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Welcher Glaube aus der Predigt kommt

Römer 10,13-10,2112.12.2015
SerieTeil 3 / 7Regionalkonferenz Schweiz 2015
Nicht Show, sondern Gottes Wort verändert Herzen. Die Frage ist: Kommt bei dir nur Zustimmung an – oder echter Glaube, der dein Leben wirklich umkrempelt?

Begrüßung und gemeinsamer Ausgangspunkt

Herr Präsident, liebe Geschwister, liebe Schwestern und Brüder!
Es ist ja hier richtig schön, geballte Kraft von Männern und Frauen Gottes zu sehen. Wir freuen uns auch, dass wir als Archegemeinde, wir nennen uns ja Evangelisch-Reformierte Freikirche in Hamburg, auch Teil von E21 sein dürfen. Das ist für uns eine große Freude, dass es so etwas in Deutschland gibt und ja auch in der Schweiz, überhaupt im deutschsprachigen Europa, und dass hier auch die gleiche Sehnsucht vorherrscht: das gute Evangelium, so wie es von Anfang an geschrieben steht, wieder zur Geltung zu bringen und wieder auch in den Gemeinden hören zu lassen, aber auch in der Gesellschaft.
Ich würde jetzt sehr gerne das Textwort nehmen, wahrscheinlich habt ihr das heute tagsüber schon mehrfach auch gehabt und gelesen. Der Glaube kommt aus der Predigt. Ich würde es aber aus einem ganz bestimmten Grund noch einmal lesen wollen. Habt ihr Freudigkeit, das noch einmal aufzuschlagen?
 Römer 10,13
Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden. Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt sind? Wie geschrieben steht: Wie lieblich sind die Füße derer, die das Evangelium des Friedens verkündigen, die das Evangelium des Guten verkündigen?

Die Spannung zwischen Verkündigung und Reaktion

Aber, und darauf möchte ich unseren Augenmerk richten, nicht alle haben dem Evangelium gehorcht. Es ist also kein Automatismus darin, wenn das Wort Gottes gepredigt wird, dass dann bei allen der gleiche rettende Glaube entsteht. Deswegen, weil das nicht so ist, deswegen eben auch der Vers 16 und manches, was dann noch folgt:
Nicht alle haben dem Evangelium gehorcht. Denn Jesaja spricht: Herr, wer glaubt unserer Predigt? Er hat ja wirklich das Wort Gottes gepredigt, aber er hat darunter gelitten, dass es nicht bei allen Glauben erweckt hat. Und jetzt kommt er wieder zurück zu seiner These, Vers 17:
So kommt der Glaube aus der Predigt, die Predigt aber durch das Wort Gottes.
Ich sage aber: Haben sie es nicht gehört? Doch, es ist ja in alle Lande ausgegangen, ihr Schall, bis an die Enden der Welt, ihre Worte.
Ich sage: Hat es Israel nicht erkannt? Wir wissen: nein. Zuerst spricht Mose:
Ich will euch zur Eifersucht reizen über ein Volk, das nicht ein Volk ist, und über ein unverständliches Volk will ich euch erzürnen.
Jesaja aber erkühnt sich und sagt:
Ich bin gefunden von denen, die mich nicht gesucht haben, und offenbar geworden denen, die nicht nach mir gefragt haben.
Zu Israel aber spricht er:
Den ganzen Tag habe ich meine Hand ausgestreckt zu einem Volk, das ungehorsam ist und widerspricht.

Ein Blick auf Mission und die überraschende Kraft des Wortes

Wir sind eine Zeit lang mit unserem Missionswerk auch zu Evangelisationen in Russland gewesen, damals noch in der Sowjetunion, unmittelbar nach der Wende. Das war für die Menschen etwas ganz Neues. Sie standen plötzlich unter dem Einfluss von Glasnost und Perestroika und schnupperten mehr oder weniger westliche Freiheit. Dann kam ein Evangelist aus Deutschland, und das war in Tscherkassy in der Ukraine, die damals noch zur Sowjetunion gehörte. Dort hatten wir in einem Stadion Versammlungen, und da waren auch Armeeleute von der Roten Armee.
Am nächsten Tag bekam ich dann die Nachricht, sie wären so begeistert und so froh über das, was sie am Abend von dem Deutschen gehört hatten, ob ich nicht auch in die Kaserne der Roten Armee kommen könnte, um den Offizieren das Evangelium zu predigen. Das war eines meiner wundersamsten, aber auch schönsten Erlebnisse.
Wir sind dann in diesem Veranstaltungsraum auf dem Gelände der Kaserne gewesen, zwischen Panzern, Raketen und lauter Militärpublikum, besonders Offizieren. Wir hatten dort etwa einen Raum wie hier, voll mit uniformierten und dekorierten oberen Generälen und Offizieren. Ich habe eigentlich mehr gezittert als gepredigt. Ich dachte: Hoffentlich sagst du nichts Falsches. Früher haben sie die Leute verhaftet. So war das alles noch ein Spagat. Niemand wusste auch genau, wohin die Reise ging. Aber wir haben dann gepredigt.
Dann habe ich die Frage gestellt, wer denn, nachdem er das Evangelium gehört hat, mit sich beten lassen möchte. Ich will nicht übertreiben, aber ich glaube, drei Viertel der Halle sind aufgestanden. Ihre Frauen hatten sie teilweise dabei, und die breitschultrigen, groß gewachsenen, stiernackigen Militärs stehen da und weinen. Wir haben Gespräch um Gespräch mit unserem Dolmetscher geführt, und wir haben selber geweint. Menschen dieser Couleur, erzogen im Atheismus, hören eine Predigt, und es ist eine Erweckung.
Was am Ende davon geblieben ist und wie nachhaltig das war, darüber möchte ich jetzt nicht sprechen. Aber ich kam ja gerade aus Deutschland. Dort komme ich ja in eine Bundeswehrkaserne gar nicht hinein. Wenn ich dort zu Menschen spreche, dann reagieren sie nicht, dann ist da die Wand. Und nun das in der Sowjetunion. Da habe ich lernen dürfen, nicht nur dort, aber auch dort, dass der Verkündigung des Wortes Gottes ein Geheimnis zugrunde liegt. Das kennt ganz allein der lebendige Gott. Aber wir dürfen es wahrnehmen, und das hilft uns, uns selbst vielleicht ein bisschen zurückzunehmen, weil wir merken: Es kommt nicht in erster Linie auf uns an, sondern es kommt auf den Herrn an.

Der Unterschied zwischen menschlichem und göttlichem Glauben

Denn nicht jede Predigt, die auch eine Wortpredigt ist, bringt den rettenden Glauben hervor. Eine gute Wortpredigt bringt den rettenden Glauben hervor. Wenn jemand errettet wird, dann ist es die Predigt des Wortes Gottes. Aber nicht jede Predigt aus dem Wort bringt Rettung hervor.
Die Armenianer führen das dann auf den sogenannten freien Willen zurück. Dann sagen sie: Ja, das hängt damit zusammen, dass die einen wollen und die anderen nicht wollen. Aber wir, glaube ich, haben gelernt, auch von den Reformatoren und aus der Heiligen Schrift, dass das so nicht ist, sondern dass da etwas Souveränes hineinwirkt.
Und wenn wir das Wort Gottes verkündigen, dann dürfen wir und sollen wir mit dem souveränen Handeln Gottes rechnen. Während wir sprechen, haben wir das Wort Gottes nicht in der Hand. Und so ist letzten Endes die Treue gefragt.
Welcher Glaube soll es denn sein und muss es sein, den die Predigt durch den Heiligen Geist wirkt, damit Menschen errettet werden, damit Menschen von Gott erfasst und weitergeführt werden? Ihr wisst, dass wir unterscheiden dürfen zwischen lebendigem Glauben und totem Glauben. Wir dürfen unterscheiden zwischen dem Glauben, den wir vielleicht ein Für-wahr-Halten nennen, der aber dem menschlichen Fleisch entspringt und keine durchgreifende Veränderung mit sich bringt.
Wir wissen aber auch, dass die Bibel uns lehrt, dass der Glaube eine Frucht des Heiligen Geistes ist. Und letzten Endes scheiden sich die Geister: Welcher Glaube entsteht in einem Zuhörer, wenn er das Wort Gottes liest?
Wir wissen, dass unser gesamtes Leben nur durch den Glauben gelebt werden kann. Jesus sagt in Johannes 20,31, dass wir durch den Glauben das Leben haben.
Nehmen wir das Beispiel unseres Verkehrs hier bei euch in der Schweiz, in Basel oder auch in Deutschland. Jeden Tag sitzen Millionen Menschen in Millionen von Autos, Bussen, Bahnen und Flugzeugen. Sie alle steigen in dem Glauben ein, dass das Verkehrsmittel sicher genug ist. Stellen wir uns einmal vor, was passieren würde, wenn jeder Fahrgast täglich erst einmal selbst den technischen Zustand seines jeweiligen Beförderungsmittels überprüfen sollte, um auch wirklich sicher sein zu können, dass alles in Ordnung ist.
Der Verkehr würde zusammenbrechen. Wir würden die Leute nur noch sehen, wie sie unter den Bussen und U-Bahnen herunterkriechen, die Motordeckel aufmachen, die Flugzeuge untersuchen und die Triebwerke kontrollieren. Es würde sich nichts mehr bewegen.
Jeder steigt, ich auch, auf dem Flug von Hamburg hierher, in dem Vertrauen und im Glauben daran ein, dass das hier alles schon seine Richtigkeit hat. Und wenn wir das nicht tun, dann ist Leben nicht möglich.

Vertrauen im Alltag als Bild für geistliche Wirklichkeit

Zwei Reisende sitzen im Flugzeug. Sie kommen ins Gespräch über den Glauben. Da sagt der eine: Ich glaube nur an das, was ich sehe.
Da fragt der andere zurück: Haben Sie denn den Flugschein vom Piloten auch schon gesehen?
Wieso das denn?
Na ja, meint der Christ, wie können Sie hier einfach so gläubig im Flugzeug rumsitzen, ohne gesehen zu haben, dass der Mann da vorne im Cockpit auch einen Pilotenschein hat? Sie glauben offensichtlich doch, auch ohne gesehen zu haben.
Der Mann, der nur glauben will, was er sieht, ist ziemlich verlegen. Würde er nicht glauben, ohne zu sehen, könnte er nicht fliegen.
Wir könnten nicht essen, wenn wir jeden Morgen unser Frühstück chemisch auseinanderlegen, es analysieren und ins Labor bringen würden, um zu prüfen, ob das, was wir zu uns nehmen, auch gegessen werden kann. Von den Medikamenten einmal ganz abgesehen.
Leben ist ohne Glauben unmöglich. Und die ganze Welt lebt durch den Glauben. Jesus sagt, dass wir durch den Glauben das Leben haben.
Ich denke auch an das Geschäftsleben. Hamburg ist ja, soll jedenfalls bekannt sein, eine Kaufmannsstadt. Man hat gern diesen Ausdruck gebraucht: der ehrbare Kaufmann in Hamburg.
Als ich kürzlich einen Kaufvertrag zu unterschreiben hatte, studierte ich das Kleingedruckte auf der Rückseite des Vertrags. Ihr wisst ja, in Deutschland wird so viel betrogen und gelogen. Deswegen würde ich am liebsten meine Verträge in der Schweiz abschließen, bei den Banken besonders.
Ja, und dann habe ich gelesen und gelesen. Der Kerl hatte doch gehofft, dass er nun endlich die Unterschrift kriegt. Ich habe also gelesen, aber ich sage: Warum schreiben Sie so viel Kleingedrucktes da rein? Das muss ich doch gucken, nicht wahr?
Und weil ihm das ziemlich lange dauerte und ich anschließend immer noch viele Fragen an den Verkäufer hatte, rief er ganz genervt: Lieber Mann, ein bisschen Vertrauen müssen Sie nun schon haben, sonst klappt das nicht.
Hat er Recht? Was? Natürlich hat er Recht. Es kommt kein Vertrag zusammen, wenn nicht irgendwo auch Glaube da ist.
Kontrolle ist besser als Glaube und Vertrauen, das ist wohl wahr. Aber wir sehen, dass im Grunde genommen in unserer natürlichen Welt Glaube und Vertrauen eine Schlüsselrolle spielen.
Das fängt schon bei einem kleinen Baby an, das instinktiv die Muttermilch einsaugt und überhaupt keine Skepsis und Zweifel hat, dass die Mutter sie nicht vergiftet. Es ist nicht vergiftet. Das ist ein Urvertrauen, es ist ein Glaube.
Und wenn es nun um das geistliche Leben geht, bleibt das Prinzip vom notwendigen Glauben zwar das gleiche wie im natürlichen Leben. Aber die Qualität des Glaubens, oder sagen wir mal die Ebene des Glaubens, muss eine andere sein.

Natürlicher Glaube und geistlicher Glaube

Daher gilt folgender Grundsatz: Natürliches Leben braucht natürlichen Glauben. Darüber habe ich bereits einige Beispiele gebracht. Geistliches Leben braucht jedoch geistlichen Glauben, einen von Gott gewirkten Glauben, also einen Glauben, der nicht aus dem Fleisch des Menschen kommt, sondern aus dem Himmel.
Wenn wir diesen Unterschied nicht klar beachten, verwechseln wir Äpfel mit Birnen. Dann wird unser Verständnis vom Evangelium verwirrend. Nicht selten wird von christlichen Lehrern behauptet, dass alle Menschen glauben könnten. Das sagen sie, weil sie die beiden Arten von Glauben, die ich eben versucht habe zu unterscheiden, durcheinanderbringen.
Wahr ist, dass alle Menschen im natürlichen Sinn Glauben haben, sonst könnten sie nicht leben. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass sie im geistlichen Sinn Glauben haben, dass sie lebendigen Glauben haben. Und genau hier müssen wir unterscheiden.
Allgemeinen menschlichen Glauben haben ohne Zweifel alle Menschen, sonst könnten sie psychisch und physisch nicht leben, wie wir gesehen haben. Dieser Glaube wird jedem Menschen bereits angeboren, wie beim Beispiel des Babys. Aber so ist es nicht mit dem Geistlichen, dem Lebendigen oder dem göttlichen Glauben. Dieser wird nicht durch natürliche Geburt vererbt. Er kommt aus einer anderen Welt, genauso wie das geistliche Leben auch aus einer anderen Welt stammt.
Demzufolge ist es nicht wahr, dass jeder Mensch von Natur aus die Fähigkeit hat, an Christus zu glauben und ihm zu vertrauen. Die Bibel lehrt uns nicht, dass der Glaube das Allgemeingut der ganzen Menschheit ist. Für mich sagt sie in 2. Thessalonicher 3,2: Der Glaube ist nicht jedermanns Ding, oder sauberer übersetzt: Der Glaube ist nicht aller Menschen Teil. Und damit ist klar, dass nicht jeder Mensch von Natur aus den Glauben hat, durch den wir geistliches und ewiges Leben empfangen.
Dieser biblische Glaube muss jedem extra von Gott gegeben werden. Deshalb auch diese starken Verse und Sätze, die wir ja alle kennen: Denn aus Gnade seid ihr errettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es. Also handelt es sich nicht um Glauben aus uns selbst, durch den alle Menschen so agieren könnten, sondern: Aus Gnade seid ihr errettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es. Der Glaube ist also nicht aus uns, sondern eine Gabe der Gnade von Gott.
Und deshalb heißt es in Johannes 6,29: Dies ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat. Das ist das Werk Gottes. Demzufolge kann kein Mensch von sich aus mit dem Glauben beginnen. Darum sagt ja auch die Schrift, dass Jesus der Anfänger des Glaubens und auch der Vollender ist.
Dass die Bibel zwischen dem Menschlichen und dem Göttlichen, oder sagen wir einfach zwischen dem natürlichen und dem übernatürlichen Glauben unterscheidet, geht außerdem daraus hervor, dass die Bibel auch vom toten Glauben oder vom lebendigen Glauben spricht. So ist auch der Glaube, wenn er keine Werke hat, in sich selbst tot.

Merkmale eines bloß äußerlichen Glaubens

Hier spricht der Apostel von dem Glauben, der lediglich aus menschlicher Quelle kommt, der aber keine Kraft zu einem veränderten Leben in sich trägt. Es handelt sich um einen intellektuellen oder auch um einen emotionalen Glauben, einen rationalen Glauben.
Sie kennen gewiss auch Menschen, die die Bibel vom Verstand her für richtig halten und an sie glauben. Aber man sieht nicht, dass dieser Glaube ihren Charakter verändert.
Ähnlich ist es mit Menschen, die in gewissen Veranstaltungen voller Begeisterung Ja zu Gottes Wort sagen. Aber es sind lediglich ihre Gefühle, die in Wallung geraten, und im alltäglichen Leben sieht man hinterher nichts von ihrem Glauben. Ihr Glaubensbekenntnis geschieht nur mit den Lippen, aber nicht mit der Tat.
Eines Tages hatte Jesus es mit Menschen zu tun, von denen es hieß, es glaubten viele an seinen Namen. Jesus aber vertraute sich ihnen nicht an, weil er sie alle kannte. Na, komisch! Es glaubten viele an ihn, aber Jesus vertraute ihnen nicht.
Das ist allgemeiner menschlicher Glaube, und dieser tote Glaube hat seinen Ursprung im Menschen oder im Fleisch. Und Jesus sagt: Das Fleisch nützt nichts.
Der rettende Glaube ist ein übernatürlicher Glaube, ist letzten Endes ein Wunder. Der rettende, lebendige Glaube ist ein Wunder. Die Errettung ist ein Wunder, die Wiedergeburt ist ein Wunder, aber der Glaube, der daraus entsteht, ist auch ein Wunder. Es ist ein Werk Gottes, es ist ein Handeln Gottes.
Gott ist Geist, und die, die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.

Geistliche Diagnose und das Wunder der Wiedergeburt

Wir stellen also fest, dass kein natürlicher Mensch diesen lebendigen und rettenden Glauben haben kann. Das ist gewiss eine aufbauende Botschaft. Aber vor der Therapie ist immer auch eine ehrliche Diagnose nötig. Das heißt, wir müssen erkennen, was ich eben auch schon in der Frage eingangs versuchte zu sagen: Wir können keinen rettenden Glauben erzeugen. Und es kann auch kein Zuhörer aufgrund rationaler Überzeugung sagen: Ich bringe rettenden Glauben hervor.
Die Frage ist: Welcher Glaube muss es sein? Und wir stellen fest, dass es der Glaube sein muss, den Gott wirkt, der lebendige Glaube. Der Johannesbrief schärft uns ein: Wer glaubt, dass Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren. Wer also an Christus glaubt, der ist von Neuem geboren.
Wir müssen verstehen, dass, wenn das Wort Gottes gepredigt wird durch die Kraft des Heiligen Geistes, ein Wunder nötig ist, damit ein Mensch gerettet werden kann. Man könnte auch sagen, es ist eine Totenauferweckung nötig. Lazarus liegt im Grab, und Jesus ruft: Lazarus, komm heraus! Ja, wenn ich da gestanden hätte, weiß ich nicht, was passiert wäre. Was geschah da, dass Lazarus hören konnte?
Gott sagt zu Hesekiel: Sprich zu den Totengebeinen! Und er spricht, und was passiert? Die Totengebeine bewegen sich und werden lebendig. Also, mit anderen Worten: Wenn du ein Prediger des Evangeliums bist, musst du dir vorher erst einmal bewusst machen, dass du ein Feld von Knochen vor dir hast, ein Feld voller Totengebeine. Du kannst nichts voraussetzen. Sie sind geistlich gesehen mausetot.
Und wenn da etwas passieren soll, dann darf man und muss man verstehen, dass der Ruf, den man spricht, ein Vollmachtsruf sein muss.

Berufung, die Leben schafft

So war es bei Jesus. Jeder natürliche Mensch ist nach der Bibel geistlich tot. Er vernimmt nichts vom Geist Gottes. Jeder Mensch ist von Haus aus tot durch Übertretungen und Sünden, so wie Lazarus dem Leibe nach tot war.
Und genau so ist der Evangeliumsruf. Die göttliche Berufung bringt immer zugleich das Leben mit. Sie ist nicht eine Option auf das Leben, sondern sie ist das Leben. Wenn Jesus sagt: Lazarus, komm heraus!, dann spricht er mit diesem Ruf dem Mann das Leben zu. Der Tote empfängt mit dieser Berufung das Leben. Er ist auferweckt und kommt heraus.
Was Menschen dann noch tun müssen, ist, ihm seine Grabtücher abzunehmen, damit er gehen kann. Aber der gewaltige Ruf Gottes, seine Berufung, wirkt das Leben.
Wenn Gott Menschen auf diese Weise wirksam beruft, dann ruft er sie auch bei Namen. Er hat ja gesagt: Lazarus, komm heraus! Jesaja hat gesagt: Fürchte dich nicht, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Jesus beruft namentlich und sagt: Lazarus. Und er sagt: Hermann, Brigitte, Maria, Friedrich, komm raus!
Möglicherweise ruft er nicht diese Namen. Aber ist es nicht auch immer wieder passiert, dass nach einem Gottesdienst Menschen vor dir stehen und dir erzählen: Sie haben meine Geschichte gepredigt. In einem Fall hat mir jemand sogar mit dem Rechtsanwalt gedroht, weil ich seine Sünden öffentlich gemacht hätte. Das war so massiv und so detailliert, dass der Mann zitterte, während er auf dem Stuhl saß. Hinterher weinte er und bekehrte sich.
Die Menschen erzählen uns und sagen: Woher wissen Sie das aus meinem Leben? Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich habe gedacht, ich bin ganz alleine in diesem Gottesdienst. Haben Sie denn nur zu mir gesprochen? Es waren doch 500 andere da.
Das ist es, das ist der Ruf. Es ist das Wort Gottes, und Einzelmenschen werden gepackt.

Beispiele für wirksame Anrede und göttliches Suchen

So war es doch bei Zachäus auch, oder nicht? Der Mann war doch nur neugierig und dachte: Den Typen Jesus, den will ich mir mal angucken. Ich habe schon so viel von ihm gehört.
Der hatte doch nicht vor, bußfertig auf den Baum zu klettern, weil er schon dachte: Heute gehe ich mal hin und will mich verändern. Nein, gar nicht. Der Mann hat sich hinter diesen riesengroßen Maulbeerbäumen versteckt. Die sollen so große Blätter haben, dass man ihn nicht sehen konnte. Und dann hat er zwei Blätter auseinander gemacht und die Nasenspitze da durchgehalten. Dann hat er gesehen: Oh, da kommt ja die ganze Masse, ein Riesenvolk um den Herrn. Und er hat gedacht: Ich kann da ganz anonym oben sitzen bleiben und mir das Schauspiel anschauen, bis die Parade vorbei ist.
Aber auf einmal bleibt Jesus vor ihm stehen, schaut auf den Baum, als wenn der Geheimdienst ihm das erzählt hätte, nicht wahr? Er schaut auf den Baum und dann, was sagt er? „Sie da, Herr Zollbeamter, Sie Betrüger, kommen Sie runter!“ Nein, er hat gesagt: „Zachäus.“ Jetzt weiß er auch noch, wie ich heiße. Das ist der Punkt. Und dann sagt er: „Steig eilends hernieder, denn ich muss heute in dein Haus einkehren.“
Und was macht der? Der kann gar nicht mehr anders. Calvin nannte das die wirksame Berufung. Und wir lesen: Und er stieg eilends hernieder, und er nahm ihn in sein Haus auf. Und hinterher: Alles, was ich anderen Leuten an Betrug verpasst habe, gebe ich bis zu viermal wieder zurück. Und Jesus sagt: Diesem Hause ist Heil widerfahren.
Und wenn wir uns überlegen: Da waren Jahrhunderte, möglicherweise Tausende. Da war ein Rummel um Jesus, da war eine Volksmenge, die man kaum zählen konnte. Und alle kannten sie Jesus. Sie haben seine Zeichen gesehen, seine Wunder gesehen, sie haben seine Predigten gehört und teilweise auch seine Gleichnisse vernommen. Ja, und sie liefen, sie glaubten wegen der Wunder, die er getan hat. Und wir wissen: Eines Tages, als der Heiland dann gemartert wurde, haben sie gerufen: Kreuzige ihn, kreuzige ihn.
Das war der Grund: Sie glaubten an ihn, aber Jesus vertraute sich ihnen nicht an. Da war Glaube, da war ein gewisser allgemeiner, emotionaler Glaube vorhanden. Aber es war nicht dieser notwendige Glaube. Es war dieses Wunder des Glaubens nicht, es war nicht der geistgewirkte Glaube. Aber als Jesus den Zachäus gerufen hat, da haben wir ein gutes Beispiel, wie das läuft.
Und wenn Jesus sagt, dass er neunundneunzig seiner Schafe, der gute Hirte, alleine lässt, um einem nachzugehen, es zu suchen, so lange, bis er es findet, und er gibt nicht auf, bis er es auf seinen Schultern hat und es trägt bis nach Hause und es sicher nach Hause ankommt. Lob und Dank!

Weitere biblische Beispiele für Gottes wirksames Handeln

Liebe Schwestern, liebe Brüder, wir sehen, was für ein Geheimnis die Verkündigung des Wortes Gottes ist. Beim Saulus von Tarsus war es ja ähnlich. Ihr könnt verschiedene Beispiele in der Bibel nehmen. Saulus hatte da auch ganz andere Ambitionen; man hat keine Ahnung, was gleich passiert, bevor er Damaskus erreicht hat.
Dann kommt also irgendeine Macht über ihn, und er fällt irgendwo auf den Boden. Er kann sich gar nicht mehr bewegen, wie eine Katze oder, besser gesagt, wie ein Bär auf dem Rücken. Er kann nur noch mit Händen und Füßen wackeln. Und dann ruft er: Herr, wer bist du? Ich bin Jesus, den du verfolgst. Es war wieder so. Das ist ja so kostbar.
Ich erinnere mich an einen Mann vor einigen Jahren. Er kam in unseren Gottesdienst und hatte vor, alles auseinanderzunehmen, was man über die Arche sagen kann. Er war von der Presse, und alles war verkehrt. Am Ende hat er sein Buch zugemacht und den Bleistift auch da hineingesteckt. Nach dem Gottesdienst kommt er zu mir und sagt: Herr Pastor, das und das wollte ich tun, aber wissen Sie, ich habe damit Schluss gemacht. Ich glaube, ich muss mich bekehren.
So habe ich auch gedacht: wunderbar.

Ermutigung zum Vertrauen in Gottes Wirken

Ja, wir dürfen, wir dürfen wirklich mit Gott rechnen. Wir dürfen dem Wort Gottes vertrauen, und wir dürfen dem lebendig machenden Heiligen Geist vertrauen. Und dann kann es auch einmal passieren, dass nichts passiert. Aber das ist nicht meine Verantwortung.
Wir können jedoch damit rechnen, dass da doch ein Zachäus dazwischen ist, dass da doch ein Saulus dabei ist, dass da aus den toten Gebeinen doch Menschen lebendig werden und dass der Lazarus doch aus dem Grab kommt.
Also, ihr Lieben, wir dürfen uns freuen: Der Glaube kommt durch die Predigt. Welcher Glaube muss es sein? Es soll der Glaube sein, der den Herrn Jesus Christus kennt, der vom Heiligen Geist gewirkt wird, das Evangelium versteht und mit großer Freude und mit großer Zuversicht dürfen wir das Amt des Wortes Gottes verrichten.
Ich darf euch sagen, Bruder Peter hat das gesagt, dass ich schon vier Jahrzehnte und noch länger das Evangelium verkündige. Ich kann euch nur sagen: Früher habe ich tatsächlich geglaubt, dass es letzten Endes eine Sache meiner Fertigkeit und meiner Geschicklichkeit ist, und dessen, was ich so auch an Effekten und rhetorischen Feuerwerken abbrennen kann. Dann wird die Gemeinde, die Versammlung, aufgewühlt sein, und viele Leute weinen und liegen auf dem Fußboden und alles Mögliche.
Das kannst du dir alles schenken, nicht wahr? Das kannst du dir alles schenken.

Schluss: Treue statt Show

Hinterher habe ich wieder einen Beweis gehabt. Ich bin ja damals, vor, wann war das, in den Achtzigerjahren, da in Shibulja gewesen. Ja, ich glaube, 1987 hatte ich zwei Evangelisationen in Schibulja. Das nannte man Crusade, und wir hatten Tausende von Zuhörern. Ich war damals noch so ein richtig finsterlich-charismatischer Boy und habe stapelweise Entscheidungskarten gehabt. Dann haben die Leute dort Entscheidungskarten ausgefüllt, und ich habe in meinem Missionsreport geschrieben: 2250 Entscheidungen für Christus.
Na ja, das habe ich selber nicht geglaubt, weil ich wusste, dass das bei Licht besehen, wenn man es mal nachprüft, noch nicht so ist. Ich habe mich jetzt gefreut, dass aber doch eine kleine Gemeinde entstanden ist, von ein paar Hundert Menschen, die wahrscheinlich alle gar nicht bei der Evangelisation dabei waren. So ist es doch, ihr Lieben. Ich habe mich gefreut, dass der Herr doch noch Gnade geschenkt hat.
Aber unsere Methode und unser Bekehrungssystem ist es nicht gewesen. Es ist das lebendig machende Wirken des Heiligen Geistes in Verbindung mit dem geschriebenen Wort. Und das ist die Hoffnung, die wir haben. Eine andere Hoffnung haben wir nicht.
Diese ganzen Eventveranstaltungen und die Shows, die man in den Kirchen und Gemeinden hat, sind es nicht. Meine Zeit ist doch der Mühe nicht wert, dann werde ich lieber Beamter bei der Bundesbahn. Das ist also, damit man es leichter versteht, nicht der Weg. Ich denke, das hat also keinen Sinn.
Aber wir dürfen uns freuen, und wir dürfen froh sein: Unsere Arbeit in dem Herrn ist nicht vergeblich. Und zwar aus dem einfachen Grund, weil Gott sein Wort liebt. Er hat es mit Kraft ausgerüstet durch den Heiligen Geist. Und jeder Mund und jede Zunge, die in Treue die Heilige Schrift verkündigt und sie auslegt, ist von Gott gesegnet, durch viel oder durch wenig. Der Herr schaut nur darauf, ob wir in der Sache treu sind.
Gott möge euch segnen. Amen.