Serie•Teil 1 / 27Der Hebräerbrief
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Einordnung des Verfassers und sprachliche Merkmale
Das ist der nächste Punkt. Er ist ein Freund des Timotheus, jedenfalls ein Bruder des Timotheus. Also auch Timotheus hat diesen Brief offensichtlich nicht geschrieben.
Weiters, siebtens oder achten jetzt schon: Er hat ein ganz besonderes Griechisch, er spricht ein ausgezeichnetes Griechisch. Hat jemand hier im Raum Griechisch gelernt? Gibt es ein paar Leute, die daran sind oder gerade dabei, Griechisch zu lernen? Nicht? Das möchte ich sehr empfehlen, aber fang nicht beim Hebräerbrief an. Das ist das schwerste Griechisch im ganzen Neuen Testament. Das schwerste Griechisch, ein sehr gutes Griechisch, aber eben: Er kennt seine Sprache. Es ist viel schwerer als Paulus, als die Paulusbriefe. Jeder griechische Student hat Angst vor dem Hebräerbrief. Er gebraucht das beste Griechisch.
Er ist ein sehr guter Argumentierer. Er kann gut darlegen, Beweise darlegen und das Alte Testament auslegen. Er ist sehr schriftnah, also er argumentiert von der Bibel her. Ein Vorbild für uns. Und weiter: Er selber war einmal gefangen gewesen, Kapitel 10, Vers 34 jedenfalls nach dem Textus receptus, nach der Schlachter-Übersetzung, alten Luther-Übersetzung, nach dem überlieferten Text, der in der Reformationszeit überliefert wurde, und nach der Mehrheit aller Handschriften. Er selber war gefangen gewesen. Kapitel 10, Vers 34: Auch mit meinen Fesseln hattet ihr Mitleid, steht da, sollte hier stehen. Steht das bei euch, bei Ihnen auch? Auch mit meinen Fesseln hattet ihr Mitleid. Mit meinen Ketten, Fessel, ja, ist das gleiche Wort, ob es Ketten oder Fessel war.
Gut, also das erfahren wir über den Verfasser. Die Frage ist noch: War das, könnte es nicht doch Paulus gewesen sein? Manche haben sich die Frage gestellt, und es gibt ja auch Verfechter der Position, die sagen, es ist doch auch ein Paulusbrief. Dagegen spricht der Stil, der Schreibstil und das Griechisch. Das ist einfach anders, wenn man die Paulusbriefe liest und den Hebräerbrief liest. Natürlich ist das kein schlagendes Argument, denn man könnte ja auch den Stil ändern. Aber das spricht eher dagegen: der Stil und das Griechisch. Und es spricht auch dagegen, dass er selber sagt, er sei nur ein Empfänger der Botschaft der Apostel gewesen. Und das war Paulus nicht.
Paulus hat die Botschaft direkt von dem Herrn Jesus empfangen, das dürfen wir nicht vergessen. Paulus ist der dreizehnte Apostel, der auch die Botschaft direkt von dem Herrn Jesus empfangen hat. Das bestätigt er ganz klar im Galaterbrief. Das ist ein ganz wichtiges Argument für die Autorität des Paulus, dass er die Botschaft direkt von Jesus bekommen hat, nicht von Petrus und von den anderen Aposteln. Galater Kapitel 1 spricht davon. Also Hebräer 2 spricht dagegen, denn da redet er von den anderen, von denen, die die Botschaft direkt vom Herrn empfangen haben. Die haben sie dann weitergegeben, und dann ist die Botschaft zu uns gekommen. Also deshalb ist Paulus auszuschließen. Das ist das kräftigste Argument gegen eine paulinische Verfasserschaft des Hebräerbriefes. Hebräer 2, Vers 1 und Vers 3 ist das.
Galater 1, die Stelle, das war, kann ich noch sagen, Galater Kapitel 1, Vers 12. Ich vers 11: Ich setze euch in Kenntnis, das Evangelium, das von mir verkündet wurde, ist nicht nach Menschen, gemäss Menschen; denn ich empfing es nicht von einem Menschen, noch wurde ich es gelehrt, sondern durch Offenbarung Jesu Christi, Galater 1, Vers 12. Und dann beweist er, als er dann zu Petrus kam, dass er vorher das Evangelium schon vom Herrn Jesus bekommen hat. Er hat den Petrus gar nicht persönlich erst nach vielen Jahren, erst nach einigen Jahren getroffen. Sagt er dann, Vers 16: Gott gefiel, seinen Sohn in mir zu offenbaren, damit ich ihn als Evangelium verkündete unter denen von den Völkern. Ich ging nicht hinauf nach Jerusalem zu denen, die vor mir Apostel waren, sondern ich ging weg nach Arabien. Und nach drei Jahren, Vers 18, kehrte ich hinauf nach Jerusalem, um mit Petrus Bekanntschaft zu machen. Und dann stellte er fest, dass sie das gleiche Evangelium haben.
Kapitel 2, Vers 6: Denen, die dafür angesehen waren, etwas zu sein, mir haben die Angesehenen nichts hinzugefügt, sondern im Gegenteil, nachdem sie gesehen hatten, dass ich mit der guten Botschaft für die Unbeschnittenen betraut war, so wie Petrus mit der für die Beschneidung usw., dann gaben sie mir und Barnabas die rechte Hand der Gemeinschaft. Das heißt, sie haben bestätigt, dass Paulus das richtige Evangelium verkündigt. Paulus hat vorher das Evangelium schon verkündigt, hat es vorher schon bekommen von dem Herrn Jesus, und nachträglich haben die anderen Apostel, Petrus, Johannes und Jakobus, Jakobus der Ältere von Jerusalem, ihm dann die rechte Hand der Gemeinschaft gegeben. Sie haben bestätigt, dass er das richtige Evangelium verkündigt. Er hat sich also nicht abgesprochen von vornherein, sondern er hat von vornherein die Botschaft vom Herrn Jesus bekommen, und nachträglich wurde das anerkannt von den anderen Aposteln.
Ja, ein möglicher Grund, warum uns der Name des Verfassers nicht überliefert ist, hier noch zur Frage des Verfassers: Es ist ja wirklich interessant, dass der Herr das nicht zugelassen hat, dass der Name überliefert wurde. Und interessant: Nicht nur der Name des Verfassers wurde nicht überliefert, im ganzen Brief wird uns immer, wenn zitiert wird aus der Bibel, nie gesagt, von wem. Wer das Zitat ist, er sagt nicht: David spricht, Mose hat gesagt, obwohl er Mose zitiert, obwohl er David zitiert usw., sagt er nie. Die Zitate sind immer einfach so, stehen einfach so da, ohne Angabe des Verfassers. Alle diese Namen verschwinden im Hintergrund, damit dieser eine Name Jesus Christus herausragt. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum Gott uns den Namen des Verfassers nicht überliefert hat.
Der Verfasser soll ganz in den Hintergrund treten. Die Verfasser der Zitate sollen in den Hintergrund treten. Wichtig ist es, dass sie Zitate sind aus dem Alten Testament. Wichtiger als das Werkzeug, dessen Gott sich bediente, ist der, von dem er gesprochen hat. Wichtiger als der Verfasser ist das Thema. Und das Thema ist die überragende Herrlichkeit Jesu Christi, unseres großen Hohen Priesters, und die strahlt umso schöner hervor. In jedem Kapitel, in jedem Kapitel, auch in Kapitel 11, denn da wird uns gezeigt: Das sind die Zeugen. Aber jetzt schaut Jesus an. Auch da wieder steht letztlich Jesus im Zentrum.
Gut, die nächste Frage: Wer sind die Empfänger dieses Buches, dieses Briefes? Ich sage immer Buch, es ist ja ein Brief, ein längerer Brief. Der Verfasser hat zwar gemeint, es ist ein kurzer Brief, wir sagen, es ist ein langer Brief. Vielleicht hat man damals schon noch längere Briefe geschrieben, aber er sagt selber ganz zum Schluss: Ich habe euch in Kürze geschrieben. Das steht in Kapitel 13, Vers 22: Ich rufe euch auf, Brüder, lasst euch das Wort des Aufrufs gefallen, ich habe euch ja mit kurzem, mit wenigem geschrieben, mit wenigen Worten geschrieben.
Wer sind nun die Empfänger? Nun, sie heißen Hebräer, jedenfalls so ist der Titel in manchen alten Manuskripten. „An die Hebräer“ heißt die Überschrift. Er selber hat keine Überschrift geschrieben, aber es ist ganz klar, dass es sich um Hebräer handelt, das heißt um Juden. Sie spricht von unseren Vätern, Kapitel 1, Vers 1: Unsere Väter, Gott hat zu den Vätern geredet. Kapitel 2, Vers 16: Des Samens Abrahams nimmt er sich an, oder nimmt er an sich der Same Abrahams. Es geht um den Samen Abrahams.
Kapitel 6, Vers 1 und 2: „Lassen wir nun das Anfangswort des Christus und begeben wir uns hin zur Reife, legen wir nicht wieder einen Grund mit Buße von toten Werken usw.“ Und dann nennt er einige jüdische Sachen: Lehre von Tauchungen, Waschungen, Hände auflegen usw. Speziell jüdische Dinge werden hier genannt. Das heißt, die Leser haben ein Fundament hinter sich und haben eine Grundlage, und die ist im Judentum zu suchen, nirgendwo anders. Sie sind also, das ist ein Punkt, die Verse zeigen, dass es sich um Juden handelt.
Weiter: Diese Leute hier sind auch vertraut mit dem jüdischen Gottesdienst. Er brauchte nicht den einzelnen zu erklären. In Kapitel 9 sagt er, das sind jetzt nur ein paar Details, und dann sagt er aber, darüber reden wir jetzt nicht im Einzelnen. Kapitel 9, Vers 5: Wir haben jetzt ... und er geht gleich weiter. Das heißt, er setzt voraus, dass sie sehr viel Wissen über den jüdischen alttestamentlichen Gottesdienst haben.
Was wissen wir noch von diesen Juden? Sie sind griechischsprachige Juden, denn er schreibt ihnen auf Griechisch und noch dazu auf sehr gutem Griechisch. Das heißt, ihre Bibel, die sie haben, ist offensichtlich ein griechisches Altes Testament. Eine griechische Übersetzung des Alten Testaments haben sie offensichtlich gebraucht. Sie wohnen ja, da kommen wir gleich noch später darauf, wo sie wohnen. Jedenfalls: Sie sind Juden, das ist mal der erste Punkt.
Der zweite Punkt: Sie sind Christen, das heißt, sie sind wiedergeborene Menschen. Es gibt zwar manche Ausleger, die das bestreiten und sagen: Nein, nein, es sind auch viele Mitläufer dabei, und nur ein Teil von denen sind wirkliche Christen, die anderen sind alle nicht Christen. Aber das lesen wir selber im Text. Wenn man den Text selber liest, kommt klar heraus, dass die, an die er hier schreibt, Christen sind.
Ein ganz deutliches Beispiel ist Kapitel 12, wo er sagt: Ihr seid doch Söhne, Gott behandelt euch als Söhne, wenn er euch züchtigt. Und diese Söhne, die Züchtigung als Söhne, das beweist, dass ihr echte Kinder Gottes seid. Das ist in Kapitel 12, Vers 7: Wenn ihr Züchtigung erduldet, behandelt Gott euch wie Söhne. Denn wer ist der Sohn, den der Vater nicht in Zucht nimmt? Seid ihr aber ohne Züchtigung, deren sie alle Mitteilhabende geworden sind, dann seid ihr ja uneheliche und Nichtsöhne. Also hier geht es um Kinder Gottes. Und die Züchtigung ist ein Beweis, dass sie Kinder Gottes sind.
Und es gibt ganz viele Hinweise, wenn ihr wollt, ich möchte einige vorlesen, Hinweise, dass es sich wirklich um wiedergeborene Menschen handelt, an die er schreibt, das heißt um echte Christen, nicht nur um Mitläufer, solche, die sich da ein bisschen darunter gemischt haben unter das Volk Gottes. Nein, ich gebe ein paar Hinweise hier.
Kapitel 3, Vers 1: Heilige Brüder, Mitteilhaber am himmlischen Ruf. Da könnte jemand sagen, ja, das sind halt jüdische Brüder. Nein, nein, Kapitel 2, Vers 11 bis 13: Es sind schon Brüder des Herrn Jesus im besonderen Sinne. Vers 11: Beide, der da heiligt und die geheiligt werden, sind von einem, aus welchem Grunde er sich nicht schämt, sie Brüder zu nennen. Der Herr Jesus nennt uns Brüder, schämt sich nicht, uns Brüder zu nennen. Ich werde deinen Namen, das war jetzt Kapitel 2, Vers 11 und 12, ich werde deinen Namen meinen Brüdern kundtun, lobend kundtun. Vers 13: Siehe, ich und die Kinder, die Gott mir gegeben hat. Die Kinder, echte Kinder sind sie.
Weiter Kapitel 4, Vers 3: Wir, die wir glaubten, gehen in die Ruhe ein. Es geht also um Menschen, die glaubten, gläubig geworden sind. Ich glaube, Schlachter übersetzt vielleicht: Wir, die wir gläubig geworden sind. Kapitel 5, Vers 12 und 13 ebenfalls: Ihr solltet schon Lehrer sein, ihr solltet ja schon reife Christen sein, die andere lehren. Kapitel 5, Vers 11, 12, 13, vor allem 12 und 13: Der Zeit nach solltet ihr Lehrer sein, aber ihr braucht noch Milch. Das beweist, dass sie wirklich Christen sind. Sie sind zwar zurückgeblieben, aber sie sind Christen.
Kapitel 6, Vers 9 und 10: Wir sind aber in Bezug auf euch, Geliebte, von Besserem überzeugt und von dem, was mit dem Heil zu tun hat. Das heißt, wir sind überzeugt, dass es sich bei euch um Dinge handelt, die mit dem Heil zu tun haben, dass ihr gerettet seid, dass es bei euch nicht so schlimm steht wie vorher, wie die Passage vorher. Denn Gott ist nicht ungerecht, euer Werk zu vergessen und die Arbeit der Liebe, die ihr seinem Namen erwiesen habt. Ihr dientet und dient den Heiligen. Wir begehren aber, dass jeder von euch denselben Fleiß beweise bis zur vollen Gewissheit der Hoffnung, bis ans Ende usw. Das heißt, er spricht sie wirklich an als Heilige, die den anderen Heiligen gedient haben, als Geliebte, als Geschwister im Herrn.
Kapitel 10, Vers 23 bis 25 ebenfalls: Kapitel 10, Vers 23 bis 25 können wir auch ganz klar feststellen, dass es sich um Gläubige handelt. Lasst uns festhalten das Bekenntnis der Hoffnung. Vers 24: Lasst uns aufeinander achten, uns anzuspornen zur Liebe und zu guten Werken. „Lasst uns unsere Zusammenkommen nicht versäumen“ usw. Das sind Anzeichen für Gläubige, die zusammenkommen, die vielleicht ein bisschen aufgehört hatten, sich zu treffen, aber jetzt sagt er, sie sollen sich wieder treffen. So spricht man zu Gläubigen, zu Geschwistern.
Weiter Kapitel 10, Vers 32: Erinnert euch aber an die früheren Tage, in denen ihr, nachdem ihr erleuchtet worden wart, viel Leidenskampf erduldetet. Hier geht es um Christen, die wurden erleuchtet, und dann haben sie viel leiden müssen. Die Erleuchtung war die geistliche Erleuchtung, Gott hat ein Licht in ihren Herzen aufstrahlen lassen, das Licht des Evangeliums und das Licht Jesu Christi selber.
Kapitel 10, Vers 39: „Wir sind nicht des Zurückweichens zum Verderben, sondern des Glaubens zum Gewinnen der Seele.“ Das heißt, wir gehören nicht zu denen, die zurückweichen, sondern wir sind ja solche, die glauben, und durch das Glauben gewinnen wir unser Seelenheil, unsere Seele selber bewahren wir für die Ewigkeit.
Und dann Kapitel 11, Vers 40: Auch das ist ein Hinweis, dass es sich um wiedergeborene Christen handelt. Kapitel 11, Vers 40: Weil Gott in Bezug auf uns etwas Besseres zuvor ersehen hatte, damit sie nicht ohne uns vollendet würden. Er spricht hier von den alttestamentlichen Gläubigen. Die werden nicht ohne uns vollendet. Er schließt sich zusammen mit den Empfängern, bilden eine Gruppe, der Hebräer-Schreiber und die Empfänger. Wir werden dann vollendet, wenn die anderen vollendet werden, und die anderen werden vollendet, wenn wir vollendet werden. Aber vollendet werden wir. Das heißt, er rechnet sie zu den Gläubigen.
Kapitel 12, Vers 5 bis 8 habe ich schon erwähnt: Sie sind Söhne Gottes, die Gott züchtigt. Kapitel 12, Vers 5 bis 8. Dann Kapitel 12, Vers 28: Darum, da wir ein unerschütterliches Königreich in Empfang nehmen, lasst uns Gnade haben! Wir sind dabei, ein unerschütterliches Königreich in Empfang zu nehmen. So spricht man nur zu Gläubigen, nicht zu Mitläufern. Kapitel 12, Vers 28 war das.
Dann Kapitel 13: Eigentlich das ganze Kapitel atmet die Atmosphäre einer christlichen Gruppe. Die Bruderliebe bleibe, Vers 1. Bruderliebe kann nur bei denen existieren, die Brüder und Schwestern sind, das heißt, sie sind wiedergeboren. Die Liebe soll bleiben. Dann: Brüder, betet für uns, Vers 18. So spricht man nicht zu Leuten, die Mitläufer sind: Betet für uns. Vers 22: Brüder, Heilige! Vers 22 bis 24: Grüßt alle Heiligen! Also es handelt sich um Heilige, das heißt wiedergeborene Menschen, für Gott auf die Seite gestellt.
Die werden aufgerufen, festzuhalten. Die Stellen lese ich jetzt nicht, die werden wir später noch lesen. Es gibt immer wieder Stellen, wo steht, dass sie festhalten sollen. Festhalten soll nicht ein Mitläufer, ein Mitläufer soll nicht festhalten, was er nicht hat, sondern festhalten soll nur einer, der echt wiedergeboren ist, der soll den Herrn festhalten. Wer den Herrn noch nicht hat, der kann ihn nicht festhalten, der soll ihn zuerst einmal bekommen. Kapitel 3, Vers 6 und 14, Kapitel 10, Vers 23, 35 und 36, Kapitel 12, Vers 1 werden sie immer wieder aufgerufen, festzuhalten. Aber ihr müsst das jetzt nicht aufschreiben, wir kommen darauf noch zu sprechen.
Also die Ansicht, dass es sich um Leute handelt, die nur Mitläufer waren, das ist nicht haltbar. Diese These ist nicht haltbar. Diese Gläubigen werden übrigens auch gewarnt vor dem Abfall. Man kann nur jemanden vor dem Abfall warnen, der schon dabei ist. Wenn er noch nicht dabei ist, kann er noch nicht abfallen. Wer noch nicht beim Herrn ist, kann noch nicht abfallen vom Herrn. Also es handelt sich um Wiedergeborene, das war der zweite Punkt.
Wir haben also gehabt: Wer sind die Empfänger? Sie sind Juden, war der erste Punkt. Der zweite Punkt: Sie sind Wiedergeborene. Und jetzt der dritte Punkt: Sie sind schon eine Zeit lang gläubig, gehören aber nicht zur ersten Generation von Christen. Das heißt, sie sind zweite Generation. Sie waren nicht die, die gleich in den ersten Jahren zum Glauben kamen, sondern es dürften schon einige Zeit verstrichen sein. Und einige sind übrigens schon gestorben, einige von ihren Leitern sind schon gestorben, Kapitel 13, Vers 7. Es ist die Rede von dem Ausgang ihres Lebens: Schaut an und ahmt ihrem Glauben nach. Sie haben diesen Lebenslauf schon vollendet. Einige von ihren Leitenden, das heißt, wir haben es also zu tun mit Gläubigen, die nicht gerade in der ersten Zeit leben, sondern schon in der zweiten Generation.
Vierter Punkt: Diese Gruppe, an die er hier schreibt, die haben alle ähnliche Probleme. Das heißt, sie sind ein Kreis, wahrscheinlich ein nicht allzu großer Kreis, von Menschen, die alle sehr ähnliche Probleme haben. In Kapitel 5, Vers 11 und 12: Also vierter Punkt, sie sind ein Kreis mit ähnlichen Problemen. Kapitel 5, Vers 11 und 12: Sie sollten Lehrer sein, sind aber zurückgegangen, sie haben Rückschritte gemacht statt Fortschritte, alle zusammen. Das heißt, es muss sich wohl um eine begrenzte Gruppe handeln. Es ist nicht so, wie manche Ausleger sagen: Das ist der Brief an die Hebräer, der an alle Judenchristen von Judäa gerichtet ist. Das kann gar nicht sein, denn alle Judenchristen von Judäa werden hoffentlich nicht alle Rückschritte gemacht haben. Das wäre ja schrecklich. Also ein begrenzter Kreis mit ähnlichen Problemen.
Und sie haben keine Märtyrer unter ihnen. Sie haben noch nicht bis aufs Blut widerstanden in dem Kampf. Offensichtlich haben sie schon gekämpft, aber es war noch nicht so schlimm geworden, dass es schon Märtyrer gab unter ihnen, unter diesem Kreis, in dieser Gruppe, Kapitel 12, Vers 4. Es gibt noch keine Märtyrer. Es gehört auch noch zu dem Punkt, dass sie alle ein Kreis sind mit ähnlichen Problemen.
Fünftens: Sie haben aber sehr wohl Verfolgung erlebt. Sie haben Verfolgung erlebt, Kapitel 12, Vers 3 und 4, lesen wir davon. Deshalb mahnt er sie, sie sollen auf den Herrn Jesus schauen, der auch das Widersprechen von Sündern gegen sich erduldet hat, und Kapitel 10, Vers 32 bis 34, vor allem Kapitel 10, Vers 32 bis 34: Ihr habt den Raub eurer Güter mit Freuden auf euch genommen. Kapitel 10, 32–34. Sie haben also Verfolgung erlebt, aber nicht zum Tode.
Sechstens: Sie sind zurückgeblieben, sie sind nicht gewachsen, nicht stark gewachsen, trotzdem sie schon eine gewisse Zeit lang, doch schon eine gewisse Zeit lang gläubig sind, jahrelang schon gläubig, aber nicht gewachsen.
Siebter Punkt: Das Vertrauen zum Herrn Jesus ist erschütternd. Das Vertrauen zum Herrn Jesus ist erschütternd. Es nimmt ab, sie stehen in Gefahr, das Vertrauen zum Herrn Jesus aufzugeben. Das lesen wir an mehreren Stellen, wo er davon redet, dass sie festhalten sollen.
Achtens, etwas Positives: Sie hatten Zeichen echter Wiedergeburt, und es gab Dinge in ihrem Leben, die erfreulich sind. Kapitel 6, Vers 9 und 10: „Gott ist nicht ungerecht, euer Werk zu vergessen und die Arbeit der Liebe, die ihr seinem Namen erwiesen habt, und ihr dientet und dient den Heiligen.“ Kapitel 6, Vers 10 hauptsächlich. Das zeigt, dass ihr wiedergeboren seid, das zeigt, dass es doch das Zeichen echten geistlichen Lebens gibt unter euch. Sie hatten also Zeichen von echtem geistlichem Leben.
Neunter Punkt: Sie schielen nach dem Glanz des jüdischen Gottesdienstes, das heißt, sie erleben eine Anfechtung, in Richtung jüdischen Gottesdienst zurückzugehen. Sie schielen danach, ob sie nicht doch wieder auch jüdische Opfer darbringen sollten, ob sie nicht doch zurückgehen sollten in den Raum des Judentums. Natürlich nicht alles verwerfen, was sie haben, aber einfach das Judentum auch nicht lassen, zum Judentum zurückgehen, auch noch ein bisschen Jude und Christ gleichzeitig sein, das war so ihre Gedanken. Sie stehen in Gefahr, zurückzufallen in das Judentum.
Der äußerliche Gottesdienst, diese Pracht des jüdischen Tempels, des Priestertums, der Chöre, der Zeremonien, die Feste: Die Juden hatten etwas, da konnte man etwas sehen, das war etwas für die Augen und für die Nase. Die Opfer waren gut zu riechen und zu schmecken, und da gab es auch etwas zu essen, aber nicht nur wegen dem Essen, es geht hauptsächlich um den Gottesdienst als solchen. Und die jüdischen Rabbis waren gekommen und haben gesagt: Was ist denn mit euch los? Das ist ja töricht, was ihr macht. Ihr habt nicht einmal einen Altar, ihr habt nichts, und folgt einem Gotteslästerer nach, der von sich behauptet, er sei Gott. Das war ein harter Angriff, harte Versuchung. Also sie schielen nach dem Glanz des äußerlichen Gottesdienstes.
Zehnter Punkt: Sie sind mit dem Verfasser eng verbunden. Das zeigen die vielen Wir-Stellen. Sehr oft spricht der Verfasser von Wir, er identifiziert sich mit ihnen, und er bittet sie auch für ihn zu beten, Kapitel 13, Vers 19, und für den Timotheus zu beten und so weiter, Kapitel 13, Vers 23. Jedenfalls erfreut er sich, und sie werden sich auch gefreut haben: Stellt euch vor, der Timotheus ist wieder frei! Timotheus ist wieder frei, für den ihr so lange gebetet habt. Also offensichtlich war da eine Beziehung zu ihm und zu Timotheus da. Also zehnter Punkt: Sie sind mit dem Verfasser und mit Timotheus eng verbunden. Timotheus kann man hinzunehmen.
Elftens: Sie haben vielleicht Beziehungen zu den Brüdern aus Italien, sagen wir mal so. Es ist vielleicht zu viel gesagt, wenn ich sage, sie sind von Italien ausgegangen, aber sie haben auf jeden Fall Beziehungen zu Brüdern aus Italien, Kapitel 13, Vers 24: Die aus Italien grüßen euch. Die aus Italien grüßen euch, Kapitel 13, Vers 24. Offensichtlich gab es also Beziehungen zu Geschwistern aus Italien. Aus Italien, das ist jetzt nicht sicher: Wohnen die Brüder aus Italien immer noch in Italien oder wohnen die Brüder aus Italien inzwischen schon woanders? Das weiß man nicht. Jedenfalls sind hier Beziehungen.
Zwölfter Punkt: Sie wohnen nicht in Italien, in Jerusalem selber, aber wohl nicht weit weg von Jerusalem. Das darf man annehmen. Sie wohnen also in der Nähe von Jerusalem, wir nehmen an in Judäa oder heutiges Palästina. Warum dürfen wir das annehmen? Nun, wenn sie recht weit entfernt wohnen würden von Jerusalem, dann wäre ihnen der jüdische Gottesdienst und die Rückkehr zum jüdischen Gottesdienst keine große Anfechtung, denn sie müssten jedes Mal nach Jerusalem reisen, um die Opfer zu bringen. Sie müssten jedes Mal nach Jerusalem reisen, um an den Festen teilzunehmen. Wir wissen aus der Geschichte, dass die Leute, die weit entfernt wohnten von Jerusalem, nicht in allzu großen Scharen nach Jerusalem kamen. Natürlich gab es Menschen aus Rom und aus Griechenland, die zum Pfingstfest nach Jerusalem kamen, aber nicht alle Juden aus Rom kamen zu Pfingsten nach Jerusalem. Das wäre unmöglich gewesen. Nicht alle Juden aus Griechenland und aus Kleinasien sind zu Pfingsten und zum Passafest nach Jerusalem gegangen. Nein, es gab viele Pilger, aber die meisten kamen aus der Nähe, das heißt im Umkreis vielleicht von hundert Kilometern oder so.
Und deshalb dürfen wir auch annehmen, sonst wäre ihnen der jüdische Gottesdienst keine so riesengroße Anfechtung. Wenn sie in Rom wohnen würden, dann sind sie nicht täglich irgendwie konfrontiert mit den jüdischen Rabbinern und mit dem jüdischen Gottesdienst. Also, wir dürfen annehmen, dass sie wohl in der Nähe von Jerusalem sich aufhalten. Seine Vermutung natürlich ist kein Beweis.
Unter ihnen gibt es noch keine Märtyrer. In Jerusalem gab es schon Märtyrer. In Jerusalem wurde Jakobus umgebracht, im Jahre 62 nach Christus der Älteste, Jakobus der Älteste von Jerusalem, also der Herrenbruder, im Jahre 62 nach Christus getötet, und Jakobus der Apostel wurde etwa im Jahre 42 nach Christus getötet, Apostelgeschichte Kapitel 12 steht das. Stephanus wurde getötet. Es gab einige Märtyrer in Jerusalem, aber dort, wo sie sind, offensichtlich nicht, in dieser Gruppe jedenfalls nicht. Und sie sind auch nicht Augen- und Ohrenzeugen, also sie sind nicht jetzt direkt mit den Aposteln in ganz direktem engem Kontakt.
Das waren jetzt also einige Punkte über die Empfänger. Wir haben also doch einiges herausfinden dürfen, was diese Empfänger, was das für Leute sind.
Noch etwas zur Abfassung des Briefes: Wann wurde dieser Brief geschrieben, wann wurde er abgefasst? Da haben wir doch einige Anhaltspunkte. Klemens von Rom zitiert diesen Brief bereits aus diesem Brief im Jahre 96 nach Christus, also muss der Hebräerbrief vor dem Jahre 96 nach Christus geschrieben worden sein, also vor 96. Aber wir können uns noch mehr eingrenzen: Vor dem Jahre 70 nach Christus muss er geschrieben sein, denn der Tempel steht noch. Zur Zeit der Abfassung dieses Briefes ist der Tempelgottesdienst noch intakt, das heißt, es werden noch Opfer dargebracht. Warum wissen wir das? Weil er in Gegenwartsform schreibt, wenn er vom Opfergottesdienst schreibt. Das sind jetzt die Stellen: Kapitel 10, Vers 11 etwa: Jeder Priester steht täglich da und leistet Tag für Tag Dienst und bringt dieselben Opfer oftmals dar. Gegenwart, nicht Vergangenheit. Als der Tempel noch stand, da haben die Priester dann gedient im Tempel, nein, nein, Gegenwart.
Oder: Wir haben einen Altar, Kapitel 13, Vers 10: Wir haben einen Altar, von dem zu essen keine Berechtigung haben, die dem Zelt den aufgetragenen, den auferlegten Dienst tun. Gegenwart: Sie tun Dienst. Denn von den Tieren, deren Blut durch den Hohen Priester als Opfer für Sünde in das Heiligste hineingetragen wird, von diesen werden die Körper außerhalb des Lagers verbrannt. Gegenwart, nicht nur wurden verbrannt. Natürlich spricht er von der Stiftshütte, aber die Stiftshütte, der Dienst von der Stiftshütte, wurde fortgesetzt im Tempeldienst, und es ist kein Hinweis, dass der Tempel nicht mehr steht und dass der Gottesdienst schon lange aufgehört hätte. Außerdem wäre es keine große Versuchung gewesen, für diese Hebräerchristen zum jüdischen Tempelgottesdienst zurückzukehren, wenn der Tempel ohnehin schon nicht mehr steht und es gar keine Opfer mehr gibt. Also das ist ziemlich klar.
Kapitel 8, Vers 13 auch noch ein Hinweis: In der Aussage, einen neuen Bund hat er den ersten zu einem alten Bund gemacht, aber was alt und altersschwach wird, ist dem Verschwinden nahe. Nicht ist schon verschwunden. Die Dinge des Alten Bundes, Tempel, Tempeldienst usw., waren noch nicht verschwunden, es war noch da, aber dem Verschwinden nahe. Der Hebräer-Schreiber schreibt hier prophetisch, dass das Aufhören dieser Dinge, die mit dem Alten Bund verbunden sind, sehr nahe ist. Das könnte ja auch ein Hinweis sein. Jedenfalls ist also der Brief ganz sicher vor dem Jahr 70 nach Christus verfasst worden.
Übrigens, ich habe eine Stelle vergessen: Kapitel 9, Vers 9, eine sehr wichtige Stelle. Ein Gleichnis für die gegenwärtige, für die vorliegende Zeit, gemäß der Gaben und auch Opfer dargebracht werden, wiederum in Gegenwartsform, nicht in Vergangenheit. Kapitel 9, Vers 9.
Gut, jetzt haben wir schon eingeschränkt: Der Brief wurde also vor dem Jahr 70 nach Christus verfasst, aber nach dem Jahr 57. Woher weiß ich das? Nun, Timotheus ist im Gefängnis. Timotheus ist im Gefängnis, und wir lernen Timotheus kennen in der Apostelgeschichte, und Timotheus war nicht in einem Gefängnis bis zu dem Zeitpunkt, als Paulus dann gefangen wurde. Und Paulus wurde gefangen im Jahre 57. Er kam in die Gefangenschaft in Cäsarea, und bis zu diesem Zeitpunkt haben wir keinen Anhaltspunkt, dass Timotheus je in einem Gefängnis war. Ab 57 kann es sehr gut möglich sein, dass Timotheus irgendwann in ein Gefängnis kam. Von daher können wir also annehmen, der Brief wurde zwischen 57 und 70 verfasst. Zwischen dem Jahr 57 und 70 nach Christus.
Auch die Zeit der Zeichen und Wunder liegt in der Vergangenheit, Kapitel 2, Vers 3 und 4. Es ist nicht mehr so, dass täglich Wunder und Zeichen geschehen, das steht in Kapitel 2, Vers 4. Da spricht der Schreiber, wobei Gott Zeugnis gab durch Wunder und Zeichen und mancherlei Kraftwirkungen und Austeilungen des Heiligen Geistes. Er spricht hier in der Vergangenheit, nicht in Gegenwart. Auch das zeigt, dass es schon eher später ist, also nicht ein früher Brief ist, sondern ein späterer Brief ist, aber noch vor dem Jahr 70 nach Christus geschrieben.
Sind dazu Fragen oder Ergänzungen oder Einwände? Zwischen 60 und 68, ja wahrscheinlich, weil 68 begann ja der jüdische Krieg, jüdisch-römische Krieg oder eigentlich schon vorher sogar, und dann war es ja auch dann war es nicht mehr so eine große Versuchung, der Tempeldienst wurde ja zum Teil eingestellt, ich weiß jetzt nicht mehr die genauen geschichtlichen Daten. Aber zeitweise haben die Römer den Gottesdienst verboten, zeitweise war es gar nicht mehr möglich. Es gab furchtbare Auseinandersetzungen innerhalb der Stadt in diesen Jahren. Es gab mehrere religiöse Parteien, die sich gegenseitig bekämpften in Jerusalem. Man darf also annehmen, dass der Brief schon vorher geschrieben wurde, bevor diese schreckliche Zeit begann in Jerusalem, so vor dieser ... Ja, das war, glaube ich, im 68 oder wann war das, etwa 68 oder 69. Der Belagerung. Genau, es war schon angefangen zu belagern, und dann gab es eine Zeit lang, wo die Belagerung zurückgezogen wurde. Und in der Zeit war es sehr interessant: Da war ein Angriff, es war so, die Juden, die Juden sind aus der Stadt raus und haben eine Chance genützt, weil der Feldherr aus irgendeinem Grund seine Heere zurückgezogen hat. Man weiß nicht, wieso er die Heere zurückgezogen hat. Aus einem unerklärlichen Grund hat damals ein gewisser Cestius Gallio seine Heere zurückgezogen. Die Juden haben das als Chance genommen, sind raus aus der Stadt, haben die verfolgt, und in der Zeit war jetzt die Möglichkeit für die Christen aus der Stadt zu fliehen. Also die Feinde waren weg, die Römer, die Belagerung war weg, die eigenen Feinde innerhalb der jüdischen Zelotenpartei, die man ja fürchten musste, die waren auch weg, denn die waren rausgegangen und haben die Römer verfolgt, und in der Zeit hatten die Christen Zeit, die Stadt zu verlassen. Sonst war es unmöglich, wer die Stadt sonst verließ, der wurde sofort getötet, wer sie verlassen wollte, von den eigenen Leuten getötet.
Kann man daraus gehen, dass Paulus schon zu der Zeit tot war? Also man nimmt an, dass Paulus 64 nach Christus gestorben ist. Und wenn der Hebräerbriefschreiber den Apostel Paulus gar nicht erwähnt, dann könnte man auch annehmen, dass der Brief schon nach dem Tod des Paulus geschrieben wurde. Dann ist es noch knapper, jetzt sind wir schon zwischen 64 und 68, also wir kommen jetzt immer näher im Datum hin.
Wir haben noch ein bisschen Zeit. Was ist das Thema des Briefes? Können wir uns auch da noch kurz damit befassen? Was ist das Thema dieses Briefes? Wenn man diesen Brief liest, dann hat man Mühe, ihn zu gliedern. Denn man liest zuerst eine Abhandlung, Kapitel 1, Kapitel 2 ist eine Aufforderung. Kapitel 1 spricht davon, dass Gott geredet hat. Er sagt: Gott hat geredet. Das ganze Kapitel 1 wird von diesem Vers bestimmt: Gott hat geredet. Und dann in Kapitel 2 heißt es: Deswegen haben wir umso mehr auf das zu achten, was wir gehört haben. Dann kommt wieder eine Abhandlung über den Herrn Jesus, und Kapitel 3 heißt es: Deswegen, heilige Brüder, achtet auf den Gesandten und Hohen Priester unseres Bekenntnisses Jesus Christus.
Dann kommt ein längerer Abschnitt von Aufrufen und Warnungen, Kapitel 3 und 4. Vers 7: Darum, heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet euer Herzen nicht. Vers 12: Seht zu, dass nicht etwa in jemandem von euch ein böses Herz des Unglaubens sein wird. Kapitel 4, Vers 1: Fürchten wir uns also, damit nicht etwa sich bei jemandem herausstellt, dass er zurückgeblieben ist. Vers 11: Befleissigen wir uns also, einzugehen in die Ruhe! Kapitel 4, Vers 14: Da wir einen großen Priester haben, lasst uns das Bekenntnis festhalten. Vers 16: Lasst uns mit Freimütigkeit hinzutreten! Das sind also eine ganze Reihe von Aufforderungen.
Dann beginnt wieder ein Lehrteil über den Hohen Priester, Kapitel 5. Ab Kapitel 5, Vers ... beginnt wieder ein längerer Abschnitt mit einem Aufruf, der sagt: Ihr solltet eigentlich schon Lehrer sein, aber wir wollen jetzt zur Reife fortschreiten. Und dann sagt er in Vers 11: Wir begehren aber, dass jeder von euch denselben Fleiß beweise, dass ihr nicht träge werdet. Vers 12: Wir begehren aber, dass jeder von euch denselben Fleiß beweise, hin zur vollen Gewissheit der Hoffnung bis zum Ende, damit ihr nicht träge werdet, aber Nachahmer derer, die durch Glauben und Geduld die Verheißungen erben.
Dann kommt wieder ein Lehrteil in Kapitel 7, der geht bis Kapitel 10, Vers 18. Und dann in Kapitel 10, Vers 19 haben wir wieder einen Aufrufeteil: Da wir also, Brüder, Grund zum Zutrauen oder zur Zuversicht haben, zum Eingang in das Heiligtum, das Heiligste durch das Blut Jesu, Vers 22: Lasst uns hinzutreten. Vers 23: Lasst uns festhalten. Vers 24: Lasst uns aufeinander Acht haben. Vers 35: Werft also euer Vertrauen nicht weg, euer Zutrauen nicht weg. Wieder ein Aufrufeteil, oder?
Dann kommt Kapitel 11 wieder ein Lehrteil über den Glauben, die Glaubenszeugen. Dann kommt Kapitel 12 wieder ein Aufruf, Vers 1: Lasst denn also auch uns, nachdem wir abgelegt haben alles Beschwerende und so weiter, mit Ausdauer laufen in dem Wettlauf und hinwegsehen auf Jesus, des Glaubens Anführer und Vollender. Vers 3: Betrachtet ihn. Vers 12: Darum richtet die erschlafften Hände wieder auf und die ermatteten Knie und macht euren Füßen gerade Bahn. Vers 14: Jagt mit allen den Frieden nach. Vers 25: Seht zu, dass ihr den nicht abweist, der da redet. Vers 28: Lasst uns Gnade haben. Darum, da wir ein unerschütterliches Königreich in Empfang nehmen, mögen wir Gnade haben. Da seht ihr, es sind wieder ganz eine Reihe von Aufforderungen in Kapitel 12, oder?
Und dann kommen wir in Kapitel 13, das ist fast wie ein Anhang, wo er dann praktische Aufforderungen und Aufrufe gibt, wie man zu leben hat. Und da heißt es dann wieder: Lasst uns zu ihm hinausgehen, Vers 13. Und man tut sich sehr schwer: Wie soll man diesen Brief gliedern? Da hast du einen Lehrteil. Aufruf, Aufruf, Lehrteil, Aufruf, Lehrteil, Aufruf, Lehrteil, Aufruf, Lehrteil, Aufruf.
Und er sagt zum Schluss, zum Schluss sagt er, es geht uns ja um das Thema: Zum Schluss sagt er, Kapitel 13, Vers 22: „Ich rufe euch aber auf, Brüder, lasst euch das Wort des Aufrufs gefallen!“ Ich weiß, manche haben Ermahnung, das müsst ihr streichen. Also hier hat, ich glaube, auch die Schlachter, oder? Hat die Schlachter hier Ermahnung? Ermahnung? Ermahnung. Also eine Ermahnung, wenn wir im Beruf stehen zum Beispiel, der Chef kommt mit einer Ermahnung, das ist etwas sehr, sehr Ernstes. Da ist die Kündigung nicht mehr weit. Oder wenn in der Schule jemand eine Ermahnung bekommt, dann müssen die Eltern kommen, oder? Eine Ermahnung ist etwas sehr Scharfes, und das griechische Wort hat einen Ausdruck für Ermahnung, aber der wird hier nicht verwendet.
Das griechische Wort für Ermahnung heißt „Nuthesia“ und kommt vor bei der Kindererziehung. Da heißt es zum Beispiel, er mahnt die Väter, er mahnt sie, oder er mahnt sie, das ist auch nötig. Aber das andere Wort, das hier verwendet wird, ist „parakalein“, und „parakalein“ heißt eigentlich nichts anderes als einen Zuspruch geben, zureden, trösten, ermuntern, aufrichten, bitten, flehentlich bitten kann es sogar heißen in manchen Zusammenhängen, oder eben aufrufen, vielleicht sogar noch auffordern, aber fast schon zu stark: aufrufen, auffordern. Es heißt nicht ermahnen, und deshalb sollte man das hier eigentlich nicht so übersetzen, mit dem Wort ermahnen.
Hier sind die Schlachter der Elberfelder gefolgt und die Schlachter-Revision der Elberfelder gefolgt. Im Englischen ist es hier viel sanfter ausgedrückt, in den englischen Übersetzungen: Ihr Brüder, lasst euch das Wort des Aufrufs gefallen! Das heißt, der Hebräer-Schreiber selber sagt, das, was ich euch jetzt geschrieben habe, ist ein Wort des Aufrufs. Das heißt, der Hebräerbrief, das Thema, der Grundtenor dieses Briefes, ist ein Aufruf.
Wozu wird man jetzt aufgerufen? Nun, wir haben es jetzt gelesen: zum Festhalten. Zur Treue, zum Treubleiben, bei dem Herrn bleiben, nicht zurückgehen, nicht zurückgehen ins Judentum. Das heißt, es geht hier in diesem Brief vor allem einmal um einen Aufruf an diese Gläubigen, dass sie festbleiben, dass sie die Hoffnung festhalten und treu bleiben. Und dazwischen sind immer wieder Lehrteile eingefügt, und die Lehrteile dienen aber dazu, den Aufruf zu verstärken beziehungsweise die Gläubigen richtig zu motivieren. Das heißt, wir haben es also hier mit einem aufrufenden Brief zu tun, der zur Treue aufruft, zur Treue dem Herrn gegenüber, zum Festhalten, zur Treue und zum Festhalten aufruft. Das ist das Thema, das ganze Thema des Briefes.
Aber um dem Ganzen jetzt die Basis zu geben: Warum soll man denn festhalten? Wieso ist es denn wichtig, an Jesus festzuhalten? Um das jetzt richtig einzubetten, spricht der ganze Brief von der Herrlichkeit des Herrn Jesus, und zwar als Hoher Priester. Das zieht sich durch die ganze Schrift, durch den ganzen Hebräerbrief. Als Hoherpriester, Kapitel 2 wird er schon erwähnt, Kapitel 2, Vers 17: Christus ist ein barmherziger und treuer Hoherpriester. Kapitel 3 wird er erwähnt: Achtet auf den Gesandten und Hohenpriester unseres Bekenntnisses. Und dann Kapitel 4, Vers 14: Da wir also einen großen Hohenpriester haben, lasst uns das Bekenntnis festhalten. Und jetzt beginnt in Kapitel 5 die detaillierte Ausführung des Themas Christus, der große Hohepriester, bis Kapitel 10. Der ganze Abschnitt handelt von diesem Hohenpriester, Kapitel 5 bis 10. Und dann kommt wieder der Aufruf in der Mitte von Kapitel 10: Da wir also einen großen Hohenpriester haben, einen großen Priester haben über das Haus Gottes, lasst uns das Bekenntnis festhalten.
Das ist der Grundtenor dieses Briefes. Also, es ist ein Aufruf, festzuhalten an Christus, weil er ein großer Hoherpriester ist, weil wir einen großen Hohenpriester haben. Indirekt ist von dem Hohenpriester auch noch in Kapitel 13, Vers 13 die Rede, denn er ist hinausgegangen. Er ist hinausgegangen, außerhalb des Lagers. Lasst uns jetzt zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers. Und er ist der große Hirte. In dem Sinn ist ja auch der Priester ein Hirte, der Priester war ja auch ein Hirte in gewissem Sinn im Judentum. Der Priester sollte das Volk führen, er sollte das Volk lehren. Er hat Hirtenaufgaben auch gehabt, der Priester. Die Hohenpriester waren ja dann die Führer des Volkes geworden.
Vorher waren die Führer des Volkes die Könige gewesen, aber dann war das Königtum vorbei. Jerusalem wurde zerstört im Jahre 587 v. Chr., dann kam Israel in die Gefangenschaft, und dann kamen sie zurück aus der Gefangenschaft ohne König. Da waren da zwei Führer: Serubbabel und Josua, der Hohepriester. Und dann hat das hohe Priestergeschlecht, die waren dann die religiösen Führer und schlussendlich auch die politischen Führer. Israel kam ja dann unter die Herrschaft der Heiden, da kamen die Griechen, haben es beherrscht, Antiochus und so weiter. Dann kamen die Makkabäerkriege, und da hat sich Israel die Unabhängigkeit wieder erkämpft für 80 Jahre.
Wer waren die Führer zur Zeit der Makkabäerkriege? Da waren zwar einerseits die kriegerischen Makkabäerbrüder, aber wer waren die eigentlichen Führer? Die Hohenpriester. Der Hohepriester wurde wieder eingesetzt, und dann hat ein Hoherpriester den anderen Hohenpriester abgelöst, und es waren die Hohenpriester, das hohe priesterliche Geschlecht war die eigentliche Führerschaft. Dann kamen die Römer, setzten ihren Pontius Pilatus ein beziehungsweise andere Herrscher ein, aber die eigentliche Führerschaft war das Hohepriestergeschlecht, die Familie des Hohenpriesters, wurde dann erweitert zum Hohen Rat, das ganze Synedrium war dann die Führerschaft, aber der Hohepriester hat das entscheidende Wort gesprochen. Die Hohenpriester waren die eigentlichen Führer des Volkes.
Und jetzt sagt er: Wir haben einen Hohenpriester. Einen, der sich auf den Thron gesetzt hat, zur Rechten der Majestät in der Höhe. Ja, das ist das Thema.
Sind dazu noch Ergänzungen? Also es ging um eine Gefahr: Diese Leute standen, diese Empfänger, Briefempfänger, diese Christen standen in Gefahr, dass sie am Ziel vorbeigleiten, wie ein Segelboot am Ziel vorbeigleitet, dass sie sich abwenden von Gott, dass sie nicht mehr auf den hören, der vom Himmel her redet. Gott hat geredet, dass sie sich jetzt abwenden von dieser Stimme Gottes, der gesprochen hat im Sohn, und zurückweichen. Das war die Gefahr.
Fünfmal spricht er eine ganz ernste Warnung aus in diesem Brief, so zwischendurch immer. Ich kann euch die Stellen sagen. Das war das eine: Kapitel 2, Vers 3: Wie werden wir entrinnen, wenn wir ein so großes Heil missachten? Erste Warnung. Zweite Warnung, Kapitel 3 bis 4, aber vor allem Kapitel 4, Vers 11: Befleißigen wir uns, einzugehen in jene Ruhe, damit nicht jemand nach demselben Beispiel des Unglaubens und Ungehorsams falle. Ebenso Vers 1: Achtet da nicht, dass nicht jemand von euch zurückgeblieben erscheine. Aber gut, das war die zweite Warnung, also in Kapitel 3 und 4 ein bisschen verteilt.
Die dritte Warnung ist dann in Kapitel 6. Es gibt da einige, von denen er sagt, Vers 6: Die und die, die daneben fielen, es ist unmöglich, solche wieder zur Buße zu erneuern. Und Vers 8: Ein Boden, der Dornen und Disteln trägt, ist verwerflich und dem Fluche nahe, und Ende eines solchen Bodens ist das Verbrennen. Also Vers 6 bis 8.
Die vierte Warnung ist in Kapitel 10, Vers 26: Wenn wir vorsätzlich sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt kein Opfer für Sünden mehr übrig, denn wenn wir vorsätzlich sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt kein Opfer für Sünden mehr übrig, sondern ein gar furchtbares Erwarten des Gerichts und ein Eifer des Feuers, das im Begriffe ist, die Widersacher zu fressen. Vers 29: Wie viel schlimmere Strafe, meint ihr, wird der Wert geachtet werden, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten hat usw. Furchtbar ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fahren, Vers 31. Das ist die vierte Warnung, also Kapitel 10, 26–31.
Und dann ist die fünfte Warnung in Kapitel 12, Vers 25. Also zuerst der Aufruf in Vers 14: Haltet Aufsicht. Vers 15: Haltet Aufsicht, dass nicht jemand von euch von der Gnade Gottes abkomme, Kapitel 12, Vers 15, und dann die Warnung: Seht zu, dass ihr den nicht abweist, der da redet. Denn wenn jene nicht entkamen, die den abwiesen, der auf Erden weissagte, wie viel mehr werden wir nicht entkommen, wenn wir uns von dem abwenden, der es vom Himmel her tut. Also fünfmal eine ganz, ganz ernste Warnung.
Er möchte diesen Geschwistern zeigen: Es ist eine ernste Sache, wenn ihr euch mit den Gedanken herumschlagt, wegzugehen, zurück ins Judentum zu gehen. Wir wollen hier schließen.

