Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 691: Die Frage nach der Vollmacht, Teil I.
Die Bedrohliche Situation Jesu im Tempel
Lukas 19,47-48: Und er lehrte täglich im Tempel. Die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und die führenden Männer des Volkes suchten jedoch, ihn umzubringen.
Sie fanden aber keinen Weg, wie sie es tun sollten, denn das ganze Volk hing an ihm und hörte auf ihn.
Das ist also die Situation, in der sich Jesus befindet. Da die Hohenpriester und Schriftgelehrten ihn nicht umbringen können, versuchen sie zumindest, ihn zu diskreditieren. Wenn sie ihn nicht loswerden können, wollen sie wenigstens seinen Einfluss auf die Massen eindämmen.
Die Herausforderung der Autorität Jesu
Markus 11,27-28: Und sie kommen wieder nach Jerusalem. Als er im Tempel umherging, kamen die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und die Ältesten zu ihm. Sie fragten ihn: „In welcher Vollmacht tust du diese Dinge? Oder wer hat dir diese Vollmacht gegeben, dass du so handelst?“
Diese Frage stellen die Theologen und politischen Führer. Es geht um die Frage nach der Vollmacht.
Lassen Sie mich die Frage etwas direkter formulieren: Wie kommst du, ein dahergelaufener, selbsternannter Rabbi aus Galiläa, dazu, dich hier im Tempel so zu verhalten? Wer glaubst du, dass du bist?
Hier geht es um Macht, um Deutungshoheit und darum, Einfluss auf die einfachen Gläubigen auszuüben. Wer bist du, dass du hier alles auf den Kopf stellst, unsere Traditionen hinterfragst und dich als Sohn Davids darstellst?
Die offizielle Konfrontation und ihre Hintergedanken
Lukas 20,1-2: Und es geschah an einem der Tage, als Jesus das Volk im Tempel lehrte und die gute Botschaft verkündigte. Da traten die Hohenpriester und die Schriftgelehrten mit den Ältesten herbei. Sie sprachen zu ihm und sagten: „Sage uns, in welcher Vollmacht tust du diese Dinge, oder wer ist es, der dir diese Vollmacht gegeben hat?“
Es kann sein, dass es sich hier um eine offizielle Delegation des Hohen Rats handelt. Sie kommen gerade, als Jesus lehrt und die gute Botschaft verkündet. Dabei unterbrechen sie ihn.
Es ist leicht, ihre Absicht zu erraten: Sie wollen Jesus vor den versammelten Zuhörern bloßstellen. Dazu stellen sie ihm zwei Fragen: „In welcher Vollmacht tust du diese Dinge?“ und „Wer ist es, der dir diese Vollmacht gegeben hat?“
Mit „diese Dinge“ sind all die Ereignisse gemeint, die zuvor passiert waren: der triumphale Einzug, die Reinigung des Tempels, die Heilungen und natürlich das Lehren und Evangelisieren. Sie fragen also nach der Quelle seiner Autorität.
Im Hintergrund steht die Vorstellung, dass niemand einfach so auftreten darf wie Jesus, wenn er nicht dazu bevollmächtigt wurde – am besten natürlich von den Hohenpriestern, Schriftgelehrten und Ältesten. Dass sie ihm keine Vollmacht gegeben hatten, wussten sie nur zu genau.
Die Falle der Gegner Jesu
Was wollen sie? Sie wollen, dass Jesus entweder sagt: „Niemand, ich habe mir die Autorität selbst gegeben“ oder dass er sagt: „Gott hat mir die Autorität gegeben.“
Im ersten Fall hätten sie ihn scharf zurechtgewiesen und vor der Menge erklärt, dass dieser Jesus keinerlei Autorität besitzt. Deshalb sei niemand verpflichtet, auf ihn zu hören. Sie hätten versucht, ihn als religiösen Außenseiter erscheinen zu lassen, dessen Worte für das Volk keinerlei Verbindlichkeit besitzen.
Hätte Jesus dieser Darstellung widersprochen, wäre wahrscheinlich sofort ein endloses Streitgespräch über religiöse Zuständigkeiten und legitime Autorität entbrannt.
Im zweiten Fall, wenn Jesus gesagt hätte, dass er seine Autorität von Gott hat, hätten sie ihn vermutlich der Gotteslästerung beschuldigt.
Versteht ihr, worum es ihnen geht? Ihr Ziel war es, Jesus in eine ausweglose Situation zu manövrieren – eine, in der sie jede seiner Antworten gegen ihn verwenden konnten. Sie wollen Jesus öffentlich diskreditieren und seinen Einfluss auf das Volk untergraben, und zwar bevor seine Lehre noch größeren Zuspruch findet.
Die brillante Antwort Jesu
Und was jetzt kommt, ist einfach nur brillant – ein Lehrstück in puncto Argumentation. Der Herr Jesus antwortet nämlich mit einer Gegenfrage.
Matthäus 21,24: Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: „Auch ich will euch ein Wort fragen, und wenn ihr es mir sagt, so werde auch ich euch sagen, in welcher Vollmacht ich diese Dinge tue.“
Der Herr Jesus weicht dem Angriff nicht aus. Er ist bereit, Auskunft zu geben. Er will nur, dass sie ihm vorher eine andere, kleine Frage beantworten. Aber diese Frage hat es natürlich in sich.
Markus 11,30: „War die Taufe des Johannes vom Himmel oder von Menschen? Antwortet mir!“
Die Bedeutung der Taufe des Johannes
Mit Johannes ist hier Johannes der Täufer gemeint. Einige Jahre zuvor war er als prophetische Gestalt in Israel aufgetreten und hatte eine geistliche Erneuerungsbewegung ausgelöst.
Durch seine eindringliche Predigt rief er das Volk zur Umkehr auf und konfrontierte seine Zuhörer mit der Notwendigkeit echter Buße. Der Ort seines Wirkens war bewusst gewählt: nicht das religiöse Zentrum in Jerusalem, sondern die Wüste. Dort predigte er und sammelte Zuhörer von überall her, gerade auch aus Jerusalem.
Wer seine Botschaft annahm und bereit war, sein Leben neu auf Gott auszurichten, ließ sich von ihm im Jordan taufen. Diese Taufe war kein bloßes religiöses Ritual, sondern ein öffentliches Zeichen der Umkehr und der bewussten Hinwendung zu Gott. Markus beschreibt die Taufe des Johannes ausdrücklich als eine Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden.
Die Herausforderung an die Gegner Jesu
Noch einmal die Frage Jesu aus Lukas 20,4: War die Taufe des Johannes vom Himmel oder von Menschen? Woher hatte Johannes seine Autorität? Kam sie vom Himmel, also von Gott? Oder waren es Menschen, die ihm diese Vollmacht gegeben hatten? Oder hatten Menschen ihm diese Vollmacht verliehen?
Warum ist diese Frage so interessant? Sie ist deshalb interessant, weil Johannes erstens anerkannt war und zweitens nicht nur zur Buße aufgerufen hatte. Er hatte auch eindeutige Aussagen über Jesus gemacht.
So hatte er Jesus lange bevor dieser anfing, öffentlich zu wirken, als den bezeichnet, der mit heiligem Geist taufen würde. Und mehr noch: In Johannes 1,34 heißt es: „Und ich habe gesehen und habe bezeugt, dass dieser der Sohn Gottes ist.“ Johannes der Täufer bezeugt also, dass Jesus der Sohn Gottes ist.
Die Gegner Jesu wussten das, viele von den Zuhörern ebenfalls.
Die sich anbahnende Krise
Und deshalb bekommen seine Gegner jetzt ein Problem. Welches genau das ist, werden wir in der nächsten Episode sehen.
Abschluss und Ermutigung
Was könntest du jetzt tun? Feiere die Findigkeit und Weisheit des Herrn Jesus. Wer auf die Fragen seiner Gegner eingeht, zeigt wahre Brillanz. Bete ihn dafür an.
Das war es für heute. Möchtest du das Skript haben? Du findest es auf frogwords.de oder in der App.
Der Herr segne dich. Erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
