Pfingstkonferenz Kriwitz 2026
Anbetung als Bewunderung Gottes
Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt, Nachfolge praktisch, dein geistlicher Impuls für den Tag.
Fingstkonferenz Kriwitz zwanzigsechsundzwanzig Anbetung als Bewunderung Gottes Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt, nachfolge praktisch dein geistlicher Impuls für den Tag.
Mein Name ist Jürgen Fischer, und im zweiten Teil betrachten wir Dank, Jubel, Erinnerung und Staunen.
Jetzt ist die Frage: Okay, schön, habe ich verstanden, aber wie feiern wir denn jetzt Gott mit Worten?
Ich habe mir gedacht, ich bringe euch fünf Möglichkeiten mit, wie man Gott mit Worten feiern kann. Die Idee des Liedersingens lasse ich hier noch außen vor. Ihr wisst ja schon: Singen ist Singen und Beten ist Beten. Gleichzeitig wäre das natürlich in meiner Begegnungszeit mit Gott eine schöne Gelegenheit, etwas zu singen.
Aber wir reden hier nicht über das Singen, sondern über das Beten. Und wir merken: Begegnung mit Gott ist mehr als Beten. Da darfst du auch gerne singen und von mir aus auch Cajon trommeln und was dir einfällt. Du darfst all das machen, wo du sagst: Das ist super.
Wenn wir aber darüber nachdenken, wie wir mit Gott reden oder was wir Gott sagen können, möchte ich euch fünf Möglichkeiten vorstellen, wie wir Gott in seiner Großartigkeit mit Worten feiern können. Ich möchte über Dank reden, über Jubel, über die Erinnerung an Gottes Taten, über Staunen und Bewunderung.
Am Ende lege ich den Schwerpunkt dann wieder auf den letzten Punkt, auf die Bewunderung. Ihr werdet sehen, warum. Aber ich möchte euch die anderen Dinge vorstellen, weil sie auch ihren Wert haben.
Der erste Zugang: Dankbarkeit als Anfang
Ich fange mal mit dem ersten Punkt an: mit Dank.
Dank ist sicherlich die naheliegendste Form, Gott mit Worten zu feiern. Warum? Im Dank benenne ich das, was ich von Gott empfangen habe. Das heißt: Ich halte kurz inne und sage: Vater, das kommt von dir. Hey, vielen herzlichen Dank dafür, du bist ein guter Gott. Das ist Danken.
Jetzt ist Dank geistlich wahrscheinlich wichtiger, als es auf den ersten Blick klingt. Das hat damit zu tun, dass Undank oft nicht dadurch entsteht, dass Gott etwas nicht gibt, sondern dadurch, dass ich seine Gaben nicht mehr als Geschenk wahrnehme.
Ich muss das noch einmal ausführen: Es kann sein, dass das, was ich gestern noch als Geschenk wahrgenommen habe, heute irgendwie für mich selbstverständlich wird. Das können Dinge sein wie Gesundheit, Wohlstand, Nahrung, Freunde, Vergebung, Bewahrung, Erkenntnis, keine Ahnung, was. Dinge, bei denen ich gestern noch dachte: Wow, toll! Jetzt sind sie plötzlich normal. Versteht ihr? All diese Dinge können in meinem Herzen den Charakter von Gabe und Geschenk verlieren. Dann habe ich das zwar immer noch, und ich könnte eigentlich immer noch dafür danken, aber ich tue es nicht mehr, weil ich die Sache selbst nicht mehr bewusst aus Gottes Hand nehme. Das ist die eigentlich große Gefahr.
Die Realität im Leben hört sich aber so an: Jakobus 1,16-17. Irrt euch nicht, meine geliebten Brüder: Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist, noch eines Wechsels Schatten.
Ich bin persönlich davon ganz fest überzeugt, dass ein gesundes Gebetsleben immer mit Dank beginnen sollte. Es ist dieser ganz bewusste Blick zurück, wo ich ganz konkret danke für die Dinge, die geklappt haben, für Menschen, die mir gutgetan haben, für konkrete Bewahrung, für all das Gute, was in mein Leben einfach so hineinkommt.
Lass mich dir einen Tipp geben: Beginne dein Gebetsleben damit, dass du ganz bewusst für zwanzig Dinge dankbar bist. Mach das mal. Such dir mal ganz bewusst zwanzig Sachen, und du wirst merken: Zwanzig ist eine gute Zahl. Bei drei, vier kommt man sofort auf etwas, fünf, sechs, sieben geht auch noch, aber spätestens, wenn man so bei zehn ist, fängt man an, darüber nachzudenken: Ja, was habe ich denn noch? Und dann kommt man auf die Sachen, die sich so eingeschlichen haben als Alltäglichkeiten. Die fallen einem dann wieder ein, und dann fängt man dafür an zu danken.
Und für alle, die gern Bibelstudium machen: Studiert zu dem Thema mal den Kolosserbrief. Also, wenn du nicht weißt, was dein nächstes Predigtthema sein soll, predige über Dank und nimm nur Texte aus dem Kolosserbrief, und du wirst total glücklich werden. Und die anderen auch, die dir zuhören.
Das ist mein erster Punkt: Ich möchte Gott mit Worten feiern. Das Erste, das naheliegend ist: Ich danke.
Vom Dank zum Jubel
Dann kann ich einen Schritt weitergehen. Das ist der Jubel. Der darf sich aus dem Dank ergeben, einfach weil ich immer wieder neu begreife, wie beschenkt ich bin.
Frage: Was ist Jubel? Zum einen ist Jubel mehr als Dank. Dank schaut auf das, was Gott mir gibt, Jubel schaut auf Gott selbst und freut sich an ihm. Ihr merkt, das gehört natürlich irgendwie eng zusammen, aber die beiden Dinge sind nicht identisch. Ich kann Gott danken für Dinge wie Bewahrung, Versorgung, Vergebung und Führung. Und jetzt kommt der Jubel und geht einen Schritt weiter und sagt: Hey, ich freue mich an dir. Ich freue mich, dass du Gott bist in meinem Leben. Ich freue mich, dass du in meinem Leben regierst. Ich freue mich, dass du gut bist. Wow, dein Reich, wow, genial.
Das wäre dann so diese Richtung, wo es ein bisschen weitergeht. Hier Psalm 100, die Verse 1 und 2: Ein Psalm zum Dankopfer. Jauchzt dem Herrn, alle Welt! Dient dem Herrn mit Freuden, kommt vor sein Angesicht mit Jubel. Wer vor Gott tritt, der darf und soll jubeln. Gott ist ein Vater im Himmel, über den wir uns von ganzem Herzen freuen dürfen. Es ist so wie an Weihnachten, versteht ihr? Du gehst Weihnachten als Kind zum Weihnachtsbaum, machst die Geschenke auf und sagst: Wow, genau das, was ich mir gewünscht habe. Das ist die Haltung des Jubels. Ich habe tolle Eltern, die konnten lesen, was auf meiner Wunschliste stand, und die haben es auch. Wow, ist ja irre. Das ist Jubel.
Da geht es hin. Jubel ist laut, Jubel ist körperlich. Psalm 95: Kommt, lasst uns dem Herrn zujubeln, lasst uns zujauchzen dem Fels unseres Heils, lasst uns vor sein Angesicht treten mit Dank. Da merkt man: Das hängt ganz eng zusammen. Lasst uns mit Psalmen ihm zujauchzen, denn ein großer Gott ist der Herr, ein großer König über alle Götter. Wenn du begriffen hast, dass Gott ein großer Gott ist, dann darfst du, dann sollst du jubeln. Deswegen ist Jubel so wichtig. Jubel macht meiner Seele Gottes Größe bewusst. Ich kann sie im Jubel spüren.
Und das Geniale ist: Jubel gilt auch für Freude, die unabhängig von den Umständen ist. Jubel ist eine Entscheidung. Das muss ich noch mal sagen, weil es so eminent wichtig ist: Jubel ist eine Entscheidung. Die beste Stelle, wo das in der ganzen Bibel klar wird, ich habe es nirgendwo besser gefunden, ist bei Habakuk. Ihr müsst euch vorstellen: Habakuk kommt zu Gott und sagt: Herr, ich verstehe dich gar nicht. Hier ist so viel Ungerechtigkeit, könntest du dich da nicht mal drum kümmern? Und Gott sagt: Nee, machen wir nicht. Und übrigens, das wird noch viel schlimmer.
Und dann bekommt Habakuk die komplette Verwüstung Israels durch die Babylonier prophezeit. Er steht am Rande einer Panikattacke, kann sich kaum noch auf den Beinen halten. Und dann sagt er in Habakuk 3,18, das ist so frech, es ist so unglaublich frech: Weißt du, die Zukunft ist schwarz, dir geht es richtig dreckig, und er stellt sich hin: Ich aber will in dem Herrn jubeln, will jauchzen über den Gott meines Heils. Das ist der patzigste Vers in der Bibel, ich kenne keinen patzigeren. Alles ist gegen dich, und du sagst: Scheiß drauf, ich werde jetzt erst mal jubeln gehen.
Wie kann das sein? Ich dachte an der Stelle: Wer jubelt mal? Also drei, zwei, eins: Ja, wir machen das noch mal. Das geht lauter. Drei, zwei, eins: Ich wollte das nur, damit ihr versteht, worum es geht. Das ist Jubeln. Sicherlich muss das nicht immer so laut sein, aber Jubeln ist nicht dieses: Ich jubel jetzt. Versteht ihr? Jubeln ist Freude, die sich auch durch Dezibel ausdrückt und durch ein inneres: Ha! Das darf auch mal rauskommen.
Und für alle, die da jetzt ein bisschen Probleme mit haben: Probiert das mal heimlich irgendwo aus, das ist wirklich gut. Und wenn ihr wie ich so Waldbeter seid, müsst ihr vielleicht ein bisschen vorsichtig sein. Ich schaue auch immer, ob jemand in der Nähe ist, und dann jubel ich ein bisschen los, weil ich natürlich auch nicht als der große Gagachrist bekannt werden will.
Wir haben jetzt Dank und wir haben Jubel als zwei Möglichkeiten, um Gott mit Worten zu preisen.
Erinnerung an das, was Gott getan hat
Kommen wir zum Thema Erinnerung. Ein wichtiger Teil biblischer Anbetung ist die Erinnerung. Wir feiern Gott also nicht nur dadurch, dass wir sagen, wer er ist, sondern auch dadurch, dass wir uns und anderen erzählen, was er getan hat. Gottes Charakter wird nämlich durch seine Taten sichtbar.
Das heißt: Die Treue Gottes ist gar nicht so ein abstrakter Begriff, wie wir das manchmal vielleicht denken. Er ist nicht einfach nur irgendwie treu, sondern Gott ist einer, der mit mir Geschichte geschrieben hat. Und das kann ich sehen. Ich kann sehen, wie Gott mich benutzt hat, wie Gott durch mich Menschen gesegnet hat, wie Gott meine Wege geebnet hat, wie Gott mich ganz konkret befreit und erlöst hat. Ich kann das sehen.
Psalm 103,2: Preise den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht alle seine Wohltaten. Cool, oder? Vergiss nicht alle seine Wohltaten. Der Psalmist macht hier etwas ganz Spannendes: Er fordert seine Seele auf, nicht zu vergessen. Und was? Die Wohltaten Gottes. Und zwar die Dinge, die er selbst von Gott empfangen hat.
Ich kann an das denken, was ich empfangen habe, und ich kann an das denken, was wir vielleicht als Gemeinde empfangen haben. Wir feiern morgen unser Zehnjähriges. Ich kann zurückschauen auf die Entwicklung einer Gemeinde und sagen: Hey, Gott war dabei! Dass aus einer kleinen Gemeindegründungsarbeit, die 1999 mit zwei Frauen als evangelistischer Hauskreis startete, heute ein abgezahltes Gemeindehaus geworden ist, weil uns das jemand geschenkt hat, na ja, das ist doch nicht selbstverständlich.
Hey, wir wohnen in Berlin, weißt du, was da an Mieten gezahlt wird? Okay, wir haben zwanzig Jahre Renovierungsstau, aber Mann, das ist immer noch billiger, glaub mir. Da ist etwas, da ist etwas entstanden. Und ich freue mich jedes Jahr, denke ich: Wir leben noch. Ich finde das jedes Jahr großartig. Gott schreibt Geschichte.
Und wir merken: Wenn der Psalmist sagt: Preise den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht alle seine Wohltaten, dann scheint Vergesslichkeit nicht nur ein intellektuelles Problem zu sein. Es scheint ein geistliches Problem zu sein. Ich kann theologisch wissen, dass Gott gut ist, und trotzdem kann ich so leben, als hätte er nie irgendwem geholfen, nie vergeben, nie getragen, nie mich geführt. Versteht ihr den Unterschied? Ich kann das irgendwie fromm behaupten: Gott ist gut. Und gar nicht mehr daran denken, wo das in meinem Leben Realität war.
Und das ist vor allem dann wichtig, wenn du in Zeiten der Versuchung bist. Da ist das besonders wichtig. Hier in Psalm 77 heißt es in Vers 12: Ich will gedenken der Taten Jahs, ja, deiner Wunder von alters her will ich gedenken. Ich will nachdenken über all dein Tun, und über deine Taten will ich sinnen.
Hier ist Asaph, und es geht ihm gerade nicht gut. Und was ist seine Antwort? Gott, ich möchte nachdenken über deine Wunder, über deine Taten. Ich will nachdenken über all das, was du getan hast. Also, im Bild gesprochen: Ich nehme meine Seele bei der Hand, und wir betrachten jetzt mal gemeinsam Gottes Taten.
Ich darf im Gebet Gott anbeten, indem ich mich einfach erinnere und darüber nachdenke: Was hat Gott alles getan? Und ich darf dann erleben, dass Gott nicht nur eine Idee ist, nicht nur so eine abstrakte Idee, sondern ich darf wissen: Gott ist ein Gott, der handelt, gehandelt hat und noch weiter handeln wird. Er ist der Gott, der Abraham führte. Er ist der Gott, der Israel befreit hat. Er ist der Gott, der bei den Freunden von Daniel in der Löwengrube ist. Er ist der Gott, der den Christus auferweckt hat. Und er ist der Gott, der auch mich durch diesen Tag heute hindurchbringen wird.
Dank, Vater, du hast mir Gutes getan. Jubel, yeah. Vater, ich freue mich an dir! Erinnerung: Vater, du hast gehandelt.
Der vierte Zugang: Staunen vor Gottes Größe
Kommen wir zum vierten Punkt: Staunen.
Vater, du bist tiefer, weiser und herrlicher, als ich es jemals erfassen könnte. Gott ist erkennbar, weil er sich offenbart hat, aber er bleibt trotz seiner Offenbarung immer grösser als alles, was wir verstehen können.
Im Römerbrief, Kapitel 11, heisst es: Römer 11,33. Welche Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Gerichte und unaufspürbar seine Wege!
Merkt ihr: Hier geht es um Gottes Weisheit, und die ist nicht gegen die Vernunft, sie ist einfach nur grösser. Das muss man, also ich muss etwas nicht verstehen, um es feiern zu können. Das ist auch nicht schlimm. Und an dieser Stelle muss Theologie, die ein Stück weit gesund bleiben will, immer hineinführen in diese Form von Staunen.
Also es geht bei Theologie nicht darum, dass der Bibellehrer seine Selbstverliebtheit und sein Wissen zum Essen bringt. Ich muss dahinführen, dass ich sage: Da gibt es einen, der so gross ist, dass ich euch irgendwann auch nicht mehr erklären kann, wie das funktioniert. Ich weiss es nicht mehr, wie bei der einen Frage heute Morgen. Das ist einfach ein Mysterium. Entschuldigung, ich verstehe es nicht.
Ich kann euch versichern: Wenn Gott es uns erklärt, dann werden wir jubeln und staunen. Und ein paar Leute werden denken: Ja, hatte ich ja fast. Aber es werden wenige sein. Und ich werde nicht dazugehören.
Psalm 139,6: Zu wunderbar ist die Erkenntnis für mich, zu hoch, ich vermag sie nicht zu erfassen.
Staunen heisst: Der Beter denkt über Gott nach, über seine Nähe, sein Wissen, seine Wege, und irgendwann sagt er: Das ist für mich zu hoch. Nicht im Sinne von: Das ist für mich bedeutungslos, sondern: Das ist zu gross, um es zu kontrollieren. Das ist zu gross, um es zu durchdringen.
Staunen vor Gott
Staunen ist der Moment, in dem ich aufhöre, Gott zu beherrschen. Es ist der Moment, wo ich loslasse und sage: Ich lasse mich jetzt fallen in deine Hände, und das ist gut so.
Für die persönliche Gebetszeit ist das wichtig. Es ist wichtig, dass wir ehrlich vor Gott stehen dürfen und bekennen dürfen: „Vater im Himmel, ich verstehe dich nicht völlig, aber ich bewundere dich. Deine Weisheit ist tiefer als meine Fragen, deine Gegenwart ist grösser als mein Gefühl, deine Wege sind höher als mein Überblick.“ Und Staunen lässt mich Gott einfach Gott sein, vor dem ich mich beuge.
Abschluss: Bewunderung als Ziel der Anbetung
Dank, Jubel, Erinnerung, Staunen. Das war’s für heute.
Nimm dir Zeit, in Ruhe über das Thema Anbetung nachzudenken. Was solltest du ändern? Welche Bibelverse könntest du auswendig lernen? Welche Aspekte des Themas müsstest du noch studieren?
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
