Serie•Teil 41 / 49Epheser Reihe
Generierte Mitschrift
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Einordnung der aktuellen Entwicklung
Liebe Gemeinde, in unserem Land arbeitet man zurzeit an einer Revolution. Es ist keine Revolution, die über Nacht oder innerhalb weniger Wochen über uns kommt, sondern diese Revolution vollzieht sich in vielen kleinen Schritten nach dem Prinzip der Salamitaktik. Diese Revolution zielt auf unsere Kinder. Sie sollen immer früher und immer länger aus dem Schutzraum der Familie herausgelöst werden.
Wenn wir heute unsere Predigtreihe über den Epheserbrief fortsetzen, in der der Apostel Paulus über das Zusammenleben in der Familie redet, muss ich noch ein weiteres Mal einen kleinen Exkurs einschalten. Für die nächste Zeit kann ich Ihnen sagen: Es wird ein letztes Mal sein. Ich muss noch einmal auf die aktuelle Entwicklung eingehen, einfach weil an dieser Stelle momentan so unendlich viel passiert, dass wir als Christen sehr genau hinschauen müssen, damit wir uns nicht wundern, wenn wir vor vollendeten Tatsachen stehen.
Es geht immer mehr darum, die Bindung der Kinder an die Eltern so früh wie möglich durch ausserfamiliäre Betreuung und durch staatliche Einrichtungen zu ergänzen. Was die frühere DDR mit den Kinderkrippen praktizierte – Sie hören das immer wieder in Interviews angespielt – gilt inzwischen als Vorbild weiter Teile der bundesdeutschen Familienpolitik.
Dazu einige Zahlen: Um 1970 waren 80 Prozent der Kleinkinder in der DDR, meist schon einige Monate nach der Geburt, in Krippen untergebracht. Es ist nur wenigen bekannt, dass sogar die DDR-Regierung sich etwa um 1976 herum gezwungen sah, diese Krippenerziehung zu reduzieren, weil man immer wieder auf die Kritik an seelischen Schäden von Krippenkindern stiess. Man sagte, Ess-, Schlaf- und Verhaltensstörungen liessen es nicht zu, dass wir dieses Krippensystem so ungebremst weiter praktizieren. Sogar das SED-Regime hat Mitte der Siebzigerjahre versucht, einige Einschränkungen dieses Krippensystems vorzunehmen, obwohl es im Prinzip natürlich weiter existiert hat.
Solcherlei Zweifel, wie sie sogar das DDR-Regime hatte, scheinen den meisten heute handelnden Politikern unbekannt. Wir sehen diese Entwicklung sehr konkret an einigen Stichworten.
Erstes Stichwort: Betreuungsangebote. Bis 2010, so die Pläne der Regierung, soll das Betreuungsangebot für die Unterdreijährigen in den alten Bundesländern von heute 5 auf dann 20 Prozent der Kinder ausgebaut werden. In den neuen Bundesländern steht schon jetzt für 37 Prozent ein Krippenplatz zur Verfügung. Das ist eben noch das Erbe aus DDR-Zeiten.
Zweites Stichwort: Erziehungsurlaub, der ja vorwiegend von Müttern genommen wird. Dann kommen noch diese ominösen verordneten zwei Monate für die Väter möglicherweise dazu oder auch nicht. Dieser Erziehungsurlaub wurde von zwei Jahren auf ein Jahr verkürzt. Die Folge ist ganz klar: Die Frauen kehren schneller in den Beruf zurück und geben früher die Kinder ab.
Drittes Stichwort: In der Bildungsdiskussion werden immer deutlicher die Ganztagsschulen als die Schule der Zukunft propagiert. Die Kinder den ganzen Tag weg von zu Hause. Auch dazu gibt es eine hochinteressante Studie der Bundesregierung, in der es heisst: Als Begründung – also ein wissenschaftlicher Beirat des Familienministeriums hat das wieder zu Papier gebracht – Kinder brauchen auch andere Kinder. Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass sie gemeinsam mit Geschwistern und Gleichaltrigen aufwachsen. Für diese wichtigen sozialen Erfahrungen müssen heute andere Gelegenheiten geschaffen werden.
Und die Antwort darauf ist, dass Kinder eben mehr noch mit anderen Kindern zusammen sein sollen, die sie zu Hause nicht mehr haben, dass sie länger in der Schule bleiben sollen. Dieser Beirat ist sich durchaus bewusst, dass durch die Ganztagsschule die Familie in ihrer Autonomie prinzipiell eingeengt ist. Das sieht man in dieser Studie. Das nimmt man aber ganz bewusst nicht nur in Kauf, sondern baut es in das Projekt ein. Man sagt: Eltern haben weniger Zeit zur Verfügung, um ihre eigenen Bildungsprogramme für die Kinder zu realisieren. Und man macht die Regierung darauf aufmerksam, dass eine Erweiterung der Schulbesuchszeit das Elternrecht berührt und deshalb einer gesetzlichen Regelung bedarf, damit es nicht später zu übermässig vielen Prozessen kommt.
Man sagt also nicht: Familienministerium, pass auf, du greifst hier in die Elternrechte ein, das darfst du nicht. Sondern man sagt: Du greifst in die Elternrechte ein, das musst du aber gesetzlich vorab absichern, damit du nicht zu viele Klagen von Eltern bekommst und in einem Prozess nach dem anderen verwickelt wirst. Deshalb ändere das Gesetz. Folglich muss dieses Gesetz ein Gesetz sein, das die Elternrechte weiter einschränkt. So empfiehlt es der wissenschaftliche Beirat des Bundesfamilienministeriums: Ganztagsschulen.
Nächstes Stichwort: Kindergartenpflicht. Das wird zurzeit heiss diskutiert. Es wird gerechtfertigt im Hinblick auf die Integrationsprobleme mit den Kindern von Muslimen, aber das ist ja ein Aspekt, der für viele deutsche Kinder überhaupt keine Rolle spielt. Trotzdem wird erwogen, Kindergärten zur Pflicht zu machen und die Kinder so noch früher staatlich verordnet für bestimmte Phasen aus dem Elternhaus herauszulösen.
Fünftes Stichwort ist die finanzielle Benachteiligung der Einverdienerhaushalte, also jener Haushalte, wo nur ein Elternteil, in der Regel der Vater, ausserhäusig das Geld verdient. Beispielsweise sind die Kosten für Kinderbetreuung nur dann steuerlich absetzbar, wenn beide Elternteile berufstätig sind. Das ist eine klare Benachteiligung der Familien, in denen es nur einen Verdiener gibt.
Also, wir haben ein ganzes Bündel von Massnahmen, die für sich genommen gar nicht so auffällig sind. Aber wenn man sie in ihrer Gesamtwirkung betrachtet, haben sie eine nachhaltige Veränderung unserer gesamten Familienstruktur zur Folge.
Ein unverdächtiger Zeuge hat das so bestätigt. Vor einiger Zeit hat in der Tageszeitung Die Welt der Berliner Philosoph Professor Norbert Bolz Folgendes geschrieben. Zitat: Zumindest in der Familienpolitik scheint es nur noch sozialdemokratische Parteien zu geben. Welcher Politiker würde es heute wagen, Skepsis gegenüber der Berufstätigkeit der Frau zu äussern? Alle Parteien sind sich einig, dass man der Wirtschaft die Arbeitskraft der Frauen nicht vorenthalten darf, deshalb muss man ihnen die wenigen Kinder, die sie noch haben, so schnell wie möglich vom Halse schaffen.
Und dann sagt er: Kinderkrippen und Ganztagsschulen sind wichtig, wenn Frauen nicht anders über die Runden kommen. Aber es geht ja hier nicht darum, dass man notleidenden Familien hilft, sondern dass man die Verstaatlichung der Kinder als Glückszwangsangebot durchsetzt. Die Verstaatlichung der Kinder wird als Glückszwangsangebot durchgesetzt, eine zwangsmässige Beglückung der Familien durch die zunehmende Verstaatlichung der Kinder. So sieht es Professor Bolz, und ich denke, man wird ihm dort kaum widersprechen können.
Aber was sich da vollzieht, ist eben nicht nur ein Angriff auf die traditionelle Familie. Sondern es ist ein Angriff auf die Familie insgesamt. Unser Grundgesetz, das deutsche Grundgesetz, vertritt hier noch eine ganz andere Position. Der Verfassungsrichter Udo Di Fabio hat das in seinem hervorragenden Buch Die Kultur der Freiheit folgendermassen beschrieben. Da zitiert er zunächst Artikel 6 des Grundgesetzes, Absatz 1, wo es heisst: Die Familie ist eine von der Verfassung gewollte, bejahte Gemeinschaft, sie steht unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung.
So, und dann sagt Di Fabio: Die förmlich geschlossene Ehe zwischen Mann und Frau, die gelebte Gemeinschaft von Mutter und Kind, von Vater und Kind sind ursprünglicher Raum privater Freiheit, der für ungerechtfertigste staatliche Eingriffe verschlossen ist. Zugleich ist die Familie aber mehr, sie ist eine Lebensform, ein sozialer Raum der Nähe. Hier wird Verantwortung gelebt, das Einstehen füreinander geprobt, hierzu fördert wächst die moralische Kompetenz jeder künftigen Generation. Mit einem Wort: Ehe und Familie sind hohe Werte unserer freiheitlichen Ordnung, und sie sind eine unentbehrliche Voraussetzung der Freiheit.
Und nun stellen wir fest, dass politisch unendlich viel dafür getan wird, um die Kinder so schnell wie möglich und so nachhaltig wie möglich aus der elterlichen Alleinverantwortung herauszulösen. Deswegen wundern einen diese fünf Punkte, die wir hier aufgezählt haben: Betreuungsangebote, Erziehungsurlaub, Ganztagsschulen, Kindergartenpflicht, Benachteiligung der Einverdienerhaushalte. Es kommt noch ein sechstes dazu, und das passt genau in dieses Mosaik hinein, und das ist die zunehmende Bekämpfung des Homeschooling, also jener Form von Unterrichtung, die in anderen europäischen Ländern seitens des Staates sehr viel grosszügiger gehandhabt wird.
In Deutschland werden zunehmend Eltern, die ihre Kinder zu Hause unterrichten wollen, selbst wenn sie die pädagogische Kompetenz dafür haben, entsprechend vom Staat belangt und verfolgt. Man versucht, um jeden Preis zu verhindern, dass dieses Konzept des Homeschooling sich weiterhin als Möglichkeit durchsetzen kann.
Das ist dramatisch, was sich hier vollzieht, und die Spätfolge solcher Herauslösung der Kinder aus dem Elternhaus ist auch absehbar: Es wird zu einer zunehmenden Beziehungslosigkeit und Haltlosigkeit kommen, weil die Geborgenheit der Familie durch nichts anderes zu ersetzen ist. Das hat auch vor kurzem erst der Psychologe Burkhard Benke gesagt, in einem Aufsatz über die Gesellschaft der Beziehungslosigkeit. Da sagte er: Wir werden immer mehr zu einer Gesellschaft der Beziehungslosigkeit, obwohl eigentlich sogar weite Teile der Psychologie inzwischen kapiert haben, dass es schlecht ist, das Kind zu früh von den Eltern und von der Mutter abzulösen.
Zitat: Die Mutter-Kind-Beziehung verschlechtert sich, je früher und länger ein Kind in der Aussenbetreuung ist. Und daraus folgt dann für das aussenbetreute Kind in der Regel eine schlechtere geistige und sprachliche Entwicklung sowie eine höhere Neigung zu aggressiver Asozialität.
Das ist doch niederschmetternd. Einerseits überlegt man, wie können wir die Bildungschancen unserer Kinder verbessern in der ganzen PISA-Diskussion, und andererseits legt man die Axt an die Wurzel, gerade an jenem Punkt, bei der Mutter-Kind- und dann auch Vater-Kind-Beziehung, wo entscheidende Voraussetzungen überhaupt auch für die kognitive, also die geistige und sprachliche Entwicklung der Kinder geschaffen werden. Unvorstellbar.
Und man fragt sich: Warum wird das in Kauf genommen? Da gibt es sicherlich unterschiedliche Motive. Ich bin sicher, dass viele derer, die hier handeln, sich gar nicht dessen bewusst sind, wohin ihr Handeln die Gesellschaft führt. Ich bin aber ebenso sicher, dass einige sehr wohl wissen, was sie wollen, und Professor Burkhard Benke hat auch einen entsprechenden Verdacht hier in seinem Aufsatz geäussert. Er sagt, möglicherweise steht bei einigen die Absicht dahinter, dass man sich den Typ Mensch erziehen will, der am besten zu den Arbeitsbedingungen in der Globalisierung passt.
Und ein gewissermassen aus seinen Beziehungen herausgelöster Mensch ist viel leichter verfügbar und versetzbar. Das läuft bei uns alles nur unter dem Begriff der Flexibilität. Aber es kann auch bedeuten: Flexibilität, Austauschbarkeit. Und wenn es die Gewinnmaximierung erfordert, kriegen die Einzelnen eben nur Zeitverträge und müssen bereit sein, jederzeit ohne Bindung an Ort und soziales Umfeld versetzt und für kurze Zeit irgendwo anders eingesetzt zu werden.
Ich spitze das bewusst zu, und ich weiss, dass das nur eine Seite des ganzen Sachverhalts trifft. Aber der Verdacht von Benke ist der, dass er sagt: Hier sollen gewissermassen globalisierungskompatible Kinder erzogen werden, die aufgrund ihrer schon vorgegebenen Beziehungslosigkeit umso leichter dann quasi verfügbar sind, um sie da einzuordnen im Globalisierungskonzept, wo man sie braucht und für die Zeit, in der man sie braucht.
Die Entwurzelung und Verstaatlichung der Kinder, die sich vor unseren Augen vollzieht, rührt an die Fundamente der Freiheit. Das ist das Problem, und sie trifft auf so wenig Widerstand. Warum? Wahrscheinlich, weil so viele Familien in unserem Land nicht gesund sind, weil schon so viele Familien in unserem Land keine Orte der Geborgenheit bieten. Darum erlebt man es in der Diskussion immer wieder, dass Mütter und Väter dem Staat noch geradezu dankbar sind, wenn er ihnen die Verantwortung für die Kinder weitgehend abnimmt. Das ist doch wunderbar: Nicht mehr um die Erziehung der eigenen Kinder muss man sich kümmern im Versorgungsstaat.
Und so präsentieren viele Eltern die Möglichkeiten zur Prägung ihrer Kinder dem Staat wie auf dem goldenen Tablett. Vor diesem Hintergrund ertönt unser Epheserbrief wie eine laute Fanfare. Gegen die Resignation in den Familien und gegen die Unterwanderung der Familien durch den Staat setzt die Heilige Schrift den Plan des Schöpfers. Und es ist, als würde Paulus uns zurufen: Lasst euch die Familien nicht kaputt machen! Lasst euch in eure Familien nicht bevormundend hineinreden, durch welches System auch immer, sondern nehmt eure Verantwortung wahr als Väter und als Mütter und liefert eure Kinder nicht anderen Einflusssphären und Ideologien aus.
Wir hatten gesehen in den letzten Wochen in Kapitel 5, dass Paulus zunächst die Basis einer gesunden Familie dargestellt hatte: die Ehe zwischen Mann und Frau, die Ehe, in der jeder der beiden seine unverwechselbare Aufgabe wahrnimmt. Wir hatten in unserer Untersuchung von Epheser 5 gesehen, dass Paulus dem Mann die Führungsverantwortung zuordnet, aufgrund der Schöpfungsordnung, nicht aufgrund irgendeiner zeitbedingten Regelung. Der Mann hat die Aufgabe der liebevollen Führung, bei der er notfalls auch bereit sein muss, sein eigenes Leben zu opfern und hinzugeben für das Leben seiner Frau und seiner Familie.
Und wir haben gesehen, dass die Frau die Aufgabe hat, den Mann dabei zu unterstützen, sich freiwillig ihrem liebenden Mann unterzuordnen und ihren speziellen Beitrag für das Wohlergehen der Familie zu leisten, der sich vor allem auf den Innendienst bezieht. Und in dieser Kombination sind beide dann am besten ausgerüstet, um gemeinschaftlich die Erziehung der Kinder wahrzunehmen. Das hatte Paulus in Kapitel 5 gezeigt, und wir hatten es ausführlich untersucht. Sie können das in den Predigten nachhören, die wir auf unserer Homepage bibeltage.de zum Download zur Verfügung gestellt haben.
Und jetzt geht er einen Schritt weiter in Kapitel 6. Jetzt zeigt Paulus, wie auf dieser Basis das Zusammenleben von Eltern und Kindern gelingen kann, auf der Basis der Ehe das Zusammenleben von Eltern und Kindern. Auch das will ich noch einmal sagen und wiederholen: Gott sieht jede Situation, und Gott weiss auch, wo ein Mensch durch seine Lebensführung dazu gekommen ist, dass er als alleinerziehende Mutter oder alleinerziehender Vater mit dieser Situation fertig werden muss. Und auch da hat Gott hundert Wege, um den, der ihm vertraut, durchzutragen und ihm einen guten Weg zu weisen, einen Weg, bei dem auch die Kinder keinen Schaden aus dieser Situation nehmen.
Aber hier in Epheser 6 zeigt Paulus uns das Grundmodell, so wie Gott es eigentlich gedacht hat. Und so wollen wir diese vier Verse jetzt miteinander lesen:
Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern, denn das ist recht! Ehre, Vater und Mutter, das ist das erste Gebot, das eine Verheissung hat, auf dass es dir wohl ergehe und du lange lebst auf Erden. Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern erzieht sie in der Zucht und Ermahnung des Herrn.
Wenn man diesen Text mit einem Motto überschreiben will, könnte man sagen: Familienglück ist kein Zufall. Familienglück ist kein Zufall, Gottes Modell für die Familie.
Viele halten das, was hier steht, für naiv. Sie sagen, das ist wie ein Gruss aus ferner, ferner Zeit. Und in der Tat: Wenn wir in unser Land hineinsehen, begegnet uns natürlich an vielen Stellen eine ganz andere Wirklichkeit. So hat ein Nachrichtenmagazin vor einiger Zeit geschrieben. Zitat: Die alten Strukturen zerbröckeln, der Anteil der alleinerziehenden Väter und Mütter wächst, in Grossstädten hat jedes zweite Kind geschiedene oder getrennt lebende Eltern, immer häufiger arbeiten beide Elternteile, in vielen Familien lernen Heranwachsende kaum noch die elementarsten Werte, die Eltern meiden die Auseinandersetzung mit ihren Kindern, fehlende Grenzen und masslose Toleranz werden zu Erziehungsfallen, Fernsehen, Video und Computer liefern die neuen Vorbilder.
Und was ist die Folge dieser Entwicklung? Jeder geht seine eigenen Wege. Jeder versucht auf seinen eigenen Wegen so viel Spass wie möglich zu finden. Es ist so wenig geblieben, was Eltern und Kinder zusammenbinden kann. Viele Familien sind über die Jahre hinweg zu einem dürren, kalten Land geworden, aus dem Eltern und Kinder gleichermassen fliehen. Und die Kinder flüchten dann auf die Strasse, in die Clique, in die Sporthalle, in die Disco oder sonst wohin. Und die Eltern flüchten oft in ihre Hobbys oder einfach nur vor den Fernseher oder in den Schräbergarten.
Wir fragen: Wie konnte es so weit kommen? Wie konnte das passieren? Wenn wir nach Gründen suchen, werden wir unter anderem sicherlich zwei Gründe finden.
Ein Grund liegt wirklich sehr weit zurück in den Anfängen der Menschheit. Als Adam und Eva, als die ersten Menschen Gott misstrauten – wir haben darüber auch gestern in einem Vortrag gehört –, als sie Gottes Gebot verwarfen, als sie die Gemeinschaft mit Gott zerstörten, da bauten sie einen Sprengsatz in die Familie ein. Und die Folgen sind bis heute greifbar. Seit dem Sündenfall neigen Männer dazu, hochmütige Showmanieren ihren Frauen gegenüber zu zeigen. Seit dem Sündenfall tendieren Frauen dazu, dass sie ihren Männern den Platz als Haupt der Familie streitig machen und versuchen, über ihre Männer zu herrschen. Seit dem Sündenfall haben es Kinder im Blut, den Willen der Eltern zu missachten, und seit dem Sündenfall sind Eltern oft lieblos und gedankenlos gegenüber ihren Kindern. Seit dem Sündenfall ist ein Sprengsatz in unsere Familien eingebaut.
Und dann ein weiterer Grund für das Chaos in den Familien: Er hat sich in Deutschland vor allem seit dem Ende der sechziger Jahre ausgebreitet. Da ging das Stichwort von der antiautoritären Erziehung um, das hat Generationen von Eltern total verunsichert. Die antiautoritäre Erziehung, die sich aus dem Neomarxismus heraus formulierte, hat die Grundpfeiler der Familie angesägt, die Autorität der Eltern, die Gebote und Massstäbe Gottes, und sie hat stattdessen das sogenannte Selbstbestimmungsrecht der Kinder auf ihre Fahnen geschrieben, das übrigens massiv von der UNO gefördert wird, das Selbstbestimmungsrecht der Kinder auch gegenüber den Eltern.
Und mit dieser neomarxistischen Zerstörung der Autorität wurde ein weiterer Sprengsatz in die Familie gelegt, und überall, wo der zur Zündung kam, hatte die Familie in ihre Einzelteile zerlegt. Das ist das Denkmodell, das unserer Gesellschaft tief in den Knochen steckt. Das ist das Denkmodell, das auch an den Schulen und Ausbildungsstätten, wo Pädagogen und Erzieher heranwachsen, bei vielen immer noch sehr viel Nahrung findet, obwohl es da an manchen Stellen schon eine gewisse Trendwende gibt, die man beobachten kann.
Und trotzdem wird immer wieder die elterliche Autorität in Frage gestellt. Die Massstäbe Gottes werden lächerlich gemacht, und stattdessen werden die Kinder in ihrer Selbstbestimmung bestärkt. Und wer sie zu eng an die Bibel heranführt, gerät in den Verdacht, ihre Freiheit einschränken und sie manipulieren zu wollen. Und wir bekommen die Rechnung dafür präsentiert: Viele Familien sind kaputt, ausgebrannt und zerbrochen.
Aber nun sagt uns die Bibel: Es gibt einen Ausweg. Gott weiss Heilung für bedrohte Familien. Gott hat neues Leben für Familien, in denen es kalt geworden ist. Es gibt so etwas wie ein Familienmodell Gottes. Gott sagt uns sehr klar und eindeutig, wie er sich die Beziehungen zwischen Kindern und Eltern gedacht hat. Und darum sagen wir: Familienglück ist kein Zufall.
Das heisst nicht, ich will das ganz deutlich machen, dass Christen ein Patentrezept in der Tasche hätten, nach dem Motto: Erstens, zweitens, drittens, dann kann mit deinen Kindern nichts passieren. Das sagt die Bibel nicht. Und es gibt auch für Christen manche biografisch schwierige Situation, wo sie Gott einfach nur um Geduld bitten können, dass sie das aushalten und dass Gott ihnen Weisheit gibt und dass manches auch noch nachträglich verändern kann, was in einer früheren Phase anders gelaufen ist. Also kein Patentrezept, aber als Christen haben wir einen klaren Fahrplan, ein Modell, das sich bei vielen Familien bewährt hat.
Und das Erstaunliche: Sie haben es gesehen, Gott braucht für dieses Modell ganze vier Verse. Das ist interessant. Kein langer Familienratgeber, kein Lexikon für jede Einzelfrage. Natürlich sagt die Bibel an anderen Stellen noch viel mehr zum Thema Familie und Erziehung, aber für dieses Basismodell braucht die Bibel ganze vier Verse. Hier im Epheserbrief.
Wir sehen: Das ist ein Modell mit zwei Pfeilern. Den ersten Pfeiler werden wir uns heute noch angucken, und den zweiten dann am kommenden Sonntag.
Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern, denn das ist recht. Ehre Vater und Mutter, das ist das erste Gebot, das eine Verheissung hat, auf dass dir es wohl ergehe und du lange lebst auf Erden. Das ist die erste Säule, da geht es um die Unterordnung der Kinder unter die Eltern. Und dann die zweite Säule in Vers 4: Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, da sind die Mütter eingeschlossen, sondern erzieht sie in der Zucht und der Mahnung des Herrn. Das ist die zweite Säule, da geht es um die Unterordnung der Eltern unter die Massstäbe Gottes.
Wir haben also einmal die Unterordnung der Kinder unter die Eltern, Verse 1 bis 3, und wir haben dann zum zweiten in Vers 4 die Unterordnung der Eltern unter die Massstäbe Gottes.
Sehen wir uns das erste noch an: die Unterordnung der Kinder unter die Eltern. Kinder sollen sich unterordnen. Für Kinder steht hier im Griechischen ein Wort, das meint nicht nur die ganz kleinen Kinder, sondern das Wort umfasst auch durchaus Jugendliche, die noch im Haus der Eltern leben, unter gewissermassen der Kontrolle der Eltern leben, abhängig von den Eltern leben. Für sie alle gilt das Gebot der Unterordnung.
Und das Wort, das da steht für Unterordnung im Griechischen, das bedeutet wörtlich eigentlich unterhören, also nicht überhören, sondern unterhören, wirklich ganz bewusst konzentriert zuhören, mit der Bereitschaft, positiv auf das Gehörte zu reagieren. Das ist mit diesem Wort gemeint: unterhören, positiv reagierend, zustimmend im Herzen. Ihr Kinder, sagt Gott, hört sehr genau mit breitem Herzen auf eure Eltern und antwortet auf das, was sie euch sagen, mit bereitwilligem Tun. So ist es gemeint.
Und dann führt Paulus einen kleinen, aber sehr wichtigen Zusatz hinzu: Seid gehorsam euren Eltern in dem Herrn. Das heisst, wenn Kinder und Jugendliche ihren Eltern gehorchen, gehorchen sie damit auch Gott, denn Gott will genau das von ihnen, dass die Kinder mit breitem, offenem Herzen auf ihre Eltern hören und positiv auf das reagieren, was sie ihnen sagen. Das ist Gottes Wille.
Und nach der Bibel sind die Eltern die Bevollmächtigten Gottes. Die Kinder sind uns als Leihgabe anvertraut. Sie gehören uns nicht wie ein Besitz. Sie sind uns als Leihgabe von Gott anvertraut für eine gewisse Zeit. Und dafür sind wir Gott verantwortlich, wie wir mit dieser Leihgabe umgehen, wie wir unseren Auftrag als Bevollmächtigte erfüllen.
Und Kinder haben von Gott auch einen Auftrag. Die Kinder haben den Auftrag, die Eltern als Bevollmächtigte Gottes anzuerkennen und sich ihnen unterzuordnen und ihnen gehorsam zu sein.
Und dann geht Paulus noch einen Schritt weiter, und er sagt: Diese Unterordnung, dieser Gehorsam, das ist nicht nur eine äusserliche Sache nach dem Motto: Ja gut, ich mache es, wenn er hinguckt. Und ansonsten mache ich dann doch mein eigenes Ding. Ich mache das taktisch so geschickt, dass ich keine allzu grossen Nachteile habe und dass mein Ungehorsam nicht allzu sehr auffällt. So ist das nicht gemeint, sondern es geht hier um eine Herzensangelegenheit, auch bei den Kindern.
Darum zitiert Paulus dann das Gebot aus dem Dekalog: Ehre Vater und Mutter. Das heisst, der Gehorsam der Kinder soll geprägt sein von der Grundhaltung, dass sie ihre Eltern ehren und achten. Also, dass sie nicht gehorchen so widerwillig mit der Faust in der Tasche, ich muss es ja tun, weil ich noch mein Geld hier kriege, sondern dass sie es wirklich tun, weil sie wissen: Die Eltern sind mir von Gott gegeben, als diejenigen, die mich gewissermassen heranführen für eine bestimmte Zeit an das Leben, die mich begleiten, die im Grunde alles für mich tun und alles für mich geben. Und deshalb ist es recht vor Gott, ihnen mit Respekt, mit Achtung, mit Wärme zu begegnen und ihnen zu gehorchen, auch wenn es manchmal schwerfällt.
Also Unterordnung ist nicht nur ein äusseres Tun, sondern Unterordnung ist auch eine innere Haltung. Und die Bibel sagt: Wer das tut, der tut es nicht umsonst. Dieses Gebot, in dem es um die Unterordnung der Kinder geht, hat eine besondere Verheissung, und die zitiert Paulus hier auch noch. Er sagt, als ob er den Kindern sagen wollte: Seht her, ihr Kinder, es lohnt sich. Dass du lange lebst auf Erden, das ist das erste Gebot, das eine Verheissung hat, das Gott mit einem besonderen Versprechen noch gewissermassen garniert. Wenn du das tust, dann liegt darauf ein besonderer Segen Gottes, du Kind.
Und ich denke, Gott sagt es auch deshalb, weil er den Kindern die Unterordnung unter die Eltern leichter machen will. Er möchte ihnen diese Unterordnung, die sicher immer nicht ganz einfach ist – das weiss jeder, der mal Kind war –, gewissermassen versüssen. Und darum gibt Gott die Verheissung, dass diejenigen Kinder, die seinen Willen tun, das volle Mass des Lebens haben, das volle Mass der Jahre hier auf der Erde bekommen werden, mal ganz abgesehen vom ewigen Leben. Das ist nicht immer die Garantie dafür, so ist es nicht gemeint, dass sie dann steinalt werden, also: Wer seine Eltern ehrt, wird mindestens achtzig. Aber damit ist gemeint, dass sie die Fülle des göttlichen Segens bekommen werden.
So verspricht es Gott den Kindern ganz persönlich, und wir merken wieder, wie sehr gerade Gott den Kindern am Herzen liegt, wie sehr Gott die Kinder liebt, wie sehr Gott die Kinder ernst nimmt und dass Gott eigens für die Kinder dieses spezielle Versprechen an das Gebot hinangebunden und angefügt hat.
Und jetzt fragt man sich: Wie soll das praktisch funktionieren? Dazu gibt es im Buch der Sprüche im Alten Testament einen hochinteressanten Text, Sprüche 7,1-3. Ich lese es ganz kurz vor. Da sagt Gottes Wort: Mein Sohn, meine Tochter, spricht dir ein Vater, behalte meine Rede und verwahre meine Gebote bei dir. Behalte meine Gebote, so wirst du leben, und hüte meine Weisung wie deinen Augapfel. Binde sie an deinen Finger und schreibe sie auf die Tafel deines Herzens.
Das ist ein hochinteressanter Text. Zuerst mal sollen wir ein offenes Ohr haben für das, was die Eltern sagen. Es ist erstaunlich, wie viele Kinder sehr geringschätzig mit dem umgehen, was die Eltern sagen. Wenn die Eltern den Mund aufmachen, sagen sie: Na ja, lass den alten Mann reden. Ja gut, es gibt gewisse Phasen in der Pubertät, da ist das vielleicht relativ normal, aber es soll nicht die Grundhaltung sein. Es gibt Phasen, wo Kinder aufbegehren, auch aufbegehren müssen und sich ein bisschen die Hörner abstossen und wo dann hart diskutiert wird. Aber wichtig ist, was das Grundmodell ist und wo die Grenzen sind und was richtig ist.
Offene Ohren für das, was die Eltern sagen. Es ist erstaunlich, wie viele Eltern es sich bieten lassen, dass die Kinder einfach frech und geringschätzig ihnen gegenüber auftreten. Das ist nicht recht. Und die Kinder müssen wissen, dass es nicht in Ordnung ist.
Also Unterordnung bedeutet, dass die Kinder Wegweisung bekommen, und in Sprüche 7 heisst das, dass sie das bei sich aufbewahren, wie in einem Schrank, dass nichts verloren geht. Und dann wird weiter gesagt: Verhalte meine Gebote und hüte meine Weisung wie deinen Augapfel. Sie wissen, der Augapfel ist ein sehr empfindliches Organ, ein kleines Sandkorn verursacht schon viele Schmerzen, und nun sollen wir den Augapfel ganz von selbst behüten und schützen. So gründlich und sorgfältig sollen die Kinder bewahren, was ihnen die Eltern sagen und als Weisung mitgeben. Das ist Gottes Auftrag an euch Kinder.
Und dann wird es noch praktischer: Sprüche 7,3 sagt: Binde diese Anordnung deiner Eltern an deinen Finger. Das ist ein Bild, eine Metapher. Das heisst, bevor du etwas tust mit deinen Händen, überlege, ob deine Eltern damit einverstanden wären, ob das richtig ist. Und wenn du sicher bist, dass sie dagegen sind, dann lass die Finger davon.
Und schliesslich heisst es: Schreibe diese Anordnungen und Gebote deiner Eltern auf die Tafel deines Herzens. Wenn du etwas beschliesst oder dich auf irgendwelche neuen, unbekannten Dinge einlässt, prüfe das: Was würden sie sagen, wie würden sie jetzt reagieren in dieser Situation? Verinnerliche die Massstäbe, die deine Eltern dir geben.
Und hier wird wieder deutlich: Die Unterordnung der Kinder ist eine Unterordnung, die aus dem Herzen kommt. Das ist nichts Aufgesetztes, nichts Verkrampftes, das ist auch kein Kadavergehorsam nach dem Motto: Du tust das jetzt und du musst nicht wissen, warum du es tust, du tust das jetzt und Schluss. Sondern die Kinder sollen auch eine innere Überzeugung bekommen.
Und wissen Sie, wenn wir unseren Kindern, das werden wir nächsten Sonntag noch deutlicher sehen, eine innere Überzeugung vermitteln wollen, dann bedeutet das, dass wir viel mit ihnen sprechen müssen und dass wir uns die Zeit nehmen müssen, sie zu überzeugen. Wenn man viel im Gespräch ist miteinander, dann fördert das auch das Vertrauen. Und wenn die Vertrauensbasis da ist, macht das den Kindern die Sache leichter, auch bei den Dingen zu gehorchen, die sie nicht einsehen. Dass sie dann sagen: Okay, ich sehe es nicht ein, aber ich weiss ja, dass du es gut mit mir meinst, und deswegen tue ich es.
Also der Punkt ist der: Sie sollen nicht nur gehorchen, wo sie es einsehen, sondern auch gehorchen, wo sie es nicht einsehen, na klar. Aber je grösser das Vertrauensverhältnis ausgebildet ist, umso leichter fällt es den Kindern, auch das zu tun, was sie auf den ersten Blick nicht einsehen, weil sie wirklich darauf vertrauen: Die Eltern meinen es gut mit mir.
Wenn man sich das jetzt als Eltern überlegt, dann kann man einen ziemlichen Schrecken bekommen, weil deutlich wird, welche grosse Verantwortung wir als Eltern für unsere Kinder haben, dass wir ihnen die richtigen Massstäbe geben. Dass wir ihnen die sinnvollen Gebote geben, nämlich die Gebote Gottes, dass wir unseren Kindern auch zuhören, um sie gut und genau zu verstehen, um auf sie eingehen zu können. Was für eine Verantwortung haben wir, dass wir unsere Kinder nicht mit irgendwelchen überzogenen, falschen Anordnungen quälen, die vielleicht nur aus einer Laune heraus uns mal so eingefallen sind oder weil wir wütend sind und ihnen irgendwas aufbrummen, was eigentlich gar nicht sinnvoll ist, aber es kühlt unser Mütchen.
Es ist so wichtig, dass wir das Vertrauen unserer Kinder nicht missbrauchen, sondern dass wir sie richtig anleiten und ihnen das auch selber vorleben, was wir von ihnen fordern. Das kommt nächsten Sonntag noch drauf.
Natürlich weiss jeder, es kann bei dieser Unterordnung Probleme geben. Nicht nur Kinder sind Sünder, sondern auch Eltern. Auch Eltern machen manchmal ziemlich viele Fehler, können Dinge sehr falsch einschätzen, auch Eltern sind nur Menschen. Es gibt Eltern, die wollen unbedingt, dass ihr Kind studiert, obwohl die Begabung des Kindes viel eher ratsam erscheinen lässt, dass es etwas ganz anderes macht. Oder manchmal drängen die Eltern die Kinder, sie sollen rasch Geld verdienen, obwohl es besser wäre, wenn sie die Möglichkeit hätten, zur Uni zu gehen. Eltern können sich auch täuschen. Deswegen ist es dann wichtig, gute, vertrauensvolle Gespräche zu führen und vor allem Gott darum zu bitten, dass er klar macht, was denn nun die weise Entscheidung ist und wo der richtige Weg langführt.
Aber eins steht fest: Wer als Kind, wer als Jugendlicher an der Unterordnung festhält, auch da, wo es schwerfällt, der wird erleben, dass Gott souverän für ihn sorgt und dass Gott euch einen guten, guten Weg führt. Und ausserdem leistet ihr damit auch noch einen guten Beitrag zum Familienklima. Das ist auch nicht zu unterschätzen.
Und noch etwas bekommt ein Kind und ein Jugendlicher mit durch die Unterordnung, die es in der Familie lernt. Ein ganz grosser Pfund bekommt ihr dadurch mit auf den Weg. Wer von Anfang an lernt, seinen Eltern mit Achtung und Respekt zu begegnen, der wird auch andere Menschen achten können und ihre Würde respektieren. Und umgekehrt gilt das Gleiche. Kurz gesagt: Wer die Eltern schlägt, verprügelt auch den Lehrer. Deswegen leben Lehrer heute so gefährlich.
Also halten wir das fest: Kinder und Jugendliche bekommen von Gott eine grosse Aufgabe zugedacht. Kindern und Jugendlichen wird von Gott eine hohe Verantwortung zugemutet, nämlich dass ihr euch unterordnet unter die Autorität eurer Eltern.
Und daraus ergibt sich noch eine schwierige Frage: Was ist mit den Kindern, wo die Eltern ihre Verantwortung gar nicht wahrnehmen? Was ist mit jenen Kindern, die von den Eltern liegen gelassen werden, die vielleicht sogar misshandelt werden, abgeschoben, die überhaupt keine Führung bekommen, die nach Führung und Leitung dürsten und von den Eltern einfach nichts kommt? Was sollen die machen? Was sollen Kinder machen, deren Eltern nichts von den Massstäben Gottes halten?
Ich habe gehört, wie ein Evangelist erzählte von einem jungen Mann. Er war zum Glauben gekommen und plötzlich lernte er die Gebote Gottes kennen und auch das Gebot Ehre Vater und Mutter. Er kam zu diesem Evangelisten und sagte: Wie soll ich das machen? Wie soll ich meine Eltern ehren? Mein Vater sitzt im Gefängnis, meine Mutter ist eine Trinkerin. Wie soll ich meine Eltern ehren und achten?
Da sagte ihm dieser Mann: Bedenke eines: Jesus Christus ist für dich gestorben und hat deine Sünden vergeben. Jesus Christus ruft auch deine Eltern, dass sie auch ihre Schuld bei ihm loswerden können. Sieh deine Eltern unter dem Kreuz. Bedenke, dass Jesus auch sie zur Vergebung und zur Umkehr ruft, dass er auch sie liebt, und versuche sie zu sehen mit den Augen Jesu. Und wisse: Jesus sieht auch dich, er lässt dich nicht im Stich, er kann deine Eltern heil machen, er kann ihr Leben verändern, und vielleicht bringt ja gerade dein Gehorsam und deine Liebe gegenüber deinen Eltern sie dazu, dass sie am Ende selbst den Weg zu Jesus finden, dass sie anfangen nachzudenken: Was hat unseren Sohn so verändert, welche Kraft kann einen Jungen dazu bringen, so mit seinen schwierigen Eltern umzugehen? Und vielleicht werden sie auf diesem Wege auch selbst den Weg zu Herrn Jesus finden.
Und gehorche ihnen so weit wie möglich. Klar, wenn sie von dir verlangen, etwas zu tun, was gegen Gottes Willen ist, darfst du nicht gehorchen. Aber ansonsten gehorche ihnen so bald, so weit wie möglich.
Bestimmt warten sie jetzt gespannt darauf, was Gott von uns Erwachsenen fordert. Das werden wir in der Fortsetzung dieses Textes nächstes Mal sehen. Aber ich will auf ein Letztes noch hinweisen, was die Kinder angeht. Paulus gibt eine kurze Begründung. Ist Ihnen das aufgefallen? Paulus sagt: Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern, denn das ist recht. Das ist die Begründung: denn das ist recht. Schlusspunkt, keine weitere Erklärung. Dabei belässt es Gott. Gott liefert uns jetzt keine tiefschürfende psychologische Erklärung, warum die Unterordnung der Kinder gut sei, sondern Gott muss sich nicht rechtfertigen. Er ist der Schöpfer, er weiss, was wir brauchen, er setzt seinen Standard. Und er bindet uns an diesen Standard.
Aber weil wir den lebendigen Gott kennen, weil wir wissen, dass er vertrauenswürdig ist, darum wären wir töricht, wenn wir uns diesem Standard Gottes nicht unterordnen würden, wenn wir uns einbilden würden, unseren Eigenwillen und unsere eigenen krummen Ideen gegen das durchsetzen zu wollen, was der lebendige Gott in seiner Liebe und Weisheit für uns vorgesehen hat.
Wenn wir jetzt gleich als Gemeinde miteinander Abendmahl feiern, so wie wir es einmal im Monat tun, dann werden wir auch heute wieder, wie das immer der Fall ist, zuvor die Kinder hereinrufen, und sie werden sich in einem Kreis aufstellen. Wir werden ihnen ein Wort Gottes zusprechen und für sie beten. Und das machen wir nicht, weil es so nett ist oder weil wir auf diese Weise irgendein Gemeinschaftsgefühl erzeugen wollen, sondern weil es unsere Aufgabe ist, als christliche Familien, als Gemeinde Jesu Christi dieses kostbare Gut unserer Kinder und Jugendlichen nach dem Massstab Gottes und mit seiner Liebe sorgsam zu pflegen.
So erinnert uns auch dieser Kreis der Kinder jeweils im Abendmahl als Gemeinde daran, was für unerhört grosse Verantwortung wir für unsere Kinder haben. Und die nehmen wir nicht dadurch am besten wahr, dass wir sie in einer falschen Weise verwöhnen, obwohl man sie sicherlich ab und zu auch mal verwöhnen muss, sondern die nehmen wir dadurch wahr, dass wir nach den Anordnungen Gottes handeln, unter die wir uns selber beugen. Auch als Eltern und als Gemeinde.
So lasst uns verstärkt in der nächsten Zeit auch für unsere Kinder beten, für unsere eigenen und für die Kinder in der Gemeinde. Und lasst uns auch beten für die vielen, vielen Kinder in unserem Land, die überhaupt keine Orientierung bekommen, die verwahrlosen, die hilflos letztlich nach Geborgenheit dürsten und doch immer nur abgeschoben und vertröstet sind. Gott gebe uns allen ein Herz für die Kinder, dass wir für sie beten und dass wir ihnen helfen, wo wir können.
Und vergessen wir nicht die Jugendlichen. Die haben es enorm schwer, gerade in unserer gesellschaftlichen Situation. Die sind so stark beeinflusst von allen möglichen ideologischen Einflüssen, die mit Macht auf sie einströmen, auch vonseiten der Schule zum Teil, in der Werbung, im Umfeld, in der Clique. Und es ist nicht leicht, da eine klare Position zu gewinnen und zu bewahren. Man möchte ja auch nicht immer der Aussenseiter sein, man will ja auch seine Freunde haben, aber man will auch seinen Standpunkt durchziehen. Und das verlangt von unseren Jugendlichen manchmal fast noch mehr als von unseren Kindern ein hohes Mass an Stehvermögen, an Mut.
Und wir werden es ihnen umso leichter machen, diesen Mut zu haben und zu praktizieren, wenn sie wissen, dass wir ihnen einen festen Halt geben, dass sie auf uns immer bauen können, auch wenn etwas schiefläuft, auch wenn etwas total schiefläuft, dass sie wissen: So wie der allmächtige Gott uns in seiner Liebe auffängt und für uns da ist und uns vergibt und uns wieder auf den Weg stellt, dass auch wir in diesem Sinne das tun wollen, weil wir die Bevollmächtigten des allmächtigen Gottes sind für unsere Kinder und Jugendlichen.
Der allmächtige Gott gebe uns dazu Weisheit und ganz viel Geduld! Amen!
Jetzt singen wir das Lied aus dem Kirchengesangbuch.

