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Sind Christen INTOLERANT?

02.07.2021

Um die Nachfolge zu verteidigen, mache dich Hashtag Bibelfit.

Einleitung und Ausgangsfrage zur Christenintoleranz

Sind Christen intolerant? Sind wir nichts als fundamentalistische Verschwörungstheoretiker? Was bedeutet das eigentlich? Oder sind manche Menschen nur deshalb tolerant, weil sie zu bequem sind, eine eigene Meinung zu haben?

Das schauen wir uns jetzt kurz an. Danach zeige ich dir, wie du solche und noch schwierigere Fragen beantworten kannst. Zum Schluss beenden wir dieses Video mit dem schlechten Witz der Woche.

Bevor wir starten, kannst du ganz kurz der Community helfen, damit solche christlichen Inhalte auf Social Media nicht verborgen bleiben. Wenn du gerade auf Instagram bist, dann doppeltippe doch mal schnell auf dein Handy. Und auf YouTube danke ich allen, die jede Woche hier die Glocke drücken. Das ist eine technische Sache: Nur weil hunderte Menschen vor dir diese Glocke gedrückt haben, wird dir dieses Video überhaupt angezeigt.

Danke dir.

Selbstkritische Reflexion über Intoleranz unter Christen

Also sind wir Christen intolerant? Hand aufs Herz und ein tiefer Blick in den Spiegel zeigen: Ja, irgendwie schon. Manchmal sind wir das, und manchmal sollten wir es nicht sein.

Wir alle – Christen in Deutschland, ob landeskirchlich, freikirchlich, katholisch oder orthodox – haben in den letzten Jahrzehnten und Jahren in vielen Dingen Fehler gemacht. Da haben wir uns definitiv nicht mit Ruhm bekleckert. Das war nicht gut.

Ich selbst habe sehr öffentlich über meine Fehler gesprochen. Und ich kann sagen: Es bringt nichts, um den heißen Brei herumzureden. Wir als Christenheit müssen besser werden. Wir müssen es besser machen.

Dabei sollten wir auch in der Lage sein, einander liebevoll zu ermahnen.

Umgang mit Menschen in schwierigen Situationen

Ganz konkret: Können du und ich gut mit Menschen umgehen, die eine schwierige und sündhafte Vorgeschichte haben? Können wir das wirklich?

Haben wir heute einen weisen Umgang mit Menschen, die gerade in Sünde leben oder irrigen Lehrmeinungen anhängen? Meistens gehen diese beiden Aspekte ja miteinander einher. Haben wir das?

Ich weiß bei mir selbst, da ist oft noch Luft nach oben. Deshalb möchte ich dir ein paar Dinge weitergeben, die ich auf meinem Weg gelernt habe.

Hier sind fünf schnelle, knackige Punkte dazu.

1. Intoleranz und ihre Wahrnehmung

Erstens: Intoleranz. Intoleranz fällt uns meistens dann auf, wenn es um etwas geht, das uns gefällt oder nicht gefällt. Das heißt, sobald sich die Intoleranz auf etwas bezieht, das uns gefällt, nehmen wir sie wahr. Umgekehrt fällt sie uns nicht auf, wenn sie sich auf etwas bezieht, das uns nicht gefällt.

Ein konkretes Beispiel: Die meisten Freikirchen, die meisten katholischen Gemeinden und praktisch die gesamte Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sind geschlossen gegen Nationalsozialismus, gegen Nazis und gegen Rassismus. Das ist gut so, ja.

Und trotzdem werfen wir diesen Kirchen und Gemeinden nicht vor, dass wir ihnen sagen: "Mensch, ihr intoleranten Fundamentalisten, könnt ihr nicht aufhören, Nazis zu begrüßen? Könnt ihr nicht mal mehr Nazis als Pfarrer einstellen? Mir fehlt der Hitlergruß am Sonntagmorgen." Nein. Diese Art von Intoleranz gegenüber Rassismus tolerieren und akzeptieren wir. Wir finden das gut. Für uns ist das kein Problem, und das ist richtig so.

Das heißt, unser Problem ist also gar nicht die Intoleranz an sich. Ein Problem entsteht erst, sobald die Intoleranz etwas betrifft, das uns gefällt. Es geht also gar nicht so sehr um Intoleranz an sich, sondern um den Inhalt der Intoleranz.

2. Intoleranz im eigenen moralischen Anspruch

Zweiter kurzer Gedanke

Das fängt ja bei uns selbst an, zum Beispiel: Sobald du in der Fastenzeit bist, verzichtest du auf bestimmte Verhaltensweisen. Sobald du eine Diät machst, verzichtest du auf bestimmte Nahrungsmittel.

Ähnlich ist es mit der Moral. Mit jedem moralischen Anspruch, den wir haben – also dass du dies tun sollst und jenes lassen sollst – sind wir intolerant uns selbst gegenüber, was diese bestimmten Verhaltensweisen betrifft. Wir sagen ja, dieses zum Beispiel soll man nicht tun.

Das heißt, es geht bei Intoleranz gar nicht unbedingt um Personen, sondern ganz häufig um Verhaltensweisen. Diese Unterscheidung zwischen Person und Verhaltensweise ist im deutschen Rechtssystem relativ gut verankert. Dort wird jemand nicht durch seine Taten identifiziert, sondern die Taten werden unabhängig von der Person bewertet. Das ist eine gute Sache.

Wie ist es im Glaubenskontext? Im Glaubenskontext, im Christentum, ist es sehr ähnlich. Zum Beispiel die Aussage: „Du sollst den Namen des Herrn nicht unnütz gebrauchen.“ Diese Aussage ist intolerant und diskriminiert die Verhaltensweise der Blasphemie. Zum Beispiel sollte man nicht so etwas sagen wie „Oh Gott“ oder auch „Oh je“, was eine Kurzfassung von „Oh Jesus“ ist. Solche Ausdrücke müssen wir als Christen wirklich vermeiden.

Oder das achte Gebot: „Du sollst nicht stehlen.“ Das ist Intoleranz gegenüber der Verhaltensweise des Diebstahls. Es ist intolerant und diskriminierend gegenüber der Verhaltensweise des Stehlens.

Haben du und ich jetzt ein Problem damit? Nicht wirklich. Wir sagen ja auch nicht: „Oh Mann, diese Gebote, die sind aber auch diskriminierend, die sind aber auch intolerant. Können wir nicht mal toleranter gegenüber Diebstahl sein?“ Nein, nicht wirklich.

Und genau das ist es, was Gesetze und Regeln immer machen. Das sind moralische Weisungen, die sich immer auf Handlungen beziehen – nicht auf das, was wir empfinden, nicht auf das, was wir fühlen, auch nicht auf das, was wir denken. Darum geht es überhaupt nicht.

Sondern es geht darum, ob wir daraus eine Handlung machen und ob wir das in unsere Taten münden lassen oder nicht. Es geht also um Handlungen. Darum geht es. Es geht nicht um Empfindungen, es geht um Verhaltensweisen. Um die geht es.

3. Moral als Diskriminierung von Verhaltensweisen, nicht von Menschen

Dritter Punkt: Alle Moralvorstellungen – grundsätzlich jede, sei sie säkular, humanistisch oder atheistisch – diskriminieren immer Verhaltensweisen. Das ist der Sinn und Zweck von Moral.

Aber das bedeutet nicht unbedingt, dass Menschen diskriminiert werden. Das ist etwas anderes.

Im Christentum ist das ganz klar, was Jesus sagt: „Wer ohne Sünde ist, der soll den ersten Stein werfen.“ Damit ist die Sache erledigt. Das heißt, Menschen sind im Christentum nicht zu diskriminieren, Menschen sind gleichwertig. Verhaltensweisen hingegen sind es nicht.

Noch einmal: Im Christentum sind Menschen gleichwertig, aber nicht Verhaltensweisen – insbesondere solche, für die wir uns selbst entscheiden. Das ist eine ganz andere Sache.

Das bedeutet, alle Gesetze, alle Regeln, alle moralischen Fragen benennen immer ein bestimmtes Verhalten als richtig und ein anderes als falsch. Das gilt grundsätzlich.

Und hier liegt das gleiche Problem wie zuvor: In Wahrheit haben wir nicht wirklich ein Problem mit Intoleranz an sich, sondern mit Intoleranz gegenüber einer Verhaltensweise, die wir sonst dulden würden.

Dasselbe gilt auch für deine Gesprächspartner. Verstehst du, was ich meine?

4. Umgang mit dem Vorwurf der Intoleranz

Vierter kurzer Gedanke

Das heißt: Sobald dir jemand vorwirft, du seist intolerant, ist das nach meiner Erfahrung – korrigiere mich gern – häufig ein vorgeschobenes Stellvertreterargument. Es ist ein sogenannter Strohmann, ein oberflächliches Mittel, um dich auf Abstand zu halten oder dich abzuwerten.

Du musst zunächst genau hinschauen, was wirklich hinter dieser Oberfläche steckt. Oft geht es nämlich darum, dass jemandem etwas nicht passt, was du sagst, denkst oder fühlst. Es geht dabei gar nicht so sehr darum, dass du tatsächlich ein intoleranter Mensch bist – zumindest nicht intoleranter als derjenige, der dir diesen Vorwurf macht.

Was ist eine gute Antwort darauf? Du kannst zum Beispiel das Thema Toleranz selbst ansprechen. Frage deinen Gesprächspartner zu Beginn eines Gesprächs direkt: „Hältst du dich für tolerant?“

In der Regel wird derjenige dann etwas sagen wie: „Ja, schon, irgendwie ja.“

Darauf kannst du antworten: „Okay, gut, dann kann ich ja beruhigt sein, dass ich nicht von dir angegangen werde, falls wir unterschiedliche Meinungen haben.“

Wenn derjenige zustimmt, kannst du noch einmal nachfragen: „Gibt es eine Möglichkeit, tolerant zu sein und trotzdem an einem Punkt unterschiedliche Ansichten zu haben?“

Meistens wird die Antwort darauf sein: „Ja.“

Dann kannst du weiterfragen: „Könnten wir dann auch in dieser Frage, um die es jetzt geht, unterschiedliche Ansichten haben und trotzdem als tolerant gelten? Könnte ich auch als tolerant gelten, selbst wenn ich deine Auffassung nicht so toll finde?“

Oft ergibt sich daraus ein Aha-Erlebnis, denn was du häufig erleben wirst, wenn die Toleranzkeule geschwungen wird, ist, dass Toleranz eher als Einbahnstraße gelebt wird.

Das bedeutet: Deine Gesprächspartner sind oft gegenüber vielen Dingen tolerant – außer wenn sie Gegenwind zu ihrer eigenen Position bekommen. Dann sind sie plötzlich nicht mehr tolerant gegenüber allem, was ihnen nicht gefällt.

5. Unterschied zwischen Toleranz und Akzeptanz

Fünfter kurzer Gedanke

Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen Toleranz und Akzeptanz, zwischen tolerieren und akzeptieren? Ja, den gibt es, und er ist wichtig.

Tolerieren bedeutet so etwas wie: „Mir gefällt es nicht, ich finde es wirklich nicht gut, es stört mich, aber wenn die NPD meint, am dritten Oktober einen Aufmarsch vor dem Bundestag veranstalten zu müssen, dann muss sie das halt machen.“ Diese Einstellung wäre Toleranz.

Akzeptanz wäre dagegen, wenn ich so etwas sagen würde wie: „Yay, wie kann ich die NPD unterstützen? Wo ist das Spendenkonto? Kommt, wir gehen sammeln!“ Das wäre Akzeptanz.

Und das ist nicht dasselbe. Toleranz heißt also: „Ich wehre mich nicht dagegen.“ Akzeptanz bedeutet: „Ich befeuere das.“

Das ist ein großer Unterschied. Bitte nicht miteinander verwechseln.

Und Bonuspunkt:

Bonuspunkt: Gottes und Jesu Haltung zur Toleranz

Ist Gott denn selbst tolerant? War Jesus tolerant? Schau doch einfach selbst nach, wo Jesus zu einer Menschengruppe sagt: „Euer Vater ist der Teufel.“ Vielleicht denkst du dann: Jesus, das ist aber nicht besonders christlich von dir. Ernsthaft, könntest du nicht ein bisschen toleranter sein?

Lies selbst nach, wie das Jüngste Gericht mit Jesus beschrieben wird. Frag dich auf einer Skala von eins bis zehn: Wie tolerant erscheint dir Jesus, wenn er die Schafe von den Böcken trennt?

Deshalb möchte ich ganz direkt zurückfragen: Unter uns Christen, wie tolerant müssen wir eigentlich sein? Müssen wir überhaupt tolerant sein? Denn wenn wir alles akzeptieren, kommen wir irgendwann an den Punkt, an dem wir immer mehr Verhaltensweisen umarmen, die Gott selbst als sündlich bezeichnet.

Ich denke, wir müssen den Stempel „intolerant“ in unseren Gesprächen ein wenig deeskalieren. Das gilt auch für unseren gesellschaftlichen Diskurs. Denn die Frage ist doch: Ist es eine sinnvolle Erwartung, dass du und ich alles akzeptieren – und sowieso alles tolerieren? Eigentlich nicht.

Kann dann die Aussage „Du bist intolerant“ in einer gehaltvollen Diskussion jemals eine ernsthafte Aussage sein? Nein, meistens ist das nur Rumgejammer.

Manchmal ist es gar nicht so einfach zu unterscheiden, was Rumgejammer ist, was nur Beschwerden sind und was ernsthafte Argumente sind. Und nur weil du merkst, dass etwas ein ernsthaftes Argument ist, heißt das noch lange nicht, dass es gut sein muss.

Einladung zum interaktiven Training und Abschluss

Und wie gehst du dann eigentlich auf die richtig knackigen Fragen ein?

Na ja, das würde jetzt den Rahmen sprengen. Deshalb habe ich dir dafür jetzt ein interaktives Training zusammengestellt, das schon Hunderte Menschen durchlaufen haben. Es bereitet dich auf knifflige Gespräche und echte gesellschaftliche Anfeindungen vor.

Dank der Hilfe der Spender-Community hier kann ich das öffentlich und vor allem kostenfrei zur Verfügung stellen. Vielen Dank euch!

Nimm es dir gern gratis mit, klick einfach auf den Link in der Videobeschreibung – und das war’s. Ich erzähle jetzt noch den schlechten Witz der Woche. Schreib mir gern schon mal einen Kommentar, was du aus diesem Video mitgenommen hast.

In jedem Fall schön, dass du hier bist. Ich bin Markus Voss, und das war jetzt ein Input zum Nachfolge-Verteidigen. Um Nachfolge auch zu verstehen und zu leben, mache dich Hashtag Bibelfit.

Dafür lade ich dich ein, jetzt zusammen mit den anderen deine Toleranz und Akzeptanz zu zeigen und der Glocke mal richtig inklusiv zu drücken. So wird dieser Input nicht vor anderen Leuten verborgen.

Und während du das tust, enden wir mit dem schlechten Witz der Woche: Wo war Jesus nach der Himmelfahrt? Im Homeoffice. Denk mal drüber nach!

Wir sehen uns im nächsten Video. Ich freue mich auf dich!

PS: Der Witz war nicht von mir.