Serie•Teil 4 / 37Matthäus-Evangelium
Generierte Mitschrift
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Die Erwartung auf den kommenden König
Ihr wisst, dass wir uns im Moment bei Matthäus befinden und dass wir uns fortlaufend durch dieses Evangelium hindurcharbeiten wollen. Beim letzten Mal haben wir uns Matthäus 3, den Beginn, angeschaut, die Verse 1 bis 12. Wir sind dabei auf einen Mann gestoßen, Johannes den Täufer, der sich selbst als den Herold des kommenden Königs, des Messias, oder griechisch des Christus, bezeichnet.
Wir haben gesehen, wie Menschen zu Hunderten und zu Tausenden an den Jordan gezogen sind, um die Predigt von Johannes zu hören. Wie sie bereit waren, ihr altes Leben hinter sich zu lassen, Buße zu tun, sich taufen zu lassen und wie sie durch den Dienst von Johannes dem Täufer innerlich vorbereitet worden sind auf die Ankunft des Messias. Wie sie sich innerlich haben vorbereiten lassen, den Messias anzunehmen.
Und sie warteten auf die Ankunft eines Mannes, von dem Johannes der Täufer sagt: Der nach mir kommt, ist größer als ich, dessen Sandalen zu tragen ich nicht würdig bin. Er wird euch mit heiligem Geist und mit Feuer, das heißt Gericht, taufen.
Aber die Frage blieb offen: Wann? Und vor allem: Wie würde dieser Messias jetzt auftauchen? Tausende von Leuten, eine Erwartungshaltung. Und wir haben natürlich eine Vorstellung davon, wie dieser Messias sein sollte. Wir hatten Träume davon, was er bewirken sollte.
In der damaligen Zeit war es üblich, mit dem Messias eine Vorstellung zu verbinden von einem gewaltigen Kriegsherren, der kommen würde und am besten mit einer Armee von Engeln in einem riesigen Aufruhr die ganzen Römer ins Meer treiben würde. Das wäre der Messias, den sie hätten haben wollen. Jemand, der Israel innerhalb der bekannten Völkerwelt zu ganz neuem Ruhm führen würde, der vielleicht sogar ein Königreich wieder errichten würde, wie es einmal war unter David und Salomo. Wo Glanz da war, wo die anderen Leute begeistert waren, wo man nach Israel kam, um sich die Schätze und die Weisheit anzuschauen. Und das alles sollte der Messias leisten.
Aber er kam ganz anders. Anstelle eines genialen Strategen, eines unschlagbaren Kriegshelden, trat ein Mann auf voller Demut, vielleicht ein Mann, mit dem man gar nicht gerechnet hat. Wir wollen uns heute Matthäus 3,13-17 anschauen. Da verblüfft er sogar den Mann, der ihn angekündigt hat, Johannes den Täufer. Und wir beginnen mit Matthäus 3,13.
Der unerwartete Auftritt am Jordan
Dann kommt Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen.
Man liest so einen Vers, und ich möchte euch ein wenig in die Dramatik mit hineinnehmen, damit ihr versteht, was hier eigentlich passiert. Wenn jemand einmal auf einem Konzert war, ich meine auf einem Konzert, bei dem verschiedene Gruppen spielen, dann gibt es eine Hauptgruppe. Wegen ihr hat man die Karte gekauft, sie will man hören. Aber man fährt hin, muss sich anstellen, ist natürlich zu früh da, um gute Plätze zu haben. Endlich gehen die Tore auf, man drängelt sich hinein, hat noch irgendwo in der Halle oder auf dem Feld einen Platz bekommen, und langsam, um einen herum, sind Tausende von Leuten. Alle sind nur ein bisschen gespannt: Bah, wie wird es werden? Alle freuen sich, endlich gibt es mal die Gelegenheit, die Gruppe live zu erleben. Und dann gibt es das, was sich die Ersten ansagen: Wenn es endlich vorbei ist, dann kommt die Vorgruppe, und die taugt auch nichts.
Man kommt, und dann geht auf einmal das Licht aus, und du weißt: Jetzt ist es so weit. Alles Warten ging auf einen einzigen Punkt zu, jetzt wird es gleich losgehen.
Und genau das ist die Situation, in der wir uns jetzt befinden. Wir stehen kurz davor, der Messias tritt auf, und die Leute sind gespannt. Jesus betritt die Bühne der Heilsgeschichte. Er verlässt Nazareth, um seine eigentliche Mission zu erfüllen. Alles, was voranging, was wir gelesen haben – Bethlehem, die Geschichte in Ägypten, selbst sein Leben als Jugendlicher in Nazareth –, all das war nur die Einführung, die Vorbereitung des Messias, hier und jetzt. Hier beginnt sein eigentlicher Dienst.
Wir können sagen: Nach einer Ewigkeit, die Gott der Sohn im Himmel verbracht hat, und nach etwas mehr als dreißig Jahren, die er recht unbemerkt auf der Erde verlebt hat, tritt der Messias jetzt ins Licht der Öffentlichkeit. Und nachdem Johannes der Herold ihn angekündigt hatte, steht er jetzt für alle da. Der König ist da.
Warum der König sich taufen lässt
Johannes aber wehrte ihm und sprach: Ich habe nötig, von dir getauft zu werden. Jesus kommt, um sich von Johannes taufen zu lassen, und Johannes sagt: Ich habe nötig, von dir getauft zu werden, und du kommst zu mir?
Wir merken ja: Johannes der Täufer versteht die Welt nicht mehr. Halt, was passiert hier? Du kommst zu mir? In der Geschichte davor waren Pharisäer und Sadduzäer zu ihm gekommen, und er hatte gesagt: Ich will euch nicht taufen, ihr seid nicht würdig, eure Buße ist gar nicht echt. Und jetzt kommt ein Mann, den will er auch nicht taufen, aber nicht, weil er nicht würdig genug wäre, sondern weil er zu würdig ist.
Die Taufe, die Johannes anbot, war die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden, so wird sie in Markus 1,4 genannt. Ja, aber Jesus hatte doch gar keine Sünde. Wir hatten gelesen: Buße, das Bekennen von Sünden, die Taufe. Das waren Elemente, die Menschen auf die Ankunft des Königs vorbereiteten. Tja, jetzt steht der König da. Was hat denn der König damit zu tun?
Ich habe nötig, von dir getauft zu werden und nicht umgekehrt, so formuliert Johannes. Und ich denke, wir können das nachvollziehen. Er sieht den König vor sich stehen und sagt: Halt, alles, was ich getan habe, das passt nicht auf dich. Ich habe die Leute aufgerufen, dass sie sich von ihrem alten Leben wegwenden, dass sie mit ihrem alten Leben nichts mehr zu tun haben, dass sie Buße tun.
Und wie heißt es über den Messias in Psalm 16? Da wird der Lebensweg, die Lebensart, der Lebensstil des Messias beschrieben. Petrus wird das später in der Pfingstpredigt zitieren, und da heißt es in Vers 8, Psalm 16,8, über den Messias: „Ich habe den Herrn stets vor meinen Augen; weil er zu meiner Rechten ist, werde ich nicht wanken.“ Der Messias ist ein Mann, der stets vor den Augen Gottes lebte, der in keinem Moment in seinem Lebensweg auch nur einen Schritt zur Seite ging. Was soll der mit Buße, Umkehr, Abkehr von einem alten Leben zu tun haben? Wie passt auf den eine solche Taufe?
Und Jesus hatte keine Sünden getan. Später, in seiner Zeit, wo er schon eine ganze Weile öffentlich bekannt war, da wird er die Leute, die gegen ihn sind, fragen: Wer von euch überführt mich von einer Sünde? Und keiner seiner Feinde konnte irgendetwas darauf erwidern. Er war ohne Sünde.
Ich möchte wissen, wer das unter uns sagen könnte. Ich könnte mich nicht hinstellen und sagen: Also, wer von euch überführt mich einer Sünde? Meine Frau würde aufstehen und sagen, ich hätte recht, und viele andere würden es gleichfalls tun können. Aber Jesus kann die Leute fragen: Wer überführt mich von einer Sünde? Und alle sind still und sagen: Wir haben eigentlich nichts gegen ihn.
Aber warum dann diese Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden für den Messias? Und wer ein bisschen mitdenkt, dem wird es ähnlich gehen wie Johannes. Also so richtig verstehen tue ich das auch nicht. Welches Ziel verfolgt denn Jesus damit, dass er sich jetzt hier taufen lässt? Was will er damit ausdrücken, wenn er keine Buße nötig hat und keine Vergebung von Sünden? Warum macht er das eigentlich?
Und immer wenn man an so einen Punkt kommt, wenn ihr bei der Bibellese solche Fragen habt, dann ist eine zweite Frage immer noch sehr hilfreich, die einem beim Studium der Bibel unterstützen kann, im Nachdenken. Und diese Frage lautet: Was würde mir denn eigentlich fehlen, wenn die Geschichte nicht in der Bibel wäre? Also was würde mir in meinem geistlichen Verständnis abgehen, wenn die vier Evangelisten gesagt hätten: Auch die Geschichte schreiben wir nicht. Unwichtig, ob er sich taufen lassen oder nicht. Aber es ist anders, sie berichten sie. Also was lerne ich an diesem Punkt?
Das ist die Frage für heute Morgen.
Die Bedeutung von Erfüllung und Gerechtigkeit
Wir wollen uns erst einmal anschauen, was Jesus selbst sagt. Nachdem Johannes ihn abwehrt und sagt, dass etwas nicht passt, dass es umgekehrt sein müsste und dass es eigentlich nicht in Frage kommt, dass er Jesus tauft, antwortet Jesus:
Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt so sein; denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.
Sein Argument lautet also: Jetzt ist es gut, das zu tun, damit alle Gerechtigkeit erfüllt wird. Anders gesagt: Johannes, für unseren beider Dienst ist es jetzt unabdingbar, dass du mich taufst.
Das ist für uns nicht unmittelbar nachvollziehbar, oder? Gerechtigkeit erfüllen? Was soll das bedeuten? Und wenn wir das Wort erfüllen in der Bibel lesen, möchte ich euch bitten, an dieser Stelle immer ein Glas Wasser vor Augen zu haben, das voll gegossen ist. Das ist das Wort, das hier steht. Erfüllen heißt so viel wie voll machen, etwas zum Abschluss bringen. Man könnte es auch mit vollenden übersetzen. Aber stellt euch immer ein Glas vor, das vollgemacht wird.
Um den Satz noch ein Stück besser verstehen zu können, müssen wir eine andere Frage beantworten. Die Frage lautet: Wie wird ein Mensch eigentlich gerecht vor Gott? Was muss ein Mensch tun, um Gerechtigkeit zu bekommen?
Ihr findet dazu auch auf euren Notizen ein paar Bibelstellen angegeben, und ich möchte mit euch diesen kleinen Exkurs wagen, hauptsächlich im Matthäusevangelium.
Wie Gottes Gerechtigkeit dem Menschen geschenkt wird
Das Erste, was ein Mensch braucht, wenn er vor Gott gerecht sein will, ist das, was Matthäus 5,6 folgendermaßen beschreibt: Glückselig sind die, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden gesättigt werden.
Gerechtigkeit, göttliche Gerechtigkeit, ist etwas, das nur der bekommt, der in seinem Herzen danach hungert, der sagt: Ich will sie haben.
Zweiter Schritt: Göttliche Gerechtigkeit, das ist Matthäus 5,20, ist eine Gerechtigkeit, die man sich nicht verdienen kann. Da heißt es nämlich: Wenn nicht eure Gerechtigkeit vorzüglicher ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel eingehen.
Das heißt: In der damaligen Zeit gab es Leute, die waren so etwas wie Berufsheilige. Die waren den ganzen Tag damit beschäftigt, heilig zu sein und ein heiliges Leben zu führen. Und alle hatten diese Leute zum Vorbild. Wenn wir nur so sein könnten wie die Pharisäer, wenn wir nur so nah am Herrn dran sein könnten wie die Sadduzäer, Wahnsinn!
Und jetzt kommt Jesus und sagt: Wenn eure Gerechtigkeit vor Gott nicht besser ist als die der Pharisäer und Sadduzäer, dann werdet ihr nicht in das Reich der Himmel hineingehen. Den Leuten fällt die Kinnlade runter. Dann: Was? Das sind doch die heiligsten Leute unserer Gesellschaft. Wir sollen noch heiliger sein?
Ja, wenn eure Gerechtigkeit nicht vorzüglicher ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel hineingehen.
Die zweite Sache, die man also verstehen muss, ist: Mit menschlichem Bemühen allein bekommt niemand Gottes Gerechtigkeit. Aber wie kriegt man sie dann? Und die Lösung heißt: Gott verschenkt Gerechtigkeit.
Wir lesen das unter anderem im Römerbrief 1,16. Da sagt Paulus: Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, ist es doch Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen.
Aha, das Evangelium ist Gottes Kraft. Es ist mehr als nur eine Botschaft. Da steckt etwas an. Ja, ich würde sagen, ein Dynamit dahinter. Das kommt in das Leben eines Menschen, und dann zerreißt es dieses Leben und baut es neu zusammen.
Denn Gottes Gerechtigkeit wird darin im Evangelium geoffenbart. Aha, geoffenbart. Das kennt ihr: Etwas wird offenbar, etwas wird sichtbar. Eine Statue wird bei der Einweihung enthüllt, man reißt das Laken weg, und plötzlich ist sie schick gemacht. Und hier ist das auch so: Gottes Gerechtigkeit wird im Evangelium offenbart.
Evangelium Gottes heißt: Der Mensch wird gerecht, nicht mehr durch eigene Anstrengungen, sondern durch den Glauben. Oder wie es in Römer 1,17 dann heißt: Aus Glauben zu Glauben, wie geschrieben steht: Der Gerechte aber wird durch Glauben leben.
Haben wir das im Kopf? Warum können Gläubige überhaupt vor Gott bestehen? Nicht wegen ihrer guten Verdienste. Okay, weil das uns nicht gerecht vor Gott macht, sondern weil ihnen etwas geschenkt wird, nämlich die vollkommene Gerechtigkeit Christi.
Nicht der Mensch macht sich gerecht, sondern Christus hat ein vollkommen gerechtes Leben gelebt, und der Gläubige bekommt dieses Leben geschenkt. Deswegen kann Paulus 1. Korinther 1,30 folgendermaßen formulieren: Aus Gott aber kommt es, dass ihr in Christus Jesus seid, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit.
Wer ist uns Gerechtigkeit geworden? Jesus. Wodurch haben wir Gerechtigkeit? Weil wir in Christus sind. Und in Christus heißt: Seine Gerechtigkeit ist unsere Gerechtigkeit. Er ist an unsere Stelle getreten, wir haben seine Stellung geschenkt bekommen.
Die Identifikation des Sohnes mit den Sündern
Jetzt kommen wir zurück. Das haben wir jetzt im Kopf. Und jetzt lesen wir noch einmal, was hier steht:
Jesus aber antwortet und sprach zu ihm: Lass es jetzt so sein, denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.
Was meint Jesus? Jesus bringt etwas zum Ausdruck, was im innersten Kern des christlichen Glaubens steckt. Er will sich identifizieren, nicht mit irgendwem, sondern mit den Menschen, die vor Gott Buße getan haben. Er tritt an die Stelle der Menschen, und zwar ganz deutlich sichtbar für jedermann, an die Stelle der Menschen, die vorher gewagt hatten zu sagen: Ja, mein Leben ist falsch. Ich möchte neu anfangen. Ich bekenne meine Sünden. Ich lasse mich taufen. Es soll jeder sehen: Ich will so nicht mehr weiterleben.
Mit diesen Menschen identifiziert sich Jesus und macht sich mit ihnen eins. Und das mag uns so klein erscheinen, diese Aussage. Aber es ist eine der größten Aussagen, die es in der gesamten Bibel gibt.
Wodurch wird ein Mensch gerettet? Dadurch, dass er irgendein göttliches Ethikprogramm voller Regeln erhält und erfüllt? Nein, die Errettung des Menschen beginnt an der Stelle, wo Jesus sich mit mir identifiziert, wo Jesus sagt: Ich nehme deinen Platz ein. Du bist der Sünder, der umkehren will, aber in deiner Buße, in deinem Wunsch nach Umkehr steckt doch überhaupt keine Kraft. Du kannst das doch nie durchhalten. An Silvester sind die guten Vorsätze da, und am 1.1. ist schon alles wieder vorbei. Das ist der Mensch.
Und jetzt kommt Jesus und sagt: Ich weiß das, aber ich nehme deine Buße ernst, und ich trete an deine Stelle. Ich will da, wo du bist, sein. Dein Leben teilen. Und ich möchte nicht nur dein Leben teilen, sondern ich möchte mein Leben in dein Leben hineinfließen lassen und dir die Kraft geben.
Wir denken manchmal von Gott: Gott ist ganz weit weg. An den kommt man nicht ran. Und hier merken wir: Gott ist überhaupt nicht weit weg, Gott ist ganz nah. Gott wird den Menschen so nah, dass sie ihn greifen können, dass sie ihn sehen können und dass sie erschrocken sind über seine Nähe und sagen: Halt, so nah wollten wir dich gar nicht haben! Du lässt dich taufen, das kommt überhaupt nicht in Frage. Du identifizierst dich mit uns so weit, dass du an dir äußerlich etwas vollziehen lässt, was du gar nicht brauchst, was dich eigentlich in den Augen der Menschen unmöglich macht?
Und Jesus sagt: Ja, das ist mein Weg, Menschen zu erretten. Identifikation.
Im Alten Testament, wenn ein Mensch eine Sünde begangen hatte, nimmt er ein Tier, geht zum Priester, bekennt seine Sünde und macht dann Folgendes: Hier steht das Tier, und er legt die Hand auf den Kopf des Tieres, bekennt seine Sünde, und in dem Moment passiert was? Das Tier muss sich recht unfreiwillig mit den Sünden identifizieren. Und es wird geschlachtet, es stirbt für die Sünden seines Besitzers. Das ist Identifikation durch Handauflegung.
Ähnliches geschieht, wenn man Missionare aussendet, wenn man Leute in den Dienst einsetzt: Man legt die Hand auf, man identifiziert sich mit ihnen. Und so wie dieses Tier sich identifizieren muss mit den Sünden seines Besitzers, so sagt Jesus: Ich will mich mit deinen Sünden identifizieren. Ich nehme sie auf mich. Ich trete an deine Stelle. Da, wo du jetzt stehst, im Wasser, deine Sünde bekennst, Buße tust und wirklich Umkehr willst, da komme ich zu dir und bin dir ganz nah.
Er kommt im Willen des Vaters. Er ist das vollkommene Opfer, das diese Welt braucht. Seine Gerechtigkeit ist vollkommen. Da fehlt nichts. Und es ist deshalb so, weil er sich vollkommen, so wie der Wille des Vaters es verlangt hat, mit dem Sünder identifiziert. Das heißt: Gott, der Vater, sucht einen, der das endgültige Opfer bringt. Und wir lesen es in Hebräer 10, dass der Sohn sagt: Ich gehe. Ich gehe auf die Erde, ich lasse mir einen Leib machen, ich werde Mensch, und ich bringe das Opfer.
Und der Sohn kommt, um den Willen des Vaters in vollkommener Weise zu erfüllen. Und zu diesem vollkommenen Willen gehört die vollkommene Identifikation mit dem sündigen Menschen, anfangend bei der Taufe, der Buße, zur Vergebung der Sünden. Und hier in der Taufe beginnt, was für uns vielleicht stärker mit dem Kreuz verbunden ist: dass Jesus an unsere Stelle tritt, dass er unser Leben auf sich nimmt bis zu dem Punkt, wo er hängt und schreit: Es ist vollbracht. Bis dahin.
Aber lösen wir sein Leben nicht vom Kreuz, denn er kam, um unser Leben zu tragen, von Anfang an. Und hier, wo er das erste Mal auftritt, da wird das deutlich: Er tritt an die Stelle des Sünders, er tritt an deine Stelle und an meine Stelle.
Der Himmel öffnet sich
Matthäus 3,16. Und als Jesus getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser herauf. Und siehe, die Himmel wurden ihm aufgetan, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und auf ihn kommen.
Kaum ist Jesus getauft, da reißen die Himmel auf. Das ist noch ein bisschen mehr als nur die Wolken, ja? Da reißt der Himmel auf, da wird eine Verbindung geschaffen zwischen dem Ewigen und dem Zeitlichen. Da passiert etwas. Und die Leute merken: Jetzt tritt das Übernatürliche in diese Schöpfung hinein.
Und der Geist Gottes kommt wie eine Taube auf Jesus herab. Dass der Geist Gottes kommt, das ist einmal eine Bestätigung für Johannes. Denn Johannes wusste, wie er es in Johannes 1,32 niedergeschrieben findet, auch ausdrückt: Er schaute den Geist, wie eine Taube aus dem Himmel herabfahren, und er blieb auf ihm. Und ich kannte ihn nicht. Aber der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, der sprach zu mir: Auf welchen du sehen wirst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, dieser ist es, der mit Heiligem Geist tauft. Und ich habe gesehen und habe bezeugt, dass dieser der Sohn Gottes ist.
Der Geist kommt sichtbar für Johannes den Täufer, wahrscheinlich auch für die anderen Leute, auf Jesus herab. Und jetzt wird klar: Das ist der Mann, der mit Heiligem Geist taufen wird. Aber mehr noch: Das ist der Sohn Gottes, das ist Gott selbst, Gott im Fleisch.
Aber es steckt noch etwas anderes dahinter, und ihr wisst, dass Matthäus sehr viele Bezüge zum Alten Testament herstellt. Und im Alten Testament gibt es den Propheten Jesaja, und Jesaja verkündigt die Ankunft des Messias, Jesaja 61. Und in Jesaja 61 lesen wir von dem Zeichen, das die Menschen bekommen würden, wenn der Messias erscheint. Und da heißt es über den Messias, Jesaja 61,1-2a: Der Geist des Herrn ist auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt, er hat mich gesandt, den Elenden frohe Botschaft zu bringen, zu verbinden die gebrochenen Herzen, Freilassung auszurufen den Gefangenen und Öffnung des Kerkers den Gebundenen, auszurufen das Gnadenjahr des Herrn.
Merkt ihr, was da für eine Spannung in der Luft liegt? Hier wird ein Mann gesalbt, sichtbar gesalbt, mit Heiligem Geist. Und die Leute wissen: Das Gnadenjahr des Herrn hat angefangen. Alles Suchen, alles Fragen, alles Zweifeln liegt hinter uns. Er ist da.
Das Zeugnis des Vaters und der Blick auf das Ziel
Und Sie staunen gerade noch, da passiert schon das Nächste. Und wie eine Stimme aus dem Himmel kommt, welche spricht: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.
Der Himmel bleibt offen, und plötzlich kommt eine Stimme aus dem Himmel. Und wir sehen schon Gott den Sohn im Wasser stehen, Gott den Heiligen Geist in Form einer Taube auf ihm. Und jetzt kommt Gott der Vater, um die Dreieinigkeit einfach voll zu machen, um die Begeisterung der Fülle Gottes rüberzubringen, und sagt: Schaut euch das an, das ist mein Sohn! Ich liebe ihn, und ich bin total begeistert von dem, was er jetzt tut.
Aber warum ist Gott der Vater begeistert? Er ist begeistert, weil sein Sohn seinen Weg geht. Das war der erste Schritt. Wir kennen das, wenn kleine Babys den ersten Schritt tun und die Väter begeistert daneben stehen: Er läuft!
Aber wir können aus einer ewigen Perspektive noch ein bisschen allgemeiner formulieren. Wir können sagen: Die Weltgeschichte nähert sich ihrem Höhepunkt, da fehlt nicht mehr viel. Er war in Ewigkeit geplant, dieser Weg, er war von den Propheten vorhergesagt. Dann wurde das Wort Fleisch, und jetzt tritt das Wort in die Endphase ein. Jetzt geht es um alles. Jetzt geht es darum, dass er, verzeih mir, nicht so sagen die letzten Jahre noch durchhält.
Und ich möchte euch das abschließend noch mit einem Bild illustrieren. Stellt euch vor, ein Athlet, ein Athlet, der für die Olympischen Spiele trainiert. Es fängt damit an, dass er merkt: Ich bin begabt. Dann fängt er an zu träumen und zu trainieren und sucht sich einen Trainer. Und dann kommen Jahre der Mühe und der Plackerei. Verschiedene Wettkämpfe, die es zu bestehen gilt, ständiges Verbessern, jahrelanger Verzicht, Kraftkammern, Ausdauertraining, sich messen mit den Guten, dann mit den Besseren, dann mit den Besten und immer vorne mit dabei sein.
Und eines Tages ist es so weit: Die harte Arbeit hat sich gelohnt. Du ziehst ein zum olympischen Feuer. Du schaffst es bis in den allerletzten Lauf, einhundert Meter. Und am Rand, da steht dein Trainer und schaut dir zu. Du weißt, jetzt geht es um alles. Schau nach links, schau nach rechts, siehst neun, zehn, elf andere, die mit dir laufen, und du weißt: Einer von uns wird gewinnen.
Am Rand steht der Trainer, und er sieht seinen Schützling, wie er in den Startblock geht, sich fertig macht, ein letztes Mal die Muskeln schüttelt, runtergeht, und dann ist Stille. Und dann kommt der Schuss, und der Trainer sieht, wie der Mann, in den er Jahre seines Lebens investiert hat, losläuft, wie er alle Kraft auf die Bahn bringt, wie er langsam hochkommt und nach wenigen Metern schon einen Meter vor dem ganzen Feld ist. Und er steht da und sagt: Lauf, lauf, lauf, du schaffst es!
Und genau so steht Gott im Himmel und sagt: Lauf, Jesus, lauf, du schaffst es, du wirst diese Welt retten! Lauf, mach weiter!
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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