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Mehr als nur Bekehrung

Lukas 9,57-9,6224.03.2018
EventTeil 4 / 7E21 Regionalkonferenz Süd 2018
Das Evangelium darf nicht billig verkauft werden. Bist du dir der Kosten bewusst, Jesus nachzufolgen?

Ein schwieriger Text und eine unbequeme Realität

Aber ich habe noch nie ein Gespräch über den Zustand meiner Ehe geführt, während ich weder telefoniert noch Flüge gebucht habe. Denn auch meine Frau würde das nicht akzeptieren, und ich bin dazu nicht in der Lage. Und weil ihr dazu auch nicht in der Lage seid, könnt ihr gerne eure Handys ausstellen. Ihr könnt nicht auf eine Predigt hören und gleichzeitig telefonieren. Kurzer, netter Hinweis.
Wir kommen heute früh zu einem schwierigen Text, einem sehr herausfordernden Text, der uns mit der Realität konfrontiert. Teil dieser Realität ist vielleicht eine Erfahrung, die du schon einmal gemacht hast. Hast du schon einmal erlebt, dass jemand, der sich einst klar zu Jesus bekannt hatte, einfach aufgehört hat, als Christ zu leben? Ich denke, viele von uns, wahrscheinlich fast alle, vielleicht alle unter uns, kennen solche Menschen. Ganz offensichtlich passiert es immer wieder, dass Menschen sich zu Jesus bekehren und dann doch nicht ihm langfristig nachfolgen. Woran liegt das?
Nun, ich möchte uns herausfordern, darüber nachzudenken, ob wir eventuell den Missionsauftrag ein wenig falsch verstanden haben und die Bekehrung an sich viel höher gehängt haben als den eigentlichen Auftrag, Jünger zu machen. Ich will gleich vorneweg sagen: Natürlich ist die Bekehrung ein Schritt, der notwendigerweise am Anfang der Jüngerschaft steht. Von Natur aus gehen wir alle unsere eigenen Wege. Keiner von uns folgt von Natur aus Jesus Christus nach. Das heißt: Was wir alle grundlegend nötig haben, ist, uns irgendwann einmal zu bekehren, umzukehren. Und das muss zwingend einhergehen damit, dass Gott das Herz eines Menschen bekehrt. Denn wenn Menschen sich nur selbst bekehren, ohne ein bekehrtes Herz zu haben, wenn Menschen sich bekehren, ohne genau zu wissen, wohin, dann kann es passieren, dass sie sich genauso, wie sie sich hinwenden, auch wieder abwenden. Und daraus wird keine wirkliche Jüngerschaft.
Wir wollen uns einen Bibeltext zuwenden, der sich im Lukasevangelium findet, Kapitel 9. In diesem Text begegnen wir drei Menschen, die bereit sind, sich zu bekehren, und die dann doch noch lernen müssen, was vielleicht mehr gefragt ist, als sie bisher verstanden haben. Ich lese uns Lukas 9, die Verse 57-62.
Nur damit wir das vor Augen haben: Jesus hat seinen dreijährigen Lehrdienst, verbunden mit vielen Wundern, die er getan hat, fast vollendet. Wenige Verse zuvor haben wir gelesen, dass Jesus jetzt sein Angesicht richtete, nach Jerusalem zu gehen, um dorthin zu gehen, wo er dann sterben würde. Wahrscheinlich ist es also genau auf diesem Weg, vielleicht zu Beginn dieses Weges, dass wir dann von diesen drei Begegnungen lesen.
Ich lese uns den Text:
 Lukas 9,57: Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst.
Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.
Und er sprach zu einem anderen: Folge mir nach!
Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.
Aber Jesus sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes.
Und ein anderer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Haus sind.
Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.
Da kommen Menschen, die mit Jesus in Kontakt kommen und die entweder von sich aus sagen, dass sie ihm nachfolgen wollen, oder von Jesus in die Nachfolge gerufen werden. Und in allen drei Fällen bekommt man den Eindruck, wenn wir die Reaktion von Jesus, die Worte von Jesus hören, dass er gar nicht unbedingt will, dass sie ihm nachfolgen. Was will uns Jesus, was will uns Gott durch diese drei Berichte lehren?
Ich denke, um zu verstehen, was das mit uns zu tun hat, ist es erst einmal hilfreich, zu überlegen, was wir eigentlich genau wissen über diese drei Leute. Es ist ein ganz gutes biblisches Prinzip: Wenn Menschen sehr namenlos, sehr nebulös bleiben, dann ist es immer wieder der Fall, dass sie bewusst einfach jedermann sind. Sie sind nicht jemand Bestimmtes, sie sind jedermann. Das könntest du sein. Und wenn Berichte am Ende offen bleiben, denn wir wissen nicht, wie die drei Menschen reagieren auf das, was Jesus sagt, dann hat das oft die Funktion, dass es uns herausfordern will, uns selbst zu positionieren.
Also: Ich hoffe, du hörst diese Worte ganz persönlich und fragst dich, was hat das mit mir zu tun? Und dann wollen wir sehen, dass dieser Text uns herausfordert, über drei Dinge nachzudenken im Hinblick auf die Nachfolge Jesu, die ich hier gelistet habe: Überprüfe deine Erwartungen, überprüfe deine Prioritäten und überprüfe deine Loyalitäten im Hinblick auf die Nachfolge Jesu. Drei einfache Fragen, drei einfache Herausforderungen, die doch überhaupt nicht einfach sind, sondern sehr herausfordernd.
Schauen wir uns den Text im Detail an und gehen einfach diese drei Berichte nacheinander durch.
Stellst du mich einfach ab?
Gut, nein, nein, nein, nein, nein, ich habe ja eine Hand, das bändigt mich ein wenig.
Also Vers 57: Da lesen wir: Als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst.
Jetzt versetz dich mal in diese Situation hinein. Jesus ist auf dem Weg, und jetzt kommt jemand und sagt: Ich will dir folgen, wo auch immer du hingehst. Und dieser Mensch, der kommt ja nicht zu irgendjemandem. Der weiß ganz offensichtlich einiges über Jesus, sonst würde er ja nicht zu ihm hingehen und so etwas sagen.
Na, wahrscheinlich hat er Jesus vollmächtig lehren hören, vielleicht hat er gesehen, erlebt, wie Jesus Kranke geheilt hat, vielleicht hat er mitbekommen, wie Jesus böse Geister ausgetrieben hat, Menschen freigesetzt hat. Vielleicht hat er sogar davon gehört oder war sogar dabei, als Jesus die Tochter des Jairus von den Toten zurückbrachte oder auch den Jüngling zu Nein. Vielleicht hatte er gehört oder miterlebt, na, miterlebt wahrscheinlich gehört, wie Jesus den Sturm gestillt hatte auf dem See. Vielleicht war er einer der 5000, die durch fünf Brote und zwei Fische genährt worden waren. Wir wissen nicht genau, was der schon erlebt hatte, was er schon wusste, aber offensichtlich weiß er genug, um so begeistert von Jesus zu sein, dass er sagt: Ich will dir folgen, wohin du gehst.
Ist das nicht großartig? Ist das nicht eigentlich das, was wir uns wünschen, wenn wir Menschen Jesus vorstellen, dass sie das sagen?
Doch Jesus reagiert so ganz anders, als man das hätte erwarten sollen. Er entgegnet ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.
Was soll das? Was macht Jesus hier?
Nun, ganz offensichtlich korrigiert Jesus die Erwartung dieses Mannes. Wer Jesus nachfolgen will, der sollte darum wissen, dass das eben kein einfacher Weg ist. Und das erklärt sich auch, wenn wir bedenken, was unmittelbar vor unserem Predigttext stand. Wenn wir einfach in der Bibel ein bisschen hochschauen, in dem Abschnitt davor, in Vers 51 und folgende, da wird geschrieben, berichtend über Jesus: Es begab sich aber, als die Zeit erfüllt war, dass er hinweggenommen werden sollte, da wandte er sein Angesicht, stracks nach Jerusalem zu wandern. Und er sandte Boten vor sich her, die gingen hin und kamen in ein Dorf der Samariter, ihm Herberge zu bereiten; und sie nahmen ihn nicht auf, weil er sein Angesicht gewandt hatte, nach Jerusalem zu wandern.
Also: Jesus hatte gerade eben erfahren, dass er keinen Ort hatte, wo er sein Haupt hinlegen konnte, und jetzt sagt er genau das diesem Mann, der ihm nachfolgen will: Wenn du mir nachfolgst, damit musst du rechnen. Habe ich gerade erlebt. Und das hatte dieser potenzielle Nachfolger ganz offensichtlich noch nicht verstanden. Deswegen sagt Jesus ihm das.
Und ganz ehrlich, das ist ja auch schwer zu verstehen, vor allem wenn wir bedenken, wer Jesus ist. Er ist der ewige Sohn Gottes, er ist das Fleisch gewordene, das lebendig gewordene Wort Gottes. Er ist der, durch den alle Dinge geschaffen wurden, er ist der rechtmäßige Herr über Himmel und Erde. Von daher hätte man erwarten können, dass er wie ein König reist und sich wie ein König bettet. Doch Jesus, dieser ewige König und Herr, hat eben genau das nicht.
Er hatte die Ewigkeit, die Herrlichkeit beim Vater verlassen und hatte sich erniedrigt und war Mensch geworden, als ein hilfloses Baby in diese Welt gekommen, abhängig von Menschen. Er, der eigentlich Anspruch gehabt hätte auf alles, hatte nicht einmal das, was selbst Füchse und Vögel haben, wie es hier heißt: Die Füchse haben Gruben, die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.
Ihr Lieben, das gilt es zu bedenken, bevor wir vollmundig sagen: Ich will dir folgen, wohin du gehst.
Und dann sollten wir weiter bedenken, wohin der Weg auch geht, wohin er Jesus folgen würde. Im Vers 51 hatte Lukas uns erklärt, wo er hingeht: Er hatte sein Angesicht gewandt, stracks nach Jerusalem zu wandern. Es war Zeit, dass er hinweggenommen werden sollte, heißt es dort. Das heißt: In Jerusalem würde Jesus verraten werden, er würde gefoltert werden, er würde brutal getötet werden. Auch das sollten wir bedenken, wenn wir sagen: Ich will dir folgen.
Jesu Weg ist ein Weg der Entbehrungen, und es ist der Weg zum Kreuz. Bist du bereit, Jesus zu folgen, im Wissen darum, dass das bedeuten kann, dass du viele Entbehrungen und Leid erleben wirst? Ich weiß nicht, was es dich kosten wird, wenn du Jesus nachfolgst. Aber wir wissen, dass an vielen Orten auch heute noch Menschen, die sich Jesus zuwenden und ihm bewusst nachfolgen, verfolgt werden. Es ist gut, dass wir uns das hier im sicheren Deutschland immer wieder bewusst machen: Viele unserer Glaubensgeschwister, Menschen, die in keinster Weise anders sind als du oder ich, einfach nur in einem anderen Land geboren wurden und durch die Gnade Gottes zum Glauben gekommen sind, müssen um ihr Leben fürchten, nur weil sie den Namen Jesus bekennen.
Uns droht das zumindest im Moment hier nicht, und doch muss uns klar sein, dass auch uns die Nachfolge etwas kosten kann, sehr wahrscheinlich etwas kosten wird. Vielleicht sind es deine Sehnsüchte, deine Träume, die es dich kosten wird. Vielleicht ist es die Karriere, die du nicht machen wirst, wenn du nicht bereit bist, so wie die anderen zu lügen und zu betrügen, die Ellbogen auszufahren und andere plattzumachen. Vielleicht wird es dich Verzicht kosten in anderem Bereich. Ich weiß, vielleicht sind einige unter euch, ich weiß von so manchem Single, der ungewollt Single ist, aber keinen christlichen Partner gefunden hat. In vielen Gemeinden gibt es einen großen Frauenüberschuss, und da sind Single-Frauen, die sich danach sehnen, einen Ehemann zu finden, eine Familie zu gründen.
Aber wenn sie treu Jesus nachfolgen und deshalb nicht außerhalb des Glaubens heiraten wollen, kann die Nachfolge vielleicht bedeuten, dass sie diese Sehnsüchte, diese Träume nicht verwirklichen können. Vielleicht ist es in deinem Umfeld die Anerkennung im Freundeskreis, dass Menschen, die dir lieb sind und wichtig sind, dich auf einmal verspotten und verachten, weil du Jesus nachfolgst.
Also: Wenn du schon einige Zeit als Christ lebst, wenn du schon einige Zeit konsequent Jesus nachfolgst, ich denke, dann weißt du selbst am besten, was dich das kostet. Nur leider erfahren viele Christen das erst, nachdem sie den Weg schon eine Zeit lang gegangen sind. Viel zu oft werden Menschen, die darauf und dran sind, sich Jesus zuzuwenden, nicht auf die Kosten der Nachfolge hingewiesen. Da wird Menschen vorgegaukelt: Kommt zu Jesus, und alles wird gut. Im Endeffekt stimmt das, irgendwann wird alles gut. Aber das Leben, die Realität zeigt uns, dass das nicht unmittelbar unbedingt der Fall sein wird.
Und das ist wirklich das Zerstörerische, Menschen zerstörende des Wohlstandsevangeliums. Sich zu Jesus zu bekehren, Jesus nachzufolgen, heißt hier auf Erden typischerweise eben nicht, dass du reich und gesund wirst und dass alles nur einfach und schön wird. Und Menschen werden das erleben, egal, was da vorgegaukelt wird, sie werden das erleben. Und dann kommen sie in die Situation, dass irgendwann diese rosarote Brille abgenommen ist. Und dann stellt sich die Frage: Was ist mit mir los? Habe ich falsch geglaubt? Glaube ich nicht genug?
Gerade vorgestern mit einem Glaubensbruder gesprochen. Als er zum Glauben kam, in einem solchen Kontext, und durch Gottes Gnade ist er dran geblieben, wurde ihm gesagt: Du wirst gesegnet werden, du musst nur viel spenden. Und dann hat er gespendet. Alles, was er hatte. Er ist ein ganz radikaler junger Kerl. Und dann, Wochen später, ist er dann zu dem Pastor gegangen und hat gesagt: Sag mal, was ist denn los? Ich erlebe gar keinen Segen, im Gegenteil. Er ist aus dem Islam übrigens konvertiert, muss man dazu sagen. Ich erlebe Widerstand, ich erlebe Leid, wo bleibt der Segen?
Und dann hat der Pastor zu ihm gesagt: Du hast bestimmt noch nicht alles gegeben. Wahrscheinlich klappt das in den meisten Fällen, weil wahrscheinlich die meisten nicht alles geben. Der hatte wirklich alles gegeben. Der hatte wirklich alles gegeben. Er ist ja irgendwann in der Gemeinde aufgestanden, hat gesagt: Du lügst, und ist gegangen. Und Gott sei Dank nicht von Jesus weg, sondern nur von diesem falschen Prediger.
Aber ihr Lieben, ich denke, wir alle haben es schon erlebt, ich als Pastor habe es immer wieder erlebt, dass Menschen sich von Jesus abwenden, weil sie so enttäuscht von ihm sind, weil ihnen Dinge versprochen wurden, die Jesus niemals versprochen hat. Es ist ein Akt der Liebe, dass Jesus diesem Mann offen und klar sagt, dass der Weg der Nachfolge ein entbehrungsreicher Weg sein kann.
Und so möchte ich dich heute früh fragen: Was sind deine Erwartungen für den Weg der Nachfolge, für den Weg als Jünger Jesu? Wir sind dazu berufen, Jesus nachzufolgen, auch wenn der Weg schwer wird, gerade auch dann. Und das sollten wir eben auch denen sagen, die wir dazu rufen, sich Jesus zuzuwenden und ihm nachzufolgen.
Also: Was versprichst du Menschen, denen du Jesus bezeugst? Sei kein Verkäufer, der mehr verspricht, als er halten kann. Ich bin von meiner eigentlichen Ausbildung her tendenziell eher Verkäufer. Im Studium habe ich Turnschuhe verkauft an Leute, wo ich wusste, die werden nie joggen gehen. Und mein letzter richtig großer Job im Business war, eine Uber nach Dubai zu verkaufen. Wir können Leuten Turnschuhe verkaufen, die keine brauchen, wir können Züge verkaufen an Orten, wo die Leute alle mit dem Auto fahren werden. Aber wir können das nicht verkaufen, wir können diesen Abschluss nicht machen, das muss Gott tun.
Und so wie Jesus hier sollten wir eben auch nicht verheimlichen, dass der Weg Jesu ein Weg ist, der mit Widerstand und Entbehrung gepflastert sein kann. Aber eines dürfen wir den Menschen auch sagen: Wir dürfen ihnen sagen, dass das Kreuz ja nicht das Ende des Weges war. Ja, Jesus ist am Kreuz gestorben, das ultimative Leid, die Sünden der ganzen Welt lagen auf ihm, und das war nicht nur die physische Qual, am Kreuz zu sterben. Viel schlimmer noch war die Trennung von Gott dem Vater, diese innige, diese innigste aller Beziehungen zwischen dem dreieinen Gott, zwischen Vater und Sohn, wird unterbrochen, weil die Sünde der Welt dazwischen kommt. Was für ein Leid!
Aber dann sagt Jesus: Es ist vollbracht. Und am dritten Tage steht er auf, fährt auf in den Himmel, nach vierzig Tagen zurück in die Gegenwart zu seinem himmlischen Vater. Und dort regiert er über Himmel und Erde, und er wird wiederkommen und sein Reich in Gänze aufrichten. Und dann, dann wird der Weg der Nachfolge ein glorreiches Ende finden, wenn wir ankommen in der Herrlichkeit, wenn alles Leid ein Ende haben wird, wenn Gott alle Tränen abwischen wird. Das ist die Erwartung, die wir predigen dürfen. Das ist die frohe Botschaft, die wir Menschen verkündigen dürfen. Aber der Weg zur Herrlichkeit ist oft ein Weg durch finstere Täler.
Das ist das Erste, was Jesus hier deutlich macht.

Die zweite Begegnung: Wenn das Gute nicht das Dringlichste ist

Dann lesen wir in Vers 59 von einer zweiten Begegnung. Dieses Mal ist es Jesus selbst, der einen Mann in seine Nachfolge ruft, nachdem er zu einem anderen gesagt hat: Folge mir nach.
Der Mann aber sprach: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.
Also sollten wir klar festhalten: Der Mann sagt nicht Nein, ich will nicht, sondern im Prinzip sagt er: Ja, schon, aber. Er möchte noch etwas erledigen. Er möchte seinen Vater begraben.
Nun versuchen manche Ausleger, diesem Wort Jesu ein wenig die Schärfe zu nehmen, indem sie sagen: Na ja, das war wahrscheinlich eine Redewendung. Und den Vater zu begraben konnte heißen, dass man warten wollte, bis der Vater irgendwann gestorben und begraben ist, und dann wäre man bereit, nachzufolgen. Das könnten durchaus noch zehn oder zwanzig Jahre sein. Wenn ihr schon einmal Bibelkommentare gelesen habt, wisst ihr, dass so eine Erklärung gegeben wird.
Und das ist natürlich ganz sympathisch, weil Jesu Worte dann ein bisschen anders klingen. Der Mann will gar nicht wirklich nachfolgen, er hat ganz andere Dinge im Kopf und sagt: irgendwann später mal. Aber ich glaube, wenn wir Jesu Antwort betrachten, dann können wir das eigentlich nicht so stehen lassen.
Jesus sagt: Lass die Toten ihre Toten begraben. Dann klingt es so, als wäre der Vater tot, oder? Lass die Toten ihre Toten begraben, das heißt nicht: Warte nicht, bis er stirbt, sondern: Lass die Toten ihre Toten begraben. Du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes.
Also denke ich, wir müssen irgendwie damit klarkommen, dass Jesu Worte hier wirklich sehr radikal sind. Und natürlich ist uns hoffentlich allen klar, dass das Anliegen dieses Mannes an sich nicht grundverkehrt ist. Denn es ist sicherlich kein allgemeines Gebot, nicht zu Beerdigungen zu gehen. Er will seinem Vater die letzte Ehre erweisen. Das klingt ja fast ein bisschen so wie: Du sollst Vater und Mutter ehren, nicht wahr?
Aber der Vater war tot. Es spielt für ihn keine Rolle mehr, wer ihn beerdigt. Da ist nur noch ein Leib, der unter die Erde gebracht wird. Und deswegen kann dieser Mann das getrost anderen überlassen. Er kann es denen überlassen, die selbst geistlich tot sind. Er hingegen soll Jesus nachfolgen, und zwar unmittelbar.
Um zu verstehen, warum Jesus das so sagt, ist es hilfreich, sich noch einmal den Kontext vor Augen zu führen. Jesus ist ja auf dem Weg nach Jerusalem und hat keinen Ort, wo er sein Haupt betten kann. Das heißt, er ist unterwegs. Was passiert denn jetzt, wenn Jesus auf dem Weg ist und einer zu ihm kommt und sagt: Ich gehe noch einmal zurück und mache noch eine Beerdigung? Dann ist Jesus weg, und die Chance ist verpasst.
Ja, das möchte ich bewusst sagen: Für dich heißt das sehr wahrscheinlich nicht, dass du, wenn ein enger Angehöriger stirbt, sagst: Ich gehe nicht zur Beerdigung. Im Gegenteil, für dich kann es bedeuten: Geh da hin. Typischerweise sind Beerdigungen hervorragende Möglichkeiten, genau das zu tun, was dieser Mann hier tun soll, nämlich das Reich Gottes zu verkündigen.
Was Jesus hier letztendlich tut, ist einfach zu sagen: Ordne deine Prioritäten. Wenn dich Jesus ruft, dann kann es nichts Dringlicheres geben, als diesem Ruf zu folgen. Wer bei Jesu Ruf zögert, wer dann denkt, dass irgendetwas anderes noch wichtiger und dringlicher ist, für den wird es wahrscheinlich immer etwas geben, das wichtiger oder dringlicher ist. Überprüfe deine Prioritäten.
Kennst du Situationen, in denen du weißt, dass Jesus dich ruft, und dann gibt es doch etwas anderes, das an sich auch gut wäre und in Konkurrenz zum Gehorsam Jesus gegenüber tritt? Ich kenne genug solcher Situationen. Ich erlebe sie jede Woche in der Gemeinde und ständig in mir selbst.
Ich kenne die christliche Ehefrau, die einen unbekehrten Mann hat, der lieber am Sonntagmorgen mit der Familie frühstücken will. Und sie sagt: Eigentlich will ich in die Gemeinschaft der Gläubigen gehen, aber für meinen Mann da zu sein, ihm Zeugnis zu sein, ist ja auch eine gute Sache. Und dann bleibt sie zu Hause. Und die Erwartungshaltung des Mannes steigt, und nächsten Sonntag bleibt sie wieder zu Hause und bleibt wieder zu Hause, und sie kommt ein bisschen weg. Da ist das, was Jesus sagt, dass wir die Versammlung der Gläubigen nicht verlassen sollen, und dann ist da das andere, eigentlich Gute, das in Konkurrenz getreten ist.
Oder ich kenne die Eltern, die möchten, dass ihre Kinder im Glauben aufwachsen, sie in der Gemeinde segnen lassen und das auch vor der Gemeinde versprechen. Und dann werden die Kinder etwas größer, und dann kommt der Schulstress. Und man will ja, dass die Kinder eine gute Zukunft haben. Dann ist der Sonntag vielleicht der einzige Tag, an dem man noch einmal richtig lernen kann für die Klausuren, und dann muss halt mal der Gottesdienst ausfallen.
Oder ich kenne ganz persönlich Situationen, in denen ich die Möglichkeit habe, wo ich merke: Hier hätte ich jetzt eine Chance, meinen Glauben zu bezeugen. Ich müsste mir nur etwas Zeit nehmen, ich müsste mutig das Gespräch suchen. Aber eigentlich will ich ja gerade nach Hause, und meine Familie freut sich auch, mich zu sehen. Oder ich bin gerade auf dem Weg zur Arbeit und habe wirklich wichtige Dinge zu tun. Und dann unterlasse ich das, wozu Jesus mich eigentlich aufgerufen hat und wozu er mir gerade sogar eine Tür öffnet.
Oder mir wird klar, dass ich mir Zeit im Gebet nehmen sollte, dass es nichts Wichtigeres geben kann, als diese innige Gemeinschaft mit meinem Herrn zu pflegen. Aber dann fällt mir ein, was ich ja eigentlich alles noch heute zu tun habe. Und trotz aller Multitaskingfähigkeit: Das ist zu viel, und da bleibt dann keine Zeit zum Beten.
Und dann gibt es natürlich auch noch den Fall, dass man abends endlich das Tageswerk geschafft hat und beten könnte. Aber dann gibt es ja noch dieses spannende Theologiebuch, das ich schon immer mal lesen wollte. Vielleicht bin ich der Einzige, der das kennt, aber irgendwie weiß ich in der Theorie, dass Gebet wirklich wichtig ist. Und in der Praxis ist es oft so schwer, mir die Zeit zu nehmen. Meine Prioritäten verschieben sich ständig, weil das, was mir direkt vor Augen ist, plötzlich wichtiger wird als das, was eigentlich wirklich Priorität haben sollte.
Ich glaube, uns wird das immer wieder auch klar. Vielleicht wird dir das gerade klar, dass es Dinge in deinem Leben gibt, in denen sich die Prioritäten ein wenig verschoben haben. Und wenn einiges dann in dir richtig funktioniert, kann es passieren, dass du darüber traurig wirst, dass sich Trauer breit macht, weil du merkst: Das ist nicht so, wie es sein sollte. Das kenne ich auch.
Und ich kenne dann zwei mögliche Wege, wie das weitergeht. Der eine ist, dass ich denke, die Traurigkeit an sich sei ja schon eine relativ geistliche Haltung gewesen, und ich lege das ad acta und gehe einfach weiter. Das ist aber nicht so. Das ist keine geistliche Haltung. Eine geistliche Haltung ist es erst dann, wenn ich dem auch Taten folgen lasse und Dinge verändere, wenn ich konkret Pläne mache.
Das heißt: Wenn dich Gottes Wort, wenn dich Gottes Heiliger Geist von etwas überführt, wenn er dich davon überführt, dass deine Prioritäten verrutscht sind, dann zögere nicht und mach konkrete Pläne. Vielleicht macht diese Pläne auch öffentlich und spricht mit jemandem darüber und sagt: Kannst du mich dort zur Rechenschaft ziehen? Sonst ist die Gefahr sehr groß, dass unsere Prioritäten gleich wieder zurückschlagen.
Wenn Jesus ruft, gibt es nichts Dringlicheres oder Wichtigeres, als diesem Ruf unmittelbar zu folgen. Und das sollten wir eben auch den Menschen sagen. Das sollten wir konkret den Menschen sagen, die wir in die Nachfolge Jesu rufen. Wenn wir rausgehen und Jünger machen, dann sagen wir erstens: Überprüfe deine Erwartungen. Und zweitens: Überprüfe deine Prioritäten.
Es ist dringlich, Jesus zu folgen. Schieb das nicht auf die lange Bank. Wenn du jetzt durch meine Worte das Evangelium hörst und verstehst und denkst: Eigentlich brauche ich diesen Jesus, dann können wir den Menschen nicht sagen: Ja, geh noch mal nach Hause, denk in Ruhe darüber nach. Die werden nicht darüber nachdenken, und die Überführung von ihrer Sünde und das Verlangen nach Jesus wird nicht stärker werden, sondern in den meisten Fällen abnehmen.
Lasst uns Menschen dazu rufen, dem, was Gott ihnen offenbart hat, auch zu folgen. Und natürlich kann es manchmal heißen, dass wir sagen: Wir müssen noch ein paar Dinge klären, weil du vielleicht noch gar nicht genau weißt, wer dieser Jesus ist, dem du folgen willst. Ich will also nicht sagen, so schnell wie möglich mit jemandem irgendwie ein Gebet beten, damit er sich bekehrt. Das ist genau das, was ich nicht sagen will.
Aber bleib dran, mach konkrete Pläne, mach diesem Menschen klar: Es gibt jetzt nichts Wichtigeres in deinem Leben, als dieser Frage nachzugehen. Komm, Dienstag beginnt ein Christsein-Entdecken-Kurs, komm da mit. Oder ein Alpha-Kurs oder was auch immer ihr macht. Kommt, wir treffen uns nächste Woche. Lasst uns jetzt einen Termin verabreden, wo wir uns treffen und weiter darüber reden, miteinander die Bibel lesen.
Lasst uns den Menschen helfen zu erkennen: Jesus nachzufolgen muss die oberste Priorität haben. Nur der Gedanke, Jesus wäre irgendwie auch ganz gut, reicht nicht. Das ist das, was Jesus hier deutlich macht: Folge mir nach.
Und das geht dann einher mit der besonderen Berufung: Du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes. Interessanterweise sagt er das nicht Petrus oder Paulus oder Billy Graham. Das sagt er ja einem Namenlosen. Ganz offensichtlich ist auch das Teil der allgemeinen Berufung.
Lieber Christ, die Berufung, Jesus zu verkündigen und sein Reich zu verkündigen, gilt uns allen. Wir haben gestern darüber nachgedacht, ich habe das gestern schon gesagt, deswegen hat Gott uns in dieser Welt belassen: damit wir etwas sind zum Lobpreis seiner Herrlichkeit, damit wir ihn verkündigen, sodass Menschen ihn erkennen.
Und natürlich ist nicht jeder berufen, als Missionar auszureisen oder vor Ort Prediger zu werden. Und doch haben wir alle eine Berufung. Wir haben gestern darüber nachgedacht, Zeugnis zu geben. Diese Berufung ist dringlich.
Auch hier möchte ich dich ermutigen: Höre Jesu Ruf. Nachfolge beinhaltet, das Reich Gottes zu verkündigen. Hast du deine Prioritäten geordnet? Für was lebst du dein Leben? Als Botschafter in Christi Stadt? Als Zeuge des Herrn in dieser Welt?
Hier ist die Botschaft im Sinne eines Gebäudes, einer Institution. Hier in München gibt es das amerikanische Konsulat, da bin ich ab und zu. Das ist ein Stück Land mitten in der Stadt München, das zu Amerika gehört. Es gehört nicht zur Stadt München. Der Oberbürgermeister hat dort nichts zu sagen.
Die Gemeinde ist so ein Ort. Das ist der Ort, aus dem wir aber ausgesandt sind, um dann Menschen die Botschaft zu verkündigen: Du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes. Denn die Welt drumherum, außerhalb dieser vier Wände, außerhalb der vier Wände deiner Gemeinde, braucht diese Botschaft.
Dazu ruft er dich: Folge ihm nach und verkündige ihn. Eines Tages kommt er wieder. Dann ist das Ziel erreicht, dann ist der Weg der Nachfolger nah am Ende angelangt. Bis dahin gilt es: Er hat unsere oberste Priorität, und wir tun, wozu er uns ruft.

Ungeteilte Bindung und der Blick zurück

Und schließlich sehen wir in Vers 61 eine dritte Begegnung. Dort heißt es in anderer Sprache: Ich will dir nachfolgen, aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind.
Das ist eigentlich ganz ähnlich wie die Geschichte davor. Es ist wiederum jemand, der bereit ist, Jesus nachzufolgen, aber der noch eine Sache vorher tun möchte. Dieses Mal ist es nicht die Beerdigung des Vaters, sondern in diesem Fall ist es sogar, zu den Lebenden hinzugehen und sich von ihnen zu verabschieden. Gut nachvollziehbar, oder?
Und doch wird auch dieser Mann von Jesus belehrt. Jesus sagt: Wer seine Hand an den Pflug legt und zurückzieht, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.
Das heißt: Nachdem Jesus gesagt hat, überprüfe deine Erwartungen, und gesagt hat, überprüfe deine Prioritäten, sagt er jetzt: überprüfe deine Loyalitäten. Wenn jemand von Jesus in die Nachfolge gerufen wird, dann ist es grundverkehrt, sich noch einmal von ihm abzuwenden und zu jemandem oder etwas anderem zurückzugehen, und sei es nur, um sich zu verabschieden.
Lass uns noch einmal den Kontext bedenken: Jesus ist auf dem Weg. Wenn der Mann jetzt sagt: Ich folge dir nach, ich gehe nur noch mal kurz zurück, dann wendet er seine Augen ab, er geht in die falsche Richtung. Er verliert Jesus aus dem Blick. Und nicht nur das: Was passiert denn jetzt, wenn er zu der Familie geht und sagt: Übrigens, ich will mich von euch verabschieden, um Jesus nachzufolgen? Er sieht entsetzte Gesichter mit Tränen in den Augen. Die werden versuchen, ihn davon abzuhalten.
Ganz hilfreich ist das Bild, das John Bunyan in seinem Buch Pilgerreise gebraucht, von Christian. Vielleicht kennen das Buch viele unter euch. Wenn nicht, das ist sehr lesenswert. Christian hört den Ruf Gottes und macht sich auf den Weg, den Weg der Nachfolge. Und was tut er in dem Moment, wo er den Ruf hört, und seine Familie ist da, und die Familie sagt: Bleib hier, bleib hier? Er steckt seine Finger in die Ohren und geht.
Es gibt sogar ein anderes Bild in der Bibel: Lots Frau. Geh weg vom Falschen, wende dich vom Bösen ab, geh aus der Stadt heraus. Sieh nicht zurück. Ihr wisst, was geschieht: Sie wendet sich um und erstarrt zur Salzsäule.
Wenn Jesus ruft, dann erwartet er unsere ungeteilte Loyalität. Von daher möchte ich dich noch einmal fragen: Wovon in deinem alten Leben würdest du eigentlich gerne noch einmal Abschied nehmen, bevor du ihm konsequent nachfolgst? Gibt es etwas aus deinem alten Leben, aus deinem Leben, das nicht zu Christus gehört, wo du noch so dran hängst, dass du sagst: Ich bin ja noch dabei, mich zu verabschieden, ich habe mich noch nicht ganz gelöst, aber ich mache irgendwann. Irgendwann ist gut.
Ach, wende dich heute ab! Jesus hasst geteilte Loyalitäten. Wonach könntest du geneigt sein, dich umzudrehen? Ich glaube, die Fragen sind nicht weit weg, oder? Gibt es nicht Dinge, die einen Ruf an uns haben, der eine starke Anziehungskraft hat? Natürlich gibt es das, weil es einen Versucher gibt. Und das ist kein Hampelmann. Der Versucher ist ernst, der ist gefährlich. Und der ruft, und der lockt, und der kommt mit süßer Sünde und ruft: Komm, komm, komm, komm.
Und das sind die Dinge, die uns dann leicht zu Fall bringen. Deswegen fordert Jesus seine potenziellen Nachfolger dazu auf: Überprüfe deine Loyalitäten. Wende dich nicht um. Folge mir nach, sofort, unmittelbar. Denn den Weg der Nachfolger wirst du nur wirklich erfolgreich beschreiten können, wenn dein Herz an ihm hängt, mehr als an allem anderen.
Deswegen ist eine echte Bekehrung nicht nur ein Sagen: Ich packe Jesus mit in mein Repertoire. Ich bin Christ und bin auch vieles andere. Nein, das ist die oberste Priorität: Ich folge Jesus nach. Und dann gibt es andere Dinge, die sind wichtig und vielleicht gut, und das ist schön. Aber wenn es einen Loyalitätskonflikt gibt, geht Jesus vor.
Und ihr Lieben: Ganz ehrlich, deswegen ist Bekehrung zwar in gewisser Weise eine einmalige Geschichte, das heißt einmal die komplette Abwendung von einem gottlosen Leben hin zu Jesus, ihm nachzufolgen, aber wir brauchen als Christen immer wieder auch diesen Ruf und immer wieder Bekehrungen, oder? Ich brauche das heute, und ich werde es morgen wieder brauchen. Ich werde immer wieder abgelenkt sein, meine Augen in die falsche Richtung setzen, und ich brauche Kurskorrektur.
Und dazu brauche ich Geschwister, die mir helfen, die mir meine Sünde aufzeigen. Neulich hat das ein lieber Bruder getan, der gesagt hat: Matthias, darf ich dir mal was sagen? Und dann kam Wort. Und der Bruder war etwas nervös, ob er das überhaupt sagen dürfte, glaube ich, aber er war mutig und hat es getan. Mich hat das unendlich traurig gemacht, aber auch unheimlich dankbar. Weil er mir etwas gezeigt hat, das wehtat und immer noch ein bisschen wehtut. Aber das brauchte ich, weil ich Kurskorrektur brauchte.
Also lasst uns immer wieder die Loyalität neu ordnen, immer wieder sagen: Ich will nicht primär mir selbst loyal sein oder irgendwelchen Verlangen, die ich habe. Ich möchte Jesus folgen.
Wer oder was ist also der größte Konkurrent in deinem Leben für die Nachfolge, die treue Nachfolge? Ist es die Bequemlichkeit vielleicht? Dann wirst du dich von Jesus abwenden, wenn der Weg unbequem wird. Sind es Begierden, dann wirst du dich von Jesus abwenden, wenn er dir sagt, dass bestimmte Dinge falsch sind: sexuelle Reinheit, Enthaltsamkeit. Sind es andere Menschen, denen du loyal sein willst und dadurch insgeheim Jesus ein bisschen untreu wirst?
Letztendlich sind wir in all dem vor allem uns selbst loyal, nicht wahr? Jesus ist uns wichtig, aber letztendlich behalte ich mir das Recht vor, dass ich doch das letzte Wort habe. Das, was ich will, letztendlich entscheidet. Kennen wir das nicht alle?
Und jetzt ist es gut, noch einmal zu Jesus zu schauen. Weil Jesus das nicht getan hat. In unserem Bibeltext ist Jesus auf dem Weg nach Jerusalem. Er ging den Weg im treuen Gehorsam gegenüber seinem himmlischen Vater, und dieser Weg war schwer. Und dann ist Jesus im Garten Gethsemane, und er weiß: Die größte Schwierigkeit, das größte Leid steht ihm noch bevor. Und was sagt Jesus seinem Vater? Er ringt mit ihm: Nicht mein Wille geschehe, sondern dein Wille geschehe!
Und dann geht Jesus ans Kreuz. Er war seinem Vater gegenüber immer loyal. Und er ist uns gegenüber loyal. Da, wo wir ihn aus dem Blick verlieren, da, wo wir abweichen vom guten Weg, da ist er da, um uns immer wieder zurückzubringen. Dazu hat er uns seinen Heiligen Geist gesandt. Durch ihn ist er alle Tage bei uns und überführt uns immer wieder von Sünde, wenn wir vom Weg abkommen. Er ist der Geist, der uns die Kraft gibt, wieder aufzustehen und den Weg weiterzugehen. Er ist der Geist, der uns hilft, sein Wort zu verstehen, so dass wir erkennen, wo es langgeht.
All das müssen wir für uns selbst erkennen, und all das sollten wir bedenken, wenn wir Menschen zu Jüngern machen wollen. Lasst uns Menschen aufrufen, Jesus nachzufolgen. Aber lasst uns ihnen auch sagen: Überprüfe deine Erwartungen, überprüfe deine Prioritäten, überprüfe deine Loyalitäten.
Ich möchte enden mit Worten, die außerhalb unseres Predigttextes zu finden sind, einige Kapitel weiter im Lukasevangelium. Da spricht Jesus noch einmal darüber, was es kosten wird, ihm nachzufolgen. Und dann sagt er in Lukas 18,29: Wahrlich, ich sage euch, es ist niemand, der Haus oder Frau oder Brüder oder Eltern oder Kinder verlässt um des Reichs Gottes willen, der es nicht vielfach wieder empfange in dieser Zeit und in der zukünftigen Welt das ewige Leben.
Liebe, der Weg der Nachfolge ist nicht leicht, aber er lohnt sich. Deswegen lasst uns die Worte hören: Jesus spricht: Komm und folge mir nach.
Ich bete.
Lieber Herr Jesus, wir danken dir dafür, dass du hier auf Erden gelebt hast, dich so erniedrigt hast, die Herrlichkeit beim Vater verlassen hast, all den Reichtum, und dich so erniedrigt hast und Mensch geworden bist, ja, dich weiter erniedrigt hast bis hin zum Tode am Kreuz. Danke, dass du diesen Weg gegangen bist bis zum Ende und dann weiter.
Und ich möchte beten für meine Geschwister hier im Raum, dass du uns die Kraft schenkst und die Zuversicht und die frohe Erwartung, so dass wir diesen Weg gehen, koste es, was es wolle. Danke, dass du uns zugesagt hast, dass du schon hier auf Erden bei uns bist und uns in allem Leide auch segnen willst. Und danke, dass eines Tages der Segen vollkommen sein wird.
Also lass uns dir so nachfolgen und hilf uns, ehrlich zu anderen darüber zu reden, dass sie dir nachfolgen, nicht nur an den sonnigen Tagen, sondern jeden Tag bis an das Weltende. Amen.