Der Regent 3/3
24.09.2010
Serie•Teil 7 / 10Wie ist Gott?
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Einleitung und Rahmung der Vortragsreihe
Wie ist Gott?
Wir stecken in einer zehnteiligen Reihe und sind jetzt, glaube ich, bei Vortrag Nummer sieben angekommen. Im Hintergrund steht die Idee, dass Christsein damit zu tun hat, Gott zu erkennen. Dass wir eigentlich dazu berufen sind, Gott zu erkennen. Und wenn man sich an diese Aufgabe heranmacht, stellt man doch fest: Gott ist an der einen oder anderen Stelle gar nicht so leicht zu greifen.
Es gibt bestimmte Aspekte von Gott, die sich immer entziehen, wie ein Aal, den man versucht zu packen. Flupp, flupp, flupp – ja, das ist immer so. Da kommt man nicht so ran.
Mein Wunsch mit dieser Reihe war, bestimmte Aspekte einfach mal aus ihrem Schattendasein ein Stück weit herauszuholen. Wo man sagt: Das ist für den Sonntag eigentlich kein Thema und für so einen Vortrag irgendwie zu klein. Versuchen wir mal so eine Reihe. Ich bin nach wie vor froh, sie gestartet zu haben, weil ich glaube, dass diese Themen wichtig sind.
Wir stecken jetzt gerade in der großen Überschrift: Gott der Regent. Gott ist souverän. Gott regiert. Er steckt hinter dieser Welt. Und das ist jetzt schon der dritte Vortrag zu dem Thema „Gott der Regent“.
Wir machen das, um uns Gott zu nähern und gleichzeitig immer zu sagen: Er wird uns ein Stück fremd bleiben. Wir können Dinge manchmal nur beschreiben, und das wird uns heute auch so gehen.
Wir werden uns heute mit dem Thema der Wille Gottes beschäftigen. Ich möchte da Schlaglichter hineinwerfen und die Frage beantworten: Wenn Gott regiert – ich habe diesen vielleicht nicht ganz glücklichen, aber mir fällt noch nichts Besseres ein – und diesen Begriff Vorsehung gebraucht, was heißt das für unser Gebet, für unser Gebetsleben?
Ich werde ganz am Ende auch noch einmal das Thema, das Problem des Bösen, ankratzen. Mehr kann ich da heute nicht machen. Aber ich kann schon sagen, dass die Ältesten schon gesagt haben: Mach da mal was, mach irgendwann mal mehr dazu. Ich bin schon am Überlegen, wie man das machen kann. Das wird sicherlich kommen, vielleicht schon im nächsten Jahr. Das müssen wir mal sehen.
Was unter Gottes Willen zu verstehen ist
Dann habe ich entschieden, das ganze Thema Vorherbestimmung wegzulassen. Also, erst wollte ich es reinnehmen, aber ich hatte schon sieben Seiten Skript und dachte mir: Mehr brauche ich definitiv nicht, um den Abend zu füllen. Ich bin mir nicht einmal ganz sicher, ob wir das alles schaffen.
Bei dem Thema Vorherbestimmung ist es im Moment so: Ich habe einfach den Kanal voll davon. Das ist so ein Thema, das seit ungefähr 1600 Jahren durch die Kirchengeschichte genudelt wird, denn jeder sagt mir, es sei das superwichtige Thema. Ich kann bis heute nicht so richtig herausfinden, warum eigentlich. Für mein praktisches Leben ist es einfach nicht wichtig genug, um es hier als Streitfrage hineinzuworfen.
Wenn jemand sich gerne streiten möchte, stehe ich dafür irgendwann gerne bereit. Ich habe eine vielleicht eher nicht so verbreitete, aber klare Meinung zu dem Thema. Aber ich werde das hier nicht predigen.
Wie ist Gott? Ich möchte mich eher mit der Frage beschäftigen: Erstens, der Wille Gottes. Ist alles, was geschieht, der Wille Gottes? Ja. Ich glaube, wenn Gott wirklich souverän ist, müssen wir sagen: Alles, was geschieht, ist irgendwie der Wille Gottes. Wir müssen nur vorsichtig sein, wenn wir das so schnell mit einem Ja beantworten.
Die meisten kurzen Antworten – das werdet ihr oft feststellen – sind bei theologischen Fragen richtig und gleichzeitig falsch. Sie sind richtig in der Richtung und falsch, weil sie einfach nicht umfassend genug und nicht komplex genug sind. Das heißt: ja, aber. Dieses Ja wird in dem Moment theologisch irreführend, und das kann sogar persönlich verletzend sein, wenn man es nicht erklärt.
Wenn man in die Bibel hineinschaut, findet man den Begriff des Willens Gottes in drei Zusammenhängen. Wir müssen eigentlich drei Qualitäten des Willens Gottes unterscheiden, damit wir den Begriff richtig fassen.
Da gibt es auf der einen Seite Dinge, die Gott sich wünscht. Das ist sein Wille, und er macht es auch gleich. Also sorgt er dafür, dass Dinge passieren. Das wäre im klassischen Sinn der Wille Gottes. Beispiele dafür sind Sprüche 19,21. Da geht es meines Erachtens um so einen Willen Gottes. In Sprüche 19,21 heißt es: Viele Gedanken sind im Herzen eines Mannes, aber der Ratschluss des Herrn, er kommt zustande. Gott sagt: Das will ich. Seinen Ratschluss kann der Mensch denken, so viel er will, da kommt das zustande, was Gott will.
In Jesaja 14,27 finden wir eine ähnliche Konstellation. Da heißt es: Denn der Herr der Heerscharen hat es beschlossen, wer wird es ungültig machen? Und seine Hand ist ausgestreckt – wer wendet sie zurück? Wenn Gott sagt: Das will ich, und das mache ich, dann ist das im ursprünglichsten Sinne das, was wir unter dem Willen Gottes verstehen.
Der gewollte Wille Gottes in Heilsgeschichte und Gemeinde
Und wir finden das hauptsächlich in der Bibel in Dingen, die mit Heilsgeschichte zu tun haben. Angefangen bei der Schöpfung, wo Gott sagt: Das kommt jetzt, ich will jetzt hier Schöpfung. Da kann keiner sagen: Nee, geht nicht. Das macht Gott dann einfach, und zwar genau so, wie er es will.
Wir merken das dort, wo es um das große Thema Jesus Christus, Erlösung und Befreiung geht. Wenn Gott sagt: Ich möchte, dass mein Messias an einem Kreuz stirbt, und wenn das im Willen Gottes geschieht, dann hat er es gewollt und gemacht. Wenn Gott sich ein Volk auserwählt, das Volk Israel, dann kann dieses Volk nicht sagen: Nein, nein, ohne uns, bitte nicht. Bitte nicht, nimm doch die Kanaanäer. Wir bleiben hier in Ägypten. Wir bleiben einfach noch 500 Jahre. Das geht dann einfach nicht. Gott entscheidet, und Gott macht.
Wenn die Gemeinde an Pfingsten entsteht, dann fragt der Heilige Geist nicht: Darf ich jetzt auf euch fallen? Und wollen wir jetzt hier gemeinsam Gemeinde machen? Was haltet ihr davon? Dann sagt Gott: Jetzt entsteht Gemeinde. Dann kommt der Heilige Geist, und die Leute stellen fest: Wir sind wohl jetzt Gemeinde. Jetzt ist anscheinend der neue Bund da. Haben wir uns nicht ausgesucht. Das ist klassisch der Wille Gottes. Gott will etwas, und Gott macht es. Und er macht es dann auch so, wie er es will.
Aber das ist nicht alles, was passiert. Man kann nicht zu allem, was auf der Erde passiert, sagen, es läuft immer so. Es gibt mindestens noch zwei weitere Formen. Die zweite Form ist die, dass Gott etwas will und seinen Willen auch kundtut. Und der Mensch sagt: Super, das will ich auch. Das mache ich genau so, wie du dir das vorstellst.
Wenn man das Erste vielleicht so nennt, dass es das Wollen oder der gewollte Wille ist, dann wäre das so etwas wie der gewünschte Wille. Ja, Gott zwingt nicht dazu. Aber Gott freut sich natürlich, wenn der Mensch ein klares Ja findet zu dieser Seite seines Willens.
Der gewünschte Wille und die Frage nach Gehorsam
Wie bekomme ich mit, was Gott möchte? Wie kriege ich diesen Willen mit? Ich lese in der Bibel und stelle fest: Gott gibt Gebote, und diese Gebote sind erst einmal das, was er will.
Schauen wir uns mal Epheser 5,17 an: Darum seid nicht töricht, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist. Also: Der Wille des Herrn sind die Dinge, die er geboten hat.
Kolosser 1,9 enthält einen ähnlichen Gedanken, nur in einem anderen Zusammenhang. Deshalb hören auch wir nicht auf, von dem Tag an, da wir es gehört haben, für euch zu beten und zu bitten, dass ihr mit der Erkenntnis seines Willens erfüllt werdet in aller Weisheit und geistlichem Verständnis.
Paulus betet also dafür, dass die Kolosser den Willen Gottes verstehen, dass sie die Gebote Gottes erkennen und dann auch gehorchen.
In Matthäus 7 gibt es noch eine letzte Stelle zu diesem Thema. Matthäus 7,21: Am Ende der Bergpredigt wird dieser Zusammenhang so auf den Punkt gebracht: Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr, wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut.
Ich kann den Willen meines Vaters tun. Ich kann die Bibel lesen, die Gebote sehen, mich danach ausrichten, und gut ist. Gott möchte es, aber das Ja kommt von mir.
Und manchmal hat man ganz klare Gebote. Aber wenn man in die Bibel hineinschaut, merkt man: Das ist noch ein Stück breiter gefasst. An manchen Punkten gibt es nicht so klare Gebote, sondern es ist wie bei Kindern und Eltern, oder Eltern und Kindern: Papa möchte gern etwas.
Manchmal ist das ganz klar festgelegt, im Sinne von: Hier ist unsere Küchenregel. Wir haben so einen kleinen Zettel an die Dunstabzugshaube geklebt, da steht, wer an welchem Tag für die Küche zuständig ist. Okay, wenn da steht: Am Dienstag Papa, dann ist Papa zuständig für die Küche. Das ist das Gebot. Da ist völlig klar: Da kommt Papa nicht raus.
Aber wenn Papa jetzt eine Bibelwoche hat, wie letzte Woche, und an solchen Tagen dann immer so leicht unter Überdruck steht, wünscht Papa sich, obwohl da Papa steht, dass seine Töchter vielleicht auf ihn zukommen und sagen: Du Papa, gerade vorlesungsfreie Zeit, was hältst du davon, wenn ich heute die Küche nehme? Ich sehe, du rotierst hier irgendwie durch die ganze Wohnung und bist den ganzen Tag schon so aufgeregt.
Ja, das wäre der Wunsch dahinter. Das ist vielleicht nicht das klar artikulierte Gebot, aber da gibt es noch ein Stück mehr. Und das ist bei Gott ähnlich.
Der weichere Wille Gottes und menschliche Freiheit
Manche Dinge sind klar: Du sollst, du sollst nicht, das ist erlaubt, das ist verboten. Das ist festgesetzt. Und manchmal kommt so ein allgemeiner, so ein weiches Gebot, will ich das mal nennen.
Also 2. Petrus 3,9, um einfach mal so ein, zwei, drei Stellen zu zeigen, was ich da meine:
2. Petrus 3,9 Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten, sondern er ist langmütig euch gegenüber, da er nicht will, dass irgendwelche verloren gehen.
Ja, das ist so ein Wunsch. Gott möchte nicht. Es ist nicht ein klares Gebot, aber das ist doch so ein Wunsch Gottes, der so mitläuft. Gott wünscht sich das.
1. Petrus 2,15 einfach etwas ganz anderes, denn so ist der Wille Gottes, dass ihr durch gutes Tun die Unwissenheit der unverständlichen Menschen zum Schweigen bringt.
Also hier steht nicht so ganz genau, was man tun soll. Es ist so ein allgemeines Ding, eher so ein Wunsch. Wenn du in der Gemeinde jetzt als Christ lebst, ich meine in der örtlichen Gemeinde, wenn Leute dich mitkriegen und schlecht über dich reden, dann sorgt dafür, dass dein Lebensstil diesen ganzen Klatsch und Tratsch über dich durchstreicht. Dass alle merken: Das stimmt ja gar nicht.
Der Wille Gottes, manchmal ein klares Gebot, dann etwas weicher formuliert, ist die zweite Stufe. Einmal das, was Gott will, und er macht es selber. Dann das, was Gott will, und wir entscheiden uns, auf das, was wir da mitkriegen, einzugehen.
Aber es gibt noch eine dritte Sache, eine dritte Qualität von Willen Gottes. Es gibt das, was ich entscheide zu tun. Und Gott sagt: Okay, ich lasse das jetzt mal so laufen. Das gibt es auch noch.
Merkt: Es ist qualitativ etwas ganz anderes, ob Gott sagt: Ich will das, und ich ziehe das durch. Oder ob er sagt: Ich wünsche mir das, und du sagst: Jo, ich mache das auch. Oder ob der Mensch eine Entscheidung trifft. Und wir sprechen hier vom sogenannten zulassenden Willen Gottes, und Gott nur sagt: Okay, Freund, lass ich jetzt mal laufen.
Der zulassende Wille Gottes und die Grenzen des Menschen
Und in diesem Bereich gehören zwei große Felder dazu.
Auf der einen Seite gibt es Situationen, in denen Menschen sich ganz bewusst gegen den Willen Gottes entscheiden. Da steht ein Gebot, und ich sage: Nö, mache ich nicht.
Schauen wir uns Lukas 7,30 an. Da heißt es: Die Pharisäer aber und die Gesetzesgelehrten machten den Ratschluss Gottes für sich selbst wirkungslos, indem sie sich nicht von ihm taufen ließen.
Gott schickt Johannes den Täufer und sagt: Ich will hier Buße. Und die Pharisäer stellen sich hin und sagen: Nö, nicht mit uns. Weil wir nicht wollen. Ist einfach nicht unser Ding. Wir sind schon heilig genug, wir brauchen dich nicht. Mag ja sein, dass du das so geplant hast, aber Entschuldigung, brauchen wir nicht.
Also entscheiden sich Menschen ganz klar gegen das, was Gott von ihnen möchte.
Matthäus 23 ist noch so eine andere, für mich ganz traurige Stelle in der Bibel. In Matthäus 23,37 steht der Herr Jesus, kurz bevor er die Endzeitrede hält, und sagt: Jerusalem, Jerusalem, die du die Propheten tötest und die steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt.
Gott steht da und sagt: Ich habe das immer gewollt. Ich bin immer mit offenen Armen auf euch zugegangen, aber ihr habt das irgendwie nie annehmen wollen.
Und der Clou ist: Menschen tun das, und in dem Moment, wo der Pharisäer denkt: Ich werde die Taufe nicht mitmachen, kommt kein Blitz aus dem Himmel und Gott sagt: Okay, das war’s, tschüss. Sondern Gott lässt es zu.
In dem Moment, wo ein Mensch sündigt, gibt es keine Zustimmung Gottes. Aber doch gibt es bei vielen Menschen, bei den meisten Menschen, wenn nicht bei allen Menschen, diesen Punkt, an dem Gott sagt: Okay, ich lasse dir das jetzt mal durchgehen. Nicht durchgehen im Sinne von: Ich werde dich dafür nicht richten, sondern nur jetzt in diesem Moment. Das, was du jetzt eigentlich verdienst, darauf gehe ich jetzt nicht ein. Wir haben jetzt Zeit der Gnade.
Das ist das eine Feld.
Es gibt noch ein anderes Feld: Es gibt Aspekte unseres Lebens, die Gott uns völlig überlässt. Das ist immer merkwürdig, manche Leute glauben das gar nicht. Es gibt Dinge, die sind Gott einfach egal. Kannst du dir das vorstellen? Da sagt er: Mach es doch, wie du magst. Das interessiert mich einfach nicht die Bohne. Ich gebe dir so ein paar grobe Linien vor, ja, aber innerhalb dieser Linien kannst du dich frei entfalten, wie du möchtest.
Freiheit im Alltag und praktische Entscheidungen
16 Vers 7, ein Beispiel, 1. Korinther 16,7. Ich bringe nachher noch ein anderes schönes Beispiel, das will ich jetzt nicht vorwegnehmen, mein Lieblingsbeispiel zu dem Thema. Aber einfach mal, dass es so etwas gibt: 1. Korinther 16,7. Das ist so ein Wille Gottes im Sinne von: Also, jetzt muss ich das mal suchen, 1. Korinther 16,7.
Denn ich will euch jetzt nicht im Vorbeigehen sehen, schreibt Paulus den Korinthern. Ich möchte euch besuchen, denn ich hoffe, einige Zeit bei euch zu bleiben, wenn der Herr es erlaubt.
Hier sehen wir: Paulus sagt, ich würde das gerne tun, ja, aber ich muss schauen, ob Gott es erlaubt. Wenn Gott es zulässt, super. Wenn nicht, hm, kann ich irgendwie auch nichts machen.
Ein ähnlicher Punkt ist Apostelgeschichte 18,21. Da heißt es: sondern er nahm Abschied von ihnen und sagte: Ich werde, wenn Gott will, wieder zu euch zurückkehren. Er weiß es nicht. Es geht auch nicht um ein klares Gebot. Er nimmt sich das vor. Er sagt: Ich habe hier so bestimmte Ideen, wie ich mir meine Zukunft vorstelle, was geht und was nicht geht. Ich weiß noch nicht, wie Gott sich dazu stellt.
Ist alles, was geschieht, nach dem Willen Gottes? Ja, aber nicht alles auf die gleiche Weise. Manchmal erlaubt Gott es, das war die dritte Kategorie. Manchmal ist Gott dafür, weil wir das tun, was er sich wünscht. Und manchmal tut Gott es selber.
Jetzt kommt immer eine Frage an der Stelle, zumindest bei Outdoor-Bibelschulen kommt sie immer. Die heißt so ungefähr: Hat Gott für jedes Leben einen ganz detaillierten Plan? Ist das so? Mir fällt es dann fast immer schwer, die Antwort zu geben, denn eigentlich muss man sagen: Nein. Also, wir würden uns das natürlich wünschen, aber wünsch es dir lieber nicht. Denn wenn es so wäre und du würdest einmal die falsche Socke anziehen, wärst du raus aus dem Plan. So wünschen wir es uns dann doch nicht.
Berufung, Weisheit und der Rahmen des Möglichen
Woher kommt dieser Gedanke, dass Gott so einen ganz durchstrukturierten Plan für jedes Leben hat? Ich glaube, er kommt daher, dass wir in der Bibel ein paar Ausnahmekaraktere haben: Mose, David, Johannes der Täufer. Sie sind schon von klein auf für eine bestimmte Aufgabe im Heilsplan Gottes festgesetzt, und man merkt, dass sie an bestimmten Stellen einfach funktionieren mussten. Jetzt denkt man sich, das gilt für alle. Das stimmt aber wahrscheinlich nicht, denn die Bibel sagt das nicht.
Es ist eher so, dass die Bibel, wenn sie von Leitung spricht, von der Leitung des Heiligen Geistes oder durch den Heiligen Geist, zum Beispiel in Römer 8 oder in Galater 5, zuerst einmal moralische Entscheidungen meint. Es geht nicht um die große Lebensplanung, sondern darum, dass ich das Richtige tue. Geistleitung funktioniert nur, wenn wir uns vorher mit dem Willen Gottes auseinandersetzen und wenn der Geist uns in der konkreten Situation an die Dinge erinnern kann, die wir eigentlich schon wissen. Der Geist Gottes ist ein Erinnerer. Und deswegen hilft der Geist Gottes, das steht in Römer 8,14, uns dabei, wenn unser Fleisch, wenn das Sündige in unserem nicht erlösten Körper, in eine andere Richtung ziehen will. Dann hilft er uns dabei, das Richtige zu tun. In dieser Hinsicht ist er einer, der uns leitet.
Aber wenn du sagst: Heiliger Geist, bitte sag mir, was ich studieren soll, dann wirst du wahrscheinlich, wie Millionen anderer Christen, keine Antwort bekommen. Außer der Antwort: Denk nach, schau, wer du bist. Es gibt Entscheidungen, die Gott nicht interessieren. Und es gibt mehr, als du denkst. Solange du dich in einem bestimmten Rahmen an seine Grundsätze hältst, ist vieles offen. Wenn du sagst, ich würde gerne Zuhälter werden, dann wird Gott sagen: Denk nochmal nach, das war nicht so eine gute Idee. Da gibt es ein paar Gebote, die sind irgendwie nicht so passend. Okay, gut, also das nicht. Also, es gibt einen Rahmen. Aber innerhalb dieses Rahmens haben wir viel mehr Freiheiten, als wir uns das manchmal träumen.
Ich mache ein Beispiel: In 1. Timotheus 5,18 steht, dass der, der sich nicht um seine Hausgenossen kümmert, schlimmer ist als ein Ungläubiger. Daraus lässt sich das Prinzip ableiten, dass Eltern irgendwie dafür zuständig sind, dass die Kinder etwas zu essen bekommen. Ja, denke schon, denn darum geht es. Ob du deinem Kind jetzt morgens immer die Multikornüberschnitte gibst, also etwas, wo alles drin ist, was das Kind für drei Wochen braucht an Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen, oder ob du ihm sagst, so eine ganz normale Schrippe tut es eigentlich auch, wie du das machst, ob du sagst, wir essen immer in der Küche oder wir essen immer in unserem Esszimmer, das steht da alles nicht. Und ganz ehrlich gesagt, es ist Gott einfach egal. Kümmere dich um dein Kind, schau, was möglich ist, was du weißt, was du für richtig hältst, und tu es einfach.
Besonders dramatisch wird das dann bei der einen Frage, die natürlich immer kommt: Hat Gott für mich den einen Ehepartner vorgesehen? Und ich weiß nicht, jede Outdoor-Bibelschule muss sich damit konfrontieren, dass die Bibel an dieser Stelle ganz klar ist: Es gibt ihn nicht, den einen von Gott für dich vorgesehenen Ehepartner. Und sei von Herzen dankbar, denn stell dir vor, du wärst eine junge zwanzigjährige Schwester, und dieser eine, dieser eine Seelenmatch, den Gott für dich hätte, wäre ein dreiundachtzigjähriger Kambodschaner. Und du musst ihn finden. Na, viel Spaß.
Es macht logisch schon keinen Sinn, es sei denn, die meisten Christen würden sündigen, weil alle witzigerweise in ihrem direkten Umfeld, oder fast alle, 90, irgendwie in ihrem direkten Umfeld, in diesem Netzwerk von ein, zweihundert Christen, die sie kennen, den Traumpartner finden. Denken wir: Huch, ja.
Ehe, Berufung und die Suche nach Weisheit
Also, 1. Korinther 7,39. Da geht es, nee, das muss falsch sein, die 30 hier, hier, Vers 39: Eine Frau ist gebunden, solange ihr Mann lebt. Wenn aber der Mann entschlafen ist, wir reden hier also zu einer Witwe, aber wir dürfen das Prinzip übertragen: So ist sie frei, sich zu verheiraten. Aha, an wen sie will. Schöner: an wen sie will. Sie sucht ihn sich aus. Sie muss nicht herumschauen und sagen: Vater im Himmel, wo ist der eine für mich? Nein, an wen sie will. Vorsicht: nur im Herrn muss es geschehen.
Also du suchst dir bitteschön jemanden aus, der im Herrn ist, das heißt in dieser Sphäre des Christus. Es ist ein bisschen zu knapp, es so zu übersetzen: der Christ ist. Das ist in erster Näherung gemeint. Es ist nur ein Stück zu knapp. Wenn du freie Wahl hast, würde ich sagen: Such dir einen Christen, mit dem du ein geistliches Leben führen kannst, mit dem du beten kannst, für das Reich Gottes kämpfen kannst, der einfach zu dir passt. Das ist der Rahmen.
Aber in dem Rahmen: Wenn du zu so einem Jugendtag fährst und da sitzen plötzlich 200, dann ist das dein Rahmen. Da musst du ein bisschen rumschauen, musst du ein bisschen ausprobieren, ein bisschen nachdenken. Und dann merken wir, dass es bei dem Willen Gottes für mein Leben sehr stark um die Frage Weisheit geht.
Und wie bekomme ich Weisheit? Ich glaube, wir bekommen Weisheit dadurch, dass wir zuerst einmal verstehen, was Weisheit nicht ist. Weisheit ist nicht diese übernatürliche Allwissenheit im Blick auf irgendein Thema meines Lebens. Weisheit ist in der Bibel eine Fähigkeit. Es ist eine Fertigkeit, die ich erarbeiten, die ich erlernen, die ich erwerben kann. Sie hat damit zu tun, dass ich Gott kenne, damit fängt sie an. Sie geht weiter darüber, dass ich das Wort Gottes studiere. Es geht weiter, dass ich persönlich Erfahrungen mache und auf die Erfahrungen von Leuten zurückgreife, die die Erfahrungen schon gemacht haben, dass ich mich mit älteren Menschen unterhalte, dass ich von meinen Eltern, von den reifen, weisen, alten Christen in der Gemeinde lerne, dass ich mir da Rat hole. Und ganz am Ende dazu steht auch noch der Punkt 1. Korinther 1,5. Das will ich nicht unterschlagen. Aber es ist eben nicht alles, was zum Thema Weisheit in der Bibel steht, sondern es ist eigentlich nur ein ganz kleiner Splitter.
In Jakobus 1,5 steht: Wenn aber jemand von euch Weisheit mangelt, so bitte er Gott. Also wenn du sagst, ich habe jetzt all das getan, ich habe versucht zu verstehen, Herr, wie das alles zusammenhängt, dann bete, und Gott wird dir auch noch dabei helfen.
Entscheidungsfreiheit unter Gottes Herrschaft
Was ich sage, lässt sich damit zusammenfassen, dass es eigentlich nicht darum geht, bei den meisten Entscheidungen genau einen Willen Gottes zu finden, sondern dafür zu sorgen, dass die Entscheidung, die ich treffe, sich im Willen Gottes befindet, also in dem Spektrum, das Gott mir vorgibt. Und in diesem Spektrum habe ich ganz, ganz viele Freiheiten.
Ich finde das für mich einen der ganz wesentlichen befreienden Inhalte christlicher Theologie: dass ich mein Leben, dass ich tatsächlich mich in meinem Leben, und versteht mich jetzt nicht falsch, aber ein Stück weit frei entfalten kann. Ich darf mitentscheiden, wohin es geht. Ich darf mich selber fragen, was ich als Nächstes tun möchte. Ich kann verantwortliche Entscheidungen treffen. Und da sind viele Entscheidungen tatsächlich neutral.
Ich hatte vor sechs, acht Jahren das Angebot, eine Missionsgesellschaft zu übernehmen, und war ein bisschen überrascht, dass sie auf mich zukam. Dann stand ich vor der Frage: Möchtest du Chef von Heuckelbach werden? Ich habe mich dagegen entschieden. Der Grund war: Ich glaube, es gibt weniger Leute, die in Berlin Gemeinde gründen wollen, als so ein großes Missionsding zu leiten. Und ich habe auch ganz nüchtern abgewogen. Ich glaubte einfach, der Falsche zu sein. Ja, noch zu jung, und der Kurs des Werkes, das war einfach nicht so ganz meins, ein sehr traditionelles Werk, wo ich dachte, ich bringe da wahrscheinlich auch mehr Unruhe rein, als ich Gutes tue. Es waren so verschiedene Überlegungen.
War das jetzt Sünde? Ich glaube nein. Wäre es Sünde gewesen, wenn ich angenommen hätte? Ich glaube auch nein. Mein Leben wäre anders gelaufen. Wenn ich jetzt so ein Werk leiten würde, dann wäre ich heute ein anderer Typ. Ich hätte weniger Bibelstudium gemacht, ich würde mich nicht mit solchen Texten hier beschäftigen, ich würde etwas ganz anderes machen. Wäre das grundsätzlich falsch? Nein, es wäre ein Weg, den ich hätte mit Gott gehen können. Und ich bin mir sicher, Gott hätte auch an der Stelle Segen geschenkt.
Es ist ja nicht so, dass Gott sagt: Jetzt hast du aber den einen Fehler gemacht. Du konntest es zwar nicht wissen, aber na ja, jetzt ist es vorbei. „Das war es mit Segen für die nächsten dreißig Jahre, tut mir auch leid.“ So ist Gott nicht. Sondern wenn wir uns in seinem Willen befinden und die Rahmenbedingungen einhalten, dann dürfen wir Entscheidungen treffen. Und wir dürfen unser Leben gestalten an seiner Hand. Und wir gehen den Weg, den wir wollen, wir jetzt, er und wir, in dem Rahmen, wie er uns begabt hat.
Und ich bin sicher, das macht euch so viel Freude, so eine Aussage wie mir.
Gebet als Antwort auf Gottes Souveränität
Das war der eine Punkt. Ist alles der Wille Gottes? Ja, aber bitte vorsichtig, wenn es darum geht, zu sagen, welche Qualität das Ganze hat.
Wenn ich das jetzt glaube, wie verhält sich dieses Wissen darum, dass es einen Gott gibt, der alles in seiner Hand hält, zum Thema Gebet? Ich habe euch einfach mal ein paar Gedanken dazu mitgebracht.
Zuerst einmal: Wenn ich bete, dann kann ich das eigentlich nur tun, wenn ich glaube, dass ich es mit einem persönlichen Gott zu tun habe. Wenn da kein persönlicher Gott ist, wenn das keine Person ist, niemand, mit dem man reden kann, dann bräuchte ich nicht zu beten.
Gleichzeitig: Wenn ich glaube, dass es ein persönlicher Gott ist, mit dem man reden kann, und wenn ich glaube, dass er ein mächtiger Gott ist, und wenn ich glaube, dass er gegenwärtig und tatsächlich interessiert ist und es gut mit mir meint, dann wird das automatisch mein Gebetsleben prägen.
Ich glaube, wenn wir feststellen, dass es wenig Gebet in unserem Leben gibt, dann ist das ein sehr kritisches Warnzeichen. Dann sollte man wirklich noch einmal nachdenken. Ich weiss, dass es nicht einfach ist. Das Gebet gehört zu den angefochtensten Dingen im Leben. Ich weiss, dass wir immer in der Gefahr stehen, wenn der Druck von aussen auf unser Leben zunimmt, zuerst die Dinge über Bord zu werfen, die eigentlich wichtig sind. Dazu gehört auch das Gebet.
Ich möchte euch ermutigen: Wenn wir wissen, dass wir es mit einem Gott zu tun haben, der alles in seiner Hand hält, dann könnte doch eigentlich dieser Druck, die Umstände, das, wo wir glauben, noch etwas erreichen zu müssen, ein Stück abfallen. Wir könnten uns doch eigentlich in die Hand dieses Gottes werfen und sagen: Du weisst, wer ich bin, du weisst, was ich kann, du weisst, was jetzt noch geht, und du weisst, dass mir das hier zu viel wird.
Und wir könnten doch eigentlich ein Stück gelassener durchs Leben gehen. Eigentlich möchte ich dafür Werbung machen: für diesen gelassenen Umgang mit Gott, in dem Gebet eine grosse Rolle spielt, und zwar in verschiedenen Ausdrucksformen.
Dank, Anbetung und Klage
Zum einen: Wenn ich glaube, dass Gott regiert, dann sollte Dank in meinem Leben ganz, ganz vorne stehen. Eigentlich sollten wir sehr dankbare Menschen sein. Und Dank ist mehr als nur das Aufzählen dessen, was Gott mir geschenkt hat, okay? Wenn ich also dastehe und eine Liste mit allem mache, was Gott mir geschenkt hat, dann ist das noch nicht alles. Dank muss mehr sein. Dank muss eine Haltung sein. Da muss das Gefühl der Dankbarkeit und der Freude dahinterstecken.
Ich lese euch mal etwas vor, Psalm 9,2-3, damit wir einen Eindruck bekommen, wie sich das anhört, wenn jemand wirklich begeistert ist: Psalm 9,2: Ich will dich preisen, Herr, mit meinem ganzen Herzen, will erzählen alle deine Wundertaten. In dir will ich mich freuen und frohlocken, will deinen Namen besingen, du Höchster.
Ja, in diese Richtung geht es. Da kommen wir ins Danken hinein. Und die Bibel fordert uns an verschiedenen Stellen zum Danken auf. Es gibt nicht nur die Aufforderung, für die großen Sachen zu danken. Da ist es immer ganz einfach. In Epheser 5,20 heißt es: „Allezeit für alles dem Gott und Vater Dank.“
Du kannst auch die kleinen Dinge nehmen: die Tatsache, dass es hier drin warm ist. Die Tatsache, dass du bequem sitzt. Die Tatsache, dass du herfahren konntest mit einem Auto, nicht verfolgt wirst, noch atmen kannst. Es gibt so viel. Es sind einfach diese vielen Dinge, mit denen Gott uns beschenkt. Wenn wir glauben, dass wir in der Hand eines Gottes leben, der in jedem Moment alles erhält und regiert, dann sind das alles keine Zufälle, sondern es ist uns von Gott geschenkt.
Und selbst wenn es mal schwierig wird, heißt es in 1. Thessalonicher 5,18: Sagt in allem Dank. Wenn die Umstände schwierig werden, dann ist das kein Grund, sich zurückzuziehen. Wenn wir glauben, dass Gott regiert, dann steht Gott nicht im Himmel und sagt: Oh Mann, jetzt habe ich aber ein Problem. Jetzt ist dem Max was passiert, und das habe ich gar nicht so richtig mitgekriegt. Und jetzt steckt der Max da in dieser Bredouille fest, und wie soll der da wieder rauskommen? Ich habe das irgendwie nicht mehr im Griff.
Das stimmt doch nicht. Wenn Gott regiert, dann fühlt sich das für Max immer noch nach Bredouille an. Aber er darf wissen: Auch wenn ich mich hier jetzt nicht wohlfühle, auch wenn ich mir das nicht wünsche, ich kann danken. Ich darf wissen, dass dahinter ein Gott steckt, der nicht sagt: Huch, habe ich übersehen, tut mir auch leid, kam keine Outlook-Erinnerung, passiert manchmal, sondern der sagt: Max, ich weiß, warum du da jetzt durchgehst. Und ich würde mich freuen, wenn du auch in dieser Situation Danke sagen könntest, weil aus meiner Perspektive, aus ewiger Weisheit und ewiger Güte, es das Beste ist, was gerade geschieht.
Und ich weiß, dass das nicht leichtfällt. Es wäre eine eigene Predigt wert. Deswegen heißt es in Psalm 50,23 zum Thema Dank, mein Lieblingsvers dazu: Wer Dank opfert, verherrlicht mich; und bahnt einen Weg, ihm werde ich das Heil Gottes sehen lassen.
Es ist ein Dankopfer. Und bei dem Wort Opfer spüren wir schon etwas davon, dass das manchmal nicht einfach ist. Manchmal sage ich Dank, und es fällt mir schwer. Es tut mir weh, es kostet mich etwas. Wenn Gott mich beschenkt mit, was weiß ich, ich suche gerade ein Buch, das es gerade zu einem vernünftigen Preis nicht in Europa gibt, aber jetzt stellen wir uns mal vor, es wäre morgen doch im Zentralverzeichnis antiquarischer Bücher irgendwie zu einem erschwinglichen Preis zu kriegen, ja, dann würde ich Danke sagen, würde mich riesig freuen.
Aber kann ich noch danken, als vorgestern der Arzt anrief, der Pneumologe meiner Tochter, und meinte: Fahren Sie bitte schnell ins Krankenhaus, wir haben einen Verdacht auf so eine Embolie in einer Lungenarterie? Ob man die Sachen schnell packt und schnell in die Notaufnahme fährt und hofft, dass da alles gutgeht? Kann ich dann auch noch sagen: Vater im Himmel, ich danke dir dafür, auch wenn ich nicht weiß, was das jetzt bedeutet? Müsst euch keine Sorgen machen, siehst wieder raus, alles ist gut. Aber in dem Moment, wenn einen das so packt, wenn man sagt: Ups, wir reden ja nun nicht nur über so eine kleine Sache, da kann ja wirklich etwas Großes daraus werden.
Wer Dank opfert, verherrlicht mich. Manchmal ist Dank eine Sache des Opfers.
Und darüber hinaus: Wenn wir nicht nur beschreiben, was wir haben, sondern wenn wir uns Zeit nehmen, über Gott nachzudenken, dann nennt man das Anbetung. Wenn wir darüber nachdenken, wie Gott selber ist, Offenbarung 15, einfach zwei Verse, Vers 3 und Vers 4, und sie singen das Lied Moses, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes und sagen: Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr Gott, Allmächtiger. Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, o König der Nationen.
Da haben wir diesen Gedanken, sich hinzustellen und zu sagen: Wie schön ist es, einen Gott zu haben, der alles im Griff hat. Wie schön ist dieser Gott, von dem ich weiß, er wird alles an sein gutes Ende bringen. Ich mag nicht alles verstehen. Das ist nicht schlimm, denn wenn du alles verstehen würdest, wärst du Gott und nicht er. Aber er ist Gott, und du bist es nicht. Und deswegen wirst du nicht alles verstehen, aber du kannst ihn anbeten für das, was er selber über sich gesagt hat.
Wer sollte dich nicht fürchten, Herr, und deinen Namen verherrlichen? Denn du allein bist heilig; denn alle Nationen werden kommen und vor dir anbeten, weil deine gerechten Taten offenbar sind.
Ich darf Gott anbeten. Aber ich darf noch mehr.
Kommen wir zur schönsten Art vielleicht des Gebets: der Klage. Was mache ich denn, wenn Gottes Vorsehung uns in ganz schwierige, schmerzvolle Situationen hineinführt? Dann dürfen wir klagen. Und wir dürfen an der Stelle Klage nicht verwechseln mit Zweifel oder mit Bitterkeit oder mit Murren oder mit Hass. Sondern Klage ist eine ganz ehrliche, emotionale Anfrage aus dem Leid heraus, aus meiner eigenen Begrenztheit heraus, aus meiner eigenen Verzweiflung heraus an Gott.
Und sie gehört für mich, dieses leidenschaftliche Ringen mit Gott, zu dem Schönsten, was Christsein eigentlich anzubieten hat. Wisst ihr, wir sind wieder in der letzten Woche beim Hohelied gewesen, ja, leidenschaftliche Beziehung, ja. Wo wird Leidenschaft deutlich im Umgang mit Gott? Ich finde, Leidenschaft wird da deutlich, wo ich nicht als passives Häschen da sitze und sage: Na, dann friss mich doch, sondern wo ich sage: Nee. Wo ich wie Jakob am Pnuel mit Gott ringe und sage: Ich werde dich erst loslassen, wenn du mich segnest. Ich werde so lange mit dir ringen, so lange mit dir kämpfen, so lange mich mit dir auseinandersetzen, bis ich verstehe, wo es hingeht, bis ich verstehe, was du eigentlich mit mir willst.
Deswegen gibt es so viele Klageaspekte auch in den Psalmen. Oder ich lese euch mal etwas aus Hiob vor. Das ist kein Glaubenszweifel, wenn wir das lesen, sondern das ist ehrlicher Ausdruck einer Beziehung, die in diesem Moment nicht versteht, was der andere tut; die irgendwie akzeptieren möchte, dass der andere es richtig macht, und trotzdem die Beziehung ernst nimmt. Und aus der Beziehung heraus heißt es in Hiob 7,11-12: So will auch ich meinen Mund nicht zurückhalten, will reden in der Bedrängnis meines Geistes, will klagen in der Verbitterung meiner Seele. Bin ich das Meer oder ein Seeungeheuer, dass du eine Wache gegen mich aufstellst?
Vers 19: Wie lange noch willst du nicht von mir wegblicken, nicht einmal so lange von mir ablassen, bis ich meinen Speichel heruntergeschluckt habe? Habe ich gesündigt, was tat ich dir an, du Wächter der Menschen?
Versteht ihr, das ist Leidenschaft. Ich verstehe es nicht, sag es mir doch. Wichtig ist nur, dass Klage im Mund eines Gläubigen nie das Letzte ist, was wir sagen. Es gehört dazu, es gehört zu einer echten Beziehung. Wenn mir der andere egal ist, dann kann er mit mir machen, was er will, und ich werde nichts dazu sagen. Aber in dem Moment, wo der andere mir nicht egal ist, wo ich mich nach einer tiefen Beziehung, nach Innigkeit sehne, werde ich solche Dinge sagen.
Deswegen kann Jesus am Kreuz sagen: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Psalm 22, am Anfang steht das. Ja, warum sagt er das denn? Ja, weil er einen Klagepsalm spricht, weil er ringt. Und womit endet er? Er bleibt da nicht stehen: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Er endet mit Lukas 23,46. Das ist das, was er am Ende sagt: Und Jesus rief mit lauter Stimme und sprach: Vater, in deine Hände übergebe ich meinen Geist.
Und das ist es, wenn wir mit Klage starten: ein weiterer Ausdruck von Gebet, wo wir dann zu Gott hinkommen und ihm unser Vertrauen aussprechen. Also: danken, anbeten, klagen.
Bitte, Fürbitte und die Grenzen des Gebets
Und weil ich weiß, dass ich einen souveränen Gott habe, darf ich meine Klage an den Punkt bringen, an dem ich sage: Vielen, vielen Dank, Herr, ich bin bereit, den Weg zu gehen, den du mit mir hast. Ich glaube, dass das, was du tust, das Beste für mich ist. So wie es in Matthäus 26,39 vom Herrn Jesus heißt: Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst.
Da wollen wir hin. Aber da kommen wir nur an, wenn wir glauben, dass Gott niemals die Kontrolle über das, was passiert, verliert. Nur wenn Gott der Regent, der absolute Herrscher ist, macht das Sinn. Und nur dann macht es Sinn, dass wir einen Schritt weitergehen. Und weil wir daran glauben, dass Gott herrscht, fangen wir an, seinen Arm im Gebet zu bewegen.
Und die Bibel ist voll davon, dass wir Bitten aussprechen dürfen. Von so simplen Sachen wie: Mein tägliches Brot gib mir heute. Ich bete das fast jeden Tag. Ich sage: Herr Jesus, du weißt, was wir brauchen, und zwar nicht nur finanziell, sondern auch emotional und an geistlicher Zuwendung, eigentlich an Input in unsere Familie. Bitte schenk es mir.
Und wir dürfen weiter beten. Wir können im dritten Johannesbrief lesen, dass der Apostel Johannes einmal für die Gesundheit seines Freundes betet: „Ich bete, dass er gesund wird.“ Ich finde das so schön. Wir wissen, dass wir für die Regierungen beten dürfen. Wir dürfen Gottes starken Arm bewegen. Es ist ein geistliches Naturgesetz, und ich kann euch nicht genau erklären, woher das kommt. Das weiß ich nicht. Aber es ist ein geistliches Naturgesetz, dass bestimmte Dinge Gott dadurch möglich werden, dass wir beten.
Ändern wir durch unser Gebet Gott? Wird Gott jetzt unsere Marionette? Nein, und zwar aus verschiedenen Gründen nicht. Einmal: Wenn Gott auf unser Gebet hin handelt, dann nur deshalb, weil er schon wusste, was wir beten werden, bevor wir es gebetet haben. Er ist nicht überrascht, weder wenn wir beten, noch wenn wir nicht beten.
Ja, aber wenn das so ist, warum bitteschön werden dann so viele Gebete nicht erhört? Auch da möchte ich nicht sagen, dass ich alle Weisheit weiß. Aber es fällt mir natürlich auf, dass, wann immer wir über erhörliches Gebet nachdenken, Gott bestimmte Rahmen gesetzt hat. Es ist nicht so: Ich bete, und Gott springt. Gott ist nicht mein Dienstmädchen. Dort ist kein Cola-Automat. Ich werfe oben eine Münze rein und dann drücke ich auf Coke, und dann plopp. So funktioniert Gebet nicht.
Gott sagt, es gibt Voraussetzungen für erhörliches Gebet. Wir müssen zum Beispiel im Namen Jesu beten. Das steht in Johannes 16,23. Ich lese euch das mal vor: Johannes 16,23-24: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Was ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, wird er euch geben. Bis jetzt habt ihr nichts gebeten in meinem Namen; bittet, und ihr werdet empfangen, damit eure Freude völlig sei.
Wir müssen im Namen Jesu beten. Und das Mindeste, was das bedeutet, ist: Wir müssen als Christen beten, das Aller-Mindeste. Wir müssen zu diesem Jesus gehören. Wir müssen Teil seiner Braut sein.
Und dann Jakobus. Ist das Jakobus 4,3? Ein anderer Aspekt, auf den wir echt aufpassen müssen. Ich lese mal ab 2b: Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet. Ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden.
Also müssen wir uns schon die Frage stellen: Das, was du da jetzt haben möchtest, warum willst du das denn haben? Wenn ich anfangen würde, für einen Ferrari zu beten, dann muss ich nicht überrascht sein, wenn Gott sagt: Jürgen, du hast einen schönen roten Peugeot, das reicht. Musste ich noch ein rotes Auto haben? Eins ist genug. Versteht ihr? Es ist einfach so: Wenn ich sage, ich muss das aber noch haben, und das ist meine Motivation, sagt Gott von vornherein: Vergiss es.
Und noch etwas ist wichtig, und das ist die Einschränkung, die vielleicht am grundlegendsten ist. 1. Johannes 5,14: Und dies ist die Zuversicht, die wir zu ihm haben, dass er uns hört, wenn wir etwas nach seinem Willen bitten.
Tut mir leid, wir können beten, wir sollen beten, wir müssen beten. Wir müssen beten, flehen, weinen und fasten. Wir müssen alle Hebel in Bewegung setzen, dass diese Welt sich verändert. Und Gebet ist das Wichtigste, was wir dabei haben. Und trotzdem wird Gott nicht zu unserer Marionette. Am Ende steht sein Wille.
Und wir können uns natürlich Gedanken machen, in diesem Willen zu bitten. Also wenn du dafür betest, dass Dinge passieren, die völliger Nonsens sind – ich bitte dich, Herr, dass der Mond blau wird oder so –, das ist so weit weg, das ist Quatsch. Okay, also beten wir für die Dinge, wo wir wissen, dass Gott sie möchte. Aber selbst darin, wo wir uns in diesem Rahmenplan Gottes bewegen, wird Gott genau das tun, was er für richtig hält. Gott ist einfach souverän, und wir sind es nicht.
Schlussgedanken zum Bösen und zur Hoffnung
Fazit: Betet, indem ihr es einfach tut, dankt ihm, betet ihn an. Klagt dort, wo ihr nicht weiterwisst, bis zu dem Punkt, an dem ihr euch vertrauensvoll zu seinen Füßen werft und sagt: Ich ergebe mich, dein Wille geschehe.
Und bittet Gott. Bewegt seinen Arm. Unterschätzt mir bitte die Fürbitte nicht. Wenn wir nicht bitten, bringen wir damit nur zum Ausdruck, dass wir nicht glauben, dass Gott herrscht. Wenn wir das aber wirklich glauben, dann werden wir auf ihn zurückgreifen.
Ich denke, wir alle haben Gebetsanliegen, die uns so wichtig sind, dass wir einfach sagen: Dafür möchte ich jeden Tag beten. Ich habe ein Anliegen, das mir im Moment so wichtig ist. Ich werde es nicht mit euch teilen, aber es ist mir im Moment so wichtig, dass ich immer dafür bete, wenn ich vor meinem PC mein E-Mail-Programm hochfahre. Das mache ich oft am Tag. Ja, wenn ich darauf wechsle, bete ich dafür, weil ich denke, das ist gut. Ich habe mir das einfach angeknüpft, weil es im Moment so wichtig ist. Da möchte ich einfach oft für beten.
Für die Jugendtage, die morgen in Mariendorf starten, die Berliner Jugendtage, haben wir Leute gebeten, jeden Tag dafür zu beten. So haben wir Gebetsnester geschaffen. Ich hätte gerne mehr gemacht, aber jetzt haben wir erst einmal damit angefangen, weil es superwichtig ist, dass wir das nie vergessen.
Kommen wir zum Schluss. Am Ende möchte ich noch einmal den Versuch wagen, einen ersten Einstieg in das Thema „Das Problem des Bösen“ zu geben. Wie kann es sein, dass all das Schreckliche, Böse und Entsetzliche, was im Universum passiert, passiert, wenn wir einen allmächtigen, guten Gott haben, der souverän regiert? Das ist eine der wirklich schwierigen Fragen. Richtig schwierig deshalb, weil es das einzige wirklich sinnvolle oder spannende Argument gegen Gott ist. Alle anderen Argumente kannst du ziemlich in der Pfeife rauchen, aber das Ding trifft.
Und es trifft, weil es so praktisch ist, weil es so emotional ist. Du schlägst die Zeitung auf und stellst dir die Frage: Wie kann Gott es zulassen, dass Kinder verhungern, dass so Dinge passieren wie im Bosnienkrieg? Wie kann Gott da zuschauen?
Wie gesagt, ich will jetzt nur eine kurze Antwort anreißen. Mehr möchte ich heute Abend nicht machen. Wir können das gerne mal ausführlich in ein, zwei Vorträgen durchnudeln und einfach mal schauen, welche Antworten es auf die Frage gibt und welche Antworten etwas taugen und welche nicht.
Ich finde es bei allen Antwortversuchen, die man darauf gibt, ganz, ganz wichtig, dass wir davon ausgehen, dass weder die Allmacht noch die Güte Gottes am Ende auf der Strecke bleiben darf. Das heißt: Gott hat das Böse, und ich meine das jetzt mal ganz global, egal ob wir über Zahnschmerzen reden oder den Holocaust, erstens nicht verursacht. Bei allen Gottesideen ist das für mich ein ganz wichtiger Punkt. Wenn Gott das Böse verursacht hätte, wäre er fähig zum Bösen. Er wäre fähig zur Sünde, denn der, der das Böse tut, sündigt. Und die Bibel ist ganz klar: Gott ist zum Bösen nicht fähig, es widerspricht seiner Natur.
Der zweite Punkt, der mir auch persönlich ganz wichtig ist: Gott hatte das Böse nicht nötig, um mit dieser Welt zu seinem Ziel zu kommen. Das Böse musste nicht sein. Es war keine Notwendigkeit im Plan Gottes. Das ist wichtig, damit Gott, was seine Güte angeht, auch wirklich der Gott bleibt, als der er sich darstellt.
So kommen wir zu der Antwort: Gott hat das Böse nicht verursacht, und er braucht es nicht. Aber Gott akzeptiert in dem Moment, wo er die Welt schafft, und zwar in dem Moment, wo er Wesen schafft wie Engel oder Menschen, die einen freien Willen haben, ein Risiko. Und zwar das Risiko, dass die Wesen mit einem freien Willen sich entscheiden, das Böse zu tun. Das, was Gott nicht ist, das, was Gott nicht will, entsteht in dem Moment, wo der Mensch, begabt von Gott, oder der Engel, begabt von Gott, sich bewusst für das Böse entscheidet.
Warum schafft Gott Menschen und Engel mit einem freien Willen? Warum will er das? Ich kann es in erster Linie für die Menschen beantworten. Er schafft Menschen mit einem freien Willen, weil er geliebt werden will. Die Liebe und die Anbetung, die Gott möchte, gibt es nur freiwillig. Wenn Gott geliebt werden will, aber er hätte diese Liebe aufgezwungen, wäre das, was man Liebe nennt, nicht mehr Liebe. Liebe und Zwang schließen sich wechselseitig aus, zumindest echte Liebe.
Wir reden nicht über die Liebe einer Prostituierten, die Gott sucht, sondern wir reden über die Liebe einer Braut. Und ihr wisst das aus der letzten Woche im Hohelied: Die kann man nicht bezahlen, die kann man nur geschenkt bekommen. Nicht einmal Gott könnte wahre Liebe kaufen. Er kann sie nur geschenkt bekommen, und zwar von uns.
Und wenn wir sie ihm nicht schenken wollen, wenn wir sagen, wir hängen unser Herz an etwas anderes, dann kann Gott uns versuchen zu ziehen, so wie Hosea das sagt, mit Seilen der Liebe. Aber in dem Moment, wo er uns zwingt, in dem Moment, wo er sagt: Jetzt greife ich in dein Hirn ein, jetzt drehe ich an dem Schalter, den man umdrehen muss bei dir, damit du tust, was du eigentlich nicht tun willst, aber genau das tust, was ich mir wünsche, in dem Moment verliert das, was Gott bekommt, an Wert. Es ist nicht mehr das, was er bekommt. Es ist nicht mehr Liebe. Das macht Gott nicht.
Und der Mensch, der zur Liebe geschaffen ist, wendet sich gegen Gott. Die Folge davon ist, dass der Mensch, der sich für die Sünde entscheidet, sich selbst, seine Beziehung zu Gott und die Schöpfung ruiniert. Und das ist das Leid, das wir mitbekommen.
Das heißt: Wenn wir Gott einen Vorwurf machen wollen, dann dafür, dass er dem Bösen nicht konsequent genug Einhalt gebietet. Das könnte man ihm vorwerfen. Man könnte sagen: Du hättest Hitler früher stoppen müssen, du hättest Pol Pot früher sterben lassen müssen, du hättest Mao früher einfach über den Jordan schicken müssen. Und was es da noch an Typen gibt in der Weltgeschichte, die unsägliches Leid über Millionen und Abermillionen von Menschen gebracht haben.
Das ist der Vorwurf, den man ihm machen kann. Aber nur dann, wenn wir glauben, Gott beurteilen zu können. Und jetzt kommt das Problem: Wir beurteilen mit diesem Vorwurf die Langmut und die Geduld Gottes. Und ich denke, wir müssen äußerst sparsam damit umgehen, zu sagen: Gott, du bist viel zu langmütig gewesen.
Was soll denn Gott sagen? Ist es richtig, dass Gott in meinem Leben zwanzig Jahre gewartet hat, bis ich bereit war, von meinen Sünden zu lassen? Und manche sitzen hier, die noch später zum Glauben gekommen sind. Da sagen wir doch: Das war völlig in Ordnung, logisch, ja, huh, bloß froh, dass Gott so lange gewartet hat, bis ich auch das Evangelium verstanden habe. Hach, huh, ja. Aber in einem anderen Fall sagen wir: Haha, das geht auf keinen Fall.
Lasst uns sparsam sein mit diesem Vorwurf, weil es uns definitiv an Gottes Weisheit und Weitsicht fehlt, um sein Handeln restlos beurteilen zu können. Wir wissen nicht, was am Ende aus dem, was er auch an Leid zulässt, herauskommt. Wir wissen aber, dass Gott richten wird. Es kommt ja keiner ungeschoren davon. Es gibt ja den Moment, wo genau das passiert, was alle sich wünschen, dass Gott endlich eingreift. Es kommt ein Moment, nur dass dieser Moment wie so ein point of no return mit der Geschichte der Welt abschließt.
Im Moment ist es so, dass die Antwort Gottes auf das Leid der Welt, und machen wir uns klar, dass er mehr leidet als wir alle zusammen, okay, weil er das Schreien jedes abgetriebenen Kindes hört, fünfzig Millionen pro Jahr ungefähr weltweit. Er hört die Schreie der Witwe, die ihren Mann im Krieg verloren hat. Er hört die Schreie der Eingesperrten, die ohne Verurteilung darauf warten, in irgendeinem drittklassigen Gefängnis, nein, zehntklassig, in irgendeiner Baracke still vor sich hin zu modern. Er hört ihr Schreien, er kennt jeden einzelnen Gedanken. Für ihn ist es schwer zu warten. Und er könnte eingreifen, in jedem Moment, in jedem einzelnen Moment könnte er dem Ganzen begegnen.
Aber seine Antwort auf das Leid dieser Welt, das zu ihm schreit, ist nicht Gericht gewesen, noch nicht Gericht, sondern ein Kreuz. Und an diesem Kreuz bezahlt er für die Freiheit des Menschen. Es mag uns nicht schmecken, dass Gott das Leid nicht wegnimmt.
Aber es schmeckt uns in dem Moment, wenn wir darüber nachdenken, was er hätte wegnehmen müssen, um das Leid wegzunehmen: dich! Du wärst im ersten Moment deiner ersten Sünde für einen heiligen Gott nicht mehr tragbar. Und das willst du nicht, glaub mir. Wir sind im Grunde unseres Herzens dankbar dafür, dass Gott ein barmherziger Gott ist. Und er macht den Weg frei, aber nicht, indem er Leid wegnimmt, sondern indem er einen Weg schafft für jeden einzelnen Menschen, um in die Welt einzugehen, die tatsächlich ohne Leid ist.
Und er tut noch etwas mehr für uns Gläubige. In Römer 8,28 gibt er uns ein ganz ermutigendes Wort mit. Und dieses ermutigende Wort gilt nur, weil er regiert, weil er sagt: Ich kenne das Leid und ich sehe das Leid, und es überrascht mich nicht. Es bedrückt mich und es macht mein Herz traurig, und ich verabscheue es, aber ich ertrage es, und ich werde dafür sorgen. Und das ist der Zuspruch an uns: Ich werde dafür sorgen.
Römer 8,28: Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken. Ich werde dafür sorgen, dass, wenn du durchs Leid gehst, und Leid ist uns verheißen, weil wir in einer Welt voll von Leid leben, weil wir in diese Welt hineingesandt sind, wo Menschen kaputt sind, und wir werden ihre Kaputtheit teilen. Deswegen können alle Männer Gottes ein Lied vom Leid singen und alle Frauen Gottes genauso. Weil es dazugehört, weil der Weg durch das Tal des Todesschattens eine Realität ist, aus verschiedensten Gründen. Es ist jetzt nicht Zeit, darüber zu reden.
Aber wir dürfen eines wissen: Gott regiert, und Gott weiß, was er tut. Und weil er regiert, kann er dafür sorgen, dass tatsächlich alle Dinge, alle schmerzlichen Erfahrungen, alle Verluste, jeder Missbrauch, jeder körperliche Schmerz, jedes Gedisstwerden, kennt ihr das Gedisstwerden? Das ist nicht so ein bisschen Neudeutsch, ja? Abgelehnt werden, ausgeschlossen, ausgegrenzt werden, nicht gewollt werden. Er kann das benutzen auf seine Weise, wenn wir an ihm festhalten. Und da laufen wir wieder über die Schiene Klage, ja, keine Frage. Aber wenn wir an ihm festhalten, kann er das benutzen zu unserem Guten.
Warum? Weil er regiert, weil selbst das Leid, was uns trifft, an ihm vorbeigeht und er es tatsächlich durchwinkt und sagt: Ist okay. Es ist nicht das, was er sich unbedingt für uns wünscht, aber es ist das, was er zulässt und zu unserem Guten in unser Leben einpflegt, um am Ende zu dem Ziel zu kommen, das er als der Regent, der Souverän dieser Welt, mit ihr hat.
Abschluss und Ausblick auf die nächste Themenreihe
Vielen Dank. Das war jetzt vielleicht einen Tick länger, aber es war auch schon der Abschluss dieses Abschnitts: Gott der Regent. Schlaglichter, die uns helfen sollen, Gott besser zu verstehen.
Die letzten drei Vorträge werden sich um ein viel netteres Thema drehen. Nachdem wir Gott den Schöpfer und Gott den Regent hatten, kommen wir jetzt zu Gott dem Retter. Wir schauen uns einfach einmal an, was Gott so tut. Dabei werden wir uns auch mit Dingen beschäftigen, wie Gott selbst noch einmal ist, seine Heiligkeit und Dreieinigkeit. Das werden also ein paar Themen sein, mit denen wir uns beschäftigen.
Ich denke, das ist angenehmer als über Leid und den Willen Gottes und so. Aber das machen wir dann erst nächsten Monat.
Ich fand es schön, dass ihr nach der letzten Woche da wart. Das war für mich eine große Ermutigung. Vielen Dank.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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