Einleitung und Predigttext
Wir möchten auch die grüßen, die drüben sind in der Übertragung und nicht
sichtbar unter uns. Wir sind ja verbunden in dem einen Wort. Wir haben den
Predigttext, das sind in den fünf Sonntagen die offiziellen Predigttexte
der Predigtreihe über die in ganz Württemberg gepredigt wird, die ich nur
zu einer Reihe zusammengefasst habe: Johannes 21, Vers 15-19. Es ist nach
der Auferstehung. Jesus erscheint den Jüngern am See Tiberias. Als sie nun
das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, des
Johannes Sohn, hast du mich lieber als mich diese haben? Petrus spricht zu
Jesus: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm:
Weide meine Lämmer! Spricht Jesus zum zweiten Mal zu ihm: Simon, des
Johannes Sohn, hast du mich lieb? Er spricht zu ihm: Ja Herr, du weißt,
dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe! Spricht
Jesus zum dritten Mal zu Petrus: Simon, des Johannes Sohn, hast du mich
lieb? Petrus war traurig, dass Jesus zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du
mich lieb? und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge; du weißt, dass ich
dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe! Wahrlich,
wahrlich ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und
wandeltest, wohin du wolltest. Wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände
ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und führen, wohin du nicht
willst. Das sagte er aber zu zeigen, mit welchem Tode er Gott preisen
würde. Und als er das gesagt, spricht er zu ihm: Folge mir nach!
Herr Jesus, wecke du in uns echte Liebe. Amen.
Hast du mich lieb?
Liebe Brüder und Schwestern!
Da sitzen zwei junge Leute auf der Parkbank. Der Winter ist endlich doch
noch gebrochen, es ist inzwischen Mai geworden und der Mond scheint hinter
den Wolken hervor und dann sagt er zu ihr: Hast du mich lieb? Wie im Film –
so romantisch. Oder zwei alte Leute im Altersheim, die kommen zufällig als
sie alte Sachen aufräumen, wieder an ihr Hochzeitsbild. Und dann schaut er
sie an und sagt: Hast du mich immer noch lieb? Wie im Film, genauso schön.
Wenn das nämlich einer nicht mehr fröhlich mit Ja beantworten kann, dann
ist etwas ganz Furchtbares geschehen. Dann ist das Zusammenleben oft nur
noch Qual, Last, Quelle unendlichen Streites. Und trotzdem muss ich Sie
einfach fragen: Geht es Ihnen nicht auch so, dass Sie sich wundern, dass
Jesus seinen Jüngern die Frage stellt; das ist doch eigentlich eine private
Sache. Gehört denn die eigentlich ins Evangelium hinein? Ich muss es an
einem Beispiel erklären.
Ich kannte eine Frau, die erzählte, dass es für
sie ein Schock gewesen sei, mit einem Schwaben verheiratet zu sein. Nach
der Hochzeitsreise hat sie das erste festliche Essen für ihn gekocht und
hat dann immer gedacht: Sagt er was oder sagt er nichts? Dann guckt sie ihn
an und sagt natürlich nichts und sie überlegt: Schmeckt's ihm nicht und
dann legt sie ihm noch mal vor und schließlich nach dem Essen sagt sie ihm
unter Tränen: Hat's dir denn nicht geschmeckt, da sagt er: War ganz
passabel. Sie hat gar nicht gewusst, dass das unter Schwaben schon das
höchste Lob ist, das man über die Lippen bringen kann, weil man seine
Gefühle normalerweise verbirgt. Das liegt uns nicht so im Blut, viel Worte
zu machen. Selbst, wenn wir ganz glücklich sind, kann man das verdecken und
da frage ich einfach: Warum macht denn Jesus diese Gefühlssache hier so
wichtig? Vielleicht denkt jemand: Das ist ein Stück, dass man was von der
Menschlichkeit Jesu sieht. Nein, das ist nicht wahr. Jesus hat doch dreimal
gefragt, dreimal und er diese Frage nach der Liebe an den Dienst geknüpft,
den Petrus tun soll als ein ganz wichtiger Bote Jesu in dieser Welt. Und
ich bin davon überzeugt, dass die Frage in unserem Leben tatsächlich die
wichtigste Frage werden muss. Ich möchte das in drei Schritten auseinander
nehmen.
Diese Frage bringt selbst gestandene Christen zum Schwitzen
Ich möchte zuerst darüber sprechen: Diese Frage bringt selbst gestandene
Christen zum Schwitzen. Der Petrus war ein gestandener Christ. Ich
begeistere mich immer an ihm. Er war ein, der wusste, wenn Jesus was von
uns will, dann muss man mit Freuden Ja sagen, dann muss man hinstehen, dann
muss man mitmachen, dann muss man sich einsetzen und dann muss das
einfreudiges, ja sogar ein feuriges Ja sein. Nicht dass da einer meint, das
müssen wir kritisieren an dem Petrus. Das gefällt uns ja, dass es Leute
gibt, die ihr Christenleben ernst nehmen und die sich einsetzen wollen.
Natürlich war eine Panne passiert, kann ja überall mal vorkommen. Wem ist
das noch nie passiert, sitzt doch keiner da, der jetzt mit Steinen auf den
Petrus werfen könnte. Es war eine dumme Situation gewesen. Es war im Hof
und er wollte ja für Jesus in dieser Nacht eine große Tat tun und da kam so
ein dummes Mädchen und man muss gerade so sagen, die quatschte ihn an. Wenn
das wenigstens ein richtiges Bekenntnis gewesen wäre. Wenn sie ihn gehängt
hätten, dann hätte es sich ja noch gelohnt. Aber dort in dieser
versuchlichen Situation, da sagt er sich geschwind einfach von Jesus los:
Ich kenne den Menschen nicht. Sicher, das war ein unglücklicher Augenblick.
Und jetzt trifft er wieder Jesus, nach diesem unglücklichen Geschehen. Er
will doch für Jesus was tun. Er will sich doch einsetzen, er will Aktionen
machen. Er ist doch bereit, jetzt Hausbesuche zu beginnen oder ein
Versammlungshaus zu errichten oder ein Missionar zu werden oder in die
Diakonie zu gehen. Jesus muss nur sagen, was er will. Und es bezeichnend,
als Jesus am Ufer des Sees Tiberias auftaucht, ist der Petrus der
einzigste, der sich ins Wasser stürzt und Jesus entgegen krault. So rasch
wie es geht. Ich muss bei Jesus sein. Ich möchte doch einen Dienst für
Jesus machen. Ich möchte mich ihm zur Verfügung stellen. Und da lässt Jesus
ihn stehen. Sie frühstücken miteinander und es wird gar nicht viel
gesprochen.
Ich mache eine interessante Erfahrung. Bei vielen Hausbesuchen,
da sagen mir Menschen: Entschuldigen Sie, wir wollen nicht viel von Predigt
und Bibel und so, aber wenn Sie einen Dienst für uns haben, dann sind wir
da. Ich wundere mich, wie viel nette freundliche Menschen in unserer Welt
sind, die dienstbereit sind und da ist tatsächlich ein Problem. Die können
wir nicht einsetzen. Jesus hat nicht einfach jeden genommen und hat gesagt:
Komm, du kannst mitmachen. Ist nicht wahr. Sie frühstücken miteinander und
als endlich dieses Frühstück fertig ist, sagt Jesus zu Petrus: Hast du mich
lieb? Und dann geht es so weiter. Sie haben es ja gerade gehört. Dreimal
fragt Jesus nach. Der Petrus, ich sagte, ein gestandener Christ, der kommt
langsam ins Schwitzen und sagt: Also Herr Jesus, jetzt beim dritten Mal: Du
weißt das doch, du weißt doch, dass ich dich lieb habe. Wissen Sie, bei der
dritten Frage spätestens, ich glaube, da hat der Petrus das gar nicht mehr
so klar sagen können. Wenn ich Sie jetzt fragen würde: Haben Sie Jesus
lieb? würden Sie sagen, das ist mir eine ganz ungewohnte Fragestellung.
Wenn ich Sie frage: Wollen Sie für Jesus etwas tun, da können Sie alle
sagen: Ja! Aber wenn ich Sie frage: Haben Sie Jesus lieb? sagen Sie: Wie
geht das überhaupt? Kann man Jesus lieb haben? Die meisten Menschen meinen,
Christus hätte ein Programm verkündigt und wir müssten Programme lieben
oder wir müssten Institutionen lieben oder wir müssten Menschen lieben.
Nein, es fängt damit an, dass Jesus sagt: Hast du mich lieb? Und da macht
Jesus am Ende des Johannesevangeliums das noch einmal ganz deutlich: Er ist
eine Person. So wie man einen Menschen neben sich liebt, so wie man mit
einem Ehegatten befreundet ist und sich versteht und mit ihm alles teilt,
so sagt Jesus: Hast du mich so lieb? Und da erschrecken wir auf einmal und
denken: Das ist uns unbekannt. Vielleicht sagt einer: Wie mache ich denn
das mit der Liebe zu Jesus? Die Liebe hat Jesus zuerst in Ihrem Leben
angefangen. Und sie brauchen das jetzt gar nicht so gewaltsam aus sich
herauszupressen, sondern das ist ja seine ganze Mission in dieser Welt
gewesen, das war doch Liebe.
Und wenn Sie einmal sehen wollen, was er da in
dieser Liebe gemacht hat, da wissen Sie, da geht es jetzt nicht um Gefühle,
um schwärmerische Empfindungen, die wir haben, um schwülstige Dinge,
sondern da geht es um ganz nüchterne, männliche Dinge, dass Jesus die
Lasten dieser Welt mitgetragen hat, dass er sich neben Menschen hinstellt,
dass er Leiden trägt, dass er sich unter Schuld beugt, dass er die Qualen
von Menschen versteht, dass er stehen bleiben kann, dass er mitzittert,
dass er unser Schicksal mitträgt und sich mit unter diese Todeslast beugt,
das ist Jesu Liebe! Und so lang Sie leben, hat Jesus Ihr Leben mitgetragen.
Er kennt doch Ihre Sorgen und Nöte. Er weiß doch, was Sie bewegt. Und es
genau auch das erzählt, dass er in dem Augenblick wo Petrus Jesus
verleugnet hat in der Nacht, ihn ansah. Dieses Ansehen Jesu, dieses Wissen,
um das was mich bewegt, dieses Mittragen, dieses Mitleiden und
Mitempfinden, das ist die Liebe Jesu. Und wenn Jesus uns fragt: Hast du
mich lieb? dann will er doch bloß sagen: Du, teilst du jetzt auch mit mir?
Liebe ist teilen. Eheleute teilen alles miteinander und wenn sie das nicht
miteinander teilen können, sondern einer einen Rest für sich behält, ist
das keine Liebe. Der Vater meiner Frau ist plötzlich auch mein Vater. Und
was mir gehört, das gehört meiner Frau. Und es gibt ein Teilen mit Jesus,
dass ich meine Schwachheit auf ihn lade, meine Sorgen und meine Angst, ja
mein ganzes Leben, das, was ich in dieser Welt schaffen will. Herr Jesus,
komm wir teilen es. Wenn das Liebe ist, ich will doch dich lieb haben.
Jesus hat den Petrus als gestandenen Christen abblitzen lassen als er ihm
entgegenkraulte und einen großen Dienst machen wollte. Jesus sagt: Du, eins
zuerst, gibt es Liebe zwischen uns?
Nur so kann man Zweifel überwinden
Das zweite: Nur so kann man Zweifel überwinden. Unter Christen gibt es ja
die Not, dass man nicht glauben kann. Und wir haben die ganze Reihe
überschrieben, diese fünf Sonntage: kritische Fragen an zweifelnde
Menschen. Und da müssen wir jetzt auch einmal davon sprechen, dass wir
angefüllt sind mit Fragen und sagen: Ich verstehe das Evangelium nicht. Ich
frage immer wieder: Wo ist denn Gott? Ich kann ihn in meinem Leben nicht
sehen. Oder ein anderer sagt: Du, da gibt es so viel Schweres in der Welt,
da gibt es Menschen, die leiden; schau doch nur die Zeitung an: Wie kannst
du denn da deine frohe Botschaft verkündigen, da sind doch Zweifel, da gibt
es Fragen, Probleme. Wir haben manchmal fast so eine merkwürdige Art, dass
wir immer wieder an den Problemen ausschließlich stehen bleiben und kaum
darüber wegklettern können. Und ich bin so froh, dass Jesus einfach zu dem
Petrus sagt: Du, zuerst wird meine Frage beantwortet, dann erst deine. Hast
du mich lieb? Würden Sie sagen: Ich kann die Frage, die Jesus mir stellt,
erst beantworten, wenn er meine Fragen beantwortet hat. Nein, so kriegen
Sie keine Antwort. Jesus steht in Ihrem Leben schon lang da und bietet
Ihnen seine Liebe an. Er will Ihren ganzen Werktag, Ihre Berufslast, Ihr
Familienleben, Ihre Einsamkeit will er mittragen. Er hat ein Wort für Sie.
Und er sagt: Komm, wir plaudern miteinander über das. Wir reden darüber.
Und Sie dürfen selbst sogar Ihre Zweifel mit Jesus teilen. In der rechten
Ehe, da spricht man auch schwierige Dinge miteinander und wo Liebe ist, da
kann man sich austauschen über komplizierte Dinge. Reden Sie doch über Ihre
Zweifel mit Jesus! Ich habe doch in meinem Leben nie alle Fragen
beantwortet, aber Jesus sagt: Entscheidend ist, dass du mich lieb haben
kannst. Und auf einmal merkt er, Petrus, der schwierigste Zweifel in meinem
Leben, der bin ja ich. Ich bin ja die problematische Figur. Ich kann zu
allem fröhlich Ja sagen, aber wenn mein Ja so ein wackeliges Ja ist, dass
ich nachher wieder umkippe und dieses Ja nicht hält so wie es in dieser
Nacht war, wenn alle meine Bekenntnisse nur Lippenbekenntnisse sind! Jesus
hat nie viel über Liebe gesprochen, Jesus hat geliebt. Und es ist auch gut,
dass Jesus von uns keine großen Sprüche verlangt, sondern dass er nur immer
darauf hinweist, zwischen Jesus und dir ist nur Liebe notwendig: Hast du
mich lieb? Und wo Liebe zu Jesus da ist, da gibt er plötzlich auch Dienste.
Da zeigt Jesus diesem Petrus die Menschen in dieser Welt und sagt: Du, das
sind meine Lämmer, meine Schafe. Dass Menschen Schafe sind, das ist Ihnen
vielleicht noch keine Neuigkeit, alle Menschen. Es gibt nur Schafe, die
einen Hirten haben und Schafe, die keinen Hirten haben. Jesus vertraut das
diesem Petrus an und sagt: Sorge doch dafür, dass diese Menschen, die in
dieser Welt keine Richtung, kein Ziel, keine Hoffnung haben, herfinden zu
dem, der sie allein weiden und führen kann, meine Schafe. Es ist ja
merkwürdig, was Christen alles aus guten biblischen Sachen machen, wie man
gute Sachen verdrehen kann. Und aus dem Hirtenamt hat man ja in der
Geschichte der Christenheit allerhand Falsches gemacht, man hat ein
Herrschaftsamt daraus gemacht. Und ich meine, es erfordert immer wieder
Mühe bis wir das wirklich praktizieren, dass wir alle Pastoren sind. Das
was gerade diese jungen Leute in diesem Schulungskurs mitmachen, dass ich
gar nicht bestimmte Veranstaltungen machen muss, sondern dass da wo ich im
Beruf lebe, wo ich in der Familie bin, wo ich mit Freunden zusammenkomme,
wo Sie in einem Verein Mitglied sind, dass Sie dort Schafe weiden dürfen,
dass Sie Menschen Jesus anvertrauen dürfen, dass man sein Leben in Jesus
bergen kann. Es heißt ja bei diesem Befehl da mit dem Weideamt nicht so wie
wir gern daraus machen: Ihr müsst euch alle von mir weiden lassen. Das kann
man nicht als Anspruch aussprechen; alle Kreise in der Gemeinde müssen sich
von mir weiden lassen. Das steckt im Hirtenamt nicht drin, der Anspruch des
Pastors, des Pfarrers über seine Gemeinde. Was ganz anderes: Schau dich um,
um dich her leben Menschen: Weide sie um der Liebe zu Jesus willen. Und das
war merkwürdig, wie Menschen dieses Amt des Weidens aufgenommen haben. Ich
könnte Ihnen jetzt aus der Geschichte der Christenheit erzählen wie ein
Bodelschwingh plötzlich den Ruf aufnahm und heillose kranke Menschen
pflegte. Hast du mich lieb? hat ihn Jesus gefragt, dann bitte, da sind
meine Schafe.
Wie unser Doktor Kilgus jetzt kürzlich hinausgeflogen ist
nach Pakistan, obwohl er ein dreiviertel Jahr auf das Visum warten musste,
das war doch unfreundlich genug, wie sie es ihm gemacht haben und wie sie
ihre Ablehnung gezeigt haben und wie er zurückschreibt in der ganzen
Freude, dass er an diesen Menschen Dienst tun darf, obwohl er keine eigene
Wohnung hat und nicht einmal einen eigenen Stuhl; irgendwo in der Fremde zu
leben, aber ein Dienst an den Schafen Jesu; wo ein Richard Straube sein Amt
im Evangeliumsrundfunk aufgibt und seine Wohnung mit Fixern teilt, weil er
sagt: Schafe Jesu, die ich weiden darf und all die Menschen, mit denen Sie
zusammenkommen, hast du mich lieb? fragt Jesus sie und das sind doch meine
Schafe. Du brauchst doch keine großen Wort machen. Lass doch die wieder die
Liebe spüren! Der christliche Glaube ist doch keine Ideologie und ist nicht
eine Lehre, ein Programm, sondern das ist Liebe, gelebte Liebe. Liebe zu
Jesus und das spüren die anderen und da gibt es gar keine Grenze für diese
Liebe, da kann es gar keine Abhaltung geben, da kann man sich auch nicht
erbittern lassen, wenn man Nein hört, sondern da wird man Menschen das
spüren lassen: Ich teile, was ich habe, mit dir und du darfst wissen, dass
ich dich schätze und ehre – das ist das, was Jesus seinen Jüngern
aufgetragen hat nach der Auferstehung.
Auf Liebe kann man bauen
Noch ein Letztes: Auf Liebe kann man bauen. Hoffentlich konnten Sie es
behalten. Also die Frage: hast du mich lieb? bringt sogar gestandene
Christen zum Schwitzen. Und das Zweite war: So kann man Zweifel überwinden,
wenn man einfach Jesus liebt. Und das Letzte: Auf Liebe kann man bauen. Die
Frage ist verpönt. Als in Württemberg das Gesangbuch 1950 eingeführt werden
sollte, das wir jetzt haben (1975). Da gab es ziemlich große Diskussionen,
ob man so ein Lied überhaupt aufnehmen soll Ich will dich lieben, meine
Stärke" – Liebe zu Jesus ist doch komisch. Menschenliebe, Feindesliebe, das
leuchtet jedem noch ein, aber Liebe zu Jesus. Aber Jesus hat es so zentral
in die Mitte seines Evangeliums gestellt. Und wenn andere sagen, das ist
eine pietistische Frage – ich kann nichts dafür, dann stammt sie doch noch
von Jesus. Und danach wollen wir uns doch richten. Aber wenn ich jetzt
diese Frage höre, die Jesus an mich stellt: Hast du mich lieb? dann fragt
Jesus mich so, weil er mich auf seinen Weg mitnehmen will. Das bleibt das
Letzte.
Es ist noch ein ganz neuer Gedanke, den ich jetzt Ihnen hier noch erklären
muss. Wir haben alle schon oft gebetet: Herr Jesus, geh du mit mir und
leite mich auf meinen Wegen. Morgen früh, wenn ich wieder zur Arbeit muss
oder wenn ich einen schwierigen Gang machen muss: Herr Jesus geh mit mir.
Aber eigentlich heißt es ja umgekehrt. Der gute Hirte läuft ja nicht den
Schafen nach, sondern an und für sich, zeigt der Hirte, wo es zur Weide
geht. Er stellt die Richtung klar. Und da sagt Jesus zu Petrus: Du, wenn du
reif wirst in der Nachfolge Jesu, wenn du ein richtiger gestandener Christ
wirst, dann wirst du immer mehr das lernen, dass es nicht nach deinem Kopf
und deinem Programm geht, sondern dass in dem Leben ich vorangehe. Du aber
folge mir nach! Und der Weg, den Jesus geht, der geht so, dass man nicht
bloß große Evangelisationen hält und wunderbare Veranstaltungen macht,
sondern dass man mit hineingebunden wird in die Leiden dieser Welt. Wie
viele aus unserer Mitte können jetzt nicht da sein, weil Gott sie auf das
Krankenlager geworfen hat. Und sie müssen hier mitleiden mit einer Welt,
die unter dem Schrecken des Todes noch steht. Wie viele haben das in den
letzten Wochen erfahren und gespürt, wie der Tod zugeschlagen hat. Andere
sind belastet mit Sorgen und kriegen sie nicht los.
Jesus hat uns nicht
versprochen, dass er uns alles wegräumt, sondern dass wir mit Menschen die
Lasten teilen, indem wir sie sogar selber mittragen müssen. Und es gibt
sogar noch das, dass Christen ganz besonders den Hass dieser Welt spüren
und wir denken ja auch in diesen Tagen ein wenig mit Schrecken, was wohl
auf die Christen von Vietnam zukommen kann, wenn die ganze Feindschaft
gegen das Evangelium so losbrandet wie in China oder in Russland. Und wenn
sie durch Martyrium gehen müssen.
Ein anderer wird dich gürten und führen,
wohin du nicht willst. Das sagte er aber zu zeigen, mit welchem Tode er
Gott preisen würde. Und als er das gesagt hatte, sagte er zu ihm: Folge mir
nach! Und da sagte Petrus: Gerne, Herr Jesus gerne. Gerne gehe ich mit dir
den Weg. Vielleicht ist einer erschrocken und denkt: Das will ich nicht
machen, wenn das in meinem Leben kommen sollte. Doch, sagt Petrus, doch
gerne. Ich habe eine Garantie, ich habe ein Pfand, deine Liebe, Jesus.
Deine Liebe. Und weil ich weiß, dass du mich lieb hast, weiß ich, dass du
Gedanken des Friedens mit mir hast. Manche werden nur den Kopf schütteln
können bei unsern Diensten am Grab und sagen: Was redet denn der her mit
dem Evangelium, dass wir einem Trauernden trotz der Last, die über ihn
hereinbricht, sagen: Und doch hat Gott Gedanken des Friedens mit dir. Du
wirst es im finstern Tal erfahren, dass er bei dir ist, weil auf Liebe man
bauen kann. Und deshalb legt Jesus so großen Wert darauf: Hast du mich
lieb? Hast du mich lieb? Darauf kann man bauen und wie es dann Paulus
später gerufen hat: Ich bin gewiss, ist Gott für uns, wer kann denn da
jetzt noch gegen uns sein? Er hat ja seines eigenen Sohnes nicht verschont.
Er hat das Pfand der Liebe gegeben, indem Jesus für mich verblutet ist. Und
seitdem weiß ich es: Nichts kann mich mehr aus der Hand Jesu reißen.
Ich möchte zum Schluss noch von einem großen christlichen Märtyrer reden:
Chrysostomus, der große Predigten gehalten hat in der alten Kirche. Und als
sie ihm das alles weggenommen haben, ein ganz bedeutender Kirchenvater, als
sie ihm noch nach dem Leben trachteten, da wurde er gar nicht bitter,
sondern da hat er nur beten können: Ich danke dir Herr für das reiche
Leben, das du mir geschenkt hast. Das Leben mit Jesus, dem guten Hirten,
ist immer ein reiches Leben. Nur viele Menschen entdecken es nicht. Man
entdeckt es nur, wenn man Liebe mit Jesus lebt. Und Liebe kann man mit
Worten nicht erklären, das muss man erfahren.
Amen.
