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Wir werden nicht müde

2. Korinther 4,1-620.08.2007
Wenn du dich nutzlos fühlst oder der Glaube müde wird: Wert kommt nicht aus Leistung. Hoffnung entsteht dort, wo Christus neu sichtbar wird – und selbst kleine Worte können Licht machen.

Dank, Fürbitte und die Frage nach dem Zeugnis unter Druck

Ich möchte heute Abend zunächst meiner Freude Ausdruck geben, dass die Geisel in Afghanistan freigekommen ist. Die Frau aus Alpersbach, ein Wundergott, nein, die Frau von dem Hilfswerk Ora, sie war eine Studentin des Missionsseminars in Korntal und war dort draußen in einem wichtigen Dienst tätig. Es geschieht dort ja viel.
Es sind verschiedene Missionsleute in Afghanistan tätig. Von uns ist auch ein Ehepaar dort. Wir wollen an sie denken in der Fürbitte. Und Sie wissen ja, dass unsere Missionen in gar keinem Fall ein Lösegeld bezahlen. Das ist ja gar nicht möglich. So gefährdet wäre das: Wenn man beim ersten Missionar Lösegeld bezahlen würde, dann wären ja alle Missionare verloren, wo sie auch wären.
Aber es ist wichtig, dass wir beten. Und wir wollen auch für die südkoreanischen Mitarbeiter beten. Das ist wieder eine Gruppe christlicher Helfer, die mit dem Tatzeugnis zusammen von Jesus Zeugnis geben unter Muslimen. In Afghanistan ist ja eine sehr große Offenheit unter Muslimen. Das ist ja interessant, weil gerade der Terror die Islamleute, die Muslime, am meisten verunsichert. Denn viele Muslime sagen: Ist das wirklich Allah? Und deshalb fragen sie. Gerade das Zeugnis der Christen, das dort geschieht, ist so wichtig.
Und dann ganz herzlichen Dank für den Hinweis auf die Bücher, die Liederdichter. Das ist ein zweibändiges Werk, das jetzt der Verlag in einem Band herausgegeben hat. 100 über 100 Liederdichter, bekannte Lieder. Es hat mich so gefreut, dass auf einmal in diesem Jahr Paul Gerhardt so in den Mittelpunkt gerückt ist. Es war ja alles vergessen. In vielen Gemeinden hat man gar keine Lieder mehr gesungen, jetzt überall Paul Gerhardt. Aber Paul Gerhardt ist nur einer von vielen. Wenn man an Joachim Neander und Philipp Spitta und alles denkt, wenn man das mal sieht auf dem Hintergrund des Lebens, wie in großem Leid und in schwerer Lebensprüfung die Lieder entstanden sind, und das andere Buch ist mir immer sehr wichtig, mit Freuden ernten, wie Gott gerade durch den Kreuzesweg, durch das schwere Ameisenfrucht gewirkt hat. Das ist ungemein tröstend für sie, weil gerade auf den schweren Wegen Gott oft am meisten sein Heil durchsetzt.

Alter, Wertverlust und die Quelle der Würde

Aber ich freue mich, dass ich hier bei Ihnen sein darf, in dieser Freizeit, der Seniorenfreizeit. Denn das ist ja ein ganz besonders schwieriger Lebensabschnitt.
Ich weiß, wie das bei mir war, und das war auch zu einem guten Stück ein Schock, wenn man so sagt: Du bist jetzt nicht mehr maßgeblich, du bist jetzt auf die Seite gerannt, und du bist altes Eisen. Und die anderen sagen: Halt deinen Mund! Du hast in den Gremien nichts mehr zu bieten.
Ich habe, als ich vorher noch in den Gremien war, immer dafür gekämpft, dass man diese unsinnigen Altersbegrenzungen aufhebt. Natürlich ist es unsinnig, wenn der Jüngste in einem Vorstandskreis 78 ist. Das ist auch nicht sinnvoll. Aber so, wie man es dann mit der Grenze mit 65 gemacht hat, das ist natürlich auch ein Unfug, weil die große geistliche Weisheit dann wegfällt.
Ich habe mich gefreut, dass etwa in unseren Werken Doktor Fritz Laubach bis kurz vor dem Achtzigsten die Vorstandschaft gehabt hat. Und da konnte man in den Sitzungen die Uhr danach stellen, wann Schluss war. Dann war zwölf, und er hat es im Blick gehabt. So haben sie die Jungen nicht mehr fertiggebracht.
Aber sie haben diese Krise auch durchleiden müssen. Und ich habe oft mit Menschen gesprochen. Ich erinnere mich an einen Siemens-Direktor bei einem solchen Seniorenkongress, der sagte: Es ist die größte Krise meines Lebens. Vorher hatte ich nie eine freie Minute, ich war gejagt von meinem Beruf, und dann plötzlich sagt man mir von heute auf morgen, binnen 24 Stunden: Du bist für uns nutzlos. Und plötzlich steht man vor der Tür, und nach vier Monaten ist man schon draußen und kann auch gar nicht mehr helfen, weil man gar nicht mehr im Prozess drin ist.
Und das ist wichtig: Woher kriegen Sie Ihren Wert? Viele haben ja ihren Wert des Lebens nur durch ihren Beruf bekommen. Und da, wo sie gefordert waren, und Anerkennung. Und jetzt muss ich Ihnen sagen: Da lag der Fehler. Sie kriegen ihre Anerkennung, ihre Lebensmitte, allein von Jesus her. Und darum das Lied: Wir sind in den Dienst von Jesus eingespannt.
Und das Merkwürdige ist, dass unser Herr Jesus nicht nach dem arbeitet, wie man sonst bei den Unternehmern sagt: Die, die noch im Saft stehen, die jungen Leute, das sind die Wichtigsten. Sondern wenn du alt wirst, werden andere dich gürten und führen, wohin du nicht willst. Und der Herr setzt einen noch einmal zum Segen. Das ist ganz wichtig, dass Sie es wissen. Und wenn Sie nur noch Stunden auf Erden zählen, bis im Lied heißt: Ich will meine Zeit meinem Herrn darbringen, und ich will ihm zur Ehre leben.
Und deshalb habe ich für Sie heute Abend das ausgesucht. Wir gehen hier im zweiten Korintherbrief weiter, von 2. Korinther 4,5 bis dann am Mittwochabend 6, 2. Korinther 4,1-6.

Spannungen in der Gemeinde und die Lage in Korinth

Es ist ja überraschend, dass es im Neuen Testament so viele Spannungen in den Gemeinden gab. Sie kommen ja alle wahrscheinlich aus Gemeinden, in denen es gar keine Spannungen gibt, wo alles bloß Friede ist, wo man sich liebt und alle einander verstehen, jung und alt, und herzlich miteinander umgeht.
Es ist eine interessante Sache, dass schon in der Urchristengemeinde ganz schlimme Spannungen geschehen sind. All die Briefe des Paulus sind im Streit geschrieben. Und wie scharf hat Paulus immer wieder die Gemeinden zurechtgewiesen. Ganz große Not hatte er mit der Gemeinde in Korinth.
Wir wissen ja viel von dieser Gemeinde, weil in der Apostelgeschichte davon erzählt wird. Und in der Gemeinde von Korinth war etwas ganz Schlimmes passiert. Sie kennen das sicher aus Ihren Gemeinden auch nicht, ich sage das ironisch: dass da plötzlich Leute sind, die ganz arg von sich selber eingenommen sind, die sagen: Wir sind die Besten. Und wir predigen am besten, und wir können alles am besten. Sie haben gesagt, Paulus ist doch der Versager.
Die hatten kein geistliches Urteil. Die waren aufgeblasen. Die haben sich hineingedrängt. Das waren Leute, die ihre Gaben total überschätzt haben. Und die haben gesagt, der Paulus wirke ganz kläglich. Gerade in dieser Auseinandersetzung mit diesen Irrlehrern in Korinth hat Paulus viel über seinen Dienst gesagt, und das können wir für uns wieder übertragen.
Ich lese jetzt die ersten sechs Verse. Darum müssen wir jetzt gucken: Warum schreibt Paulus „darum“? Er spricht von dem herrlichen Geschehen, wenn Menschen Jesus entdecken, Kapitel 3. Die Herrlichkeit des Dienstes im neuen Bund: Er sagt, wie Mose, der mit Gott reden durfte wie mit einem Freund oben auf dem Sinai, noch viel wunderbarer ist es, wie wir über Jesus einen Zugang zur Herrlichkeit haben, ganz unmittelbaren, vertrauten Umgang. Und da spiegelt sich in uns die Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi, ganz wunderbar.

Das Licht des Evangeliums und die Grenze menschlicher Möglichkeiten

Darum: Weil wir dieses Amt haben, nach der Barmherzigkeit, die uns widerfahren ist, werden wir nicht müde. Sondern wir meiden schändliche Heimlichkeit und gehen nicht mit List um. Wir fälschen auch nicht Gottes Wort, sondern empfehlen uns durch die Offenbarung der Wahrheit dem Gewissen aller Menschen vor Gott.
Jetzt habe ich Angst, bin ich zu laut mit meiner Stimme, weil ich so ins Mikrofon brülle. Geht so, Sie wehren sich nicht, dass sie heute Abend wegen Ohrenschmerzen nicht mehr schlafen können.
Ist nun aber unser Evangelium verdeckt, so ist es denen verdeckt, die verloren werden, den Ungläubigen, denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, damit sie nicht das helle Licht des Evangeliums sehen, von der Herrlichkeit Christi, welcher das Ebenbild Gottes ist.
Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, dass er der Herr ist, wir aber eure Knechte um Jesu willen. Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, damit durch uns die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi entstünde.
Das hat Gott gemacht, damit Menschen die ganze Herrlichkeit Gottes durch Jesus entdecken können. Das ist die Mitte des Glaubens, das ist die höchste Erkenntnis, die man im Glauben haben kann. Höher können sie nie kommen. In der Ewigkeit können sie bloß noch mit ihren Augen Jesus sehen, die Herrlichkeit, den König in seiner Schöne.

Warum Glauben nur als göttliches Wunder möglich wird

Mir hat neulich eine Frau angerufen, die ein einflussreiches Amt begleitet, in einem Dienst, der sich hauptsächlich mit christlichen Kirchleuten abgibt, aber auch in einem grossen missionarischen Dienst steht. Und sie hat gesagt: Heute ist es ja viel, viel schwieriger als früher, Menschen mit dem Evangelium zu erreichen.
Ich habe eine Pause gemacht am Hörer und habe gesagt: Ich bin anderer Meinung. Sie müssen doch zugeben, es ist doch heute viel schwieriger als früher, heute, wo die Versammlungen so leer werden und die jungen Leute so aufsässig sind. Dann sage ich: Nein, liebe Frau, es war zu allen Zeiten unmöglich. Es war zu allen Zeiten unmöglich. Es hat noch nie einen Menschen gegeben, der die Gabe gehabt hätte, anderen den Zugang zum Glauben zu öffnen mit seinen Worten, ob er noch so begabt und klug war und schön geredet hat. Sondern jeder, der zum Glauben kommt, kann das nur durch eine Erleuchtung durch den Heiligen Geist. Das sagt der Paulus hier. Das ist das allergrösste Wunder der Geschichte.
Warum ist denn das Glauben nicht nur schwierig, sondern unmöglich? Der Paulus sagt: Schauen Sie sich noch mal hin, Vers 4. Der Gott dieser Welt hat den Ungläubigen den Sinn verblendet. Christus zu erkennen, wäre eigentlich eine ganz einfache Sache, denn alles, was man von Christus weiss, was im Evangelium steht, wäre für jeden Menschen völlig klar. Auch damals, als Jesus in Galiläa über die Strassen wanderte, als er am Kreuz hing, er, der Gottesschöne in seiner Liebe. Aber der Gott dieser Welt, wer ist denn das? Das ist der Teufel, Satan. Er hat den Menschen den Sinn verblendet, und das ist unheimlich schwer.
Und jetzt sind wir alle alte Menschen, und wir alle haben lange für diese Aufgabe gearbeitet. Und wenn sie keine Enkel haben, dann haben sie nicht nur Neffen. Was haben sie schon gesäufst? Ach Herr, nimm ihnen doch die Binde von den Augen weg! Ach Herr, erbarm dich derer! Schon bei den eigenen Kindern oder Cousins oder was sie gehabt haben, wo man oft nachts nicht mehr schlafen konnte, wo treiben diese herum, und sie gehen den Weg nicht. Und es war uns als Allerwichtigstes im Leben, nicht was lassen wir an Geld zurück für unsere lieben Familienangehörigen, sondern das Wichtigste, dass sie den Weg mit Jesus gehen.
Und dann leiden sie mit, ihr Schwestern und eure Mutterhause, wo bleiben die jungen Schwestern, warum ist niemand mehr bereit, in die Nachfolge von Jesus zu treten? Und dann sieht man in der Gemeinde, wie so viel abstirbt, und dann werden keine Hausbesuche mehr gemacht, und überall fehlt alles und liegt alles brach, und die Sache Jesu liegt da nieder. Und da sagt man: Es sieht so schlimm aus. Und dann wird man müde.
Davon spricht der Paulus. Müde alte Menschen sind gern müde und sagen: Ich kann es gar nicht mehr tragen. Die Last in unserer Gemeinde geht so schlimm her, und es gibt so wenige im Gebetskreis, und da wird man müde. Ich habe so viele eingeladen, ich habe so viele besucht, und es ist nichts herausgekommen. Wenn ich an die Missionare denke, wenn die heimkommen, die sind müde. Bruder Goldman, der kennt es ja dann besser durch seinen Sohn in Wiedenest und so, wie die Missionare zurückkommen und sagen: Aber es ist gar nichts passiert. Viele Missionare wollen gar keine Briefe nach Hause schreiben, wenn sie sagen: Es passiert gar nichts.
So sagt die Frau auf ihrem Telefon: Es ist so schwierig. Und sie sagt: Nein, es ist noch viel schlimmer als schwierig, es ist überhaupt unmöglich.

Treue statt Erfolg und der Dienst jedes Christen

Und deshalb sagt der Paulus zunächst: Für müde Leute, und wir sind müde Leute im Dienst. Wir haben ein Amt.
Was heißt das, wir haben ein Amt? Wir sind von Jesus in diesen Dienst berufen. Und da werden wir nie müde, weil das nicht unsere Sache ist, ob es Frucht gibt oder nicht. Wissen Sie, das können Sie ja beobachten, wie oft im Reich Gottes. Ich erzähle immer so gern von dem ersten Pioniermissionar in Ostafrika, dem Ludwig Krapff, der aus Derendingen bei Tübingen stammte. Ich weiß nicht, wie viele Jahrzehnte er in Ostafrika gewirkt hat. Einen Sterbenden hat er zu Jesus geführt, es war alles keine Frucht. Und wenn Sie heute nach Nairobi kommen, sind zwei Säle im Museum ihm geweiht, weil Gott eine so große Ernte gegeben hat. Die hat er zu Lebzeiten gar nie mehr erlebt.
Und Herr Ludwig Krapff hat gesagt: Der erste Heide, den ein Missionar bekehren muss, ist sein eigener, sein Ich. Denn der Missionar weiß gar nicht, wie tief seine Gottlosigkeit ist. Er muss sich zunächst ganz im Dienst Jesu ausliefern. Und das ist für uns im Alter noch einmal wichtig, dass wir sagen: Herr, ich bin nicht der Macher, du bist der Macher, ich bin in deinem Dienst. Der Herr ist gut, in dessen Dienst wir stehen, wir wollen bloß deine treuen Leute sein.
Das hat mich immer gewundert, wenn Jesus von den Haushaltern gesprochen hat. Da hätte ich eigentlich erwartet, dass Jesus sagt: Nun erwartet man nichts anderes von einem Haushalter, als dass er Erfolg hat, würde ich sagen. Jesus hat nie gesagt: Erfolg, sondern bloß: Treu. Du musst mir treu sein, und lass das mit der Ernte meine Sache sein.
Und ich würde Ihnen jetzt noch einmal sagen, im Blick darauf, wo Sie müde werden im Dienst und sagen: Ach, was habe ich alles gemacht. Ja, aber legen Sie es dem Herrn hin. Und ich darf Ihnen sagen, es ist nichts Vergebliches, was im Namen von Jesus getan wird. Was habe ich schon erlebt, wie junge Leute zum Glauben gekommen sind, warum eigentlich erst immer, nachdem die Oma schon begraben war. Und nachdem die Mutter tot war, wo auf einmal der Same aufgeht und die jungen Leute eine Kehrtwende einschlagen, wie das in ganz vielen Diensten passiert. Wir wollen doch nur treu sein dem Herrn Jesus, weil wir in dieses Amt hineingespannt sind.
Was heißt denn das, das Amt? Also von dem Amt reden immer die Amtsträger, das sind die, die die Talare tragen, das meint ja die Bibel nicht. Die Profis, die Geld dafür kriegen, auch das meint die Bibel nicht. Es gibt ja diese Trennung, Gott sei Dank. Jeder Christ ist im Dienst. Jeder Gläubig gewordene, jeder, der das neue Leben mit Jesus empfangen hat, ist ein Dienstmann oder eine Dienstfrau von Jesus. Und das ist ganz wunderbar, wo sie stehen, wo sie stehen.
Es ist ja toll, dass die neutestamentlichen Jünger alle Praktiker waren, Fischer und Handwerker, natürlich, und sie dienten Jesus. Und die haben über Jesus gesprochen beim Wasserholen und beim Wäschewaschen am Waschplatz, und die waren unterwegs. Ich sage immer, der Stephanus war der tollste Evangelist, es war eigentlich ein Sozialarbeiter, der Essen auf Rädern organisiert hat in der urchristlichen Gemeinde, aber er hat ein brennendes Jesuszeugnis.
Wie ist das mit unseren Sozialarbeitern? Wissen Sie noch, dass sie Jesus dienen und da ein Zeugnis von ihm geben? Wir sind in den Dienst von Jesus hineingespannt, wo wir mit anderen Menschen zusammenkommen, dass jeder Tag unter diesem steht, auch im Ruhestand, auch im Alter.

Zeugnis im Alltag, im Alter und in der Gemeinde

Gestern war es schön. Da war ich den ganzen Tag auf dem Michelsberg bei den Eidlinger Schwestern. Und da kam ein alter, 88-jähriger Mann. Er hat viel getan im Reiche Gottes, ein Kaufmann, hat viel gewirkt, Sammlung des Volkes Gottes. Er hat schon Hörgeräten und alles. Er sagt: Ich gehe jetzt ins betreute Wohnen.
Vor fünf Monaten hat er noch geheiratet, mit 88. Sehen Sie, was man alles noch machen kann mit 88 Jahren. Aber dann hat er gesagt: Das Wichtigste ist mir, wenn ich ins betreute Wohnen ziehe, ich möchte einen Bibelkreis dort aufbauen, verstehen Sie? Ich bin da nicht zum Jux und zur Tollerei dort, sondern ich bin Dienstmann von Jesus. Und wenn es nicht gelingt, dann machen Sie Besuche. Das fehlt am allermeisten bei den Alten und Kranken. Ich bin in den Dienst hineingespannt, und da werde ich nicht müde, weil es der Dienst von Jesus ist. Es ist egal, wenn man auch abblitzt und wenn man von den Leuten nicht nett aufgenommen wird. Ich bin im Dienst von Jesus.
Im 1. Timotheusbrief, Kapitel 1, im 2. Timotheusbrief, Kapitel 1, Vers 12, wo Paulus sagt: Ich danke meinem Gott, der mich für treu geachtet und ins Amt gesetzt hat. Das heißt, er hat mit mir einen Dienstvertrag gemacht, den kann ich gar nicht brechen. Das ist Gnade, dass der Herr uns noch braucht. Auch wenn die Jungen sagen, die Alten brauchen wir nicht mehr, der Herr Jesus sagt das nie. Sie sind ganz wichtig für ihn. Und wenn sie angeschlagen sind und wenn sie körperlich schwach sind, sie sind brauchbar für den Herrn Jesus.
Ich werde heute Abend am liebsten nur Geschichten erzählen, bekannte, große Geschichten, wo Leute durch Alte zum Glauben kamen. In einem Buch Mit Freuden ernten habe ich die Geschichte dieser Frau vom Evangelisten Traugott Hahn. Die war so schrecklich gelähmt, mit großen Schmerzen im Rollstuhl, die Lallahan, das ist die Großmutter vom späteren Kultusminister Wilhelm Hahn gewesen. Und ihr Mann Traugott Hahn war ein großer Evangelist, der überall in Deutschland evangelisiert hat.
Aber da hat ein Mann den Evangelisten gesprochen und gesagt: Ich komme gerade von Ihrer Frau. Es war ganz schlimm mit den Schmerzen, aber die wenigen Sätze, die sie sagen konnte, das waren mehr als hundert Predigten von Ihnen, wissen Sie, mehr als hundert Predigten von Ihnen. Und ich habe das oft erlebt bei den Schwerkranken in der Gemeinde, da sind die wunderbarsten Begegnungen gewesen. Ich kann nur sagen: Die jungen Leute sollten mehr an den Leidenslagern der Alten stehen. Wenn da plötzlich schwer vom Schwert gezeichnete Menschen das Lob Gottes sagen, hören Sie es nicht aus den jungen Kehlen. Das ist so wunderbar. Wir sind ins Amt gesetzt, und wir sind brauchbar für den Herrn, und wir werden nicht müde.

Das Wort statt Äusserlichkeit und die Kraft des Gewissens

Heute ist auch wieder so eine Sache. Ich beobachte, dass so viele, auch in der christlichen Gemeinde, fast meine ich, Prahlhänse sind, die daherkommen. Schönlinge nenne ich sie so gern. Die möchten durch ihre Erscheinung leuchten und sagen: Ich möchte mit meinem ganzen Leben Christus ausstrahlen. Da meinen sie, wenn man die Pomade ihrer Frisur sieht, dann würde man schon gläubig werden.
Deshalb: Es ist doch nicht unser Aussehen, das andere zu Jesus führt, sondern unser Wort, unser Zeugnis. So wunderbar, dass wir durch das Jesuszeugnis andere zum Glauben führen. Gott offenbart sich ja nur durch das Wort, nicht durch die Augen.
Ich halte es auch für verfehlt, wenn wir immer wieder meinen, wir müssten in unseren Gottesdiensten immer mehr Sachen zum Angucken haben. Ich habe mich neulich in Siegel an einer Gemeinde gefreut, wie Sie gesagt haben: Wir zünden nicht mal Kerzen an im Gottesdienst. Wir wollen das Licht in der Predigt haben. Das ist richtig. Im Wort Gottes kommt das Licht zu uns.
Und deshalb sagt der Paulus: Wir machen keine Tricks. Wir fälschen auch nicht Gottes Wort. Wir machen da nicht einen Zauber drumherum, sondern wir beweisen uns mit der Wahrheit.
Und ich bitte Sie: Sie als reife Menschen haben einen ganz wichtigen Dienst auch in Ihrer Gemeinde, dass Sie aus Ihrer großen Glaubenserfahrung und Lebenserfahrung, aus Ihrem Umgang mit Jesus, anderen Menschen auch in der Gemeinde sagen, was wichtig ist und was gilt. Was habe ich in meinem Leben durch ältere Menschen große Hilfe bekommen.
Selbst einmal, als mir ältere Menschen den Rost runtergeputzt haben, weiß ich noch, wie der Bruder, Lizenziat Hans Brandenburg, mich einmal zurechtgewiesen hat. Ich bin ihm heute noch dankbar, weit über seinen Tod hinaus, weil er sagte: Da läuft in eurer Glaubensverkündigung etwas nicht richtig. Es ging damals um die verfolgten Christen in Russland. Er hatte den Durchblick, er kannte Russland, er hatte Erfahrung, er war schon ein alter Mann im Ruhestand. Aber er hat um der Wahrheit des Evangeliums willen geredet.
Und deshalb wollen wir heute auch für die Gültigkeit des Wortes eintreten und sagen: Liebe Leute, das ist das Wichtige. Die Wahrheit des Evangeliums erweist sich. Es gibt kein anderes Evangelium.
Und noch mal der alte Mann mit 88, der gestern gesagt hat: Ich bin immer in meiner Kirche aufgestanden und habe protestiert, auch gegen unsere Dekanin im Bezirk. Denn wenn sie sagt, Jesus ist nicht auferstanden, dann braucht sie gar nicht mehr predigen, denn das Wort des Evangeliums gilt.
Was ist das wunderbar, wenn so alte Menschen das noch sagen und hinstehen, ob sie gehört werden oder nicht. Das ist eine Frage des Geistes Gottes, der schon bewirkt ist. Und der Paulus setzt ihn zu und sagt: Wir beweisen uns an dem Gewissen der Menschen. Das ist wunderbar.
Sehen Sie, da müssen wir gar nicht die Leute bereden, wir müssen sie auch gar nicht beschwatzen, wir müssen auch gar keine Tricks anwenden. Aber ich darf Ihnen sagen, dass das für junge Menschen ganz wunderbar wichtig bleibt.
Ich habe in meiner Gemeinde interessante Beobachtungen gemacht, dass jung bekehrte Leute aus gottlosen Familien sich am meisten gefreut haben, auf der Gemeindefreizeit mit alten Menschen zu reden. Da sagt einer immer wieder: In meiner Familie habe ich keinen Alten, mit dem ich über den Glauben reden kann. Aber da finde ich endlich alte Menschen, und die können mir im Glauben Korrektur sein und helfen.
Es ist so wunderbar, dass wir denken: Ich möchte bloß in ganzer Liebe und Geduld ein Zeugnis von Jesus weitergeben. Ob das im Haus ist bei den Bewohnern, ob das bei einem Türkenkind ist, das in der Nähe ist und dem man bei den Hausaufgaben hilft.
In unserer Gemeinde hatten wir eine Frau, die man dann wegen ihres Alters nicht mehr mitarbeiten ließ im Kindergottesdienst, bevor ich gekommen bin. Und wie ich dann in der Gemeinde Grumb in Stuttgart lag, der Kindergott. Ich habe diese Frau mit 77 Jahren gebeten. Sie hat sich nicht sehr modisch gekleidet, sie hat also ein bisschen altertümlich ausgesehen. Aber ich darf Ihnen sagen, dass meine Kinder Jesus gebunden haben, war dieser Frau zu danken.
Zu der darf man nicht mal Frau sagen, die wollte Fräulein genannt sein bis ins hohe Alter. Da sehen Sie, wie konservativ die war. Aber die hat unseren Kindern so Jesus lieb gemacht.
Wir erweisen uns an den Gewissen der Menschen. Das Wort Gottes muss sich nicht an der Vernunft erweisen. Das meine ich wie immer bei den langen Debatten, so am Gewissen.
Und am schönsten ist es, wenn Sie Menschen sagen können: Ich habe das auch mal geglaubt, was Sie sagen. Aber dann habe ich unter schmerzlichen Erfahrungen entdeckt, dass mein Leben ohne Jesus nicht möglich ist. Und ich bin durch viel Sünde und Not gegangen in meinem Leben, bis ich den Heiland gefunden habe. Und ich bin so überzeugt: Persönliches Zeugnis erweist sich am Gewissen der Menschen.
Das Gewissen ist das wichtigste Organ beim Predigthören. Jede Predigt muss ins erschrockene Gewissen hinein. Heute fragt man ja immer, ob der Gottesdienst Spaß macht. Das ist ganz schlimm, muss doch nicht Spaß machen. Auch schlimm ist, wenn einer sagt: Ich hätte Ihnen noch stundenlang zuhören können. Das ist auch nicht der Sinn von der Bibelstunde, sondern dass es irgendwo ins Gewissen fährt, dass Schuld aufgedeckt wird, dass zum Glauben gerufen wird, dass ein Mensch sich im Licht Gottes erkennt.
Und diesen Dienst haben wir alle miteinander, und das Zeugnis, wozu wir gebraucht sind, das hat Paulus nicht nur für seinen Aposteldienst gemeint, sondern das hat er gemeint für unser ganzes Zeugnis des Glaubens, dass wir vor allen Menschen das sagen sollen. Wir erweisen uns im Gewissen der Menschen.
Ganz wichtig: Die Predigt muss ins Gewissen, das Bibellesen muss ins Gewissen treffen. Das ist das Organ, durch das Gott uns ansprechen kann. Es muss jedes Mal Korrektur sein, Tröstung, Ermahnung.

Diakonie als Lebensform und die Treue im Kleinen

Wenn Paulus vom Dienst redet, vom Amt, dann gebraucht er immer ein Wort, ihr lieben Diakonischen. Das kennt ihr: Diakonia. Das ist der Jesusdienst. Und dass ihr Diakonissen heißt oder das Wort Diakon habt, bedeutet: Jesus war der erste Diakon. Er diente nicht als Knecht der Menschen, sondern er diente Gott und hat sich darum ganz hergegeben. Und da haben wir das Modell unseres Dienstes.
Wie viele jammern und klagen und sagen: Ich muss alles allein tun. Wir haben immer gesagt, die muss man gerade aus der Gemeinde mal für eine Zeit beurlauben. Die da ordentlich jagen, wir müssen mitsingen, und wir müssen alles machen, wir müssen putzen, da ist niemand da. Sagt: Ihr macht es ja nur mürrisch, das hat doch gar keinen Wert. Wenn es mit der Jesusfreude geschieht, wenn der Herr uns gebraucht, deshalb das Lied, das wir gesungen haben, von Rambach.
Ich war bei einem Professor in Halle, bei August Hermann Francke. Er war eigentlich Schreiner von Haus aus, hat dann spät studiert, und Nordenreuter hat das so schön gesagt: Der Herr sieht in Gnaden an den armen Dienst der Knechte, die ihn lieben. Er gibt mehr Lohn, als man erwarten kann. Der Dienst für Jesus braucht nie zu räumen.
In der Zeit von Licht im Osten, wo ich viel auch mit diesen Transportnosen und Eisenformen unterwegs war, bin ich mal in der Tschechei unterwegs gewesen, habe dort die Leute der Brüderversammlung besucht, und da hatte ich einen schweren Auftrag noch zu erledigen. Da war ein Bruder, ein ehemaliger Lehrer, der wollte, dass man ein Gesangbuch in Tschechisch druckt mit Erweckungsliedern. Und er hat eine Druckvorlage geschrieben mit den Noten. Ich kann sagen, das war so vorbildlich gemalt und gezeichnet, das konnte kein Buchdrucker so schön machen wie er.
Aber aus irgendeinem Grund war das für den Reproduktionsdruck hier nicht geeignet. Wir hatten auch das Geld nicht, um das zu drucken, und ich musste diesem Bruder Kaufall sagen: Deine ganze Arbeit, wir können das Liederbuch nicht drucken. Er hat ein ganzes Liederbuch in einem Heft geschrieben, mit schönster Schrift, dass man das so reproduzieren müsste. Es ist mir schwer gefallen, ihm das zu sagen. Und dann strahlt der Bruder Kaufall mich an und sagt: Ich muss dir was sagen, ich habe so eine Sehbehinderung auf dem Auge. Der Arzt sagt, ich weiß nie, wie lange ich noch das Augenlicht habe. Und dann habe ich diese Arbeit gemacht. Der Augenarzt sagt, das war das Schädlichste, was ich machen konnte. Aber wie ich mit der Arbeit fertig war, da war mein Augenlicht viel, viel besser als vorher. Der Herr hat mich reich gesegnet. Wir haben es nachher doch noch drucken können, das Liederbuch. Auch das kam noch in Ordnung.
Aber so ist man beim Dienst. Man muss gar nicht rechnen: Ach, was mache ich alles, und wie muss ich alles arbeiten? Wenn ich in diese Diakonie Jesu hineingespannt bin, dann sind Sie beauftragt, und kein Stück ihres Lebens ist nutzlos. Gucken Sie, ob Sie einen Besuch machen, das braucht gar keine Schlagzeilen-Idee zu machen, verstehen Sie. Der kleinste Dienst, den Sie tun, ein Gespräch zu hören, für ein Kind da zu sein, Liebe zu üben, dort zu hören, anzurufen, sich um andere zu kümmern, das ist das Wunderbare. Die Aufgabe ist: Wir sind in diese Diakonie Jesu eingespannt.

Christus bekennen, nicht sich selbst

Und was ist unser Zeugnis? Wir predigen Christus, das Wichtigste.
Bei jungen Leuten höre ich heute immer wieder: Ich will gar nichts von Christus predigen, ich will vorleben. Da sage ich: Wie möchtest du das machen? Du bist der Hauenmensch mit allen Fehlern. Wie willst du das mit Vorleben machen, dass man nicht ärgerlich lebt? Ärgerlich ist ja klar, aber ich muss von Christus reden. Ohne Mund geht es nicht, und ohne Wortzeugnis kann man nicht Christ sein.
Natürlich muss unser äußeres Leben auch stimmen. Aber es ist ganz wichtig, dass wir anderen sagen und erzählen, was unser Herz in Jesus fand. Da muss man erzählen und sagen: Einst und heute ist anders, ich habe Jesus gefunden.
Ich sage ja immer so gerne: Sie ahnen nicht, was es für ihren türkischen Nachbarn heißt, wenn sie ihm erzählen, dass sie Vergebung ihrer Schuld haben. Ein Muslim kennt keine Vergebung von Schuld. Das gibt es nicht im Islam. Erzählen Sie ihm das. Erzählen Sie ihm, was es ist, wenn sie sterben, dass sie in die Arme Jesu fallen. Das kann ein Muslim nicht fassen. Es gibt keine Heilsgewissheit für einen Muslim.
Sehen Sie, unser christliches Zeugnis ist so eine Botschaft, auch in der ungläubigen Christenheit heute, in der großen Glaubenskrise. Wenn Sie am Telefon bloß sagen: Jetzt will ich mit dir beten, und jemand heult Ihnen sein Leid vor und sagt: Jetzt will ich mit dir am Telefon beten, dann ahnen Sie gar nicht, was das für andere Menschen plötzlich bedeutet.
Ich habe gemerkt, selbst ganz ungläubigen Leuten oder auch beim Krankenbesuch darf ich noch mit ihnen beten. Ganz schlicht, praktisch, dass Jesus da ist. Ist er wirklich da? Hört er das?
Und wir wollen Christus verkündigen, den Herrn, der alles in seiner Hand hat. Das ist das Wichtigste, was wir tun können. Er ist der Herr, und wir sind seine Knechte.
Wir können den anderen Menschen immer nur sagen: Stoßt euch nicht an mir! Ich gucke immer so krimmig, das erschreckt die Leute. Warum gucken Sie so krimmig? Entschuldigen Sie das, das ist bei mir eine doofe Angewohnheit. So kann man sie an vielen Menschlichen von einem stoßen. Aber wollen die Leute sagen: Ärgere dich nicht über Christus, der hat mich lieb. Und der trägt mein Leben, und der trägt mich auch mit all meinen Versäumnissen.
Und das größte Zeugnis, wissen Sie, das größte Zeugnis, das fehlt mir heute in vielen modernen Liedern, die wir singen: Mir ist Erbarmung widerfahren, Erbarmung, deren ich nicht wert, dass mein ganzes Leben umschließt. Da sagt der Paulus: Mir ist Barmherzigkeit widerfahren. Jesus hat mir mein Leben genommen und hat mir Schuld vergeben. Mir ist Barmherzigkeit widerfahren.
Ihr habt viel falsch gemacht, ihr habt viel versäumt, auch im Dienst für Jesus, viel vernachlässigt. Wie viel habt ihr oft gewartet auf den Besuch, und ich habe es nicht gemerkt. Aber der Herr ist barmherzig.
Und im Lied war es so schön drin, in dem Lied „Der Herr ist gut“, dass er der irrenden Verbrechen so gar nicht ansieht. So groß ist unser Herr.
Also wir wollen gar nicht so eingenommen sein von unseren Taten, sondern wissen, dass wir einem Herrn dienen, der mit unseren Fehlern noch seine Siege macht. Und darum werden wir nicht müde, sondern wollen ganz neu aktiv werden und sagen: So, jetzt möchte ich aber noch den Mund auftun, jetzt will ich noch anderen weitersagen, was ich in Jesus fand.

Erleuchtung, Christusblick und Gottes Wirken in der Geschichte

Und dann kann dieses grosse Wunder passieren, dass Gott diese Blindheit der Augen wegnehmen kann. Da gebraucht die Bibel ja ein Wort: erleuchten.
Es ist ja ganz komisch, dass man die Augen erleuchten muss. „Er erleuchte die Augen eures Herzens“ heisst es am Anfang des Epheserbriefs. Das ist unser Trautext, darum ist mir das so lieb, dass wir erst einmal Augen haben, die Herrlichkeit von Christus zu erkennen. Dann muss man sie erleuchten.
Erleuchtung war ja eine grosse Zeit in der deutschen Geistesgeschichte, in, wie heisst das auf Englisch, Enlightenment, Erleuchtung. Aber die Leute haben gemeint, mit der Vernunft kommt die Erleuchtung. Das ist doch Wahnsinn! Mit der Vernunft kommt doch keine Erleuchtung in den Menschen. Durch die Vernunft ist auch schon so viel Unsinn passiert, sondern durch den Heiligen Geist.
Martin Luther hat das so schön in seiner Erklärung zum dritten Glaubensartikel, zur Lehre vom Heiligen Geist, gesagt: „Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann.“ Nicht mit meinem Kopf, nicht mit meinem Grips. Sondern der Heilige Geist hat mich mit seinen Gaben erleuchtet. Es ist ein Wunder, wenn der Heilige Geist uns ein Licht aufschliesst. Ohne das kann keiner gläubig werden.
Herr, tu das Wunder heute in unserer Heimatgemeinde, in unserem Hauskreis, bei meinen Kindern, überall, wo wir sind. Das Grösste, was geschehen muss in einer toten Christenheit, in der wir heute leben: Herr, tu du das Wunder!
Und wir leben in einer Welt, in der wir erleben: Gott tut das! Massenweise in China, 70 Millionen, andere sagen 130 Millionen Jesusgläubige nach dieser schrecklichen Christenverfolgung. Wir erleben es in Afrika, in Asien, liebe Schwestern, in Kasachstan, wie die Gemeinden wachsen. Wunderbar, weil der Herr die Erleuchtung schenkt. Herr, tu es doch auch in unserem finsteren Kontinent Europa.
Was unsere Gemeinden wieder brauchen, und Sie als Ältere müssen das ihnen wieder vermitteln: Wir brauchen neue Christus-Erkenntnis, daran fehlt es. Wir brauchen nicht neue Formen. Da können wir alles machen, wie es den Leuten gefällt, das ist nicht so wichtig, das kann man originell machen. Aber dass Leute wieder Christus erkennen, das ist das Allerwichtigste. Christus-Erkenntnis. Und Sie brauchen Christus-Erkenntnis. Eine Christus-Erkenntnis, die ihnen durchhilft, auch auf dem Kreuzesweg ihres Leidens, ihrer schweren Lebensführungen, ihrer Ängste, ihrer Anfechtungen, ihres Alleinseins.
Wenn sie in ihre Wohnung kommen und sagen: Bin ich wieder ganz allein? Nein: Guten Abend, lieber Heiland, schön, dass du schon da bist, wenn ich heimkomme und die Tür aufschliesse. Ich will ihn doch erkennen, dass er da ist in der Nacht und mich umgibt von allen Seiten. Christus-Erkenntnis.
Dass ich voll bin, gibt es ein schönes Lied von Zinzendorf. Zinzendorf hat die Lieder ja nicht mit dem Bleistift geschrieben. Zinzendorf ist schon hingestanden am Pult und hat angefangen zu dichten. So genial war der. Manchmal ist er ein bisschen holprig deshalb. Aber da hat er ein Vers gedichtet: „König, gib gesunde Augen, die, was taugen, rühre unsere Herzen an, denn das ist die grösste Plage, wenn am Tage man das Licht nicht sehen kann.“
Wunderbar, Brüdergemeinde, Herr Huth, Herr, wir wollen doch Dichter und bloss sehen. Der Jesusblick, dass wir nicht dauernd die schrecklichen Dinge sehen, die uns Anfechtung bereiten und die uns ein Ärgernis sind. Ich will Jesus erblicken können. Das, was heute mir wichtig war, von dem Müdewerden.
Wir sind müde Leute, wir sehen dauernd den Misserfolg. Aber wir sollen einen ganz neuen Reich-Gottes-Blick bekommen, dass in diesen Tagen der Herr sein Reich baut in aller Welt, und er will Sie benutzen, dass durch Sie ein ganzes Stück von Segen sich hineingiesst in diese Welt. Der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.
Und der Paulus sagt: Das ist ein Moment, wenn ein Mensch zum Glauben kommt, wie bei der Erschaffung der Welt. Da hat Gott nur gerufen: Es werde! Und dann rollten die Planeten. Da war die Milchstrasse plötzlich da, das riesige Weltall. Und der Herr will heute nochmals sagen: Es werde! Und ich freue mich, wenn der Herr Erweckung schenkt, Aufbruch, neues Leben, und wenn Sie bis ins Alter hinein das jungen Menschen verkünden können. Jesus will noch einmal etwas Grosses wirken.
Der Herr, der einst gerufen hat, Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der kapituliert heute nicht vor dem Unglauben in der Christenheit, vor den Zweifeln und vor all den unbiblischen Lehren und vor der Bibelkritik, sondern der will noch einmal Grosses tun. Der will vielen Menschen helfen. Gott will, dass allen Menschen geholfen wird und alle zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
Herr, gebrauche mich mit meinem Leben. An mir und meinem Leben ist nichts auf dieser Erde. Was Christus mir gegeben, das ist der Liebe. Herr, gebrauche mich mit deinen Gaben, was zum Hand.
Der Herr kann jeden gebrauchen und benutzt jeden und setzt ihn zum Segen. Wissen Sie das? Und wenn Sie nur noch wenige Stunden zu leben haben, können Sie noch sagen: Herr Jesus, ich will noch etwas wirken für dich.
Auf der Reise, die wir jetzt bei der Kreuzfahrt gehabt haben, war ein lieber Freund von mir dabei, ein bekannter Pastor. Der hat Zungenkrebs gehabt und musste sich operieren lassen, drei Monate vor der Reise, und war etwas behindert beim Sprechen. Er sagte: Ich wusste nicht, ob ich noch einmal sprechen konnte, aber ich habe das hinterlassen. Mein letztes Wort soll sein: Gelobter Jesus Christus in Ewigkeit, Amen.
Ich dachte: Wunderbar, wie das unser Leben umschliesst. Das soll mein Zeugnis sein, dass alle wissen: Mir ist es nicht darum gegangen um Ehre und Ruhm und Titel und Macht und Geld. Mir ist es darum gegangen, dass mein Leben Frucht trägt für Jesus und dass etwas für die Sache von Jesus herauskommt.

Schlussbitte und Übergabe an Gottes Treue

Lieber Herr, wir wollen dir danken, dass du uns in Dienst nimmst, und wir wollen dich um Vergebung bitten. Wo wir oft das nicht gesehen haben, wo wir immer nur um unser Ich gekreist sind, wo wir bloß noch klagend und jammernd waren über die Lasten des Tages, da wollen wir dies von dir erbitten: dass aus unserem Leben noch einmal diese Ströme ausgehen, die du wirkst; dass Licht ausgeht; dass andere Menschen dich erkennen können; und dass wir in dieser untergehenden Welt anderen zurecht helfen dürfen.
Wir wollen dir auch für diese Tage danken, die wir hier miteinander erleben dürfen, für die Zeit, die du uns schenkst. Wir bitten dich für unsere Gemeinden, dass du neues Leben schenkst, dass dein Wort wieder wirken kann in den Gewissen der Menschen, dass Aufbrüche geschehen.
Wir wollen dich auch bitten für die Gemeinden in der Verfolgung, im Leiden, auch für diese südkoreanischen Geiseln, dass du ihnen gerade auch jetzt in aller Dunkelheit das Licht deines Evangeliums schenkst und die Freude an dir, und dass sie dort in der Haft wie dein Apostel Paulus mit Freude von dir reden können, Zeugnis geben an einem Ort, wo sonst dein Evangelium nie verkündet wird.
Und dann wollen wir uns an diesem Abend dir anbefehlen, deiner Fürsorge, deiner Liebe und deiner Treue. Amen.