
Apostelgeschichte 3,1-26: "Krankheit: Warum gibt es Krankheit?"
Apostelgeschichte 3,1-3,2622.01.2015
Serie•Teil 7 / 64Apostelgeschichte
Generierte Mitschrift
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Zwei zusammengehörige Botschaften am Anfang der Kirchengeschichte
Ich möchte mit euch weitermachen in der Apostelgeschichte. Wir haben uns das vorletzte Mal die Pfingstpredigt angeschaut. Und wer von euch die Apostelgeschichte kennt, der weiß: Es gibt am Anfang der Kirchengeschichte zwei Predigten, die da hineinführen. Das eine ist die klassische Pfingstpredigt, und dann gibt es den Text, den wir uns heute miteinander anschauen wollen, aus Apostelgeschichte 3.
Die beiden Reden gehören zusammen. Sprich: Wenn man das Evangelium verstehen will, reicht es eigentlich nicht, nur die eine zu lesen. Man muss sie zusammenlesen. Das hat man öfter in der Bibel, dass zwei Texte zusammengehören. Und wenn man dann immer nur einen liest, bekommt man einen Schwerpunkt mit und verpasst womöglich den anderen.
Was war der Schwerpunkt der Pfingstpredigt? Na ja, es ging darum: Welche Bedeutung hat Jesus als Messias und Herr? Petrus startet mit Joel, Kapitel 3. Da gibt es eine Zeit, wo jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, gerettet werden wird. Und dann erklärt er: Wer ist denn dieser Herr? Und er zeigt: Herr und Messias, das ist Jesus.
Es geht um den Dienst Jesu auf der Erde. Es geht um das Thema Auferstehung, Himmelfahrt, Sendung des Heiligen Geistes. Es geht um die Frage: Wenn ich persönlich mit Gott ins Reine kommen möchte, wenn ich von meinen Sünden gerettet werden möchte, wie mache ich das? Das ist Pfingstpredigt. Ganz wichtiger Stoff.
Und dann gibt es das, was wir heute haben werden. Denn dieses Thema, wie werde ich von meinen Sünden gerettet, ist nur ein Teil des Evangeliums. Das Evangelium ist tatsächlich noch viel breiter. Es geht nicht nur darum, wenn Gott uns das Evangelium verkündigt, wie der Einzelne von seiner Sünde befreit wird. Sondern nicht nur wir haben ein Problem, sondern die ganze Welt hat ein Problem.
Der Sündenfall, wie wir das nennen, hat nicht nur uns als Menschen in Mitleidenschaft gezogen, sondern er hat tatsächlich die ganze Welt, die ganze Schöpfung kaputtgemacht. Und der vielleicht offensichtlichste Ausdruck dafür, dass da irgendetwas in dieser Welt nicht stimmt, das ist Krankheit. Vor allem solche Krankheit, die ein Mensch ein Leben lang mit sich herumschleppt. Wo man quasi vom ersten Atemzug an schon sagen kann: Das ist nicht sehr gut, das ist nicht mal annähernd sehr gut. Hier ist etwas falsch. Und wo sich diese Falschheit durch das Leben eines Menschen hindurchzieht.
Mir ist wichtig, dass wir, wenn wir das Evangelium predigen sollen, dann nicht nur darüber predigen, wie ein Mensch gerecht werden kann vor Gott, sondern auch darüber, dass es eine Hoffnung gibt für diesen Kosmos. Also nicht nur eine Hoffnung für uns persönlich, sondern eine Hoffnung für das Universum, in dem wir leben. Dass Jesus tatsächlich wiederkommen wird. Dass er nicht nur gegangen ist und den Geist Gottes gesandt hat, damit wir hier auf der Erde unsere Sünde erkennen, uns bekehren, Buße tun und ewiges Leben finden, sondern dass er wiederkommen wird, um einen neuen Himmel und eine neue Erde aufzurichten.
Dass das, was am Anfang sehr gut war, auch am Ende, wenn das Evangelium, wenn die frohe Botschaft sich erfüllt hat, nicht nur in unserem Leben, sondern im Kosmos, dann alles tatsächlich wieder sehr gut werden wird. Und deswegen gehören, das ist nämlich der Schwerpunkt der Predigt, die wir uns gleich anschauen werden, diese zwei Predigten zusammen.
Ein Mensch am Rand des Lebens
Und wir starten mal mit Apostelgeschichte 3,1-11.
Petrus aber und Johannes gingen um die Stunde des Gebets hinauf in den Tempel, das ist etwa drei Uhr nachmittags, die neunte Stunde.
Und ein Mann, der von seiner Mutterleibe an lahm war, also so einer, bei dem man sich die Frage stellt: Was soll das denn? Der wird geboren, und eigentlich freut man sich darüber, dass ein Kind geboren wird. Und man schaut ihn sich an, und ich weiß nicht, was ihn lahm gemacht hat, aber von seiner Mutterleibe an, sagen wir, mit einem verkrüppelten Fuß, wo klar ist: Der wird nie laufen können.
Wurde herbeigetragen. Er hat Freunde, die sich darum kümmern. Wurde herbeigetragen, man setzte ihn täglich an die Pforte des Tempels, die man die Schöne nennt, damit er Almosen erbat von denen, die in den Tempel gingen. Das war sein Geschäft, sein Lebensunterhalt. Jeden Tag wurde er dahingetragen, lag da, bettelte und sah, wie die anderen Leute in den Tempel hineingingen, liefen, Gott anbeten konnten – die Gesunden – und er war der Kranke.
Als dieser Petrus und Johannes sah, wie sie in den Tempel eintreten wollten, bat er, dass er ein Almosen empfinge. Petrus aber blickte mit Johannes fest auf ihn hin und sprach: Sieh uns an! Er aber gab Acht auf sie, in der Erwartung, etwas von ihnen zu empfangen.
Petrus aber sprach: Silber und Gold besitze ich nicht, was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi des Nazoräers geh umher!
Ein Nazoräer ist einer aus Nazareth. Dieser Begriff wird sehr früh für Jesus verwendet. Nazareth müsst ihr euch vorstellen: Das ist ein Ort, wo man nicht herkommt. Das ist ein Ort, wenn du da herkommst, sagst du nicht, dass du da herkommst. Es ist fast so etwas wie ein Schimpfwort: Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen? Nein. Aber genau da, wo nichts Gutes herkommen kann, der Unbedeutende, der, den man übersehen kann, der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der, der nichts ist, den macht Gott zu etwas.
Und deswegen heißt es hier: Im Namen Jesu Christi des Nazoräers, der eigentlich nicht auffällt, der gar nicht das sein dürfte, der viel zu klein ist, um Messias zu sein, viel zu unbedeutend und trotzdem den Gott erwählt hat. In diesem Namen, in seinem Auftrag: Geh umher!
Und dann geschieht das Wunder. Und er ergriff ihn bei der rechten Hand, richtete ihn auf, sofort aber wurden seine Füße und seine Knöchel stark. Und für alle, die jetzt viel Fußball geschaut haben: Das ist nicht jemand, der sich nach 120 Minuten vor dem Elfmeterschießen auf den Boden legt und nochmal durchmassiert werden muss, und eigentlich ist alles in Ordnung, sondern er braucht halt noch ein bisschen Pause. Das ist jemand, der noch nie in seinem Leben gelaufen ist.
Das heißt: Da fehlt alles, da ist alles deformiert, da ist alles kaputt oder wenigstens total eingesteift. Da sind keine beweglichen Sehnen, da ist keine Muskulatur. Und du hilfst ihm hoch, und ich stelle mir immer vor: Wie muss das sein, wenn du ein Leben lang auf dem Boden gelegen hast und dann packt dich jemand und sagt: Jetzt stell dich das erste Mal auf deinen Fuß.
Sofort aber wurden seine Füße und seine Knöchel stark, und er sprang auf.
Staunen über das Unerwartete
konnte stehen und ging umher. Und er trat mit ihnen in den Tempel, ging umher, sprang und lobte Gott. Das ganze Volk sah ihn umhergehen und Gott loben. Und sie erkannten ihn als den, der um das Almosen an der schönen Pforte des Tempels gesessen hatte. Sie wurden mit Verwunderung und Erstaunen erfüllt über das, was sich mit ihm ereignet hatte.
Während er aber den Petrus und Johannes festhielt, lief das ganze Volk voll Erstaunen zu ihnen zusammen in die Säulenhalle, die Salomons Halle genannt wird.
Wow, ich hoffe, dass euch die Geschichte gefällt. Ist einfach gut, oder? Du hast da jemanden liegen, es geschieht ein Wunder, und alle Leute sind begeistert. Und das kann man voll nachvollziehen, oder?
Du gehst da immer wieder an ihm vorbei. Ja, jeder hat ihn schon mal gesehen. Und wenn du etwas hattest, hast du ihm etwas gegeben. Und du denkst dir: Du arme Socke. Du siehst da, was weiß ich, den verkrüppelten Fuß, und denkst dir: Na, schade irgendwie, dass du jetzt hier draußen liegen musst. Aber wenigstens kriegst du hier etwas und hast einen guten Platz.
Und dann siehst du ihn, und er geht natürlich nicht andächtig da in den Tempel rein. Ja, der muss das ausprobieren. Das ist ja logisch, dass das wirklich funktioniert da unten, dass man da stehen und hüpfen kann. Und er hüpft da förmlich in die Säulenhalle hinein. Und alle sagen sich: Sag mal, dich kenne ich doch. Dein Gesicht, der kommt mir doch total bekannt vor. Du gleichst irgendwie dem, der da immer da draußen lag, schon jahrelang da draußen lag. Dich habe ich als Teenager da liegen sehen, dich habe ich als Twender sehen, liegen sehen, und was weiß ich, wie alt der war. Dich kenne ich seit Jahren und Jahrzehnten. Was machst denn du hier drin?
So, die Leute kommen zusammen. Schöne Geschichte. Und ich möchte jetzt gern das Problem mal skizzieren, das diese Geschichte in sich trägt.
Die Frage nach Gottes Handeln in einer gebrochenen Welt
Wir hören vielleicht am Sonntag nicht so gerne von Problemen, aber die Geschichte ist für Christen nicht ganz unproblematisch. Wir glauben doch an einen liebenden und allmächtigen Schöpfergott. Und wir haben instinktiv eine Ahnung davon, dass es nicht richtig sein kann, wenn ein Mensch von Mutterleib an deformiert ist, unfähig, alleine zu gehen, jeden Tag in den Tempel getragen werden muss, um dort in günstiger Position liegend auf das Mitleid der Gottesdienstbesucher zu hoffen und irgendwie seinen Lebensunterhalt erbetteln zu müssen.
Frage: Warum lässt ein liebender und allmächtiger Schöpfergott so etwas zu?
Jetzt gibt es eine schnelle Antwort, die auch theologisch richtig ist. Sie heißt: Sündenfall. Ja, wir sind Wracks. Wir sind geistliche Wracks, wir sind psychische Wracks, wir sind körperliche Wracks. Und das hängt damit zusammen, dass der Mensch gegen den Schöpfer, das Geschöpf gegen den Schöpfer, einmal rebelliert hat, und wir zahlen jetzt dafür den Preis. Wir leben in einer Schöpfung, die uns irgendwie feind ist. Wir leben in Beziehungen, die nicht gelingen wollen. Wir leben in einem Körper, der täglich schwächer wird, selbst wenn wir gesund sind. Und die Beziehung zu Gott ist sowieso futsch.
Das ist die Theorie. Das kann man jedem sagen: Du bist Teil einer gefallenen Schöpfung. Und der Clou ist: Das stimmt. Aber ich weiß nicht, wie es euch geht. Mir geht es so: Mir reicht die Antwort nicht. Es reicht mir nicht, jemandem zu sagen: Das ist halt so. Ich kann dir da auch nichts weiter sagen.
Sondern ich stelle mir die Frage: Hört der Schöpfer wirklich nicht die Schreie seiner geschundenen Schöpfung? Ist das wirklich so? Und wenn ja, was tut er, außer dass er uns auffordert, als seine Kinder mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln das Leid der Welt zu lindern? Dass er nichts weiter tut?
Wie können wir im Gottesdienst, die wir vielleicht zufälligerweise gerade gesund sind, ihm Lieder singen von seiner Liebe und von seinem Mitleid? Selbst wenn alle Christen alle Zeit und alles Geld darauf verwendeten, das Leid der Welt zu lindern, wenn wir uns richtig einsetzen würden: Auf die Frage nach dem, was Gott tut, kann das nicht die letzte und einzige Antwort sein.
Wenn wir der Welt das Evangelium bringen, dann reicht es nicht, wenn wir im Hinblick auf Krankheit und Leid einfach sagen: Na ja, lebe halt so ein bisschen wie der gute Samariter, tu, was dir möglich ist. Ich kann dir auch einen Bibelvers geben: Sprüche 3,27. Wenn du die Möglichkeit hast, jemandem etwas Gutes zu tun, dann tu es ihm.
Ich behaupte: Wenn wir im Namen eines liebenden und allmächtigen Schöpfers auftreten, brauchen wir eine bessere Antwort.
Und ich mache euch das Problem noch ein bisschen problematischer. Petrus und Johannes gehen da hin, sehen den Bettler, haben aber kein Geld und denken sich: Na ja, weißt du, Geld haben wir nicht. Gold und Silber hätten wir dir gerne gegeben, ist jetzt gerade nicht da. Aber wir geben dir einfach etwas anderes. Wir geben dir, was du viel besser brauchen kannst. Wir geben dir die Fähigkeit zu laufen zurück. Wow, wir befreien dich von deiner Krankheit. Wow.
Frage: Wenn die Apostel hier einen im Namen Jesu Christi heilen, also wenn der Herr Jesus ihnen die Macht gibt, einem seine Gesundheit zurückzugeben, ihn wirklich von seiner Krankheit zu befreien, warum gibt Gott ihnen dann nicht den Auftrag, systematisch durch die Welt zu ziehen und jeden Kranken durch ein Wunder zu heilen, der ihnen begegnet?
Stellt euch vor, die nächsten zwanzig Jahre wären alle Apostel durch das Römische Reich gegangen und hätten jeden auf wundersame Weise geheilt, der ihnen begegnet. Wäre das nicht logisch? Wäre das nicht das, was wir von einem liebenden, allmächtigen Gott erwartet hätten?
Und wir lesen nichts davon, dass die Apostel das tun. Warum nicht? Warum heilt Gott nicht einfach alle Kranken hier auf der Erde? Das ist die Frage.
Drei Antworten auf die Not der Kranken
Und ich möchte euch drei Antworten mitgeben. Drei Antworten.
Wenn uns jemand begegnet, der krank ist, und der sagt: Sag mal, warum begegnet mir eigentlich nicht so ein Apostel, der zu mir sagt: Steh auf, geh umher? Warum eigentlich nicht?
Erste Antwort, und ich denke, es sind die Antworten, die man Petrus fragen würde, wenn man ihn in die Ecke drängen würde: Die erste Antwort ist ganz wichtig. Gott tut Wunder. Erst einmal müssen wir das festhalten: Gott tut Wunder, auch heute noch.
Aber wir merken das ganz stark in der Bibel: Diese Wunder, die Gott tut, sind Zeichen. Sie sind immer ein Vorgeschmack auf etwas, was noch kommt. Im Hebräerbrief heißt es einmal davon, dass wir Kräfte des zukünftigen Zeitalters schmecken können. Und da muss man verstehen: In der Bibel gibt es jetzt das Heute, und es gibt ein zukünftiges Zeitalter. Es gibt eine Zeit, die können wir Ewigkeit nennen, wir können sie aber auch Paradies nennen oder Himmel nennen. Mir sind die Worte egal. Wichtig ist nur, dass wir begreifen: Es gibt eine Zeit, da wird Gott alles Böse und Falsche und Kranke und Sündige und Schmerzhafte und Deformierte wegnehmen. Das ist die künftige Zeit.
Und wenn heute ein Wunder geschieht an jemandem, dann ist das wie ein Vorgeschmack auf diese Zeit. Wenn Jesus wiederkommt, und Jesaja beschreibt diesen Moment so, dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet, dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch und die Zunge der Stummen jauchzen. Jesaja 35,6.
Wenn der Messias und sein Reich anbricht, dann hat Krankheit keine Chance. Aber das ist wichtig, und das müssen wir den Leuten auch sagen, die krank sind. Vielleicht müssen wir uns das selber predigen, wenn es uns schlecht geht. Dieses Reich liegt noch in der Zukunft.
Heute, sagt die Bibel, ist die Schöpfung der Vergänglichkeit unterworfen. Das heißt: Alles stirbt langsam vor sich hin. Du magst das nicht gerne hören, aber das Kind, das geboren wird, ist in dem Moment, wo es das erste Mal so aus Leibeskräften schreit und du es in den Arm nimmst und denkst, es ist der Inbegriff von Leben, bereits auf dem Weg zum Tod. Es wird wachsen, um zu sterben.
Diese Welt ist der Vergänglichkeit unterworfen. Auch der Lahme, der hier in der Säulenhalle des Salomo umherhüpft, wird alt werden. Er wird dann nicht mehr hüpfen, nicht mehr springen können, wird vielleicht einen Krückstock brauchen, und er wird schließlich sterben.
Jedes Heilungswunder, und sei es noch so auffällig, bleibt in dieser Welt letztlich ein billiger Abklatsch von dem, was kommen wird. Selbst in Apostelgeschichte 3,16 heißt es: vollkommene Gesundheit. Ja, so steht der jetzt da, dieser Lahme, der springt. Selbst vollkommene Gesundheit ist dem Tod unterworfen. Dass wir das festhalten. Erster Punkt.
Zweiter Punkt, der wichtig ist, wenn wir uns mit dem Thema Krankheit beschäftigen: Jesus kommt wieder. Er ist nicht nur der Gestorbene und der Auferstandene und der erhöhte Herr, der das Problem unserer Sünde für uns gelöst hat. Er hat das Problem der ganzen Schöpfung am Kreuz gelöst.
Ich weiß nicht, ob wir das so klar vor Augen haben. Wir sehen oft das Kreuz, und wir sehen, dass der Herr Jesus am Kreuz unsere Sünde nimmt und ans Kreuz schlägt, dass dort quasi unser Schuldschein hängt, den wir ausgestellt haben, und den der Teufel einmal gegen uns ins Feld führen kann, und sagen: Schau hier, das hat er angestellt. Unser Schuldschein hängt dort, und der wird bezahlt.
Aber dort passiert mehr. Am Kreuz wird nicht nur der Sünder erlöst, am Kreuz wird die Schöpfung erlöst. Hören wir Petrus: Apostelgeschichte 3,12.
Als aber Petrus es sah, dass die Leute zusammenliefen, sprach er zum Volk: Männer von Israel, was verwundert ihr euch hierüber, oder was seht ihr so gespannt auf uns, als hätten wir aus eigener Kraft oder Frömmigkeit bewirkt, dass er gehen kann?
Wichtiger Punkt zwischen den Zeilen: Wenn Gott dich benutzt, dann tut er das nicht, weil du so stark bist oder weil du so fromm bist. Wann immer Gott Menschen benutzt, auch wenn sie Wunder tun, werden sie nie mehr als Werkzeuge in seiner Hand. Er nutzt sie oder auch nicht, wann er will und wo er will. Es ist nie unsere Leistung, und es ist nie unsere Frömmigkeit. Es ist nie unsere Kraft oder unsere Leistung, die uns dafür in besonderer Weise qualifiziert.
Wenn Leute Wunder tun, diese Idee der Heiligen, die irgendwie besonders heilig gelebt haben und dann so ein Verdienst von, ich weiß nicht, ja, so ein Mitspracherecht bei Gott erworben haben, und jetzt können wir quasi aus ihrem Schatz an guten Werken für uns etwas abgreifen, das ist nicht biblisch. Das ist Aberglaube, der in die Christenheit eingedrungen ist.
In Wirklichkeit ist es so: Wenn Gott Wunder tut, dann tut er das, weil er das möchte. Und er kann dich verwenden. Und ihr wisst alle, er kann auch eine Eselin verwenden. Auch das funktioniert. Das ist alles nicht so furchtbar dramatisch.
Und deswegen diese Idee: Oh, das sind jetzt die ganz Heiligen. Wann immer die Apostel für Götter gehalten werden, für besonders heilige Menschen, sagen sie immer: Stopp, wir sind nur Diener Gottes. Punkt.
Die Schuldfrage und der leidende Messias
Vers 13 Der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht. Und was Petrus macht, habe ich euch in der ersten Predigt schon gezeigt: Er nimmt bei seinen Predigten kein Blatt vor den Mund. Er zeigt ihnen die ganze Absurdität der Situation auf, die damals an Ostern passiert ist. Hört euch das an.
Also: Gott hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr überliefert und vor Pilatus verleugnet habt. Und was macht der Heide Pilatus, als dieser geurteilt hatte, ihn loszugeben? Ist das absurd? Der Heide sagt: Ich bringe den nicht um. Und die, die zum Volk Gottes gehören, sagen: Bring ihn um.
Und es geht weiter: Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und gebeten, dass euch ein Mörder geschenkt würde. Die ganzen Jahre war man für Jesus und dafür, dass er so ein vorbildlicher Lehrer ist. Man hat es genossen, ihn zu hören, und ist gerne von ihm geheilt worden. Das heißt dann: den Fürsten des Lebens. Das hat man gerne akzeptiert, dass da einer ist, der mir Leben gibt, der meine Gesundheit wiederherstellt, der mir guten Rat gibt. Alles war gut. Aber im entscheidenden Moment hat man einen Ungerechten und einen unheiligen Mörder, jemanden, der anderen das Leben nimmt, dem Heiligen und Gerechten, dem Urheber allen Lebens vorgezogen.
Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und gebeten, dass euch ein Mörder geschenkt würde. Den Fürsten des Lebens aber habt ihr getötet, den Gott aus den Toten auferweckt hat, wovon wir Zeugen sind. Und durch den Glauben an seinen Namen – hier ist mit dem Namen, wie oft in der Bibel, die Person gemeint; durch den Glauben an seinen Namen ist nichts weiter als durch den Glauben an Jesus – hat sein Name, also Jesus selbst, diesen, den ihr seht und kennt, stark gemacht. Und der durch ihn bewirkte Glaube in den Aposteln. Dazu steht nichts davon da, dass der Lahme auch geglaubt hat. Die Apostel haben geglaubt. Der durch ihn bewirkte Glaube hat ihm, das ist der Lahme, diese vollkommene Gesundheit gegeben vor euch allen.
Und dann Vers 17: Und jetzt, Brüder, ich weiß, dass ihr in Unwissenheit gehandelt habt, wie auch eure Obersten. Gott aber hat so erfüllt, was er durch den Mund aller Propheten vorher verkündigt hat, dass sein Christus leiden sollte.
Ich will an der Stelle kurz einhaken. Wir reden über die Frage: Was sage ich jemandem, der krank ist? Und ich kann ihm einerseits sagen: Gott tut Wunder. Ich kann ihm aber auch sagen, und ich muss ihm sagen: Du, Jesus kommt wieder.
Hier taucht noch ein dritter Aspekt auf, den ich nur einschieben möchte. Wir haben einen Gott, der gelitten hat. Vielleicht haben wir uns daran gewöhnt, an diese Tatsache eines leidenden Messias. Aber der Urheber dieses Wortes „Fürst des Lebens“ – das kann man auch übersetzen mit Urheber oder Begründer – lässt sich das Leben nehmen und stirbt. Wir haben einen Gott, der wirklich weiß, was es heißt zu leiden.
Ich glaube, wir sind an der Stelle in einer ganz außergewöhnlichen Situation. Welche andere Religion kann sagen, dass sie so einen Gott hat? Einen Gott, der nicht außen vorbleibt und sagt: Na ja, ihr habt halt Pech gehabt, ihr lebt halt hier auf der Erde, mit mir hat das eigentlich nichts zu tun. Sondern einen Gott, der sagt: Ich komme zu dir in deinem Leid, ich besuche dich an deinem Krankenbett. In einer Welt, die kaputtgeht, und ich bin bereit, etwas von deinem Leid zu nehmen und auf mich zu legen.
Da heißt es in Jesaja 53,3-4: Er war verachtet und von den Menschen verlassen, ein Mann, der Schmerzen und mit Leiden vertraut. Jedoch unsere Leiden – und im Original steht da: unsere Krankheiten – hat er getragen, und unsere Schmerzen hat er auf sich geladen. Wir aber hielten ihn für bestraft, doch er war durchbohrt um unserer Vergehen willen, zerschlagen um unserer Sünden willen. Die Strafe lag auf ihm zu unserem Frieden, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden.
Wir reden über Krankheiten, und wir isolieren Krankheiten so schnell und denken: Na ja, das ist halt meine Krankheit. Dürfen wir groß denken? Was sind Krankheiten als Folge des Sündenfalls anderes als ein Ausdruck eines ganz tief liegenden Problems? Wenn jedes Heilungswunder uns zeigt, dass das Beste noch kommt, dann zeigt uns jedes Mal, wenn wir jemanden im Krankenhaus besuchen, dass etwas ganz Grundlegendes in dieser Welt nicht stimmt.
Und so ist unsere Hoffnung auch die, dass Jesus tatsächlich wiederkommt.
Die Wiederherstellung aller Dinge
Vers 20 und 21 in Apostelgeschichte 3: Und der den euch vorausbestimmten Jesus Christus, den muss freilich der Himmel aufnehmen bis zu den Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge, von denen Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten von jeher geredet hat.
Und hier ist der Schwerpunkt: diese komische Formulierung, die Wiederherstellung aller Dinge. Es gibt eine Zeit, in der Jesus nicht mehr im Himmel bleibt, sondern auf die Erde zurückkommt. Und diese Zeit ist die, in der alle Dinge wiederhergestellt werden.
Wenn das, was am Anfang über die Schöpfung gesagt wurde, gilt: Es war sehr gut, dann kommt Gott in diese Welt hinein und stellt dieses sehr gut wieder her.
Ich möchte euch aus einem Buch zitieren, das ich euch sehr empfehle, irgendwann in eurem Leben einmal zu lesen: Timothy Keller, Warum Gott vernünftiger Glaube oder Irrlicht der Menschheit. Ein sehr schönes Buch, einfach wenn man sich mit Fragen des christlichen Glaubens auseinandersetzen will. Wenn man vielleicht auch kritische Fragen hat: Warum lässt Gott Leid zu? Wie ist das mit der Hölle? Wie ist das mit der Auferstehung? Schnappt euch das Buch. Sehr schön.
Und er schreibt in einem der allerletzten Kapitel, das Kapitel heißt Der Tanz Gottes, er sagt: Wie wird sie enden, die Geschichte der Menschheit? Am Ende des letzten Buches der Bibel finden wir das genaue Gegenteil von dem, was andere Religionen vorhersagen. Wir sehen nicht, wie die Illusion der Welt dahinschmilzt oder die reinen Seelen aus dem Kerker der Leiblichkeit in den Himmel entfliehen. Nein, wir sehen, wie der Himmel in unsere Welt hineinkommt, um sich mit ihr zu vereinigen und all ihre Zerbrochenheit und Unvollkommenheit zu heilen.
Das ist das Ende der Bibel: dass Gott zu den Menschen kommt und dass Mensch und Gott auf einer neuen Erde mit einem neuen Himmel versöhnt sind. Dass eine Ära anbricht, in der es keine Sünde mehr gibt, keine Krankheit mehr, keinen Schmerz mehr und keine Ungerechtigkeit mehr. Keine Fehlgeburten mehr, keine krank machenden Parasiten mehr, keine Epidemien mehr. Nicht einmal mehr Zahnärzte. So eine Zeit wird anbrechen.
Das ist unsere Hoffnung, die wir haben.
Warum kann diese Zeit anbrechen? Wir müssten weit ausholen, um das zu erklären. Diese Zeit wird anbrechen, weil einer das Recht hat, am Ende Gericht zu üben. Und wenn dieses Gericht geübt wurde, wenn der Richter sein Urteil gesprochen hat, ist Zeit für einen Neuanfang.
Und wo wurde dieses Recht, Richter zu sein, gewonnen? Am Kreuz. Und deswegen ist Jesus Retter und Richter. Er ist Anfänger und Vollender des Glaubens. Er ist der, der uns erlöst hat und die Schöpfung erlöst hat.
Was die Welt wirklich braucht
Und deswegen braucht die Welt um uns herum, brauchen die Kranken um uns herum nicht primär unser Mitgefühl und unsere Almosen. Sie brauchen unseren Retter.
Und das ist mein dritter Punkt.
Erster Punkt: Gott tut Wunder. Sie sind ein Vorgeschmack auf die Ewigkeit.
Zweiter Punkt: Jesus kommt wieder. Das Paradies wird wiederhergestellt.
Dritter Punkt: Wir haben etwas Nötigeres anzubieten als Gesundheit.
Und ich weiss, dass sich das in unserer Gesellschaft so verrückt anhört. Denn was wünscht einer dem anderen sich immer? Hauptsache gesund.
Wir haben das jetzt zur Silberhochzeit auch ein paarmal gehört: Hauptsache gesund. Nicht von euch, keine Sorge. Aber man hört es doch immer wieder: Hauptsache gesund.
Wirklich? Wirklich, dass mir das Anfang des Jahres jemand gewünscht hat, der im letzten Jahr selber sehr krank war? Und dem man das auch noch anspürt, dass er noch nicht ganz darüber hinweg ist und er noch nicht gläubig ist, da habe ich ihn gefragt: Sag mal, müsstest du es nicht besser wissen? Müsstest du nicht derjenige sein, der in seinem eigenen Leib spürt, dass es nicht darum gehen kann, Hauptsache gesund, weil dieser Wunsch von vornherein zum Scheitern verurteilt ist?
Wie blöd ist ein Wunsch, bei dem ich von vornherein weiss, zu hundert Prozent weiss, er wird sich nicht erfüllen? Es ist nur die Frage wann, aber er wird sich nicht erfüllen.
Wenn mir jemand sagt: Hauptsache gesund, Hauptsache, du bist im nächsten Jahr nicht krank, dann fallen mir, ohne dass ich Christ bin, drei oder vier Sachen ein, die ich mir auch nicht wünsche und die mir wahrscheinlich wichtiger wären.
Jetzt kommen wir mit dem Evangelium, und ich glaube, es ist nötig, auch wenn es sich in unserer Zeit so verrückt anhört, dass wir den Leuten sagen: Es gibt Nötigeres als Gesundheit.
Und im Angesicht von Krankheiten, im Angesicht von Epidemien, im Angesicht von Deformationen möchte ich darauf bestehen, dass das Evangelium nicht die Folgen der Sünde, sondern die Sünde selbst im Blick behält.
Und deswegen Apostelgeschichte 3,19: Petrus macht das. Petrus stellt sich nicht hin und sagt: Super, wir haben jetzt einen geheilt, möchte noch jemand? Das ist nicht seine Botschaft.
Seine Botschaft lautet: So tut nun Busse und bekehrt euch, dass eure Sünden ausgetilgt werden.
Krankheit ist Folge von Sünde, aber Sünde ist das Problem. Kein Wunder kann in deinem Leben Sünde wegnehmen. Ein Wunder kann uns zeigen, wo die Lösung unseres Sündenproblems liegt, aber den Weg müssen wir selber gehen. Und der Weg heisst: Tut nun Busse und bekehrt euch.
Und das ist eine ganz, ganz ernste Aufforderung.
In Vers 22 heisst es: Mose hat schon gesagt: Einen Propheten wird euch der Herr, euer Gott, aus euren Brüdern erwecken. Geht er ganz weit zurück, könnt ihr das nachlesen in 5. Mose. Einen Propheten wird euch der Herr, euer Gott, aus euren Brüdern erwecken, gleich mir; auf ihn sollt ihr hören, in allem, was er zu euch reden wird.
Und dieser Prophet ist tatsächlich Jesus. Mose hatte das Volk aus der Sklaverei in Ägypten geführt, Jesus möchte sein Volk aus der Sklaverei der Sünde befreien.
Und dann Vers 23: Es wird aber geschehen, jede Seele, die auf jenen Propheten nicht hören wird, soll aus dem Volk ausgerottet werden.
Ups, das ist ernst. Das ist das Problem. Nicht laufen können, um Almosen betteln müssen, ist eine Sache. Ausgerottet werden, Hölle, verloren gehen, ist eine ganz andere.
Und Petrus predigt hier zu Leuten, die ganz, ganz arg gesegnet sind. Vers 24 bis 26: Aber auch alle Propheten von Samuel an und der Reihe nach, so viele geredet haben, haben auch diese Tage verkündigt. Ihr seid die Söhne der Propheten und des Bundes, den Gott euren Vätern verordnet hat, als er zu Abraham sprach: In deinem Samen werden gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.
Ihr habt ein besonderes Vorrecht, ihr Juden, die ihr mir hier zuhört. Euch zuerst hat Gott seinen Knecht erweckt und ihn gesandt, euch zu segnen, indem er einen jeden von euch von euren Bosheiten abwendet.
Sie sind privilegiert, als Erste das Evangelium zu hören. Aber wer besonders privilegiert ist, wer Lahme gehen sieht, wer Apostel predigen hört, wer eine Geschichte voller Propheten hat, die von der Wiederherstellung aller Dinge prophezeien, davon schon träumen, schon mit grossartigen Bildern den Messias und sein Reich quasi uns vor Augen malen, der muss sich von seinen Bosheiten abwenden. Er hat förmlich Recht und Pflicht, Busse zu tun und sich zu bekehren.
Darum geht es Petrus.
Schluss: Die Einladung gilt
Und deswegen noch einmal die Frage: Was sagen wir kranken Menschen? Drei Dinge.
Punkt eins: Gott tut heute noch Wunder. Ich bete gerne für jeden, der sagt: Kannst du für mich beten? Ich habe hier ein Problem. Ja, bete doch für mich. Ich bete für Menschen, und ich freue mich mit jedem, der geheilt wird, von ganzem Herzen.
Punkt zwei: Du musst wissen, dass das Beste noch kommt. Am Kreuz wurde der Grundstein nicht nur für ein paar Heilungswunder gelegt, sondern für das Wunder einer ganz neuen Schöpfung, in der es überhaupt keine Krankheit mehr gibt, weil es dort auch keine Ungerechtigkeit mehr gibt.
Und drittens: Ich helfe dir gern, wenn du krank bist. Ich gebe dir, was du brauchst. Aber noch mehr als mein Mitgefühl, meine Unterstützung und meine Almosen möchte ich dir sagen, dass du den Herrn brauchst. Du brauchst den Heiligen und den Gerechten, den Urheber allen Lebens und ewiger Gesundheit. Du brauchst Jesus, der dir deine Sünden austilgen will, wenn du Böses tust, dich bekehrst und dich von deinen Bosheiten abwendest.
Das Thema Sünde, das ist das eigentliche Problem, und dieses Problem gilt es zu lösen. Und ich weiß nicht, wer von euch hier sitzt und sagt: Ich habe das Problem noch nicht gelöst. Es wäre heute ein guter Tag, das zu tun. Die Einladung von Petrus gilt. Sie gilt jedem, der krank ist, und jedem, der gesund ist, weil wir alle dasselbe Problem haben.
Wenn du dir nicht sicher bist, ob du in dieser Zeit der Wiederherstellung aller Dinge, wenn das eigentliche Leben beginnt, das, wonach wir uns im innersten Kern unseres Wesens sehnen, dabei bist, und wenn du sagst: Ich weiß noch nicht, ob ich da dabei bin, dann bring das heute in Ordnung. Du hast eine gute Chance dazu. Amen!
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