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Martyn Lloyd-Jones

Ein Dienst zur Ehre Gottes
12.12.2015
Serie•Teil 2 / 7Regionalkonferenz Schweiz 2015
Martyn Lloyd-Jones war ein einflussreicher Prediger in England im 20. Jahrhundert. Beinahe 30 Jahre lang war er Prediger der Westminster Chapel in London. Vaughan Roberts zeigt, wie dieser Mann sein Leben in den Dienst Gottes stellte.

Ein prägender Dienst und eine umstrittene Erinnerung

Herr Präsident! Ihr wisst ja, was das Thema ist. Es ist ein grosser Gottesmann, nämlich Martin Lloyd-Jones. Ich würde sagen, dass er und John Stott gemeinsam den Evangelikalismus in Grossbritannien mehr geprägt haben als irgendjemand sonst im 20. Jahrhundert. Aber auch weltweit hatte er grossen Einfluss, vor allem durch die unzähligen Bücher, die er verfasst hat.
Am Anfang beschränkte sich sein Dienst auf Wales. Dort ist er geboren, 1899. Wann war er Pastor? Von 1927 bis 1931 hat er in Wales als Pastor gedient. Und von 1939 bis 1968 hat er dann in der Westminster Chapel im Herzen von London gedient.
Er war ein Mann, der mit erstaunlichen natürlichen Fähigkeiten ausgestattet war. Er hatte sehr tiefe theologische Überzeugungen und auch Erkenntnis. A very sharp mind and dazzling brilliance as a preacher. Er hatte einen messerscharfen Verstand, und als Prediger brillierte er schlicht und einfach. Pastoral and personal warmth in relating to people and a very powerful... Gleichzeitig war er sehr pastoral, hatte wirklich ein Hirtenherz und ein Herz für die Schafe. Seine ganze Persönlichkeit war einfach sehr vereinnahmend. Und das gemeinsam mit einer tiefen Geistlichkeit war eine Mischung, die Gott sehr gut gebrauchen konnte.
In der britischen evangelikalen Geschichte erinnert man sich an Martin Lloyd-Jones primär in Bezug auf eine Geschichte, nämlich eine unglückliche Geschichte: ein Zusammenprall zwischen ihm und John Stott im Jahre 1966. Es war die Zeit, in der die Ökumene einen gewissen Höhepunkt erreicht hatte. Und Lloyd-Jones hatte damals bereits erkannt, dass die Ökumene ein Wegbereiter ist, der alle Gemeinden letztendlich wieder nach Rom führen soll. Das Ziel dieser Ökumene war wirklich, den absolut kleinsten Nenner irgendwo noch aufrechtzuerhalten, to leave doctrinally mixed denominations.
An diesem grossen evangelikalen Treffen im Jahre 1966 hat Lloyd-Jones viele Leiter aufgerufen, sich von Gemeinden oder Denominationen zu trennen, die bereit waren, ihre Überzeugung mit ökumenischen Positionen zu vermischen. John Stott war besorgt, dass viele junge Evangelikale die Church of England und andere gemischte Denominationen verlassen würden. Er war eine führende Stimme der anglikanischen Kirche und stellte sich dann in seinem sehr respektvollen Ton dennoch Martin Lloyd-Jones entgegen.
Das hat dazu geführt, dass sich über zwanzig, vielleicht sogar dreissig Jahre hinweg in der konservativen evangelikalen Szene Englands wirklich eine grosse Kluft auftat. Es gab Freundschaften, die über diese Geschichte in die Brüche gingen. Martin Lloyd-Jones und John Stott hingegen konnten ihre Freundschaft aufrechterhalten, obwohl diese Spaltung stattgefunden hatte, und sie hatten einen sehr hohen Respekt füreinander.
Das Tragische an der Geschichte ist, dass in vielen Denominationen, die in dieser Frage keine eindeutige Stellung beziehen, nur dieses Bild von Martin Lloyd-Jones hängen geblieben ist. Der erste Grund für diese Spaltung war die Lehre der Gemeinde, die Ekklesiologie. Das war für ihn eine wichtige Lehre, vor allem am Ende seines Lebens. Das, was wirklich sein grösstes Anliegen war, war die Herrlichkeit Christi. Sein Enkel hat eine Biographie über ihn verfasst und hält dort ganz klar und deutlich fest: Das war es, wofür sein Herz wirklich schlug.
Wir leben in einer Zeit, in der der Pragmatismus oft über Prinzipien regiert. Es geht vielmehr um Stil als um Inhalt, und Integrität ist bei vielen auch nicht mehr besonders wichtig. Aber das Leben, das Lloyd-Jones geführt hat, und der Dienst, den er hatte, ist für uns heute sehr inspirierend und auch sehr motivierend. Für ihn ging alles um die eine Sache, nämlich Gott und um seine Herrlichkeit. Er tat das Werk Gottes mittels des Wortes Gottes, in der Kraft Gottes, zur Erkenntnis Gottes, damit sie sich mehre. Und das alles tat er einzig und allein für die Herrlichkeit Gottes.
Und das sind auch die Hauptpunkte, die wir heute gemeinsam betrachten wollen. Wir beginnen mit dem Werk Gottes. Und hier einige biographische Eckpunkte aus Martyn Lloyd-Jones’ Leben.
1899 ist er in Cardiff in Wales geboren. Er war ein sehr leidenschaftlicher Mann. Got into financial difficulties and so like many of the Welsh of his generation, including my great grandparents who would have known them. Seine Grosseltern hatten dann grosse finanzielle Schwierigkeiten, und das war in der Zeit nicht unüblich. Dasselbe gilt für meine Familie, und unsere Grosseltern haben sich wahrscheinlich gekannt. Aufgrund der finanziellen Nöte waren viele Familien genötigt, nach London umzuziehen, unter anderem auch Lloyd-Jones.
Lloyd-Jones war wirklich ein brillanter Geist. Mit sechzehn hatte er das Medizinstudium in London begonnen. Er war der Assistent des Arztes des Königs. Er hatte eine grossartige Karriere vor sich als Arzt, aber dann hat Gott ihn gepackt.
All his life went to Welsh speaking chapels in London. Während seines ganzen Lebens hat er immer wieder walisische Kapellen in London besucht. But he never really understood the Gospel or its application to him. Aber eigentlich hat er nie begriffen, worum es im Evangelium wirklich geht und was das für sein Leben bedeutet.
Und dann begann er in seinen frühen Zwanzigern zu erkennen, dass er ein Sünder ist, der das Gericht Gottes verdient, und dass der Tod Jesu seine einzige Hoffnung ist. Er erkannte, dass er die Strafe Gottes verdient hatte und dass es für ihn nur eine Hoffnung gibt, nämlich Jesus Christus und das, was er am Kreuz getan hat. Er war völlig überwältigt von der Liebe Gottes, wie wir sie in Christus erkennen, und erfüllt von grossem Staunen und Ehrfurcht in Bezug auf die Liebe Gottes. Dieses Empfinden haftete ihm für den Rest seines Lebens an und hat ihn von Grund auf verändert.
Er fand sich in einem nicht geringen Problem wieder, denn er liebte die Medizin und hatte eine grossartige Karriere vor sich. Nichtsdestotrotz spürte er, wie Gott ihn in den Dienst berief. Er war ein kleiner und ohnehin schon schlanker Mann, aber in diesen schwierigen Zeiten verlor er noch viel zusätzliches Gewicht. Und er kam zu dem Entschluss, dass er eigentlich keine Wahl hatte: Er musste Prediger werden.
Wenn die Leute ihn dann fragten, wieso er aufgehört habe, Arzt zu sein, das sei doch so eine gute Sache, und jetzt sei er Prediger, sagte er: Na ja, wenn du wirklich verstehen würdest, was Ärzte tatsächlich tun, dann würdest du mich verstehen. Die meiste Zeit verbringen wir damit, die Leute wieder gesund zu machen, damit sie zurückkehren und weiter sündigen können. Ein Mensch mit einem gesunden Leib, aber einer kaputten Seele, der kann das Leben hier vielleicht sechzig Jahre geniessen, aber der Tag wird kommen, an dem er vor dem Gericht erscheint, und die ewige Hölle wartet dann auf ihn. Ich will Seelen heilen.
Nachdem er sich entschieden hatte, ging es ziemlich schnell voran. Er hatte keine offizielle theologische Ausbildung, nichtsdestotrotz wurde er ziemlich schnell Pastor einer kleinen Gemeinde in Wales. Es war gerade auch die Zeit der grossen Depression, und die Ära war sehr poor indeed. Den Leuten ging es schlecht, sie waren wirklich alle sehr arm, und Martin Lloyd-Jones hatte ein sehr tiefes Empfinden für soziale Gerechtigkeit. Oft stellte er seine ernstlichen Dienste den Leuten umsonst zur Verfügung. Aber eines war für ihn unumstritten klar: Er wusste, die Hauptaufgabe der Gemeinde bestand darin, das Evangelium zu verkündigen.
Er war sich sehr wohl bewusst, welcher Schaden durch ein soziales Evangelium angerichtet wurde, ein Evangelium, das sich einfach an den Bedürfnissen der Welt orientierte. Er sagte: Na ja, es ist schon okay, die Christen sollen auch in der Politik aktiv sein und sich sozial engagieren, aber nicht die Gemeinde. Die Hauptaufgabe der Gemeinde ist es, Leute vor dem Zorn Gottes zu bewahren und sie dann in Christus zu erbauen.
The church program was filled with political and cultural activities that distracted from the work of the gospel. Er stellte fest, dass es in der Gemeinde viel zu oft um politische oder soziale Themen ging, die vom eigentlichen Herzstück des Evangeliums ablenkten. Und der junge Pastor stellte all diese Programme ein.
The dramatic society had a stage in the church hall. Es war so, dass viele Theatergruppen eine Bühne in der Gemeinde hatten. Als er dann sagte, diese Bühne habe hier nichts verloren, raus damit, fragten sie, was sie jetzt damit anfangen sollten. Er sagte: Na ja, ihr könnt es benutzen, um die Gemeinde zu heizen.
Dasselbe fand quasi statt, als er 1939 Pastor in der Westminster Chapel wurde. Auch dort gab es eine Menge politischer und sozialer Aktivitäten, die letztendlich nur vom Evangelium ablenkten. Weil damals gerade Krieg herrschte, hörten viele dieser Dinge einfach auf. Nach dem Krieg stellte er dann sicher, dass dieses ganze Zeug nicht wieder Einlass in die Gemeinde fand.
Überall, wo er war, war das Herzstück seines Dienstes die Verkündigung des Evangeliums, systematischer Bibelunterricht und Gebet. Viele, die an seinem Programm zweifelten, dachten, die Gemeinde werde bald leer sein. In der Tat hatte die Gemeinde 150 Mitglieder, als er dort anfing, und am Ende waren es 500. Und es ist nicht so, dass diese Gemeinde hauptsächlich durch Leute gewachsen wäre, die aus anderen Gemeinden kamen.
Im Jahre 1930 zeigt die Gemeindeliste, dass 84 neue Gemeindeglieder hinzugekommen sind. Ich bin Legastheniker, es waren vierundachtzig neue. 84 neue Gemeindemitglieder, und 70 davon waren wirklich solche, die aus der Welt errettet wurden. Und im Jahre 1931 war es so, dass von 135 neuen Gemeindegliedern 128 frisch Bekehrte waren. Das war das Nächste in Bezug auf Erweckung, was er je in seinem Dienst erlebt hat.
Seine Tochter, wenn sie sich an die Zeit zurückerinnert, sagt, es war wirklich eine herrliche Zeit, und man spürte förmlich die Gegenwart Gottes. Viele Leben haben sich durch seinen Dienst verändert, auch das Leben seiner Frau, die unter seinem Dienst überhaupt erst errettet wurde. Es war bei ihr genau dasselbe wie bei Martin Lloyd-Jones: Sie war schon immer in der Kirche, aber sie hatte nie das Evangelium gehört und nie eine Wiedergeburt erfahren, bis unter seinem Dienst.
She later wrote a book with memories of those great days. Später hat sie dann ein Buch geschrieben und ihre Erinnerung an diese grossartige Zeit festgehalten. Und sie beschreibt dort auch einige der Leute, die zum Glauben gekommen sind. Da war ein Boxer, der so ungestüm war, dass er einmal sehr erzürnt auf seinen Hund war, weil sein Hund sein Abendessen gegessen hatte, und er war drauf und dran, den Hund zu köpfen, ihm einfach den Kopf abzuhauen. Das erste Mal, als dieser Boxer dann in der Gemeinde war, ist er errettet worden. Und er war danach ein anderer Mann.
Es wird dort auch berichtet von einem Alkoholiker, der sein Leben lang fast Alkoholiker war, ein langes Gespräch mit Martin Lloyd-Jones am Strand geführt hatte und dann errettet wurde. In seinem Zimmer hat er drei Fotos aufgehängt, die quasi Zeugen dessen sind, wie sich Leben verändert. Auf einem Foto sah man ihn völlig verwahrlost, völlig betrunken, und unter dem Foto stand: verloren. Das nächste Foto ist ein Foto von ihm und Martin Lloyd-Jones am Strand, diese entscheidende Konversation, die sie dort geführt haben, und unter diesem Bild steht: gefunden. Und auf dem dritten Foto sieht man ihn dann in einem schicken Anzug mit einem breiten Grinsen, und unter diesem Foto steht: errettet.
Lloyd-Jones hat sein evangelistisches Feuer nie verloren. Und seine Frau sagte: Wenn ihr meinen Ehemann wirklich verstehen wollt, dann müsst ihr wissen, dass er zuallererst ein Mann des Gebets und dann ein Evangelist war.
Und wisst ihr, wir mögen uns begeistern für die Predigt, wir mögen uns begeistern für reformierte Theologie, aber bei all dem müssen wir aufpassen, dass wir nie das Anliegen verlieren, unerrettete Leute mit dem Evangelium zu erreichen. Teil unserer Aufgabe ist es, Leute durch das Evangelium zu retten.
Das ist das Werk Gottes. Lasst uns jetzt das Wort Gottes betrachten, denn das Werk Gottes, das Lloyd-Jones getan hatte, wurzelte im Wort Gottes. Wir in England sind sehr dankbar für viele Dinge, die wir vom Kontinent Europas und der deutschsprachigen Welt gelernt haben. Wir sind zum Beispiel sehr dankbar für die Reformation, deren Initiator Martin Luther war. Aber für Bibelkritik sind wir nicht wirklich dankbar. Das hat grauenhafte Auswirkungen in der Gemeinde Englands gehabt, und die Wurzeln der Bibelkritik kommen eben aus dem deutschsprachigen Europa.
In der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts ging das so weit, dass man sagte: Niemand, der noch ein paar Hirnzellen im Schädel hat, wird glauben, dass das wirklich Gottes inspiriertes Wort ist. Zahlenmässig waren sie weit überlegen, und das hat dazu geführt, dass viele sich zurückgezogen haben in eine Form von Pietismus, die jeglichen Intellekt über Bord warf. Sehr hingebungsvoll, sehr viel Wärme war da, aber lehrmässig flach.
Nach dem grossen Weltkrieg hat sich das ziemlich verändert, vor allem auch durch die Dienste unter den Studenten an den Universitäten, und Martin Lloyd-Jones hat viel Einfluss auf dieses Werk genommen. Am Anfang war das nur eine kleine Gruppe von Studenten an der Universität Cambridge, die sich wirklich abgesondert hatte von all den Liberalen, die es nicht nur dort, sondern überall an den Universitäten dieser Welt gab. Sie machten sich stark und stellten sich für die Autorität der Schrift und das stellvertretende Sühneopfer Christi ein. Und man belächelte sie, man mied sie. Aber mit der Zeit haben andere Gruppen von anderen Universitäten sich ihnen angeschlossen, und daraus ist dann diese Organisation entstanden: Fellowship.
Der Mann, der diese ganze Bewegung initiiert hat, war ein Medizinstudent. Er war wirklich ein begabter Organisator, und er hatte die Weisheit, Martin Lloyd-Jones einzuladen, dass er Teil dieser Bewegung wurde. He then became the theologian of the IVF, as it was said. Martin Lloyd-Jones wurde der Theologe dieser Bewegung, wie es heisst. Das hat dazu geführt, dass sie weltweit einen sehr grossen Einfluss ausgeübt haben.
Because the Intervarsity Fellowship planted similar movements in America, Australia and then also in other parts of the world, including the continent of Europe. Diese Organisation hat dann überall auf der Welt ähnliche Organisationen gegründet, in Australien und letztendlich auch in Europa. Nach dem Weltkrieg war diese Organisation eines der entscheidenden Mittel, das von Gott benutzt wurde, um den Evangelikalismus wieder aufleben zu lassen.
And Lloyd-Jones was the founding chairman of the International Fellowship of Evangelical Students. Martin Lloyd-Jones hatte den Vorsitz dieser Organisation, die sich dann um die internationalen Bereiche kümmerte. Und durch diese Position des Einflusses gab er dieser Organisation theologisches Rückgrat und auch die nötigen geistlichen Muskeln. Das hat dazu geführt, dass das Vertrauen in das Wort Gottes wieder zugenommen hat. Und er hat das nicht gemacht, indem er irgendwie ein System entworfen und gelehrt hätte, sondern er hat die Leute einfach wieder zur Schrift geführt. Er hat gesagt: Ich schäme mich nicht dafür und stehe dazu, ich stehe einzig und allein auf dem Wort Gottes.
Er hat nicht nur Abschnitte der Bibel ausgelegt, sondern auch die grossen Themen der Bibel erklärt. Er sagte, in all den Dingen, die er gelehrt und unterrichtet hat, war eine Sache das Herzstück, nämlich die Souveränität Gottes und wie er alles lenkt und wirkt. Es ist manchmal eine kalvinistische Betonung, aber das war nicht ein Begriff, den er oft benutzte. Heute würde man das vielleicht sagen, dass er sehr kalvinistisch orientiert war, aber das war nicht ein Begriff, den er oft benutzte. Seine Frau fragte einmal, warum werfen die Leute alle mit diesen Begrifflichkeiten um sich, wie zum Beispiel „reformiert“? Warum sagen sie nicht einfach „biblisch“?
Because Lloyd-Jones was simply trying to teach the Bible rather than teach a system. Und alles, was Lloyd-Jones eigentlich wollte, war zu erklären und zu lehren, was die Bibel lehrt, unabhängig von irgendwelchen bekannten Systemen. His grandson put it like this. Und sein Enkel hat es folgendermassen formuliert: He was a Bible Calvinist, not a system Calvinist. Er war ein biblischer Calvinist, nicht ein systematischer Calvinist.
Wenn er das Evangelium erklärte, dann begann er mit Gott, und zwar aus dem schlichten und einfachen Grund, weil die Bibel das auch tut: Im Anfang Gott. Without a right view of God, then we don't have any right view of sin and we don't need salvation. Wenn wir keine klare Sicht von Gott haben, dann haben wir keine klare Sicht der Sünde, und dann brauchen wir auch keine Errettung. Wenn Gott nicht im Zentrum steht, dann steht automatisch der Mensch mit seinen Bedürfnissen im Zentrum. Lloyd-Jones sagte, diese Sichtweise habe dazu geführt, dass wir eine sehr schwache christliche Generation haben, die sehr oberflächlich ist und jeglichen Tiefgang entbehrt. Er betonte immer wieder: Gott ist auf dem Thron, er muss im Herz jeglicher Botschaft sein.
Er hat das umgesetzt, indem er einfach die Bibel ausgelegt hat. Jeden Sonntagmorgen, jeden Sonntagabend hat er die Bibel aufgeschlagen und ausgelegt. Und am Sonntagabend waren die Botschaften oft sehr evangelistisch ausgerichtet. Am Freitagabend war Bibelstunde, und auch da hat er fortlaufend durch Bücher gelehrt, und es kamen fünf- bis siebenhundert Leute zu dieser Bibelstunde. Und an den anderen Wochentagen reiste er zum Teil kreuz und quer durchs Land und hat auch dort die Bibel gelehrt und gepredigt.
Und fast immer hat er mit denselben Worten begonnen: Die Worte, auf die ich eure Aufmerksamkeit lenken möchte, die finden wir in ... und dann hat er die Bibel aufgeschlagen. Er war ein Mann unter Autorität. Er sagte, wir müssen ehrlich und aufrichtig mit unseren Texten sein. Und er sagte immer wieder und betonte: Wir müssen die Stossrichtung des Textes predigen, nicht das, was uns gefällt oder was wir wollen. Er hat das Werk Gottes mittels des Wortes Gottes getan.
Drittens: Er hat das getan in der Kraft, in der Macht Gottes. Die erste Predigt, die er je gehalten hat, stammte aus 1. Korinther 2,2. Und dieser Vers ist auch derjenige, den wir auf seinem Grabstein finden: Denn ich habe entschieden, nichts unter euch zu wissen, als Christus und ihn gekreuzigt. Er hat immer wieder betont, dass 1. Korinther 2 aus der Sicht der Predigt, wie wir sie heute kennen, das Schlüsselkapitel ist. Er meinte, dass dieses Kapitel eben so wichtig sei, weil darin nicht nur erklärt wird, was der Inhalt der Botschaft ist, sondern auch, wie sie verkündigt werden soll.
Er hat auch immer wieder unterstrichen, dass unsere Methoden genauso wichtig sind wie der Inhalt unserer Botschaft. Wir sollen nicht die Methoden der Welt imitieren. We must not be so concerned about results that we resort to devious doubtful methods. Und wir dürfen nicht so sehr auf Ergebnisse schauen, dass wir uns ablenken lassen und irgendwelche Methoden einfliessen lassen, die die Schrift so nicht unterstützt. Diese wunderbare Botschaft, die wir haben, soll begleitet werden von einer Demonstration der Kraft des Geistes Gottes.
Und er hat sich förmlich dagegen gewehrt, ja sich gesträubt, auf irgendetwas anderes zu verlassen als das, was Gottes Wort uns aufzeigt. Jegliche menschliche Methode oder Technik hat er völlig abgelehnt. Die walisischen Prediger waren dafür bekannt, dass sie oft gewisse Gefühle künstlich stimulierten bei ihren Zuhörern, um sie zu erreichen, aber er hat das verabscheut. Er wollte das nicht tun. Und er konnte auch nichts mit den Predigern anfangen, die so sehr darauf bedacht waren, dass literarisch alles korrekt ist. Um das zu verdeutlichen, beschreibt er einen Prediger, der drei Tage darauf verwendet hat, nachdem er die Predigt geschrieben hatte, sie zu verfeinern, sie zu polieren. Und er hat sich sehr stark gegen diese Form von Professionalität ausgesprochen, nannte es sehr stark ein Gräuel, ja förmlich Prostitution.
Wenn er etwas nicht mochte, dann scheute er sich nicht, das klar und deutlich zu formulieren. Er sagte den Predigern: Es ist deine Kraft, die du beobachten musst, wo du sehr stark bist. Du musst vorsichtig sein. Er sagte den Predigern immer wieder, es sind die Stärken, auf die ihr besonders Acht haben müsst, die Stärken, die ihr habt. Denn es sind die Stärken, die ihr habt, da steht ihr in der Gefahr, dass ihr euch zu sehr selbst darstellt. Und wenn ein Prediger die Fähigkeit hat, bei den Leuten wirklich Emotionen hervorzurufen, dann muss er sehr darauf achten, dass er das nicht missbraucht. Er darf nicht quasi diesen Schalter einfach umlegen, damit die Leute ihn aus der Hand fressen.
Wenn Gott uns Fähigkeiten gegeben hat, dann sollen wir diese einsetzen. Aber sie müssen alle der Herrlichkeit Gottes dienen und wirklich auch in diesem Rahmen benutzt und eingesetzt werden. Er hat sehr nette Worte gefunden für Billy Graham und meinte, er sei wirklich ein aufrichtiger Mann, der ein ernstes Anliegen verfolgt. Aber immer wenn Billy Graham in London war für seine Evangelisation, dann hat er das nie unterstützt. Weil er dachte, die Engländer scheinen sich mehr auf diese gut organisierte Evangelisation zu verlassen als auf das Wirken Gottes, so wie wir das in der Schrift finden. Er dachte, diese Grossevangelisationen würden sich zu sehr auf Technik und Methode verlassen. Und er war ja ein Waliser und somit hatte das für ihn etwas von einer englischen Krankheit. Wir haben ein Komitee, wir können das organisieren, wir schmeissen das Ding schon.
Aber Martin Lloyd-Jones war davon überzeugt und lehrte auch immer wieder, dass nichts anderes wirklich der Sache dient als das mächtige Wirken des Geistes Gottes. Und er sagte: Wenn Gott sich entscheidet, einzugreifen und zu wirken, dann kann er in einer Minute mehr bewirken als alle Menschen gemeinsam in fünfzig Jahren mit all ihren Organisierungen und ihren Methoden.
Und Martin Lloyd-Jones betete jeden Tag für Erweckung und ermutigte auch seine Gemeinde, dafür zu beten. Und er drängte andere und ermutigte auch sich selbst immer wieder, beim Predigen ganz auf das Wirken des Geistes zu vertrauen. Es reichte nicht aus, einfach den Text wirklich zu erforschen und ihn dann treu weiterzugeben. Es ging nicht nur darum, irgendwie Wahrheit weiterzugeben, sondern Gottes Macht selbst musste da sein.
Martin Lloyd-Jones hat diese bekannten Worte geprägt: Echtes Predigen ist Logik, die Feuer gefangen hat. Menschen können eine wortgetreue Botschaft wiedergeben, das stimmt, aber einzig allein der Heilige Geist kann das Feuer bringen. No qualification was more important for a preacher than spiritual authority. Und aus seiner Sicht bestand kein Zweifel: Das Wichtigste, was ein Prediger haben muss, ist geistliche Autorität. Intelligenz, ein kulturelles Verständnis, eine gute theologische Ausbildung können bestenfalls hilfreiche Diener sein. Aber in sich selbst hat keine dieser Dinge Autorität. Das kommt einzig und allein dadurch, dass wir erfüllt sind vom Geist Gottes.
Und er hat gesagt, wir müssen dafür beten, dass der Geist Gottes auf die Leute kommt. Er hat festgestellt, dass diejenigen Prediger, die er am meisten bewundert hat in der Kirchengeschichte, dasselbe mit ihm teilten, nämlich eine Erfahrung: dass das Grösste, was es im Dienst gibt, die Herrlichkeit Gottes ist. Und er beschrieb das so, dass es das direkte Wirken des heiligen Gottes im Leben eines Kindes Gottes ist, welches dieses Kind eben darin bestärkt, dass Gott es liebt. Diese Erfahrung hat er auf unterschiedliche Art und Weise beschrieben: die Rettung durch den Geist oder das Zeugnis des Geistes und nicht ganz unumstritten die Geistestaufe. Das hat zu nicht wenigen Debatten geführt.
War Lloyd-Jones jetzt ein Charismatiker, war er ein Pfingstler? In the early years of the charismatic renewal movement of the Church of England he gave encouragement to the early leaders. Als die charismatische Bewegung in der Church of England ihre Anfänge nahm, hat Martin Lloyd-Jones die Leiter dieser Bewegung wirklich ermutigt. Aber als er ihren Werdegang verfolgt hat, hat er sich ernsthafte Sorgen gemacht. Es gab sehr viele Ähnlichkeiten mit der Bewegung der Quaker. He noticed an emphasis on experience but an increasing lack of doctrine. Weil bei ihnen war es eben auch so: Irgendwann drehte sich alles viel mehr um Erfahrungen, die sie gemacht hatten, und die Lehre rückte immer mehr in den Hintergrund.
Auf der anderen Seite hat er sich aber auch Sorgen darum gemacht, dass die Evangelikalen oder Reformierten die Erfahrung viel zu sehr vernachlässigen würden gegenüber der Lehre. A lack of true power. Und er musste feststellen, dass aus dem geistlichen Hintergrund, aus dem er stammte, einfach das Wirken des Geistes, die Macht Gottes, fehlte. Und er dachte, dass das in einer direkten Beziehung dazu steht, dass man einen Mangel im Herzen hat: der Heilsgewissheit. Und das hat nichts damit zu tun, dass das irgendwie an eine Erfahrung in der Vergangenheit geknüpft sein musste, die ein Prediger irgendwann mal gemacht hat.
And Lloyd-Jones describes him as someone who loved to live continually in the atmosphere of the Holy Spirit. Und er sagte, eigentlich sollten alle Prediger sich danach ausstrecken, sich danach sehnen, dass der Geist Gottes uns wirklich in unserem Herzen erfüllt und eine tiefe Überzeugung hinterlässt von der Wahrheit des Wortes Gottes und der Herrlichkeit Gottes. Aber der Geist sollte sie nicht nur persönlich erfassen, sondern auch ihre Predigten, die sie halten würden, sollten vom Geist erfüllt sein.
Und wenn Lloyd-Jones predigte, dann ging es ihm nie darum, einfach nur Wahrheit zu vermitteln. Er sagte, das Hauptziel, der Zweck der Predigt, ist es, den Zuhörern ein Gefühl, einen Eindruck von Gott und seiner Gegenwart zu geben. Er sagt: Ich kann einem Prediger fast alles vergeben, solange er mir Gott vor Augen malt.
Und na ja, man kann Lloyd-Jones in einigen dieser Dinge sicher kritisieren. Vor allem seine Theologie in Bezug auf die Geistestaufe lässt gewiss einige Fragen zu. Es scheint mir so, dass er zu dieser Schlussfolgerung eher aufgrund von Kirchengeschichte als aufgrund einer gesunden Exegese des Textes gekommen ist. Es besteht kein Zweifel, dass die grossen Helden von Lloyd-Jones in Bezug auf den Geist und die Geistestaufe diese Erfahrungen gehabt haben, die er so bewundert hat. Aber ich weiss nicht, ob man die Texte, die von der Geistestaufe reden, in der Art und Weise anwenden kann, wie er es dann getan hat.
Und es ist auch eine Tatsache, dass das grosse Anliegen, das Lloyd-Jones für Erweckung hatte, dazu geführt hat, dass einige seiner Nachfolger in dieser Sache sehr passiv wurden. Sie haben einfach darauf gewartet, dass Gott in einer übernatürlichen Art und Weise wirkt und eine grosse Erweckung herbeiführt, und sie waren frustriert darüber, dass in ihrer Zeit nichts geschehen ist. Es besteht auch die Gefahr, dass er das Wirken des Geistes so überbetont hat, dass die Verantwortung, die wir als Menschen tragen, Dinge auch zu organisieren, irgendwo zu sehr in den Hintergrund rückte.
Manchmal hat man den Eindruck, dass er in sich selbst nicht wirklich stimmig ist. Er betont sehr stark, dass wir uns sorgfältig auf die Predigt vorbereiten sollen, und gleichzeitig sagt er, dass der Geist über uns kommen muss und die Predigt auch inspirieren muss, damit sie wirkt. Was ist denn falsch daran, wenn man evangelistische Einsätze oder Veranstaltungen plant und während man diese plant dafür betet, dass der Geist Gottes diese nutzen möge?
Und er hat einen sehr, sehr hohen Massstab angelegt, wenn es ums Predigen ging, denn für ihn war es erst dann eine Predigt, wenn der Geist Gottes wirklich mächtig gewirkt hatte und grossartige Dinge dann passiert sind. Am Sonntagabend hat er oft aus den Tagebüchern von Whitefield vorgelesen, er war einer seiner grossen Helden, und er meinte dann: Na ja, wenn er die Tagebücher von Whitefield liest, dann fragt er sich, ob er überhaupt je wirklich gepredigt hätte. Er sagte, der würde nicht mal die Strasse überqueren, um zu hören, wie ich predige. Und das wirkt sehr motivierend, oder?
Aber es ist so, dass da, wo er am meisten angreifbar ist oder wo wir ihn kritisieren möchten, auch seine Stärken liegen. Do we not need a great outpouring of the Holy Spirit on us and on our heroes? Sind wir nicht darauf angewiesen, dass der Geist Gottes in und durch uns und bei unseren Zuhörern wirkt? And we need to remember that all our organisation, all our hard work, all our preparation can achieve nothing. Und wir müssen uns immer wieder eingestehen: All unser Vorbereiten, all unser Forschen, all unsere harte Arbeit kann letztendlich nichts bewirken. Und wir sind Bettler, und wir müssen Gott anflehen, dass er uns braucht und bei den Zuhörern das Wort Gottes durch das Wirken des Geistes Gottes wirklich Frucht bringt.
Er hat das Werk Gottes getan durch das Wort Gottes und in der Kraft Gottes, und es ging darum, dadurch die Erkenntnis Gottes zu mehren. Er wollte, dass die Leute eine tiefe erfahrungsmässige Erkenntnis Gottes durch sein Predigen haben würden.
Wie gesagt, den grössten Teil seines Dienstes hat er in England getan, aber als ein guter Waliser waren die Engländer für ihn immer irgendwie zweitrangig. Er ist genauso wie Lloyd-Jones ein Waliser, und die Waliser sind alle sehr stolz darauf, dass er hierher gekommen ist. Wer dieser zu sein? Aber ich bin eine komplette Fälschung, denn ich habe mein ganzes Leben in England zugebracht.
Lloyd-Jones war nicht nur dadurch beeinflusst oder geprägt, dass er ein Waliser war, sondern auch sein Hintergrund, also die Denomination, von der er stammte, hat ihn sehr stark geprägt. Seine Wurzeln gehen zurück auf die Erweckung des achtzehnten Jahrhunderts, die Brüder Wesley und auch Whitefield. In der frühen Bewegung gab es eine Trennung, eine Spaltung: auf der einen Seite die Wesley-Brüder und ihr Arminianismus, auf der anderen Seite Whitefield, der für den Calvinismus stand. Die Methodisten, so wie wir sie von England kennen, waren zum grössten Teil Arminianer, aber nicht in Wales. Und die Denomination, aus der Lloyd-Jones stammte, war dafür bekannt, dass sie calvinistische Methodisten waren. Und er hat die Engländer immer durch seine calvinistisch-methodistische Brille hindurch betrachtet.
Bei seinem Dienst hat er immer wieder grosses Gewicht sowohl auf die Lehre wie auch auf die Erfahrung gelegt. Wie Engländer traditionell weder das eine noch das andere hatten. Er hat bei den Engländern festgestellt, als wäre es schon fast genetisch bedingt, dass sie eine Ablehnung gegen Dinge haben, die zu klar definiert und formuliert sind. Er hat auch gemerkt, dass die Engländer sehr stark etwas gegen Emotionen und Gefühle hatten. One evangelical English leader reports that he describes how an Englishman describes an evangelistic campaign as excellent because there were no feelings there. Das hat Lloyd-Jones völlig abgestossen.
Wie kann denn jemand eine Seele sich bewusst werden, dass er am Abgrund der Hölle steht, und das lässt ihn völlig kalt? Wie kann jemand merken und erkennen, dass Jesus am Kreuz für seine Sünde gelitten hat, und das geht einfach spurlos an ihm vorbei?
Die grossen Helden von Lloyd-Jones waren die Reformatoren des sechzehnten Jahrhunderts und die Puritaner des siebzehnten Jahrhunderts, aber nichtsdestotrotz war er ein Mann des achtzehnten Jahrhunderts. Er war ein Mann der grossen Erweckung. Whitefield und Jonathan Edwards, das waren seine Helden. Und sie standen eben nicht nur entweder für Erfahrung oder Lehre, sondern diese beiden Männer stehen dafür, dass die Lehre zu einer tiefen Erfahrung Gottes führt.
Er liebte auch die Tradition des calvinistischen Methodismus. Er liebte die Lehre der Calvinisten und das evangelistische Feuer der Methodisten. Er sagte, dass Calvinismus ohne methodistisches Denken dazu führt, dass wir uns auf einer reinen intellektuellen Ebene bewegen und das Ganze in sich selbst erkaltet und erstarrt. whereas Methodism without Calvinism quickly degenerates into Mysticism. Die Lehre der Calvinisten landet sehr schnell in dem, was er Mystizismus nannte, und die beiden brauchen sich gegenseitig.
Er war sehr davon überzeugt, dass die Lehre wichtig ist, aber die Lehre bildet letztendlich nur das Fundament, die Grundlage. Wir dürfen da nicht plötzlich Stopp machen und anhalten bei der Lehre. Die Lehre ist nur ein Mittel, das einem Ziel dient. Das Ziel der Lehre, der Erkenntnis, ist, dass wir wirklich ein tiefes persönliches Verstehen und Erkennen Gottes gewinnen. Und der Theologe Jonathan Edwards hat diese Sicht wahrscheinlich am besten festgehalten.
Lloyd-Jones hat die gesammelten Werke von Jonathan Edwards in einem second hand book shop gefunden, und er changed his life. Lloyd-Jones hat die Werke, die gesammelten Werke von Jonathan Edwards, in einem second hand shop gefunden. Er hat sie gelesen, und das hat sein Leben verändert. Er sagte, dass für Jonathan Edwards das Herzstück darin bestand, eine existenzielle Begegnung mit Gott zu haben. Er sagte: Du musst die Theologie haben, aber die Theologie muss auch Feuer fangen. Es muss sowohl Wärme da sein, ja, Hitze und Licht.
Und indem er das eben so sehr betonte, dass wir Gott erfahrungsmässig erkennen sollen, sprach er direkt von seinem Herzen. Er musste bei sich selbst feststellen, dass er zu intellektuell, zu theologisch wurde und sein Predigen dadurch wirklich mangelhaft war. Und im Jahre 1949 hatte er eine grosse Krise. Er musste den Dienst für eine Zeit niederlegen, er war völlig ausgelaugt, depressiv und hatte mit grossen Versuchungen zu kämpfen. Er zog sich zurück, ging allein weg, um wieder zu Kräften zu kommen. Und er beschreibt, wie er allein in einem Zimmer war und förmlich die Gegenwart des Teufels spürte, der ihn mit Versuchungen überschüttete.
Dann sagt er, wie er ein aufgeschlagenes Buch auf dem Tisch gesehen hatte, und ein Wort stach wirklich hervor, und das war das Wort „Herrlichkeit“. Er sagt, es war wie ein Lichtstrahl, und ich spürte förmlich, wie die Herrlichkeit Gottes mich umschloss. Er hat das dann nachher so beschrieben: Die Liebe Gottes erfüllte mich. Das markierte den Anfang mehrerer Tage, die voll von Freude waren.
Am Ende dieses Jahres, also zu Beginn des Jahres 1950, schreibt er dann an seine Versammlung: Als ich ein Kind war, haben die Leute mich oft gefragt, was wünschst du dir denn zu Weihnachten? Und ich wusste nie, was ich antworten sollte. Aber jetzt habe ich keine Zweifel mehr, wie ich diese Frage beantworten würde. Denn er sagte: Für mich gilt nur noch eine Sache, dass ich ihn erkenne. Und das war das Verlangen, das er persönlich empfand, und das war auch sein Anliegen für die, denen er diente, dass sie in der Erkenntnis Gottes wachsen würden. Und das war die treibende Kraft für den Rest seines Lebens.
Im Jahre 1968 wurde er mit Krebs diagnostiziert und dann ist er auch als Pastor der Gemeinde zurückgetreten. Er hat sich dann gesundheitlich wieder ein bisschen erholt und hat die darauffolgenden zehn Jahre darauf verwendet, vieles von dem, was er gelernt hat, in Buchform festzuhalten. Und manchmal hat er auch irgendwo in Grossbritannien den Predigtdienst wahrgenommen oder auch irgendwo anders in der Welt. Aber dann ist der Krebs zurückgekommen, und er musste aufhören mit dem Predigen.
Und er hat dann einigen Freunden gesagt, dass Lukas 10,20 für ihn sehr wichtig geworden sei. Dort heisst es: Freut euch nicht darüber, dass die Geister euch untertan sind, sondern freut euch vielmehr darüber, dass eure Namen angeschrieben stehen im Himmel. Es ist eine Gefahr, in der wir uns als Pastoren befinden, dass wir das Werk zu sehr lieben. Und wir sind so vereinnahmt vom Dienst und allem, was da läuft, dass wir völlig vergessen, warum wir das überhaupt tun und für wen wir es eigentlich tun. Und die grösste Freude vor uns sollte nicht Erfolg im Dienst sein, sondern die Freude, dass unsere Namen im Himmel geschrieben werden.
Wir müssen aufpassen, dass wir unser Leben nicht darauf gründen, was wir alles tun und bewegen. Der wahre Test, die wahre Nagelprobe für einen Prediger ist: Wie fühlt er sich, wenn er nicht predigen kann? Wenn du an den Punkt gekommen bist, wo ich bin, dann zählt nur noch eine Sache. Das ist deine Beziehung zu ihm und dein Wissen von ihm, nichts anderes zählt. Das ist deine Beziehung, die du zu deinem Herrn hast, und die Erkenntnis, die du von ihm hast. Alles andere verblasst.
Als er kurz vor seinem Tod war, hat er auf ein Stück Papier etwas geschrieben und es seiner Frau übergeben. Auf dem Zettel stand: „Bete nicht, dass ich geheilt werde, halte mich nicht ab, in die Herrlichkeit einzugehen.“ Und kurz darauf ist er gestorben, am St. Davistag, das ist der grosse Feiertag für alle Waliser, am 1. März 1981.
Ian Murray, er war sein Assistent, hat eine zweibändige Biografie über ihn geschrieben. Wenn du Lloyd-Jones und seinen Dienst besser verstehen möchtest, dann musst du diese Biografie von Ian Murray lesen. In den vergangenen Jahren sind aber auch Biografien von Lloyd-Jones aufgetaucht, die verschiedene andere Fragen in den Raum gestellt haben, und das ist okay. Es spielt keine Rolle, welchen Mann Gottes du dir vor Augen führst, wir alle haben Dinge, die hinterfragt werden müssen.
Es sind Fragen gestellt worden in Bezug auf den Dienst von Martin Lloyd-Jones und seine Lehre. War es so, dass das Schwergewicht, das er auf die Predigt legte, dazu führte, dass andere Dienste dabei oder nebenher eingingen? Hat die Betonung der Souveränität Gottes und des Wirkens des Geistes Gottes dazu geführt, dass die Verantwortung, die wir als Menschen tragen, Dinge auch anzustossen, vernachlässigt wurde? Hätte er mehr unternehmen sollen, um Leiter heranzubilden in seiner Gemeinde? Hätte er mehr Zeit investieren sollen, damit ein Nachfolger bereitstünde, nachdem er abgetreten ist? Und ich glaube, in Bezug auf alle diese Fragen kann man in einem gewissen Sinne sagen: Ja, das ist so.
Aber wenn wir ihn in Frage stellen, dann müssen wir gleichzeitig auch zulassen, dass sein Leben und sein Dienst mein Leben in Frage stellt. Haben wir diesen Fokus, haben wir seine Leidenschaft? Ist unsere Botschaft wirklich das Evangelium Gottes, und zwar so, wie wir es im Wort Gottes finden? Ist es so, dass unsere Methode in erster Linie sich auf das Wirken des Geistes Gottes verlässt, oder müssen wir doch irgendwo feststellen, dass wir menschliche Methoden und Technik haben einfliessen lassen? Ist unser Ziel ein tiefes Wissen Gottes, nicht nur im Kopf, sondern im Herzen? Ist unser Ziel wirklich, in der Erkenntnis Gottes zu wachsen, und zwar nicht nur in unserem Kopf, sondern im Innersten, in unseren Herzen? Und zwar eine solche Erkenntnis Gottes, die jeden Bereich, alles in unserem Umfeld umgestaltet. Und ist die treibende Kraft, die Motivation in unserem Leben einzig und allein die Herrlichkeit Gottes?
For his faithful servant, Dr. Martin Lloyd-Jones. Wir danken Gott für diesen treuen Diener Martin Lloyd-Jones. Lasst uns beten.