Serie•Teil 2 / 2Die drei meistgenannten Gründe für zerrüttete Ehen
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Die häufigsten Spannungen in der Ehe
Die drei meist genannten Gründe für zerrüttete Ehen sind: Der erste Grund ist die Reibungsfläche unserer Finanzen. Der zweitmeist genannte Grund, und wie gesagt heute Morgen nicht unbedingt in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit, war die Reibungsfläche der Geschlechtlichkeit. Und heute Nachmittag die Reibungsfläche der Schwiegereltern.
Wir lachen vielleicht darüber. Die Schwiegermutter hat Witze haufenweise, in Deutsch sowie auch in Englisch. In der weiten Welt gibt es bestimmt viele Schwiegerelternwitze über Situationen, die leider manchmal wahrer sind, als man gerne gehabt hätte.
Aber heute Nachmittag wollen wir uns mit dieser Thematik auseinandersetzen und damit, was die Bibel darüber zu sagen hat. Ich möchte bitten, dass wir unsere Bibeln aufschlagen, wieder zum 1. Mose im Alten Testament, Kapitel 2, 1. Mose, Kapitel 2.
Ich möchte wiederholen, dass wir die Bibel betrachten als Gottes Wort. Und das, was wir hier in 1. Mose haben, ist ein historischer Bericht, wie Gott die Welt schuf und was wir über diese Schöpfung wissen müssen, damit es uns für unser Leben helfen kann. Denn alles aus Gottes Wort ist zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung und zur Erziehung in der Gerechtigkeit.
Gott gab uns diese Bibelstelle als eine Hilfe. Wehe, wenn wir diese Bibelstelle in ihrer vollen Tragweite nicht beachten. Und es ist äußerst interessant, wie viel biblische Information in wenigen Versen enthalten ist, wenn man sie genau betrachtet, und was für eine Tragweite das für unsere Familien- und Ehebeziehungen hat.
Der biblische Rahmen für die Ehe
Wir lesen die Stelle ab Vers 23, Kapitel 2, wo Adam Eva gesehen hatte: Vers 22, der Herr baute aus der Rippe, die er von dem Menschen genommen hatte, ein Weib und brachte sie zu ihm. Da sprach der Mensch: Das ist nun einmal Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; die soll Menin heißen, denn sie ist dem Mann entnommen.
Darum wird der Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, dass sie zu einem Fleische werden. Und sie waren beide nackt, der Mensch und sein Weib, und schämten sich nicht.
Die Ehe besteht aus zwei und nicht aus sechs Personen. Diese Bibelstelle macht deutlich, dass es nur ein Haupt für die Ehe gibt, nämlich der Ehemann. Weder die Mutter von ihm, noch der Vater von ihm, noch die Mutter von ihr, noch der Vater von ihr sind in der Hauptrolle in dieser neuen Ehe. Sondern der junge Ehemann hat die Leitung, die Führung und die Aufsichtsfunktion in dieser neuen Ehe.
Christus ist das Haupt, Gott ist das Haupt Christi, 1. Korinther 11,3. Christus ist des Mannes Haupt, und der Mann ist das Haupt seiner Frau, nicht der Schwiegervater beiderseits. Und das ist wichtig zu merken.
Wenn Eltern zu viel Einfluss behalten
In den letzten Monaten in meinem Dienst, in meiner Arbeit, habe ich mehrfach mit Problemen von Schwiegereltern zu tun gehabt.
Diese neue geistliche und soziale Einheit unter der Aufsicht dieses jungen Ehemanns ist eigentlich sehr wichtig. Er muss merken, welche Funktion er hat und in welcher neuen Spannung er steht: seiner Frau und den Eltern gegenüber. Ebenso muss sie wissen, in welcher Spannung sie zu ihren Eltern und zu ihrem Mann steht. Dazu kommt noch die neue Rolle der Eltern gegenüber den Kindern, wenn diese geheiratet haben.
Der junge Mann ist der Hirte und der Pastor seiner Familie. Er hat die Aufsicht.
Das Problem entsteht, wenn es beim Ehemann einen dominanten Vater gegeben hat, der versucht, bei seinem Sohn weiter zu dominieren. Oder wenn es eine dominierende Mutter gibt, die versucht, auch gegenüber der Schwiegertochter weiter zu dominieren, über ihren Sohn hinweg. Ebenso ist es, wenn der Vater der Braut denkt, sie würde nicht fair und richtig behandelt und käme bei diesem neuen Ehemann nicht zu ihrem Recht oder zu ihrer guten Entfaltung. Dann schießt er auf den jungen Ehemann los und versucht, irgendetwas zu regeln und zu berichtigen.
Oder wenn die dominante Mutter bei der Ehefrau versucht, auch diese Tochter noch an sich zu binden. Und wenn man entdeckt, dass man in derselben Stadt ist, dann wird jeden Tag mehrmals angerufen und gefragt, wie es geht, ob er sich richtig betreut fühlt, ob er sich richtig benimmt, und es wird versucht, all das aus ihm herauszulocken usw.
Es gibt die tollsten, aber nicht schönsten Geschichten über solche Situationen, die total kaputtgegangen sind, weil die Eltern nicht gelernt haben, sich nicht einzumischen, oder weil der Sohn oder die Tochter nicht gelernt hat, sich von den Eltern zu lösen.
Und das ist ein heikles Gebiet, ein heikles Gebiet in sehr vielen Situationen.
Loyalitätskonflikte und innere Spannungen
Ich bin froh, nichts zu wissen von den heiklen Geschichten hier in dieser Gemeinde. Ich kenne euch nicht. Und ich weiß keine Geschichten. So kann ich frei reden, und ihr könnt mir nicht vorwerfen, ich hätte jemanden angegriffen. Denn wenn ich eure Lage nicht kenne, dann kann das nicht geschehen.
Die Spannung wird natürlich sehr groß, wenn in diesem neuen, jungen Ehepaar der junge Mann dazwischen hängen muss, in der Loyalitätsfrage zwischen seinen Eltern und seiner Frau. Wenn er eine tiefe, gute Beziehung zu den Eltern hat und sie in unweiser Form versuchen, diese Beziehung nach der Gründung der neuen Ehe zu stark zu halten, dann hängt er dazwischen.
Genauso ist es, wenn die Frau, die junge Frau, dazwischen hängt zwischen ihren Eltern und ihrem Ehemann. Und die Loyalitätsfrage in dieser neuen Situation forciert wird. Die Spannung wird groß, und obwohl ich kein wettender Mensch bin, würde ich bestimmt nicht weit weg von dem Kern der Sache liegen, wenn ich sagen würde: Viele Ehepaare in diesem Raum haben viele Stunden über die Beziehung zu den Schwiegereltern gesprochen.
Ich würde mich gar nicht wundern, wenn es wenigstens am Anfang der Ehe nicht so gewesen wäre. Denn es ist Neuland für uns, wir wollen zurechtfinden. Es ist Neuland für die Eltern, wenn die Kinder weggehen und wenn man beobachtet, wie sie heiraten. Und manchen Eltern ist niemand recht für die Tochter oder für den Sohn.
Ich denke, die beste Beziehung, von der ich hörte, war die von dem Vater der Braut. Ein paar Monate nach der Hochzeit kam er auf seinen Schwiegersohn zu und fragte ihn, ob sie es ihm recht mache. Ich glaube, er hatte es als Schwiegervater begriffen. Er fragte ihn nicht, ob er es ihr recht mache, sondern ob die Tochter es ihm recht mache in der Ehe. Er war besorgt, ob seine Erziehung eine gute Tragweite und Auswirkung in der Ehe hatte.
Verlassen und doch verbunden bleiben
Nun, eine gewisse Manipulation in die neue Ehe ist immer eine Gefahr. Wenn die Eltern nicht loslassen, ist die Gefahr ziemlich groß, dass es zu dieser Manipulation kommen kann. Das muss nicht immer mit Worten geschehen.
Wer verheiratet ist, weiß, dass man die Eltern sehr gut kennt. Und die Mutter braucht nur ein bisschen schief zu gucken oder einen Ton zu gebrauchen, da weiß man: Oh, sie ist dagegen. Oh, was habe ich jetzt gemacht? Oh nein, oh nein. Denn man kennt sie ja, und man weiß, wie sie reagiert, wenn sie nicht gut aufgelegt ist über eine gewisse Situation. Und dann, wenn man weiß, dass sie nicht dafür ist, versucht man, dazwischenhängend irgendwie zu schlichten. Und es ist oft in großer Spannung ausgegangen in vielen Situationen.
Es ist auch kompliziert, wenn einer der Schwiegereltern stirbt oder die Schwiegereltern keine gute Beziehung zueinander gehabt haben, und der Sohn hat eine gute Beziehung zu seiner Mutter, sie aber keine gute Beziehung zu ihrem Mann. Zu wem geht man? Und wenn es so ist, dass die Eltern zusammenleben oder die Schwiegereltern? Und der junge Sohn war Gesprächspartner seiner Mutter, weil der Ehemann total versagt hat an der Stelle, der Vater. Und jetzt ist er verheiratet, und als Gesprächspartner seiner Mutter ist er nicht mehr da. Und sie muss mit ihrem Problem alleine fertig werden in der Familie, und ihr Gesprächspartner, ihr Sohn, der sie verstanden hat in ihrer Not, ist nicht mehr da.
Und der Sohn sieht auch die Not seiner Mutter, weil der Vater seine Mutter nicht versteht, und er will helfen, ist aber in einer neuen Beziehung. Das sind Komplikationen, die Konstellationen sind natürlich vielfältig, aber das sind Komplikationen, die immer wieder vorkommen.
Es ist die Gefahr, wenn solch ein Sohn heiratet, dass die Mutter versucht, ihn immer noch an sich zu ziehen und das zu bekommen an Kommunikation und Bestätigung vom Sohn, was sie vorher bekommen hat, was aber nicht mehr in der Form stattfinden kann nach der Gründung der neuen Ehe.
Der Text der Schrift sagt, dass diese jungen Leute Vater und Mutter zu verlassen haben. Nun, ich habe einmal die Frage gestellt, was bedeutet dieses Verlassen? Und ich sagte: In unserem Fall bedeutet es, dass wir wie viele Tausend Kilometer entfernt sind von unseren Eltern. Ich weiß nicht, wie viele Kilometer es sind zwischen hier und Ohio und hier und Washington, sagen wir mal 8.000, ich weiß es nicht. Und ich fragte in dieser Gruppe: Bedeutet es, dass man 8.000 Kilometer entfernt sein muss von den Schwiegereltern? Und irgendeine Stimme ganz hinten sagte, es wäre nicht immer falsch. Nun, das wäre manchmal schon recht, glaube ich.
Verlassen ist ein relatives Wort. Verlassen hat eine Grundbedeutung in diesem Zusammenhang. Es bedeutet sicherlich eine gewisse räumliche Trennung. In unserem Fall zigtausend Kilometer, im anderen Fall zu einer anderen Wohnung, eventuell im gleichen Haus, was nicht immer gut sein kann, nicht immer gut gehen kann, manchmal gut, manchmal nicht. Meistens bedeutet es zu einer anderen Wohnung in der Gegend, manchmal bedeutet es zu einem anderen Haus in einem anderen Landteil Deutschlands. Je nachdem. Aber das Wort verlassen hat eine tiefere Bedeutung als die räumliche Trennung.
Es hat die Bedeutung, dass das Kind, diese neuen Kinder, die jetzt heiraten, das Elternhaus und alles, was Erziehung und Unterstützung vom Elternhaus bedeutet, verlassen und dass sie bereit sind, die neue geistliche soziale Einheit selbst zu führen. Dass sie bereit sind zu sagen: Jetzt ist es unser Schiff, und wir müssen es gemeinsam führen. Das Verlassen ist ein innerer Vorgang in diesem jungen Paar. Und das ist nicht leicht.
Eigene Wege als Ehepaar lernen
Wir zogen gleich nach unserer Hochzeit ganz in den wilden Westen, acht Stunden per Auto von meinen Eltern und sechzig Stunden per Auto von meinen Schwiegereltern entfernt. Das war nur für den Sommer.
Aber ich habe in den ersten Wochen unserer Ehe gemerkt, dass meine Frau sehr an ihre Mutter gedacht hat. Sie fragte sich oft, was sie in einer bestimmten Angelegenheit gesprochen und gedacht hätte. Ich sagte: Schatz, deine Mutter ist dreitausend Kilometer von hier entfernt. Du brauchst nicht zu fragen, was die Mutter darüber sagen würde.
Nun, das war für uns beide Neuland, diese beginnende Ehe und das Leben ganz getrennt von den Eltern. Das mussten wir lernen. Das wollten wir natürlich auch. Aber es dauerte Jahre, bis wir das voll verstanden hatten, vor allem im Fall meiner Frau, bis sie manches wirklich klar überwunden hatte, was sie mitgeschleppt und mitgebracht hatte, auch durch gewisse Nachteile, die sie zuhause gehabt hatte.
Nun, ich bin so dankbar für die Aussage der Schrift, die hier sagt: verlassen und dann anhangen. Und eigentlich dürfte es in der Loyalitätsfrage keine Frage sein, wenn wir verheiratet sind, wem wir loyal sind. Wir sind unserem Ehepartner gewidmet. Wir sollen zueinander stehen, wir sollen aneinander haften und zueinander kleben, wenn man so will, um bildliche Sprache zu benutzen, damit es verstanden wird.
Und da soll keine Trennung verursacht werden können, durch etwas, das eine Wirksamkeit hat und uns auseinander treibt, und vor allem nicht von den Schwiegereltern oder Eltern.
Konkrete Wege für verheiratete Paare
Es gibt praktische Auswirkungen, und ich möchte zunächst einmal für die Ehepaare unter uns sprechen.
Erstens: Verlasst die Eltern. Das bedeutet äußerlich und auch innerlich, verlasst sie. Es bedeutet die Bereitschaft, zu erkennen, dass eine neue Situation da ist, eine neue Einheit, und die Bereitschaft zu erkennen, dass die Beziehung nicht mehr so ist wie früher.
Das ist leichter gesagt als getan, in manchen Fällen, vor allem, wie ich vorhin sagte, wo die Bindung und die Beziehung sehr stark waren. Aber es ist nicht immer weise. Ich versuche, vorsichtig zu sprechen, damit ich nicht in eine Gesetzlichkeit falle. Denn ich könnte sagen, es ist nicht gut oder es ist falsch, wenn eine Tochter ihre Mutter jeden Tag anruft.
Manchmal kann das ganz gut sein, wenn die Mutter eine besondere Not hat. Aber ich sage vorsichtshalber: Es ist nicht immer weise. Das ist nicht immer falsch, aber es ist nicht immer weise, dass die junge Frau denkt, selbst wenn sie in der gleichen Gegend wohnt, dass sie jeden Tag anruft und jeden Tag auch diese Beziehung von ihrer Seite aufrechterhalten muss, um Verletzungen zu vermeiden.
Verlasst die Eltern! Und das steht aber im Gleichgewicht und in Ausgewogenheit zu dem biblischen Befehl, der immer gilt: Ehre deine Eltern! Denn das ist das erste Gebot mit Verheißung. Verlasst sie, aber ehrt sie. Das hört nie auf, solange wir leben.
Ich bin dankbar, dass wir diese Gelegenheit haben, immer wieder und ab und zu unsere Eltern zu ehren.
Ehre, Dankbarkeit und kreative Nähe
Nun, das ist ein bisschen schwieriger, wenn man auf so große Entfernung von den Eltern leben muss. Wir sehen, dass wir uns in den letzten Jahren nicht mehr so gut verhalten haben, wie wir es eigentlich sollten. Unsere Eltern und Sie sehen Ihre Enkelkinder nur einmal alle drei Jahre. Das ist ein bisschen wenig, und meistens auch nur für eine Woche oder zehn Tage, wenn es gut geht, für zwei Wochen. Das ist kurz. Aber der Herr gleicht das durch andere Segnungen aus, und dafür sind wir dankbar.
Nun, wir versuchen, Wege zu finden, die unsere Eltern trotz dieser Entfernung erfreuen. Denn das Gebot, sie zu ehren, hat nicht aufgehört, bloß weil wir verheiratet sind und eine neue Beziehung besteht. Aber wir wollen sie ehren. Das bedeutet für uns, einmal zu telefonieren, Briefe zu schreiben, Kassetten mit unseren Stimmen aufzunehmen, Bilder von unseren Kindern und von ihrem Wachstum zu schicken und sonstige Geschenke und Anerkennungen zu geben.
Und manchmal setze ich mich hin und schreibe den Eltern einfach einen Dankesbrief. Wenn wir dort gewesen sind, dann überkommt es mich immer wieder, wie dankbar wir sind und sein müssten für das, was unsere Eltern sind und bedeuten. Wir haben das Vorrecht, dass die Eltern beiderseits gläubig sind. Mein Schwiegervater ist gestorben, meine Schwiegermutter lebt noch, und meine Eltern leben beide noch. Wir sind beide in gläubigen Elternhäusern aufgewachsen.
Das ist ein Schatz, ein unermesslicher Reichtum, den wir haben dürfen: dass wir wissen, dass unsere Eltern den Herrn lieben und dass sie uns haben ziehen lassen in den Dienst. Und jedes Mal, wenn ich die Möglichkeit habe, positiv über meine Eltern zu sprechen, dann spreche ich auch positiv über sie. Ich denke, das ist eine Art des Ehrens.
Eine Verunehrung ist es, wenn man negative Witze über sie erzählt, über sie herzieht oder sie herabsetzt. Ehren bedeutet, sie in Ehren zu halten, in der Erinnerung und auch positiv über sie zu reden, wenn man das kann. Und wenn es Negatives gibt, muss man nicht darüber reden, wenigstens nicht vor aller Welt. Wenn man seelsorgerliche Hilfe braucht, ist das etwas anderes. Aber man muss nicht jedem erzählen, wie schrecklich alles in jeder Situation war.
Verlasse die Eltern, aber vergiss nicht, sie zu ehren, und sei kreativ. Oh, es gibt zig Möglichkeiten, den Eltern eine Freude zu machen. Du kennst deine Eltern besser als ich sie kenne, denn ich kenne sie ja nicht. In den meisten Fällen kenne ich die Eltern oder die Mutter von Ilse, sonst kenne ich keine Eltern von euch hier in diesem Raum, soweit ich weiß. Und das ist gut so, denn du kennst sie. Du weißt, was sie erfreuen würde. Denk einmal daran, was es bedeuten könnte, und tu das.
Vorbilder und gelebte Wertschätzung
Meine Eltern haben, vor allem denke ich ganz positiv daran, meine Oma, die Mutter meiner Mutter, an den Ort gebracht, so dass sie bei uns in der Nähe wohnen konnte. Sie war etwa 88, als sie sich dort ein Haus genommen hat und an unserem Ort gewohnt hat. Wir als Enkelkinder, ich war, wenn es sein konnte, jeden Tag oder jeden zweiten Tag bei meiner Oma und habe die besten Erinnerungen daran, wie meine Eltern meine Oma geehrt haben.
Das war für mich ein so positives Vorbild, und ich bin so dankbar, dass ich dieses Vorbild habe. Denn es hat für mich bedeutet, dass ich eine ganz besonders positive innere Beziehung zu älteren Menschen habe, weil meine Eltern das so positiv vorgelebt haben.
Wenn du deine Eltern ehren willst, lebst du deinen Kindern vor, dass sie wissen, dass du den Eltern dienst und sie auch ehren willst. Zweitens: Betet für die Eltern, betet auch vor den Kindern und vor der Familie für die Eltern, dass es ihnen gut geht, dass sie ein gutes Zeugnis sind und so weiter.
Eltern können auch Fehler machen, Großeltern können auch Fehler machen, und sie können auch im hohen Alter Fehler machen. Manche haben sogar Fehler gemacht. Ich kenne einen Fall, wo ein Ehemann starb, ein älterer Mann starb. Dann war die Frau einige Jahre verwitwet, und dann ist eine Frau gestorben, von einem früheren Bekannten dieser Frau. Innerhalb von sechs Wochen nach dem Tod seiner Frau standen die beiden vor dem Traualtar, sechs Wochen nach der Beerdigung.
1976 wurde die Ehe gegründet, und es war fünf Jahre der Plage für beide, fünf Jahre von Tortur. Es war schrecklich, das mitzuerleben, wie sehr sie aneinander gerieben und gelitten haben, weil sie Fehler gemacht haben. Und ein Fehler war, glaube ich, dass sie so schnell in die Heirat gegangen sind. Viele haben versucht, diesem Paar zu helfen, und dann ist der Mann später an einem Herzinfarkt gestorben. Die Frau ist wieder verwitwet, ein zweites Mal.
Nun, ich sage als Ermutigung: Betet für die Eltern, denn sie sind nicht vor Einsamkeit verschont. Und wenn einer kommt und Interesse zeigt, ist es nicht unbedingt gesagt, dass sie wieder heiraten sollen, auch im Alter. Kinder, betet für eure Eltern!
Verantwortung des jungen Ehepaars unter Gottes Leitung
Drittens: Sie sei liebevoll, aber konsequent in der Führung der eigenen Ehe unter Gottes Leitung. Das muss manchmal bedeuten, dass man hier und da eine konsequente Stellung gegenüber einer geäußerten Meinung einnehmen muss.
Ich komme in ein paar Minuten noch auf die Eltern zu sprechen, im Blick auf die Kinder. Im Moment spreche ich mit dem jungen Paar. Das junge Paar muss unter Umständen zu einer bestimmten Angelegenheit eine deutliche Stellungnahme beziehen und sich äußern: So haben wir es geplant, so halten wir es von der Schrift her und von unseren Überzeugungen her für richtig, und so müssen wir es machen.
Manchmal wird das den Eltern nicht passen. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn die Eltern nicht gläubig sind und das junge Paar auf das Missionsfeld gehen will. Oder es kann sein, dass die Eltern des Ehemannes gläubig sind und die der Ehefrau nicht, und beide wollen gehen. Sie sehen darin die Führung Gottes. Und doch sagen die Eltern: Unsere Tochter in den Philippinen, dort, wo es so gefahrvoll ist, das können wir nicht, das können wir nicht zulassen.
Dann kommt die Trauerrede. Die Eltern der Braut kommen auf sie zu und sagen: Also, wir werden von allen Freunden gefragt, ob wir dich dorthin gehen lassen, und wie können wir es zulassen, dass du als Missionarin auf die Philippinen gehst? Es ist dann nicht mehr ihre Führung, Sie sind nicht mehr verantwortlich, sondern der junge Ehemann ist verantwortlich. Und da muss dieses junge Paar auf den Knien eine Antwort erarbeiten, was es den Eltern zu sagen hat.
Ich möchte an dieser Stelle einen Tipp geben. Wenn eine Anfrage kommt, meinetwegen um Hilfeleistung, dann haben wir es immer so gehandhabt, und ich sage das auch vielen anderen: Wenn zum Beispiel mein Vater fragt: Kannst du etwas machen?, dann ist meine Antwort: Ich muss zuerst mit meiner Frau sprechen, um zu sehen, ob wir zu der Zeit nicht schon etwas anderes haben. Ich berücksichtige unsere Beziehung.
Es ist äußerst wichtig, dass die Eltern auch merken, dass wir zunächst einmal unseren Ehepartner berücksichtigen müssen, bei allen solchen Anfragen. Eine Situation, von der ich schon in diesen Tagen gesprochen habe, betraf die Erbschaft einer Wohnung oder eines Hauses. Dort hatte die Schwiegertochter große Sorge, dass die Schwiegermutter nur die Befehlende sein würde: Bitte spring runter und hol mir etwas aus dem Garten, und bitte zieh mal Unkraut aus dem Garten, und bitte mach dies, und bitte mach das. Die Schwiegertochter hat wahrscheinlich recht mit ihrer Sorge, dass sie dann nur ein Dienstmädchen für die Schwiegermutter wäre. Sie hat große Angst: Wenn ich da hineinziehe, dann kann ich als Ehefrau und Mutter nicht mehr in meiner Familie dienen.
Da muss eine deutliche Stellungnahme da sein. Man muss sagen: Ich muss zuerst mit meinem Ehepartner sprechen. Dann wissen die Eltern: Moment, hier ist eine neue Einheit. Ich muss beide berücksichtigen, obwohl es mein Sohn oder meine Tochter ist.
Wir haben das mit Freude auch durchgeführt. Ich meine, wir haben da keine großen Probleme gehabt. Aber man muss es immer wieder erwähnen: Zwei Personen sind zu berücksichtigen.
An die Eltern und Schwiegereltern
Ich habe zum zweiten Gebiet ein paar Worte an die Eltern oder Schwiegereltern unter uns:
Öffnet eure Hände und lasst sie ziehen. Das ist das Erste. Das ist leichter gesagt als getan, aber ein absolutes Muss. Wenn ihr die Kinder erzogen habt, so dass sie zu Reife kommen, und sie dann füreinander Augen finden und heiraten wollen, dann muss die Bereitschaft da sein, die Hände aus Liebe zu öffnen und sie ziehen zu lassen und gehen zu lassen.
Es ist nicht Liebe, die Klauen hat, so dass die Kinder an sich gerissen und festgehalten werden. Liebe hat offene Hände. Der Vater in der Geschichte vom verlorenen Sohn in der Schrift öffnete seine Hände und ließ den sogenannten verlorenen Sohn gehen, damit er zu seiner eigenen Erfahrung aus seiner eigenen Dummheit kommen konnte. Merket wohl: Er wartete in der Geschichte jeden Tag erwartend und hoffend, dass er bald wiederkommt. Aber er ließ ihn gehen.
Es ist nicht leicht, das zu tun, vor allem dann nicht, wenn die Beziehung gesund ist und wenn man die Kinder auch gern hat. Aber eines bewirkt es: Wenn man sie nicht ziehen lässt, wenn man versucht, sie noch an sich zu ziehen, treibt man sie weg. Denn um zu dem Raum zu kommen, zu dem Freiraum zu kommen, den die jungen Leute brauchen, nehmen sie Abstand. Wenn man ein bisschen mehr drängt, nehmen sie noch mehr Abstand. Und wenn man noch mehr drängt, dann noch mehr Abstand.
Bis eines Tages man sie fragt: Ja, was ist denn los? Seitdem sie verheiratet ist, da redet sie gar kein Wort mehr mit mir. Ohne zu beachten, dass manchmal man selber daran schuld ist, weil man viel zu viel versucht hat, hineinzuwirken, korrigierend gesprochen oder was weiß ich, hineinzuwirken in die neue Ehe.
Und daher: Öffnet die Hände und lasst sie ziehen.
Loslassen als Ausdruck von Liebe
Ich bin so dankbar für meine Eltern, und ich habe es meinem Vater auch einmal gesagt, als wir einmal zu Besuch in den Staaten waren. Mein Vater war Lebensmittelgeschäftsbesitzer, habe ich euch gesagt.
Eines Tages holte er meinen Bruder und mich zu sich, und er sagte: Ich stehe hier im Geschäft vor einer Entscheidung. Ich könnte ein neues Geschäftshaus bauen, aber das würde erhebliche Schulden bedeuten. Und was ich wissen will, ist, ob du, und er fragte meinen ältesten Bruder, ob du Interesse hast, das Geschäft zu führen.
Mein Bruder ist Farmer gewesen, ein leidenschaftlicher Farmer, und er sagte nein. Und meine Interessen waren schon für den vollzeitlichen Dienst geweckt, und ich sagte auch, genauso wie mein Bruder, nein.
Mein Vater hat nicht in Kränkungen gedacht und auch nicht in Verletzungen. Sondern er sagte: Danke, ich wollte es nur wissen, denn es hätte eine Bedeutung, wenn ich noch bauen sollte.
Und wir heirateten. Mein Bruder wohnt am Ort, nicht weit entfernt, mit seiner Familie. Meine Schwester wohnt 3000 Kilometer weg von meinen Eltern in Ohio, im vollzeitlichen Dienst in einer Gemeinde, und wir sind viele tausend Kilometer weit weg in Deutschland.
Und ich habe nicht ein einziges Mal gespürt, dass meine Eltern traurig waren, dass wir weggingen. Im Gegenteil: volle Unterstützung.
Und wisst ihr, was das in uns bewirkt? Einen Zug zu unseren Eltern. Ein starker Zug ist da. Und jedes Mal, wenn ich nur die Gelegenheit habe, ein paar Minuten mit ihnen zu verbringen, ist da ein Ziehen in meinem Herzen, das ich gern tue. Es ist nicht ein Abstandnehmen müssen oder wollen, sondern eher: Hoffentlich haben wir Zeit mit ihnen. So ist unser Denken.
Das ist die Auswirkung von dem Ziehenlassen. Und ich möchte euch ermutigen, das zu tun.
Wenn Kinder erwachsen werden
Nun, wir sind ein junges Paar. Wir haben jetzt folgende Situation: Unser ältester Sohn ist siebzehn, der zweite fünfzehn, der dritte zehn, und unsere kleine Tochter wird nächste Woche ein Jahr alt.
Unser ältester Sohn ist jetzt im September aus dem Haus gezogen, und wir durchleben gerade die erste Phase mit dem ersten Kind, das geht. Ich musste meine Frau beruhigen: Schatz, lass ihn gehen. Er muss jetzt lernen, seine eigenen Entscheidungen zu treffen. Das war nicht leicht. Aber jetzt lerne ich und sehe auch, was meine Eltern durchgemacht haben, als sie ihn ziehen lassen mussten. Sie ziehen die Kinder groß, und dann seid froh, wenn sie endlich gehen, damit ihr eure Ruhe habt. Gott hat es nicht so gemeint, dass Eltern ihre Kinder ewig erziehen.
Ich möchte aber auch die Kehrseite erzählen. Mein Bruder lebte allein. Er war nicht verheiratet, bis er vierzig war, neununddreißig oder vierzig. Er ist zwei Jahre älter als ich, ich bin jetzt vierundvierzig, also ist er jetzt sechs Jahre verheiratet. Er lebte mit meinen Eltern unter demselben Dach, bis er dreißig war, und das war nicht gut.
Mein Bruder hätte das nicht machen sollen. Das war Dummheit seinerseits, und es war auch unweise von den Eltern. Und Sie sehen es ja selbst: Sie hätten ihn rausstossen sollen. Er ließ sich die Kleider waschen, er ließ sich alles von den Eltern machen. Meine Mutter trug große Sorge, denn in diesen Jahren, etwa zehn Jahre lang, lebte mein Bruder tief in Sünde, sehr tief.
Er kam um drei Uhr morgens nach Hause, und meine Mutter hörte ihn kommen. Sie dachte bei sich: Was macht er wohl? Und sie trug täglich, lange nachdem die Erziehung hätte abgeschlossen sein müssen, die Sorge um einen dreißigjährigen Sohn, den sie nicht hätte tragen dürfen und müssen. Es wäre besser gewesen, er wäre ausgezogen.
Nun, mit dreißig zog er aus, und das hat meinen Eltern sehr gutgetan. Dann kam er an den Rand des finanziellen Ruins, und Gott holte ihn wieder zurück auf den Weg des glaubenden Gehorsams. Er wandelt fest mit dem Herrn und hat eine geistliche Familienführung. Ich freue mich sehr, dass mein Bruder wieder auf den Weg gekommen ist. Aber oh, der Weg war tief, das Tal war bei ihm sehr tief. Gott musste ihn fast in den Bankrott ziehen und meine Eltern mit, um meinen Bruder zur Besinnung zu bringen, damit er wieder auf den Weg kam.
Wenn die Erziehung abgeschlossen ist, lasst die Kinder ziehen und ermutigt sie dazu, damit man im Alter die Ruhe haben kann.
Beten, Vertrauen und Zurückhaltung
Zweitens: Lerne das Beten und das Vertrauen auf den Herrn.
Es ist schwer, und das haben wir bei unserem ältesten Sohn gemerkt, als wir eine Empfehlung für seine jetzige Schulausbildung geben wollten. Ich habe gesagt, als wir ihn dort gelassen haben: Ryan, das ist eine sehr wichtige Entscheidung. Du musst die Entscheidung treffen, denn du musst damit leben.
Meine Frau sagte: Schatz, könntest du ihm nicht sagen, dass er es in diese Richtung machen soll? Ich sagte: Nancy, wir müssen lernen, dass er lernen muss. Und wir müssen jetzt das Beten und das Gottvertrauen lernen, genauso wie unsere Eltern das bei uns lernen mussten.
Das ist aber nicht leicht. Aber lernt das Beten und das Vertrauen auf den Herrn, auch wenn die Kinder für eine Weile Wege gehen, die uns nicht gefallen. Lernt das Beten.
Drittens: Das wird vielleicht das Schwerste sein. Hört auf mit unverlangten Ratschlägen aller Art. Beißt die Zunge!
Es ist schwer, wenn man es besser weiß, wenn man der Tochter während der Erziehung zigmal gesagt hat: Das sollst du nicht so machen. Und man beobachtet, wie sie den Tisch deckt und es anders macht. Beißt auf die Zunge und sagt es doch nicht, damit sie es selber machen kann.
Denn die Beziehung ist wichtiger. Die Erziehung ist fertig.

