Serie•Teil 13 / 64Apostelgeschichte
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Ein langer Konflikt und die Frage nach dem Tempel
Wir machen weiter in der Apostelgeschichte, Apostelgeschichte Kapitel sechs, und wir werden uns heute mit einem sehr langen Text beschäftigen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich irgendwann schon mal bei euch einen so langen Text gepredigt habe. Ich würde vermuten, dass nicht.
Stephanus, den haben wir das letzte Mal in der Apostelgeschichte kennengelernt, einer von den Diakonen, und ich lese euch einmal Apostelgeschichte 6,8-15 vor:
Stephanus aber, voller Gnade und Kraft, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk. Es standen aber einige aus der sogenannten Synagoge der Libertiner und der Kyrenäer und der Alexandriner auf, also Juden, die sich in einer Synagoge getroffen haben und dort irgendwie zusammengehörten. Wenn sie gegen ihn aufstehen, heißt das, dass sie sich an ihm ärgern und zusammen gegen ihn reden, und derer von Zilizien und Asien, und stritten mit Stephanus. Und sie konnten der Weisheit und dem Geist nicht widerstehen, womit er redete.
Das ist immer ärgerlich, wenn man sich mit jemandem streitet und der andere ist klüger. Was mache ich dann? Na ja, da schoben sie heimlich Männer vor, die sagten: Wir haben ihn lästerliche Worte reden hören gegen Mose und Gott. Und sie erregten das Volk und die Ältesten und die Schriftgelehrten. Und sie fielen über ihn her, rissen ihn mit sich fort und führten ihn vor den Hohen Rat.
Hohen Rat kennen wir schon, das war das Gremium, wo sich die Apostel jetzt schon zweimal verteidigen mussten. Also jetzt ist Stephanus da. Und sie stellten falsche Zeugen auf, die sagten: Dieser Mensch hört nicht auf, Worte zu reden gegen die heilige Stätte und das Gesetz, also gegen den Tempel und gegen die Gebote. Denn wir haben ihn sagen hören: Dieser Jesus, der Nazaräer, wird diese Stätte zerstören und die Gebräuche verändern, die uns Mose überliefert hat.
Und alle, die im Hohen Rat saßen, schauten gespannt auf ihn und sahen sein Angesicht wie eines Engels Angesicht.
Also ganz schwere Vorwürfe gegen Stephanus im Hohen Rat. Er redet gegen die heilige Stätte, gegen den Tempel und gegen das Gesetz. Er soll gesagt haben, dass Jesus den Tempel zerstören und die Gebräuche verändern würde. Man muss sich jetzt vorstellen: Für einen Juden sind das absolut ungeheuerliche Vorwürfe. Wenn jemand so etwas wirklich sagen würde, das klingt nach Blasphemie, das darf man nicht sagen.
Die eigentliche Spannung hinter den Vorwürfen
Frage: Wie verteidigt sich Stephanus an der Stelle? Klar, die Vorwürfe waren vorgeschoben. Klar, die Zeugen waren gekauft. Klar, das Zitat von Jesus war falsch; das hat Jesus so nie gesagt.
Das Problem ist: In dem, was behauptet wird, steckt ein Körnchen Wahrheit, vielleicht sogar mehr als nur ein Körnchen Wahrheit. Jesus hatte nämlich tatsächlich die Bedeutung des Jerusalemer Tempels verändert, und nicht nur die Bedeutung des Tempels, sondern auch des Dienstes rund um den Tempel.
Stellt euch vor, man hatte jahrhundertelang Lämmer geschlachtet, Tausende von Lämmern. Und dann war Jesus als das Lamm Gottes gekommen, das ein für allemal für die Sünden der Menschen geschlachtet wurde. Und plötzlich braucht es keine Opfer mehr. Und Jesus ist der ewige Hohe Priester.
Und ich möchte euch an dieser Stelle raten: Wenn euch das Thema interessiert, lest den Hebräerbrief. Gebt euch heute Nachmittag den Hebräerbrief, dreizehn Kapitel, einfach mal auf die Ohren, bis ihr dann bei Hebräer 13,15 ankommt, bei dem Opfer des Lobes. Gebt euch das, um zu sehen, wie Jesus in diese Zeit einbricht und das Denken der Juden verändert.
Er ist der ewige Hohe Priester, der nach der Weise Melchisedeks mit seinem eigenen Blut ein für allemal in ein himmlisches Heiligtum hineingeht. Und er hat dort ein für allemal Sühnung für die Sünden der Welt getan. Und deswegen muss man nüchtern sagen: Braucht man doch eigentlich keine irdischen Priester mehr.
Mit seinem Sterben, mit seiner Auferstehung, mit der Himmelfahrt, damit er sich zur Rechten Gottes gesetzt hat im Himmel, und damit er den Heiligen Geist gesandt hat, war ein ganz neuer Bund angebrochen. Es gab ein neues Verhältnis zwischen Gott und Mensch. Dieses Verhältnis war in eine ganz neue Phase eingetreten.
Der alte Bund, geschlossen mit dem Volk Israel am Berg Sinai, der war vorbei. Der war ein Auslaufmodell, der war überholt. Im Tempel, als Jesus stirbt, zerreißt dieser dicke Vorhang, der das Heilige vom Allerheiligsten trennt, mitten entzwei. Man kann sich das vorstellen: Der nächste Priester, der in den Tempel reingeht, erwartet, dass sein Blick jetzt auf diesen Vorhang fällt. Und da hängt er dann so links und rechts, und er schaut ins Allerheiligste hinein. Er schrickt, weil er da gar nicht reinschauen darf. Da darf doch nur der Hohe Priester einmal im Jahr so ganz vorsichtig reingehen.
Der Vorhang zerreißt, und Gott macht klar: Mit dem, was auf Golgatha passiert ist, ist der Weg direkt in den Thronsaal Gottes, zum Allerheiligsten, für jeden Gläubigen frei. Und der Weg dorthin, in die Gegenwart Gottes, das war kein jüdisch-zeremonieller Weg. Der brauchte keinen Priester, der brauchte keinen irdischen Tempel, der brauchte keine Tieropfer. Der brauchte genau eine Sache, nämlich Glauben an einen Menschen, der gleichzeitig Gott war, nämlich Glauben an Jesus von Nazareth.
Gottes Weg durch die Geschichte
Und wenn Stephanus jetzt anfängt, diese Wahrheiten zu verstehen, wenn er die Gemeinde, die sich traf, sah und wenn er begriff, dass heute die Gemeinde Gottes, der Tempel Gottes, ist, dass der eigentliche Hohepriester der Herr Jesus ist, dass wir als gläubige Männer und Frauen Teil einer neuen Priesterschaft sind, dass, wie Jesus das ausgedrückt hat, neuer Wein, das heißt die neue Religion des neuen Bundes, des Christentums, auch wirklich in neue Schläuche gehört, in eine neue Form, nicht Judentum 2.0, sondern etwas ganz Neues, was sollte er dann gegen die Anklagepunkte sagen, dass er tatsächlich den Tempel irgendwie abreißen und die Gebräuche verändern wollte?
Gerade Jesus hat das nicht so gesagt, wie die Ankläger es formuliert hatten. Aber eigentlich stimmte es doch. Es war jetzt nicht wirklich weit weg von der Wahrheit. Wie kann ich mich in so einer Situation verteidigen?
Was Stephanus tut, ist: Er hält eine Rede. Und diese Rede ist spannend, weil er den Schwerpunkt seiner Rede auf Gott legt. Er beschreibt, wie Gott mit seinem Volk handelt. Er beschreibt die zutiefst dynamische Beziehung zwischen Gott, der mit Abraham anfängt und dann weitermacht, eine Geschichte schreibt mit seinem Volk, eine zutiefst auf Beziehung angelegte wechselseitige Beziehung, die zum Zeitpunkt der Verhandlungen vor dem Hohen Rat noch lange nicht abgeschlossen war.
Und deswegen, wenn ich mit euch durch diese lange Rede gehe, und wir werden sie uns heute komplett anschauen, wir werden uns zwei Seiten Bibel gleichgeben, dann möchte ich euch bitten, dass ihr auf drei Punkte achtet.
Punkt eins: Für Stephanus ist es ganz wichtig, dass Gott sich zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlichen Menschen offenbart und durch sie zu seinem Volk redet. Da ist Abraham, aber da gibt es auch einen Joseph, einen Mose, einen Joshua, einen David, einen Salomo, einen Amos, einen Jesaja. Es sind immer Menschen, durch die Gott sich offenbart.
Und jetzt für die Theologen: Klar, er offenbart sich auch in der Schöpfung, aber ich bin jetzt hier mal bei Stephanus.
Drei Leitgedanken in Stephanus’ Rede
Punkt zwei: Stephanus ist es wichtig, dass die Selbstoffenbarung Gottes progressiv ist, also voranschreitend. Gott offenbart sich am Anfang nicht mit allem, was es über ihn zu sagen gibt. Es ist nicht so, dass wir die Bibel lesen, den Sündenfall haben, und am Tag nach dem Sündenfall steht schon das Kreuz, und am übernächsten Tag ist dann gleich die Ewigkeit.
Sondern Gott nimmt sich Zeit. Gott offenbart sich Schritt für Schritt. Und jeder Schritt auf diesem Weg durch die Heilsgeschichte verlangt von seinem Volk Israel, dass es bereit war, sich neu auf Gott einzulassen, dass es bereit war, umzudenken und neue Wege zu gehen. Auf diese Weise wurde das Volk immer tiefer, Schritt für Schritt, in eine Beziehung mit Gott hineingeführt, die immer mehr das war, was Gott sich von Anfang an für den Menschen wünschte.
Das wird äußerlich zum Beispiel daran deutlich, wenn man nur die Anbetungsformen betrachtet. Es beginnt mit Abraham, der, wo auch immer er ist, sich einen kleinen Steinaltar baut. Nichts Großes. Dann folgt der nächste Schritt: die Idee, dass Gott unter seinem Volk wohnen möchte. Das setzt Gott um in Form einer Stiftshütte, so einer Art „Ikea-Heiligtum“, das man schnell auf- und abbauen konnte und das man hin und her tragen konnte. Aber auch das war noch nicht alles.
Dann kommt das Nächste, und plötzlich merken wir: In einer Stadt wird ein Tempel aufgerichtet. In Jerusalem steht ein Tempel. Also nichts mehr so Provisorisches, sondern etwas sehr Stabiles. Und wir werden merken, in dem, was Stephanus uns sagt, dass an dieser Stelle dieses permanente Zentrum der Anbetung selbst noch nicht alles ist. Denn in Kapitel 7, Vers 48 und 49 lässt er den Blick gleich weiterlaufen. Da heißt es in 7,48: Aber der Höchste wohnt nicht in Wohnungen, die mit Händen gemacht sind, wie der Prophet spricht.
Merkt ihr: Schon im Alten Testament ist immer klar, wir bleiben hier nicht stehen, wir wollen noch weitergehen. Was sagt denn der Prophet in Vers 49? Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel meiner Füße. Was für ein Haus wollt ihr mir bauen, spricht der Herr, oder welches ist der Ort meiner Ruhe? Hat nicht meine Hand dies alles gemacht?
Also immer der Blick nach vorne. Gott ist ein Gott, der immer weitergehen möchte. Gott ist ein dynamischer Gott.
Widerstand gegen Gottes neue Schritte
Und der dritte Punkt, der uns wichtig werden muss, ist: Stephanus betont, dass in den entscheidenden Elementen der Heilsgeschichte, dort, wo Gott einen Schritt weitergehen möchte, mit schöner Regelmäßigkeit die Leute, die es betrifft, nicht so mitmachen wollten. Sagen wir es einmal ganz vorsichtig.
Er sagt zum Beispiel in Apostelgeschichte 7,9, da geht es um die Patriarchen, die wollte Gott retten. Ja, was machen die Patriarchen? Neidisch auf Josef. Das ist so die Haltung. Gott möchte retten, Gott schickt einen Retter, und neidisch. Wo ein Retter auftaucht, sind die, die gerettet werden sollen, erst einmal nicht so furchtbar begeistert.
Und es braucht bei Josef einen zweiten Anlauf. Ich lese mal hier Vers 13: Und beim zweiten Mal wurde Joseph von seinen Brüdern wiedererkannt. Das ist beim zweiten Mal. Er hat immer so einen zweiten Anlauf.
Bei Mose ist das genauso. Da heißt es in Vers 25, nee, Quatsch, da heißt es in Vers 25: Er meinte aber, seine Brüder würden verstehen, dass Gott ihnen durch seine Hand Rettung gebe. Da geht es darum, dass er mit 40 Jahren das erste Mal wieder im Volk Israel ist und diesen einen in Ägypten erschlägt. Mose hat die Idee: Ich soll Retter sein. Und er dachte, das müssten wir doch verstehen. Sie aber verstanden es nicht. Wir werden nachher noch ausführlich lesen. Und dann gibt es erst einmal 40 Jahre Pause, und erst beim zweiten Durchlauf kann der Retter dann retten.
Also für Stephanus ganz wichtig: Wenn Gott Rettung schenkt, dann braucht es immer mehrere Anläufe. Und das ist dann ganz besonders auch bei den Propheten so. Denen ging es nicht besser. Je mehr sie über Gott geredet haben, je mehr sie über den Anspruch geredet haben, den Gott an sein Volk hat, desto brutaler wurden sie verfolgt. Da heißt es dann in Vers 52: Welchen der Propheten haben eure Väter nicht verfolgt?
Also: Wann immer Gott jemanden schickt, der Rettung bringen will, ist das Volk irgendwie dagegen. Und deswegen ist es auch nicht überraschend, dass, wenn zu Beginn des neuen Bundes Gott Jesus als Prophet und Retter schickt, die führenden Köpfe des Judentums genau das tun, was ihre Vorväter immer schon getan haben.
Und in den Worten des Stephanus hört sich das dann so an: Ihr Halsstarrigen und Unbeschnittenen an Herz und Ohren, ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist, wie eure Väter, so auch ihr.
Ja, das ist das Problem. Es gibt ein tiefes Problem in der Gesellschaft, in der jüdischen Gesellschaft des ersten Jahrhunderts, dass sie sich gegen das stellen, was Gott von ihnen möchte.
Die Geschichte Abrahams als Anfang einer Bewegung
Ich möchte mit euch durch diesen Text hindurchfliegen. Er ist, wie ich denke, nicht sonderlich kompliziert, weil er ja eigentlich ein Geschichtstext ist. Das heißt: Aus der Sicht eines Juden des ersten Jahrhunderts wird die Geschichte Israels erzählt.
Das Problem beim Lesen könnte folgendes sein: Die Art der Beschreibung ist gewöhnungsbedürftig. Und wenn du das Alte Testament gut kennst, wirst du auch an der einen oder anderen Stelle denken: Steht das eigentlich genau so im Alten Testament? Da gibt es so ein paar Formulierungen, bei denen man denkt: Das steht doch gar nicht so drin im Alten Testament.
Und deswegen eine Vorbemerkung.
Die Vorbemerkung geht so: Jede Religion hat ihre Tradition. In einer Tradition, ich mache mal ein Beispiel: Wenn wir eine Weihnachtspredigt hören, also im klassischen Weihnachtsgottesdienst, dann haben wir eine Tradition. Und in dieser Tradition gibt es die heiligen drei Könige. Natürlich wissen wir, dass das keine Könige waren, keine heiligen drei Könige und schon gar nicht drei. Das war eine x-beliebige Menge von Sterndeutern. Wir wissen eigentlich, wenn wir die Bibel lesen, auch, dass die nicht wie beim Krippenspiel kurz hinter den Hirten reinstapfen, sondern Monate später zu Maria und Josef kommen, wenn die schon lange in einem Haus wohnen. Das wissen wir.
Und trotzdem erlauben wir uns beim Weihnachtsgottesdienst die heiligen drei Könige. Also würde keiner sagen: Das Videoclip darfst du nicht bringen, weil da heilige drei Könige vorkommen. Und wir erlauben uns ein Krippenspiel, wo erst die Hirten kommen und dann, wenn sie gesungen haben, hier die heiligen drei und so. Wir erlauben uns das. Warum? Weil wir genau wissen: Das ist ein bisschen Geschichte. Es geht nicht darum, es geht um die Krippe, es geht um Jesus, es geht um das, wofür Weihnachten steht. Und jede Religion bastelt da außen herum so ein bisschen eine traditionelle Hülle, so will ich das mal formulieren, eine Hülle.
Und deswegen hast du, um ein Beispiel zu nennen, im Alten Testament am Berg Sinai spricht Gott zu den Menschen. Und in unserem Text wird der gute Stephanus sagen: Das waren Engel. Du sagst: Warum war das ein Engel? Na ja, weil die Juden des ersten Jahrhunderts genau das so dachten.
Und was Lukas als Biograf, als Geschichtsschreiber macht, ist: Er überliefert uns, was Stephanus gesagt hat. Und es geht Stephanus nicht darum, die Bibelkundeprüfung an der FTH zu bestehen. Versteht ihr? Es geht ihm darum, dass er dem Hohen Rat eine Idee verkauft, nämlich dass Gott ein Gott ist, der nicht statisch ist, sondern total dynamisch. Und dass sie aufpassen müssen in diesem Prozess des Voranschreitens, wo Gott einen Schritt nach dem anderen durch die Heilsgeschichte macht, nicht wie die, die früher falsch gemacht haben, es jetzt auch wieder falsch zu machen und an der entscheidenden Weggabelung wieder stehen zu bleiben, statt abzubiegen und weiterzulaufen. Darum geht es ihm.
Gut, so viel als Vorbemerkung. Und nochmals die drei Punkte:
Erstens: Gott offenbart sich zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlichen Menschen.
Zweitens: Die Selbstoffenbarung Gottes ist progressiv voranschreitend. Das Volk muss sich immer wieder auf Neues einlassen und umdenken.
Drittens: Jeder Schritt nach vorne ist verbunden mit einem inneren Widerstand.
Im Ganzen: Wenn man das Verhalten des Volkes Israel als Ganzes beschreiben wollte, kann man nicht sagen, dass es von Weisheit, Heiligkeit und Einsicht geprägt ist. Wir werden das sehen.
Also lasst uns durch die Rede des Stephanus fliegen.
Abrahams Berufung und die Linie der Verheißung
Apostelgeschichte, ab Kapitel sieben
Der hohe Priester aber sprach: Ist das so?
Er aber sprach: Ihr Brüder und Väter, hört. Der Gott der Herrlichkeit erschien unserem Vater Abraham, als er in Mesopotamien war, ehe er in Haran wohnte, und sprach zu ihm: So, jetzt haben wir das, merkt er ja. Gott spricht zu einem Menschen, er packt ihn. Das muss man sich so vorstellen. Ich finde das so irre. Ich kann da nicht drüber reden, aber stell dir vor, du bist so ein Abraham, du hast da so deine Ziegen und dein Zelt und deine Leutchen und ziehst so durch die Wüste, und da gibt es einen Tag X. So ein Moment, wo Gott zu dir spricht, das ist Hammer! Und Geschichte schreibt, mit dir, mit dir persönlich Geschichte schreibt.
Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und komm in das Land, das ich dir zeigen werde.
Da ging er aus dem Land der Chaldäa und wohnte in Haran. Und von da siedelte er ihn, nachdem sein Vater gestorben war, in dieses Land um, in dem ihr jetzt wohnt, nämlich Israel. Und er gab ihm kein Erbteil darin, auch nicht einen Fußbreit, und er verhieß, es ihm zum Besitztum zu geben und seinen Nachkommen nach ihm, obwohl er kein Kind hatte.
Gott aber sprach: So werden deine Nachkommen Fremdlinge sein in einem fremden Land, und man wird sie knechten und misshandeln vierhundert Jahre. Und die Nation, der sie dienen werden, werde ich richten, spricht Gott. Danach werden sie ausziehen und mir an diesem Ort dienen.
Und er gab ihm den Bund der Beschneidung. Und so zeugte er Isaak und beschnitt ihn am achten Tag, und Isaak den Jakob und Jakob die zwölf Patriarchen.
Der erste große Schritt, die Berufung Abrahams, der Weg von Mesopotamien über Haran nach Kanaan und der Bund der Beschneidung – so fängt das an.
Und man merkt schon: Das ist eine ganze Menge anders geworden bis ins erste Jahrhundert.
Josef, Rettung und der zweite Anlauf
Schauen wir weiter. Und die Patriarchen, also jetzt schauen wir uns die an, die die zwölf Stämme bilden, die Söhne Jakobs. Und die Patriarchen, neidisch auf Josef, verkauften ihn nach Ägypten. Gott aber war mit ihm und rettete ihn aus allen seinen Bedrängnissen. Er gab ihm Gunst und Weisheit vor dem Pharao und dem König von Ägypten und setzte ihn als Regenten über Ägypten und sein ganzes Haus ein.
Es kam nun eine Hungersnot über ganz Ägypten und Kanaan, und eine große Bedrängnis. Und unsere Väter fanden keine Speise. Als aber Jakob hörte, dass in Ägypten Getreide sei, sandte er unsere Väter zum ersten Mal aus. Beim zweiten Mal wurde Josef von seinen Brüdern wiedererkannt, und dem Pharao wurde die Herkunft Josefs bekannt. Josef aber sandte hin und ließ seinen Vater Jakob holen, und die ganze Verwandtschaft mit fünfundsiebzig Seelen. Jakob zog nun nach Ägypten hinab und starb, er und unsere Väter. Und sie wurden nach Sichem hinübergebracht und in die Grabstätte gelegt, die Abraham für eine Summe Geld von den Söhnen Hamors in Sichem gekauft hatte.
Also, wir merken: Gott ist ein Gott der Geschichte. Er beruft Abraham, er verheißt ihm, du wirst jetzt erst einmal nicht gleich in diesem Land bleiben können. Da gibt es eine Zwischenphase in Ägypten. Dann kommt, wie vorausgesagt, Israel tatsächlich nach Ägypten und trifft dort nicht ganz freiwillig am Anfang wieder auf Josef, der erst abgelehnt wurde, aber dann doch zum Lebensretter wird.
So, nächster Schritt. Plötzlich, also merkt ihr, wir haben eine Berufung irgendwo im Land der Chaldäer, ja, dann einen Weg, ja, und dieser Weg geht weiter. Ich möchte nur, dass ihr begreift: Gott ist nicht ein Gott, der einmal sagt, so, wir bauen jetzt hier in Jerusalem einen Tempel und fertig. Sondern er ist ein Gott der Geschichte, ein Gott der Bewegung, ein Gott der Beziehung. Dem einzelnen Menschen sind total wichtig, und er schreibt mit Menschen Geschichte.
Mose als abgelehnter Retter
So schauen wir uns nun einen anderen Retter an, der ebenfalls zunächst abgelehnt wird, nämlich Mose.
Als aber die Zeit der Verheißung nahte, die Gott dem Abraham zugesagt hatte, wuchs das Volk und vermehrte sich in Ägypten, bis ein anderer König über Ägypten aufstand, der Joseph nicht kannte. Jetzt sind plötzlich die Privilegien weg, die das Volk hatte. Dieser handelte mit List gegen unser Geschlecht und misshandelte die Väter, so dass sie ihre Säuglinge aussetzen mussten, damit sie nicht am Leben blieben.
In dieser Zeit wurde Mose geboren, und er war schön für Gott. Er wurde drei Monate im Haus seines Vaters aufgezogen. Als er aber ausgesetzt worden war, nahm ihn die Tochter des Pharaos zu sich und zog ihn als ihren Sohn auf. Mose wurde unterwiesen in aller Weisheit der Ägypter. Er war aber mächtig in seinen Worten und Werken.
Als er vierzig Jahre alt geworden war, kam es ihm in den Sinn, nach seinen Brüdern, den Söhnen Israels, zu sehen. Und als er sah, dass einem Unrecht geschah, verteidigte er ihn und rächte den Unterdrückten, indem er den Ägypter erschlug. Das war so das erste Mal, dass er als Retter auftritt.
Er meinte aber, seine Brüder würden verstehen, dass Gott ihnen durch seine Hand Rettung gebe. Sie aber verstanden es nicht. Gott will retten durch Mose. Mose ist vorbereitet, Gott tritt mit Mose in die Situation hinein, aber sie begreifen es einfach nicht. Sie verstehen es nicht.
Am folgenden Tag erschien er bei ihnen, als sie sich stritten, und trieb sie zum Frieden, indem er sagte: Ihr Männer, ihr seid Brüder, warum tut ihr einander Unrecht? Der aber, der seinem Nächsten Unrecht tat, stieß ihn weg und sprach: Wer hat dich als Obersten und Richter über uns eingesetzt? Willst du mich etwa umbringen, wie du gestern den Ägypter umgebracht hast?
Ups! Mose aber entfloh bei diesem Wort und wurde ein Fremdling im Land Midian, wo er zwei Söhne zeugte.
Als vierzig Jahre verflossen waren, erschien ihm in der Wüste am Berg Sinai ein Engel in der Feuerflamme eines Dornbusches. Als Mose das sah, wunderte er sich über die Erscheinung. Während er aber hinzutrat, um sie zu betrachten, erging die Stimme des Herrn: Ich bin der Gott deiner Väter, der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs.
Da haben wir wieder dieses Ich bin. Ein Gott, der mit Menschengeschichte schreibt. Ich bin ein Gott, der Menschen sieht. Mose aber erzitterte und wagte nicht, es zu betrachten.
Der Herr aber sprach zu ihm: Löse die Sandale von deinen Füßen, denn der Ort, auf dem du stehst, ist heiliges Land. Gesehen habe ich die Misshandlung meines Volkes, das in Ägypten ist, und ihr Seufzen habe ich gehört. Und ich bin herabgekommen, um sie herauszureißen. Und nun komm, ich will dich nach Ägypten senden.
Diesen Mose, den sie verleugneten, merkt ihr: Der Retter wird verleugnet, aber er wird trotzdem von Gott zum Retter gemacht. Diesen Mose, den sie verleugneten, indem sie sagten: Wer hat dich als Obersten und Richter eingesetzt?, den hat Gott zum Obersten und Retter gesandt, durch die Hand des Engels, der ihm im Dornbusch erschien.
Dieser führte sie heraus, indem er Wunder und Zeichen tat im Land Ägypten, im Roten Meer und in der Wüste, vierzig Jahre lang.
Das ist der Mose, der zu den Söhnen Israels sprach: Einen Propheten wie mich wird euch Gott aus euren Brüdern erwecken.
Und ihr merkt: Stephanus verteidigt sich, aber hier ist bereits der Blick nach vorne. Es wird einen Messias geben, es wird einen geben, der ein Prophet wie Mose sein würde. Es würde eine ganz andere Qualität von Rettung geben und einen ganz anderen Retter.
Genau wie Gott in der Geschichte gesehen hat, dass das Volk Israel nach Ägypten muss, so sieht er hier an dieser Stelle schon, dass das Volk noch eine ganz andere Qualität von Errettung, einen ganz anderen Propheten braucht, und sagt das vorher. Mose ist es, der in der Gemeinde in der Wüste gewesen ist mit dem Engel, der auf dem Berg Sinai zu ihm redete und mit unseren Vätern. Er empfing lebendige Aussprüche, um sie uns zu geben.
Das ist der Moment, in dem der alte Bund aufgerichtet wird, in dem wir die Geschichte, die Abraham angefangen hat, einen markanten Schritt weiterführen. Gott spricht durch einen Engel zu Mose, der lebendige Aussprüche empfängt, sprich das Gesetz, die Gebote, Teile des Alten Testaments.
Und aus dem Bund der Beschneidung, den Abraham empfangen hat, wird das, was wir Alten Bund nennen: dieser Bund am Berg Sinai mit einem Heiligtum, nämlich der Stiftshütte, mit einer heiligen Schrift, nämlich den fünf Büchern Mose, mit Priestern, mit Opfern, mit Weihrauch, mit Festen.
Eigentlich schick, oder? Gott rettet ein ganzes Volk aus der Sklaverei und sagt: Ich möchte mit dir leben. Total schick, wenn das Volk zu diesem Gott passen würde.
Ungehorsam in der Wüste und die Frage nach echter Anbetung
Wie ist denn das Volk in der Wüste im Umgang mit Gott drauf? Sind das die, die jeden Morgen ihre Loblieder singen, zur Stiftshütte pilgern und sich darüber freuen, dass Gott endlich da ist? Nein, das ist so total gruselig, wenn man das liest.
Unsere Väter 39 Unsere Väter aber wollten nicht gehorsam sein, sondern stießen ihn von sich und wandten sich in ihrem Herzen nach Ägypten zurück.
Und wenn ihr das ganze Alte Testament lest, es ist so gruselig, es ist so gruselig, und du denkst dir: Mann, Freunde, jetzt schnallt es doch endlich. Aber es ist nicht nur ein Problem des Schnallens, des Verstehens, es ist ein Problem des Herzens. Sie haben nämlich in ihrem Herzen ganz andere Vorlieben. Sie können Gott nicht, sie können die Schönheit Gottes nicht schmecken, weil sie etwas anderes lieb haben.
Und sie sagten zu Aaron: Mach uns Götter, die vor uns herziehen sollen, denn dieser Mose, der uns aus dem Land Ägypten geführt hat, wir wissen nicht, was ihm geschehen ist. Er kommt vom Berg nicht mehr runter, komm, lass uns einem anderen Gott hinterherlaufen.
Sie machten in jenen Tagen ein Kalb und brachten dem Götzenbild ein Schlachtopfer und ergötzten sich an den Werken ihrer Hände.
Gott aber wandte sich ab und gab sie dahin dem Heer des Himmels, das sind die Sterne, den Sternen zu dienen, wie geschrieben steht im Buch des Propheten. Und hier geht es jetzt ins Buch Amos hinein. Amos beschreibt Jahrhunderte später, wie das Volk sich in der Wüste verhalten hat.
Was sagt Amos? Habt ihr mir etwa vierzig Jahre in der Wüste Opfertiere und Schlachtopfer gebracht, ihr vom Haus Israel? Und die Antwort muss lauten: Nein, habt ihr nicht! Ihr nahmt das Zelt des Moloch mit. Also, ihr habt euch die Stiftshütte in die Mitte bauen lassen, das war total schick, aber da gab es mehr. Da gab es eine Anbetungsstätte, ein Zelt des Moloch und das Sternbild des Gottes Rephan, die Bilder, die ihr gemacht hattet, sie anzubeten.
Also, da ist ein Volk in der Wüste, und formal ist es Volk Gottes. Und in der Mitte steht wirklich ein Heiligtum. Aber wenn du in die Herzen hineinschaust, dann ist dieses Heiligtum ihnen gar nicht so wichtig. Wirklich wichtig sind andere Zelte, andere Bilder, andere Götter. Das ist nur so eine formale Sache. Klar, wir sind hier in der Wüste, wir wohnen jetzt hier, und da ist natürlich in der Mitte die Kirche, logisch. Aber in meinem Herzen ist sie nicht.
Und Gott wird sagen: Ich werde euch verpflanzen über Babylon hinaus, ich werde euch in die babylonische Gefangenschaft führen.
Von der Stiftshütte zum Tempel und weiter
Unsere Väter hatten das Zelt des Zeugnisses in der Wüste, wie der, der zu Mose redete, befohlen hatte, es nach dem Muster zu machen, das er gesehen hatte. Ja, sie hatten die Stiftshütte; sie war ihnen geschenkt, und sie war Ausdruck der Beziehung Gottes zu den Menschen. Unsere Väter übernahmen sie und führten sie unter Josua ein bei der Besitzergreifung des Landes. Sie brachten sie also mit bei der Besitzergreifung des Landes, der Nationen, die Gott vor dem Angesicht unserer Väter vertrieb, bis zu den Tagen Davids.
Und jetzt merken wir: Jetzt geht der nächste Schritt. Kleiner Abraham mit seinem Altar, Stiftshüttenvolk, jetzt gehen wir den nächsten Schritt weiter. Wie kann ich Gott auf eine andere Weise noch anbeten? Zu den Tagen Davids, der Gnade fand vor Gott und eine Wohnstätte zu finden begehrte für den Gott Jakobs, das war die Idee von David: Ich möchte Gott etwas Dauerhaftes bauen. Salomo aber baute ihm ein Haus. Aber der Höchste wohnt nicht in Wohnungen, die mit Händen gemacht sind.
Auf der einen Seite ist der Tempel etwas relativ Spätes in der Geschichte Israels. Wenn Abraham etwa 2000 vor Christus berufen wird, dann baut Salomo den Tempel erst tausend Jahre später. Bitte im Kopf haben: Die Anklage lautet, du möchtest unseren Tempel kaputt machen. Du bist gegen den Tempel. Und jetzt erzählt Stephanus die Geschichte und sagt: Tempel ist ja schön und fein und gut, aber schau mal, die ersten tausend Jahre haben wir ihn gar nicht gebraucht. Und da, wo wir ihn bauen, da sagt der Prophet gleich, während wir ihn bauen: Aber der Höchste wohnt nicht in Wohnungen, die mit Händen gemacht sind, wie der Prophet spricht: Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel meiner Füße.
Achtung: Wenn du dir diesen Tempel, diesen Steintempel, anschaust und denkst, er würde Gottes Thron entsprechen, Achtung! Was für ein Haus wollt ihr mir bauen, spricht der Herr, oder welches ist der Ort meiner Ruhe? Hat nicht meine Hand dies alles gemacht?
Und wie er so die Geschichte beschreibt, einen Gott beschreibt, der erst ohne einen Tempel auskommt, dann einen Tempel bauen lässt, okay, ist geschenkt, ja, könnt ihr machen. Aber wenn ihr glaubt, dieser Tempel sei das letzte Wort, das ich zum Thema Anbetung sage, vergiss es, überhaupt nicht! Und dass er das gesagt hat, dass Gott ein Gott ist, der immer weitergeht, voranschreitet, der wohnen möchte nicht in einer Stadt, nicht in einem Steintempel, sondern in Menschen, der uns das Konzept verkaufen möchte, dass wir alle Teil von Gottes Tempel sind, weil wir lebendige Steine sind, in denen Gottes Geist wohnt, und dass wir zusammen Tempel bilden, dass wir der Ort sind, dass unsere Herzen der Ort sind, wo man Gott begegnen kann. Dass wir über uns sagen können, was Jesus über sich gesagt hat, der seinen eigenen Leib Tempel genannt hatte.
Wie er diesen Schritt entwickelt, da merkt er, dass das eigentliche Problem seiner Zuhörer nicht ist, dass sie das nicht verstehen, nicht wüssten, sondern dass sie tun, was ihre Vorväter immer getan haben, wenn Gott einen nächsten Schritt gehen, einen nächsten Retter schenken, in der Beziehung einfach einen Schritt Tiefgang nachlegen wollte.
Der Vorwurf des Widerstands gegen den Heiligen Geist
Und dann kommen wir jetzt zu dem Höhepunkt. Und das klingt dann für einen kurzen Moment gar nicht nett: Ihr Halsstarrigen, ein Halsstarriger! Ein Halsstarriger ist einer, der seinen Nacken nicht gebogen kriegt, der sich nicht beugen kann, der eine Autorität nicht anerkennen kann, der sagt: Ich stehe hier, und ich lasse von keinem etwas sagen. Wie so ein kleiner Dreijähriger, der seinen Bock hat, das ist ein Halsstarriger.
Und da sagt Stephanus zu diesen Leuten: Ihr Halsstarrigen und Unbeschnittenen an Herz und Ohren! Okay, das ist AT. Im Alten Testament hat man das Volk beschnitten, hat also die Vorhaut abgetrennt. Ja, sehr peinlich für Männer, die empfinden das immer so. Diese Beschneidung war ein Bild, ein Bild für eine innere Beschneidung, die jetzt Mann und Frau betraf, nämlich die Beschneidung des Herzens.
Im Alten Testament ging es darum, dass Menschen erkennen: Ich bin in meinem Herzen ein Rebell. Und wenn ich zum Volk Gottes gehöre, reicht es nicht, äußerlich eine Prozedur zu machen, sondern ich muss in meinem Herzen diese Rebellion wegschneiden. Ich muss in meinem Denken das, was gegen Gott gerichtet ist, aufgeben. Ich muss den Ungehorsam, den Widerspruch, ablegen. Ich muss in meinem Denken, und dann eben auch, das sind die Unbeschnittenen an den Ohren, in meinem Hören einer sein, der Gott ernst nimmt.
Und genau das ist ihr Problem. Sie hören und hören nicht. Sie denken und denken doch in die falsche Richtung. Weil sie ein unbeschnittenes Herz haben, weil sie nicht wirklich gehorsam sein wollen. Das ist so verrückt! Überlegt euch mal: Ihr habt den Hohen Rat, ihr habt die Hüter der Orthodoxie, die Verteidiger der reinen Lehre, des wahren Glaubens, die sich scheinbar um den Tempel sorgen und um die Gebote. Und die Tempel und Gebote beschützen wollen vor diesen gefährlichen Jesus-Nachfolgern.
Stephanus sagt: In Wirklichkeit ist euch doch der Tempel nicht mehr wert als euren Vätern die Stiftshütte, während sie da ihren Moloch anbeteten und ihre Sterne anbeteten und diesen Rävan anbeteten. Ihr habt doch nicht wirklich ein Interesse daran. Euer Problem liegt doch wo ganz anders. Ihr wollt Gott nicht gehorsam sein, ihr Halsstarrigen und Unbeschnittenen an Herz und Ohren. Ihr widerstrebt alle Zeit dem Heiligen Geist, wie eure Väter, so auch ihr.
Die Verurteilung des Gerechten und das Ende des ersten Märtyrers
Und dann der Vorwurf, der sich ja schon in ihrem Umgang mit Jesus gezeigt hatte: Welchen der Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Wenn da einer kam, der für Gott auftrat, war es doch immer dasselbe. Ihr habt ihn immer verfolgt. Ihr habt euch doch nie etwas sagen lassen. Ihr habt doch nie mal in die Hände geklatscht und gesagt: Super, danke Gott, dass du uns zurechtweist.
Und wir haben die getötet, welche die Ankunft des Gerechten, also des Messias, vorher verkündigten. Messias, dessen Verräter und Mörder ihr jetzt geworden seid. Da kommt der Retter, und die erste Reaktion ist: kalt machen. Ihr habt das Gesetz durch Anordnung von Engeln empfangen und nicht befolgt.
In einem Film müsste man jetzt sagen: Pause!
Was machst du, wenn jemand den Finger in die Wunde deines Lebens legt? Was machst du dann? Was machst du, wenn du merkst: Der, den ich anklage, der ist überhaupt nicht das Problem. Ich bin das Problem. Ich und meine Interpretation der Geschichte sind das Problem. Ich bin zu einem Verräter und zum Mörder geworden. Ich habe Religion benutzt als Deckmantel für meinen Ungehorsam und für meine eigenen krummen Geschäfte. Ich habe eigentlich an diesem Propheten, der von Mose vorhergesagt wurde, kein Interesse. Ich habe an diesem Jesus gar kein Interesse. Und ich habe auch kein Interesse am Befolgen der Gebote.
Was machst du, wenn dir das jemand mitten ins Gesicht sagt? Du bist das Problem!
Als sie aber dies hörten, wurden ihre Herzen durchbohrt, und sie knirschten mit den Zähnen. Da er aber voll Heiligen Geistes war und fest zum Himmel schaute, sah er die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen. Und er sprach: Siehe, ich sehe die Himmel geöffnet und den Sohn des Menschen zur Rechten Gottes stehen.
Sie aber schrien mit lauter Stimme, hielten ihre Ohren zu und stürzten einmütig auf ihn los. Keine Buße!
Und wenn du an der Stelle, wo Gott dich trifft, wo Gott mit seinem Wort dein Herz durchbohrt, keine Buße tun willst, bleibt dir nur eine Wahl: Du musst den, der zu dir gesprochen hat, ein für alle Mal kalt machen. Du musst ihm den Mund verbieten. Du musst ihn aus deinem Leben hinausstoßen.
Und als sie ihn aus der Stadt hinausgestoßen hatten, steinigten sie ihn. Und die Zeugen legten ihre Kleider ab zu den Füßen eines jungen Mannes mit Namen Saulus. Und sie steinigten den Stephanus, der betete und sprach: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf. Und niederkniend rief er mit lauter Stimme: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu! Und als er dies gesagt hatte, entschlief er.
Und damit ist der erste Märtyrer der Kirchengeschichte gestorben.
Was diese Geschichte über Gott offenbart
Was nehmen wir, was nehme ich aus dieser Geschichte mit? Ich habe heute keine typische Anwendung. Aber ich habe etwas, das mir zutiefst Wichtiges über Gott lehrt.
Diese Geschichte zeigt mir: Gott ist keine Kraft, Gott ist kein unpersönliches Prinzip, Gott ist nicht die höchste Vernunft. Sondern Gott ist ein Jemand, Gott ist ein Du. Er ist ein Gott der Geschichte, ein Gott der Menschen, ein Gott der Entwicklung. Er selber ändert sich nicht, aber er offenbart sich Stück für Stück.
Und wenn das stimmt, dann gilt noch etwas: Gott hat ein Ziel mit dieser Welt. Er ist ein Gott des Wachstums und der Vollendung. Und auf dem Weg durch die Zeit sucht Gott solche, die ihm dienen, die ihn lieben, ihn fürchten, ihm gehorchen und sich mit ihm auf den Weg machen.
Wir haben es nicht mit einer Welt zu tun, in der im Hintergrund so ein Uhrmachergott steht, der alles einmal aufgezogen hat und jetzt läuft das alles so vor sich hin, während Gott drei Schritte zurücktritt und alles betrachtet. Nein, wir haben einen Gott, der mittendrin ist. Er ist ein Gott, der nicht nur gewusst werden will. Er ist ein Gott nicht nur der Orthodoxie oder der Religion. Er will nicht einfach ruhig gestellt werden, sondern er will erlebt werden, er will erkannt werden, er will umarmt werden.
Er ist ein Gott, der mich kennt. Und mit dem letzten Bild möchte ich euch ermutigen, dass ihr euch nicht entmutigen lasst: Er ist ein Gott, der mich kennt und der mit mir mitfiebert.
Denn als Stephanus in den Himmel schaut, was hätten wir denn erwartet, was er dort zu sehen bekommt? Na ja, wir haben es in der Pfingstpredigt gelesen, das Zitat aus Psalm 110. Da wird dem Messias gesagt: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde gemacht habe zum Schemel deiner Füße.
Was sieht Stephanus, als er in den Himmel blickt? Einen Jesus, der entspannt da sitzt und sagt: Na ja, „Ich trinke jetzt mal hier meine Cocktails, die machen das da unten schon.“ Nein, du hast einen Jesus, der aufgesprungen ist, der steht, der mitfiebert, der genau weiß, was da unten abgeht, und der einen Blick hat auf seinen Stephanus.
Und mit diesem Blick möchte ich euch heute entlassen: ein dynamischer Gott, der dich kennt, der mit dir durch diese Zeit gehen will, der mit dir diese Welt gestalten will, der noch lange nicht fertig ist mit dieser Welt. Und der nie fern ist, sondern in jedem Moment genau weiß, wie es dir geht.
Das ist unser Gott. Amen.
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