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BasisBibel DURCHGELESEN

Welcher Geist steckt dahinter? – Rezension: Lob & Kritik
29.10.2021

Einführung zur neuen Bibelübersetzung und Projektvorstellung

Dieses Jahr ist eine neue Bibelübersetzung erschienen. Das passiert nicht alle Tage. Die Meinungen zur Basisbibel gehen dabei auseinander.

Ich habe sie komplett durchgelesen und gebe hier meinen Eindruck wieder. Um Nachfolge besser zu verstehen, mach dich Hashtag Bibelfit.

Ich bin Markus Voss, und hier machen wir drei Dinge: Wir versuchen, tiefer in die Bibel einzusteigen. Wir überlegen, wie du und ich Jesus im modernen Alltag nachfolgen können. Und wir beantworten taffe Fragen, die die Gesellschaft an uns Christen stellt.

Zu all dem gibt es Dutzende kostenfreie Tools. Dazu zählen Hörbücher, Online-Kurse, Tageschallenges und praktische Alltagsgegenstände, die du dir auf der Website gratis mitnehmen kannst.

So transparent: Finanziert wird all das hier durch kleine monatliche Spenden von Menschen wie dir und mir aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das ist sehr hilfreich, weil dieses Projekt langsam Fahrt aufnimmt.

Entstehung und Herausforderungen einer Bibelübersetzung

Eine Bibelübersetzung ist keine Kleinigkeit. Sie dauert viele Jahre, erfordert sehr viel Geduld sowie eine Menge Beharrlichkeit, Ausdauer und auch finanzielle Mittel. Die Basisbibel wurde im Jahr 2003 begonnen und erst im Januar 2021 vollständig veröffentlicht. Das sind sage und schreibe achtzehn Jahre unter Einsatz modernster technischer Mittel – dazu gleich mehr.

In Deutschland gibt es zudem nicht sehr viele Menschen, die ein solches Projekt auf dem fachlichen Niveau, mit den nötigen Qualifikationen und dem erforderlichen Fachwissen stemmen können. Das ist einerseits gut, weil man so eine Vorstellung hat, an wen man sich wenden könnte. Andererseits schränkt das die Personalpolitik ein, da man keine freie Auswahl mehr hat und nicht wirklich frei entscheiden kann, wen man nimmt und wen nicht. Wie in jedem anderen Projekt kann das zu Problemen führen. Dazu gleich mehr.

Die ursprünglichen Texte der Bibel sind in Hebräisch, Griechisch und Aramäisch verfasst. Drei Viertel davon sind auf Hebräisch geschrieben, genauer gesagt in Mittelhebräisch. Das restliche Viertel ist in Griechisch verfasst, genauer gesagt im Altgriechisch, im Koine-Dialekt. Dieser unterscheidet sich etwas vom Ionischen oder Klassischen Griechisch, wie man es beispielsweise bei Homer findet. Einige Kapitel sind zudem im Aramäischen geschrieben.

Diese Sprachen können zwar sehr präzise sein, haben aber ein ganz anderes Sprachsystem als unsere indogermanischen Sprachen, wie zum Beispiel Deutsch. Das ist vergleichbar mit zwei verschiedenen Handys: Das eine ist zum Beispiel ein Android, das andere iOS; das eine ein Windows-PC, das andere ein Mac. Man kann beide besitzen und für seine Zwecke nutzen, doch sie funktionieren eben unterschiedlich. Das Übertragen von einer Datei auf das andere System kann Kompatibilitätsprobleme verursachen.

Deshalb ist das Übertragen von einem Sprachsystem in ein anderes kompliziert – besonders, weil unser heutiges Deutsch so weit entfernt ist vom altgriechischen Koine, noch weiter entfernt vom Aramäischen und vom Mittelhebräischen, in dem drei Viertel der Bibel geschrieben sind. Englischsprachige Bibelübersetzer haben es deshalb oft leichter, weil die englische Grammatik und Syntax der ursprünglichen Sprache näher liegt als beispielsweise dem Deutschen oder auch dem Hebräischen und Aramäischen.

Damit deutsche Bibelübersetzer diesem Problem näherkommen können, haben sich zwei Pole herausgebildet.

Zwei Ansätze der Bibelübersetzung

Das eine ist eine philologische Übersetzung. Das bedeutet, man nimmt den vorliegenden Text und geht Vers für Vers oder Teilvers für Teilvers durch. Dabei schaut man bei jedem Wort im Urtext nach, welche die wahrscheinlich prägnanteste deutsche Übersetzung für dieses eine Wort ist. So wird Wort für Wort, Teilvers für Teilvers und Vers für Vers übersetzt.

Das ist eine philologische Bibelübersetzung, die man logischerweise vor allem im wissenschaftlichen Kontext verwendet.

Das andere ist eine kommunikative Bibelübertragung. Hier beginnt man mit dem großen Ganzen. Man nimmt sich zum Beispiel ein komplettes biblisches Buch oder auch nur ein Kapitel vor und versucht zunächst, den Sinn dieses gesamten biblischen Buches oder Kapitels zu erfassen.

Häufig ist es sinnvoller, das Buch als Ganzes zu betrachten, denn die Kapiteleinteilung wurde erst im vierzehnten Jahrhundert eingeführt. Das bedeutet, man versucht, aus dem gesamten Abschnitt heraus zu verstehen, was dieser eigentlich meint und aussagen will. Anschließend wird der Text so ins Deutsche übertragen, dass er beim heutigen deutschen Leser ungefähr den gleichen Eindruck hinterlässt, den er damals vermutlich bei den Lesern und Hörern des Originaltextes hinterlassen hat.

Nochmal: Beides ist vollkommen berechtigt. Die philologische Übersetzung eignet sich zum Beispiel für den wissenschaftlichen Kontext, die kommunikative Übertragung eher für den gemeinen Kontext. Beide Formen sind legitim, sie verfolgen jedoch völlig unterschiedliche Zwecke.

Darauf kommen wir gleich zurück, denn das ist ein echter Knackpunkt.

Vorstellung der Basisbibel und persönliche Einblicke

Die neueste deutsche Bibelübersetzung ist die Basisbibel, herausgegeben von der Deutschen Bibelgesellschaft. In der Universitätsstadt Jena, wo ich lebe und arbeite, wurde dazu eine eigene Jena-Ausgabe veröffentlicht.

Ich wurde gebeten, ein Begleitwort dazu zu schreiben, was ich auch getan habe. Als vor wenigen Tagen diese Jena-Ausgabe der Basisbibel feierlich vorgestellt wurde, bat man mich, bei der Eröffnung ein paar kurze Worte dazu zu sagen.

Ich habe eine Vielzahl deutscher Bibelübersetzungen gelesen und die Basisbibel in den Monaten vor der Vorstellung vollständig durchgearbeitet. Im Folgenden möchte ich zunächst die positiven, gelungenen und danach die aus meiner Sicht weniger gelungenen Aspekte beleuchten.

Bevor wir beginnen, wäre es hilfreich, wenn die Community hier kurz unterstützt, damit solche christlichen Inhalte in sozialen Medien nicht verborgen bleiben. Wer gerade auf Instagram ist, kann schnell doppeltippen. Auf YouTube kann das Video gerne gelikt werden. Wenn du zudem die Glocke unter dem Video anklickst, erhält YouTube ein Signal und zeigt auch nicht-christlichen Nutzern mehr christliche Inhalte an, die sie ansprechen könnten. Das ist wirklich stark, oder? Deshalb lass uns die Glocke gerne nutzen, solange es möglich ist. Vielen Dank.

Positive Aspekte der Basisbibel

Fangen wir an mit den sehr gelungenen Aspekten.

Das Erste ist, dass die Basisbibel wirklich sehr übersichtlich ist. Wenn man sie aufschlägt, kann man zum Beispiel in dieser blauen Ausgabe auf einen Blick alles erfassen. Die Schrift ist klar und gut lesbar, sodass man alles gut erkennen kann. Zudem gibt es Platz für Anmerkungen, wo man eigene Notizen beim Bibelstudium hinzufügen kann. Das ist wichtig.

Zweitens ist es sehr vorteilhaft, dass es Anmerkungen zu Worten und Redewendungen gibt, die heute nicht mehr so gebräuchlich sind. Diese Anmerkungen wiederholen sich zwar einige Dutzend Male. Das bedeutet, wenn man die ersten zweihundert Seiten der Basisbibel gelesen hat, hat man gefühlt 90 Prozent der Anmerkungen schon einmal gesehen. Doch das ist okay, denn diese Hinweise sind teilweise wirklich hilfreich.

Ein Beispiel dafür findet sich im zweiten Buch der Könige. Dort fragt Elija Elisha, was er noch für ihn tun könne, bevor er weggenommen werde, und Elisha bittet darum, dass zwei Anteile von Elijas Geist auf ihn übergehen. Früher habe ich das beim Lesen nicht so gut verstanden. In der Anmerkung steht dazu, dass Elisha darum bittet, Elias Nachfolger zu werden. Nach Deuteronomium 21 erhält der erstgeborene Sohn als Haupterbe doppelt so viel wie die anderen, also zwei Anteile vom Erbe. Das erklärt die Formulierung sehr gut. Eine hilfreiche Anmerkung.

Ein weiteres Beispiel findet sich im Buch Esra. Dort heißt es in Kapitel 7: Nach diesen Ereignissen war einige Zeit vergangen, in Persien herrschte ein anderer König, und ein Mann namens Esra machte sich auf den Weg. Hier geht es um die zweite wichtige Person im Buch Esra. Man fragt sich natürlich, wie viel Zeit vergangen ist. Die Anmerkung erklärt, dass etwa sechzig Jahre dazwischenliegen. Auch das hilft, den Text besser zu verstehen.

Oder im Buch Jeremia, wo es heißt: „Alle Königreiche, die es auf der Erde gibt, werden den Zorn Gottes zu spüren bekommen. Nach ihnen wird noch einer trinken müssen, der König von Scheschach.“ Das würde man sonst nicht richtig verstehen. Die Anmerkung erklärt, dass „Scheschach“ ein Deckname für Babylon ist und erläutert sogar, wie das im Hebräischen zustande kommt. Sehr hilfreich, denn ohne diese Anmerkung würde beim Lesen dieses Kapitel etwas fehlen.

Beeindruckend fand ich auch die Anmerkung im Buch Ezechiel, Kapitel 40. Dort schreiben die Übersetzer in den Anmerkungen, dass der hebräische Text in den Versen 40 bis 42 an einigen Stellen schwer zu deuten ist. Im zweiten Teil von Vers 14 ist die Deutung völlig unklar. Das finde ich sehr gut, denn die Übersetzer geben hier offen zu, dass ihnen die Deutung an dieser Stelle schwerfällt. So weiß der Leser, dass er die Aussage nicht auf die Goldwaage legen muss. Das zeigt innere Größe – Respekt dafür.

Drittens fällt positiv auf, wie schön manche Texte einfach übersetzt sind und welche literarische Qualität darin steckt. Die Basisbibel ist hier wirklich gut gelungen. Im hebräischen Text gibt es an manchen Stellen Passagen, die sich reimen. Das haben die Übersetzer der Basisbibel teilweise nachempfunden.

Ein hervorragendes Beispiel findet sich in Jesaja 5. Dort heißt es im hebräischen Urtext: „Ki cherem Adonai Zebaoth, beth Yisrael we ish Yehuda, Natascha Aschua.“ Die Basisbibel übersetzt: „Wer ist dieser Weinberg? Der Weinberg des Herrn Zebaoth, das sind die Bewohner von Israel, die Leute von Juda, sie sind sein Lieblingsgarten.“

Dann folgt der Reim: „Weihe Kavle mischpat, wehine mispach, Lizthaka wehine zaaka.“ Die Basisbibel übersetzt: „Der Herr wartete auf Rechtsspruch, doch seht her, da war Rechtsbruch. Er wartete auf Gerechtigkeit, doch hört nur, wie der Rechtlose schreit.“ Sehr gelungene Übersetzung!

Auch bei den Psalmen gibt es Besonderheiten, wie Akrosticher. Akrosticher sind Psalmen, die im Hebräischen nicht nur alphabetisch aufgebaut sind, sondern bei denen jeder Vers mit einem Buchstaben des hebräischen Alphabets beginnt. Das ist vergleichbar damit, wenn man im Deutschen ein Gedicht oder ein Gebet schreibt, bei dem der erste Vers mit A beginnt, der zweite mit B, der dritte mit C und so weiter.

Im hebräischen Urtext ist das so, aber in der Lutherübersetzung sieht man das nicht. Die Basisbibel kennzeichnet diese Stellen jedoch und schreibt daneben, mit welchem hebräischen Buchstaben jeder Vers beginnt. Das sieht man sonst nicht. Das ist wirklich cool.

Die Basisbibel gibt es in verschiedenen Ausgaben. Zum Beispiel die Kompakte, die wie ein Roman geschrieben ist. Dann gibt es die rote Ausgabe, die wie ein Gedicht gestaltet ist, mit Versen untereinander. Auch das ist sehr gelungen.

Was mich ebenfalls beeindruckt hat, ist die Übersetzung des Buches Jeremia. Dieses Buch ist sonst wirklich schwierig und schwer verständlich. Ich empfand die Übersetzung hier als sehr positiv und gut gelungen.

Fünftens fallen die Ortsangaben positiv auf. Sehr häufig, wenn auch nicht immer, wird in der Basisbibel erwähnt, wie weit ein kleiner Ort von einem bedeutenden Ort entfernt ist. Zum Beispiel wie weit etwas von Jerusalem oder von Beerscheba entfernt ist. So kann man Entfernungen und die Zeit, die Nachrichten oder Personen von einem Ort zum anderen brauchen, besser einordnen.

Das ist natürlich sehr hilfreich, denn wenn man keine Karte des Alten oder Neuen Testaments zur Hand hat und keine geografische Einordnung, sagen einem die Ortsnamen oft nichts. Das ist dann so, als würde einem jemand aus einem malaysischen Telefonbuch vorlesen.

Sechstens gibt es in der Basisbibel Übersichten, die am Einband, vorne und hinten, zu finden sind. Dort gibt es Karten, Zeittafeln und eine ungefähre Einordnung, wann und wo was in welchem Zusammenhang passiert ist. Außerdem gibt es eine Zusammenfassung aller Bücher mit Schwierigkeitsgrad vorne. Das hat mich wirklich beeindruckt.

Zudem gibt es eine Top-Ten-Liste zu verschiedenen Themen. Der Knackpunkt dabei ist natürlich die Auswahl der Themen, darauf kommen wir gleich noch zu sprechen.

Siebtens sind die Sätze in der Basisbibel kurz. Die meisten Sätze haben weniger als sechzehn Worte und meist nur einen Nebensatz. Schachtelsätze gibt es sehr selten, wenn überhaupt. Das ist sprachlich angemessen, denn über 85 Prozent der Bibel im Original sind ohne Schachtelsätze geschrieben. Im Hebräischen gibt es selten lange, verschachtelte Sätze.

Andererseits ist das natürlich auch Geschmackssache. Für viele ist das ein eingängiges und verständliches Leseerlebnis, wenn man nicht bei jedem Satz einen Thomas-Mann-Satz hat, der sich über eine halbe Seite erstreckt – und das ist leider keine Übertreibung.

Achtens ist die Basisbibel auch digital verfügbar. Neben der digitalen Printausgabe gibt es eine eigene App, die komplett digital ist. Dort kann man auf manche theologischen Begrifflichkeiten klicken, und sie werden erklärt. Außerdem ist die Basisbibel für E-Reader optimiert.

Kritikpunkte und Verbesserungspotential der Basisbibel

Die Schattenseite – und jetzt kommen wir langsam zu den ausbaufähigen Punkten – ist, dass die App stark verbesserungswürdig ist. Auch die digitalen Ausgaben funktionieren nur bei manchen Kindle-Versionen, bei anderen gar nicht.

Als Autor von drei Büchern kann ich dir bestätigen: Solche Probleme sind keine Kleinigkeiten. Bei meinem vorletzten Buch zum Beispiel fanden die Leser den Inhalt zwar sehr gut, aber sie haben immer wieder angemerkt, ich solle doch bitte einfacher schreiben. Vor allem sollten der Satz und der Druck besser sein.

Deshalb habe ich schlechte Bewertungen bekommen. Ich wusste sofort: Das muss ich in Neuauflagen und beim nächsten Buch besser machen. Leute achten auf solche Details. Als Autor kannst du dir nicht den Luxus leisten, dich nur auf den Inhalt zu konzentrieren. Auch als Übersetzer spielt das eine wichtige Rolle.

Ich leite jetzt zu den negativen Punkten über, denn vielleicht fragst du dich: Lohnt sich die Basisbibel für dich? Wie gesagt, wir kommen gleich zum Negativen. Aber es kommt darauf an, was du möchtest und welchen Zweck du verfolgst. Wofür willst du die Bibel einsetzen? Möchtest du sie für das wissenschaftliche Studium nutzen oder für den Gemeindekontext?

Außerdem kommt es auf deine Bibelerfahrung an. Es gibt nicht die perfekte Übersetzung, weil es einfach unterschiedliche Bibellesetypen gibt. Zum Beispiel die Elberfelder. Julius hier aus der Community sagt, dass ihm die Elberfelder total bei der Vorbereitung seiner Andachten und für seinen Hauskreis hilft. Er empfindet das als großen Gewinn.

Lara aus der Community erzählt dagegen, dass sie die Elberfelder stellenweise sogar von Gott weggebracht hat, weil sie teilweise den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr gesehen hat. Es kommt also wirklich auf die Situation an.

Um dir dabei zu helfen, habe ich dir hier den Übersetzungsguide zusammengestellt. Dort findest du die Vor- und Nachteile der gängigen deutschen Bibelübersetzungen einfach und kompakt zusammengefasst. So kannst du selbst sehen, was für ein Bibellesetyp du bist, was dir in deiner jetzigen Phase am meisten weiterhilft und was ehrlich gesagt am besten zu dir passt.

Dazu findest du noch ein paar warme Empfehlungen von mir für sehr gute Kinderbibeln. Es hat mir große Freude gemacht, diese Übersicht für dich zu erstellen. Du kannst sie einfach gratis über den Link in der Videobeschreibung herunterladen und dich dann dort durchklicken.

Drei Hauptkritikpunkte an der Basisbibel

Wir kommen nun zu den Punkten, die ausbaufähig sind, und zu meinen drei größten Fragezeichen bei der Basisbibel.

Erstens: Die Basisbibel umfasst in dieser Ausgabe, je nach Ausgabe, knapp zweitausend Seiten, ungefähr 1.160 Seiten. Das ist eine Menge, und das Papier ist sehr dünn. Das bedeutet, dass jede Notiz, die man hineinschreibt – anfangs habe ich teilweise mit Bleistift etwas vermerkt, später mit Kugelschreiber – sofort auf die Seiten darunter durchdrückt. Das erschwert das Lesen. Außerdem knittern die Seiten dadurch sehr schnell, was ebenfalls auffällt.

Zweitens gibt es sprachliche Brüche. In der Einleitung der Basisbibel wird der Leser geduzt, man findet Formulierungen wie „fiese Königin“ oder „vom Tellerwäscher zum Millionär“, wenn es um die Erzählung von Joseph geht. Überschriften wie „be happy“ sind ebenfalls zu finden. Das mag Geschmackssache sein und kann man mögen oder nicht.

Demgegenüber stehen aber teilweise sehr altertümliche deutsche Formulierungen in der Übersetzung selbst. Diese Begriffe sind an sich in Ordnung, passen aber nicht zum jugendlichen Stil der Einleitung mit „Du“, „fiese Königin“, „Tellerwäscher“, „Millionär“ und „be happy“. Zum Beispiel wird häufig das Wort „preisen“ verwendet. Vielleicht denkt man, das sei ein ganz normales Wort, das jeder kennt. Ich bin damals als Atheist aufgewachsen und kannte das Wort „preisen“ nicht. Als ich zum ersten Mal einen Gottesdienst besuchte und das Wort hörte, wusste ich wochenlang nicht, was damit gemeint ist. Ich dachte immer, „preisen“ bedeute, einen Preis auf etwas zu kleben oder den Wert in Euro auszudrücken, also wie kostbar Gott sei. Ich wunderte mich, wann denn endlich der „Preis“ genannt wird, wenn man „preist“. Ich kannte nur das „Auspreisen“ im Supermarkt. Erst viel später wurde mir erklärt, was „preisen“ wirklich bedeutet.

Darüber hinaus gibt es viele überalterte Vokabeln, die man im Deutschen zwar noch findet, die aber eher in einem Feuilletonartikel der FAZ zu erwarten wären – nicht in einer Ausgabe, die auch für Digital Natives gedacht ist, also für Menschen, die in den 1990er-Jahren oder später geboren wurden und deren Einleitung mit „Du“ beginnt.

Das führt zu einer starken Uneinheitlichkeit, die das Lesen erschwert. Es ist irritierend, wenn man beim Bibelstudium manchmal Anmerkungen liest, die klingen, als wären sie von einem 25- oder 30-Jährigen geschrieben, was ja völlig in Ordnung ist. Dann gibt es aber auch Passagen, die wirken, als seien sie eins zu eins aus einem Lexikon abgeschrieben. Das ist seltsam.

Noch einmal: Das ist an sich nicht falsch. Die Aufgabe im Redaktionsprozess wäre es jedoch, den Stil sprachlich zu glätten und einheitlich zu gestalten. Das ist hier aus meiner Sicht nicht gelungen. Und das beeinträchtigt das Leseerlebnis erheblich.

Der dritte Punkt, der mir am meisten Sorge bereitet, betrifft die theologische Ausrichtung. Man gewinnt an manchen Stellen stark den Eindruck, dass die Einleitung von einem komplett anderen Team verantwortet wurde als die eigentliche Übersetzung. Das verstärkt sich noch.

In der Einleitung heißt es zum Beispiel: „Jedes Buch in der Bibel, also jedes der biblischen Bücher, erzählt eine Geschichte oder enthält eine Sammlung von Gebeten, Sprüchen oder Worten, die Gott mitgeteilt hat.“ Das klingt zunächst gut, da würden die meisten Christen zustimmen.

Zwischendurch wird in den Anmerkungen und anderen Stellen jedoch nahegelegt, dass die Bibel aus subjektiven Erfahrungen von Menschen besteht, die sie niedergeschrieben haben. Das ist ein himmelweiter Unterschied. Die meisten Christen glauben, dass die Bibel in irgendeiner Form Gottes Wort an uns ist. Die liberale Theologie hingegen vertritt die Auffassung, dass die Bibel unser Wort unter Menschen über Gott ist.

Welches dieser beiden Verständnisse gilt nun? Ein paar Beispiele für liberale Einschläge in der Basisbibel:

Am Anfang stehen zehn Themen zum Nachdenken. Natürlich kann man es nicht allen recht machen. Wenn diese zehn Themen aber Sorgen oder Versöhnung im Streit betreffen, ist das schön. Wenn aber kein einziges Wort über Verkündigung, das Evangelium, die Rettung oder das Hineinkommen in den Himmel verloren wird, ist das problematisch.

Ein weiteres Beispiel: Auf Seite 11 der Einleitung, in der Kurzzusammenfassung des Römerbriefes, heißt es: „Paulus fasst die für ihn wichtigsten Themen des Glaubens in einem Brief zusammen.“ Das klingt harmlos, aber wenn es nur um „für ihn“ geht, also nur um Paulus’ persönliche Sichtweise, stellt sich die Frage: Sind die Paulusbriefe dann nichts weiter als optionale Kolumnen? Ist Jesus nur jemand, der unverbindliche Meinungsvorschläge macht? Das „für ihn“ erweckt den Eindruck, dass liberale Einflüsse in die Basisbibel eingeflossen sind.

Ein weiteres Beispiel: In der Kurzzusammenfassung des Buches der Offenbarung heißt es am Ende: „Das soll trösten.“ Das ist schwierig. Wir beginnen bald eine Videoreihe über die Offenbarung. Kurz gesagt: In der Offenbarung ist die Rede davon, dass die Hälfte der Menschheit stirbt. Am Ende gibt es ein schreckliches Gericht, bei dem das Universum „unerschaffen“ wird – also nicht erschaffen, sondern zerstört. Millionen Menschen werden ohne Ausweg in einen brennenden See geworfen. Das soll trösten? Diese Charakterisierung finde ich problematisch.

Auch die Grenze zwischen Kommentar eines Auslegers und dem, was in einer Bibelausgabe stehen sollte, wird meiner Meinung nach empfindlich verletzt. Ein Beispiel ist Sprüche 22. Im hebräischen Text findet man dort eine Sammlung von Mahnworten und Ratschlägen. Bibelwissenschaftler und Archäologen haben Parallelen zu Texten aus dem alten Ägypten festgestellt. Das ist eine Feststellung.

In einem wissenschaftlichen Kommentar oder in einer Predigt ist das kein Problem. Problematisch wird es, wenn in der Bibelübersetzung selbst steht: „Weisheit aus Ägypten“ – also nicht nur Parallelen, sondern die Behauptung, dass diese Weisheiten tatsächlich aus Ägypten stammen. Das ist aus meiner Sicht problematisch.

Ein weiteres Beispiel findet sich in einer Anmerkung zu einer Stelle im Propheten Jesaja, wo der Begriff „Gerechte“ erklärt wird. Dort heißt es: „Gerechte sind Menschen, die Gottes Gebote befolgen, sodass das Leben in Gemeinschaft miteinander gelingt.“ Das ist nicht die biblische Definition von Gerechtigkeit und auch nicht das, was im Alten Testament gemeint ist.

Denn wenn es nur darum geht, dass das Leben miteinander gelingt, betrachtet man nur die horizontale Ebene zwischen Menschen. Die vertikale Ebene zwischen Mensch und Gott bleibt unberücksichtigt. Das Problem ist, dass hier unausgesprochen angenommen wird, Moral sei etwas, das sich zwischen Menschen regelt, aber nicht zwischen Gott und Mensch.

Das ist ein Problem, denn dann könnte man denken, es sei ausreichend, sich anderen Menschen gegenüber gut zu verhalten. Das ist aber nicht so. Die ersten fünf Gebote der Zehn Gebote regeln das Verhältnis der Menschen zu Gott. Diese vertikale Dimension der Sünde ist entscheidend. Es gibt viele Sünden und Ungerechtigkeiten, die mit anderen Menschen nichts zu tun haben.

Ein weiterer Punkt, der mir Sorge bereitet, ist der Geist, der hinter manchen Anmerkungen steckt. Ein Beispiel ist die Anmerkung zu Daniel Kapitel 11. Dort schreiben die Herausgeber zunächst: „Die den Versen 40 bis 45 geschilderten Ereignisse lassen sich keinen historischen Begebenheiten zuordnen.“ Das soll wohl heißen, dass sie an die Grenzen des bisherigen Wissens stoßen. Das ist in Ordnung.

Seltsam ist jedoch, was daneben in derselben Anmerkung steht. Im Bibeltext heißt es an der Stelle: „Zur Zeit des Endes, also in der Endzeit, wird der König des Südens gegen den König des Nordens vorstoßen.“ Die Heilige Schrift spricht hier eindeutig von Endzeitprophezeiungen.

Doch in der Anmerkung wird behauptet: „Das meint Antiochos IV. von Syrien, 175 v. Chr.“ Dabei gibt es drei gravierende Probleme:

A) Die Herausgeber sagen zuerst, sie wüssten nicht, worauf sich die Stelle bezieht. Im Satz daneben behaupten sie, genau zu wissen, auf welche Person und welches Jahr sich der Text bezieht. Das ist ein direkter Selbstwiderspruch.

B) Die Heilige Schrift selbst sagt, dass es um die Endzeit geht. Das bestätigt auch Jesus Christus in seiner Rede auf dem Ölberg im Jahr 30 n. Chr. Er spricht dort detailliert über die Endzeit. Das bedeutet, Jesus bestätigt die Prophezeiungen im Buch Daniel. Das steht glasklar im Text.

C) In der Anmerkung heißt es weiter, die Prophezeiungen geben einen Einblick, wie man sich zur Zeit Antiochos’ IV. die erwartete Zeit des Endes vorstellte. Das klingt harmlos, ist aber gravierend.

Denn damit wird impliziert, dass das Buch Daniel kein prophetisches Buch über die Endzeit ist, sondern ein Tagebucheintrag von Menschen, die Ereignisse nachträglich aufgeschrieben haben. Es ist keine Wettervorhersage, sondern eine Wetteraufzeichnung.

Es wird behauptet, dass die Prophezeiungen nicht von Gott gegeben sind, sondern nur menschliche Aufzeichnungen. Das widerspricht dem Wortlaut des Textes und der Aussage Jesu Christus. Die Bibel verliert dadurch ihre Autorität und ihren herausgehobenen Stellenwert.

Diese Behauptung wird ohne Begründung einfach als Tatsache hingestellt. Das ist aus meiner Sicht liberale Theologie, wie sie leibt und lebt.

Ein letztes Beispiel in die gleiche Richtung: In einer Anmerkung zum zweiten Kapitel des Titusbriefes wird der Begriff „Gottes Wort“ erklärt. Dort heißt es, Gottes Wort sei „Gottes Versprechen, die Menschen so anzunehmen, wie sie sind, und nicht zu verurteilen, obwohl sie seine Gebote übertreten.“

Das verstehe ich nicht. Jesus sagt dazu, dass das Wort, das er gesprochen hat, diese Menschen am Jüngsten Tag richten und verurteilen wird. Wenn Jesus wiederkommt, wird er das Böse durch ein Wort seines Mundes vernichten. Im Hebräerbrief heißt es, das Wort Gottes sei lebendig, kraftvoll und schärfer als jedes zweischneidige Schwert. Es dringt bis zur Scheidung von Seele und Geist, Mark und Bein, und ist Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.

Das ist mehr, als in der Anmerkung steht. Wenn du mich fragst, ist das etwas ganz anderes als dort beschrieben.

Deshalb sollte man wachsam bleiben, sobald jemand versucht, das Wort Gottes zu zähmen oder zu domestizieren. Dafür ist das Wort Gottes nicht gedacht.