Serie•Teil 3 / 3Paderborn 2015 - Römer 9-11
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Einführung und Rückblick auf den Gedankengang
Wir wollen uns heute Abend noch den Römerbrief, Kapitel 11, betrachten. Ich habe Ihnen hier die Folie, die wir gestern schon gesehen haben, mit der Gliederung aufgelegt.
Es geht in Römer 11,1-32 um die Grenzen der Verwerfung Israels. Wir hatten gestern die Verse 1 bis 10 gelesen und auch die Verse 11 bis 15. Ich werde jetzt noch einmal die Verse 11 bis 15 lesen und dann auch noch weiter. Zuerst also die Verse 11 bis 15 und eine kurze Wiederholung von gestern, damit wir den Gedankengang haben.
Ich sage also: Stolperten sie, damit sie fallen und liegen bleiben sollten? Das sei ferne! Sondern durch ihren Fehltritt ist das Heil zu denen gekommen, die von den Völkern sind, um sie zur Eifersucht zu reizen. Wenn aber ihr Fehltritt Reichtum der Welt ist und ihr Verlust Reichtum der Völker, wie viel mehr ihre Fülle.
Denn euch, die ihr von den Völkern seid, sage ich, insofern ich ja der Apostel der Völker bin: Ich verherrliche meinen Dienst, ob ich auf irgendeine Weise sie, die mein Fleisch sind, zur Eifersucht reizen und etliche aus ihnen retten möge. Denn wenn ihre Verwerfung Versöhnung der Welt ist, was ist ihr Angenommenwerden anderes als Leben aus den Toten?
Sprachliche Klärungen und die Frage nach dem Sinn der Verse
Zuerst zur Übersetzung: Das Wort „Heiden“ heißt einfach „die aus den Völkern“, gemeint sind die Nichtjuden, die aus der Völkerwelt. Man kann also das Wort „Heiden“ einfach mit „die aus den Völkern“ übersetzen.
Und dann das Wort „Verlust“ in Vers zwölf: „Verlust“ oder „Schade“ steht gegenüber der „Fülle“. Es geht um den Heilsverlust und die Heilsfülle. Es geht um das, was sie verloren haben durch den Unglauben, und was sie gewinnen, wenn sie wieder gläubig werden. Hier steht also etwas einander gegenüber. Man kann sagen: „Heilsverlust und Heilsgewinn“.
Das Wort im Griechischen heißt „Fülle“, übrigens nicht „Vollzahl“. Das kann zwar „Vollzahl“ bedeuten, aber nicht in diesem Zusammenhang, weil es ja dem Heilsverlust gegenübersteht. Wenn es dem Verlust gegenübersteht, dann muss das Wort „Fülle“ auch mit „Fülle“ übersetzt werden, nicht mit „Vollzahl“. Das würde uns sonst in die Irre führen bei der Auslegung des Textes.
Das griechische Wort heißt einfach „Fülle“. Es kann auch bedeuten: „die Fülle des Heils“, das heißt die Fülle, die sie bekommen, wenn sie sich bekehren. Das ist gemeint, der Gewinn, den sie haben, wenn sie sich bekehren.
Also, was Paulus hier darstellt, ist Folgendes: Worum es Paulus hier geht, ist die Frage, was denn jetzt mit denjenigen Israeliten ist, die noch nicht an den Messias glauben. Wir haben gesehen: Immer dort, wo das Evangelium hingekommen ist, wurde den Juden zuerst das Evangelium verkündigt und danach den Griechen. Also zuerst den Juden. Und wenn die Juden es verworfen haben, dann kam eine Drohung. Dann hat Paulus gedroht: Wenn ihr es verwerft, dann kommt das Gericht auf euch.
Und dann sagt er: Wenn sie es verwerfen, dann wende ich mich zu den Heiden, dann verkünde ich den jüdischen Messias den Heiden. Das hat er ihnen deshalb gesagt, um sie doch noch zu locken, um sie ein wenig zu reizen, zur Eifersucht zu reizen.
Die Heilsgeschichte als Weg von Verwerfung und neuer Zuwendung
Und dann geht er zu den Heiden. Dann verkündigt er den Heiden, und mit einem Auge schielt er immer noch zurück zu den Juden, in der Hoffnung, dass sie eifersüchtig werden.
Also predigt er den Heiden, damit sie gerettet werden. Und viele Heiden haben es angenommen. Gott hat die Tür für die Heiden aufgemacht. Das Evangelium kommt überall hin, in die ganze Heidenwelt, nicht nur in Israel, wo es Heiden gab, Cornelius, sondern auch über die Grenzen Israels hinaus bis ans Ende der Erde. Also bis ans Ende des Römischen Reiches, bis nach Spanien. Überall kam das Evangelium hin, bis nach Illyrien im Norden des Römischen Reiches. Viele, viele Heiden kamen herein ins Heil, zu Christus.
Und er hofft, und Paulus’ große Hoffnung ist, dass die Israeliten sich jetzt bekehren. Also dass Israel, das gestolpert ist, nicht liegen bleiben soll, sondern wieder aufstehen soll.
Wir haben ja in Vers sieben gelesen: wonach Israel trachtet, das erreichte es nicht, aber die Erwählung erreichte es, die übrigen wurden verhärtet. Weil sie ungehorsam waren, wurden sie verhärtet. Aber bitte: Verhärtung heißt nicht Verhärtung bis in alle Ewigkeit. Nein, Verhärtung sagt erst einmal noch gar nichts darüber aus, wie lange diese Verhärtung andauern wird. Verhärtung ist nur die Tatsache, dass Gott sie jetzt hart sein lässt. Das heißt: Weil sie ungehorsam waren, schließt Gott ihnen die Tür. Wie lange, steht nicht da. Doch nicht für zweitausend Jahre, nein. Für eine gewisse Zeit, damit jetzt das Evangelium zu den Heiden gehen kann.
Jemand hat die Frage gestellt: Wieso muss denn das eigentlich sein mit der Verhärtung? Paulus hätte ja gleich zu den Heiden gehen können. Aber es war ein jüdisches Evangelium. Es war ein jüdischer Messias. Was Paulus verkündigte, war ja die israelitische Religion. Die israelitische Religion besagte, dass einmal ein König kommt, der Israel regieren wird und der das Volk Israel zu ungeahnter Herrlichkeit führen wird. Hesekiel hat das verheißen, und Jeremia hat es verheißen.
Er sagt: Wenn ihr zurückkommt aus der Gefangenschaft, dann werde ich mit euch einen neuen Bund schließen, Jeremia 31. Aber auch in Hesekiel 37 und 39 lesen wir das, einen Bund. Dann lesen wir: Wenn ihr zurückkehrt, dann werde ich euch einen David senden, einen zweiten David, und der wird Hirte sein über das Haus Israel. Ein guter Hirte wird er sein, und er wird die Schafe zu sich sammeln, und es wird nur eine Herde und ein Hirte sein. Hesekiel 34 und Hesekiel 36 wurde das vorausgesagt: ein großer König, ein Hirte. Die Könige hießen übrigens Hirten. Im alten Israel waren die Könige die Hirten des Volkes. In Hesekiel 34 wird das beschrieben.
Und jetzt sagt er aber: Dann werde ich mich selber meiner Herde annehmen, dann werde ich selber meinen David schicken, sagt Gott. Und dann wird das Reich Israel vereinigt, vom Nordreich und vom Südreich. Diese Trennung wird aufhören, und dann wird ein großes Israel sein, und es wird herrlich werden. Gott wird in alle Ewigkeit dieses Israel bestehen lassen, in alle Ewigkeit. Sie werden wohnen in alle Ewigkeit, sagt er ihnen.
Die Verheißungen Israels und die Spannung der Geschichte
Und dann sagt er noch dazu: Ich werde meinen Geist auf sie gießen, auf mein Israel werde ich den Geist ausgießen. Und dann sagt er noch: Und ich werde sie zu solchen Menschen machen, die in meinen Geboten und meinen Satzungen wandeln. Und ich werde sie reinigen von all ihren Unreinheiten, und der Götzenkult wird ausgerottet werden. Es wird schön werden. Und dann werde ich selber kommen und werde einen Tempel bauen, einen Tempel, einen großen, großen Tempel. Mein Heiligtum werde ich in ihrer Mitte aufrichten, und es wird ein ewiges Heiligtum sein. Und ich werde in aller Ewigkeit unter Israel wohnen.
Das war das, was Hesekiel verkündigt hat. Sie können das nachlesen in Hesekiel 37 am Ende. Er hat all diese ewigen Dinge verheißen. Das heißt, die Juden warteten auf eine ungeahnte Herrlichkeit. Die ganze Welt sollten sie beherrschen, unter dem König David, dem zweiten David, den Gott ihnen schicken würde, und in diesem neuen Bund, den Gott mit ihnen schließen würde.
Und jetzt haben sie gewartet und gewartet, und es kam nichts von alledem. Viele kamen zurück aus der Gefangenschaft. Aber der Tempel wurde gebaut. Doch welcher Tempel? Ein kleiner Tempel. Es war nicht der Tempel, von dem Gott gesagt hat, dass er dort drin wohnen wird. Nichts geschah. Und so ging es Jahrhunderte lang: Nichts geschah. Die Zeit wurde nur schlimmer für Israel. Da kam der Antiochus, der hat die Israeliten furchtbar zugerichtet. Und dann kamen die Makkabäer, haben sich befreit, 80 Jahre lang einen Befreiungskampf geführt, Israel wieder in die Unabhängigkeit geführt. Und dann kamen die Römer und haben Israel wieder unterjocht. Ja, wo war denn die Herrlichkeit? Nirgends.
Dann kommt Jesus von Nazaret und predigt vom Reich Gottes und erklärt ihnen: Nein, es kam nicht so. Entschuldigung, vor dem Jesus von Nazaret kam Johannes der Täufer. Und Johannes der Täufer predigt, dass der König kommt und das Gericht nahe ist. Zwei Sachen: Der König wird kommen, und das Gericht wird kommen. Und wenn man den König nicht annimmt, dann bekommt das Gericht die Axt. Sie ist schon an die Wurzel und an den Stamm der Bäume gelegt. Und wenn ihr nicht Buße tut, dann werdet ihr ins Feuer geworfen werden. Und wenn ihr Buße tut, wenn ihr zum Messias kommt, dann werdet ihr in seine Scheune gesammelt werden. Er wird den Weizen in seine Scheune sammeln, aber die Spreu wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer.
So wird eine Scheidung unter dem Volk stattfinden, durch den Messias. Die einen werden gerettet werden, die anderen werden in ein Gericht kommen. Das hat Johannes verkündigt. Dann kam der Herr Jesus, der hat dasselbe verkündigt, dasselbe wie Johannes. Das Königreich ist herbeigekommen. Und dann lehrte er die Jünger drei Jahre lang über ein Thema, immer wieder dieses Thema, immer wieder das gleiche Thema. Was war das Thema? Das Königreich Gottes.
Der Messias, das Reich Gottes und die Sammlung des Überrests
Und die Jünger beginnen langsam zu verstehen: Ach so, das Königreich Gottes ist nicht so, wie wir es uns vorgestellt haben. Es ist anders. Es fängt klein an und wächst dann, wächst und wächst, bis es eines Tages in der Vollendung die ganze Erde füllen wird.
So lernen sie etwas über das Königreich. Und sie lernen auch, dass die Art dieses Königreiches anders ist, als sie es sich vorgestellt hatten. Es ist ein geistliches Königreich. Und der Messias geht ans Kreuz, stirbt, kommt von den Toten wieder hervor, redet noch einmal vierzig Tage lang mit den Jüngern über das Königreich und verschwindet dann vor ihren Augen. Er fährt in den Himmel auf und setzt sich zur Rechten des Thrones Gottes, der Majestät im Himmel.
Und Petrus verkündigt: Dieser Jesus hat das erfüllt, was in Psalm 110 steht: „Setze dich zu meiner Rechten.“ Das ist der Sohn Davids, von dem der Herr spricht. In Psalm 110 steht, dass David geschrieben hat: „Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel meiner Füße mache.“
Und dann setzt sich der Sohn Gottes, der zweite David, auf den Thron Gottes. Nicht David ist in den Himmel hinaufgefahren. Nicht David ist dort in den Himmel gegangen, um sich auf den Thron Davids zu setzen. Nein, Gott hat von dem Messias gesprochen und von der Auferstehung des Messias, dass er den Thron, den ewigen Thron Davids, in Empfang nehmen wird. Und das hat er getan, sagt Petrus.
Petrus sagt: Dieser Gott hat diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Gesalbten gemacht, zum Herrn und zum Messias, diesen Jesus. Und dieser Jesus hat sich auf den Thron Davids gesetzt, so wie es verheissen war. Von dem Kind hieß es ja: Ein Kind ist uns gegeben, die Herrschaft ruht auf seiner Schulter, und er wird den Thron Davids einnehmen, und seines Reiches wird kein Ende sein. Er wird auf dem Thron seines Vaters David sitzen. Und er wird ewig herrschen.
Und genau das geschah mit der Himmelfahrt Jesu Christi. Er setzte sich auf den Thron. Ja, aber der Thron war nicht auf Erden, er war nicht in Jerusalem, er war im Himmel. Und jetzt ist ein unsichtbarer König über Israel. Und wo ist sein Volk? Nun, sein Volk waren die Jünger. Und da hat er den Heiligen Geist auf diese Jünger ausgegossen, wie viele sie auch waren. Zuerst 120, in Apostelgeschichte 1 steht 120. In Apostelgeschichte 2 wissen wir nicht, wie viele es waren; dort steht nicht, wie viele es waren. Aber sie haben den Heiligen Geist bekommen.
Die Ausbreitung des Evangeliums und die Verhärtung Israels
Und dann, was geschah dann? Dann haben diese Jünger, die den Heiligen Geist bekommen haben, die Ausgießung des Geistes, wie Hesekiel verheißt hat, diese Jünger, die haben dann das Evangelium verkündigt, in Israel, zuerst nur in Jerusalem. Und sie haben Jerusalem mit der Lehre Jesu Christi erfüllt.
Dann kamen viele zum Glauben, aber es waren doch nur wenige im Vergleich zur ganzen Stadt, nur dreitausend und später fünftausend, zehntausend. Aber es waren alles Juden. Das heißt: So hat jetzt der König sein Volk gesammelt. Das Volk Israel hat sich bekehrt, aber nur der Überrest, sagt Paulus. Das haben wir gestern gelesen: Gott hat jetzt einen Überrest gelassen. Und dieser Überrest von Juden, das sind genau die, die den Messias angenommen haben als ihren Erlöser.
Und da waren wir stehen geblieben. Aber die übrigen wurden verhärtet. Das heißt, die übrigen in Jerusalem wurden verhärtet. Wozu? Die wurden deshalb verhärtet, weil sie erstens ungehorsam waren. Weil sie sich verhärtet haben, hat Gott ihnen jetzt eine Zeit lang das zugeschlossen. Warum? Mit welchem Zweck? Damit jetzt das Evangelium nach Samarien kommt.
Was geschah? Die waren so verhärtet, dass sie die Christen verfolgt haben. Den Stephanus haben sie getötet, und die anderen Juden haben sie verfolgt. Und was machen jetzt die Christen von Jerusalem? Sie gehen aus Jerusalem weg. Also: Durch die Verhärtung der Juden entstand die Verfolgung, und durch die Verfolgung werden die Jünger aus der Stadt getrieben.
Was machen sie jetzt? Jetzt gehen sie nach Judäa. Und was machen sie dort? Ja, das, was der Herr Jesus gesagt hat: das Evangelium verkündigen. Jetzt kommen sie nach Judäa und verkündigen überall in den Dörfern von dem Messias Jesus. Und was geschieht jetzt? Ein paar nehmen den Herrn an, in den Dörfern von Judäa, und die anderen jagen sie fort. Jetzt werden sie verfolgt.
Was machen die Christen jetzt? Sie laufen weiter. Wohin? Nach Samarien und überall hin, nach Galiläa und sogar außer Landes. Jetzt kommen also die Christen und werden zerstreut. Und überall in der Zerstreuung, wo die Judenchristen hinkamen, wurde das Evangelium weiterverkündigt. Und überall waren es immer zuerst die Juden, die das Evangelium bekommen haben. Dann sind die Juden verhärtet und jagen die wieder fort. So geht das Evangelium wieder weiter.
So geht also bei den Juden die Tür zu. Sie werden verhärtet und verfolgen die Christen. Und bei den Heiden geht die Tür auf. So geht es sukzessive, von Ort zu Ort, von Staat zu Staat, und da geht es im ganzen Römischen Reich so dahin. Paulus kommt dann bis nach Rom, und selbst da wird er als Gefangener hingeliefert. Also auch da hat Gott geschaut, dass er auf diese Weise nach Rom kommt.
Jedenfalls ist jetzt das Evangelium im ganzen Römischen Reich verbreitet. Und es kommt immer zuerst zu den Juden. Und die Juden werden verhärtet, wenden sich gegen die Christen und schicken die Christen weiter. Das war der Weg. Das heißt: Durch die Verhärtung Israels geht das Evangelium zu den Heiden.
Die Eifersucht als Mittel der Rettung
Und jetzt sagt Paulus: Das Ganze hat Gott gemacht, um die Israeliten zur Eifersucht zu reizen. Die Verhärtung war nicht auf Dauer und in alle Ewigkeit, sondern nur für eine Zeit. Paulus hofft aber, dass jetzt, wenn die Juden sehen, wie viele Heiden das Evangelium annehmen, auch diese Heiden den Messias annehmen. Das ist ja unser Messias, das ist ja der jüdische Messias, der dort den Heiden verkündigt wird. Das ist der Gedanke hier.
Also gehen wir jetzt noch einmal zum Text, Vers 12: Wenn aber ihr Fehltritt, also der Fehltritt der Israeliten, Reichtum der Welt ist und ihr Verlust Reichtum der Heiden, wie viel mehr ihre Fülle? Das heißt: Wenn schon so viel Segen daraus geworden ist, indem die Juden verhärtet wurden, wie viel Segen wird es dann für die Juden sein, wenn der Bumerang wirkt, wenn sie jetzt zur Eifersucht gereizt werden und endlich doch noch den Messias annehmen? Er sagt: Das gibt ja dann Heilsfülle. Also wenn das eine schon Reichtum für die Heiden geworden ist, wie viel mehr Segen und Reichtum, wenn diese Juden, die jetzt verhärtet waren, auch noch diesen Messias aus Eifersucht annehmen. Das ist hier gemeint.
Denn euch, die ihr von den Heiden seid, sage ich, insofern ich ja der Apostel der Heiden bin, verherrliche ich meinen Dienst, ob ich auf irgendeine Weise sie, die mein Fleisch sind, zur Eifersucht reizen und etliche aus ihnen retten möge. Denn wenn ihre Verwerfung Versöhnung der Welt bedeutet, also wenn die Tatsache, dass sie den Messias verworfen haben und deshalb Gott sie verworfen hat und verhärtet hat, wenn diese Tatsache dazu geführt hat, dass das Evangelium zu den Heiden kommt und immer weiter und immer weiter und immer weiter zu den Heiden, und überall dort, wo das Evangelium hinkommt, werden die Heiden mit Gott versöhnt, nein, nicht alle, die Gläubigen, die gläubig werden. Überall sind Menschen aus den Heiden, die gläubig werden. Das bedeutet Versöhnung für die Welt. Dort in Griechenland waren Versöhnte, und in Zypern waren Versöhnte, und in Antiochia Pisidia und Antiochia Syria, und überall waren versöhnte Heiden.
Wenn das jetzt so ist, wenn ihre Verwerfung Versöhnung für die Heidenwelt bedeutete, wie viel mehr oder was ist dann ihr Angenommenwerden anderes als Leben aus den Toten? Oder, schlachtübersetzt: Was ist ihr Annehmen anderes als Leben aus den Toten?
Leben aus den Toten und die Wiederannahme Israels
Also, was wird das bedeuten, wenn Gott diese Juden, die sich jetzt bekehren, annimmt? Sie nehmen den Messias an, und Gott nimmt sie an. Was ist das anderes als Leben aus den Toten?
Welche Juden denn? Die eifersüchtigen Juden, die, die durch das Evangelium zur Eifersucht gereizt werden. Es geht um die Zeit des Paulus, bitte denken Sie nicht an das Jahr 2000. Paulus spricht von seiner Zeit. Paulus spricht nicht vom Jahr 2000. Wir müssen beim Text bleiben und in seiner Zeit bleiben, und wir müssen in seinem Denken bleiben. Dann wird der Text gar nicht so schwierig.
Er sagt: Schaut, wenn ihre Verwerfung schon so viel Segen brachte für die Heiden, wie viel mehr Segen wird das bringen, wenn sie, die einzelnen Juden, die da in Antiochien und die in Syrien und die in Rom und überall, wo das Evangelium hinkommt, und die jetzt eifersüchtig werden, wenn die jetzt den Messias annehmen, dann ist das ein Leben aus den Toten.
Was heißt das, Leben aus den Toten? Israel war so gut wie gestorben. Israel war das Gottesvolk, jetzt haben sie den Messias verworfen. Jetzt war das so gut wie gestorben. Das ist eine Bildersprache. Wenn Sie Hosea kennen, dann wissen Sie, wovon ich spreche. In Hosea 13 sagt er, die Israeliten, die Gott verlassen haben, die sind gestorben. Wie sind sie denn gestorben? Gott hat sie aus dem Land getan, Gott hat sie nach Assyrien verfrachtet. Da war das Israel tot. Die ungläubigen Israeliten waren wie tot für Gott. Ihr seid ein Nichtvolk, hat er gesagt, ihr seid für mich tot. Mein Volk habe ich zu einem Nichtvolk gemacht. Und wenn sie sich bekehrt haben, hat er sie wieder zu seinem Volk angenommen.
Und hier auch: Wir sind jetzt bei der Zeit von Paulus. Er sagt, jetzt hat Gott 26 Jahre gewartet mit diesen Juden. Und wenn diese Juden jetzt zur Eifersucht gereizt werden, was geschieht dann? Wenn sie den Messias annehmen, dann geschieht Leben aus den Toten, dann geschieht eine Auferstehung. Das ist eine Art Auferstehung Israels, nicht eine leibliche, eine geistliche. Das ist eine geistliche Auferstehung Israels.
Vielleicht sagen Sie: Ja, aber ist es bei uns Heiden nicht auch so? Wir sind doch auch geistlich auferstanden. Ja, warten wir. Wir waren ja gar nicht lebendig, wir waren ja immer schon tot. Bei uns ist es keine Auferstehung, bei uns ist es ein Geborenwerden. Wir waren dann immer tot. Aber Israel war früher sein Volk. Das waren seine Geliebten, das war sein Israel, dem er die Verheißungen gegeben hat. Und die haben den Messias verworfen, jetzt sind sie gestorben. Und wenn die jetzt den Messias annehmen, dann kommen sie aus den Toten wieder raus. Das ist auch Auferstehung, Leben aus den Toten, das ist gemeint.
Für Israel war das Leben aus den Toten, für die Heiden war es Geborenwerden aus nichts, Geborenwerden wie bei einer Geburt. Aber hier, das war Leben aus den Toten für Israel. Also wenn ihre Verwerfung Versöhnung der Welt ist, was ist ihr Angenommenwerden anderes als Leben aus den Toten?
Das Bild vom Erstling und die Heiligung des Ganzen
Und dann geht es weiter in Vers 16: Wenn der Erstling heilig ist, ist auch die Teigmasse heilig.
Hier spricht Paulus von einem Bild aus der Landwirtschaft. Er sagt: Die Erstlingsehre, das ist das erste Korn, also die erste Gabe, die man erntet. Das haben die Israeliten genommen, das Korn der ersten Ehre, und daraus einen speziellen Teig gemacht. Das ist die erste Frucht der Ernte, ja, im April oder Anfang Mai. Nein, nicht April, Ende März war dieses Fest. Man nennt es das Erstlingsgabenfest. Die ersten Gaben wurden dem Herrn dargebracht.
Und aus diesen Erstlingsgaben musste man noch ein bisschen warten. Dann gab es mehr Gaben. Dann hat man aus diesem ersten Weizen ein Brot gebacken. Das war dann im Mai, das war das sogenannte Wochenfest. Da hat man aus dem Brot gebacken, das ist der Erstlingsteig, und der wurde dem Herrn gegeben. Das heisst: Das erste Brot von der Ernte gehört dem Herrn.
Und jetzt sagt er: Wenn der Erstling heilig ist, ist auch die Teigmasse heilig. Wenn der erste Teig, der aus der Ernte gemacht wird, dem Herrn geweiht wird, dann bedeutet das, dass die ganze Ernte dem Herrn gehört. Der ganze Teig gehört dem Herrn. Von allen Broten, die wir jetzt in Zukunft backen werden, aus dem ganzen Mehl, aus der ganzen Ernte, alles ist für den Herrn.
Das heisst, der Erstling wurde dem Herrn geweiht, und das war ein Angeld auf die ganze Ernte. Das war eine symbolische Handlung beim Fest. Zu Pfingsten war das übrigens das Wochenfest.
Gut, und das ist das Bild. Und er wendet das jetzt auf Israel an und sagt: Der Erstling, das sind die gläubigen Juden, die jetzt gläubig geworden sind. Die sind heilig. Warum? Weil sie an den Messias gläubig geworden sind. Die gehören dem Herrn.
Und wenn jetzt ein Teil, ein Erstlingsteil, gläubig ist, dann ist der ganze Rest, das historische Israel, Gott heilig. Was heisst das? Nicht gerettet. Er sagt nicht gerettet. Heilig sein heisst noch nicht gerettet. Heilig, das Wort heilig an sich bedeutet nur: für Gott ausgesondert.
Paulus verwendet das später im Korintherbrief auch. Er sagt: Wenn eine Frau gläubig wird, dann ist der Mann geheiligt. Heisst das, dass der Mann gerettet ist? Nein, das heisst nur, dass der Mann ein besonderes Vorrecht hat, denn er ist jetzt mit einer gläubigen Frau verheiratet. Und wenn er die Frau nicht verlässt, dann hat er eine gute Chance, gläubig zu werden. Er ist also ein bisschen auf die Seite gestellt. Eine grosse Chance.
Und genauso ist es jetzt mit Israel. Jetzt sind von Israel Leute zum Glauben gekommen, eine grosse Schar eigentlich, aber im Vergleich zu ganz Israel waren es wie eine kleine Schar. Gut, jetzt sind sie gläubig geworden, die jüdische Gemeinde Jesu Christi. Und wenn jetzt diese Juden, die dem Herrn gehören, heilig sind, dann sagt er: Dann sind diese, dann ist das ein Angeld darauf, dass auch der Rest des Volkes dem Herrn abgesondert ist. Nicht gerettet, abgesondert. Genau wie der ungläubige Ehemann: abgesondert für den Herrn.
Der Ölbaum als Bild für Zugehörigkeit und Warnung
Das heißt, Gott hat sein Volk nicht verlassen. Das ganze Argument, worum es ihm in diesem Abschnitt geht, ist: Gott hat das Israel, das nicht gläubig ist, bis zum Jahr 56 nicht verstoßen. Das heißt, sie sind zwar gestolpert, aber nicht so gestolpert, dass sie jetzt liegen bleiben müssten. Gott hat sie zwar verhärtet, ja, aber nicht, um immer verhärtet zu bleiben, nein.
In dem Maße, in dem die Juden sich zur Eifersucht reizen lassen, kommen sie wie Leben aus den Toten. Gott gewinnt ein Israel zurück. Jeder Israelit, der sich zur Eifersucht reizen ließ, war wie eine Auferstehung Israels. Sukzessive da ein Israelit, da einer, da noch einer, da noch ein paar Juden, immer mehr, und so sammelt sich ein Israel. Welches Israel? Eine Gruppe von Menschen, die alle an den Messias glauben. Und jetzt alle: Sind das alle Juden, die alle an den Messias glauben? Und diese alle bilden wirklich das wahre Israel, hat Paulus ja vorher auch schon gesagt. Nicht der ist ein Jude, der nur äußerlich beschnitten ist, sondern der ist ein Jude, der äußerlich und innerlich beschnitten ist, also der auch gläubig ist. Dann ist man ein wirklicher Jude.
Das heißt, Gott freut sich: Es gibt doch noch ein Israel. Israel ist nicht verworfen. Israel kommt aus dem Tod zum Leben in dem Maße. Und Paulus sagt: Und ich bin stolz, ich bin stolz auf meinen Dienst. Warum? Durch meinen Dienst, durch meine Heidenmission, werden überall die Juden eifersüchtig, und ich will möglichst viele von ihnen retten. Und was sagt er? Ich bete zu Gott, und ich flehe für Israel, dass sie gerettet werden. Kapitel 10, Vers 1 haben wir vorgestern gelesen oder gestern haben wir gelesen: Ich flehe zu Gott, dass sie gerettet werden. Das ist so sein Anliegen. Er sagt nicht: Ah, ich weiß, die werden sowieso alle gerettet werden. Woher denn auch? Natürlich nicht. Viele haben sich nicht retten lassen, aber einige lassen sich zur Eifersucht reizen.
Paulus weiß genau, dass Israel nicht ganz gerettet wird. Hat er vorher gesagt in Kapitel 9, Vers 27: Wenn Israel so groß wäre wie der Sand am Ufer des Meeres, es würde nur der Überrest gerettet werden. Es wird immer nur der Überrest gerettet werden. Wer ist der Überrest? Der Überrest besteht aus all denen, die zum Messias kommen. Zuerst bei der ersten Ernte zu Pfingsten und dann in Jerusalem und überall, und dann bei der zweiten Ernte, wenn sie eifersüchtig geworden sind. Darauf hofft er. Das heißt, die ganze Zeit versucht er, Juden zu gewinnen. Durch seine Heidenmission.
Wenn der Erstlingsteig heilig ist, dann ist die Masse heilig. Das ganze Volk ist Gott immer noch heilig. Gott hat dieses Volk, das ist heilig, nicht verstossen. Er hat sie auf die Seite gesetzt, das heißt, er hat sie ausgesondert, und er bearbeitet sie immer noch. Es ist nicht so, dass sie verhärtet sind, um jetzt unwiederbringlich dem Gericht entgegenzugehen.
Paulus weiß, dass er nicht mehr viel Zeit hat. Er weiß nicht genau, wann das sein wird, wann das Gericht kommt. Das wurde ihm ja nicht gesagt. Aber wir wissen, es kam vierzehn Jahre später. Eigentlich begann das Gericht schon im Jahr 66, 67. Der Krieg begann 67. Der Kaiser kam und hat nach der Reihe dann die Juden getötet, von Galiläa herkommend, vom Norden, bis er dann vor Jerusalem stand, und dann wurde Jerusalem eingekesselt. Das Gericht kommt über dieses Volk. Und er sagte in Kapitel 9, Vers 28, es wird eine rasch erledigte Sache sein, denn der Herr wird eine summarische Abrechnung machen im Lande mit diesem Volk. Aber wenn sie glauben, dann nicht. Wenn sie zum Glauben an den Messias kommen, dann entgehen sie dem Gericht Gottes.
Die Warnung an die Heidenchristen und die bleibende Gnade
weiter Wenn der Erstling heilig ist, ist auch die Teigmasse heilig. Und wenn die Wurzel heilig ist, dann sind es auch die Zweige.
Wenn aber einige der Zweige ausgebrochen wurden und du, der du ein Zweig vom wilden Ölbaum warst, unter sie eingepropft und Mitteilhaber der Wurzel und der Fettigkeit des Ölbaums wurdest, dann rühme dich nicht gegen die Zweige. Wenn du dich aber gegen sie rühmst, dann trägst nicht du die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.
Du wirst hierauf sagen: Die Zweige wurden ausgebrochen, damit ich eingepropft würde. Recht! Durch den Unglauben kam es, dass sie ausgebrochen wurden. Du stehst durch den Glauben. Sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich. Denn wenn Gott die natürlichen Zweige nicht schonte, wird er auch dich nicht schonen.
Sieh also die Freundlichkeit und die Strenge Gottes: gegen die einen Strenge, gegen dich Freundlichkeit, wenn du an der Freundlichkeit bleibst, sonst wirst auch du abgeschnitten werden. Aber auch jene werden, wenn sie nicht im Unglauben bleiben, eingepfropft werden, denn Gott vermag sie wieder einzupfropfen. Denn wenn du von dem von Natur wilden Ölbaum abgeschnitten und gegen die Natur in einen edlen Ölbaum eingepfropft wurdest, wie viel mehr werden diese, die natürlichen Zweige, in ihren eigenen Ölbaum eingepfropft werden?
Nimmt man ein zweites Beispiel, dann redet er nicht von Teig, sondern von einem Ölbaum. Er sagt: Schaut, der Ölbaum, das ist jetzt Israel. Der hat Wurzeln und Stamm. Zu den Wurzeln gehört auch der Stamm, und dann hat er noch Zweige.
Der Baum, das ist der ursprüngliche Baum Israel. Aber die Zweige sind die einzelnen Israeliten, und diejenigen Israeliten, die nicht an den Messias glaubten, die hat Gott abgebrochen. Die liegen jetzt am Boden, abgeschnitten. Rund um den Baum liegen ganz viele Äste, abgeschnittene Äste, Zweige.
Wer bleibt am Baum? Am Baum bleiben die, die den Messias angenommen haben. Das heißt, die Juden, die Judenchristen, die echten Juden, die wirklichen Juden jetzt sind, weil sie den Messias haben. Das heißt, der Baum stellt eigentlich nur das königliche Israel dar. Das heißt, dass Israel, das den König, den Messias, angenommen hat. Es geht um das Königtum Gottes über sein Volk Israel. Der Messias ist der König, der Messias ist der, von dem sie alle herkommen.
Und jetzt, wie geht es weiter, was machen wir jetzt? Er sagt: Ja, da liegen die Zweige am Boden. Und was macht Gott jetzt? Er sagt, jetzt macht Gott so, dass er Zweige von einem wilden Ölbaum nimmt und sie auch noch in den Ölbaum hineinsteckt. Die Zweige vom wilden Ölbaum, sagt Paulus, das sind die Heiden, und zwar die Heidenchristen. Diejenigen, die jetzt aus den Heiden auch gläubig wurden, die haben praktisch den Platz eingenommen, den früher die ungläubigen Juden hatten.
Jetzt propft Gott die Heiden ein, und zwar jeden einzelnen Heiden. Jeder Zweig ist ein Heide, das ist das Bild. Jeder, der jetzt zum Glauben kommt von den Heiden, wird eingepfropft in den Baum. Und wenn ein Jude, ein einzelner Jude, nicht glaubt, dann wird der Jude ausgepropft und fällt herunter.
Die Mahnung zur Demut und die Möglichkeit des Wieder-Einpfropfens
Jetzt sagt Paulus: Wenn einige der Zweige ausgebrochen wurden und du, du Heidenchrist, der du ein Zweig vom wilden Ölbaum warst, unter sie eingepfropft und Teilhaber der Wurzel und der Fettigkeit des Ölbaums wurdest, dann rühme dich nicht gegen die Zweige.
Was Paulus hier tut, ist, dass er eine Botschaft für die nichtisraelitischen Christen bringt. Er zeigt hier, dass die Heidenchristen nicht stolz sein sollen, dass sie das Heil bekommen haben. Bis jetzt hat er sich an die Judenchristen gewandt, jetzt wendet er sich an die Heidenchristen.
Er sagt: Pass auf, du Heidenchrist, sei nicht stolz. Die Heidenchristen waren nämlich stolz. Sie haben gesagt: Herrlich, Israel ist selber schuld, sie haben den Messias verworfen, und jetzt sind wir drin. Wir sind das neue Gottesvolk, die Heiden.
Da sagt Paulus: So warte mal, so geht es aber nicht. Das ist nicht so. Es ist immer noch ein jüdisches Evangelium, und die ersten Christen waren sowieso Juden. Sie sind eigentlich der eigentliche Baum, und das ist ein jüdischer Baum mit einem jüdischen Messias.
Und wenn Gott dir jetzt die Gnade geschenkt hat, dass du aus den Heiden auch Mitteilhaber der israelitischen Verheißungen, des israelitischen Erbes und der israelitischen Zukunft geworden bist, nur aus dem Glauben an Christus, dann sag Danke dafür. Aber bitte bleib demütig, denn eigentlich gehörst du da gar nicht hin. Das ist nämlich gar nicht dein Platz. Du bist ja ein wilder Ölbaum.
Das heißt: Sei nicht stolz, sei demütig, und rühme dich nicht gegen die Israeliten. Aber das haben die Christen gemacht. Sie waren stolz gegen die Juden und haben sich als besonders gefühlt: Ja, wir sind die Ersetzten, wir haben euch ersetzt. Oder?
Nein, dass ihr reinkommen durftet, ist nur Gnade, und nur weil ihr an Christus glaubt, aber nicht wegen eurer Werke. Also bitte schaut nicht auf euch selber. Rühme dich nicht gegen die Zweige. Wenn du dich aber rühmst, dann denk daran: Du trägst nicht die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.
Wenn du dich rühmen willst, wie bist du reingekommen? Es war rein Gnade durch Glauben, nicht weil du ein guter Christ warst oder ein guter Mensch warst. Nein, rein aus der Barmherzigkeit Gottes bist du reingekommen.
Die Ernsthaftigkeit der Warnung und die Treue Gottes
Gut, Vers 19: Du wirst hieraufhin zu mir sagen: Die Zweige wurden ausgebrochen, damit ich eingepfropft würde.
Recht so. Durch den Unglauben sind sie ausgebrochen worden. Du bist ja nur deshalb eingepfropft, weil sie nicht gläubig waren, weil sie nicht gläubig wurden. Durch den Unglauben kam es, dass sie ausgebrochen wurden. Du stehst durch den Glauben.
Sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich. Denn wenn Gott die natürlichen Zweige nicht verschonte, dass er auch dich nicht schonen werde.
Pass auf: Du bist da ein Christ aus den Heiden, und du bist so stolz, und jetzt rühmst du dich deinetwegen. Ja, ich bin ja da eingepfropft. Nein, sei demütig und sag: Ja, es ist nur aus Gnade, dass ich da bin. Eigentlich dürfte ich ja gar nicht da sein. Das ist ja der Platz, der gehört den Israeliten. Das ist ein jüdischer Messias. Das sind jüdische Verheißungen. Das ist eine jüdische Zukunft. Von einem herrlichen Tempel, wo Gott ewig wohnen wird, von einem zweiten ewigen Bund, den Gott schließt auf Golgatha. Das ist ein jüdischer Bund, den Gott mit den Juden geschlossen hat, und ich, Heide, darf mit dabei sein, sagt er. Ja, das ist reine Gnade.
Wir dürfen dankbar sein. Die meisten von uns sind aus den Heiden, oder? Wir haben wahrscheinlich kaum jüdische oder abrahamitische Wurzeln. Aber wir sollen nicht stolz sein. Warum? Wir sind doch nur wegen der Gnade Gottes in einem israelitischen Heil, und wir sind bei einem israelitischen König. Unser König ist ein israelitischer König. Und wir haben die Verheißungen, die Gott dem Volk Israel gegeben hatte, die haben wir aus Gnaden bekommen.
Paulus sagt das in Epheser 3. Sie können nachlesen in Epheser 3,6. Dort sagt Paulus, dass wir, die Heiden, in Christus ein Mitleib wurden, Mitteilhaber der israelitischen Verheißungen und Miterben derselben Zukunft Israels. Also wir erben mit Israel, wir haben Teil an den israelitischen Verheißungen, und wir sind zusammen mit Israel ein Leib, wir Heiden. Es geht um das Thema Heiden und Juden. Es geht um nichts anderes. Es geht um Heiden und Juden. Wir Heiden sind Mitteilhaber an jüdischen Verheißungen, Epheser 3,6.
Und durch den Unglauben kam es, dass sie ausgebrochen wurden. Du stehst durch den Glauben. Sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich, Vers 21, denn wenn Gott die natürlichen Zweige nicht schonte, wird er auch dich nicht schonen.
Sieh also die Freundlichkeit und die Strenge Gottes: gegen die, die vielen Strenge, gegen Israel; gegen die ungläubigen Israeliten Strenge; gegen dich Freundlichkeit, wenn du an der Freundlichkeit bleibst. Man kann auch übersetzen: Güte. Gegen dich Güte, wenn du an der Güte bleibst, sonst wirst du auch abgeschnitten werden.
Wenn einer von den Christen, von den Heidenchristen, nicht an der Güte Gottes bleibt und nicht aufhört, auf die Gnade Gottes zu vertrauen, wenn er aufhört, wenn einer nicht bleibt und aufhört, an die Gnade Gottes zu vertrauen, dann ist er draußen. Wenn ein Heide, der Christ geworden ist, ein Wiedergeborener, aufhört, an die Gnade Christi zu glauben, ist er wieder draußen.
Das hat die ganze Frage schon gelöst, die Frage, die immer wieder diskutiert wird: Ja, kann denn ein Christ oder ein Wiedergeborener wieder draußen sein? Paulus lehrt es ja gerade hier. Er sagt: Pass auf, dass du nicht wieder ausgeschnitten wirst, dass er dich nicht, sonst wirst auch du abgeschnitten werden.
Die Wiederannahme der Einzelnen und das Geheimnis der Fülle
Aber auch jene, wenn sie nicht im Unglauben bleiben, werden eingepfropft werden.
Wir wollen hier eine Pause machen, für zehn Minuten, und dann weitermachen. Stehen wir noch auf zum Gebet.
Ja, wir sind jetzt in Kapitel 11, Vers 24 gewesen. Ich lese noch einmal Vers 23 und 24:
Aber auch jene, wenn sie nicht im Unglauben bleiben. Wer sind jene? Einzelne Israeliten, die nicht im Unglauben bleiben. Es geht nicht um ein kollektives Israel. Das geht ja gar nicht. Er kann ja nicht sagen, wenn Israel kollektiv nicht im Unglauben bleibt, also ob alle gleichzeitig glauben und gleichzeitig ungläubig sind. Das war ja nicht der Fall. Die waren ja nicht gleichzeitig ungläubig, die waren Schritt für Schritt ungläubig. Das Evangelium kam ja von Dorf zu Dorf, von Staat zu Staat, bis nach Rom oder wo überall Juden waren. Es geht also gar nicht, dass er mit dem Unglauben das Kollektiv meint. Einzelne, jeder einzelne, also wenn sie, das heißt jeder einzelne, nicht im Unglauben bleiben, werden sie wieder eingepfropft werden.
Wie denn? Er hat es die ganze Zeit gesagt: wie? Indem sie gläubig werden. Der Weg, wie die Israeliten wieder reinkommen, ist genau der Weg, wie sie rauskamen, nur umgekehrt. Durch Unglauben kamen sie raus, durch Glauben kommen sie rein. Das ist der Weg. Werden sie eingepfropft werden. Wann? Genau dann, wenn sie sich bekehren. Wann will er denn, dass sie sich bekehren? Irgendwann in der Zukunft? Nein, jetzt ist der Tag des Heils. Jetzt müssen sie sich bekehren. Das ist ja sein ganzes Ringen. Er ringt ja um Israel, Kapitel 10, Vers 1. Mein Flehen zu Gott ist, dass sie gerettet werden. In Kapitel 9 sagt er auch: Am liebsten wäre ich draußen. Ich würde meinen Platz freimachen, sagt er. Ich würde rausspringen, damit sie reinkönnten.
Also das geht um jetzt. Das Jahr 56 schreiben wir, immer noch.
Gut, Vers 24: Denn wenn du, der von dem von Natur wilden Ölbaum abgeschnitten und gegen die Natur in den edlen Ölbaum eingepfropft wurdest, wie viel mehr werden diese, die natürlichen Zweige, in den eigenen Ölbaum wieder eingepfropft werden?
Unter welcher Bedingung? Hat Gott vorher gesagt: wenn sie glauben. Also Gott wird sie gerne wieder einnehmen, hereinnehmen. Gott wird sie gerne, dass sie sagen: Das ist ja euer Baum. Dann nimmt er die Zweige, die liegen immer noch am Boden. Dann nimmt er die Zweige vom Boden und tut sie wieder rein. Die Zweige sind nicht verbrannt, die Zweige sind noch da. Das Gericht hat noch nicht stattgefunden. Vierzehn Jahre sind es noch, bis zum Jahr siebzig.
Das Geheimnis der teilweisen Verhärtung
Vers 25 Denn ich will nicht, Brüder, dass euch dieses Geheimnis unbekannt sei, damit ihr euch nicht selbst klug dünkt.
Ich lese hier den Text noch einmal von der Folie, weil ich das jetzt ganz genau lesen möchte. Sie stehen jetzt ganz unten auf der Folie. Sie können Ihre Bibel mitlesen und zuhören, wenn ich den Text lese.
Nochmal: Denn ich will nicht, Brüder, dass euch dieses Geheimnis unbekannt sei, damit ihr euch nicht selbst klug dünkt: Verhärtung ist Israel zu einem Teil oder in einem gewissen Maß widerfahren, und sie widerfährt ihm immer noch, bis die Fülle der Heiden, also derer, die von den Heiden sind, eingegangen ist oder hereingekommen ist.
Jetzt zuerst zur Übersetzung. Verhärtung zu einem Teil – was heißt das? Denken wir daran: Wie war die Verhärtung Israels, wie geschah sie? Sie geschah sukzessive, und sie geschah nicht für tausend Jahre. Nein, sie geschah für eine gewisse Zeit. Die Verhärtung war da. Sie waren so hart geworden, dass sie dann zum Teil die Judenchristen verfolgten, die eigenen Brüder verfolgten, bis aufs Blut. Und so kommt das Evangelium immer weiter zu den Heiden.
Und überall, wo sie hinkamen: Die Juden waren übrigens die schlimmsten Christenverfolger im ersten Jahrhundert. Das war der Feind der Christen, das waren die Juden. Lesen Sie den Thessalonicherbrief, dann sehen Sie es. Im Thessalonicherbrief, im Zweiten, 1. Thessalonicher 2,15-16, sagt Paulus sehr ernste Worte. Ich lese das vor, weil das hier gut dazu passt.
1. Thessalonicher 2,15-16: die auch den Herrn Jesus töteten und die eigenen Propheten und euch verfolgten und Gott nicht gefallen und allen Menschen Gegner sind, die uns hindern, zu denen, die von den Heiden sind, zu reden, damit sie gerettet werden, womit sie allezeit ihre Sünden zur Fülle bringen; aber der Zorn ist auf sie gekommen, um ein Ende zu machen.
Welcher Zorn denn? Der Thessalonicherbrief wurde im Jahr 50 geschrieben. Welcher Zorn denn? Welcher Zorn ist auf diese Israeliten gekommen? Zwanzig Jahre noch – die sammeln sich jetzt schon Zorn auf, auf diesen Tag, wo das Gericht losbrechen wird. Ein zeitliches Gericht, ja, aber es ist ein Gericht gewesen. Der Zorn ist schon auf sie gekommen. Das heißt, es ist nur noch eine Frage von ein paar Jahren. Paulus weiß nicht, wie lange noch, aber der Zorn kommt, um ein Ende mit ihnen zu machen. Das sind sehr ernste Worte.
Also, jetzt gehen wir zurück zu Römer 11. Also: Ich will nicht, dass euch dieses Geheimnis unbekannt sei. Was ist denn das Geheimnis, worum geht es denn Paulus? Das muss etwas sein, was im Alten Testament nirgends geoffenbart war. Was ist das Geheimnis?
Das Geheimnis ist: Die Verhärtung, diese sukzessive Verhärtung, ist Israel widerfahren und widerfährt ihm immer noch. Im Griechischen steht ein Perfekt. Perfekt heißt Vergangenheit und anhaltend bis zur Gegenwart. Also: Verhärtung ist Israel widerfahren und widerfährt ihnen immer noch. Es sind ja immer noch Juden, die Nein sagen, und Gott macht wieder zu. Und weiter sind welche, die Nein sagen, Gott macht wieder zu. Verhärtung geschieht durch die ganze Zeit hindurch.
Wie lange denn? Bis die Fülle der Heiden eingegangen ist. Was ist das? Bitte nicht Vollzahl. Wenn Sie Vollzahl haben, dürfen Sie das getrost streichen. Das griechische Wort heißt pläroma, und pläroma heißt einfach Fülle. Was heißt, was ist eine Fülle? Wir sagen auch: Es war eine Fülle von Menschen da. Da meinen wir nicht, eine Vollzahl von Menschen war da. Wir sagen: Es war eine Fülle von Menschen da. Das heißt: Eine ganz große Schar von Heiden kommt herein.
Und was kommt dann? Das Evangelium geht immer weiter hinaus. Juden werden verhärtet, weil sie nicht glauben wollen. Das Evangelium geht zu den Heiden. Juden werden verhärtet, das Evangelium geht zu den Heiden. Es geht immer so weiter, bis wann? Bis eine so große Schar von Heiden eingegangen ist. Das Evangelium kam ins ganze Römische Reich. Und was war dann? Dann kam das Gericht. Das heißt, dann wird ein Endpunkt gesetzt.
Die Verhärtung, diese teilweise Verhärtung und sukzessive Verhärtung, ist immer mit dem Ziel da, um sie zur Eifersucht zu reizen. Das heißt: Dieser ganze Prozess der Verhärtung geschieht, damit es zu den Heiden geht, damit die wieder gereizt werden; nächstens Verhärten, damit es zu den Heiden geht, damit die Juden wieder gereizt werden; nächster Ort Verhärtung. So geht es weiter.
Wie lange geht es so weiter? Bis so viele Heiden, bis das Evangelium im ganzen Römischen Reich hinausgegangen ist, die ganze Menge der Heiden das Evangelium gehört hat. Und dann kommt ein Gericht, genau das Gericht, das Petrus und Paulus die ganze Zeit vorausgesagt haben. Das Gericht über Israel kommt dann. Das ist hier der Gedanke.
Wenn wir rein den Text sprechen lassen und den Zusammenhang des Textes: Wir brauchen keine anderen Bibeltexte. Wir legen Römer 9 bis 11 aus. Wir wollen nicht andere Texte auslegen. Das ist unser Text von Paulus. Die Römer haben das gelesen, und sie konnten es verstehen. Es geht um die Art, wie Gott es macht, um Israeliten doch noch reinzukriegen. Es geht bis zu einem Schlusspunkt.
Paulus hat gesagt: Das Gericht kommt bald, 1. Korinther 9,28, Gott wird eine summarische Abrechnung machen, und es wird rasch geschehen über das ganze Land. Und es kam die summarische Abrechnung, die war so schrecklich. Das heißt: Bis zu diesem Jahr 70 nach Christus ging es immer so, den Juden zuerst, dann die Griechen, damit sie die Juden wieder zur Eifersucht reizen. Dieser Zirkel oder dieses Vorgehen war die gesamte Zeit der Heidenmission des Apostels Paulus.
Wir sprechen hier von ihm, von seinem Dienst. Wir sprechen nicht von der Weltmission von Zinzendorf, das ist nicht das Thema, oder von irgend sonst jemandem, heutigen Missionaren. Das ist nicht das Thema. Das Thema ist die damalige Situation, in der Paulus den Brief geschrieben hat, und es geht um seine Heidenmission. Er sagt: Ich bin stolz auf meinen Dienst unter den Heiden, denn ich mache diese Mission, um die Juden zur Eifersucht zu reizen. Es geht um ihn.
Das heißt: Der reine Kontext des Textes selber führt mich dahin. Es kann nur um eine Sache des ersten Jahrhunderts gehen hier und nicht um eine Sache von neunzehn Jahrhunderten oder zweitausend Jahren. Das ist nicht das Thema.
Das ganze Israel und die endgültige Zusammenfassung des Handelns Gottes
Und was geschieht dann? Dann sagt er in Vers 26: Auf diese Weise wird ganz Israel gerettet werden. Wovor gerettet werden? Vor diesem schrecklichen Gericht und natürlich im Endeffekt auch vor dem ewigen Gericht, das ist ja klar.
Aber auf diese Weise kommt Gott zu seinem Israel. Nicht die Heiden, er spricht nicht von den Heiden, er spricht von den Juden. Wie kann ein Jude gerettet werden vor dem Gericht? Genau gleich wie die Heiden: Er muss zum Messias kommen.
Wenn ein Jude, der abgebrochen ist, als Zweig unten am Baum liegt, was muss er machen? Er muss glauben, dann wird er eingepfropft. Und wenn er nicht glaubt, kommt eines Tages der Gärtner, nimmt alle Zweige zusammen und wirft sie ins Feuer. Dann ist es aber zu spät, dann kann er sich nicht mehr bekehren.
Das Gericht war 14 Jahre später. Der Gärtner kam und hat alles weggenommen, und das Gericht kam. Der Herr Jesus hat auch sein Gleichnis verwendet. Da war es ein, was war das, auch ein Feigenbaum, glaube ich, oder? Ein Feigenbaum, nicht ein Ölbaum, ein Feigenbaum. Da sagt er, da war ein Gärtner, der hat einen Feigenbaum, und der Besitzer des Feigenbaums kommt und schaut sich den Feigenbaum an, der bringt keine Frucht. Was machen wir mit dem Feigenbaum? Sagt der Besitzer: Weißt du was, Gärtner, spar dir die Mühe, wir hauen den Feigenbaum jetzt um, und dann ist Schluss.
Dann sagt der Gärtner: Ach Chef, können wir nicht noch ein bisschen warten? Ich mache es jetzt, ich probiere noch einmal. Ich lasse ihn noch ein Jahr stehen, ich dünge den Boden und ich grabe neu, und vielleicht bringt er doch noch Frucht. Das wird auch so gut. Dann lasst ihn stehen!
Das war ein Bild auf das Volk Israel, genau die Juden der damaligen Zeit. Das hat der Jesus auch verwendet. Gott hätte sagen können: So, ihr Israeliten, ihr habt den Messias verworfen. Ich war jetzt drei Jahre unter euch, fast drei Jahre. Gegen Ende seines Dienstes sagte der Herr Jesus das. Jetzt war ich drei Jahre, und ihr glaubt nicht. Jetzt hauen wir euch um, jetzt kommt Gericht.
Und Gott hätte Israel richten können, damals, als er sagte: Nein, gib mir noch eine Chance. Und dann gibt Gott ihnen noch eine Chance. Wie lange? Nicht ein Jahr, vierzig Jahre gibt er ihnen noch eine Chance, bevor das Gericht kommt.
Was hat Johannes der Täufer gesagt? Die Axt liegt schon an der Wurzel der Bäume, und der Baum, der nicht Frucht bringt, wird abgehauen werden und ins Feuer geworfen werden. Gott sagte: Na, wir warten noch. Das Gericht hätte gleich kommen können, na, wir warten noch.
Ich denke jetzt gerade noch an Maleachi. Wenn Sie mit mir lesen wollen, Maleachi Kapitel 3, Vers 23 am Ende, am Ende von Maleachi, da heißt es in Vers 22: Gedenket der Weisung Mose, meines Knechtes, dass ich ihm auf dem Horeb an ganz Israel geboten habe, Satzungen und Rechtsbestimmungen. Siehe, ich sende euch Elija, den Propheten, ehe der Tag Jachwes kommt, der große und furchtgebietende. Und er wird das Herz der Väter zu den Kindern und das Herz der Kinder zu ihren Vätern wenden, damit ich nicht komme und das Land mit dem Bann schlage.
Wer war denn der Elia, der das Herz der Väter zu den Kindern wenden sollte? Wer war der Elia? Ja, Lukas 1, Lukas 1, das Kind im Bauch von Elisabeth. Der wird das Herz der Väter zu den Kindern wenden, der wird dem Herrn ein zugerüstetes Volk bereiten. Das ist der Elija, der kommen soll. Und also dann kam Johannes der Täufer.
Da haben die Jünger gefragt: Muss nicht vorher der Elija kommen? Sagt er: Der Elija ist schon längst gekommen. Der Elija, der muss vorher kommen, sagt er. Ja, der Elija muss vorher kommen, so steht es in Maleachi, aber der war schon da, Matthäus 11. Elia war schon da, und wenn ihr es haben wollt: Er, Johannes, er ist der Elija. Er ist der, nicht die Reinkarnation des Elija, wie die Pharisäer meinten in Johannes 1, nein, natürlich nicht. Aber er war im Geist und in der Kraft des Elija aufgetreten.
Und was hat dieser gesagt? Was sagt der Elija? Der soll das Volk Gottes vorbereiten auf den König, damit Gott nicht komme und das Land mit dem Bann schlage. Wann ist Gott gekommen und hat das Land mit dem Bann geschlagen, mit dem Verfluchungsbann? Wann kam der? Im Jahr 70 nach Christus. Ganz genau, das war genau das Gericht, das Johannes der Täufer vorausgesagt hat. Und das ist hier, worum es hier auch geht.
Auf diese Weise wird ganz Israel gerettet werden, auf diese Weise, wenn die sich reizen lassen zur Eifersucht, immer und überall, wo sie jetzt kommen, das ganze Israel, das ganze Römische Reich, immer die Israeliten, wenn sie sich reizen lassen. Auf diese Weise wird ganz Israel gerettet werden. Heißt das jetzt jeder Jude des Römischen Reiches? Natürlich nicht. Bei den Heiden war es auch nicht jeder Heide des Römischen Reiches. Die Fülle der Heiden, die eingegangen ist, das heißt ja auch nicht jede einzelne Heide des ganzen Römischen Reiches. Nein, das ganze Israel ist genau die Summe all derer Juden, die den Messias angenommen haben, die sich zur Eifersucht reizen ließen. Das übrige kam unter das Gericht.
Der Erlöser aus Zion und die abschließende Doxologie
Wir lesen weiter. Wie geschrieben steht: Es wird aus Zion kommen der Erlöser, der Befreier, und er wird das ehrfurchtslose Wesen, das gottlose Wesen von Jakob abwenden.
Denken wir zurück: der Erlöser aus Zion. Hat nicht Paulus schon in Kapitel 10 etwas von Zion geschrieben? Was war da mit Zion? Wo haben wir gelesen? Zion, Kapitel 10. Siehe, ich lege in Zion einen Stein. Jetzt gibt es Leute, die haben sich an diesem Stein gestoßen, die sind gestolpert und gefallen. Andere sind zu diesem Stein gekommen und haben an ihn geglaubt. Und sie wurden gerettet. Wer an ihn glaubt, wird nicht zu Schanden werden.
Der Befreier, der Erlöser, das ist der Jesus von Nazaret, in Bethlehem geboren, nach Jerusalem gereist, in Jerusalem hat er das Erlösungswerk vollbracht. Und von Jerusalem aus hat er sich auf den Thron Gottes gesetzt, auf den Thron Davids. Und was hat er mit den Jüngern gemacht? Das Heil hat er durch die Jünger von Zion aus überall zu den Juden bringen lassen.
Von Zion aus wird der Befreier kommen. Der Befreier, Jesus Christus, kommt in Form der Evangeliumsbotschaft ins ganze Römische Reich, zu allen Juden. Von Zion aus ist die Botschaft ausgegangen. Von Jerusalem anfangend bis ans Ende des Römischen Reiches ging das Evangelium in jener Zeit.
Und was hat er gemacht? Dieser Erlöser hat Israel von ihren Sünden befreit, von ihrem gottlosen Wesen, das gerettete Israel. Wer sind die? Die Summe all derer, die den Messias angenommen haben. Wer den Messias damals angenommen hat, für den hat das Wort zugetroffen. Jakob, also die Nachkommen Jakobs, werden auf diese Weise von dem gottlosen Wesen befreit. Das gottlose Wesen wird abgewendet, und dieses ist für sie der Bund von mir, wenn ich weggenommen habe ihre Sünden.
Der Messias kommt, um von dem gottlosen Jakob seine Sünden wegzunehmen. Nicht kollektiv, das gibt es nicht. Kollektivvergebung gibt es nicht in der Bibel. Da muss jeder einzelne kommen, und jeder Jude, der kommt, bekommt Vergebung der Sünden, und Gott nimmt ihm die Sünden weg. Und da haben wir ein gerettetes Israel, ein ganzes Israel, die Summe all dieser Leute im ganzen Römischen Reich, wo das Evangelium überall hingegangen ist, die den Messias angenommen haben. Wir haben ein ganzes Israel.
Was hat Paulus gesagt, wenn die Schar der Israeliten so groß sein würde wie Sand am Ufer des Meeres, wer wird gerettet werden? Wer? Der Überrest. Und wer ist der Überrest? „Ich“, sagt Paulus, „gehöre zum Überrest, und all die anderen, die auch noch gläubig geworden sind, wir bilden den Überrest.“ Das ist das ganze Israel. Der Überrest, das sind alle, die zum Messias kommen. Und wenn der Überrest fertig ist, im ganzen Römischen Reich, von allen Juden, wo das Evangelium hingegangen ist, dann haben wir ein ganzes Israel. Sie wurden alle gerettet, einerseits vor dem zeitlichen Gericht, aber es war ja auch vor dem ewigen Gericht. Denn wenn die getötet worden wären, wären sie alle verloren, alle.
Die bleibende Erwählung und der Schluss des Abschnitts
Mit Samen, weiter, Vers 28:
Ja, gemäß der guten Botschaft sind sie Feinde. Wer? Die Juden. Sie waren so schlimme Feinde, dass sie Christen bis aufs Blut verfolgt haben. Sie haben Stephanus getötet, und dann ging die Verfolgung los. Überallhin haben sie die Christen verfolgt. Feinde des Evangeliums. Gemäß der guten Botschaft sind sie Feinde, euretwegen. Gemäß der Erwählung aber sind sie Geliebte, der Väter wegen.
Gott denkt an seine Erwählung. Welche Erwählung denn? Denken wir zurück an Römer 9. Römer 9: Esau habe ich gehasst, Jakob habe ich geliebt. Das historische Israel, das historische Israel, das war das fleischliche Israel. Gott hatte es anerkannt als sein Volk bis zum Tag des Gerichtes. Das war das historische Israel, sein Volk. Und Gott hat daran gedacht. Gott hat sich dazu gestellt, zu seiner Erwählung. Deshalb hat er so gerungen um sie. Gemäß der Erwählung sind sie Geliebte.
Gott liebte die Israeliten. Gott liebte sie so sehr, dass er 26 Jahre wartete und dann noch 14 Jahre wartete, bevor das Gericht kam. Das ist seine Güte, seine Barmherzigkeit, seine Liebe zu diesem Volk.
Übrigens: Wenn er sagt Geliebte, dann heißt das nicht, dass sie gerettet sind. Geliebte heißt nur, dass er sie im Blick auf Abraham, Isaak und Jakob als sein Volk geliebt hat. Es gab genügend Juden, die gestorben sind und in die Hölle gegangen sind. Aber sie gehörten auch zu den Geliebten. Kaiaphas und Hannas, die Hohen Priester, die verantwortlich waren für die Tötung Jesu, das waren die Geliebten. Das waren Gottes geliebte Juden, sind aber in der Hölle, sind verloren.
Gemäß der Erwählung sind sie Geliebte der Väter wegen, denn unbereubar sind die Gnadengaben und das Rufen Gottes. Gott hat es nicht bereut, in Abraham, Isaak und Jakob sein fleischliches Israel erwählt zu haben. Gott hat es nicht bereut. Er hat sich zu diesem Israel gestellt bis zum letzten Punkt.
Denn gleich wie auch ihr einst im Unglauben Gott nicht gehorchtet, nun aber Barmherzigkeit erfahren habt durch ihren Ungehorsam, so waren auch diese nun im Unglauben ungehorsam zugunsten eurer Barmherzigkeit, damit auch sie Barmherzigkeit erfahren möchten.
Jetzt ist das eine Zusammenfassung von dem Zyklus. Das, was er jetzt die ganze Zeit erklärt hat, von Kapitel 9 bis Kapitel 11, sagt er hier in einem Vers. Er sagt: Schaut, früher habt ihr Gott nicht gehorcht, die Heiden, konkret diese Heidenchristen, wie sie alle da saßen in Rom. Ihr habt früher Gott nicht gehorcht. Aber nun habt ihr Barmherzigkeit bekommen. Warum? Weil Israel den Messias verworfen hat.
Ihr Heidenchristen in Rom, die ihr da sitzt, ihr habt nur deshalb Barmherzigkeit bekommen, weil Israel seinen Messias verworfen hat. Und weil durch die Verwerfung des Messias, durch diese sukzessive Ungehorsamkeit, das Evangelium bis nur zu euch nach Rom gekommen ist. Ihr habt dieses Evangelium aus reiner Barmherzigkeit bekommen. Durch ihren Ungehorsam.
Vers 31: So waren auch diese, die Juden, nun im Unglauben ungehorsam zugunsten eurer Barmherzigkeit, damit auch sie Barmherzigkeit erfahren möchten. Sie waren ungehorsam, damit durch die Heidenmission sie zur Eifersucht gereizt werden möchten. Wunsch, das ist der Wunsch, dass es geschehen sollte. Gottes Weg war, die Juden jetzt praktisch über die Heidenmission zu erreichen. Und alle, die sich rufen lassen haben, die haben Barmherzigkeit bekommen. Aber es bekamen nicht alle. Warum? Weil einige blieben. Einige blieben trotzdem stur. Viele blieben ganz stur und hart bis zum Schluss.
Aber so waren auch diese nun im Unglauben ungehorsam zugunsten eurer Barmherzigkeit, damit auch sie, die einzelnen Juden, wieder gemeint, nicht kollektiv. Es gibt keine kollektive Barmherzigkeit. Damit auch sie, die einzelnen Juden, Barmherzigkeit erfahren möchten. Denn Gott schloss alle zusammen ein in den Ungehorsam: die Heiden und die Juden. Das ist der Sinn von alle. Alle: Die Heiden waren ungehorsam vorher, die Juden waren ungehorsam nachher. Von den Heiden haben sich viele bekehrt, damit die von Israel dann schlussendlich zur Eifersucht gereizt werden und auch hineinkommen.
Vers 32: Denn Gott schloss alle zusammen ein in den Ungehorsam, damit er allen Barmherzigkeit widerfahren lassen. Allen, nicht kollektiv. Nicht alle Heiden der ganzen Welt bekommen Barmherzigkeit, nein, einzeln diejenigen, die sich bekehren. Und Juden, nicht alle Juden kollektiv, sondern einzelne Juden, alle, die sich bekehren, die bekommen Barmherzigkeit. Alle, sagt er jetzt hier, weil er global denkt. Er sagt die Heiden global, die Juden global, deshalb alle. Aber es ist klar, dass es keine kollektive Bekehrung und keine kollektive Barmherzigkeit gibt.
Lobpreis Gottes und die Zusammenfassung des ganzen Abschnitts
O die Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Kenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Urteile und unaufspürbar seine Wege! Wer kannte den Sinn des Herrn, und wer wurde sein Mitberater? Und wer gab ihm zuvor, und es wäre ihm zu vergelten? Denn von ihm und durch ihn und zu ihm hin sind alle Dinge. Ihm gebührt die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Paulus kann nur eines: Er kann Gott loben, loben und nochmals loben. Er kann nur erstaunen, dass hier Gottes Weisheit wahr ist, dass er diesen Weg gegangen ist. Wenn sie nicht wollten, hat er sie verhärtet, verhärtet, verhärtet, verhärtet. Aber damit immer bei jeder Verhärtung dann das Evangelium zu den Heiden kommen konnte und dann jedes Mal der Bumerang zurückkommen konnte, dass Juden doch wieder gereizt werden zur Eifersucht. Das ist Gottes Weg, sagt er. Diesen Weg ist Gott gegangen. Das ist erstaunlich, welche Weisheit. So kommt Gott zu seinem Israel, zu seinem ganzen Israel.
Wir wollen hier schließen. Oder wenn jetzt eine dringende Frage ist: Wir haben noch ein paar Minuten Zeit. Sind jetzt Fragen dazu? Dann kann ich mir gerne noch ein paar Minuten Zeit nehmen. Aber mein Anliegen ist: Versuchen Sie wirklich nur, den Text sprechen zu lassen, und jetzt nicht irgendwelche Theorien hineinzupacken in den Text. Bleiben wir immer in dem Rahmen, in dem das geschrieben wurde.
Ich habe gesagt, wir schreiben das Jahr 56 nach Christus. Und wenn wir einen Brief lesen, den der Apostel Paulus geschrieben hat, müssen wir immer daran denken, wann er ihn geschrieben hat, an wen er ihn geschrieben hat und warum er ihn geschrieben hat, was der Zweck war, warum er ihn geschrieben hat. Und das ist hier der Zusammenhang. Man nennt das Kontext, Zusammenhang, den geschichtlichen Zusammenhang. Jedes Buch der Bibel müssen wir so lesen, dass wir den geschichtlichen Zusammenhang wahren.
Ich gebe zu, der Text ist schon einiges zu arbeiten. Aber ich denke, wenn wir den Text in dem Rahmen lassen, in dem er geschrieben wurde, damals, und nicht phantasieren und die ganze Weltgeschichte der letzten zweitausend Jahre hineinlesen wollen, dann wird der Text einfacher zu verstehen sein. So ist es bei vielen anderen Texten auch.
Auf diese Weise also kommt Paulus zu diesem Schluss. Jetzt hat er sein Thema, das er angerissen hatte in 9,6. Jetzt hat er die Frage beantwortet, wo die Frage gestellt wurde: Ist denn jetzt Gottes Wort hinfällig geworden? 9,6 Nein, das heißt nicht, dass das Wort Gottes hinfällig geworden wäre. Gottes Wort, das er im Alten Testament verheißt hat über die herrliche Zukunft Israels, die ewige Zukunft Israels, die ist erfüllt.
Gott hat dieses Wort erfüllt. Der Messias sitzt auf dem Thron, und die aus den Heiden sind aus Gnade eingepfropft worden in eine israelitische herrliche Verheißung und ein herrliches Erbe. Ja, dann wollen wir hier schließen. Wir könnten auch aufstehen zum Gebet, und vielleicht beten einige von uns, und ich schließe dann ab.

