich abhärten, wenn man
Gott gefallen will, und die anderen, die reden von der Versenkung, und die
wollen in das Innerste ihres Ich und ihrer Gefühle eindringen, in einer
mystischen Versenkung Gott finden. Wissen sie, dass Jesus nichts mit
Religion zu tun hat. Gar nichts. Mit einem Weg, den man gehen kann. Alle
Religionen führen – ins Nichts. Keiner kommt ans Ziel. Es sind alle
unterwegs und suchen. Oft erinnern mich Christen an religiöse Leute, die
kämpfen, mit strengen Gesetzen sich mühen. Das macht uns so Eindruck, wenn
man sieht, wie so Leute kämpfen, aber das Evangelium, das Jesus verkündigt,
sprengt alle Religionen, alles Kämpfen, alles Ringen, und alles
Selbermachen, und alles Mühen, Warum, was erzählt Jesus? Du kannst gar
nicht hochklettern, sondern Gott kommt her zu dir. Heute ist der
Augenblick, wo du dem lebendigen, ewigen Gott begegnen darfst. Es ist gar
nichts mehr nötig, so, wie du bist. Komm einfach zu ihm, und er macht ein
Bombenfest, ein riesiges Freudenfest, um das geht's doch. Und du darfst
einfach kommen. Er macht die Türen auf und sagt: Komm doch einfach her.
Verstehen sie, was ganz anderes, als Religionen lehren, was ganz anderes.
Jetzt, heute, will Christus uns mit Gott in Verbindung bringen, heute ist
der Augenblick, egal, wo ich bin, in Schwierigkeiten gefangen, in sündigen,
dumpfen Bindungen, oder, wenn ich ganz fern von Gott bin, heute kann ich
ihm begegnen und kann ich diese Freude erleben: Komm, es ist alles bereit,
komm doch her. Überwältigend, großzügig, jeder ist eingeladen, jeder darf
kommen, gar nichts wird da gesagt. Da ist das Gleichnis ja noch einmal
erzählt, ein bisschen anders, im Matthäusevangelium. Da sprach er von der
Hochzeit. Es kommt am Ende noch, dass man das hochzeitliche Kleid anhaben
muss, ja, da meint ja Jesus nur, dass man sich die alten, schmutzigen
Kleider abstreifen lassen muss. Und das sind: Dass man die Vergebung
annimmt, dass man würdig ist. Das kann man ja nicht, weil man gut ist,
sondern nur durch die wunderbare Vergebung: Christi Blut und Gerechtigkeit,
das ist mein Schmuck und Ehrenkleid, damit will ich vor Gott bestehn, wenn
ich zum Himmel werd eingehn. Also, die Türe wird aufgestoßen: Komm doch, du
darfst Gott begegnen, egal, wo du bist, und dass sie es immer wissen: Das
Evangelium Jesu hat nichts zu tun mit all den Religionen der Welt. Das sind
Versuche von Menschen, zu Gott hochzuklettern. Das Evangelium, das ist
etwas ganz anderes, das sprengt alle Religionen! Jesus bringt uns den
ewigen Gott ganz nahe, heute darf ich Gott begegnen, heute bricht das Reich
Gottes an. Heute darf ich es erleben. Welch eine Freude. Das ist der Grund,
warum Freude geschieht: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren. Heute.
Jetzt habe ich wieder drei Punkte rausgegriffen, an denen ich noch etwas
deutlich machen will in diesem, was Jesus uns erzählt.
Es ist angerichtet.
Es ist angerichtet. Keiner von Ihnen wird so zu Hause ein Fest
vorbereiten, dass man schon alles auf den Tisch stellt, bevor die Gäste
kommen. Es ist ja gut, wenn man ein Fest richtig vorbereitet, auch wenn die
Suppe schon dampft, wenn das Steak schon medium gar ist, durchgebraten, und
alles fertig ist, und dann plötzlich das Erschrecken: Die Gäste kommen gar
nicht. Das ist ja furchtbar. Also, so wird ein vernünftiger Mensch doch gar
nicht sein Fest machen! Aber so macht's der ewige Gott. Er lädt ein. Was
braucht man denn? Warum macht er denn das? Weil er das Angebot so uns
einfach hinstellt. Es ist gar nichts mehr nötig, nicht einmal eine
Wartezeit. Im Restaurant kann es einem ja manchmal sehr, sehr lang werden.
Wenn er gar übersehen wird vom Ober, und dann kommt man gar nicht dran.
Darum stellt Gott hier seine Gaben an sein Bufett, und sagt: Bedient euch
doch, kommt her, ihr dürft nehmen. Es ist ja irgendwo das Bild auch
gesprengt, man kann es ja nicht bis zum Letzten ausdeuten. Aber das weist
doch daraufhin, dass dieser ewige Gott als Gastgeber genau weiß, wo unsere
Sehnsüchte liegen, unser Hunger, unser Durst, er weiß, was wir brauchen.
Wir sind ja alle sehr abgekämpft von den Tageslasten, und von den Arbeiten
unseres Lebens. Der Beruf befriedigt uns, aber wir sagen, es ist nicht das
Letzte, das ist nicht das Letzte. Eure Lebenserfüllung, wo habt ihr denn
die gefunden, euer Leben, ja, wir sagen, wir haben viel, wir haben Urlaub
erlebt, aber es war nicht das Letzte. Freude an Menschen, die uns viel
bedeuten, aber es war nichts Letztes, es war nicht das Letzte. Was ist denn
das Letzte vom Lebensgenuss? Und von der Lebenserfüllung? Dass Gott unseren
Lebenshunger einzeln stillen kann. Ich finde das an vielen Stellen hat
Jesus davon gesprochen im Evangelium. Immer wieder. Wen da dürstet, der
komme zu mir und trinke. Ich begegne vielen Menschen, die schwer
enttäuscht, ja, verbittert sind, weil im Leben ihnen vieles zerbrochen ist.
Es ist ganz furchtbar, wenn eine Liebesbeziehung oder Ehe zerbricht. Es ist
ganz furchtbar, wenn man im Beruf nicht gebraucht wird. Es ist ganz
furchtbar, wenn einem Menschen nicht Wert gegenüber geben, oder wenn man
wertlos sich vorkommt. Vieles sind selber so enttäuscht und verbittert am
Leben, und jetzt kommen die vielleicht heute in den Gottesdienst und sagen:
Ja, ich suche, dass Gott meine Wunde heilt, und sie merken nicht, dass Gott
sie viel mehr befriedigen will. Er sagt: Dein Leben wird doch nur von mir
gesättigt. Komm her zu mir, ich gebe dir Lebenserfüllung, Befriedigung. Und
wenn man dann von der Party redet, und von dem großen Gastmahl, das er
bereitet hat, dann ist auf einmal deutlich, Jesus Christus selbst ist die
Lebenserfüllung. Nimm von ihm. Nimm ihn in dein Leben. Jesus sprach wie vom
Brot: Iss, iss! Wer von diesem Brot essen wird, den wird nicht mehr
hungern. Und wer von diesem Wasser trinken wird, bei dem werden Ströme des
lebendigen Wassers fließen. Komm und nimm doch, da wird dein Leben erfüllt,
und reich. Und jetzt kann man es bloß noch in diesem Bild so erklären. Ich
muss eine direkte unmittelbare Verbindung mit Jesus Christus haben, so
direkt, dass seine Lebenskraft mich erfüllt und treibt und mein Leben ganz
reich und groß macht. Es ist ja ein uralter Traum gewesen von allen
Menschen, wann kommt denn eigentlich einmal das Paradies, die nach Frieden
suchen, wann kommt eigentlich das Reich Gottes, so kein Leid und keine
Tränen mehr sein werden, wo es nichts Böses mehr gibt, wo es keine
Geisteskrankheit mehr gibt, und keine Depressionen mehr, und wo es nichts
Übles mehr gibt, kein böses Wort mehr. Und dann sagt Jesus: Heut bricht's
an, meine Gottesherrschaft. Wenn du nimmst, von meinen Gaben, da hat er's
Buffett gerichtet und sagt: Nimm doch, komm, nimm von meinen Gaben, es ist
alles bereit. Der Herr lädt dich an seinen Tisch und du darfst nehmen die
Fülle. Iss und trink und nimm.
Die peinliche Pleite
Jetzt kommt die peinliche Pleite, das ist der zweite Punkt, den wir
beobachten. Die peinliche Pleite. Es ist alles angerichtet, das Essen steht
da, und man wartet eigentlich, dass die Gäste sich jetzt mit Heißhunger auf
dieses Buffett stürzen. Der Gastgeber weiß ja, das brauchen die Leute, das
einzige, was sie satt machen kann. Aber da passiert etwas wirklich
Verrücktes. Die Eingeladenen sagen einer um den anderen: Ich bitte dich,
entschuldige mich. Richtig nett und höflich, meinen wir. Also nichts Böses:
Entschuldige, ich hab bloß im Augenblick keine Zeit. Ich bin beschäftigt.
Und wir haben ja volles Verständnis dafür, dass das wichtig ist, wenn da
einer sein Joch Ochsen gekauft hat, das ist, wie, wenn einer ein Auto
gekauft hat, und sagt: Ich möchte es noch einmal kurz angucken, dann habe
ich Zeit, aber ich freue mich so dran, an diesem wunderbaren Stück, ja,
wenn einer sagt: Ja, jetzt guck mal her, ich hab da grad geheiratet, das
ist doch auch im Gesetz Gottes so vorgesehen, dass ein Jungverheirateter
nicht zum Kriegsdienst muss, ein Jahr lang, so lass mich doch im Moment
Flitterwochen genießen. Ist denn Gott gegen Flitterwochen? Im Gegenteil!
Und selbst, wenn es um die Arbeit geht, oder um den Beruf, um dem Acker, in
dem man arbeitet, es ist doch für Christen eine Ehre, dass sie treu in den
kleinen Dingen des Lebens sind. Also, das ist doch kein Widerspruch!
Es ist
ganz wichtig, dass wir es genau nehmen mit den Dingen im Beruf, im Alltag,
im Leben, was wir haben, mit Menschen, mit Arbeit, und alles, was uns
anvertraut ist, nur ganz genau nehmen, gut. Aber dass man darüber die
Einladung zum großen Festmahl verpassen kann, das ist doch wirklich die
Pleite. Ob das wirklich wichtige Dinge waren, das zeigt sich ja, wenn Sie
andere Dinge an die Stelle setzen. Wenn die Leute, die da eingeladen waren,
von dem Knecht eine andere Nachricht bekommen hätten, wenn denen gesagt
worden wäre: Der den Acker gekauft hatte: du, in der Landesgirokasse kannst
du jetzt Geld für 20 % Jahreszins anlegen, da wären die gerannt wie die
Wilden. Wenn der mit dem Joch Ochsen gehört hätte: Da gibt's eine
Tankstelle, die verkauft's Benzin für einen Liter zu 96,9; o, da wäre er
losgerannt, das darf ich nicht rauslassen, das muss ich mitnehmen. Wir sind
ja solche Profitmacher. Wenn's um materielle Dinge in unserm Leben geht.
Bis hin, wenn wir wüssten, da ist vielleicht irgend so ein Arzt, der
vielleicht noch ein Chance gibt uns körperlich zu heilen, das ist ganz
wichtig. Und über dem vergessen wir das große Angebot unseres Gottes. Jetzt
ist die Zeit, komm zum Festmahl, steht ja gar nicht im Gegensatz. Noch
einmal: Steht gar nicht im Gegensatz. Selbst, wenn ich das angenehme, die
Einladung zum großen Festmahl kann ich dennoch in meinem Berufsdingen sehr
treu meine Arbeit tun, im Gegenteil, es hilft mir sogar sehr, wenn ich von
den ewigen Dingen her meine vorläufigen Sachen ordnen kann, und weiß, was
heute nötig ist. Wenn ich sie einordnen kann, weil ich mein großes
Lebensziel, meine Erfüllung gefunden habe. Das wird die Frage: Bin ich nur
den kleinen Dingen verhaftet, weil ich da das Glück meines Lebens suche,
oder habe ich mein großes Ziel bei Gott gefunden und kann jetzt auch die
kleinen Dinge richtig tun? Wir sind neulich durch Bayreuth gekommen und
haben dann eine Führung durchs Schauspielhaus mitgemacht, und da hat es
mich beeindruckt, wie ich da gehört habe, wer in den großen Festspielwochen
eine Karte will von den fünfundfünfzigtausend Eintrittskarten, der muss
nicht ein Jahr ein das vorher bestellen, nicht zwei Jahr vorher, nicht drei
Jahre, nein, zehn Jahre lang muss er jedes Jahr seine Bestellung erneuern,
dann erst kann er die Chance haben, überhaupt vielleicht eine billige Karte
zu bekommen. Eine Eintrittskarte – so schwierig ist es, ranzukommen, und da
legen Leute so viel Mühe dran, um den Eintritt dort zu gewinnen. Ist es
nicht schäbig, wie leichtfertig wir die Einladungsaktionen Gottes
ausschlagen? Die peinliche Pleite. Man lässt es einfach liegen und
schleifen. Bei Christen hält sich ja hartnäckig das Gericht, man kann immer
noch kommen. Die Tür ist immer offen. Und das ist nicht wahr.
Nur nicht das Fest verpassen
Wir sind beim dritten Teil. Nur nicht das Fest verpassen. Es war mir sehr
schwer, das letzte Mal Ihnen beim reichen Mann und armen Lazarus sagen zu
müssen, es gibt ein Zuspät. Ich habe vorgestern ein Missionsblatt bekommen.
Da war vorne ein Artikel eines Inders drin über den reichen Mann und den
armen Lazarus. Und der hat geschrieben: In diesem Gleichnis geht es nicht
um Himmel und Hölle, sondern um die Frage: Ob die Reichen endlich ihr Geld
mit den Armen teilen. Also, Sie merken, Sie müssen einfach selber die Bibel
lesen, Sie dürfen nicht jedem glauben, was da drin steht. Ich meine, es
steht ganz klar von Himmel und Hölle drin. Sie können es ja nachlesen, was
da steht. Und genau so ist es hier, es ist erschütternd, wenn Menschen
diesen Ernst einfach ausklammern. Da steht vom Zorn des Gastgebers.
So groß die Freude war, so hat sie doch ihren augenblicklichen Grund der Einladung
in dieser Stunde. Und es gibt ein Zuspät. Bei allen Gleichnissen, die Jesus
erzählt hat, ist das drin, bei den Klugen und bei den törichten Jungfrauen,
da war die Tür plötzlich zugeschlossen. Und nicht aus Versehen. Sondern
absichtlich. Und durch die Weltgeschichte zieht sich dieses göttliche
Geschehen, dass Türen geschlossen sind. Die Geschichte wurde zuerst erzählt
auf das Volk Israel hin von Jesus. Und uns ist das ja nie begreiflich,
warum ausgerechnet die Nachkommen Abrahams wieder so viel von der Schrift
begriffen haben, von den so viel das Neue Testament kennen, die Einladung
Jesu nicht mehr begreifen können. Dass es nur ein ganz ganz kleiner Rest
ist. Und wie in diesen Tagen wieder im Parlament von Israel ein
Gesetzesantrag liegt, wo genau das verhindert werden soll, die Einladung zu
Jesus darf nicht mehr ausgesprochen werden, und wo sie ausgesprochen wird,
wird sie mit einem Jahr Gefängnis bestraft. Aber jetzt gehen wir doch in
unser Volk, gehen wir doch in unsere Kirchen, in unsere Gemeinden hinein.
Ist uns das noch bewusst, das hat doch seinen Augenblick. Heute, wo man da
zupacken muss, nimm doch, iss. Nimm von dem, was Christus dir anbietet
heute, lebe mit ihm. Such die ganz enge Gemeinschaft. Komm jetzt zum Fest.
Erfahre, erlebe die Freude. Man kann es durch leichtfertiges Bummeln
einfach versäumen und verpassen. Und dann schickt der Herr noch einmal die
Einladungsboten aus. Nicht dass Sie meinen, da werden Menschen verschieden
qualifiziert, aber es ist ja doch so, dass es die Geschlagenen, die
Notleidenden, die Kranken, die Gedemütigten, die, die von den andern
vielleicht auf die Seite gestoßen werden, besser begreifen, was das für ein
Angebot Gottes ist. Man greift sich ja an den Kopf und sagt: Ist das
möglich? Dass Gott mit uns, ohne jede Vorbedingung, einfach so Gemeinschaft
haben will. Und darum ist es ja für uns auch so wichtig, mit den
Missionsgemeinden in Verbindung zu sein. Wir freuen wir uns, wenn wir heute
auch wieder die liebe Schwester aus Indonesien, aus Sumatra, unter uns
haben. Wenn man dort das erlebt, wie Menschen das ja gar nicht fassen
können, die aus den Bindungen des Geisterglaubens heraustreten, aus dieser
weiten Gottesferne. Ich muss nicht diese ganzen großen weiten Wege
durchmessen, die noch nie ein Mensch bewältigt hat, sondern jetzt gilt mir
Gottes Liebe ganz! Ich darf sein Kind sein. Er legt die Hand auf mich, und
ich bin wert bei ihm. Er nimmt mein Leben und führt mich, und er wischt das
alte weg, und was mich belastet. Es ist noch Raum, sein Haus ist noch nicht
voll. Und am Tisch sind noch Plätze frei.
Wir hören, wie heute in vielen
Teilen der Welt gewaltiger Aufbruch herrscht. In Nordvietnam waren die
eifrigsten Vietkong-Kämpfer, die Mong, 1991 hat es angefangen, schon nach
wenigen Jahren waren es 100.000 Gläubige, ohne Missionare! Nur durch die
Botschaft des Evangeliumsradios Fa-Is Broadcasting aus Manila. Das
Evangelium hineingekommen und – obwohl dort von den ersten Anfängen her
eine schwere Christenverfolgung tobt, und die Regierung alle Kirchen immer
wieder schließt. Und sie unter großem Druck stehen. Die Freude hört dort
oben nicht mehr auf. Sagen die rufen uns. Wer begreift's von uns wirklich?
Was es heißt, heute, der Augenblick, wo Gott uns ruft, wo wir die Freude
des Evangeliums packen können, und wo er, der Herr, unser Leben reich
macht. Kommt, es ist alles bereit, nimm! Amen.
